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Full text of "Ludwig Darmstaedters Handbuch zur geschichte der naturwissenschaften und der technik. In chronologischer darstellung"

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5   f?.^^ 


HARVARD 
COLLEGE 
LIBRARY 


1- 


Ludwig  Darmstaedters 

Handbuch  zur  Geschichte 

der  Naturwissenschaften 
und  der  Technik. 

In  chronologischer  Darstellung. 

Zweite,  umgearbeitete  und  Termehrte  Auflage. 

Unter  Mitwirkang  von 

Professor  Dr.  R.  du  Bois-Reymond  und  Oberst  z.  D.  C.  Schaefer 

herausgegeben  von 

Professor  Dr.  L.  Darmstaedter. 


Berlin. 

Verlag  von  Julius  Springer. 
1908. 


§^^.015» 


SEP  2  1920    ^ 


Alle  Bechte,  insbesondere  das  der  Übersetzung 
in  fremde  Sprachen,  yorbehalten. 


Friedrich  Althoff 

dem  unermüdliclien  Förderer  der  Wissenschaft 
in  Verehrung  zugeeignet. 


Wer  nicht  von  dreitausend  Jahren 
Sich  weiß  Rechenschaft  zu  geben. 
Bleib  im  Dunklen,  unerfahren. 
Mag  von  Tag  zu  Tage  leben. 

West-östlicher  Divan. 


Vorwort. 


In  einem  im  Jahre  1904  unter  dem  Titel  „4000  Jahre  Pionier-Arbeit 
in  den  exakten  Wissenschaften"  erschienenen  Werke  haben  wir  den  Ver- 
sach gemacht,  einen  Abriß  der  Geschichte  der  Naturwissenschaften  und 
ißt  Technik  in  Form  einer  chronologischen  Übersicht  zu  geben. 

Das  vorliegende  Buch,  für  dessen  Bearbeitung  noch  ein  dritter 
Hitarbeiter  gewonnen  worden  ist,  verfolgt  den  gleichen  Zweck,  jedoch 
in  ausführlicherer  und  umfassenderer  Weise. 

Die  Zahl  der  Artikel  ist  von  3600  auf  nahezu  13000  gestiegen.  Es 
sind  jetzt  nicht  nur  die  bahnbrechenden  Taten  und  grundlegenden  Er- 
eignisse, sondern  auch  die  einzelnen  Stufen  der  Entwicklung  zur  Dar- 
stellung gelangt,  und  es  ist  dadurch  der  Werdegang  einer  jeden  Schöpfung 
yeranschaulicht  worden. 

Die  einzelnen  Artikel  sind  wesentlich  ausgeführt  worden,  so  daß 
sie  einander  zu  einer  auch  für  den  Nichtfachmann  verständflehen  zu- 
sammenhängenden Qeschichtsdarstellung  ergänzen. 

Samthche  Angaben  sind  auf  Orund  zuverlässigster  Quellen  geprüft, 
und  dazu  nicht  nur  alle  in  Betracht  kommenden  Fachwerke,  sondern 
anch  die  einschlägigen  Zeitschriften  und  wissenschaftlichen  Abhand- 
Imigen  der  in-  und  ausländischen  Literatur  benutzt  worden. 

Angesichts  dieser  Ausgestaltung  des  Buches  dürfen  wir  hoffen,  daß 
sich  dasselbe  in  immer  weiteren  Kreisen  als  ein  selten  versagendes  Nach- 
schlagewerk für  alle  Tatsachen  der  Naturwissenschaften  und  der  Technik 
bewähren,  und  daß  es  auch  für  den  Forscher  —  neben  seiner  Fachlite- 
ratur —  von  Wert  und  Interesse  sein  wird. 

—     VII    — 


Wie  bereits  im  Vorwort  zur  ersten  Auflage  erwähnt  word 
bildete  die  umfangreiche  Autographensammlung  des  Herausgebe 
Grundstock  des  Werkes. 

Diese  Entstehung  brachte  es  mit  sich,  daß  nur  solche  Bntdecl 
und  Erfindungen  Aufnahme  fanden,  für  die  ein  bestimmter  Nam< 
weisbar  war. 

Dieser  Grundsatz  ist  auch  jetzt  beibehalten  und  nur  in  den  w 
Fällen  davon  abgewichen  worden,  wo  es  nicht  möglich  war,  den  a 
Urheber  einer  Schöpfung  festzustellen,  aber  unerläßlich  schien,  d 
Sache  selbst  zu  berücksichtigen. 

Noch  sei  darauf  hingewiesen,  daß  am  Schlüsse  ein  Personen-  n 
Sachverzeichnis  beigefügt  sind,  und  daß  es  sich  empfiehlt,  beim 
schlagen  von  Artikeln  diese  Verzeichnisse  grundsätzlich  zu  E 
ziehen.  Im  besonderen  wird  aus  dem  Sachverzeichnisse  der  g 
Plan  und  die  innere  Gliederung  eines  jeden  zur  Darstellung  gel 
Gebietes  erhellen  und  so  rasch  erkannt  werden,  was  das  Buch  ii 
einzelnen  Frage  zu  bieten  vermag,  während  ohne  Benutzung  di 
zeichnisses  manche  Angabe  des  Buches  möglicherweise  unaufge 
bleiben  würde. 

Außer  den  in  der  ersten  Auflage  genannten  Herren  haben  un 
diesmal  zahlreiche  Forscher  durch  Beiträge  und  durch  Bearl 
ganzer  Gebiete  gefördert.     Es  sind  dies  die  Herren: 

Dr.  Otto  Antrick,  Berlin. 

Sanitätsrat  Dr.  Berthold,  Eonsdorf. 

Professor  Dr.  F.  Blumenthal,  Berlin. 

Privatdozent  Dr.  J.  von  Braun,  Göttingen. 

Professor  Dr.  Ed.  Buchner,  Berlin. 

Geheimer  Eegierungsrat  Professor  Dr.  Diels,  Berlin, 

Professor  Dr.  Dziobek,  Charlottenburg. 

Geheimer  Eegierungsrat  Professor  Dr.  Emil  Fischer,  Ber 

Dr.  Max  Ikl^,  Berlin. 

Eisenbahn -Oberingenieur  Ludwig  Kohlfürst,  Kaplitz  i,  B 

Professor  Dr.  Lehmann-Haupt,  Berlin. 

Dr.  K,  Löwenfeld,  Charlottenburg. 

Professor  Dr.  W.  Marckwald,  Berlin. 

Professor  Dr.  Möller,  Carlshorst. 

Dr.  Albert  Oliven,  Berlin. 

Dr.  Aug.  Pfaff,  Berlin. 

Hüttenmeister  Dr.  J.  Savelsberg,  Papenburg. 

—    VIII     — 


Eommerzienrat  Schleifer,  Berlin. 
Dr.  H.  E.  Schmidt,  Berlin. 
Wilh.  Schmidt,  Helmstedt. 
Oberingenieur  Schnanbert,  Berlin. 
Professor  Dr.  Semmler,  Berlin. 
Dr.  Hax  Senator,  Berlin. 
Dr.  Eobert  Stelzner,  Berlin. 
Dr.  P.  Wichmann,  Hamburg. 
Dr.  Wohlwill,  Hamburg. 

Wir  verfehlen  nicht,  ihnen  sowie  den  in  der  ersten  Auflage  ge- 
oaiinten  Herren  unseren  verbindlichsten  Dank  auszusprechen. 

Für  Ergänzungen,  Berichtigungen  und  anderweite  Batschläge  sind 
vir  nach  wie  vor  dankbar  und  bitten,  gütige  Zuschriften  an  Professor 
Dr.  L.  Darms taedter,  Berlin  W<  62,  Landgrafenstraße  18a  richten 
n  wollen. 

Berlin,  im  Oktober  1908. 


Professor  Dr.  Ludwig  Darmstaedter. 
Professor  Dr.  Ren6  du  Bois-Reymond. 
Oberst  z.  D.  Carl  Schaef er. 


—    IX    — 


InhaltsYerzeichnis. 


Seite 

A.  ChranologMM  Dantellung 

Vorohrifitliohe  Zeit     1 —  28 

Christliche  Zeit 

Erstes  bis  zehntes  Jahrhundert 29 —  47 

Elftes  bis  fünfzehntes  Jahrhundert     48 —  71 

Sechzehntes  Jahrhundert 72—104 

Siebzehntes  Jahrhundert     105 — 159 

Achtzehntes  Jahrhundert 160 — 276 

Neunzehntes  Jahrhundert •  .  .  .   .  277 — 993 

Zwanzigstes  Jahrhundert 994 — 1070 

C.  Sadivmaldinlt 1139—1262 


—     X     — 


Chronologische  Darstellung. 


Vorchristliche  Zeit. 


3300  Der  Hindugelehrte  PannbigrMiM  zn  Arittuwaram  am  Ganges  soll  zuerst 
Pahnenpapier  zum  Schreiben  benutzt  haben,  in  welches  die  Buchstaben 
mittels  eines  Griffels  eingedrückt,  und  alsdann  durch  Abreiben  mit  öl  und 
Ruß  lesbarer  gemacht  wurden.     („Palmyrabücher".) 

3000  Ein  in  Telloh  gefundenes  Basrelief  aus  Kalkstein,  das  unter  anderem  einen 
Harfenspieler  darstellt,  und  eine  in  Bismya  aufgefundene  Vase  aus  blauem 
Seifenstein  zeigen,  daß  den  Bakyfonltni  zu  jener  Zeit  sowohl  die  elf-,  wie 
die  sieben-  und  fünfsaitige  Harfe  bekannt  waren. 

2700  Der  chinesische  Kaiser  Shon-nung,  „der  Vater  der  Landwirtschaft,  der 
Arznei-  und  Heilkunst",  gibt,  wie  chinesische  Quellen  anführen,  das  „Pen- 
king", eine  165  Heilmittel  enthaltende  Arzneimitlielsammlung  heraus  und 
erprobt  den  Geschmack  der  Kräuter  und  ihre  Wirkimg  auf  den  mensch- 
lichen Organismus.  Er  schreibt  auch  ein  Buch  über  Pflanzenkunde 
(Hon-zo). 

—  Der  chinesische  Kaiser  Shon-nung  wird  als  Erfinder  des  Pfluges  genanntf 
2668   Der  chinesische  Kaiser  Hwmg-tl   und   sein  Arzt  Li-|M  stellen   die  eVsten 

Grundgesetze  der  Heilkimde  auf, 

2650  Daigl  l.f  König  vonUr,  südbab^onischer  Beherrscher  des  Zweistromlandes, 
wird  von  Nebukadnezar  II.  (s.  570  v.  Chr.)  als  Urheber  einer  Gewichts- 
norm, der  schweren  babylonischen  Mine  zu  982,4  g  genannt.  Aus  2  Sta- 
tuen, die  völlig  übereinstimmende  Maßstäbe  tragen,  ergibt  sich  die  baby- 
lonische DoppeleUe  zu  990 — 996  mm,  fast  genau  gleich  dem  Sekundenpendel 
für  den  30.  Breitengrad,  Da  das  Wassergewicht  des  Kubus  vom  Zehntel 
der  Doppelelle  fast  genau  dem  Gewicht  der  Mine  entspricht,  liegt  hier 
anscheinend  ein  geschlossenes  Maß-  und  Gewichtssystem  vor,  dessen  Ein- 
heiten die  Grundlage  für  die  gesamte  metrologische  Entwicklung  des  Alter- 
tums gebildet  haben.  Dieses  Maß-  tmd  Gewichtssystem  beruht  auf  dem 
Prinzip  der  Sexagesimalteilung  von  Zeit  und  Rau^. 

2630  Nachdem  die  Seide  zuerst  unter  dem  chinesischen  Kaiser  Fu-hi,  dessen 
RegierungBzeit  unbekannt  ist,  in  Gebrauch  gekommen  war,  nehmen  der 
Kaiser  Hwmg-tl  und  dessen  Gemahlin  Htl-llng-thl  die  Zucht  der  Seiden- 
raupe auf  und  fördern  durch  die  Begründung  der  Weberei  und  Stickerei 
die  chinesische  Industrie. 

—  Unter  der  Regierung  des  chinesischen  Kaisers  Hwmg-tl  soll  das  Rechen- 
brett, Sw4n-p4n,  erfunden  und  das  erste  arithmetische  Werk,  Kieou- 
tschang,  verfaßt  worden  sein.  Der  angebliche  Erfinder  des  Swän-pdn  ist 
der  Minister  Che6u-ly. 

Barmstaedter.  1 

—       1      — 


2680  T,  Chr. 

2630  Tien-Iielieii  erfindet  nach  Angabe  chinesischer  Geschieh tsscbrei 
Tusche,  die  in  Stangen  jedoch  erst  im  3.  Jahrhundert  v.  Chr 
Handel  kommt. 

2600  Von  Ohtopt,  ägyptischem  König  der  vierten  Dynastie,  rührt  di 
der  Pyramiden  her,  die  sich  südwestlich  von  Kairo  bei  dem  Doi 
auf  dem  linken  Nilufer  erheben.  Sie  war  ursprünglich  147  m  1 
an  jeder  Seite  der  quadratischen  Grundfläche  233  m  lang.  An  j 
nach  Herodot  100000  Menschen  20  Jahre  lang  gearbeitet  hab 
Masse  des  Mauerwerks  betrug  ursprünglich  2521000  cbm.  D 
größte  P3rramide  ist  die  des  Königs  Chephren,  und  es  sind  von 
zum  Fayüm  noch  die  Spuren  von  67  P3rramiden  nachweisbar,  j 
Bauwerke  sind  so  scharf  orientiert,  daß  anzunehmen  ist,  daß  an 
bauung  unter  anderem  auch  die  Absicht  geknüpft  war,  mittels  ihr< 
linien  die  Himmelsrichtungen  festzulegen. 

—  Der  Chinese  Ral-ko  fixiert  die  von  Hwang-ti  und  Li-pe  (s.  2668  v.  < 
gestellten  Prinzipien  der  Heilkunde  in  seinem  Werke  „Nai-ki 
innere  System),  in  welchem  sich  unter  anderem  die  erste,  sehi 
zierte  Theorie  des  Pulses  befindet. 

2500  In  der  von  den  Amerikanern  ausgegrabenen  altbabylonische 
MMkrthtk  «i  Nlppor  finden  sich  Multiplikationstabellen  zum  Ableeei 
Multiplikationen  und  astronomische  Berechnungen  über  die  S 
Skorpion  und  Jungfrau. 

2356  Der  Reisbau  ist  in  China  schon  im  3.  Jahrtausend  v.  Chr.  beki 
Jahre  2356  v.  Chr.  läßt  der  chinesische  Kaiser  Jao  am  Jantse 
Wässerungswerke  anlegen  und  regelt  die  Verteilung  der  £ink 
Reisfelder. 

2250  Im  3.  Jahrtausend  v.  Chr.  ist  Babylonien  bereits  mit  einem 
zweigten  und  kunstvoU  gegliederten  Systeme  von  Kanälen  durch 
zum  Teil  der  Entwässerung,  zum  Teil  der  Bewässenmg  dienen 
dem  hohen  Stande  der  damaligen  Wasserbaukunst  Zeugnis  ab! 
rühmt  sich  namentlich  der  babylonische  Herrscher  Hammuribl , 
dem  Sumer  und  Akkad  Wasser  durch  Kanäle  zugeführt  zu  hat 

2220  Der  chinesische  Kaiser  Yd  fördert  die  Verbreitung  der  Seidenzuc 
er  weite  Landstrecken  entwässert,  dieselben  mit  Maulbeerbäumen 
und  Seidenraupen  unter  die  Bevölkerung  verteilt.  Zu  seiner  Z< 
sehen  die  Chinesen  die  Technik  der  Weinbereitung  in  voUem 
Doch  scheint  der  Wein  damals  nur  religiösen  Opferzwecken  gedien 

—  Zur  Zeit  des  chinesischen  Kaisers  Yd  ist  den  Chinesen  der  Sta 
bekannt. 

2205  Der  Sohn  de«  chinesischen  Herrschers  Yü  begründet  die  erst 
Dynastie  Hla  in  China.  Um  diese  Zeit  wird  die  chinesiscbe  Ze 
derart  geregelt,  daß  sie  nunmehr  60  jährige  Zyklen  umfaßt,  j 
der  chinesischen  Aera  wird  das  Jahr  2637  v.  Chr.  festgesetzt. 

2137  Die  Chinesen  kennen  im  3.  Jahrtausend  v.  Chr.  die  Vorausbere^ 
Sonnenfinsternisse.  Denn  wie  in  dem  von  Confudus  verfaßte 
(Buch  der  Annalen)  berichtet  wird,  werden  die  chinesischen  Hof] 
Hi  und  Ho  mit  dem  Tode  bestraft,  weil  sie  die  Sonnenfins 
Jahre  2137  v.  Chr.  (nach  Oppolzer's  Berechnung  vom  22.  Okj 
nicht  vorausgesagt  haben. 

2000  Der  König  MentuMtop  erbohrt  einen  Brunnen  und  sein  Offiz 
„macht  die  Täler  Hammamäts  zu  Krautgariien  und  seine  Höhen 
teichen". 

1880  Zur  Zeit  des  Königs  Stnwosftt  III.  (Sesostris)  gibt  es  in  Ägypten 
reien  und  Gerbereien. 

—     2     — 


1250  Y,  Chr, 

1830  iUNMailiit  III.,  ägyptischer  König  der  12.  Dynastie,  erbaut  der  Über- 
Hefemng  nach  den  großartigen  Tempelpalast  unweit  vom  Mörissee  in  der 
Landschaft  Fayüm,  aus  dessen  Namen  Lope-ro-hunt  das  Wort  „Labyrinth^ 
entstanden  ist.  Die  Bauart  dieses,  nach  den  Untersuchungen  von  Flinders 
Petrie  305  m  langen  und  278  m  breiten  Tempelkolosses  setzt,  wie  die  der 
Pyramiden,  (s.  2600  v.  Chr.  Cheops)  nicht  imbedeutende  mathematisch - 
technische  Kenntnisse  voraus. 

1750  Der  Ägypter  AahRMMi  (JahmoM)  lehrt  im  „Papyrus  Rhind'S  dem  ältesten 
ägyptischen  mathematischen  Handbuche,  die  Berechnung  des  Flächeninhalts 
von  Feldstücken,  deren  einschließende  Seiten  gegeben  sind.  Er  rechnet  mit 
ganzen  Zahlen  und  Stammbrüchen  und  benutzt  eingekleidete  Gleichungen 
ersten  Grades  mit  einer  Unbekannten. 

1700  Das  älteste  bekannte  Stück  von  wirklichem  £mail,  d.  i.  Glas,  welches  auf 
Metall  aufgeschmolzen  und  innig  mit  demselben  verbunden  ist,  ist  das 
Armband  derj  ägyptischen  Königin  Aahoteii,  welches  sich  im  Museum  zu 
Bulak  befindet. 

1600  In  das  Jahr  1600  v.  Chr.  mindestens  ist  die  Ausbildung  des  Zodiakus 
(Tierkreises)  durch  die  Bakylonltr  zu  setzen;  wahrscheinlich  reicht  sie  aber 
weiter  zurück,  vermutlich  in  ihren  Anfängen  bis  über  3000  v.  Chr. 

1475  Zur  Zeit  des  Königs  Thutmoslt  III.  kennt  man  in  Ägypten  die  Blasebälge. 
£8  geht  dies  aus  einer  in  Theben  aufgefundenen  Abbildung  hervor,  wo 
bei  einem  Metallschmelzprozesse  ein  Ledersack  von  zwei  Männern  ab- 
wechselnd niedergetreten  (entleert)  imd  an  Stricken  wieder  hochgezogen 
(mit  Luft  gefüllt)  wird. 

—  In  Ägypten  ist  zur  Zeit  des  Königs  Thirtmosls  III.  die  Herstellung  der  Glas- 
perlen bekannt.  Eine  2  cm  dicke  Glasperle,  welche  dem  Glasschmuoke 
der  Königin  Hatasu,  der  Gemahlin  Thutmosis*,  angehört  hatte,  ist  von 
Captain  Honey  in  Theben  aufgefimden  worden. 

—  Von  der  im  Altertum  weit  zurückreichenden  Kenntnis  des  Eisens  (vgl. 
auch  2220  v.  Chr.)  zeugt  ein  in  der  großen  Cheopspyramide  gefundenes 
Stück  Schmiedeeisen  und  ein  unter  einer  Sphinx  in  Kamak  gefundener 
Teil  einer  Sichel.  Urkundlich  zuerst  bestätigt  wird  der  allgemeine  Ge- 
brauch des  Eisens  in  Ägypten  durch  eine  Inschrift  aus  der  Zeit  des  Ägypter- 
königs Thutmoslt  III. 

^  In  den  Tributlisten  und  Beuteverzeichnissen  des  ägyptischen  Königs  Thut- 
niMii  III.«  welche  sich  auf  seine  in  Asien  geführten  Kriege  beziehen,  wird 
von  erbeutetem  Blei  berichtet,  —  die  erste  geschichtlich  beglaubigte  Er- 
wähnung dieses  MetaUs. 

1425  In  dem  Grabe  des  Königs  Thutmoslt  IV.  von  Ägypten  sind  eine  Anzahl 
Gewebefragmente  gefunden  worden,  die  wohl  die  ältesten  bekannten 
Webereien  darstellen  und  die  keinen  Zweifel  übrig  lassen,  daß  damals 
schon  aufrechtstehende  Webstühle  benutzt  worden  sind.  Überraschend 
ist  die  Tatsache,  daß  ein  Teil  der  Farben  (Rot  und  Blau)  noch  in  vollem 
Glänze  leuchten,  während  andere  (Braun  und  Schwarz)  abgeblaßt  sind. 

1400  Zur  Zeit  des  ägyptischen  Königs  Amtnopiill  IV.  ist  die  Schnellwage  mit 
Laufgewicht  in  Ägypten  in  Gebrauch. 

1250  Zur  Zeit  des  ägyptischen  Königs  RamtM  II.  führen  die  Ägypter  im  Kriege 
zweirädrige  Streitwagen  mit  sechsspeichigen  Rädern  und  unmittelbar  auf 
der  Achse  stehendem  Wagenkasten,  an  welchem  die  Deichsel  unbeweglich 
befestigt  ist.  Dieselbe  trägt  vorn  ein  gepolstertes  Joch,  das  mit  Riemen 
um  Brust  und  Bauch  des  Pferdes  geschnallt  wird. 
—  Der  ägyptische  König  Ramiat  II.  vollendet  den  bereits  von  seinem  Vater 
Sethos  I.  begonnenen   Bau   eines  Schiffahrtskanals  vom  NU  zum  Timsah- 

1* 

—     3     — 


1170  T.  Chr, 

Sun  und  von  da  zum  Boten  Meere.    Der  Kanal  vcrfäUt  später.  (Vgl.  610 
V.  Chr.  Neoho.) 
1170   Zur  Zeit  des  Königs  RamtM  III.  kennt  man  in  Ägypten  die  Töpferscheibe 
und  den  Sonnenschirm. 

—  In  Medinet-Abu  sind  die  Spitzen  der  von  Ramiat  III.  errichteten  Masten 
vergoldet.  Vermutlich  haben  diese  Masten  als  Blitzableiter  dienen  sollen. 
Jedenfalls  sind  die  Gesetze  der  Blitzleitung  den  alten  Kulturvölkern 
keineswegs  imbekannt  gewesen,  wie  dies  unter  anderem  die  Inschriften 
des  Tempels  von  Edfu  beweisen.  Auch  eine  Inschrift  am  Tempel  von 
Dendera  muß  dahin  gedeutet  werden,  daß  die  neben  demselben  auf- 
gerichteten kupferbeschlagenen  Holzstangen  zum  Schutz  gegen  den  Blitz- 
schlag bestimmt  seien. 

1160  Unter  der  Dynastie  der  Tscheu  werden  magnetische  Wagen  gebaut,  in 
deren  Vorderteil  eine  frei  schwimmende  Magnetnadel  Arme  und  Hände 
einer  kleinen  Figur,  die  nach  Süden  weist,  bewegt.  Solche  Apparate, 
„Fse-nan''  (Andeuter  des  Südens)  genannt,  werden  den  Gesandten  von 
Tonkin  und  Tonkinchina  vom  Kaiser  Ttchlng-wang  geschenkt,  um  ihre 
Rückkehr  durch  die  großen  Ebenen  zu  sichern.  Das  Volk,  von  welchem 
die  Gesandten  kamen,  wird  nach  Bichthofens  „China"  als  „Yue-shang- 
shi"  bezeichnet. 

1150  Wie  dafl  „Heüige  Buch  der  Lieder'*  erwähnt,  läßt  der  chinesische  Herrscher 
Wu-wanf  einen  zoologischen  Garten  (Park  der  Intelligenz)  anlegen,  der 
800  Jahre  lang  bestanden  hat,  und  Säugetiere,  Vögel,  Schildkröten  und  Fische 
enthielt.  Es  ist  dies  die  erste  geschichtliche  Erwähnung  eines  zoologischen 
Gartens. 

1100  Der  zu  Loy-ang  residierende  chinesiAche  Kaiser  Ttehu-kong  findet  für  die 
Schiefe  der  Ekliptik  den  für  jene  Zeit  auffallend  richtigen  Wert  von 
23»  52'. 
800  HofiMT  kennt  Goldschmiede  und  Bronzeschmiede  und  erwähnt  schon  das 
geschlagene  Gold,  das  auch  den  alten  Ägyptern  bekannt  war.  Die  Werk- 
statt des  Hephaestos  weist  Hammer  und  Zange,  Blasebalg  imd  Schmelz- 
tiegel, Amboß  und  Amboßgestell  auf.  Auch  nennt  Homer  das  Zinn,  kennt 
aber  seine  Eigenschaften  nicht  genauer.  Er  erwähnt  zweimal  das  Blei. 
(Vgl.  auch  1475  v.  Chr.) 

—  Honitr  kennt  bereits  die  Härtbarkeit  des  Stahles  durch  Ablöschen  in 
kaltem  Wasser,  wie  aus  Od.  IX,  391  hervorgeht.  (Vgl.  auch  1050  n.  Chr.) 
An  zahlreichen  Stellen  werden  bei  ihm  Waffen  erwähnt,  die  wir  uns  nur 
als  stählerne  vorstellen  können.    (S.  a.  2220  und  1475  v.  Chr.) 

—  Homer  erwähnt  die  Töpferscheibe,  deren  Erfindung  dem  Korinther 
Hyperbios  oder  dem  Talos,  dem  Neffen  des  Daedalos,  beigelegt  wird. 
(Vgl.  jedoch  1170  v.  Chr.  Ramses  III.)  Er  beschreibt  die  Einrichtung 
des  „Geschirrs"  beim  Webstuhl  und  kennt  die  aus  dem  Orient  stammende 
Buntwirkerei. 

—  Homer  erwähnt  bereits  den  Sandarak,  das  Harz  einer  Thujaart,  das  zu 
Räucherpulvem,  Räucherkerzen,  Salben  und  Pflastern  verwendet  wird.  Er 
spricht  von  den  Dämpfen  des  brennenden  Schwefels  als  von  einem  Räuche- 
rungsmittel,   das   namentlich   bei  religiösen  Zeremonien  angewendet  wird. 

—  Homer  berichtet  in  der  Ilias  bereits  von  der  Verwendung  des  Olivenöls 
in  der  Weberei.  Jedenfalls  dürften  die  Griechen  das  erste  Volk  gewesen 
sein,  das  es  verstanden  hat,  Oliven  zu  öl  zu  verarbeiten.  Er  erwähnt 
den  Bemsteinschmuck  als  phönizischen  Handelsartikel,  wie  auch  schon 
in  mykenischen  Gräbern  Bernsteinperlen  oft  in  beträchtUcher  Anzahl  auf- 
gefunden worden  sind. 

—     4     — 


700  T.  Chr, 

800  Xaebdem  man  im  Altertume  anfangs  das  am  nächsten  liegende  Düngungs- 
verfahien»  bei  dem  die  gewachsene  Pflanzensubstanz  durch  Unterpflügen 
dem  Boden  einverleibt  wird,  die' Gründüngung,  ausgebildet  hatte,  geht 
man  schon  früh  zum  Gebrauch  der  Exkremente  der  Haustiere,  des  Stall - 
düngers,  über,  den  schon  HoiiMr  in  der  Odyssee  erwähnt  und  dem  dann 
die  Yerwendtmg  der  menschlichen  Exkremente  folgt. 
*  HiMV  spricht  wiederholt  von  Leuchtfeuern  an  der  Meeresküste  (Odyssee 
X,  28;  Iliaa  XVIII,  207  und  XIX,  375),  so  daB  derartige  Seezeichen  zu 
jener  Zeit  schon  allgemein  gebräuchlich  gewesen  zu  sein  scheinen. 
—  In  den  indischen  Gesetzbüchern  des  ManH  findet  sich  die  früheste  Er- 
wähnung der  Baumwolle  und  deren  Kultur,  so  daß  anzunehmen  ist,  daß 
diese  Grespinstpflanze  dort  zuerst  technisch  verwendet  worden  ist.  (S.  auch 
327  V.  Chr.) 

763  Das  älteste  sichere  Zeugnis  für  die  Beobachtung  einer  genau  datierbaren 
Sonnenfinsternis  verzeichnen  die  Aatyrlar  in  der  assyrischen  „Yerwaltungs- 
liste"  (dem  „Eponymenkanon  mit  Beischriften'')  unter  dem  15.  Sivan. 
Es  ist  dies  die  totale  Finsternis  vom  15.  Juni  genannten  Jahres,  auf  die 
wahischeinlioh  auch  der  Prophet  Amos  (8,  9)  Bezug  nimmt:  „An  jenem 
Tage  ist  der  Spruch  des  Herrn  Jahve,  ,will  ich  die  Sonne  am  Mittag 
imtergehen  lassen  und  auf  die  Erde  am  hellen  Tage  Finsternis  senden'." 
(Vgl  jedoch  2137  v.  Chr.) 

750  Wie  eine  um  die  Zeit  des  chinesiBchen  Kaisers  Plng-wang  hergestellte,  aus 
Eisen  gegossene  13  m  hohe  Pagode  beweist,  kennt  man  in  China  bereits 
za  dieser  Zeit  den  Eisenguß. 

747  Beginn  der  Aera  des  babylonischen  Königs  Nabonanar.  Diese  Aera  ist  für 
die  geschichtlichen  Zeitbestimmungen  von  Bedeutung,  da  sich  mit  ihrer 
Hilfe  nach  den  von  Ptolemäus  überlieferten  Regententafeln  der  Zeitpunkt 
vieler  geeohichtlich  denkwürdiger  Ereignisse  berechnen  läßt. 

730  König  AfeM   von  Juda   erbaut    eine    Sonnenuhr    (Obelisk  mit   Stufen f). 

717  Der  Überlieferung  zufolge  soll  der  römische  König  Numa  Pomplllut  ein 
Mondjahr  zu  365  Tagen  mit  12  festen  Monaten  eingeführt  haben,  in 
das  alle  zwei  Jahre  ein  13.  Monat  (Schaltmonat  Mercedonius)  einge- 
schoben wurde. 

700  Nachdem  (nach  Plinius)  zuerst  die  Erythräer  den  Bau  von  Zweireihen- 
Schiffen  (Diören)  —  an  Stelle  der  bis  dahin  üblichen  einreihigen  Ruder- 
sehiffe  —  versucht  hatten,  bauen,  wie  Thukydides  tmd  Diodor  berichten, 
die  Korinther  unter  des  AmainoklM  Leitung  die  ersten  Dreireihenschiffe 
(Trieren).  Übrigens  wird  die  seit  Livius  herrschende  Auffassung,  daß 
ODter  den  Mehrreihenschiffen  „mehrere  Ruderreihen  übereinander"  zu 
Terstehen  seien,  neuerdings  von  Breusing  als  irrig  angefochten.  Er  deutet 
die  Dieren,  Trieren  und  Penteren  nicht  als  zwei-,  drei-  und  fünfreihige 
Rnderschiffe,  sondern  als  solche  Schiffe,  bei  denen  das  einzelne  Ruder 
mit  zwei,  drei  oder  fünf  Mann  besetzt  ist.  In  ähnlicher  Weise  hat  sich 
schon  früher  Thomas  Rivius  geäußert. 

—  HmM  von  Askra  in  Böotien  schreibt  das  Lehrgedicht  „Werke  und  Tage", 
in  dem  Anweisungen  zur  rationellen  Landbebauung  gegeben  sind  und  ein 
Bauemkalender  mitgeteilt  wird. 

—  HMda,  König  von  Juda»  laßt  zwecks  Anlage  einer  Wasserleitung  (s.  Altes 
Test.  2.  Könige,  Kap.  20,  V.  20)  zwischen  dem  Siloah- Teich  und  der 
Gihon-Quelle  bei  Jerusalem  einen  531  m  langen  Felsenkanal  herstellen, 
eine  der  ältesten  geschichtlichen  Tunnelbauten.  Die  Durchbrechung  der 
Felsmassen  erfolgt  mit  Hilfe  von  Bronze-Werkzeugen.  (S.  die  daselbst 
i.  J.  1880  gefundene,  jetzt  in  Konstantinopel  befindliche  Inschrifttafel.) 


700  V,  Chr, 

700    Wie   aus   den   im   Palast   von  Kujundschik  entdeckten  steinerne; 

düngen  hervorgeht,  bedienen  sich  die  Assyrier  zur  Zeit  des  Könige 

zum  Transport   ihrer   Steinkolosse   auf  dem   Wasserwege    teils  c 

heute   gebräuchlichen   Flöße,    die   teilweise  durch  mit  Luft  gefüll 

getragen  werden  (Kelleks),  teils  der  von  Herodot  geschilderten  Ru 

zum   Landtransport   der   Schleife,  die   durch  vorgespannte  Sklav 

weise  fortbewegt  wird.    Die  Schleife  wird  mit  der  Last  am  hinte 

durch   einen  Hebebaum  gelüftet  und  bei  der  Hebung  werden  Ke 

den  Hebebaum  gelegt. 

692   Glankot   von   Chios   erfindet   die  Lötung  des   Erzes  wie  auch  d< 

(aidii^ov    x6XXr]ais)j    die    an   SteUe   des   Zusammennietens    der  gel 

Stücke  tritt. 

676   TtfiNUidroi  von  Lesbos  begründet  die  erste  Musikschule  in  Sparta 

620  Die  erste  römische  Brücke  ist  der  Pons  Sublicius  zu  Born,  der  i 

der  Begierung  des  Ancin   Mardut   entsteht.    Die   Brückendecke 

hölzernen  Pfählen,  auf  denen  ein  loser  Brückenbelag  liegt. 

—    Die  erste  geschichtlich  nachweisbare  Brücke  auf  steinernen  Pfeil 

die  bestimmte  Nachrichten   vorliegen,  führte  über  den  Euphrat 

band   die  auf  den  beiden  Ufern  des  Flusses  liegenden  Königsbuj 

bylons.     Die   Erbauerin  soll  NHokrlt,   die   Mutter   Nebukadnezar 

wesen  sein.    Nach  KtesisA  war  die  Brücke  1000  Fuß  lang;  die  Ei 

der   Steinpfeiler,    auf  welchen   die   Brückcnbalken   ruhten,    bet 

4  m.    Die  Pfeiler  waran  aus  Bruchsteinen  hergestellt  und  die  Ste 

eiserne,  eingebleite  Klammem  miteinander  verbunden. 

610   Der   ägyptische   König   Nteho  beginnt,  unter  Wiederaufnahme  d 

des  Königs  Ramses  II.,  (s.  1250  v.  Chr.)    den  Bau  eines  Schiffa] 

von  Bubastis  am  Nil  nach  Patumos  am  Arabischen  Meerbusen, 

infolge   eines   Orakelspruchs   unvollendet   bleibt,  und   erst  hun< 

später  von  dem  Perserkönige  Darius  Hystaspis  fortgesetzt  wird. 

600   Aus   dem  Jahre  600  v.  Chr.  sind  uns  die  ersten  wissenschaftUc] 

nomischen  Messungen  am  Himmel  (Ortsbestimmungen  von  Gesi 

halten,  welche  die  Bakyloiiler  ausgeführt  haben. 

—  Zur  Zeit  des  ersten  japanischen  Kaisers  Jlmmu  werden  Massage 
punktur  bereits  in  Japan  geübt. 

—  Phönizische  Schiffer  unternehmen  im  Auftrage  des  ägyptisch 
Ntcho  die  erste  geschichtlich  beglaubigte  Umschiffung  Afrikas, 
vom  Arabischen  Meerbusen  absegeln  und  im  dritten  Jahre  der  H 
die  Säulen  des  Herakles  zuriickkehren.  Die  phönizischen  Sc 
Zeit  besitzen,  wie  aus  einem  Relief  in  Ninive  hervorgeht,  be 
Rammsporn,  der  indes  in  Form  eines  eisenbeschlagenen  Ball 
Wasser  aus  dem  Schiffskörper  hervorragt. 

—  Als   ältester  römischer  steinerner   Brückenbau  gilt   der  Poe 
über  den  Tiber,  welches  Werk  durch  Tarqiilnliis  Priseus  errichtet 
stimmte   Nachrichten   über  die  Beschaffenheit  dieser  Brücke  11 
vor.    (Vgl.  620  V.  Chr.  Ancus  Marcius.) 

694   Mon    von   Athen  führt  ein  Mondjahr  von    12  Monaten  mit  al 
29  und   30  Tagen   ein.     Um   eine  Übereinstimmung  dieses  nui 
umfassenden  Jahres  nüt  dem  Laufe  der  Sonne  herbeizuführet 
3  Jahre   ein  Monat  zu  30  Tagen   eingeschaltet.     (Vgl.   540   v. 
Stratos.) 

—  Selon  erläßt  ein  Gesetz,  demzufolge  jeder  Bürger  nachweisen  i 
er  zehn  Klafter  tief  ohne  Erfolg  gegraben  habe,  um  ein  Anrecl 
benutzung  des  Nachbarbrunnens  zu  haben.    Das  Geheimnis  de 

—    a    — 


ooO  T.  Chn 

grabens  besitzt  in  Athen  seit  Alters  ein  bestimmtes  Geschlecht  der 
„Bronnengräber''  (Pheorychoi), 
590  Eine  ans  Kyrene  stammende,  jetzt  im  Cabinet  des  M^dailles  zn  Paris  be- 
findliche Schale  zeigt  den  König  ArktsUas  von  Eyrene,  wie  er  auf  einem 
Schiffe  im  Hafen  das  Abwägen  nnd  Verfrachten  von  ,,Bilphium"  beauf- 
sichtigt. Obwohl  das  Süphium  sowohl  als  Arzneimittel,  wie  auch  als  Ge- 
würz und  Gemüse  in  der  Alten  Welt  eine  ungemein  wichtige  Rolle  spielte, 
und  die  Kyrenenser  jene  Pflanze  auf  allen  ihren  Münzen  abbildeten  tmd 
derselben  den  blühenden  Wohlstand  ihrer  Stadt  verdankten,  ist  bis  jetzt 
noch  nicht  ermittelt  worden,  welche  Pflanze  unter  dem  Silphium  der  Alten 
zu  verstehen  ist. 

—  TanqoialM  Priaciit  legt  eine  Kanalisation  zur  Entwässerung  der  Stadt  Rom 
an,  die  durch  Tarquinius  Superbus  vollendet  wird.  Durch  dieses  Kanal- 
netz wird  der  sumpfige  Boden  Roms  entwässert;  gleichzeitig  werden  die 
Abfallstoffe  der  Stadt  durch  die  Cloaca  maxima  nach  dem  Tiber  abgeführt. 

585  Tliales  von  Milet  findet  einige  elementare  geometrische  Sätze  (gleichen 
Seiten  eines  Dreiecks  liegen  gleiche  Winkel  gegenüber;  Dreiecke  sind  be- 
stimmt di^^h  1  Seite^und  2  Winkel;  die  Kreisfläche  wird  durch  den  Durch- 
messer halbiert),  und  ermittelt  die  Höhe  der  Pyramiden  aus  deren  Schatten. 
^  Tlalit  beschreibt  zuerst  im  Abendlande  die  Eigenschaft  gewisser  Eisen- 
erze, Eisenspäne  und  dünne  Eisenstucke  anzuziehen.  Diese  Eisenerze  er- 
halten, weil  sie  bei  Magnesia  in  Lydien  gefunden  wurden,  den  Namen 
Magnete.  Die  magnetische  Kraft  nennt  er  „Seele'%  wie  er  überhaupt  eine 
von  der  Materie  untrennbare  Energie  unter  dem  Namen  „Seele*'  annimmt. 

—  TiMriat  gibt  eine,  indes  nur  auf  Wahrscheinlichkeitsschlüssen  beruhende  Vor- 
hersage der  Sonnenfinsternis  vom  Jahre  685.  (Nach  neueren  Berechnungen 
fand  diese  Sonnenfinsternis  am  28.  Mai  585  statt.)  Die  wahre  Ursache 
der  Sonnen-  und  Mondfinstemisse  ist  ihm  unbekannt.  Er  faßt  die  Erde 
als  eine  auf  dem  Ozean  schwebende  nmde  Scheibe  auf.  Er  bezeichnet 
das  Wasser  als  das  Grundprinzip  der  Dinge. 

580  Der  Schifbanker,  nach  Plinius  eine  Erfindung  des  Tyrrheners  Eupalamus, 
war  ursprünglich  einarmig.  Nach  Strabo  (lib.  VII)  soll  der  Skythe  Ana- 
clMnlt  um  580  V.  Chr.  den  zweiarmigen  Anker  erfunden  haben. 

570  Nafeakaiwmmir  II.,  König  von  Babylon  (der  biblische  Nebukadnezar),  führt 
die  erste  Stromkorrektion  aus,  indem  er  durch  den  600  km  langen  Kanal 
Pallakopas  die  Sumpfgebiete  an^der  Euphratmündung  entwässert. 

—  Natakoiwraiur  II.  veranlaßt  die  Wiedereinführung  der  Gewichtsnorm  des 
Königs  Dungi.  (S.  2650  v.  Chr.)  —  Inschrift  auf  einem  Steingewichte  im 
Betrage  der  schweren  babylonischen  Mine  zu  982,4  g. 

560  Der  Baumeister  Oiitrsiplirwi  von  Knosos  auf  Kreta  bewirkt  beim  Bau  des 
Artemistempels  zu  Ephesos  die  Fortschaffung  schwerer  steinerner  Säulen 
dergestalt,  daß  er  in  den  beiden  Endflächen  jeder  Säule  eine  eiserne  Achse 
durch  Bleiverguß  befestigt,  einen  viereckigen,  mit  entsprechenden  Achs- 
lagern versehenen  Holzrahmen  herumlegt,  und  die  Säule  nach  Art  ^einer 
Chausseewalze  durch  Fortrollen  zum  Bauplatze  befördert.  (S.  Vitruvius 
„De  architectura".    Lib.  X.) 

560—529  Kyroa  verbindet  alle  wichtigen  Grenzorte  seines  Reiches  mit  Susa 
durch  Meldereiter. 

550  M9fo  von  Karthago,  von  Columella  der  Vater  der  Agrikultur  genannt, 
schreibt  28  Bücher  über  Landwirtschaft,  die  nach  der  Eroberung  von 
Karthago  (146  v.  Chr.)  der  römische  Senat  ihrer  Wichtigkeit  wegen  in  die 
lateinische  Sprache  übersetzen  läßt. 

—  Zur  Zeit  des  MafD  verstehen  sich  die  Karthager  bereits  auf  die  Bereitung 
besonders   feiner  Weine   durch   Benutzung   des  „Ausbruchs".     Das  Ver- 

—     7     — 


550  r.  Chr. 

fahren  wird  später  vergessen;  der  Tokajer  Ausbruch  wird  zuerst  i.  J.  1560 
erwähnt. 
650  Wstagmsi,  des  Cbersiphron  Sohn»  verbessert  die  Transportmethode  seines 
Vaters  (s.  560  v.  Chr.)  zur  Fortschaffung  schwerer  Balken  in  der  Weise, 
daß  er  in  den  Himflaohen  der  Stämme  eiserne  Zapfen  befestigt,  und  an 
diesen  12  Fuß  hohe  Räder  derart  anbringt,  daß  der  fortzuschleppende 
Balken  gewissermaßen  die  Achse  eines  Räderpaares  darstellt.  Um  das 
Ganze  wird  ein  viereckiger  Rahmen  gelegt,  vor  den  Zugochsen  gespannt 
werden.  (S.  Vitruvius  „De  architectura'*.    Lib.  X.) 

—  Phokot  von  Samos  schreibt  ein  Lehrgedicht  „SchüIsastronomie'S  worin  den 
Schiffern  die  wichtigsten  Sternbilder  geschildert  werden.  Statt  des  großen 
Bären  wird  der  kleine  als  Orientierung  nach  Norden  empfohlen. 

547  AnaxlinaiMlrM  von  Milet  schreibt  das  erste  philosophische  Buch  der  griechi- 
schen Literatur.  Er  leitet  darin  alles  aus  dem  Univeisalprinzip  des  „Un- 
endlichen" ab,  aus  dem  das  Individuelle  in  beständiger  Emanation  entsteht 
und  wohin  es  zurückkehrt.  Er  lehrt  zuerst  die  Koexistenz  unendlich  vieler 
Welten.  Er  ist  der  Begründer  der  astronomischen  Sphären theorie  und 
lehrt  die  Eonstanz  der  Bewegung.  Er  wird  als  Erfinder  des  Erdglobus 
bezeichnet. 

—  Anaxlmaii^rat  entwirft  die  erste  Erdkarte  und  stellt  in  Sparta  einen  Gnomon 
(Sonnenuhr)  auf. 

—  Anajfibiiiros  spricht  klar  aus,  daß  die  Menschen  von  tierähnlichen  Vor- 
fahren abstammen  und  legt  damit  den  Keim  zur  Deszendenzlehre. 

540  KItottratM  von  Tenedos  verbessert  das  von  Selon  (s.  594  v.  Chr.)  ein- 
geführte Mondjahr  durch  die  „Oktaeteris'S  einen  achtjährigen  Zyklus, 
in  welchem  jedesmal  das  3.,  5.  und  8.  Jahr  einen  Schaltmonat  von  30  Tagen 
erhält.  Durch  Eudoxos  und  Eratosthenes  noch  abgeändert,  wird  diese 
Zeitrechnung  durch  Meton's  Enneadekaeteris  (s.  432  v.  Chr.)  verdrängt. 
[  532  Eiipallnot  von  Megara  stellt  für  die  von  ihm  erbaute  Wasserleitung  der 
Stadt  Samos  einen  Tunnel  von  1000  Meter  Länge  her,  indem  er  von  beiden 
Seiten  nach  genauem  Nivellement  den  Durchstich  beginnt  und  in  dem  so 
hergestellten  Tunnel  einen  Graben  anlegt,  durch  den  das  QueUwasser  der 
Quelle  Leukothea  den  Leitungsröhren  zufließt.  Dieser  Tunnelbau  ist  eine 
der  kühnsten  technischen  Schöpfungen  des  Altertums. 

—  PythUgorat  von  Samos  bezeichnet  die  Zahl  als  das  Prinzip  der  Dinge.  Er 
stellt  die  Hauptsätze  der  mathematischen  Zahlentheorie  auf,  kennt  die 
Primzahlen,  bildet  den  Begriff  der  mathematischen  Reihe  aus,  unterscheidet 
arithmetische,  geometrische  und  harmonische  Proportionen  und  legt  den 
Grund  zur  Theorie  der  Vieleckszahlen.  Die  an  das  rechtwinklige  Dreieck 
mit  den  Seiten  3,  4  und  5  geknüpfte,  von  altersher  bekannte  Tatsache, 
daß  3^  -|-  ^'  =  ^'  is^»  führt  ihn  zur  Aufstellung  des  nach  ihm  benannten, 
aber  bereits  in  Indien  und  wahrscheinlich  vorher  schon  in  Babylon  bekannten 
Lehrsatzes,  und  weiterhin  zur  Entdeckung  des  Irrationalen.  —  Es  ist  zu 
beachten,  daß  Pythagoras  selbst  nichts  geschrieben  hat.  Es  bleibt  daher 
eine  offene  Frage,  inwieweit  die  seinen  Namen  tragenden  Lehren  von  ihm 
selbst,  oder  aber  von  seinen  Nachfolgern,  den  Pythagoraeem,  herrühren.  — 
Vgl.  auch  410  V.  Chr.  Theodoros. 

—  PythUgorat  scheint  sich  die  Erde  als  eine  Kugel,  die  sich  gleich  der  Sonne, 
dem  Mond  und  den  Planeten  um  ein  Zentralfeuer  drehe,  zu  denken.  Er 
soll  zuerst  erkannt  haben,  daß  der  Abends tem  (Hesperos)  mit  dem  Morgen- 
stern (Phosphoros)  identisch  ist. 

—  Pythiqiorat  rühmt  bereits  die  Heilkraft  des  Anis,  der  mehrfach  auch  in 
den  hippokratischen  Schriften  erwähnt  wird.  Nach  dem  Abendland  kommt 
der  Anis  erst  1551. 

—     8     — 


490  Y.  Chr, 

von  Samos  erfindet  angeblich  die  Bleiwage,  das  Winkelmaß,  die 
Drehbank  und  den  Schlüssel.  Bei  dem  Tempelbau  in  Ephesos  verwendet 
er  Holzkohle,  um  den  Boden  auszutrocknen.  Auch  soll  er  den  Erzguß, 
den  die  Ägypter  in  uralter  Zeit  bereits  kannten,  in  Griechenland  zuerst 
geübt  haben. 

—  TbtNtTM  von  Samos  übt  zuerst  die  Kunst  des  Schneidens  (Schleifens)  der 
Edelsteine.  Indes  beschränkt  sich  die  Edelsteinschleiferei  zu  jener  Zeit 
ledi^oh  auf  das  Bearbeiten  und  Glätten  der  natürlichen  Flächen  der 
Steine.    (Vgl.  1456,  Berquem.) 

530  WaiirfMimi,  Schüler  des  Anaximandros,  lehrt,  daß  der  Mond  sein  Licht  von 
der  Sonne  habe. 

—  KItottratM  von  Tenedos  stellt  Beobachtungen  über  die  Sonnenwende  an, 
indem  er  die  Schatten  des  Idagebirges  beobachtet.  Sein  Lehrgedicht 
„Astrologie"  gibt  Einzelheiton  über  die  Stemphasen  des  Zodiakus  (Skor- 
pion, Widder,  Schütze,  Böcke). 

522  PtitlMitt,  Sohn  eines  knidischen  Tempelarztes,  begründet  in  Kroton  die 
erste  Ärzteschule  auf  wissenschaftlicher  Grundlage. 

520  H«kalMM  von  Milet  bereist  einen  großen  Teil  der  bekannten  Welt  von 
Hispanien  bis  Indien  und  von  der  Donau  bis  zimi  Nil  und  legt  die  Er- 
gebnisse seiner  Reisen  in  der  jetzt  nur  noch  in  Bruchstücken  vorhandenen, 
Ton  Herodot  viel  benutzten  Erdbeschreibung  nieder,  der  auch  eine  s.  Z. 
berühmte  Erdkarte  beigegeben  war. 

—  Der  griechische  Geograph  Skylax  von  Karyanda  in  Earien  unternimmt  im 
Auftrage  des  Darius  Hystaspis  eine  Entdeckungsreise  von  der  Mündung 
des  Indus  bis  in  das  Innere  des  Arabischen  Meerbusens  und  legt  seine  Er- 
fahrungen und  Beobachtungen  in  einem  „Periplus"  nieder.  (Der  unter 
seinem  Namen  erhaltene  Periplus  des  Mittel meers  stammt  nicht  von 
ihm,  sondern  aus  einer  späteren  Zeit.) 

^  XHMphaatt  von  Kolophon  führt  die  versteinerten  Überreste  von  Seetieren 
auf  Bergen,  die  Abdrücke  von  Lorbeerblättern  in  dem  Grestein  von 
Paroe  u.  dgl.  als  Beweis  dafür  an,  daß  das  Festland  periodischen  Über- 
flatnngen  unterworfen  s^ 

513  Die  erste  bekannte  Schiffbrücke  läßt  auf  seinem  Eroberungszuge  gegen 
die  Skythen  Darius  I.  von  Persien  durch  den  Baumeister  Mandrokkis  von 
Samo«  über  den  Bosporus  schlagen.  Wie  die  bei  seinem  Zuge  gegen  die 
Griechen  von  Xerxes  480  v.  Chr.  über  den  Hellespont  geschlagenen  Brücken, 
besteht  diese  Brücke  aus  einzelnen  Schiffen,  die  beiderseits  verankert  sind. 
Über  sämtliche  Schiffe  sind  Taue  von  Flachs  und  Byssus  gespannt,  die 
den  dopp^ten  Bohlenbelag  tragen.  Zum  Durchfahren  bleiben  Lücken 
zwischen  den  Schiffen  offen. 

509  Der  Dichter  TbMgnlt  von  Megara  erwähnt  zuerst  die  Verwendung  des 
Probiersteins  zur  Prüfung  des  Goldes. 

500  Im  „Ayur  Veda"  des  indischen  Arztes  Sii^uta  wird  der  Magnet  als  ein  Mittel 
gepriesen,  um  eine  eiserne  Pfeilspitze  auszuziehen.  Besonders  wirksam  ist 
der  Magnet,  wenn  der  Pfeil  gerade  und  nicht  zu  fest  im  Fleisch  ein- 
gebettet ist. 

— *  Si^nrts  gibt  die  erste  bekannte  Anweisung,  die  ganz  oder  teilweise  zer- 
störte Nase  durch  Einheilen  eines  Hautlappens  aus  der  Wange  wieder 
herzustellen, 

4d0  ItankWM  von  Ephesos  stellt  den  Satz  auf:  Alles  Irdische  fließt,  und  nichts 
beharrt;    alles  aber  wird  geregelt   durch  das   ewige  Naturgesetz  (Logos), 
das  Weitentstehimg  imd  Weltuntergang  im  Großen  und  Kleinen  ordnet. 
Als  Urmaterie  betrachtet  er  das  Ätherfeuer, 
erwähnt  zuerst  die  Krempelwalze. 

—     9     — 


486  V.  Chr, 

486 — 465   XarxM  bedient  sich  zur  Verbindung  Persiens  mit  Grieohenlanc 
weite  voneinander   aufgestellter  Sklaven,   welche  sich  der  Reihe 
zu  befördernden  Nachrichten   zurufen,   wobei  diese  dreißigmal 
ihr  Ziel  erreichen  als  bei  der  Beförderung  durch  Boten. 

480  AlkniMOii  von  Eroton  begründet  die  wissenschaftliche  Embryol 
Hygiene. 

—  Alkmaton  findet,  daß  jede  Empfindung  des  Körpers  durch  dai 
vermittelt  und  die  Bewegung  der  Glieder  vom  Gehirn  geleitet  ^ 
ist  der  erste  Arzt,  der  Sektionen  zu  wissenschaftlichen  Zwecken  v* 
So  findet  er  Gänge,  die  vom  Gehirn  zu  den  Augen  führen  (Sehne 
unterscheidet  die  verschiedenen  H&ute  des  Auges.  Erste  Th« 
Sinneswahmehmungen  (Gresicht,  Gehör,  Geschmack). 

—  ParmenMet  von  Elea   behauptet   die  Abhängigkeit   des  Denkens 
warmen   oder   kalten   Körperbeschaffenheit.    Von  ihm   stammt 
teilung  der  Erde  in  fünf  Zonen«  die  heiße,  die  zwei  gemäßigten 
zwei  kalten  Zonen. 

470  Ltuklppot  von  Milet  erfindet  die  von  Demokritos  von  Abdera  um  41 
ausgebildete  Atomistik.  (Prinzipien,  qualitätslose  Atome  tmd 
Mechanische  Welterklärung.  Entstehung  der  unzähligen  Welt< 
Wirbelbewegung.  Entstehung  der  Wahrnehmung  durch  meohani 
wirkimg  dünner,  von  den  Objekten  abgelöster  Häutchen.  Sek\m< 
stehung  der  Qualitäten). 

464  Aiuuuiforat  von  Klazomenae  entwickelt  die  Elemente  der  Perspek 
zwar,  wie  Vitruvius  berichtet,  unter  Bezug  auf  die  Bühnendck 
einer  Schaubühne,  die  der  Baumeister  Agatharohos  zur  Auffüh 
Dramen  des  Aeschylos  in  Athen  hergerichtet  hatte. 

460  Anaxagorat  gibt  zuerst  die  richtige  Erklärung  der  Kilsch welle  (S 
der  Schneeberge  in  Äthiopien),  die  bereits  der  Dichter  Aesohylo 
„Hikeliden"  kennt. 

—  Anaxacorai  unterscheidet  Kraft  (Geist)  und  Stoff.  Die  Gestirne  sind 
aus  der  Erdregion  durch  die  zentrifugale  Kraft  der  Weltbilde 
wegung  an  die  Peripherie  versetzte  Erdmassen,  die  durch  den  Vi 
glühend  werden.  Veranlassimg  zu  dieser  Hypothese  gibt  der  Me 
fall  von  Aegospotamoi  (468  v.  Chr.). 

—  Aiiaxagorat  erkennt  in  dem  Gesicht  des  Mondes  Ebenen,  B 
Schluchten  eines  unserer  Erde  entsprechenden  Himmelskörpers. 

—  Der  Mathematiker  Otnopidtt  von  Chios  stellt  einen  Zyklus  von 
auf,  um  Sonnen  jähr  und  Mondlauf  auszugleichen. 

458  AesehylM  erwähnt  in  seinem  „Agamemnon"  den  (zu  seiner  Zei 
sischen  Reich  üblichen)  Feuertelegraphen  (Angaron),  der  den  F 
von  Insel  zu  Insel  nach  Argos  gemeldet  habe. 

450  Empedoklet  von  AkragaA  stellt  die  Sätze  auf:  Es  gibt  keine  E 
aus  nichts  und  kein  Vergehen  in  nichts,  sondern  nur  eine  Umw 
der  vier  ewigen  Elemente  (Feuer,  Luft,  Wasser,  Erde)  unter  d 
selnden  Einfluß  der  polaren  Kräfte  Liebe  und  Haß  (Anziehung,  AI 

—  Empedoklet  erwähnt  zuerst  die  in  Griechenland  bei  Gerichtsverhi 
zur  Abmessung  bestimmter  Stundenfristen  übliche  Klepsydra  (W 

—  EmptdoklM  ist  der  erste  methodische  Beobachter  der  vulkanie 
Bcheinungen  Siziliens.  Er  nimmt  eine  feuerfiüssige  Beschaffe] 
Erdinnem  an  und  erklärt  damit  die  Vulkane  und  die  heißen  Qu 
deutet  die  auf  SizUien  vorkommenden  Knochen  großer  fossiler  l 
als  Reste  eines  ausgestorbenen  Gigantengeschlechts. 

—  Htrociot  von  Halikarnassos  unternimmt  große  Reisen  nach  St 
^Olbia),     Griechenland,    Kyrene,    Unteritalien,  Ägypten,  Paläs 

—      10     — 


488  ▼,  Chn 

Pergien  (bis  Susa).  Zurückgekehrt  legt  er  die  Ergebnisse  seiner  For- 
schungen in  neun  Büchern  nieder,  welche  die  politische  und  die  Kultur- 
geschichte zusammenfassen  und  namentlich  der  geographischen  Beschrei- 
bung großen  Raum  gewähren. 
450  llOTiPt  erwähnt  in  unzweifelhafter  Weise  die  Butter,  die  bei  den  Skythen 
durch  starkes  Schütteln  der  Pferdemilch  und  Absonderung  dessen,  was 
sich  oben  abscheide,  gewonnen  werde.  Daß  die  Skythen  auch  die  Berei- 
tung von  Käse  verstanden,  wird  von  Hippokrates  von  Kos  berichtet. 
Auch  spricht  Herodot  bereits  von  einer  sechzigblättrigen  Rose,  womit 
ohne  Zweifel  die  gefüllte  Zentifolie  gemeint  ist.  Die  Darstellung  des 
Rosenöls,  der  Rosenpastillen,  des  Rosenhonigs,  eines  Rosenextraktes  usw. 
wird  von  Dioskorides  beschrieben. 

—  Htrod9t  beschreibt  das  Einbalsamierungsverfahren  der  Ägypter,  die  nach  dem 
Herausnehmen  de«  Gehirns  und  der  Ausräumung  der  Bauchhöhle  Palm- 
wein und  Spezereien  in  die  Leibeshöhlen  schütteten,  dieselben  mit  Myrrhen, 
Cassia  und  sonstigen  wohlriechenden  Substanzen  füllten  und  den  Körper 
70  Tage  lang  in  Natron  legten.  Die  so  präparierte  Leiche  wurde  in 
ByssuBstreifen  eingewickelt,  die  durch  Gummieren  fest  verbunden  wurden. 
Von  den  Äthiopiern  berichtet  er,  daß  sie  die  Körper  der  Gestorbenen  aus- 
trocknen ließen,  mit  einem  Gipsüberzuge  versahen  und  bemalten. 

—  Die  karthagischen  Feldherm  Hlmllko  und  Hanno  machen  Entdeckungs- 
fahrten, jener  bis  an  die  englischen  Zinninseln,  Hanno  bis  nach  Sene- 
gambien  und  der  Guineaküste  (Kap  Palmas f). 

—  KleoxMM»  und  Domoklltot  erfinden  einen  optischen  Buchstabentelegraphen, 
indem  sie  das  Alphabet  auf  fünf  Tafeln  zu  je  fünf  Buchstaben  verteilen 
und  durch  Fackelzeichen  (Sichtbarmachen  von  1  bis  5  Fackeln)  jedesmal 
zuerst  die  betreffende  Tafel  und  alsdann  den  betreffenden  Buchstaben 
kennzeichnen.  (Polybios  X,  45.)  Dieser  Buchstabentelegraph  wird  noch  im 
3.  Jahrhundert  n.  Chr.  angewendet. 

444  DtafSlM  der  Eherne  soll  zuerst  den  Gebrauch  von  Kupfermünzen  veran- 
laßt haben. 

—  EnryphMi«  ältester  wissenschaftlicher  Arzt  der  kölschen  Schule,  erklärt  die 
Krankheit  aus  Überfüllung  des  Magens. 

—  Harotfkot  von  Selymbria  verbindet  Gymnastik  und  Heilkunde  zur  7ar^a^<jr- 
Tix>7  (Heilgymnastik).  Er  verordnet  grundsätzlich  ermüdende  Spaziergänge 
und  stellt  das  Prinzip  auf,  daß  die  Nahrun gszufuhr  in  der  körperlichen 
Arbeit  ihr  Cregengewicht  finden  müsse. 

—  Htradol  erwähnt  bereits  das  Vorkommen  und  die  Gewinnung  von  Bitu- 
men (verdicktes  Erdöl,  Asphalt)  im  Is,  einem  Nebenflusse  des  Euphrat. 
Auch  gibt  Herodot  Nachrichten  über  die  vermutlich  von  Darius  organi- 
sierte persische  Reichspost  (Angareion). 

—  Herod«t  erwähnt  zuerst  das  in  Ägypten  und  Griechenland  übliche 
Rechnen  auf  dem  Rechenbrett  (Abakos),  das  bei  dem  Mangel  eines  dezi- 
mal geordneten  Ziffemsystems  die  Addition  und  Subtraktion  erleichtert 
und  in  China  seit  den  ältesten  Zeiten  (s.  2630  v.  Chr.  Hwang-ti)  in  Ge- 
brauch war. 

438  PfeMlai  verwendet  nach  Plutarch  bei  der  Herstellung  des  chryselephantinen 
Zeusbildes  Arbeiter,  die  das  Elfenbein  zu  erweichen  und  zu  strecken 
verstanden  hätten.  An  einer  anderen  Stelle  behauptet  Plutarch,  dies  sei 
mit  Bier  geschehen.  Seneca  nennt  als  Erfinder  des  Verfahrens  Demokrit. 
Vermutlich  ist  alles  Fabel,  wie  der  entsprechende  antike  Glaube,  der 
Diamant  lasse  sich  durch  Bocksblut  erweichen,  und  die  gleichfalls 
Demokrit  zugeschriebene  Kunst  der  Färbung  der  Edelsteine. 

—     U     — 


482  T,  Cht. 

432  Der  Athener  Mttwi  schlägt  für  die  Zeitbereohnungen  den  nach  ihm  be- 
nannten Zyklus  Ton  19  Mondjahren  (Enneadekaeteris)  vor,  der  12  gemeine 
Jahre  zu  12  Monaten  und  7  Schaltjahre  zu  13  Monaten  umfaßt,  so  daß 
im  Mittel  ein  Jahr  =  365,263  Tage  ist  (s.  540  v.  Chr.  Eleostratos). 

430  HIppokrattt  von  Chios  gibt  die  nach  ihm  benannte  Konstruktion  der 
„Lunulae  Hippokratis'*  an,  durch  die  er,  freilich  irrtümlich,  das  Problem 
der  Quadratur  des  Kreises  für  gelöst  ansieht.  Er  führt  da«  delische  Problem 
der  Würfelverdoppelung  auf  die  planimetrische  Forderung  zurück:  zwischen 
zwei  gegebenen  Strecken  zwei  mittlere  Proportionale  einzuschalten.  Er 
schreibt  das  erste  griechische  Lehrbuch  über  die  Elemente  der  Mathematik. 

—  Der  Bildhauer  KalllmaehM  soll  nach  Plinius  den  Marmorbohrer  erfunden 
haben. 

•—  Nach  dem  Berichte  des  Pausanias  (^EWxdos  Jtsgiijyi^aigJ  bringt  der  Bildhauer 
KalllmaehM  an  dem  Standbilde  der  Athene  auf  der  Akropolis  von  Athen 
eine  goldene,  mit  öl  gespeiste  Laterne  an,  deren  Docht  aus  unverbrenn- 
lichem  karpasischem  Steinflachs,  das  ist  Asbest,  hergestellt  war.  (Vgl. 
auch  77  Plinius,  welcher  den  Asbest  gleichfalls  für  eine  Pflanze  hält.) 

424  Der  griechische  Geschichtsschreiber  Thukyilldtt  berichtet  (IV,  100),  daß  sieh 
im  Jahre  424  v.  Chr.  die  Böotier  vor  Delion  des  Feuers  als  AngrifiTs- 
mittel  in  folgender  Weise  bedienten:  Am  vorderen  Ende  eines  durch 
eiserne  Reifen  zusammengehaltenen  Holzrohrs  war  ein  Gefäß  mit  brennen- 
dem Pech  und  Schwefel  angebracht,  am  hinteren  Ende  arbeiteten  große 
Blasebälge,  deren  Luftstrom  das  Feuer  als  starke  Stichflamme  gegen  das 
Angriffsziel  trieb.  —  Übrigens  reicht  die  Kenntnis  derartiger  Feuerwerks- 
künste im  Altertum,  namentlich  bei  den  Chinesen,  noch  viel  weiter  zurück. 
Doch  ist  die  oft  versuchte  Deutung  als  „Pulvergeschütze"  eine  irrige. 

423  Der  Lustspieldichter  ArlstophaiMS  von  Athen  erwähnt  in  seiner  Komödie 
f,N€(piXai**  (2.  Akt)  das  Brennglas  (Brennkrystall)  und  seine  Verwendbarkeit 
zum  Feueranzünden.  Doch  geht  aus  dem  Zusammenhange  hervor,  daß 
es  sich  dabei  nicht  um  eine  damals  allgemein  bekannte  Tatsache  handelte. 

420  Demokrltot  von  Abdera  pflichtet  der  Lehre  des  Empedokles  (s.  450  v.  Chr.) 
von  der  ünzerstörbarkeit  der  Materie  bei  und  erklärt,  alle  Veränderung 
sei  nur  Verbindung  oder  Trennung  der  unteilbaren  Elemente  der  Materie, 
der  Atome,  die  nur  der  Gestalt  imd  Größe,  nicht  aber  dem  Stoff  na<^h 
verschieden  seien. 

—  Dtmokrltot  wird  der  Überlieferung  nach  als  Erfinder  des  Gewölbebaus  be- 
zeichnet. Tatsächlich  zeigt  der  altgriechische  Mauerbau  vor  Demokritos 
keine  Gewölbe,  und  es  wurden  die  Maueröffnungen  lediglich  durch  Über- 
kragen der  einzelnen  Steinschichten  geschlossen.  Doch  muß  neueren 
Forschimgen  zufolge  die  erste  Anwendung  der  Gewölbe  den  Etruskern 
zugeschrieben  werden,  und  auch  die  altbabylonischen  Bauwerke  enthalten 
Gewölbe. 

—  Hlppias  von  Elis  findet  die  erste,  von  der  Kreislinie  verschiedene,  nach 
Entstehung  und  Eigenschaften  mathematisch  genau  bestimmte  krumme 
Linie.  Dieselbe  wird  später  von  Dinostratos  zur  Quadratur  des  Kreis  3s 
verwendet,  und  erhält  daher  den  Namen  Quadratrix. 

—  Hlppokrate  von  Kos  begründet  die  wissenschaftliche  Heilkunde.  Er  ist 
der  hervorragendste  Arzt  der  koischen  Schule  und  überragt  an  Schärfe 
der  Beobachtung  alle  Ärzte  des  Altertums;  auch  ist  er  ein  ausgezeichneter 
Chirurg.    Die  wichtigsten  imd  in    ihrer  Echtheit  am   besten   verbürgten 

feiner  Schriften  sind:  die  Aphorismen  über  Prognose  und  Therapie;  die 
Abhandlimg  über  Klima,  Wasser  und  Bodenbeschaffenheit  und  deren  Ein- 
fluß auf  die  Bewohnerschaft;  ein  Leitfaden  der  medizinischen  Geographie; 
die  Bücher  über  Epidemien,  über  Diät  und  über  Kopfwunden. 

I 
—     12     — 


400  T,  Chr. 

420  Hlppofcrattt  von  Eos  schreibt  die  erste  Abhandlung  über  die  Trepanation, 
die  übrigens  schon  in  der  ältesten  Steinzeit  geübt  wurde,  und  gibt  genaue 
Grundsätze  für  die  Ausführung  dieser  Operation,  die  zum  Teil  heute  noch 
zutrefFend  sind. 

—  HIpptkraiM  von  Eos  kennt  das  auch  schon  von  den  alten  iigyptern  in 
der  Malerei  verwendete  Gummi  arabicum  (ägypt.  Eami,  griech.  Kommi), 
und  benutzt  es  als  Heilmittel.  Auch  Herodot  erwähnt  das  Gummi 
arabicum  als  einen  Bestandteil  der  Schreibflüssigkeit  (Tinte). 

—  PMItlatt«  ein  Pythagoraeer  aus  Kroton,  stellt  ein  Weltsystem  von 
10  Körpern  auf:  Fixstemsphäre,  Sonne,  Mond,  5  Planeten,  Erde.  Gegen- 
erde. Der  ruhende  Mittelpunkt  dieses  beständig  kreisenden  Systems  ist 
das  Zentralfeuer.  Die  Reihenfolge  der  Elemente  ist:  Äther,  Feuer,  Luft, 
Wasser,  Erde. 

410  Der  Pythagoraeer  Thsodoros  von  Kyrene  weist  darauf  hin,  daß  die  Quadrat- 
wurzeln aus  den  Zahlen  3,  5,  7,  11  usw.  durch  keinen  Zahlenwert  genau 
angebbar  {„aXayoy**,  nicht  aussprechbar)  seien,  womit  zuerst  der  Begrül  des 
„IrrationtJen*'  in  der  Mathematik  auftritt.  Doch  hat  möglicherweise 
schon  Pythagoras  selbst  diesen  Begriff  gekannt.    (S.  532  v.  Chr.  Pythagoras.) 

400  Die  Pythagoraeer  Hlkstas  und  Ekphantot  aus  Syrakus  lehren  die  Achsen- 
drehnng  der  Erde,  Ekphantos  unter  Annahme  einer  Drehung  von  West 
nach  Ost.    (Vgl.  Heraklides  Pontikos  350  v.  Chr.) 

—  NIppolaralM  von  Eos  lehrt  die  Blutstillimg  durch  Eompression  und  durch 
styptisehe  Mittel,  wie  Alaun,  Myrrhe  usw.  Er  unterscheidet  in  bezug  auf 
die  Wandheüung  die  Vereinigung  der  Wunden  durch  einfache  Verklebung 
von  jener,  welche  sich  durch  eine  neu  entstehende  Zwischen  Substanz  er- 
gibt. Gegeti  Verbrennungen  empfiehlt  er  teils  zusammenziehende,  teils 
erweichende  Mittel.  Er  ist  Erfinder  des  wissenschaftlichen  Heilverbandes, 
und  empfiehlt  einen  Schienen  verband,  der  locker  befestigt  ist,  damit  das 
Glied  nüien  kann,  ohne  gedrückt  zu  werden. 

—  HIppoknrtH  von  Eos  hat  betreffs  der  Affektionen  der  Haut  die  Auffassung, 
daß  dieselben  nur  Ablagerungen  von  Erankheitsprodukten  auf  der  äußeren 
OberfläGhe  seien,  die  ihren  eigentlichen  Urspnmg  inneren  Zuständen,  einer 
krankhaften  Veränderung  der  Säfte  verdankten.  Er  kennt  die  Erank- 
heitserscheinungen  der  Skrofulöse  und  insbesondere  auch  die  Tumoren  der 
skrofulösen  Drüsen. 

—  Hlpptkrallt  von  Eos  kennt  die  angeborenen  Luxationen  und  rechnet  die 
Elumpfüße  zu  ihnen.  Er  bewirkt  die  Geraderichtung  mit  den  Händen 
und  befestigt  den  Fuß  in  der  erhaltenen  Stellung  durch  einen  erhärtenden 
Verband.  Die  Rückgrats  Verkrümmungen  benennt  er  als  Eyphosis,  Lordosis 
und  Skoliosis.  Er  ist  ein  eifriger  Anhänger  der  Massage  und  macht  An- 
gaben darüber,  wo  und  wie  man  sich  des  Beibens  bedienen  müsse. 

—  Hlpptkrallt  von  Eos  und  seine  Schüler,  insbesondere  Thessalos  und  Drako, 
kennen  die  Behandlung  des  Nasenpolypen  sowohl  durch  Ausbrennen  als 
auch  durch  Abbinden,  und  seine  weitere  Behandlung  mit  Ätzmitteln. 

—  NipptkralM  von  Eos  kennt  bereits  die  vielerlei  Stönmgen  der  Funktionen 
des  Getamtorganismus  durch  Zahn-  und  Zahnfleischleiden.  Um  seine 
Zeit  kennt  man  auch  bereits  die  Befestigung  der  Zähne  mit  Golddraht, 
wie  beispielsweise  auch  das  römische  Zwölftafelgesetz  (449  v.  Chr.)  eine 
Bestimmung  enthält,  die  das  Begraben  mit  goldenen  Gegenständen  ver- 
bietet» das  Gold  in  den  Zähnen  aber  ausdrücklich  von  dieser  Bestimmung 
ausnimmt. 

*-  NipptkralM  von  Eos  beschreibt  den  äußern  Gehörgang  und  das  Trommel- 
fell, kennt  die  akute  und  chronische  Mittelohreiterung,  ihre  Eompli- 
kationen   und   Gefahren   und  spricht  von  den  häufig  vorkommenden  Ver- 

—      13     — 


400  T.  Chr. 

letzungen  der  Ohrmuschel  und  von  der  Knorpelfraktur,  für  deren  Behand- 
lung er  Vorschriften  gibt. 
400    Ktetlas   von  Knidos  liefert   eine   geographische  Beschreibung  Indiens,    be- 
sonders seiner  Tier-  und  Pflanienwelt. 

—  KtMias  erwähnt  zuerst  das  Vorkommen  von  Erdgas  in  Karamanien.  Dies 
Gas  lieferte  seinerzeit  den  Feueranbetern  die  ewigen  Feuer  und  wurde 
schon  früh  als  Heizmaterial  für  den  Hausgebrauch  angewendet. 

—  Der  chinesische  Schriftsteller  Ltlh-tse  erwähnt  in  seinen  Schriften;  lä^ 
Stahl  entstehe,  wenn  Schmiedeeisen  in  flüssiges  Gußeisen  eingetaucnt 
werde.     (S.  a.  1722.) 

398  TlmottiMt  führt  die  elfsaitige  Harfe  in  Griechenland  ein.  (S.  3000 
V.  Chr.) 

390  Arehytas  von  Tarent  behandelt  die  Mechanik  mathematisch.  £r  unter- 
scheidet arithmetische,  geometrische  und  harmonische  Proportionen  und 
löst  das  delische  Problem  durch  die  Methode  der  Halbzylinder.  Er  stellt 
«  das   erste   System    der  Akustik   auf,   wobei   er  auf  die  Abhängigkeit  der 

Tonhöhe  von  der  Schwingungszahl  hinweist,  und  erklärt  die  ungleiche 
j  Bewegung   der    Gestirne   aus  dem  Widerstände  der  Luft.    Arehytas  wird 

von  Aulus  Gellius  als  Erfinder  des  Drachens  (von  Gellius  „fliegende 
Taube"  genannt)  bezeichnet. 

—  Wie  Plutarch  (in  „Vita  Camilli")  berichtet,  entsendet  der  römische  Heer- 
^         führer  Marcus  Furius  Camllliis  den  Pontius  Cominius  als  Kundschafter  auf 

das   von    den    Galliern   belagerte   römische  Kapitol,  wobei  Cominius  zum 
Durchschwimmen    des  Tiber  Korkstücke   unter  seiner  Kleidung  anbringt. 
Es  ist  dies  die  erste  Erwähnung  einer  Art  von  Kork-Schwimmweste. 
387    Marcus   Furius   Camllliis  führt   statt    des    bisher  üblichen  ledernen    oder 
ehernen  Helms  den  eisernen  ein. 

—  Plato  findet  die  analytische  Methode  der  Geometrie  und  gibt  durch  seine 
\.            Lösung  des  delischen  Problems  der  Würfelverdoppelung  das  erste  Beispiel 

der  Bewegungsgeometrie.    Er  gibt  die  regulären  Polyeder  an. 

—  Plato  unterscheidet  leichtflüssige  und  schwerflüssige  Fluida  und  teilt  die 
Luft  der  ersteren  Gattung  zu.  Sie  könne  sich  in  Nebel  und  Wolken  ver- 
wandeln und  man  müsse  annehmen,  daß  die  Elementarteilchen,  aus  denen 
jeder  Grundstoff  bestehe,  bei  einem  solchen  Verwandlungsakt  auseinander- 
fallen  und  sich  neu  gruppieren. 

—  Plato  erwähnt  zuerst  den  Diamanten  als  einen  bei  der  Goldscheidung  aus- 
krystallisierenden  Körper  von  großer  Festigkeit. 

381  Eudoxot  von  Knidos  setzt  an  die  Stelle  von  Meton's  neunzehnjährigem 
Zyklus  (s.  432  v.  Chr.)  einen  achtjährigen  Scl^altzyklus. 

378  Phlllppot  von  Mende  in  Ägypten,  ein  Schüler  Piatos,  soll  den  Satz  ge- 
funden haben,  daß  der  Außenwinkel  eines  Dreiecks  gleich  ist  der  Summe 
der  beiden  gegenüberliegenden  Dreieckswinkel. 

370  DIokiM  von  Karystos,  „der  zweite  Hippokrates'%  verfaßt  ein  mediziniaohet 
Kräuterbuch  (vgl.  2700  v.  Chr.),  schreibt  eine  berühmte  Diätetik  und 
fördert  auf  Grund  von  Tiersektionen  die  Kenntnis  der  Embryologie.  Nach 
Empedokles  sind  die  vier  Elemente  des  Körpers  und  die  davon  abge- 
leiteten Gegensätze  Kalt  —  Warm  Ursache  der  Krankheiten.  Diesen 
vier  Elementen  entsprechen  bei  Diokles  vier  Säfte:  Blut,  Schleim,  gelb« 
und  schwarze  GaUe  (Humoralpathologie). 

—  Xonophon  von  Athen  gibt  in  seiner  Schrift  „Von  der  Reitkunst"  an,  daB 
man  das  Alter  der  Pferde  an  ihren  Zähnen  erkennen    kann. 

368  Eudoxot  von  Knidos  gibt  mit  seinem  System  der  27  homozentrischen 
(d.  h.  konzentrischen)  Sphären  eine  geistreiche  Erklärung  der  Bewegung 
der  Himmelskörper.    Seine  Lehre,  durch  Kalippos  von  Kyzikos  —  33  himm- 

—      14     — 


880  V.  Chr. 

tische  Hohlkugelsph&ren  —  und  Aristoteles  —  47  Sphären  —  weiter  aus- 
gebildet, ist  in  dem  astronomischen  Gedichte  des  Arato<3:  ,,0aiv6fisva  xcU 
dtoafjfisia^*  niedergelegt.    (Erhalten  in  einem  Kommentar  des  Hipparchos.) 

S58  Eaiwos  von  Enidos  bildet  die  Lehre  von  den  Proportionen  wissenschaft- 
lich aus,  begründet  die  Ähnlichkeitslehre,  wendet  zur  Erklärung  der 
Planetenbewegungen  die  Hippopede  (Pferdefessel),  eine  sphärische  Lemnis- 
kate  an  und  gibt  der  Exhaustionsmethode  ihre  wissenschaftliche  Vollendung. 
Er  schreibt  das  älteste  Lehrbuch  der  Stereometrie. 

360  Der  griechische  Militärschriftsteller  AaneM  der  Taktiker  gibt  in  seinem 
Werke  über  Städtebelagerung  eine  Geheimschrift  an,  bei  welcher  ein 
mehrfach  durchlochtes  Brett  verwendet  wird,  dessen  Locher  —  nach  Ver- 
abredimg —  die  Bedeutung  der  einzelnen  Buchstaben  des  Alphabets 
haben.  Durch  die  Löcher  wird  in  der  Beihenfolge  der  zu  übermittelnden 
Buchstaben  ein  Faden  gezogen.  (S.  Alvslov  noXioQxrfxixov  vjt6fivrjfjia.  XXXI.) 
—  VgL  auch  den  in  Sparta  zu  Lysanders  Zeit  gebräuchlichen,  von  Plutarch 
(Lysandros  19)  erwähnten  Geheimbriefstab  (Skytale). 

—  Aüieat  der  Taktiker  beschreibt  einen  Brandsatz  aus  Pech,  Schwefel,  Werg, 
Weihrauch  und  Eienspänen,  der  in  Feuertöpfen  als  Wurfgeschoß  zur 
Verwendung  kommt.  Auch  schildert  er  mörserkeulenartige  Brand  Werk- 
zeuge, die  auf  die  Sturmdächer  der  Belagerer  geworfen  werden. 

—  ÄMieat  der  Taktiker  stellt  einen  optisch- hydraulischen  Telegraphen  her, 
indem  er  an  den  beiden  zu  verbindenden  Stationen  gleichgroße,  mit 
Ablaßhähnen  versehene  ^Wassergefäße  aufstellt.  Mit  einer  Fackel  wird 
das  Zeichen  zum  Offnen  und  Wiederschließen  der  Hähne  gegeben,  und 
dabei  der  Wasserspiegel  bis  zu  bestimmten  Marken  gesenkt,  welche  ge- 
wisse, vorher  vereinbarte  Nachrichten  bedeuten.  (S.  den  bei  Polybios  X,  44 
enthaltenen  Auszug  aus  Aeneas  verlorenem  Werke  „Von  der  Belagerungs- 
kunst"  und  1796  Bramah.) 

352  Die  Architekten  Satyrot  und  Pythb  verwenden  bei  dem  Grabmal  des 
Königs  Mausolos  in  Halikamassos  Marmorplatten,  die  augenscheinlich  mit 
einem  sägeartigen  Werkzeug  geschnitten  sind.  Plinius  bemerkt  dazu,  daß 
es  sich  hierbei  um  Steinsägen  gehandelt  habe,  welche  durch  Schleifen  mit 
scharfem  Sande  ihre  Wirkung  ausübten,  so  daß  demnach  hier  die  Urform 
der  noch  jetzt  in  Gebrauch  befindlichen  „Schwertsägen"  vorläge. 

350  Mstoxtnm  von  Tarent  wird  mit  seiner  Schrift  „Elemente  der  Harmonie" 
epochemachend  für  die  wissenschaftliche  Behandlung  der  Musik,  indem  er 
die  bis  dahin  allgemein  angenommene,  auf  bloße  Zahlenverhältnisse  ge- 
gründete Theorie  der  Pythagoraeer  verläßt  und  die  Gehörsempfindungen 
geltend  zu  machen  sucht. 

—  HmMMM  Pontikos  hält  ein  heliozentrisches  Planetensystem  für  möglich, 
in  welchem  Merkur  und  Venus  die  Sonne  umkreisen.  (Vgl.  auch  Tycho 
Brahe.)    Seine  Lichttheorie  ist  der  erste  Keim  der  ündulationstheorie. 

—  Der  griechische  Maler  Ptuslas  von  Sikyon  bildet  die  schon  von  seinem 
Lehrer  PampMlos  geübte  Wachsmalerei,  und  zwar  in  ihrer  Abart  als 
Enkaustik,  in  hervorragender  Weise  aus,  indem  er  farbiges  Wachs  mit 
Hilfe  glühender  Stifte  auf  hölzerne  Tafeln  oder  gebrannte  Tonplatten 
aufträgt.    (S.  Plinius  „Historia  naturalis."  Lib.  XXXV.  —  Vgl.  auch  1887  P.) 

340  MiMMChmas  wird  bei  dem  Versuch,  den  Würfel  zu  verdoppeln,  d.  h.  das 
ddische  Problem  zu  lösen,  auf  die  Kegelschnitte  geführt. 

335  Pnoagorai  von  Kos  kennt  bereits  die  Brucheinklemmung  (Ileus)  und  empfiehlt 
dabei  die  Laparotomie  und  Enterotomie. 

330  iUMaeas  behandelt  zuerst  zusammenfassend  die  Elemente  der  Kegel- 
schnitte.    (Vgl.  340  V.  Chr.  Menaechmos.) 

—     15     — 


880  Y.  Cht. 

330  AristottiM  von  Stagira,  der  bedeutendste  Naturforscher  des  alten  < 
lands,  legt  die  Ergebnisse  seiner  Forschungen  in  zahlreichen 
(Auscultatio  physica;  De  generatione  et  corruptione;  De  ooelo; 
logica;  De  anima;  Historia  animalium  u.  a.)  nieder.  £r  schi 
zuerst  von  Empedokles  angenommenen  vier  Elementen  die  1 
Qualitäten  zu:  Feuer  trocken  imd  warm,  Luft  warm  und  feucht 
feucht  und  kalt,  Erde  kalt  imd  trocken.  Er  stellt  die  Lehre 
Wandelbarkeit  der  Elemente  ineinander  durch  zunehmendes  \ 
der  zweien  von  ihnen  gemeinsamen  Eigenschaft  —  Wasser  fe 
kalt  in  Luft  feucht  und  warm  —  auf, 

—  AristottiM  nimmt  nach  dem  Vorgang  des  Philolaos  die  ExiBtenz  di 
äthers  (Quinta  essen tia)  an.  Er  führt  zum  ersten  Male  als  B 
die  Kugelgestalt  der  Erde  den  Umstand  an,  daß  bei  Mondfini 
der  Schatten  der  Erde  immer  kreisförmig  ist,  da  der  einzige  Kc 
in  allen  Lagen  einen  kreisförmigen  Schatten  wirft,  die  Kugel  sei 

—  Arlstottiti  veranschaulicht  in  seinen  „Afi7;tavixa  jtgoßXi^fiaxa**  seine 
durch  Zeichnungen  und  verwendet  zu  kurzer  Bezeichnung  vo 
matischen  Größen  gelegentlich  auch  Buchstaben. 

—  Ariitoteltt  stellt  zuerst  die  später  nach  Mariotte  benannte  Hypot 
daß  alle  Wasser  in  der  Erde  meteorischen  Ursprungs  seien,  < 
Hegen  die  Erde  völlig  trocken  sein  würde  und  daß  das  Was 
unaufhörlichen  Kreislauf  ausführe.  Er  erwähnt,  daß  destillierl 
Wasser  (ebenso  Wein  u.  dgl.)  nur  reines  Wasser  als  Niederschla 
Er  kennt  die  Natur  des  Taus  und  des  Nordlichts  und  die  Tei 
abnähme  in  der  Höhe. 

—  Aristoteles  lehrt,  daß  die  Luft  den  Schall  vermittelnd  in  das  C 
und  daß  der  Schall  bei  Nacht  besser  als  bei  Tage  und  im  Wini 
als  im  Sommer  gehört  wird.  Er  weiß,  daß  freifallende  Körpei 
schleunigter  Geschwindigkeit  fallen,  und  spricht  von  der  Erwäri 
Pfeilgeschosse  durch  die  Reibung  der  Luft. 

—  Aristoteltt  erklärt  die  Empfindung  des  Sehens  als  eine  Erschütter 
Bewegung  des  Mittels  zwischen  dem  Gesicht  imd  dem  gesehene 
Stande.  Der  „Versuch  des  Aristoteles"  zeigt  eine  Täuschung  i 
Sinns :  Wenn  eine  kleine  Kugel  mit  zwei  gekreuzten  Fingern  betai 
so  hat  man  das  Gefühl  von  zwei  Kugeln. 

—  Aristoteles  macht  sich  zuerst  eine  wissenschaftliche  Vorstellung 
Schmelzvorgang  und  kennt  die  Verschiedenheit  der  Schmelzpimk 
ner  Metalle.  Er  erwähnt  das  Verfahren,  Eisen  aus  den  Erzen  dui 
mals  wiederholte  Schmelzung  reiner  darzustellen  und  zuletzt  in 
verwandeln.  Er  erwähnt  ferner  zuerst  das  Quecksilber  (aus 
Süber). 

-r    Arlttotelet  begründet  durch  seine  Tierkunde  die  Zoologie  und  bring 
bekannten  etwa  500  Tierfonnen  in  ein  wissenschaftliches  Systen 
er  Bluttiere   und  Blutlose   unterscheidet,    welche  Gruppen  sich 
ndt  unseren  heutigen  Wirbeltieren  und  Wirbellosen  decken.     Er  s 
gleiche  des  Baues  des  tierischen  und  menschlichen  Körpers  an,  b 
den  letzteren  wahr  \ind  naturgemäß  und  macht  treffende  An^a 
das  Vorkommen  von  Mißbildungen  bei  Menschen  und  Tieren, 
die  wahren  Nerven,    nicht   aber   deren  Zusammenhang   mit  dem 
weiß   jedoch,    daß  das  menschliche  Gehirn  größer  als  da«  aller 
Er  macht  die  ersten  Wahrnehmungen  über  die  Entstehung  des  1 
aus  dem  Ei. 

—  Aristolelet  beobachtet  viele  Tierkrankheiten  und  beschreibt  at 
deren  Erscheinungen.     Er   kennt   die  Ruhr  und  die  Finne  der  S 

—      16     — 


820  V.  Chr, 

die  Wnt-  nnd  andere  Krankheiten  der  Hunde,  den  Starrkrampf,  den  Rots 
und  die  Rehe  der  Pferde,  die  Trommelsucht  der  Elephanten  und  vieles 
andere.  Aristoteles  gilt  als  Begründer  der  Zooton[iie. 
ArMstatot  erwähnt  zuerst  die  koischen  Gewänder,  das  sind  fast  durch- 
sichtige Seidenstoffe,  die  Pamphile  auf  Kos  aus  den  Kokons  der  dort 
vorkommenden  wilden  Seidenraupe  zu  bereiten  wußte. 
DIadttv  Ingenieur  unter  Alexander  dem  Großen,  erfindet  die  zusammen- 
legbaren Belagerungstürme  (Helepolen),  die  Sturmbrücken  und  ^den 
Mauerbrecher  (Kranich).  Den  schon  früher  bekannten  Sturmbock  stellt 
er  auf  Räder. 

Der  Bildhauer  Lysbtralos  von  Sikyon  ist  der  erste,  der,  anstatt  frei  zu 
modellieren,  von  dem  Gesicht  der  abzubildenden  Person  einen  Wachs- 
abguß nimmt.  Nach  der  Angabe  des  Plinius  soll  er  auch  zuerst  Gips- 
abgüsse der  menschlichen  Formen  genommen  haben. 
Pmagorat  entdeckt  den  Unterschied  zwischen  Venen  und  Arterien  und  stellt 
fest,  daß  die  letzteren  allein  die  Eigenschaft  haben,  zu  pulsieren. 
Auf  dem  Zuge  Altxantfers  dft  GroBen  nach  Indien  werden  von  einem  ihn 
begleitenden  wissenschaftlichen  Stabe  planmäßige  Beobachtungen  über 
fremde  Tiere  und  Pflanzen  (z.  B.  Banane,  Reis,  Mangrove,  Euphorbie) 
angestellt.  Diese  Forschungen  werden  von  Aristoteles  und  Theophrastos 
verwertet. 

NMfChot,  Flottenführer  Alexanders  des  Großen,  fährt  vom  Indus  aus  durch 
das  Erythraeische  Meer  in  den  Persischen  Meerbusen  und  entdeckt  die 
Mündungen  des  Euphrat  und  Tigris. 

DlkaaartliM  von  Messene  scheint  bereits  einen  Quadranten  mit  Dioptern 
besessen  zu  haben,  wie  aus  der  Angabe  des  Eratosthenes  hervorgeht,  der 
sagt,  daß  Dikaearchos  mit  dioptrischen  Meßinstrumenten  Höhenwinkel 
von  Berggipfeln  gemessen  habe. 

DikaMTClMM  entwirft  eine  Karte  der  durch  die  Feldzüge  Alexanders  des 
Großen  bekannt  gewordenen  Ländergebiete. 

Eoiamot  von  Rhodos  schreibt  die  erste  Geschichte  der  Geometrie,  Arith- 
metik und  Astronomie,  die  wichtigste  mathematische  Geschichtsquelle  für 
die  Zeit  vor  Euklid. 

PythMB  von  Massilia  (Marseille)  fährt  von  Gade«  nach  der  Bretagne,  die 
er  zuerst  sieht,  von  da  nach  den  Scillyinseln  und  Britannien  durch  den 
St.  Georgskanal  bis  an  die  Spitze  Schottlands  imd  bis  zu  den  Shetlands- 
inseln,  wo  er  Nachrichten  von  einer  Insel  Thule  am  Polarkreis  erhält. 
Er  n[iißt  die  Schiefe  der  Ekliptik  (24^)  und  die  geographische  Breite 
seiner  Vaterstadt,  und  bestimmt  den  Nordpol  (genauer  als  Eudoxos,  der 
den  Polarstem  dafür  angenommen  hatte)  als  sternlosen  Punkt  des 
Himmels.  Er  beschreibt  die  kurzen  Sommernächte  der  Polargegenden 
und  das  Nordlicht  und  erkennt  den  Zusammenhang  der  Gezeiten  mit 
dem  Monde. 

Tlwopivasloe  von  Eresos  faßt  in  seiner  kanonisch  gewordenen  Doxographie 
(Greschichte  der  Physiker  von  Thaies  bis  Plato)  die  Entwicklung  der 
griechischen  Physik  bis  auf  seine  Zeit  historisch-kritisch  zusammen. 
Ueophraitm  legt  einen  Pflanzengarten  an  und  liefert  in  seinen  Werken 
über  die  Geschichte  der  Pflanzen  und  deren  Aetiologie  eingehende  Be- 
arbeitungen der  zu  seiner  Zeit  bekannten  Gewächse  unter  Berücksichtigimg 
ihrer  Morphologie  und  Biologie.  Von  ihm  datieren  die  Anfänge  der 
Pflanzengeographie. 

TfcaoyhrMtoi   erwähnt   zuerst  unter  dem  'S  Amen  Kixcoqtj  die  Zichorie  (vgl. 
1763  Heine).    Er  kennt   die  Tollkirsche   unter   dem  Namen  Mavögayögas, 
wie   durch  Fraas'  Untersuchungen   endgültig   entschieden  ist.    (Die  jetzt 
Darmstaedter.  2 

—     17     — 


820  Y.  Chr> 

gebräuchliche  Bezeichnung  Belladonna  rührt  von  Matthiolus  her).  Axx 
kennt  er  den  Eibisch  unter  dem  Namen  'Ißioxog;  (den  Namen  Alth^ 
erhält  er  durch  Dioskorides).  Er  beschreibt  femer  den  Pfirsichbaum,  < 
Pflaume,  die  Pistazie,  den  Portulak,  das  Süßholz,  den  Traganthstrauc 
den  Meerrettig,  die  Melone  imd  den  Spargel,  der  zu  seiner  Zeit  ßow<] 
als  Gemüse  als  auch  als  Arzneimittel  verwandt  wird. 
320  Thoophrattoi  erwähnt,  daß  Quecksilber  durch  Zerreiben  von  Zinnober  n 
Essig  in  kupfernen  (refäßen  gewonnen  werde.  Er  kennt  das  VerzinD 
des  Eisens  und  beschreibt  in  seiner  Abhandlung  „/7eß<  röH'  Xi^oiv**  die  I 
reitung  des  Bleiweißes.  Er  hat  zuerst  sichere  Kenntnis  von  der  Existe 
mineralischer  Kohle,  unter  der  nach  der  ganzen  Fassung  der  Besohreiba 
Braunkohle  zu  verstehen  ist. 

—  Theophrastos  behauptet  das  Vorkommen  von  (fossilem)  Bernstein  an  i 
ligurischen  Küste.  Er  beschreibt  das  natürliche  Feuerzeug  (Drehung  v 
hartem  Holze  auf  weichem),  das  der  Hymnus  auf  Merkur  als  dessen  ] 
flndung  bezeichnet.  Er  erwähnt  das  in  Makedonien  übliche  primiti 
Toerschwelen. 

—  Thtophrattot  bezeichnet  es  als  eine  wunderbare  Tatsache,  daß  man  in  i 
afrikanischen  Wüste  Tiefbrunnen  600  Fuß  tief  erbohrt  hat,  deren  Wad 
durch  ein  Göpelwerk  in  die  Höhe  befördert  wird. 

—  Nach  der  Angabe  des  Theophrastos  war  zu  seiner  Zeit  das  Gerben  i 
Leders  mit  der  Rinde  der  Aleppo-Kiefer  in  Griechenland  schon  in  ( 
brauch.  Das  unter  dem  Namen  „Cuir  d' Alger"  in  den  Handel  kommec 
französische  Leder  wird  noch  heutigentags  in  ganz  gleicher  Weise  h 
gestellt. 

—  Thtophrastos  erwähnt  den  Zimmet,  imd  zwar  in  zwei  Arten:  Cinnamomi 
und  Cassia.  Doch  ist  dieses  Gewürz  schon  in  den  frühesten  Zei^ 
bekannt  gewesen  und  wird  bereits  in  einem  chinesiBchen  Kräaterbu< 
V.  J.  2700  V.  Chr.  aufgeführt. 

312  Der  Zensor  Applat  Clautflus  erbaut  die  erste  wirkliche  Kunststraße  < 
Römer,  die  Via  Appia,  die  Rom  mit  Capua  verbindet.  Später  wird  I 
Straße  über  Beneventum  und  Tarentum  bis  Brundisium  verlängert.  I 
ist  nach  ihrer  Vollendung  540  km  lang  bei  einer  Breite  von  8  m.  } 
Grundlage  bestand  aus  grobem,  festgestoßenem  Kies  und  kleinen  Fti 
steinen^  die  mit  glatten  Quadersteinen  belegt  waren. 

—  Während  die  Juden  ihrer  Zeitrechnung  ursprünglich  keine  besüms 
Aera  zugrunde  legten  ( —  ihre  Chronologie  ist  vielfach  ganz  mit  der  Gen 
logie  verschmolzen  — ),  und  in  der  Folgezeit  verschiedene  Aeren,  wie  j 
babylonische  u.  a.,  einander  ablösen,  wird  später  von  dem  größten  T\ 
der  Juden  die  Aera  der  Seleukiden  angenommen,  die  mit  dem  Siege  I 
Mtukas  Nlkator  bei  Gaza,  312  v.  Chr.,  beginnt.  Diese  Zeitrechnung  fj 
allmählich  so  festen  Fuß,  daß  sie  auch  durch  die  mit  der  Befreit 
Jerusalems  beginnende  Aera  der  Hasmonäer  nicht  völlig  verdrängt  w^ 
(Vgl.  jedoch  359  Hillel  Hanassi). 

310  Autolykot  aus  Pitane  in  Klein- Asien  schreibt  die  älteste  Sphärik,  ein  usi 
nomisch-geometrisches  Lehrbuch  zur  mathematischen  Erläuterung  { 
scheinbaren  Bewegung  der  Himmeiskugel. 

305    Applat  ClaiNlIiit  baut  die  erste  Wasserleitung  Roms,  die  Aqua  Appia. 
selbe  beginnt   an   der  Via  Praenestina,   wird   von    da  fast  vier  Ston^ 
imterirdisch  geführt,  tritt  bei  der  Porta  Capena  in  die  Stadt  und  gi 
im  Campus  Martins  ihr  Wasser  aus.     Ihre  Kanäle  sind  durchweg  aov 
über  als  unter  der  Erde  wasserdicht  gemauert,   und   über  der  Erde 
Unterbauten  von  Hausteinen  oder  Ziegeln  gebaut  und  mit  Gewölben  üt 

—     18     — 


800  V,  Chr. 

spannt.  Ähnliche  Bauten  sind  die  290  v.  Chr.  erbaute  Wasserleitung  des 
M.  Curius  Dentatus,  die  des  M.  Agrippa,  Augustus  u.  a. 

306  Epünras  knüpft  an  die  Atomlehre  des  Demokritos  (s.  420  v.  Chr.)  an  und 
lehrt,  daß  alle  Dinge  und  Erscheinungen  in  der  Natur  zufällige  Aggregate 
von  Atomen  sind,  durch  deren  verschiedene  Beschaffenheit  und  Verbin- 
dung die  Verschiedenheit  der  Körper  bedingt  wird.  Die  Körper  sind  der 
Wiederaullösung  ihrer  Atome  unterworfen. 

304  Der  athenische  Kriegsbaumeister  Eplmadias  baut  zur  Belagerung  von 
Rhodos  im  Auftrage  des  Königs  Demetrios  Poliorketes  einen  Wandelturm 
von  außerordentlicher  Höhe  (nach  Vitruv  125  Fuß,  nach  Athenaeos,  Diodor 
und  Plutarch  135  Fuß)  und  60—70  Fuß  Breite.  Die  durch  Haarpolste- 
rung und  Lederüberzug  geschützten  Wände  und  Decken  des  Turmes 
hielten  Steingeschosse  von  3^/9  Zentnern  Gewicht  aus. 

300  Soweit  aus  den  bis  jetzt  aufgefundenen  Keüinschriften-Tontafeln  der 
■abyloaiir  ersichtlich  ist,  ist  im  3.  Jahrhundert  v.  Chr.  auf  den  babyloni- 
schen Sternwarten  bereits  ein  regelmäßiger  Beobachtungsdienst  eingerichtet. 
Die  Astronomen  dieser  Zeit  kennen  schon  den  Mond-  und  Sonnenlauf  in 
derselben  Genauigkeit,  wie  ihn  etwa  150  Jahre  später  Hipparchos  (s.  146 
V.  Chr.)  angibt;  sie  berechnen  den  Stand  imd  die  Bewegung  von  Sonne 
und  Mond  mit  ziemlicher  Sicherheit  und  bestimmen  sowohl  Mondfinster- 
nisse als  Sonnenßnstemisse  voraus.  Ihre  Beobachtungskunst  ist  bis  zur 
Messung  kleiner  Winkel  vorgeschritten ;  vermutlich  sind  sie  schon  im  Be- 
sitz d^  Chordenrechnung  (Vorläuferin  der  Trigonometrie)  gewesen. 

—  HsMiWwi  von  Kaliatis  fertigt  ein  Verzeichnis  sämtlicher  in  Griechenland 
beobachteter  Erdbeben  an,  die  erste  Aufzeichnung  dieser  Art. 

—  Ei'Mbb'alut  von  Julis  auf  Keos  nähert  sich  der  richtigen  Ansicht  vom  Kreis- 
lauf des  Blutes  imd  gibt  eine  gute  Schilderung  der  Chylusgefäße.  Die 
Krankheiten  führt  er  auf  Überfüllung  der  Körperteile  mit  Flüssigkeiten 
zurück,  wodurch  der  Zustand  der  Plethora  hervorgerufen  wird.  Er  er- 
kennt den  Unterschied  des  menschlichen  und  tierischen  Gehirns  (Windungen) 
und  macht  Wägeversuche  mit  Vögeln,  um  durch  den  Abzug  der  Ex- 
kremente von  dem  Nahrungsquantum  die  unsichtbaren  Ausdünstungen 
festzustellen. 

—  EffMirtrata  soll  sich  zuerst  des  Katheters  zur  künstlichen  Entleerung  der 
Blase  bedient  haben. 

—  EoklM  von  Megara  faßt  die  Lehren  der  früheren  griechischen  Mathe- 
matiker in  dem  klassischen  synthetischen  Lehrgebäude  seiner  üroixsTa 
(Elemente)  zusammen,  einem  Werke,  das  an  nachhaltiger  Wirkung  von 
keinem  späteren  mathematiBchen  Lehrbuche  erreicht  worden  ist  und 
noch  heute  in  englischen  Schulen  gebraucht  wird.  Von  besonderer  ge- 
schichtiicher  Bedeutung  ist  das  von  Euklid  behandelte  Parallelenaxiom 
geworden,  welches  ausspricht,  daß  sich  zwei  Gerade  auf  derjenigen  Seite 
schneiden,  auf  der  die  Summe  der  beiden  inneren  Anwinkel  kleiner  als 
2  R  ist.  Der  Versuch,  dieses  Axiom  durch  einen  mathematisch  beweis- 
baren Lehrsatz  zu  ersetzen,  hat  u.  a.  zur  Erfindung  der  nichteuklidischen 
Geometrie  geführt.  (S.  1826  Lobatschewsky.)  Die  Schlußformel  der  eukli- 
dischen Beweisführung  „ore^  sdei  dnodeT^ai**  „was  zu  beweisen  war*'  wird 
noch  heute  gebraucht. 

—  Der  Chinese  Htn-Jaku  bearbeitet  das  Werk  Nan-Myo,  das  von  den  schwie- 
rigen Krankheiten  handelt. 

—  IIWHyMISS  von  Chalkedon  verfaßt  eine  durch  ihre  treffende  Nomenklatur  und 
Beschreibung  maßgebend  gewordene  Anatomie  und  erkennt  zuerst  in  den 
Nerven   die   Werkzeuge   der   Empfindung  und  Willenskraft.     Er  macht 

2* 

—     19     — 


800  Y.  Chr. 

Sektionen   an   menschlichen  Leichnamen  (vgl.  480  v.  Chr.)  und  giht  ein 
System  der  Pulslehre  auf  rhythmischer  Grundlage. 
300    Herophllot  beschreibt  zuerst  die  Netzhaut  des  Auges  {"AficpißkrjotgoeiSi^g),  deren 
Name  von   dem  makroskopischen  Vergleich   der  betreffenden  Haut  nüt 
einem  zugezogenen  Fischnetz  herrührt. 

—  Mecasthenft  verfaßt  einen  Bericht  über  das  von  ihm  im  Auftrage  des  Se- 
leukos  Nikator  besuchte  Indien,  wobei  er  besonders  auf  die  Ethnographie, 
Fauna  und  Flora  des  Landes  eingeht.  Das  Werk  bildet  die  Haupt- 
quelle des  Altertums  für  die  Kenntnis  jenes  Landes. 

—  Beleukot  NlkatiN'  beginnt  den  Bau  des  Hafens  von  Seleukia  Pieria,  der  von 
Antiochus,  Diocletian  und  Konstantin  weiter  ausgebaut  wird  und  für 
das  bewunderungswürdigste  Werk  griechischer  Wasserbaukunst  galt.  Die 
Verwendung  der  Gebirgswässer  zur  Spülung  der  Hafenbassins,  der  auf 
der  Ostseite  des  Hafenbeckens  befindliche  Felstunnel  und  die  aus  großen 
Quadern  aufgeführte  starke  Quaimauer  sind  technische  Schöpfungen 
ersten  Banges. 

—  Straton  von  Lampsakos,  Schüler  des  Aristoteles,  genannt  der  „Physiker",  be- 
gründet die  Experimentalphysik.  Er  nimmt  als  Grundstoffe  unendlich 
teilbare  Moleküle  an,  die  durch  fein  verteilte  Vacua  getrennt  sind.  Ein 
kontinuierliches  Vakuum  leugnet  er  und  erklärt  die  Erscheinungen  des 
Luftdrucks  aus  dem  Horror  vacui.  Er  stellt  die  Fortpflanzung  des  Lichtes 
durch  andere  Medien  (auch  Metalle)  in  Parallele  zu  der  Übertragung  der 
elektrischen  Entladungen  des  Zitterrochens.  Als  Träger  der  psychischen 
Funktion  betrachtet  er  das  Pneuma. 

290  Arfstyllot  und  Tlmoehtfis  bestimmen  aus  den  Zeiten  der  Sonnenuntergänge 
zuerst  die  Zeiten  der  Position  der  Fixsterne  (in  Capella,  Zwillingen,  großem 
Bär).  Die  Arbeiten  sind  bis  auf  wenige  Beobachtungen  (wie  z.  B.  eine 
Stembedeckung  durch  den  Mond)  verloren  gegangen;  sie  führten  aber 
später  durch  Hipparch  zur  Entdeckung  des  Vorrückens  der  Nachtgleiohen. 

—  Charet  erbaut  den  Koloß  von  Khodos,  eine  dem  Helios  geweihte  eherne 
Statue  von  32  m  Höhe,  die  in  der  Nähe  des  Hafens  der  Stadt  Khodos 
errichtet  wird  und  wahrscheinlich  als  Seezeichen  zu  dienen  bestimmt  war. 

281  Arittarchot  von  Samos  stellt  eine  neue  Beobachtung  des  Sommersol- 
stitiums  an. 

280  Der  chaldäische  Astronom  Borossos,  der  in  Kos  lehrte,  soll  die  hemizyklische 
(hemisphärischef)  Sonnenuhr  erfunden  haben. 

276  Aratot  von  Soloi  in  Kilikien  verfaßt  ein  hochberühmtes  Lehrgedicht  „Phae- 
nomena'%  worin  er  die  Astronomie  populär  behandelt  und  besonders  auf 
die  Sternbilder  und  die  Wetterprognose  eingeht. 

270  Arittarchot  von  Samos  erfindet  die  Skaphe,  einen  als  Weiser  in  einer  hohlen 
Halbkugel  dargestellten  verbesserten  Gnomon. 

263  Eumentt  I.  von  Pergamon  verbessert  die  Zubereitung  der  Tierhäute  zur 
Herstellung  des  fortan  nach  der  Stadt  Pergamon  genannten  Pergaments. 
Die  Herstellung  von  Pergamentcodices  (in  Buch-,  nicht  Rollenform)  läßt 
sich  erst  in  der  römischen  Kaiserzeit  nachweisen  und  verdrängt  die  bis 
dahin  gebräuchlichen  Papyrusrollen  erst  seit  dem  4.  Jahrhundert  n.  Chr. 

260  Arittarchot  von  Samos  lehrt,  daß  Sonne  und  Fixsterne  unbeweglich  sind, 
daß  sich  die  Erde  in  einer  schief  liegenden  Ebene  um  die  Sonne  bewegt 
und  gleichzeitig  um  ihre  eigene  Achse  dreht.  Er  macht  den  ersten  Ver- 
such, die  Entfernungen  der  Planeten  zu  messen  und  findet,  daß  die  Sonne 
von  uns  19  mal  weiter  als  der  Mond  entfernt  sei,  während  in  Wirklichkeit 
386  an  Stelle  von  19  zu  setzen  ist.  Er  mißt  nach  verbesserter  Methode 
den  Durchmesser  der  Sonne,  des  Mondes  und  der  Fixstemsphären. 

—     20     — 


250  y.  Chr. 

260  Der  römische  Ädil  Publius  Claudlut  Pulchar  läßt  eine  von  ihm  gebaute 
Straße  mit  Meüensteinen  versehen,  wie  ein  i.  J.1872  in  den  Pontinischen 
Sümpfen  aufgefundener  altrömischer  Meilenstein  beweist,  der  den  Namen 
des  F.  Claudius  trägt.  Der  Stein  ist  mit  der  Zahl  LIII  (=  53  d.  i.  etwa 
80  km  von  Rom  entfernt)  versehen.  Ob  hier  die  überhaupt  erste  An- 
wendung von  Meilensteinen  vorliegt,  ist  unsicher.  Jedenfalls  ist  jener 
Meilenstein  der  älteste  vorhandene. 

—  Cajus  DiiiNut  macht  zuerst  die  Erfindung  eines  Baumeisters  der  römischen 
Flotte  praktisch  nutzbar,  durch  welche  man  die  feindlichen  Schiffe,  sie 
mochten  sich  von  vom  oder  von  der  Seite  nähern,  mit  großen  Haken 
(Corvus  genannt)  festhielt  und  mittels  Klappbrücken  den  Übergang  von 
Verdeck  zu  Verdeck  für  Landsoldaten  möglich  machte.  Durch  diese  Enter- 
haken hauptsächlich  gelingt  es  ihm,  die  Karthager  bei  Mylä  zu  besiegen. 

—  Ptotenatot  II.  PhliadelplMt  vollendet  den  von  Necho  um  610  v.  Chr.  (s.  d.) 
zur  Verbindung  des  Nils  mit  dem  Mittelmeer  einerseits  imd  dem  Roten 
Meer  andrerseits  begonnenen  und  von  Darius  fortgeführten  Kanal.  Der 
Bericht  Diodors  über  diesen  Kanal  läßt  die  Vermutung  gerechtfertigt  er- 
scheinen, daß  dabei  Schüttschleusen  zur  Anwendimg  gekommen  sind. 

~  üwliiüii  von  KnidoB  baut  auf  Veranlassung  des  Ptolemaeos  Soter  den 
ersten  bekannten  Leuchtturm  auf  dem  östHchen  Vorgebirge  der  Insel 
Pharos  vor  Alexandria.  Von  diesem  Standort  erhalten  die  Leuchttürme 
den  Namen  „Pharos*' 

—  Der  griechische  Geschichtsschreiber  TlmaMM  von  Tauromenion  in  Sizilien 
verfaßt  einen  chronologischen  Abriß  „Olympiasieger".  Die  darin  zum 
ersten  Male  angewendete  Zeitrechnung  nach  Olympiaden  wird  für  die 
späteren  griechischen  Gescbichtsschreiber  vorbildlich. 

259  Zur  Zeit  des  Königs  PtolemaMM  PhllaMphot  kennt  man  in  Ägypten  die 
Fabrikation  von  Samenölen,  wie  Sesamöl,  Leinöl,  Rizinusöl  und  Kürbis- 
kemöl.  Es  geht  dies  aus  einem  aus  der  Zeit  dieses  Königs  herrührenden 
Papyrus  hervor. 

250  ArdilneiM  von  Syrakus,  der  genialste  Mathematiker  des  Altertums  und 
der  erste  wirkliche  Physiker,  ist  auf  den  verschiedensten  mathematischen 
Gebieten  von  bahnbrechender  Bedeutung.  Er  beweist,  daß  sich  die  In- 
halte eines  Kegels,  einer  Halbkugel  und  eines  Zylinders  von  gleicher  Basis 
und  Höhe  wie  1:2:3  verhalten.  Er  berechnet  die  Zahl  w,  die  er  zwischen 
Z}  und  3f?  findet.  Er  liefert  eine  Quadratur  der  Parabel  und  Ellipse, 
untersucht  die  Eigenschaften  der  nach  ihm  benannten  Spirale  und  erörtert 
die  Kubatur  der  Kugel,  des  Sphäroides  und  des  Konoides.  Seine  „Sandes 
rechnung"  streift  an  die  Iniinitesimalrechntmg.  Er  ermittelt  mittels  der 
Hebelgesetze  die  Schwerpimkte  ebener  Flächen  und  gibt  ein  Verfahren 
zur  Berechnung  von  Quadratwurzeln  durch  Näherung  an. 

—  ArcMmidtt  baut,  wie  aus  dem  neuerdings  von  Heiberg  entdeckten  Palim- 
psest  hervorgeht,  auf  den  Sätzen  der  Statik  eine  übersichtliche  und  hand- 
liche Methode  zur  Areal-  und  Volumbestimmung  krummliniger  Figuren  und 
Körper  anf,  die  tatsächlich  in  ihren  Grundgedanken  mit  der  heutigen  In- 
tegralrechnung identisch  ist. 

—  ArehtaMdct  scha£Ft  die  mathematischen  Grundlagen  für  die  Statik  der 
festen  Körper.  Er  stellt  das  Gresetz  des  Hebels  auf,  wonach  zwei  an  einem 
Hebel  wirkende  Kräfte  im  Gleichgewicht  sind,  wenn  dieselben  zueinander 
im  umgekehrten  Verhältnisse  ihrer  Hebelarme  stehen.  Er  erfindet  die 
Sehraube  ohne  Ende,  die  Wasserschnecke  und  die  komplizierten  Flaschen- 
zuge und  verfertigt  einen  Himmelsglobus  (Sphaera  Archimedis)  zur  Dar- 
stellung des  Umlaufs  der  Planeten  um  die  Erde. 

—     21      — 


250  V,  Chr. 

250  ArchlmttfM  findet  das  Gesetz  des  hydrostatischen  Auftriebs,  woi 
Körper  in  einer  Flüssigkeit  so  viel  von  seinem  Grewicht  verliert. 
Gewicht  der  verdrängten  Flüssigkeit  beträgt,  und  entwickelt  dei 
des  spezifischen  Gewichts,  den  er  zur  Analyse  von  Metallg« 
verwendet. 

—  Arthlmtdet  kennt  die  Befraktion  des  Lichtstrahls.    (Beispiel:  Ein 
Boden   eines  leeren  Gefäßes  liegender,   nicht  sichtbarer  Ring  w 
dem   Füllen   des    Gefäßes   mit  Wasser  infolge  der  Ablenkung  di 
strahlen  sichtbar.) 

—  Der  Chinese  Mlnf-ttilen  erfindet  den  Haarpinsel. 

241    Attalos  I.  von  Pergamon  führt  die  orientalische  Goldwirkerei  in  ( 
land  ein.    Diese  Kunst,  später  noch  weiter  ausgebildet,  geht  im 
hundert  n.  Chr.  gänzlich  verloren. 

240  Eratotthenti  von  Kyrene  stellt  ein  für  das  ganze  Altertum  maQ 
System  der  Erdkunde  auf.  Er  ist  der  Schöpfer  des  Netzes  von 
und  Breitengraden,  auf  denen  die  Kartographie  der  Späteren  i 
Ptolemaeus)  beruht.  Er  spricht  aus,  daß  man,  da  jede  Parallele 
sei,  von  Iberien  nach  Indien  auf  demselben  Parallelkreis  fahrei 
wenn  nicht  die  Größe  des  Atlantischen  Ozeans  Schwierigkeitei 
Strabo,  der  diese  Äußerung  verzeichnet,  fügt  hinzu,  daß  man  i 
möglicherweise  auf  neue  Erdteile  stoßen  könne. 

—  EratoithtMl  konstruiert  die  Armillarsphäre,  ein  Instrument  für  die 
bare  Messung  der  Äquatorkoordinaten,  das  aus  einer  Zusamm< 
von  drei  Kreisen  besteht,  von  denen  der  erste  und  zweite  als 
und  Äquator  unter  rechtem  Winkel  fest  verbunden  sind,  wäh 
der  ein  Diopterpaar  tragende  dritte  Kreis  um  den  zum  zweiten  K 
rechten  Durchmesser  des  ersten  Kreises  (d.  i.  die  Weltachse)  drt 

230  DIonytios  von  Alexandria  ist  nach  dem  Zeugnisse  Philo*s  voi 
der  Erfinder  eines  Schnellladegeschützes  (Schnellkatapelte.)  Di 
tätigkeit  des  Geschützes  wird  lediglich  durch  eine  fortgesetzte 
drehung  geregelt,  wobei  das  Herabfallen  der  in  größerer  Zahl  a 
geladenen  Pfeilge^chosse  in  die  Pfeilrinne,  das  Spannen  und  das 
selbsttätig  erfolgt. 

230    Der  griechische  Mechaniker  KtetlMos  von  Askra  benutzt  zuerst 
druck    zu    mechanischen    Vorrichtimgen.      Er    erfindet    die    W 
(Hydraulis)  und  stellt  eine  Wasseruhr  mit  Zahnradgetriebe  her. 
er  die  Druckpumpe  und  die  Feuerspritze  erfunden  haben. 

—  KtttlMos  ist  nach  dem  Zeugnisse  Philo's  von  Byzanz  der  Erfi 
Luftdruckgeschützes,  bei  welchem  vermittels  eines  luftdicht  sc] 
Kolbens  die  Luft  in  einem  Metallzylinder  durch  Hebel  Wirkung  < 
dichtet  wird,  daß  beim  plötzlichen  Auslösen  des  Druckes  eine  : 
schleudern  des  Geschosses  ausreichende  Triebkraft  erzeugt  wird 

220  Eratotthenft  erfindet  zur  Lösung  des  delischen  Problems  der  ^ 
doppelung  ein  besonderes  Instrument,  das  Mesolabium.  (S.  si 
vorhandenen  Brief  an  Ptolemaeos  Euergetes). 

—  Eratotthenft  gibt  ein  Verfahren  an,  die  Primzahlen  zu  finden 
Eratosthenes).  Man  schreibt,  so  lautet  die  Kegel,  alle  ungcracj 
von  der  3  an  auf.  Hierauf  streicht  man  jede  dritte  Zahl  hii 
durch,  womit  die  Vielfachen  der  3  entfernt  sind.  In  entsprechci 
verfährt  man  mit  der  6,  und  fährt  so  fort,  bis  nur  noch  die  I 
übrig  bleiben. 

—  Eratotthontt  vollendet  (nach  Dikaearchos)  die  Messung  dea  Meri 


200  Y.  Chr. 

Alexandiia  bis  Syene  (5000  Stadien),  was  für  den  ganzen  Meridian  250000 
Stadien  =  44250000  m  ergibt. 

NIkOHMdM  erfindet  die  Konchoide  (Mnscbellinie)  und  ein  Instrument,  um 
sie  zu  konstruieren.  Er  benutzt  sie,  um  zwischen  zwei  gegebenen  Linien 
zwei  stetige  Proportionale  einzuschalten  und  einen  geraden  Winkel  in 
drei  Teile  zu  teüen. 

ArchineiM  vereitelt  bei  der  Verteidigung  seiner  durch  Marcellus  belagerten 
Vaterstadt  zwei  Jahre  hindurch  alle  Angriffe  der  EÖmer  durch  seine  sinn- 
reichen Kriegsmaschinen  (Strandbatterien)  und  bringt  der  römischen  Flotte 
schwere  Verluste  bei  (Aufstellen  von  Kranen  zum  Emporheben  der  feind- 
lichen Schiffe).  Daß  er  die  römischen  Schiffe  durch  Brennspiegel  an- 
gezündet habe,  ist  unhistorisch. 

Tiia-scM-wmf-tl  vollendet  die  Große  Mauer,  die  mit  einer  Länge  von 
2450  km  das  ausgedehnteste  Bauwerk  des  Altertums  darstellt. 
ApdloniM  von  Pergae  in  Pamphylien,  „der  große  Geometer",  widmet  sein 
berühmtes  Werk  über  die  Kegelschnitte  dem  Könige  Attalos  I.  von  Per- 
gamon.  Apollonios  erkennt,  daß  man  alle  Kegelschnitte  mittels  geeignet 
gelegter  Schnittflächen  auf  ein  und  demselben  Kegel  erhalten  kann.  Durch 
ihn  kommen  die  Bezeichnimgen  Hyperbel  und  Parabel  in  Gebrauch. 
Seine  Berechnung  der  Zahl  j7  =  3,14169  bleibt  lange  maßgebend, 
veröffentlicht  einen  Schnellrechner  (Okytokion). 
i  erfindet  zur  Berechnimg  der  Gestimbahnen  die  Epizyklentheorie. 
von  Byzanz  kennt  die  Körperlichkeit  der  Luft,  die  Elastizität  der 
Metalle,  das  Hebelgesetz,  die  Heber  imd  ihre  Wirkung,  das  Gesetz  der 
kommunizierenden  Röhren  und  das  Thermoskop  (ein  Urbild  des  Thermo- 
meters), intermittierende  Brunnen,  Druckpumpen  (Heronsball),  mehrfach 
durchbohrte  Hähne,  eine  eintönige  Sirene  verbunden  mit  oberschlächtigem 
Wasserrade,  viele  Wasserhebeapparate,  darunter  einen  in  Form  eines 
selbsttätigen,  senkrechten  Eimerbaggers.  Er  konstruiert  eine  Art  von 
Taucherglocke  und  eine  Reihe  von  Automaten  (vgl.  auch  100  Heron) 
tmd  erfindet  das  Cardanische  Kreuzgelenk  (Cardanische  Ringe).  Auch 
BteUt  er  hygroskopische  Beobachtungen  an. 

Philo  beschreibt  in  seiner  „Lehre  vom  Geschützbau"  ein  von  ihm  erfundenes 
Pfeilgeschütz  mit  Keüspannung  und  einen  von  ihm  verbesserten  Erz- 
spanner, bei  welchem  neben  der  Torsionselastizität  der  Spannnerven  die 
Elastizität  metallener  Schienen  zur  Erzeugung  der  Triebkraft  benutzt 
wird. 

Philo  erörtert  in  seiner  Schrift  über  Festungsbau  und  Festungskrieg  (s. 
Bd.  V  seiner  „Mechanicasyntaxis")  die  Gestaltung  der  Festungsfronten  (Länge 
derselben  50  bis  100  m  =  Bogenschußweite),  die  verschiedenen  Flankierungs- 
anlagen  (Vorzüge  der  eckigen  Flankentürme  gegenüber  den  runden),  sowie 
die  Anlage  von  Außenwerken.  Er  empfiehlt  eine  ausgedehntere  Anwen- 
dung des  Erdbaus  an  Stelle  des  Mauerbaus. 

Philo  erwähnt  zuerst  die  Eisengallustinte,  indem  er  von  einer  Art  geheimer 
Schrift  spricht,  die  darin  besteht,  daß  man  mit  einer  Galläpfelauflösimg 
schreibt,  die  Schrift  trocknen  läßt  und  dann  die  Schriftzüge  mit  der 
Losung  eines  eisenhaltigen  Kupfersalzes  betupft. 

Der  Grammatiker  Aristophanet  von  Byzanz  führt  an  Stelle  der  bis  dahin 
gebräuchlichen,  nur  oratorischen  Zwecken  dienenden  Interpunktionen  ein 
neues,  mehr  dem  Satzbau  und  den  Regeln  der  Grammatik  angepaßtes 
Interpunktionssystem  ein,  aus  welchem  sich,  nachdem  zu  Karls  d.  Gr. 
Zeit  sich  auch  Wamefried  und  Alkuin  damit  beschäftigt  hatten,  die  heutigen 
Interpunktionen  herausbilden.     (S.  1495  Aldus  Manutius). 

—     23     — 


184  T.  Chr. 

184  MarcoB  Porcina  Cato  der  Ältere  gibt  ein  viele  wertvoUe  Angab« 
die  römische  Landwirtschaft  enthaltendes  Bnch  „De  agricnltura" 
Er  äußert  darin  zuerst  den  Grundgedanken  des  Wasserbades,  ii 
von  der  Zubereitung  von  Speisen  in  irdenen  Gefäßen  spricht, 
andere  Gefäße  eingehängt  werden,  in  welchen  Wasser  im  Koc 
halten  wird. 

—  Die  aus  Kalk  und  Sand  bestehenden  gewöhnlichen  Luftmörtel  wäre 
scheinlich  schon  den  alten  Ägyptern  und  Assyriern  bekannt.  D< 
erst  Cato  eine  'genauere  Beschreibung  von  der  Zusammensetzung 
reitung  und  Anwendung  des  Luftmörtels,  für  den  er  eine  Mischi 
1  Teil  gelöschtem  Kalk  imd  2  Teilen  Sand  empfiehlt.  Cato  erwäh 
schon  Kalkbrennöfen. 

—  Cato  beschreibt  die  römische  Hebelpresse  und  erwähnt  den  Flas 
(Trochlea  Graecica).  Er  empfiehlt  für  die  obere  Schere  je  acht, 
untere  je  sechs  Rollen.  Er  gibt  ein  abgekürztes  Verfahren  zur  Fab 
der  Weizenstärke  an. 

180  DIokiM  erfindet  die  Zissoide  (Efeulinie),  mit  der  er  eine  Lösung  < 
sehen  Problems  versucht.  Die  Gleichung  der  Zissoide  (y  ■  -f  **)  ^  — 
ist  noch  gegenwärtig  ein  beliebtes  Beispiel  der  Anwendung  der  Diff 
und  Integralrechnung  auf  die  Geometrie. 

—  EuRlMitt  II.  von  Pergamon  läßt  zur  Wasserversorgung  der  Burg  P< 
eine  mehrere  Kilometer  lange  Druckwasserleitung  von  einem  i 
Hagios-Georgios-Berge  (367  m  über  dem  Meere)  befindlichen  S 
becken  nach  der  Burg  (332  m  über  dem  Meere)  anlegen,  wel 
ihrem  Wege  eine  172  m  über  dem  Meere  gelegene  Einsattelung  d 
so  daß  demzufolge  die  Rohrleitung  einen  Druck  bis  zu  20  Atme 
auszuhalten  hatte. 

170    Hyptikitt   von  Alexandria   verfaßt   eine  Schrift  ,*Ava<poQix6ii**,  in 
sich   zuerst   die  Einteilung   des  Kreises  in  360  Grade  sowie  eine 
allgemeine   Definition    der  Polygonalzahlen    und   die   Summenfor 
arithmetische  Reihen   findet.     Hypsikles   ist  der  Verfasser  des   1' 
der  Euklidischen  „Elemente".     (S.  300  v.  Chr.) 

168  Paulus  Atmlllat  läßt  in  Mazedonien  in  einer  Wüste  für  seine  du 
Soldaten  einen  artesischen  Brunnen  erbohren.  (S.  a.  320  v.  Chr.) 

—  Daß   in  Rom   bereits  im  2.  Jahrhundert  v.  Chr.  eine  Fleischbeec 
steht,  wird  durch  die  „Acta  populi  Romani  diuma**  bewiesen,  i 
es   heißt:    „Der  Ädil   Tetiniiit   hat   die  Kleinschläcbter   bestraft. 
Fleisch  an  das  Volk  verkauft  haben,  das  nicht  vorher  von  den  Ä< 
sichtigt  war." 

169  Der  Stoiker  Kratit  von  Mallos  entwirft  einen  Erdglobus,  auf  d 
halbkreisförmige,  durch  einen  meridionalen  imd  einen  äquatorialei: 
ozean  geschiedene  Inseln  eingezeichnet  sind.  Das  Büd  dieses  in  P 
aufgestellten  Globus  wird  später  das  Symbol  der  Weltherrschaft 
byzantinischen  Zeit  wird  auf  den  Globus  ein  Kreuz  gesetzt  und 
so  als  Reichsapfel  benutzt.     (S.  a.  647  v.  Chr.) 

160    Schlba-tcfiojo,  ein  Diener  des  Kaisers  Bu-tel  von  China,  verwende 
den   Tee   als    Getränk.     Von    China   gelangt   der   Tee   810   n.  Ch 
den    buddhistischen    Priester    Tenkiyodaschi    nach    Japan    und 
nach  Korea.     In  Europa   gedenkt   seiner  zuerst  Giovanni  Pietrc 
(S.  1688.) 

—  Stieukos  von  Seleukia  liefert  den  Beweis  für  die  heliozentrische  Th* 
Aristarchos  (s.  260  v.  Chr.)  und  erklärt  die  Gezeiten  aus  der  rot 
Erdatmosphäre,  deren  Bewegung  durch  die  jeweilige  Stellung  des 
bedingt  werde. 

—     24     — 


100  T.  Chr. 

150  ttlwkl  schließt  aus  der  vermeintlichen  Abwesenheit  der  Grezeiten  im 
Indischen  Ozean  auf  den  Abschluß  dieses  Meeresbeckens  durch  ein  großes 
Südland.  £s  ist  dies  die  erste  geschichtliche  Äußerung  über  das  mut- 
maBUohe  Vorhaadensein  eines  Südpolargebiets. 

146  HIppwtlMt  von  Nicäa  in  Bithynien,  der  größte  Astronom  des  Altertums, 
b^^ndet  die  ebene  und  sphärische  Trigonometrie  unter  Anwendung  der 
Sehnenrechnung.  (Sehnentafel.  S.  150  Ptolemaeus.)  Er  entdeckt  die  Prä- 
zession  (das  Vorrücken  der  Nachtgleichen),  erfindet  die  stereographische 
Projektion^  indem  er  die  Himmelskugel  von  einem  Pole  aus  auf  die 
Äquatorebene  abbildet,  und  bestimmt  zuerst  die  Mondparallaxe.  Er  führt 
die  geographische  Länge  und  Breite  zur  Bestimmung  der  Lage  eines 
Punktes  auf  der  Erde  ein,  wobei  er  als  Ausgangspunkt  für  die  Zählung 
der  Längengrade  den  durch  seinen  Beobachtungsort,  die  Insel  Rhodos, 
gehenden  Meridian  wählt.    (Vgl.  1634  Ludwig  XIII.) 

138  NikaiiArot  von  Eolophon  verfaßt  zwei  Lehrgedichte  über  Mittel  gegen  Tier- 
und  Pflanzengifte. 

136  Der  Chinese  Ch6-ko  erfindet  einen  Apparat  zur  Bestimmung  der  Stoßrich- 
tung der  Erdbeben  (Seismoskop).  Der  Apparat  besteht  aus  mehreren  nach 
verschiedenen  Eichtungen  hin  labil  aufgestellten  Kugeln,  die  beim  Stoße 
herabfallen. 

135  Atlalot  PhlloiiMtor,  König  von  Pergamon,  erfindet  ein  bieiweißhaltiges  Wund- 
pfiaster. 

134   HIpparciMM  beobachtet  das  Aufleuchten  eines  neuen  Sternes. 

132  A^rtharchMtt  von  Knidos  beschreibt  eingehend  den  Betrieb  der  oberägypti- 
schen Goldbergwerke  seiner  Zeit.  Die  Aufbereitung  der  Erze  wird  bereits 
in  einer  hippokratischen  Schrift  erwähnt. 

127—114  Der  chinesische  General  Ttchanf-kMn  dringt,  vom  Kaiser  Hsia-wuti 
ausgesandt,  bis  in  die  turanischen  Lande  vor  und  öffnet  auch  handels- 
politisch den  Weg  nach  dem  Tarymbecken. 

126  Hippsrchot  stellt  einen  Stemkatalog  auf,  der  3  Helligkeitsgrade  unter- 
scheidet und  den  Ort  jedes  einzelnen  Sternes  möglichst  genau  nach  Längen- 
und  Breitengraden  (imd  Brüchen  von  Graden)  bestimmt. 

101  Wie  Plutarch  (in  „Marius")  berichtet,  führt  der  römische  Feldherr 
Gajus  Marios  unmittelbar  vor  der  Zimbernschlacht  ein  Pilum  ein,  bei  dem  das 
Eisen  mit  dem  Schafte  nur  durch  einen  eisernen  und  einen  hölzernen 
Nagel  verbunden  ist,  von  denen  der  letztere  beim  Auftreffen  des  Pilum 
auf  den  Feindesschild  zerbrechen  sollte,  um  das  Pilum  für  den  Gegner 
unbenutzbar  zu  machen.  Ähnlich  ist  das  cäsarische  Pilum  eingerichtet, 
dessen  Klinge  aus  sehr  weichem  Eisen  geschmiedet  und  nur  in  der  Spitze 
gehärtet  ist,  so  daß  sich  diese  beim  Auftreffen  verbiegt  und  nur  mit  Mühe 
aus  dem  Schilde  entfernen  läßt. 

100   DMMtrIos  von  Apamea  erwähnt  zuerst  den  Diabetes. 
~    PotaMonlM   verfaßt  eine  Meteorologie,   die  für   die  Folgezeit   maßgebend 
wird. 

—  PoMlioniot  erwägt  die  Umschiffimg  Afrikas  sowie  die  Möglichkeit,  Indien 
durch  eine  Erdumschiffung  in  westlicher  Richtung  zu  erreichen. 

—  Pmidonlos  macht  eine  Erdmessung  und  verfaßt  eine  Monographie  über 
den  Ozean,  in  der  er  auch  die  Lehre  von  Ebbe  und  Flut  wissenschaft- 
lich darstellt.  Er  legt  in  dieser  Schrift  den  Grund  zu  einer  neuen  Men- 
schen-, Tier-  und  Pflanzengeographie,  indem  er  nicht  wie  Hippokrates 
und  Theophrast  an  die  Differenz  der  Länder  und  Kontinente,  sondern 
der  Breitengrade  anknüpft.  Er  unterscheidet  die  gemäßigte  und  die 
Trox>enzone  und  berechnet  den  Durchmesser  der  Sonne  auf  3  Millionen 
Stadien,    die  Entfernung  des  Mondes  auf  2  Millionen,  die  der  Sonne  auf 

—     25     — 


100  T>  ehr, 

500  Millionen  Stadien.    Den  Erdumfang  berechnet  er  auf  240000 
100    Der  römische  Prokonsul  8«rgliit  Ortta  legt  zur  künstlichen  AusU 

die  ersten  Austembassins  in  der  Bucht  von  Bajae  an. 
87    Wie  Gellius  erzählt,  soll  ArcMaot,  ein  General  des  Mithridates,  ii 
Kriege  mit  den  Eöraem,  einen  hölzernen  Belagerungsturm  durc 
streichen  mit  Alaun  (Alumen)  feuerfest  gemacht  haben. 

—  Der  römische  Diktator  L.  Cornelius  Sulla  unternimmt  bei  der  Bei 
von  Athen  einen  Minenangriff,  der  als  einer  der  am  besten  durcbgi 
Angriffe  dieser  Art  im  Altertume  gilt.  Er  läßt  einen  Minengang  l 
die  Stadtmauer  vortreiben,  dessen  Bekleidungshölzer  mit  Werg  uk 
und  mit  Harz  und  Schwefel  getränkt  sind.  Kurz  vor  dem  Sti 
zündet,  verbrennen  dieselben  rasch,  imd  durch  das  Zu8ammenbre< 
Stadtmauer  bildet  sich  eine  Bresche.  (Nach  Appianus.)  Über 
Minenangriffe  im  Altertum  berichtet  Livius  (V,  XX  und  XXXVl 

80  MHhrMatM  von  Pontes  boU  aus  Furcht,  von  den  Bömem  verg 
werden,  sich  mit  Blut  von  Enten  immunisiert  haben,  welche  län| 
mit  den  damals  bekannten  Giften  gefüttert  worden  waren.  Diese 
ist  die  Veranlassung,  daß  die  Lehre  von  den  verschiedenen  Immunii 
methoden  in  Frankreich  „Le  Mithridatisme"  genannt  wird. 

—  MithridatM  richtet  in  seiner  Residenz  die  erste  Wassermühle  € 
Wassermühlen  verbreiten  sich  unter  Augustus  auch  in  Italien. 

70  Der  Naturarzt  Aikl^plades  von  Prusa  empfiehlt  kalte  Abreibungen, 
Reiten  und  Schwitzbäder  zu  Heilzwecken.  Seine  Panacee  ist  d< 
Er  soll  die  Tracheotomie  bei  Angina  ausgeführt  haben.  Sein  auf  i 
scher  Grundlage  beruhendes  System  (Solidarpathologie)  steht  der  V 
Pathologie  der  Hippokratiker  entgegen. 

63  Nachdem  sich  schon  bei  den  Griechen  (nach  einer  Marmorinscl] 
360  V.  Chr.)  eine  Art  von  Kurzschrift  gebildet  hatte,  erfindet 
Tullius  TIro  die  altrömische  Kurzschrift,  die  sich  bis  zur  Karol 
erhält '  (Tironische  Noten). 

60  Apollonlot  von  Kition  verfaßt  für  den  König  Ptolemaeos  von 
einen  Kommentar  zu  der  Schrift  des  Hippokrates  über  die  Geier 
beigegebenen  Abbildungen  veranschaulichen  die  Behandlungsmeth 
den  verschiedenen  Verrenkungen.  Das  Werk  ist  wertvoll  für  di< 
nis  der  antiken  Chirurgie. 

56  Beginn  der  Aera  des  Vlkramadltla.  Auf  dieselbe  gründet  sich  die 
Zeitrechnung. 

65  TituB  Lucretiut  Carut  führt  in  seinem  Lehrgedichte  „De  rerum 
die  Ansichten  des  Epikuros  (s.  306  v.  Chr.)  über  die  Atomenlehre 
Entstehung  imd  Erhaltung  der  Welt  weiter  aus. 

54  Cajus  Julius  Cattar  geht  nach  Britannien  imd  berichtigt  die  Nachric 
Pytheas.  (S.  320  v,  Chr.)  Er  berichtet  zuerst  aus  eigener  An« 
über  Deutschland  und  seine  Bewohner.  Er  schlägt  zum  Zweck  di 
Übergangs  zwischen  Koblenz  imd  Andernach  die  erste  bekanm 
brücke,  die  durch  hölzerne  Brückenträger  unterstützt  ist. 

50  Ammonlot  Lithotomos  von  Alexandria  erfindet  die  Zerstückel 
Blasensteins. 

—  Marcus  Termtiiit  Varro  führt  in  Rom  die  nach  ihm  benannte  Zeiti 
(Varronische  Aera)  ein,  welche  annimmt,  daß  Rom  im  Frühling  des 
der   6.   Olympiade   (d.  i.  im  Jahre   753   v.  Chr.)   gegründet   woi 
Weniger  gebräuchlich  als  die  Varronische  ist  die  Catonische  Aera 
von  jener  um  1  Jahr  abweicht. 

46  Cajus  Julius  Cattar  führt  auf  Gnmd  der  von  dem  alexandrinischen 
men  Sotlgtntt  ausgeführten  Berechnungen  die  nach  ihm  benannte  1^ 

—     26     — 


18  T.  Chr. 

leform  durch,  indem  er  zunächBt  das  Jahr  708  a.  u.  o.  (46  v.  Chr.)  auf 
im  ganzen  445  Tage  verlängert,  und  für  die  Folgezeit  fefitsetzt,  daß  immer 
auf  3  gemeine  Jahre  von  365  Tagen  ein  Schaltjahr  von  366  Tagen  folgen 
8o]L    (Julianiflcher  Kalender.) 

44  Wenn  auch  schon  im  alten  Ägypten  die  Seeleute,  sohald  sie  sich  der 
Küste  näherten,  durch  Tauben  ihrer  Familie  ihre  bevorstehende  Ankunft 
meldeten  und  auch  in  Griechenland  schon  im  5.  Jahrhundert  v.  Chr.  Tauben 
zur  Meldung  des  Erfolges  der  Eampfspiele  benutzt  wurden,  so  ist  eine 
regelmäßige  Taubenpost  doch  zuerst  von  Decimus  Junius  Brutnt  bei  der 
Belagerung  von  Mutina  eingerichtet  worden. 

40  Der  König  Juta  II.  von  Mauretanien  entsendet  eine  Gesandtschaft  nach 
den  Canarischen  Inseln^  die  indes  in  der  alten  Geschichte  schon  früher 
erwähnt  werden  und  wahrscheinlich  schon  den  Phöniziern  bekannt  waren. 

—  PubliuB  VwrslllHS  Marc  erwähnt  im  7.  Gesänge  der  Aeneide,  wo  er  von 
dem  campanisohen  Volke  der  Abeller  spricht,  „Teutonico  ritu  soliti  torquere 
catejas".  Neueren  Forschimgen  zufolge  ist  xmter  der  hier  als  „Cateja" 
bezeichneten  „gewirbelten"  Wurfwaffe  eine  K  ehr  wieder  keule,  ganz  ent- 
sprechend dem  austraUschen  Bumerang,  zu  verstehen. 

37  Marcus  Ttrmtlut  Varro  verfaßt  3  Bücher  „Rerum  rusticarum".  Das  erste 
handelt  von  Ackerbau,  das  zweite  von  der  Viehzucht,  das  dritte  von 
der  Vogel-  und  Fischzucht,  von  den  Hasen,  Wildschweinen,  Schnecken, 
Bienen  usw. 

—  Marcus  Ttrmtliit  Varro  kann  als  Vorläufer  der  von  Plenciz  (s.  1762)  ge- 
gebenen Theorie  der  Entstehung  der  Infektionskrankheiten  durch  Mikro- 
organismen angesehen  werden.  Er  schreibt  in  Buch  I  seiner  „Eerum  rusti- 
carum  libri  III*',  man  solle  ein  Landgut  nicht  in  sumpfiger  Gegend  an- 
legen: Quod  crescunt  animalia  quaedam  minuta,  quae  non  possunt  oculis 
consequi,  et  per  aera  intus  in  corpus  per  os  ac  nares  perveniimt  atque 
effidunt  difficiles  morbos. 

90  Tlmilsoii  von  Laodikeia,  der  Stifter  der  methodischen  Ärzteschule,  scheint 
zuerst  Blutegel  zu  Heilzwecken  angewendet  zu  haben. 

—  Publius  Vwrslllut  Marc  vollendet  sein  Lehrgedicht  „Georgica"  in  4  Büchern. 
Das  erste  behandelt  den  Ackerbau,  das  zweite  die  Baumzucht,  das  dritte 
die  Viehzucht,  das  vierte  die  Bienenzucht,  Im  3.  Buche  ist  auch  die 
Tierheilkunde  abgehandelt.  Er  gibt  hier  Ratschläge  für  die  Beschaffen- 
heit der  zur  Zucht  bestimmton  Stuten,  Hengste  imd  Stiere.  Er  kennt  die 
Schafräude. 

27  Nachdem  schon  bei  den  Griechen  kuppelartige  Decken  ausgeführt  und  in 
der  Diadochenzeit  (seit  323  v.  Chr.)  die  ersten  regelrecht  gewölbten  Kup- 
peln erbaut  worden  waren,  bildet  sich  bei  den  Eömern  der  Bau  solcher 
Kuppeln  immer  weiter  aus.  Eine  der  ältesten  Kuppeln  ist  die  des  von 
Marcus  AfffpptL  im  Anschluß  an  seine  Thermen  errichteten  Pantheons,  die 
anter  Trajan  durch  Brand  zerstört,  von  Hadrian  erneuert  wird  und  in 
Höhe  imd  Durchmesser  43,5  m  mißt. 

23  Antonius  Muta  begründet  mit  der  glücklichen  Heilung  des  Augustus  durch 
kalte  Bäder  die  Hydrotherapie. 

19—9  Herodtt  der  GroBe  legt  in  Caesarea  (Palästina)  einen  geräumigen  Hafen  an, 
der  als  ein  Wunderwerk  des  Altertums  gerühmt  wird.  Der  Schutzdamm 
hatte  eine  Tiefe  von  20  Ellen  und  diente  als  Wellenbrecher  und  zur  Auf- 
nahme einer  Mauer,  deren  Höhe  über  dem  Meeresspiegel  angeblich  65  m 
betrug. 

18  Eines  der  hervorragendsten  römischen  Bauwerke  in  Gallien  ist  der  Pont 
du  Gard  bei  Nimes,  der  erbaut  wird,  als  Marcus  Agrlppa  Statthalter  von 
Oallien  ist.     Er   diente  ursprünglich   für   die  Überfühnmg   einer  Wasser- 

—     27     — 


18  T.  Cht. 

leitung.  Die  Gewölbe  bestehen  aus  stumpf  aneinander  stoßende 
stücken,  die  aus  durchgehenden  Quadern  gebildet  sind. 
13  Marcus  VNnivIus,  Architekt  und  Ingenieur  des  Augustus,  vollei 
Werk  „De  architectura'S  worin  Hoch-  und  Tiefbau,  sowie  die  M 
technik  auf  Grund  eigener  Erfahrung  und  nach  römischen  und  gri 
Quellen  dargestellt  sind. 

—  VHnnrIut  beschreibt  die  sogenannte  Eimerkunst,  bei  welcher  über 
sprechend  geformte  Scheibe  auf  der  horizontalen  Welle  eines  Gropelv 
eine  eiserne  Kette  ohne  Ende  läuft,  die  bis  in  das  zu  fördernd 
hinabreicht  und  an  welcher  kupferne  Eimer  hängen,  die,  sobald 
die  Welle  emporkommen,  umstürzen  und  das  Wasser  in  einem  Beh 
gießen,  von  dem  es  in  Rinnen  fortgeführt  wird. 

—  VHruvIiit   beschreibt   unter   dem  Namen  „Tympanum"  eine  Wast 
maschino,  bei  welcher  die  Umdrehung  eines  Trommelrades  durch 
rad  erfolgt,  das  von  Menschen  in  Bewegiing  gesetzt  wird.    Diese 
hat   einigen   der  neueren  Zeit  angehörigen  Konstruktionen  (Lsdi 
Perronet  1788,  Car6  1866)  als  Muster  gedient. 

—  Vltnivliit  beschreibt  eine  Getreidemühle,  welche  durch  unterse 
Wasserräder  betrieben  wird,  eine  Wasserorgel  und  einen  Wass 
Er  könnt  die  Schwere  jd^s  Quecksilbers  und  das  Gesetz  der  kon 
renden  Höhren.  Er  erklärt  die  Entstehung  der  Thermalquellen  a 
unterirdischen  Feuerherd;  nach  seiner  Meinung  haben  auch  dJ 
Quellen  die  vulkanischen  Herde  durchlaufen,  sind  aber  dann  i 
Höhlen  abgekühlt  worden;  die  eingepreßte  Luft  treibt  sie  dann  < 

—  Nach  Angabe  des  VKrovIiit  (in  „De  architectura",  Lib.  VII,  3)  un 
zu  seiner  Zeit  angewendete  Verfahren  der  Freskomalerei  folgende  . 
Berohren  der  Decken,  drei-  bis  viermaligen  Verputz  aller  zu  bei 
Flächen  mit  jedesmal  feinerem  Kalkmörtel,  Aufbringen  einer 
schiebt  in  drei  Lagen  und  —  nach  Bemalung  des  noch  feuchten 
mit  Wasserfarben  —  Bearbeiten  der  Bildfläche  mit  dem  Putzt 
Erzielung  von  Glanz  und  größerer  Festigkeit. 

—  VItnivlut  beschreibt  einen  Wegemesser- Wagen  von  folgender  Eini 
Mit  einem  der  Wagenräder  ist  eine  Stiftscheibe  verbunden,  durc 
ein  Zahnrad  bei  jeder  Wagenradumdrehung  um  einen  Zahn  vc 
wird.  Durch  Anordnung  mehrerer  Zahnräder  wird  diese  Übertragui 
mals  wiederholt.  Auf  dem  Umfange  des  letzten,  wagerecht  1 
Zahnrades  sind  steinerne  Marken  derart  lose  aneinandergereiht, 
nach  einer  Wegestrecke  von  1  röm.  Meile  eine  Marke  in  einen  Zä 
hinabfällt.    („De  architectura".  Lib.  X,  9.) 

10  Der  Geschichtsschreiber  DIodorot  von  Agyrion  in  Sizilien  berich 
phönizische  Schiffer,  vom  Sturm  verschlagen,  weit  westwärts  vo 
ein  fruchtbares,  wohlbewässertes  und  waldreiches  Eiland  aufgefunde 
sollen.   Einzelne  Geographen  erblicken  hierin  eine  Hindeutung  auf  j 

—  Claudius  Drutut  veranlaßt  nach  der  Eroberung  Hollands  die  kunst 
Eindeichung  und  planmäßige  Kanalisierung  des  Landes.  Doch  sii 
scheinlich  schon  vor  dem  Erscheinen  der  Römer  von  den  Bataver 
bauten  an  den  Nordseeküsten  ausgeführt  worden. 


—     28     — 


Christliche  Zeit. 


Erstes  bis  zehntes  Jahrhundert. 


10  Im  Zeitalter  des  römiBohen  Kaisers  Aufuitut  bestehen  in  verschiedenen 
Orten  Italiens  Zentraiheiznngsanlagen,  bei  denen  in  einem  nnterirdischen 
Heizranme  (Hypocatistnni)  die  Lnft  erwärmt  und  durch  senkrechte,  ia  den 
Mauern  befindliohe  Kanäle  in  die  oberen  Stockwerke  geleitet  wird,  —  also 
eine  Art  von  Eanalheizung.  Auch  Warmwasserheizungen  werden  um  diese 
Zeit  erwähnt. 

14  Mimhfaln  von  Zeophleta  erfindet  das  Diachylonpfiaster  (Emplastrum 
lithargyri),  das  er  aus  Bleiglätte,  Schmalz  imd  öl  darstellt. 

18  Stnbo  von  Amasia  vollendet  seine  „Geographica"  in  17  Büchern,  worin 
er  die  alexandrinischen  Forschungen  über  Länder-  und  Völkerkunde  zu- 
sammenfaßt. Ein  besonderes  Kapitel  widmet  er  der  Gebirgsbildung,  die 
durch  unterirdische  Reaktionskraft  bedingt  sei,  sowie  den  Gletschern  und 
Eisbergen.  £r  hat  richtige  Vorstellungen  von  der  erodierenden  Tätigkeit 
des  Wassers  und  von  Ebbe  und  Flut. 

—  Stnbo  gibt  die  frühesten  Nachrichten  von  der  Benutzung  von  Solquellen 
für  die  Gewinnung  von  Kochsalz.  Er  spricht  auch  zuerst  von  der  berg- 
männischen Gewinnung  im  Steinsalz. 

20  Aulns  Cornelius  Gsisiit  behandelt  nach  griechischen  Quellen  die  gesamte 
Medizin  mit  besonderer  Berücksichtigung  der  Chirurgie.  Beachtenswert 
and  namentlich  die  Kapitel  über  die  Wundheilung,  über  die  Amputation, 
die  Unterbindung  von  Amputationswunden  und  blutenden  Gefäßen,  den 
Steinschnitt,  die  Trepanation,  die  Hauttransplantation,  die  Anatomie  und 
Heükonde  des  Ohres  und  die  Zahnheilkunde.  Er  spricht  zuerst  vom 
Nutzen  der  Nährklystiere. 

—  Atühb  ComeUus  Oehus  gibt  dem  Studium  der  äußern  Formen  der  Haut- 
krankheiten einen  großen  Aufschwxmg  und  macht  in  deren  Beurteilung 
bereits  pathogenetische  G^chtspunkte  geltend.  Auch  die  Systematik  er- 
fährt durch  ihn  große  Fortschritte.  Seine  Anschauimgen  und  die  des 
Hippokrates  bleiben  für  die  ganze  mittelalterliche  Epoche,  sowohl  bei  den 
Arabern  als  auch  im  Abendlande  grundlegend. 

—  Nachdem  bis  dahin  die  innem  Augenkrankheiten,  selbst  von  Hippokrates, 
mit  wenig  Verständnis  beschrieben  waren,  entwickelt  Aulus  Cornelius 
Mmk  nicht  nur  eine  gute  Kenntnis  der  anatomischen  Verhältnisse  des 
Auges,  sondern  schildert   auch   eine  Reihe  von   bis  dahin   unbekannten 

—     29     — 


20 


Krankheitsformell   des  Auges  und   vervollkommnet  in    bemerk 
Weise  das  operative  Verfahren. 
20    Aulus.  Cornelius  Mtat  führt  die  Gicht,  über  die  die  ersten  sichei 
richten  sich  bei  Hippokrates  finden,   auf  üppiges  Leben  zurücli 
handelt  eingehend  die  Therapie  dieser  Krankheit. 

—  Marcus  YHruvIiit  empfiehlt,  für  Wasserbauten  zum  gewöhnlich« 
einen  Zusatz  von  der  bei  Puteoli  vorkommenden  Puzzolanerde  z 
xmd  muß  als  der  erste  angesehen  werden,  der  die  Herstellung  dei 
lischen  Mörtels  beschreibt.  Er  spricht  auch  bereits  von  der  Ai 
des  Grobmörtels  (Betons),  d.  i.  Wassermörtel  mit  Zusatz  von  Stei 

—  VItnivliit  kennt  bereits  die  Bleivergiftung  und  erwähnt,  daß  die  B 
arbeiter  bleich  aussehen  und  von  den  Dämpfen  krank  werden. 

—  VItnivliit  spricht  klar  aus,  daß  der  Ton  in  einer  Bewegung  der 
steht.  Dabei  bewegt  sich  seiner  Ansicht  nach  die  Luft  in  zahU 
zentrischen  Kreisen,  gleich  den  Wellen  des  Wassers  in  welches 
geworfen  wird.  Wie  diese  fortschreiten,  bis  sie  von  einer  Begrei 
Baumes  aufgehalten  werden,  so  schreitet  auch  der  Schall  in  Krei 
die  Luft  fort.  Allein  im  Wasser  pflanzen  sich  diese  Kreise  blo 
zontaler  Richtung  fort,  während  der  Schall  nicht  nur  in  der  Bi 
dem  auch  in  senkrechter  Richtung  immer  weiterschreitet. 

—  VItruvIui  kennt  bereits  die  Zugramme  und  erwähnt  dieselbe  im 
Kapitel  3  seines  Werkes  über  die  Baukunst. 

48  Scrlbonlut  Largut,  Leibarzt  des  Kaisers  Claudius,  verfaßt  eine  ^ 
von  Rezepten  (Compositiones  medicamentorum),  von  denen  noc 
halten  sind.  Unter  den  von  ihm  angegebenen  Salben  und  Pfi^ 
finden  sich  u.  a.  die  Vorbilder  des  Unguentum  basilicum  nigrun 
Emplastrum  fuscum  Hamburgense. 

—  Scrltenius  Largut  beschreibt  zuerst  die  Gewinnung  des  echten  Op 
benutzt  zuerst  die  Elektrizität  in  der  Medizin,  indem  er  bei  lac 
Kopfschmerzen  und  bei  Podagra  den  Zitterrochen  auflegen  läßt 

—  Serlbonlitt  Largut  unterscheidet  bereits  genau  den  Morbus  articularj 
Gelenkrheumatismus)  von  der  Gicht  und  beschreibt  auch  die  Ersc] 
des  chronischen  Rheumatismus. 

60  Der  Baumeister  Andronlkot  von  Kyrrhos  in  Syrien  stellt  auf  dem 
erbauten  Turm  der  Winde  in  Athen  den  ersten  meteorologischen 
eine  Windfahne,  auf. 

—  Arttatot  aus  Kappadocien  führt  den  Gebrauch  der  Kuhmilch  in  die 
diätetik  ein. 

—  Athmaeot  von  Attalia  in  Pamphylien,   Stifter  der  pneumatisch 
schule,    bearbeitet   die   öffentliche   Gesundheitspflege.    Er  gibt 
zur  Filtration  des  Trinkwassers  an  und  stellt  Grundsätze  über  de 
heitlichen  Einfluß  der  Lage  der  Wohnungen  auf.    Die  Katalepsi 
er  als  bcKondere  Krankheitsform. 

54  Kaiser  Nmto  rüstet  eine  Nilexpedition  aus,  die  auf  dem  weißen  1 
den  Verengungen  des  Stroms  durch  Ambatschinseln  und  Pap 
gelangt  und  die  zur  Kenntnis  der  Negerstämmo  beiträgt. 

60  Der  römische  Ackerbauschriftsteller  Lucius  Junius  Moderatus 
von  Gades  beschreibt  (in  „De  re  rustica**,  lib.  IX.  6 — 7)  Bienens* 
Korkholz,  geflochtene  Bienenkörbe  aus  Weiden-  oder  Ferulazweig 
aus  Brettern  gezimmerte  oder  auch  aus  Ziegelsteinen  gemauen 
und  diebessichere  Bienenhäuser,  Auch  behandelt  er  in  dem  | 
Werke  (lib.  VI,  VII  und  VIII)  die  Veterinärmedizin  der  Nutztie 
führlicher  Weise  und  liefert  namentlich  eine  vorzügliche  Beschrei 
Rindviehkrankheiten . 

-     30     — 


J4 

60  Lucius  Juniu9  Moderatus  MumMa  beschreibt  eine  Art  von  Drainage  zur 
Bodenentwässerung,  bei  welcher  neben  offenen  Abzugsgräben  auch  bedeckte 
Drainagekanäle  angewendet  werden,  die  mit  einer  aus  Steinen  oder  Eies, 
im  Notfalle  auch  ans  Strauchwerk  bestehenden  Sickerschicht  verfuUt  und 
mit  £rde  überdeckt  sind.  („De  re  rustica'',  lib.  II.  2.  —  Vgl.  auch  1600 
Serres,  und  1755  Anderson). 

63  Lucins  Annaeus  SeiMca  vollendet  seine  „Naturales  quaestiones'*.  Er  handelt 
darin  vom  Feuer,  Wasser  (Nil),  Hagel,  Gewitter,  Wind,  Erdbeben,  Ko- 
meten usw.  Er  führt  die  Springfluten  darauf  zurück,  daß  bei  ihnen  außer 
dem  Mond  auch  noch  die  Sonne  zur  Wirkung  gelangt.  Er  erkennt  zuerst, 
daß  der  Sitz  der  Erdstöße  in  gar  nicht  beträchtlicher  Tiefe  zu  suchen  sei 

—  Lucius  Annaeus  StMca  erwähnt,  daß  Buchstaben,  durch  eine  gläserne,  mit 
Wasser  gefüllte  Kugel  betrachtet,  größer  und  klarer  erscheinen. 

64  Pedanios  DIoikartites  von  Anazarba  in  Kilikien  verfaßt  das  Karomsche 
JLehrbuch  über  die  Materia  medica  (Pflanzen,  Tiere  und  Mineralien).  Er 
schreibt  auch  ein  Buch  über  Gifte  und  Gegengifte. 

—  Pedanios  Dlotkoriites  beschreibt  ein  Verfahren  zur  Gewinnung  von  Queck- 
silber aus  Zinnober,  sowie  die  Darstellung  von  Bleiacetat,  Kalkwasser  und 
Kupfervitriol.  Er  erwähnt  das  Zinkoxyd,  das  bei  dem  Bearbeiten  zink- 
haltiger Substanzen  sablimiert  und  vergleicht  dasselbe  mit  Büscheln  von 
Wolle,  auf  welchen  Vergleich  die  Alchimisten  die  Bezeichnung  „Lana 
philoBophica"  gründen.  Er  kennt  das  Chlorblei,  und  führt  an,  daß  Blei- 
glätte mit  Steinsalz  und  warmem  Wasser  weiß  werde. 

—  Pedanios  DIoikorhiM  gibt  die  ältesten  Notizen  über  die  Benutzung  des  See- 
salzes  und  erwähnt,  daß  das  beste  Seesalz  von  Cypern,  Sizilien,  Afrika 
und  Phrygien  kommt. 

— -  Pedanios  DIoskorMat  spricht  von  einer  aus  der  Holzasche  auszulaugenden, 
im  Wasser  löslichen  Substanz,  erwähnt  jedoch  nicht  ihre  DarsteUimg  in 
fester  Grestalt,  d.  h.  als  Pottasche.  Dagegen  kennt  er  die  feste  Soda, 
die  er  als  "Ay^e  aXö^  (Flos  salis)  bezeichnet  und  deren  Verwendung  er  u.  a. 
in  der  Glasfabrikation  erwähnt.  Er  gibt  ausführliche  Nachrichten  über 
den  von  ihm  nach  dem  Vorgange  des  Aristoteles  „Sandarah**  genannten 
Bealgar  (Schwefelarsenik). 

—  Pedanios  Dlotkoriites  beschreibt  die  Bereitung  des  Ätzkalks  aus  Muschel- 
schalen, Kalksteinen  oder  Marmor,  die  man  bis  zum  Weißwerden  glühe, 
und  sagt,  daß  man  den  Kalk  aus  Marmor  vorziehe.  Er  spricht  von  den 
kaustischen  Eigenschaften  des  gebrannten  Kalks  tmd  von  der  Behandlung 
desselben  mit  Wasser.  Er  bezeichnet  das  Gipsen  des  Weins  als  ver- 
werflich. 

—  Pedanios  DIotkortdos  kennt  den  Indigo  und  sagt,  daß  derjenige  Indigo, 
mit  welchem  gefärbt  werde,  ein  purpurfarbiger  Schaum  sei,  der  in  den 
Kesseln  oben  stehe  und  welchen  die  Künstler  absonderten  und  trockneten. 
Für  den  besten  werde  der  gehalten,  der  bläulich,  saftig  und  zart  sei.  Auch 
gibt  er  Nachrichten  über  das  natürlich  vorkommende  Schwefelantimon, 
das  zum  Färben  der  Augenbrauen  verwendet  wird. 

—  Pedanios  DIotkortdos  steUt  zuerst  die  auch  für  die  Augenheilkunde  wichtige 
wundärztliche  Betäubung  (Anaesthesie)  vermittels  eingekochten  Spiritus- 
extrakts  der  Mandragorawurzel  wissenschaftlich  dar. 

—  Pedanios  Dtookortdos  kennt  das  Wollfett  (OtavTioi),  das  seiner  Angabe  nach 
durch  Auskochen  von  Schafwolle  und  Abschöpfen,  Auswaschen,  Um- 
schmelzen.  Abpressen  und  Bleichen  des  obenauf  schwimmenden  Fettes  dar- 
gestellt wird.  Er  empfiehlt  dasselbe  —  sowohl  für  sich,  als  auch  in  Ver- 
bindung mit  anderen  Stoffen  —  als  Heilmittel  gegen  die  verschiedenartigsten 
Krankheiten.  Er  beschreibt  ein  rohes  Destillations  verfahren  zur  Darstellung 

—     31     — 


64 


des  Terpentinöls,  bei  dem  ein  Topf  als  Retorte  und  ein  Bündel  darüb< 
aufgehängter  Wolle  als  Rezipient  dient. 
64  Pedanios  Dlotkorldat  kennt  den  Enzian,  der,  wie  Fraas  meint,  verrautlic] 
da  Gentiana  lutea  in  Griechenland  nicht  vorkommt,  aus  lllyrien  bezöge 
wurde.  Er  kennt  auch  den  Wurmsamen,  den  Samen  einer  Artemisiaar 
aus  der  später  das  Santonin  (s.  1830  K.),  der  Hauptrepräsentant  der  ai 
thelminthischen  Wirkung  der  Droge,  gewonnen  wird.  Dioskorides  spricl 
bereits  von  der  Artischocke,  die  er  2x6).v^og  nennt  und  die  schon  zu  sein« 
Zeit  eine  Speise  der  Reichen  war.  Der  Name  Artischocke  ist  arabische 
Ursprungs  und  entspricht  dem  syrischen  Ardischauki,  Erddom.  Auch  ei 
wähnt  er  unter  dem  Namen  „Uiigig**  den  von  alters  her  als  Wurmniitt« 
gebrauchten  männlichen  Farren  (Radix  filicis  maris). 

—  Pedanios  DIotkorldM  kennt  Rizinusöl,  Mandelöl,  Nußöl  usw.  und  gibt  ai 
daß  man  sich  zur  Darstellung  der  öle  zweier  Methoden,  des  Auspreesen 
und  des  Kochens  mit  Wasser,  bediene,  wobei  sich  das  öl  oben  abscheidet 
Jedoch  dürfte  es  sich  bei  diesem  Verfahren  mehr  um  die  Darstellung  voi 
fetten  ölen  als  um  die  von  ätherischen  handeln. 

66  Nach  dem  Berichte  des  älteren  Plinius  („Historia  naturalis'%  lib.  XXXVI 1 
bedient  sich  der  römische  Kaiser  Nero  bei  den  Gladiatorenkämpfen  eine 
geschliffenen  Smaragden  zum  Zusehen.  Da  —  anderen  Nachrichten  su 
folge  —  der  Kaiser  Nero  kurzsichtig  gewesen  ist,  scheint  es  sich  hier  un 
eine  Art  von  Augenglas  gehandelt  zu  haben,  —  das  erste  geschichtlichi 
Beispiel  dieser  Art. 

68  Nachdem  schon  Periandros  die  Absicht  gehabt  haben  soll,  den  Isthmu 
von  Korinth  zu  durchstechen,  läßt  der  Kaiser  Nmto  die  Kanallinie  fest 
stellen  und  den  Bau  durch  jüdische  Sklaven  in  Angriff  nehmen.  Die  Voll 
endung  wird  indes  durch  den  Aufstand  des  Julius  Vindex  gehemmt,  unc 
erst  in  neuestor  Zeit  ist  der  Kanal  an  der  von  Nero  gewählten  Stelle  durci 
eine  französische  bez.  griechische  Baugesellschaft  tatsächlich  ausgeführt 
worden. 

77  Gajus  Plinlitt  der  Ältere  behandelt  in  seiner  37  Bücher  umfassenden  „Hi 
storia  naturalis"  zunächst  die  Physik  und  Astronomie,  demnächst  Geo 
graphie  und  Ethnographie,  femer  Naturgeschichte,  Heilmittellehre,  Minera- 
logie und  Kunstgeschichte.  Das  Werk  ist  eine  vielfach  unzuverlässig« 
Ausbeutung  älterer  Schriften,  aber  dennoch  eine  unschätzbare  Fundgrube 
für  die  Kenntnis  antiker  Wissenschaft. 

—  Plinliit  beschreibt  die  bergbauliche  Silbergewinnung  und  die  Silbergewinnung 
durch  Abtreiben  des  Werkbleis.  (Über  die  Aufbereitung  der  Silbererze, 
die  teils  durch  Stoßen  in  Mörsern,  teils  durch  Mahlen  erfolgte,  hatten  be- 
reits Strabo  und  Diodor  berichtet.)  Auch  gibt  Plinius  eine  Schilderung 
des  in  großartigem  Maßstabe  in  Spanien  betriebenen  Goldbergbaus. 

*  Pliniiit  kennt  die  Scheidung  von  Gold  und  Silber  durch  Quecksilber 
(Amalgam ation).  Zur  Goldgewinnung  wird  seiner  Angabe  nach  der  gold- 
haltige Stoff  mit  Quecksilber  in  einem  irdenen  Gefäße  geschüttelt,  und 
aus  dem  entstandenen  Amalgam  das  Quecksilber  durch  Destillation  ent- 
fernt. Auch  die  Vergoldung  des  Kupfers  mittels  Goldamalgams  wird  von 
Plinius  erwähnt.     („Hist.  nat.**  lib.  XXXIII.  32.) 

—  Daß  schon  im  Altertum  Diamanten  zum  Stein  gravieren  dienten,  beweist 
dieÄußerung  desPllniitt  („Hist. nat." XXXVII,  6, 15),  daß  „die  Steinschneider 
die  Diamantsplitter  in  Eisen  fassen  und  ohne  Schwierigkeit  damit  in  jeden 
andern  Stoff  graben". 

—  Plinlitt  kennt  die  Steinsägen,  wie  aus  „Hist.  nat.**  XXXVI,  44  „In  BelgicÄ 
provincia  serra  lapidem  secant"  hervorgeht.  (Vgl.  auch  352  v.  Chr.) 

—     32     — 


J8 

77  Neben  Aristoteles  („Problemata"  LXI)  und  Plutarch  („Quaest.  nat."  XII)  er- 
wiUintim  Altertume  auch  Pllnliit  („Historia  naturalis",  lib.  II)  als  eine  all- 
bekannt-e  Tatsache,  daß  sich  die  Meereswellen  durch  Ol  beruhigen  lassen. 
Er  führt  als  Bemreis  für  die  Krümmung  der  Erdoberfläche  die  Tatsache 
an,  daß  auf  dem  Meere  zuerst  der  Mast,  und  erst  später  der  Kumpf  der 
Schiffe  sichtbar  wird. 

—  POiym  erwähnt  Becher,  in  denen  das  Trinkwasser  durch  Wolle  filtriert  wird. 
Ganz  in  gleicher  Weise  läßt  (1020)  Avicenna  Wasser  mehrmals  aus  einem 
Gefäß  in  das  andere  durch  Wolle  hinüberleiten,  um  es  zu  reinigen. 

—  Plntai  berichtet  in'  seiner  „Historia  naturalis''  (lib.  XIX)  von  Tischtüchern, 
welche  ans  nnverhrennlichem  Steinflachs,  d.  i.  Asbest,  gefertigt  waren,  und 
durch  Ausglühen  im  Feuer  gereinigt  werden  konnten.  Auch  erwähnt  er 
die  Verwendung  von  Asbestlaken  als  Totenkleider  bei  Feuerbestattungen, 
80  daß  die  Asche  der  Leiche  getrennt  von  der  Holzasche  gesammelt  werden 
konnte,    (Vgl.  430  v.  Chr.  KallimachoB.) 

—  Pllnliit  erwähnt  den  Katttmdruck  mit  gebeizten  Mustern  als  ägyptisches 
Fabrikationsverfahren.  Diese  Erwähnung  findet  ihre  Bestätigung  durch 
die  im  Gräherf eld  von  Achmfm  (Panopolis)  in  Ägypten  durch  R.  Forrer  auf- 
gefundenen Druckformen  für  Zeugdruck,  welche  die  Muster  in  erhabenen 
Konturen  enthalten.  Auch  kennt  Plinius  bereits  das  rote  Bleioxyd  (Men- 
nige), dessen  Überfühnmg  in  braunes  Bleioxyd  durch  wässeriges  Chlor 
zuerst  Scheele  beschreibt. 

^  PMos  kennt  die  Seife  und  unterscheidet  bereits  weiche  und  harte  Seifen. 
Ans  seinen  Angaben  scheint  hervorzugehen,  daß  die  Seife  zu  seiner  2eit 
nunentlich  als  haarverschönemdes  Mittel  angewendet  wird.  Auch  erwähnt 
er  das  Schwefeln  der  Weinfässer  zur  Eonservierung  und  Verbesserung  des 
Weins  als  eine  bekannte  Tatsache. 

—  PIIbIvs  erwähnt  zuerst  die  Operation  des  Kaiserschnittes  an  einer  Toten, 
die  nach  seiner  Zeit  erst  1305  wieder  von  Bemard  de  Gordon  tmd  später 
von  Guy  de  Chauliac  ausgeführt  wird,  welch  letzterer  genaue  Angaben 
über  Instmnaente  und  Schnittrichtung  gibt. 

78  Pllolas  weiß,  daß  die  Geschwindigkeit  des  Lichts  keine  unendlich  große  ist. 
Er  sagt  („Historia  naturalis'',  lib.  II,  66):  „Daß  der  Blitz  eher  gesehen,  als 
der  Donner  gehört  wird,  obgleich  beide  zu  gleicher  Zeit  entstehen,  ist  kein 
Wunder.     Denn  das  Licht  pflanzt  sich  weit  schneller  fort,  als  der  Schall.'* 

—  PIMvs  erwähnt  die  Brunnenkresse  (von  ihm  Sisymbrium  genannt),  deren 
Saft  als  Heilmittel  gebraucht  wird,  und  den  Wasserfenchel,  der  auf  Emp- 
fehlung von  Emsting  seit  1739  als  Fiebermittel  und  gegen  Lungenschwind- 
sucht verwendet  wird.  Auch  kennt  Plinius  die  Banane,  die  in  Indien  seit 
den  ältesten  Zeiten  bekannt  ist,  unter  dem  Namen  „Pala"  bez.  „Ariena". 
Ihren  Namen  „Musa"  erhält  sie  von  Linn^.  Er  spricht  auch  von  der 
Artemisia  als  Mittel  gegen  Epilepsie. 

—  PHatas  gibt  die  ersten  Nachrichten  über  die  Anwendung  von  Mähmaschinen. 
Er  berichtet,  daß  auf  den  großen  gaUischen  Landgütern  ein  Mähapparat 
in  Gehrauch  ist,  der  aus  einem  mit  scharfen  Zähnen  besetzten,  beider- 
seits in  Rädern  laufenden  Balken  besteht.  Per  durch  Zugtiere  bewegte 
Apparat  reißt  nur  die  Ähren  ab  imd  läßt  die  Halme  stehen.  (Vgl.  350 
PalladiuB.) 

—  Neben  den  schwarzen  Tinten,  die  im  Altertum  meist  aus  Kuß  imd  öl 
hergestellt  wurden,  und  den  farbigen  Tinten,  die  sowohl  aus  echtem  Purpur 
als  auch  aus  Eermesbeeren  bereitet  wurden,  spielt  eine  wichtige  RoUe  im 
Altertum  die  Goldschreibkunst  (Chrysographie),  die  bereits  Plutarch  er- 
wähnt, xrnd  die  im  2.  Jahrhundert  n.  Chr.  in  Byzanz  zu  einem  ausge- 
breiteten Kunsthandwerk  wird.    Noch  im  Mittelalter  wird  Goldtinte  viel 

Darmstaedter.  3 

—     33     — 


78 


gebraucht  und  daneben  Silbertinte  angewendet,  welche  u.  a.  für  c 
argenteuB  in  Upsala  verwendet  worden  ist. 
78  Die  Verwendung  der  Greschütze  auf  KriegBBohiffen  reicht  im  . 
weit  zurück.  Vgl.  die  Angaben  des  gegen  Ende  des  3.  Jahrhunde 
lebenden  Mechanikers  Athenaeos.  Die  ältesten  Nachrichten 
schütz  türme  auf  Schiffen  finden  sich  bei  Plolarthi  welcher  | 
cus  Antonius",  Kap.  66)  berichtet,  daß  die  Schiffe  des  Mar< 
niuB  zum  Gebrauche  der  Katapulten  mit  hölzernen  Türmen 
waren. 

—  Piolarth  erwähnt  den  Fall  eines  Aerolithen  und  sagt,  daß  solo] 
von  außerhalb  unseres  Erdballs  kommen. 

80  Der  Anatom  Marlniit  entdeckt,  wie  Galenus  anführt,  die  Darmd 
Gaumennerven  und  die  Stimmnerven.  Er  gibt  eine  vollständige, 
tische  Anatomie  heraus. 

—  Der  römische  Kaiser  Tltut  vollendet  das  von  seinem  Vater  V 
begonnene  riesenhafte  Flavische  Amphitheater  in  Bom  (Kolosse 
jetzt  durch  Abbruch  in  seiner  Ausdehnimg  teilweise  verringert, 
lieh  eine  Ellipse  von  524  m  Umfang  (große  Achse  185  m,  klc 
156  m)  umschloß,  imd  50000,  angeblich  sogar  85000  Zuschauer 

84  Gnaeus  Julius  Agricola  läßt  als  Statthalter  Britanniens  von  sei 
die  ganze  Insel  umschiffen,  wobei  die  Orkney- Inseln  (Orkaden 
werden. 

90  Der  römische  Arzt  Htrodotut  teilt  den  Fieberverlauf  in  4  Stadie 
Anfangs,  der  Zimahme,  der  Höhe  und  der  Abnahme. 

97  Sextus  Julius  Frontfnut  entwickelt  eine  epochemachende  Tätigkc 
von  Aquädukten  und  begründet  durch  seine  Schrift  „De  a 
Bomae"  eine  neue  Aera  für  die  Wasserversorgung  der  Städte.  £ 
daß  die  zu  den  Wasserleitungen  erforderlichen  Bleiröhren  in  1 
angewendet  werden.  Die  Bleiröhren  werden  aus  Streifen  i 
gehämmert  tmd  äußerlich  verlötet. 

—  Frontlniis  kennt  die  Abhängigkeit  der  Ausflußgeschwindigkeit  d 
von  der  Druckhöhe  der  Wassersäule. 

—  Htliodonis  schreibt  eine  Abhandlung  über  die  ünterleibsbrüche 
Nabel-,  Scrotal-  und  Inguinalbrüche  einteilt  und  als  deren  Ui 
die  abnorme  Verlängerung  und  Zerreißung  des  Bauchfells  gilt. 

—  Riiffut  von  Ephesos  übt  die  Zergliederungskunst  an  Tieren,  insbc 
Affen  aus,   und  xmterscheidet  die  Nerven,   deren  Ursprung  er 
legt,   nach  dem  Vorgang  des  Erasistratos  (s.  300  v.  Chr.),   in  ei 
und  bewegende.    Er  sagt,  das  Herz  sei  der  Sitz  des  Lebens,  dei 
Wärme  und  des  Pulsschla^jes. 

100  ArchIgMiet  von  Apamea  gibt  in  seiner  Abhandlung  ^M^Qi  (xpvy^iibv 
fährliche  Pulslehre  und  unterscheidet  zwischen  der  normalen 
der  Arterien,  die  den  Puls  ausmachen,  und  abnormen  Beweg 
selben.  Die  Pulslehre  des  Galenus  ist  nur  eine  Ausführung  der 
Archigenes. 

—  Der  Chinese  Cho-dilu-M  schreibt  mit  Benutzung  der  Lehren 
Kiyo  (s.  300  v.  Chr.)  zwei  Bücher,  das  Sho-kan-ron  und  das  1 
eine  vollständige  Darstellung  der  Therapie  geben.  Er  wird  als 
krates  der  Chinesen  gepriesen. 

—  Htron  von  Alexandria  kennt  die  vier  physikalischen  Grundeij 
der  Körper  (Ausdehnung,  Undurchdringlichkeit,  Porosität  und  1 
und  untersucht  die  Elastizität.  Er  stellt  hygroskopische  Beo 
an.  Er  kennt  das  Grundgesetz  der  Reflexion  (Gleichheit  des  £ 
Ausfallswinkels)  imd  die  Eigenschaft  der  Sehstrahlen  (Lichtstr 

—     34     — 


100 

kürzesten  Weg  einzuschlagen  und  sich  in  demselben  Medium  geradlinig 
fortzupflanzen.  Er  weiß^  daß  Quecksilber  schwerer  ist  als  Wasser. 
100  Hmwi  kennt  die  fünf  einfachen  Maschinen  und  die  goldene  Regel  der 
Mechanik,  sowie  die  Zusammensetzung  zweier  Bewegungen  zu  einer  resul- 
tierenden. (Ähnliches  findet  sich  schon  bei  Aristoteles.)  Er  stellt  Schwer- 
punktBimtersuchungen  an.  Auch  kennt  er  das  Gesetz  des  Hebers  und  der 
kommunizierenden  Röhren  und  die  Abhängigkeit  der  Ausflußgeschwindig- 
keit von  der  Druckhöhe,  d.  h.  von  der  Höhe  der  Flüssigkeitsoberfläche 
über  der  Ausflußöffnung.     (Vgl.  07  Frontinus.) 

—  Hmini  gibt  ein  Thermoskop  an  (s.  "Hgcovog  AXsSavdQea>e  IJyevfiatuccav  ß'),  bei 
welchem  durch  Erwärmung  (Aufstelltmg  in  der  Sonne)  oder  Abkühlung 
(Aufstellung  im  Schatten)  Wasser  in  einer  Röhre  emporgepreßt  oder  ab- 
geaaugt  wird,  und  welches  somit  den  Grundgedanken  des  Thermometers 
enthält.  —  Eine  ähnliche  Vorrichtung  beschreibt  PhiloJ  von  Byzanz  in 
seiner  Schrift  „De  ingenüs  spiritualibus*'. 

—  Hmini  konstruiert  Pressen  verschiedener  Art  (öl-  und  Weinpressen)  und 
beschreibt  eine  Seilbahn,  sowie  Krane  und  andere  Hebevorrichtimgen.  Er 
erwähnt  einen  Geisterspiegel  und  beschreibt  einen  Weihwasserautomaten, 
welcher  gegen  Einwurf  eines  Fünfdrachmenstücks  eine  bestimmte  Menge 
Weihwasser  abgibt.     (S.  "Hgcovog  AXs^avSgecos  Ilvevfiauxaw  o). 

—  H«rwi  fördert  das  von  Etesibios  (s.  230  v.  Chr.)  erschlossene  Gebiet  der 
pneumatischen  Maschinen.  Er  erfindet  den  Heronsbrunnen  und  den  Wind- 
kessel und  vervollkommnet  viele  der  von  Etesibios  und  Philo  (s.  210  v.  C!hr.) 
angegebenen  pneumatischen  Apparate.  Er  kennt  die  Reaktionsdampfkugel 
(Aeolipile)  tmd  das  Reaktionsröhrenkreuz  (eine  Turbine  nach  Art  des 
Segner'schen  Wasserrades)  imd  verwendet  in  einem  Dampfkessel  Innen- 
feuerung und  Quersieder. 

—  Htron  kennt  ein  geometrisches  Instrument,  welches  sich  als  Vorläufer  des 
Storchachnabels  darstellt,  und  ein  anderes,  das  zur  Konstruktion  ähnlicher 
körperlicher  Figuren  dient.  Er  soll  die  Grimdlage  für  die  Markscheide- 
kunst gelegt  haben. 

—  H«roii  zeigt  in  seiner  Lehre  vom  Geschützbau,  wie  die  Biegungselastizität  der 
Bogenarme  weit  von  der  Torsionselastizität  gedrehter  Stränge  übertroffen 
wird  und  wie  man  solche  Stränge  mit  der  zum  Fortschleudern  des  Ge- 
schosses bestimmten  Sehne  in  Verbindung  setzt.  Seine  theoretischen  imd 
praktischen  Ausführungen  fußen  vielfach  auf  der  Mechanik  der  Alexan- 
driner (Ktesibios  und  Philo). 

—  Itoroii  kennt  einen.  Wegemesser  für  Wagen.  Bei  demselben  wird  die  Um- 
drehung der  Wagenräder  mittels  Zahnradübersetzimg  auf  ein  Zählwerk 
übertragen,  dessen  Zeiger  auf  einer  mit  Entfernungsmarken  versehenen 
Scheibe  die  von  dem  Wagen  zurückgelegten  Entfernungen  in  Stadien  an- 
zeigt. In  dieser  Konstruktion  ist  der  Grundgedanke  der  heutigen  Fahr- 
preisanzeiger-Fuhrwerke deutlich  zu  erkennen.  Heron  kennt  auch  einen 
Wegemesser  für  Schiffe,  bei  welchem  die  Umdrehungen  einer  im  Wasser 
fortbewegten  Flügelschraube  in  ähnlicher  Weise  auf  ein  Zählwerk  über- 
tragen werden.   (Vgl.  a.  13  v.  Chr.  Vitruvius.) 

—  HtTMi  kennt  die  Auflösung  quadratischer  Gleichungen.  Wenigstens  ist 
die  Berechnimg  einer  unreinen  quadratischen  Gleichung  an  seinen  Namen 
geknüpft. 

—  Htron  konstruiert  die  „Dioptra*',  ein  Feldmeßinstrument  als  Vorläufer 
unseres  Theodoliten  und  schreibt  ein  Lehrbuch  über  die  Inhaltsberech- 
nung von  Flächen  (darunter  Vielecken)  und  Körpern  und  über  ihre  Teilung. 
Er  verwendet  die  sog.  Heron' sehe  Dreiecksformel  (Inhaltsberechnung  des 
Dreiecks  aus  den  drei  Seiten). 

3* 

—     35     — 


100 

100  Kleomadot  Bchreibt  einen  Auszug  anB  des  Poseidonios'  Astronomie  und  erwälmt 
bereits  die  astronomische  Strahlenbrechung,  die  alle  Sterne,  mit  Ausnahme 
der  im  Zenit  befindlichen  (s.  1604  K.)  höher  erscheinen  laßt,  als  sie  stehen. 
Er  weiß,  daß  der  Lichtstrahl  beim  Übergang  aus  einem  dichteren  Stoff 
in  einen  dünneren  nach  dem  Lot  hin  gebrochen  wird  {KazdxXaotg), 

—  MMitlaot  von  Alexandria  behandelt  in  seinem  Werke  „Sphaericorum  libri  IV*' 
die  wichtigsten  Sätze  der  sphärischen  Trigonometrie,  worin  auch  der  nach 
ihm  benannte  Satz  von  den  Abschnitten  der  durch  eine  Transversale  ge- 
schnittenen Dreiecksseiten  enthalten  ist.    (VgL  1260  Nassir-Eddin.) 

104 — 6  Apollodorat  von  Damaskus  baut  im  Auftrage  Trajans  die  berühmte 
Brücke  über  die  Donau. 

106  Nachdem  die  Chinesen  schon  im  3.  Jahrhundert  v.  Chr.  Papier  aus  Hanf 
hergestellt  hatten,  erfindet  Ttal-lun  die  Herstellung  von  Papier  aus  Seiden- 
xmd  Leinenlumpen. 

106  Cajus  Julius  LacMr  erbaut  im  Auftrage  des  Kaisers  Trajan  die  berühmte 
Brücke  über  denTagus  (Tajo)  bei  Alcantara,  die  aus  Granitquadem  ohne 
Mörtel  hergestellt  ist. 

107—13    Apollodom  erbaut  das  Trajansforum. 

110  Marlnot  von  Tyros  entwirft  eine  neue,  die  römischen  Entdeckungen  berück- 
sichtigende Erdkarte  (Gradnetzkarte). 

—  SonuiM  von  Ephesos,  Hauptvertreter  der  methodischen  Ärzteschule,  schreibt 
über  Frauenkrankheiten  (erstes  Hebammenbuch)  und  über  akute  nnd 
chronische  Krankheiten.  Seine  Yerbandlehre  veranschaulicht  eiiie  mit  Ab- 
bildimgen  versehene  Handschrift   der  Bibliotheca  Laurentiana  in  Florenz. 

120    Apollodorot  widmet  dem  Kaiser  Hadrian  sein  Werk  „Poliorketika". 

—  AthenaMM  von  Alexandria  berichtet,  daß  man  zu  den  Lebzeiten  seines  Groß- 
vaters angefangen  habe,  die  Citrone,  die  Theophrastos  bereits  kannte, 
die  aber  erst  späterhin  veredelt  wurde,  zu  den  genießbaren  Früchten  zu 
rechnen. 

140  Antyllot  beschreibt  zuerst  die  Aneurysmen,  die  er  vermittels  Spaltung 
der  sackförmigen  Erweiterung  des  Arterienrohres  und  doppelter  Unter- 
bindung (Antyllische  Methode)  behandelt  imd  ist  der  erste,  der  seit  Askle- 
piades  (s.  70  v.  Chr.)  die  Tracheotomie  nicht  nur  vornimmt,  sondern  auch 
die  Regeln  aufstellt,  nach  welchen  sie  vorgenommen  werden  müsse. 

150  Die  älteste  Bezeichntmg  der  Zahlenziffern  ist  in  Griechenland  diejenige 
durch  die  Anfangsbuchstaben  der  Zahlwörter  (die  Ziffern  1 — 4  durch 
Striche).  Diese  Bezeichnungsart,  die  bis  300  v.  Chr.  allgemein,  bis  100 
V.  Chr.  noch  vereinzelt  in  Gebrauch  war,  wird  von  dem  byzantinischen 
Grammatiker  HerodlanM  i.  J.  150  n.  Chr.  beschrieben,  woher  die  Benen- 
nung „Herodianische  Zahlen"  stammt.  Seit  dem  Jahre  500  v.  Chr.  bildet 
sich  daneben  in  Griechenland  die  später  ausschließlich  angewendete  Be- 
zeichnung der  Ziffern  durch  die  Buchstaben  des  ionischen  Alphabets  aus. 

—  Nlkomachot  von  Gerasa  (Arabien)  schreibt  in  neupythagoreischem  Sinn  das 
erste  Lehrbuch  der  Arithmetik,  beschäftigt  sich  mit  zahlentheoretischen 
Problemen  und  gibt  eine  vollständige  Theorie  der  Polygonalzahlen  (figu- 
rierten Zahlen). 

•^  Claudius  PtolenuMUt  von  Alexandria,  gleich  bedeutend  als  Astronom,  Mathe- 
matiker und  Geograph,  faßt  seine  Trigonometrie,  welche  die  Hauptsätze 
der  ebenen  xmd  sphärischen  Trigonometrie  behandelt,  und  seine  astrono- 
mischen Lehren  zusammen  in  dem  großen  Werke  MeydXij  ovvxa^tg,  bekannter 
tmter  dem  Namen  „Almagest"  (entstanden  aus  dem  Titel  der  um  827  ent- 
standenen arabischen  Übersetzung  „Tabrir  al  magesthi*').  Die  Lehrsätze 
des  Almagest  beherrschen  weit  über  ein  Jahrtausend  die  Wissenschaft. 

—      36     — 


167 

150  Die  Astronomen  des  Alteitiuns  bestimmten  den  Winkel  durch  die  Sehne. 
(Vgl.  146  y.  Chr.  Hipparchos.)  Anstatt  der  Sinnstafeln  wurden  daher 
Sehnentafeln  benutzt,  deren  berühmteste  Ptolemamit  im  9.  Kapitel  des 
I.  Buches  des  Abnagest  gibt.  Dieselbe  enthält  die  Sehnen  der  Winkel 
von  halben  zu  halben  Graden.  Aus  der  lateinischen  Übersetzung  der 
Untereinteilungen  «»Partes  minutae  primae"  bez.  „Partes  minutae  secundae'* 
sind  die  Bezeichnungen  „Minute''  und  „Sektmde''  entstanden. 

—  PtolMUMM  gibt  in  seinem  Almagest  einen  Stemkatalog  mit  1028  Nummern 
heraus.  Er  untersucht  mit  Hilfe  des  von  ihm  erfundenen  Triquetrum 
die  Mondparallaxe,  die  er  etwas  zu  groß  findet,  und  versucht  eine 
Bestimmung  der  Sonnenparallaze,  die  allerdings  20  mal  zu  hoch  ausfällt. 
Er  entdeckt  die  Evektion,  die  beträchtlichste  der  Ungleichheiten  der 
Mondbahn. 

—  Ptofenatus  behandelt  in  seinen  „Opticorum  sermones  quinque*'  die  Theorie 
des  Sehens,  die  Reflexion,  die  Theorie  der  ebenen  und  sphärischen  Spiegel, 
die  Refraktion  und  mißt  ziemlich  genau  die  Winkel,  die  der  einfallende 
und  der  gebrochene  Strahl  mit  dem  Einfallslot  bilden,  für  Luft  und  Wasser, 
Wasser  und  Glas,  sowie  Luft  und  Glas.  In  dem  für  das  Verständnis  der 
griechischen  Musik  höchst  wichtigen  Werke  „Harmonica''  bringt  er  die 
musikalische  Akustik  des  Altertums  zum  Abschlüsse. 

—  PtolMiatas  gibt  die  erste  Theorie  des  wissenschaftlichen  Eartenzeichnens, 
das  er  als  Registrierung  der  durch  astronomische  Beobachtimg  gewon- 
nenen Positionsbestimmimgen  in  einer  nach  mathematischen  Gesichts- 
punkten bestimmten  Projektionsart  der  konischen  Projektion  auffaßt. 
Das  Gradnetz  umfaßt  die  bewohnte  Erde  vom  10®  s.  Br.  bis  26 •  n.  Br., 
und  von  Irland  bis  Java  und  Sumatra.  Erwähnt  sind  8000  Orte. 

—  Nachdem  Hipparchos  mit  der  Präzession  die  Veränderlichkeit  der  Dekli- 
nation und  die  Eonstanz  der  Breite  entdeckt  hatte  (s.  146  v.  Chr.),  ändert 
PtolsiiMWS  die  Armillarsphäre  (s.  240  v.  Chr.)  so  ab,  daß  auch  die  Lage 
gegen  die  nun  als  Hauptgrundebene  gewählte  Ekliptik  unmittelbar  be- 
stimmt werden  kann.  Das  so  geänderte  Instrument  erhält  den  Namen 
Astrolabiimi. 

160  Apulejus  erwähnt  bereits  die  Verwendung  von  Kerzenlicht  bei  kirchlichen 
Zeremonien  und  unterscheidet  Wachs-  und  Talgkerzen  als  Cerei  und  Sebacei. 
Im  9.  Jahrhundert  jedoch  beginnen  erst  die  Kerzen  den  Kienspan  im 
bürgerlichen  Haushalte  zu  verdrängen. 

167  Claudius  Galeniit  von  Pergamon,  der  berühmteste  Arzt  des  Altertums  nach 
Hippokrates,  dessen  Schriften  er  erklärt,  und  dessen  Dogmatismus  er  er- 
neuert, verfaßt  über  200  Schriften,' in  denen  alle  Teile  der  Medizin  (daneben 
Philosophisches  und  Philologisches)  abgehandelt  sind.  Besonders  erforscht 
er  die  Anatomie,  Physiologie  und  ^Pathologie  und  spricht  Anschauungen 
aus,  die  bis  zu  Vesals  Zeit  ihre  Gültigkeit  bewahren.  Galenus  weiß  be- 
reits, daß  die  Empfindxmgen  durch  die  sensiblen  Nerven  vermittelt  werden 
und  daß  dieselben  durch  Kompression  der  Nerven  vorübergehend,  durch 
Unterbindung  oder  Durchschneidung  dauernd  verloren  gehen. 

—  fialMut  handelt  in  seinen  Schriften  „Von  den  örtUchen  Leiden'',  „Von  den 
Ursachen  der  Symptome",  „System  der  Heilkimst"  und  „Über  die  örtlichen 
Heilmittel"  vielfach  auch  über  Augenheilkxmde.  Seine  eigentlichen  augen- 
ärztlichen Schriften  y,'Chnixoi  Xöyoi**  (Optik)  und  „Täv  iv  Sqp^aXfioTe  na&wv  did- 
YvoMig**  (Diagnostik  der  Augenkrankheiten)  sind  verloren  gegangen.  Nach  jenen 
Schriften  ist  zu  schließen,  daß  die  alten  Griechen  im  wesentlichen  nur 
die  Niederdrückung  des  Stares  kannten.  Nur  gelegentUch  lief  dieses 
Verfahren  auf  eine  Zerstückelung  hinaus.  Beim  Milchstar  kam  es  zuweilen 
bei  der  Niederdrückimg  zu  einer  einfachen  Kapselzerschneidung  und  Ent- 

—     37     — 


167 

leerung  der  Starmasse.  Eine  Ausziehimg  wurde  nur  bei  weichen  und  zer- 
stückelten Staren  gewagt.  Der  Homhautstioh  und  die  Extraktion  des 
harten  .Vollstars  waren  den  Alten  unbekannt. 
167  Qalmus  schreibt  Werke  über  die  Arzneimittel  „De  simplicium  medicamen- 
torum  temperaturis  et  facultatibus*'  und  „De  compositione  medicamen- 
torum'%  die  Jahrhunderte  hindurch  den  höchsten  Bang  behaupten.  Nach 
ihm  heißen  noch  heute  Mengungen,  wie  Pflaster,  Salben,  sowie  Infusa, 
Decocta  usw.  „Galenische  Arzneimittel'*. 

—  Qatonut  bearbeitet  in  seiner  Schrift  „De  sanitate  tuenda''  die  Diätetik 
des  Erwachsenen,  des  Kindes  und  des  Jünglings.  Auch  gibt  er  ein- 
gehende Vorschriften  über  das  Massieren  und  verwendet  die  Massage  viel- 
fach in  Verbindung  mit  gymnastischen  Übungen.  Zu  seiner  Zeit  soll  es 
in  Bom  besondere  Ärzte  für  Massage  gegeben  haben.  Er  empfiehlt  als 
erster  die  klimatische  Kur,  namentlich  auch  Seereisen  gegen  Schwindsucht. 

169  GalMiiit  kennt  den  Unterschied  der  Arterien  und  Venen,  lehrt,  daß  die 
Arterien  normalerweise  Blut  enthalten,  dem  Luft  beigemengt  sei,  imd  be- 
handelt in  hervorragender  Weise  die  Lehre  von  der  Blutstillung.  Er  er- 
kennt es  als  zweckmäßig,  dem  blutenden  Teil  eine  erhöhte  Lage  zu  geben 
und  beschreibt  den  Druckverband,  die  Digitalkompression,  die  Unter- 
bindung, die  Drehung  und  das  Durchschneiden  des  blutenden  Gefäßes.  Bei 
der  Wundheilung  imterscheidet  er  Vereinigung  der  Wunde  durch  die  eigene 
Substanz  ohne  Narbe,  einfache  Verklebimg  (Prima  intentio)  und  durch 
Vermittelung  einer  Narbe  neu  entstehende  Substanz  (Secunda  intentio). 
(VgL  auch  400  v.  Chr.) 

—  Galenat  kennt  und  beschreibt  die  Anatomie  und  Physiologie  der  Na^e.  Er 
beschreibt  anatomisch  richtig  das  Verhältnis  von  Nasenhöhle  und  Augen 
höhle,  die  Lage  des  TränennaAenkanals  und  seine  Mündung  in  den  Nasen- 
höhlen. Er  nimmt  an,  die  Funktion  der  Nase  sei  eine  dreifache,  zum 
Durchtritt  und  der  Erwärmung  der  Luft  beim  Atmen,  zum  Abfluß  der 
Exkrete  des  Gehirns  und  zur  Ventilation  des  Gehirns,  und  als  Weg  für 
die  Gerüche.  Er  beschreibt  eingehend  den  Kehlkopf  imd  teilt  die  inneren 
Muskeln  desselben  in  solche,  die  ihn  öffnen,  und  solche,  die  ihn  schließen. 
Er  gibtj  der  Stimmritze  den  Namen  „Glottis"  und  stellt  Betrachtungen 
über  deren  Einrichtungen  für  Eehlkopfschluß  und  Tonerzeugung  an. 

—  QalMUt  unterscheidet  die  Blasensteine  als  angewachsene  imd  bewegliche, 
als  harte  und  weiche,  und  rät,  die  weichen  Steine  durch  medikamentöse 
Behandlung  aufzulösen,  während  er  bei  den  harten  Steinen  als  einziges 
Mittel  der  Heilung  die  Extraktion  durch  den  Schnitt  am  Blasenhalse  be- 
trachtet. Er  führt  die  erste  Resektion  des  Brustbeins  unter  Freilegung 
des  Herzens  mit  glücklichem  Erfolge  aus. 

180  Unter  dem  Namen  „PhyslolOfas"  ist  eine  Elajsse  von  Zusammenstellungen 
über  das  zoologische  Wissen  zu  verstehen,  deren  erste  in  griechischer 
Sprache  in  Alexandria  erscheint.  Die  Werkchen  beschreiben  teils  bekannte» 
teils  sagenhafte  Tiere  und  deuten  die  Eigenschaften  derselben  in  religiös- 1 
christlichem  Sinne.  Sie  werden  im  Mittelalter  vielfach  ins  Lateinische  | 
imd  auch  ins  Althochdeutsche  übersetzt,  sind  aber  mehr  als  symbolische; 
denn  als  wissenschaftliche  Literatur  anzusprechen. 

193  Wie  Ttrtulllan  berichtet,  ist  der  Muschelbyssus,  eine  fadenförmige  Sekretion 
der  Byssusdrüse  zahlreicher  Acephalen,  zu  seiner  Zeit  zu  industrieUen 
Zwecken,  namentlich  zu  Stickereien  und  Webereien,  verwendet  worden. 
(Vgl.  a.  460  V.  Chr.) 

200  Arataeos  aus  Kappadozien  gibt  an,  daß  das  Blut  der  Arterien  hell,  das  der 
Venen  dunkel  sei. 

—     38     — 


850 

210   GmIIvs   Aartlianus  fördert  die   Orthopädie.     Er  empfiehlt  zuerst  passive 

Gymnastik  und  Schwimmen  bei  Gelähmten. 
220   StxiM  Jailos  Afrfcttios  gibt  eine  Methode  an,  die  Breite  eines  Flusses  ohne 
unmittelbare  Messung  durch  Absteckung  ähnlicher  rechtwinkliger  Dreiecke 
XU  ermitteln.    Das  Verfahren  wird  noch  jetzt  in  der  Eriegstechnik  (z.  B. 
bei  der  raschen  Feststellung  einer  Flußbreite)  angewendet. 
230   €laHtf as  Asllaiias  von  Praeneste  erwähnt,  daß  die  betäubenden  Eigenschaften 
des  Zitterrochens,  die  bereits  von  Aristophanes,  Plato,  Aristoteles,  Straten, 
Scribonius  Largus,  Plinius,  Plutarch,  Galen  und  Oppian  erwähnt  worden 
sind,   sich  noch   geltend  machen,   wenn  man  Wasser  aus  einem  Gefäß, 
in  dem  sich  ein  Zitterrochen  befindet,  über  die  Hand  oder  den  Fuß  gießt. 
250   DIophantM    aus  Alexandria  befreit   die  Arithmetik  aus  den   Fesseln   der 
Geometrie  und  begründet  nach  ägyptischem  Muster  eine  neue  Arithmetik 
und  Algebra.    Er  behandelt  ganzzahlige   Gleichungen  mit  ganzzahligen 
Unbekannten.     Doch   kommt   das,  was  man  jetzt  unter  „Diophantischen 
Gleichungen'*   versteht,   bei  Diophantos  selbst  nicht  vor.    Er  bezeichnet 
X  mit  dem  griechischen  g, 
281    Der  römische  Kaiser  Profus  führt  die  Kultur  der  Weinrebe  am  Bheine  ein. 
284    In  Alexandria   kommt   die  Diocletianische  Aera,  auch  Aera  der  Märtyrer 
genannt,  in  Gebrauch,  die  mit  der  Thronbesteigung  des  Kaisers  Cajus  Vale- 
rius  DiocMlanus  (29.  August  284)  beginnt.    Die  clmstlichen  Kopten  bedienen 
sich  dieser  Aera  noch  jetzt.    (Vgl.  auch  525  Dionysius.) 
290   Der  lateinische  Kirchenschriftsteller  Lucius  Coehus  Laetantlat  Firmianus  ist 
der    erste,   welcher    der   Glasfenster  mit   Bestimmtheit   Erwähnung   tut. 
Ältere  Nachrichten  über  den  Gebrauch  der  Glasfenster  sind  unsicher. 
300   Dar  römische  Kaiser  Cajus  YaJerius  DIocIttlanut  richtet  eine  Art  regelmäßiger 

Taubenpost  ein. 
—  Pippot  von  Alexandria  gibt  in  seinem  Sammelwerke  „Swaycoyi^**  eine  Be- 
sclureibung  von  Kurven  doppelter  Krümmung  auf  der  Kugel,  sowie  den 
Fundamentalsatz  der  für  die  neuere  (projektive)  Geometrie  maßgebend  ge- 
wordenen Theorie  der  Doppel  Verhältnisse.  Er  erörtert  die  als  „vollständiges** 
Viereck  und  Vierseit  bezeichnete  Kombination  von  Linien  und  Punkten, 
und  behandelt  zahlreiche  Sätze  der  Lehre  von  den  Kegelschnitten,  dar- 
unter die  Involution  von  sechs  Pimkten.  In  dem  Sammelwerk  ist  auch 
die  sog.  „Aufgabe  des  Pappos",  den  Ort  zu  3  oder  mehreren  Geraden 
zu  finden,  enthalten,  sowie  der  seit  dem  17.  Jahrhundert  als  „Guldin' sehe 
Kegel"  benannte  Satz  zur  Bestimmung  des  Raum-  und  Oberfiächeninhalts 
eines  IJmdrehungskörpers.  (Vgl.  1640  Guldin.)  Pappos  versucht,  jedoch 
ohne  Erfolg,  das  Problem  der  schiefen  Ebene  durch  das  Hebelgesetz  zu 
erklären. 
325  Das  Konzil  n  NIcaM  setzt  das  Osterfest  auf  den  Sonntag  nach  dem  Früh- 
lingsvollmond fest. 
340  Der  griechische  Tierarzt  Apsyrtot  von  Prusa  in  Bithynien  beschreibt  eine 
Anzahl  von  Tierkrankheiten,  wie  die  Druse,  Ruhr,  Mauke,  Flußgalle,. 
Koller  usw.  und  gibt  Mittel  zu  ihrer  Heilung  an.  Er  kennt  auch  den 
Rotz,  die  Dämpfigkeit  imd  die  Rehe  der  Pferde,  und  betont  bereits  das 
Fehlen  der  Gallenblase  bei  letzteren. 
350  Lucius  Apuiojos  Bartanif  erwähnt  zuerst  die  Tormentillwurzel,  die  Wurzel 
einer  Potentüla  die  als  Pulver  oder  Aufguß  medizinische  Verwendung» 
insbesondere  bei  Zahnschmerzen  findet. 
—  Aemilianus  Palladlut  erwähnt  in  seiner  Schrift  ,,De  re  rustica'*  die  Ver- 
wendung von  Meeresalgen,  Tang  und  andern  Seegewächsen  als  Dünger- 
eisatz. Diese  Meeresgewächse  werden  auch  heute  noch  vielfach  an  den 
Küsten  Frankreichs  und  Italiens  als  Dünger  verwendet. 

—     39     — 


850 

350  Palklilut  erwähnt  in  Beiner  Schrift  „De  re  rustica'*  eine  Art  \ 
maschine,  welche  mit  der  von  Plinius  beschriebenen  (b.  78)  in  de 
Sache  übereinstimmt,  so  daß  sich  demzufolge  diese  Art  des  Mj 
mähens  mehrere  Jahrhunderte  hindurch  erhalten  zu  haben  soheii 

—  PalMlut  gibt  eine  Beschreibung  von  Arbeiten,  welche  zur  Römc 
Trockenlegung  (Drainage)  versumpfter  Landstrecken  ausgeführt 
Solche  Drainierungsanlagen  sind  u.  a.  in  Alatri  aufgefunden  wor< 

—  PhilagriM  ist  der  erste,  der  die  vollständige  Exstirpation  eines  Ai 
vornimmt.    Die  nach   ihm  benannte  Methode  wird  lange  Zeit  v 
lassen,   und  erst  im    17.  Jahrhundert  von   Matthias   Gottfried 
wieder  aufgenommen. 

359  Der  jüdische  Kalender,  für  den  sich  weder  aus  der  Bibel,  nocl 
älteren  jüdischen  Literatur  übersichtliche  Kegeln  aufstellen  las8< 
die  erste  systematische  Bearbeitung  durch  den  Patriarchen  Hill 
den  Jüngeren  in  Tiberias.  Hillel  ist  auch  der  Urheber  der  no 
gebräuchlichen  jüdischen  Aera,  die  von  dem  Jahre  3761  v.  Chr. 
(Vgl.  auch  312  v.  Chr.  Seleukos  Nikator.) 

360  Der  Bischof  Batlliat  der  Große  folgert  die  Zusammengehörigkeit 
durch  das  Meer  getrennter  Teile  des  Festlandes  auf  Grund  Z( 
phischer  Erwägungen. 

361  Orltasiut  gibt  in   den   70   Büchern   seiner  'laxQixal  owaycjyai,   v< 
25  Bücher   noch   erhalten  sind,  eine  Darstellung  der  gesamten  I 
seiner  Zeit,  der  inneren  Medizin  sowohl  als  auch  der  Chirurgie, 
fiehlt  zur  Wundbehandlung  die  konstante  Irrigation  mit  Botweb 

368  Batlllut  der  Große  errichtet  vor  den  Toren  von  Cäsarea  in  Kaj 
eine  Fremdenherberge  großen  Stils,  welche,  neben  Armenhäui 
Asylen  für  gefallene  Mädchen,  auch  eine  umfangreiche  Hospitala 
Ärzten  und  Krankenpflegern  enthält.  Diese  Schöpfung  ist  als 
Anfang  einer  geregelten  öffentlichen  Krankenpflege  im  bürgerlich 
anzusehen. 

370  Der  Bischof  Amkroilut  von  Mailand  unterscheidet  die  vier  sog 
authentischen  Tonleitern,  denen  Papst  Gregor  der  Große  um  60< 
plagalischen  Tonreihen,  die  im  heutigen  Sinne  indes  keine  Tonleii 
hinzufügt. 

378  Der  lateinische  [Kirchenvater  Htoronymiis  der  Heilige  erwähnt 
Schrift  „Wortwechsel  zwischen  einem  Luziferaner  und  einen 
gläubigen'*,  daß  beide  in  den  Straßen  von  Antiochia  so  lange 
ander  disputiert  hätten,  „bis  man  Licht  auf  den  Gassen  angezünd« 
Es  ist  dies  die  älteste  verbürgte  Nachricht  über  öffentliche  Si 
leuchtung. 

380  Unter  der  Dynastie  der  Tsln  besuchen  chinesische  Schiffe,  vom 
geleitet,  indische  Häfen  imd  die  Ostküste  von  Afrika. 

—  Publius  Vagttlut  vergleicht  in  seinem  Werke  „Digestorum  artis  n 
cinae  libri  IV  zuerst  die  Tierkrankheiten  mit  den  Krankh( 
Menschen,  so  daß  er  gewissermaßen  als  der  Begründer  der  vergU 
Pathologie  anzusehen  ist.  Er  bezieht  sich  in  seinen  Darlegungei 
holt  auf  die  Pferde  der  damals  gerade  in  Europa  eingedrungenen 

385  Der  Reitsattel  hat  sich  aus  den  schon  im  frühen  Altertum  vorkoi 
sattelähnlichen  Vorrichtungen  (Decken,  Teppichen  u.  dgl.)  allmäl 
wickelt.  Als  erste  geschichtliche  Erwähnung  eines  wirklichen  Ss 
eine  Verordnung  des  römischen  Kaisers  Thtodoslut  1^  in  welche: 
lässige  Höchstgewicht  der  den  öffentlichen  Postpferden  aufzu 
Reitsättel  vorgeschrieben  ist. 

—     40 


447 

190  Der  römiache  Gesohichtsschreiber  Ammlanus  Marcelllnus  beschreibt  Feuer- 
pfeile (Malleoli),  die  aus  Katapulten  abgeschossen  werden  („R^  gestae'* 
lib.  23).  Der  Brandsatz  dieser  Geschosse  besteht,  wie  Vegetius  Renatus 
(in  „Epitome  rei  militaris")  angibt,  aus  Werg,  Harz,  Schwefel  und  Erdöl. 

990  Der  römisehe  Schriftsteller  Decimus  Magnus  Aasonlut  berichtet  von  Wasser- 
mühlen an  der  Roer,  die  zum  Schneiden  von  Steinblöcken  in  Betrieb 
waren.  Eine  nähere  Beschreibung  der  Einrichtung  dieser  Sagemühlen 
fehlt.  Doch  geht  aus  anderweitigen  gleichzeitigen  Nachrichten  hervor, 
daß  man  bereits  zu  jener  Zeit  Steinsägen  kannte,  die  aus  Holzlatten  be- 
standen, an  deren  Schleifkante  Feuersteinspitzen  mit  Kitt  befestigt  waren. 
(Vgl.  352  V.  Chr.  und  77  n.  Chr.) 

400  Der  römische  Schriftsteller  Ambrosius  Theodosius  Mwroblus  gebraucht  in 
seinem  Werke  „Commentarius  in  Somnium  Scipionis'*  zuerst  das  Wort 
„Ekliptik". 

—  Syntttos,  Bischof  von  Ptolcmais,  erwähnt  in  einem  Brief  an  Hypatia  zum 
ersten  Male  das  Skalenaraeometer  (Volumaraeometer)  unter  dem  Namen 
Baryllium.  Diesem  Brief  nach  zu  urteilen  muß  damals  das  Instrument 
neu  gewesen  sein,  so  daß  dessen  Erfindung  wohl  in  die  erste  Hälfte  des 
4.  Jahrhunderts  zu  setzen  ist.  (Andere  schreiben  das  Instrument  dem 
PriflcianuB  zu.) 

—  Der  römische  Militärschriftsteller  Flavius  Vesttlut  Rmatut  beschreibt  optische 
Telegraphen  auf  den  Warttürmen  der  Festungen,  welche  aus  beweg- 
lichen Balkenstücken  bestehen,  denen  zwecks  Zeichengabe  eine  ver- 
schiedene Stellung  gegeben  werden  konnte  tmd  die  als  die  ersten  Sema- 
phoren  anzusehen  sind.     (S.  1763  Edgeworth  und  1793  Chappe.) 

—  Flavius  Vesttliit  Renatus  erwähnt  bereits  eine  Maschine  zum  Wasserheben, 
bei  der  ein  gewöhnlicher  Lederblasebalg  ak  Pumpe  benutzt  wird.  Solche 
Pumpen  werden  später  insbesondere  als  Schiffspumpen  unter  dem  Namen 
Sackpumpen  (Priesterpumpen,  Pumpen  ohne  Kolben)  gebaut. 

—  Flavius  Vesttlut  Rmatut  beschreibt  in  seinen  „Abhandlungen  über  die 
Kriegskunst'*  den  später  als  „Nürnberger  Schere"  bezeichneten  Apparat 
als  zusammenlegbare  und  leicht  transportable  Festungsleiter  für  Belage- 
rungszwecke.  Genau  nach  diesem  Prinzip  wird  zu  Anfang  des  20.  Jahr- 
himderts  eine  Feuerwehrleiter  konstruiert,  die  auf  einem  Motorwagen 
steht  und  durch  einen  zweiten  Motor  aufgeklappt  wird. 

105  Der  Dichter  Aurelius  Prudentlus  Clemens  vergleicht  in  seinen  Märtyrer- 
Hymnen  die  mit  mehrfarbigen  Glasscheiben  gefüllten  Bogenfenster  der 
Paulskirche  in  Rom  mit  Wiesen  voll  Frühlingsblumen.  Doch  handelt  es 
sich  hier  anscheinend  noch  nicht  um  eine  eigentliche  Glasmalerei,  sondern 
nur  um  eine  Zusammensetzung  verschiedenfarbiger  Glasstücke  zu  einer 
gewissen  koloristischen  Wirkung.     (Vgl.  880  Ratpert). 

109  Während  die  Glocken  anfangs  geschmiedet  oder  getrieben  wurden,  soll 
PaHHBOt.  Bischof  von  Nola,  den  Glockenguß  erfunden  haben.  Die  Kirche 
in  Cimitile  bei  Nola  rühmt  sich,  den  „ältesten  Glockenturm  in  der  Christen- 
heit zu  besitzen''.  Ein  sicherer  Nachweis  über  die  Eründung  des  Glocken- 
gusses ist  nicht  zu  erbringen. 

130  ZmIiiim  von  Panopolis  gibt  der  chemischen  Forschung  einen  großen  Auf- 
schwung durch  Verbesserung  der  Destillation  sowie  der  metallurgischen 
Prozesse.  Durch  ihn  kommt  die  Bezeichnimg  „Chemie"  in  allgemeinen 
Gebrauch. 

447  Cassius  Ftllx,  lateinischer  Übersetzer  ärztlicher  Schriften,  gibt  an,  daß 
die  Verletzung  der  einen  Himhälfte  Lähmung  der  entgegengesetzten  Körper- 
hälfte bedingt. 

—     41     — 


450 

450   (NympMtr  spricht  sohon  von  den  —  später  so  genannten  —  art« 
Bronnen  in  Ägypten,  die  eine  Tiefe  von  200  bis  500  Ellen  bätt 
das  Wasser  über   der  Erdoberfläche  ausgössen,   woselbst  man  es 
rieselung  der  Äcker  benutze.    (Vgl.  auch  320  v.  Chr.  und  168  v.  C 

500    Der  indische  Astronom  Arya-Bhatta  fördert  die  Algebra  derart,  dal 
der  Vater   der  indischen  Algebra  bezeichnet  werden   muß.    Er  ^ 
Verfahren   zum  Ausziehen   von  Quadrat-  und  Eubikwurzdn  an, 
mit  dem  gegenwärtig  gebräuchlichen  fast  völlig  übereinstimmt. 

—  Der  Ostgotenkönig  Thtoitrich  baut  einen  Aquädukt  bei  Spoleto 
Provinz  Umbrien,  der  bei  89  m  Kämpferhöhe  aus  zwei  Stockwerl 
10  unteren  Öffnungen  von  je  21,4  m  Spannung  und  30  oberen 
besteht. 

510  Anicius  Manlius  Severinus  Beltliliis  gibt  in  seiner  Schrift  „De  i 
eine  ausführliche,  aber  zumeist  auf  ältere  griechische  Schriftsteller  g 
Abhandlimg  über  die  Musik. 

520  Der  Philosoph  SlmpHdiit  spricht  den  Gnmdsatz  aus,  das  Nichther 
der  himmlischen  Körper  werde  dadurch  bewirkt,  daß  der  Umschw 
Zentrifugalkraft)  die  Oberhand  habe  über  den  Zug  nach  unten  (di 
FaUkraft). 

525  Der  Architekt  Anthtmlot  von  Tralles  in  Lydien  ist  wahrscheinl 
Verfasser  des  „Fragmentum  mathematicum  Bobiense",  in  welcl 
Ermittelung  des  Brennpunktes  der  Parabel  behandelt  ist. 

—  Der  römische  Abt  DIonysliis  Exlfuut  wendet  in  seiner  Ostertafel  vo 
525  an  Stelle  der  Diocletianischen  Aera  (s.  284)  zuerst  die  nach 
nannte  Dionysische  Aera  an,  und  wird  damit'  der  Begründer  der  1 
christlichen  Zeitrechnung.  Das  erste  Jahr  derselben  läuft  vom  1 
bis  31.  Dezember  754  nach  Gründung  Eoms.  Die  Geburt  Chrii 
Dionysius  auf  den  25.  Dezember  des  Jahres  1.    (Vgl.  715  Beda.) 

532  Während  die  Nachricht,  daß  Archimedes  bei  der  Belagerung  von 
die  feindlichen  Schiffe  durch  Brennspiegel  in  Brand  gesteckt  h 
irrig  bezeichnet  werden  muß,  berichtet  AnthMnlot  von  Tralles  (i 
Schrift  „Tlegi  jiaQado^wv  fj.rixavY)^tdio}v**)^  daß  man  im  Altertum  ta^ 
wiederholt  versucht  hat,  feindliche  Schiffe  mit  großen  Brennspie 
zuzünden,  die  aus  einer  großen  Zahl  kleiner  Planspiegel  zusamm^ 
waren.    (Vgl.  auch  1747  B.) 

532—537    Anthemlot  von  Tralles  und  Itidorol  von  Milet    erbauen   im 
Justinians  die  Sophienkirche  in  Konstantinopel,  die  mit  ihrer  32  i 
Kuppel  für  viele  Kirchenkuppeln  des  Abendlandes  vorbildlich  wird 
dem   dieselbe   558  infolge  eines  Erdbebens  eingestürzt  war,  wird 
Isidoros  aufs  neue  hergestellt. 

536    Der  Feldherr  Justinians  Btlltar  legt  während  der  Belagerung  Ron 
die  Ostgoten  unter  Vitiges  die  ersten  öffentlichen  Schiffsmühlen 
Tiber  an.     (Vgl.  80  v.  Chr.  Mithridates.) 

550  Aitliit  von  Amida  erwähnt  zuerst  die  Nelken,  die  übrigens  schon 
alten  Ägyptern  bei  podagrischen  Beschwerden  und  als  magenst 
Mittel  gebraucht  wurden.  Paulus  von  Aegina  bemerkt,  daß  sie  V4 
indischen  Baume  kämen  und  nicht  nur  als  Medikament,  sond^ 
zum  Würzen  der  Speisen  geeignet  seien. 

—  Altlut  erörtert  in  seinem  Werke  „Jatrica**  die  von  ihm  beol 
Epidemien  und  die  zu  gleicher  Zeit  aufgetretenen  Epizooüen, 
wähnt,  daß  die  Pest  auch  die  Tiere  befallen  könne. 

—  Aitlut  gibt  an,  daß  im  Verlauf  der  Erhärtung  von  Nieren  WaJ 
eintrete. 

—     42 


schreibt  über  Geburtshilfe  und  ist  der  erste,  der  ausdrücklich  von 
der  Wendung  auf  die  Füße  spricht.  Dieses  Verfahren  gerät  in  Vergessen- 
heit und  wird  erst  um  1280  von  Amoldus  Villanovanus  und  um  1507 
von  Antonio  Benivieni  wieder  geübt. 

Alnamtar  von  Tralles  führt  den  Rhabarber  als  Heilmittel  ein. 
Der  griechische  Geschichtsschreiber  Prokopiot  von  Cäsarea  erwähnt  zuerst 
die  Mitternachtssonne.    £r  berichtet  darüber,   daß   auf  der  Insel  Thule 
(d.  i.  Skandinavien)  die  Sonne  im  Sommer  40  Tage  lang  auch  um  Mitter- 
nacht über  dem  Horizonte  bleibt. 

Der  Kaiser  Jusflnlan  bemüht  sich,  die  Seidenzucht  in  Griechenland  ein- 
zuführen und  errichtet  großartige  Maulbeerplantagen  im  Peloponnes,  wo- 
von derselbe  den  Namen  „Morea"  erhält. 

Das  dem  oströmischen  Kaiser  Mauiiklot  zugeschriebene,  12  Bände  um- 
fassende Werk  über  das  Kriegswesen  („Ars  militaris'*)  erwähnt  zuerst  den 
Steigbügel.  Die  Alten  kannten  den  Steigbügel  nicht.  In  allgemeinen 
Gebrauch  gekommen  ist  er  erst  zur  Zeit  des  Kaisers  Otto  I. 
Die  ChlMm  drucken  zuerst  Bilder  und  Schrift  von  Holzstöcken.  Von 
ihnen  gelangt  diese  Kunst  durch  die  Araber  nach  Europa.  Arabische 
Drucke  auf  Papier,  die  bis  1000  n.  Chr.  zurückreichen,  finden  sich  in  der 
Papyros-Sammlimg  des  Erzherzogs  Rainer. 

VflMnlivs  Fortunafus  (Venance  Fortun  at),  Bischof  von  Poitiers,  erwähnt 
zuerst  die  Chrotta  (Crowd,  Crouth),  ein  altbritannisches  3-  oder  6  saitiges 
Streichinstrument,  mit  Schaulöchern  und  Steg,  das  sich  von  den  im 
9.  Jahrhundert  auftretenden  anderweitigen  Streichinstrumenten  (Lyra, 
Rubeba,  Viella)  durch  einen  vom  Wirbelkopf  auf  beiden  Seiten  zum 
Schallkörper  hinabreichenden  Bügel  unterscheidet. 

Nach  Forschtmgen  von  Stanislas  JuUen  scheint  das  Porzellan  in  China 
unter  einem  Kaiser  der  Dynastie  Tanf  erfunden  zu  sein. 
Meliiiimiad  flieht  am  vierten  Tage  des  ersten  Eabia  (d.  i.  am  20.  Juni  622) 
von  Mekka  nach  Medina.  Nach  dieser  Flucht  (Hidschrat  ar  nah!  — 
Hedschra)  datiert  die  mohammedanische  Zeitrechnung.  Die  Einführung 
dieser  Aera  erfolgt  17  Jahre  später  durch  den  Kalifen  Omar,  wobei  ihr 
Anfang  auf  den  15.  JuU  622  verlegt  wird. 

IMorus  Hispalensis  gibt  die  erste  positive  historische  Kunde  vom  Ge- 
brauche des  Hopfens  zur  Bierbereitung. 

IMorus  Hispalensis  erwähnt  die  Eisengallustinte,  indem  er  angibt,  daß 
man  Galläpfel  zur  Tinte  (ad  incaustum)  verwende. 

Isidtnis  Hispalensis  gedenkt  zuerst  in  der  von  ihm  herausgegebenen 
Enzyklopädie  „Originum  s.  etymologiarum  libri  XX"  der  Feder  als  Schreib- 
werkzeugs. 

IMorns  Hispalensis  führt  die  Benennung  „Alumen''  für  Alaun  auf  die  An- 
wendung dieser  Substanz  zum  Färben  zurück:  „Alumen  vocatur  a  lumine, 
qnod  lumen  coloribus  praestat  tingendis*'. 

Obwohl  das  indische  Zuckerrohr  bereits  zur  Zeit  Alezanders  d.  Gr.  im 
Abendlande  bekannt  war,  findet  sich  die  erste  Erwähnung  des  aus  dem 
Zuckerrohre  gewonnenen  festen  Zuckers  erst  i.  J.  627  n.  Chr.,  in  welchem 
Jahre  der  oströmische  Kaiser  Herakilos  auf  seinem  Feldzuge  gegen  den 
Perserkönig  Chosroes  II.  bei  der  Zerstörung  eines  persischen  Königs- 
BchloBses  u.  a.  auch  Rohr-Stückzucker  erbeutet. 
l  Der  indische  Mathematiker  Bralimagupta  gibt  in  seiner  Schrift  „Brähma- 
sphuta-siddhänta*'  zahlreiche  Lehren  der  Mathematik,  entwickelt  die 
Elemente  der  Trigonometrie  unter  Beifügung  einer  den  späteren  Sinus- 
tafeln entsprechenden  Tafel  und  berechnet  den  Inhalt  des  Kreis  Vierecks. 
Er  kennt   bereits   die   symbolische  Positionsarithmetik,    welche   den   er- 

—     43     — 


645 

höhten  Wert  der  einzelnen  Ziffern  durch  ihre  Stellung  andeutet, 
der  Null  bedient,  die  fehlenden  Stellen  auszufüllen,  wenngleich  € 
mäßige  Durchbildung  des  Systems  bei  Brahmagupta  noch  fehlt. 
645    Der  arabische  Feldherr  Ainr  Ikn  tl  An  stellt  unter  Benutzung  von 
die  bereits  unter  Kaiser  Trajan  begonnen  waren  (vgl.  auch  12£ 
Ramses  IL    imd   610  v.  Chr.   Necho),   einen   Schiffahrtskanal 
Kairo  tmd  d^m  Roten  Meere  her,  und  benutzt  ihn  zu  Getreidetri 
zwischen  £1  Fostät  (Alt- Kairo)  und  Kolzum. 
650    Der  arabische  Arzt  Ahroun  erwähnt  zuerst  mit  Sicherheit  die  Mi 
die  dann  insbesondere  von  Isaak  Ibn  Amran  um  900  genauer  b€ 
wird. 
660    Paulus  von  Afgina  erweitert  den  Kreis  der  seit  alten  Zeiten  (s.  40< 
gegen  Verbrennung  (Combustio)  gebrauchten  Mittel  durch  eine  ^ 
zahl  von  Stoffen,  die  vor  allem  bezwecken,  einen  schützenden  un< 
den  Überzug  herzustellen. 
—    Paulus  von  Atglna  ist  nächst  den  Hippokratikem  der  erste  Sek 
der   die  Operation   der   Herausnahme  der  Nasenpolypen  beschi 
beschreibt  femer  die  Staphyllotomie,  Tonsillotomie,  Paraoentese  c 
leibes    und  die    operative  Beseitigung  des  Verschlusses  der  V 
Vagina.    Daß  er  die  Gelenkresektionen  gekannt  hat,  steht  auße 
678    Wie  Theophanes  berichtet,  erfindet  der  griechische  Baumeister 
von  Heliopolis  einen  Brandsatz   von  außerordentlicher  Wirksam 
in  dem  Kampf  der  Oströmer  gegen  die  Araber  —  namentlich  in 
Schlacht  bei  Kyzikos  —  von  entscheidender  Bedeutung  wird. 
Wirkung   dieses  „griechischen  Feuers"  {JIvq  vygov  oder  Jlvg  ^akc 
ruht  darauf,  daß  Kallinikos  den  bisher  angewendeten  Brandstoffe 
Pech,   Schwefel,   Erdöl  u.  dgl.  —  vgl.  auch  424  v.  Chr.  Thuky< 
V.  Chr.  Aeneas  und  390  n.  Chr.  Ammianus  Marcellinus)  einen  i 
standteil   (wahrscheinlich   ungelöschten  Kalk)  beimischt,   der  b 
zutritt  von  Wasser  eine  explosionsähnliche  Wirkung  hervorruft. 
681    Das  Konzil  zu  Konttantlnopel  fuhrt  die  byzantinische  Weltaera  e 
Jahresanfang   der  1.  September  und  deren  5509.  Jahr   das  erst 
Zeitrechnung  ist,  aber  vier  Monate  früher  anfängt.    Diese  Zeitrec 
bei  den  Griechen  im  Volke  vielfach  noch  jetzt  im  Grebrauch. 
715    Der  englische  Priester  Boda,  mit  dem  Beinamen  Venerabilis,    fü! 
seine  Schrift  „De  sex  aetatibus  mundi*'  die  Zeitrechnimg  des 
(s.  525)  in  die  Geschichtsschreibung  ein  und  wendet  dieselbe  auch 
Ostertafeln  an.    Erst  hierdurch  erhält  die  dionysische  Aera  ihi 
Verbreitung  und  ihre  Eigenschaft  als  allgemein  christliche  Zeit: 
Von  mitbestimmendem  Einflüsse  wird  auch  der  Umstand,  daß 
Große  zuerst  Urkunden  nach  ihr  datiert. 
745    Virflllut  von  Salzburg  stellt   eine  richtige  Ansicht  über   die  Gc 

Erde  auf. 
750  Der  arabische  Alchimist  Clebir  (Dschabir)  wendet  zuerst  die  Krysi 
zur  Beinigung  chemischer  Präparate  an  und  beschreibt  die  Filtr^ 
lehrt  den  Alaun  durch  UmkrystaUisieren  reinigen  und  auch  g« 
Alaun  herstellen.  Er  beschreibt  die  Darstellung  der  Sohwefelsäi 
Destillation  von  Alaun,  sowie  die  der  Salpetersäure  durch  Erhil 
Gemisches  von  Salpeter,  Kupfervitriol  und  Alaun,  und  entd 
Königswasser  sowie  dessen  Fähigkeit,  das  G^ld  aufzulösen, 
zuerst  den  Höllenstein  und  das  Sublimat  dar,  zu  dessen  Keii 
sich  der  Sublimation  bedient.  Er  lehrt  die  Reinigung  des  Essi 
Destillation,  kennt  den  Bleiessig  und  stellt  den  Salmiak  aus  { 
Harn  und  Kochsalz  dar. 

—     44     — 


868 

SO  Mir  kennt  den  weißen  Arsenik  (arsenige  Säure),  den  er  durch  Verbrennen 
von  Schwefelarsenik  und  Auffangen  des  Sublimats  erhält.  Er  scheint  den 
Eisenvitriol  gekannt  zu  haben;  denn  er  schreibt  vor,  kut  Bereitung  des 
ItzBublimats  „Vitriolum  rubifioatum"  zu  nehmen,  was  nur  als  gerösteter 
Eisenvitriol  gedeutet  werden  kann.  £r  versucht  zuerst  daa  Kochsalz  zum 
ehemischen  Gebrauche  zu  reinigen. 

-  Mir  lehrt  Quecksilber  mit  Grold,  Süber,  Blei,  Zinn  und  Kupfer  ver- 
binden und  erwähnt,  wie  ungleich  dasselbe  die  verschiedenen  Metalle  an- 
greift Er  stellt  Legierungen  her  und  kennt  viele  Metalloxyde,  wie  er 
TL  a.  eine  Vorschrift  zur  Herstellung  von  rotem  Quecksilberoxyd  gibt.  Er 
kennt  die  Verbindungen  der  Metallo  mit  Schwefel  und  erwähnt,  daß  Kupfer 
dnich  Schwefel  gelb,  Quecksilber  rot  gefärbt  wird.  Er  überstreut,  um  die 
Oberflächenoxydation  geschmolzener  Metallmassen  zu  verhindern,  dieselben 
mit  Griaßpulver  und  Borax. 

\S  In  einem  Schenkungsbriefe  des  Frankenkönigs  PIpin  dM  Klein«!  geschieht 
der  Hopfengärten  Erwähnung.  Es  scheint  demnach  der  Hopfen  schon 
damals,  wenn  auch  nur  in  geringem  Maße,  angebaut  worden  zu  sein. 
(S.  a.  624  I.) 

N)  Mtarin,  Bischof  von  Tours,  sendet  um  das  Jahr  800  dem  Bischof  von  Salz- 
barg „ein  Schutzdach,  damit  es  Euer  verehrungswurdiges  Haupt  vor  Regen- 
güssen bewahre".  Es  ist  dies  die  erste  geschichtliche  Erwähnung  des 
Regenschirms.     Über  den  Sonnenschirm  s.  1170  v.  Chr. 

-  Der  Däne  WulMui  erforscht  zuerst  die  baltischen  Küsten  des  heutigen 
Deutschlands. 

K>  Kirl  dar  QroSe  erläßt  das  für  die  Bewirtschaftung  seiner  Meierhöfe  wichtige 
„Capitulare  de  vlllis  vel  curtis  imperatoris". 

17  Wie  der  Biograph  Karls  des  Großen,  Einhard,  berichtet,  sendet  Harun 
d  RMCfeM  an  Kaiser  Karl  eine  Wasseruhr  (Klepsydra,  s.  450  und  230  v.  Chr.), 
die  aus  einem  Gefäß  besteht,  das  unten  so  durchbohrt  ist,  daß  das  Wasser 
in  einer  bestimmten  Zeit  abfließt. 

:0  Kirl  dar  Qnfie  führt  unter  Wiederaufnahme  der  schon  bei  den  Alten  ge- 
bräuchlichen Zwölfteüung  der  Windrose  deutsche  Bezeichnungen  für  die 
Himmelsrichtungen  ein,  nämlich:  Ostronivlnt,  OstsundronL  Sundostroni,  — 
Snndroni,  Sundwestroni,  Westsundroni,  —  Westroni,  Westnordroni,  Nord- 
weetroni,  —  Nordroni,  Nordostroni,  Ostnordroni.  (S.  Einharti  Vita  Caroli 
Magni.) 

!0  Ata  Didiahr  Mohamod  verfaßt  eine  Schrift  „System  der  Erde*'  (Basm-al- 
Ardh),  worin  jeder  Ort  nach  Länge  und  Breite  bestimmt  ist. 

17  Der  Kalif  AMailah  al  Mamun  läßt  in  der  Wüste  Sindjar  am  Boten  Meere 
eine  Gradmessung  ausführen,  bei  der  zum  ersten  Male  die  Meßkette  ge- 
braucht wird.  Seine  Sternwarte  in  Bagdad  ist  bereits  mit  Astrolabien, 
Armillarsphären  und  Quadranten  ausgerüstet. 

^  AlUHndl  macht  die  erste  Beobachtung  eines  Durchgangs  der  Venus  durch 
die  Sonnenscheibe.  Doch  wird  die  Bichtigkeit  dieser  Angabe  neuerdings 
vielfach  bestritten.  (Vgl.  1639  H.) 

K)  PacMcnt,  ein  in  Verona  lebender  Priester,  konstruiert  zuerst  Bäderuhren, 
die  durch  ein  Gewicht  in  Bewegung  gesetzt  werden.  (Vgl.  über  die  An- 
wendung von  Zahnrädern  an  Wasseruhren  230  v.  Chr.  Ktesibios.) 

K)  Der  Schwede  Gardar  Svavarsson  findet  Island  und  erkennt,  indem  er  es 
TmiBcbifN),  dessen  Inselnatur.  Nach  ihm  erhält  Island  ursprünglich  den 
Namen  „Gardarshölmi*'. 

88  Der  Benediktinermönch  OtfrM  zu  Weißenburg  im  Elsaß  erwähnt  in  seiner 
Evangehenharmonie  zuerst  die  Streichinstrumente  Leier  und  Fiedel.  („Sih 
thae  ouh  al  ruarit  —  thaz  organa  fuarit  —  Hra,  ioh  fidula  —  ioh  managfaltu 

—     45     — 


870 

suegula.**    Hochdeutsch:    ,,Da  rührt  sich  alles,   was  Instrume 

Leier  und  Fiedel  und  mannigfaltige  Pfeifen.'*) 
870    Der  norwegische   Edelmann  Othar  fährt  die  norwegische  Küsl 

nach  Norden  und  umsegelt  das  Nordkap.    Daß  er  bis  zur  Mü 

Dwina  im  Weißen   Meere  vorgedrungen  sei,   wird  in  neuerei 

stritten. 
878    Die  Araber  Wahak  und  Ak«  Md  gelangen  zu  Schiff  bis  nach  Cfa 
880    Alfrtd  dtr  QroSe  von  England  erfindet  einen  Stundenmesser,   d( 

gleichmäßig  fortschreitenden  Verkürzung  einer  brennenden  Kei 

—  Ibn  KhoNaiMi  erwähnt  zuerst  Eiautschou.  Dieser  jetzt  unansel 
nordwestlich  von  Tsingtau,  nach  welchem  das  deutsche  Pacl 
China  seinen  Namen  hat,  war  früher,  vor  der  Versandung  der  K 
bucht,  eine  blühende  Hafenstadt  und  namentlich  von  Bed< 
Zwischenplatz  des  arabischen  Verkehrs  zwischen  Schantung  un< 

—  Der  Mönch  Ratptrt  von  Sankt  Gallen  feiert  die  um  das  Jahr  87 
Frauenmünsterkirche  zu  Zürich  in  einem  Gedichte,  in  dem  er 
Deckengemälden  und  den  skulptierten  Säulen  auch  die  farbig  ges« 
Fenster  rühmt.  Da  die  betreffende  Stelle  des  Gredichts  auf 
gemalte  Fenster  hindeutet,  so  liegt  hier  das  erste  geschichtlic 
für  das  Vorhandensein  einer  eigentlichen  Glasmalerei  vor. 
Prudentius  und  999  Gozbert.) 

900  Altetefnlut  (Mohamed  AI  Batani),  arabischer  Statthalter  in  Syr 
die  Exzentrizität  der  Erdbahn  und  die  Präzession  der  Tag-  u 
gleiche.  (S.  146  v.  Chr.  Hipparchos.)  In  der  Trigonometrie  fi 
halbe  Sehne  des  doppelten  Winkels  statt  der  ganzen  Sehne  def 
Winkels  ein,  schafft  somit  diejenige  goniometrische  Funktic 
12.  Jahrhundert  „Sinus**  genannt  wird.  (Vgl.  aber  auch  638.) 
er  die  Eotangente  (Umbra  recta)  hinzu. 

910  Der  flandrische  Mönch  HuctaM  führt  die  polyphone  Musik  ein 
eine  Melodie  in  transponierter  Lage  beantwortend  wiederholet 
Prinzip,  das  später  in  der  Fuge  und  Sonate  wichtig  wird  (Dia] 

—  Nachdem  schon  in  der  altgriechischen  Musik  die  Buchstaben  z 
nung  der  Tonhöhe  benutzt  worden  waren  (Buchstabentonschri 
HuctaM  zuerst  die  lateinischen  Buchstaben  A,  B,  C,  D,  E,  F, 
Zeichnung  der  sieben  Töne  der  diatonischen  Skala  an,  worai 
mählich  die  heutige  Buchstabenbezeichnung  der  Tonleiter  enti? 

945  MaiiadI,  der  Herodot  des  Orients,  bereist  die  ganze  zu  seiner  Ze 
Welt  und  schreibt  über  dieselbe  sein  berühmtes  Werk  „Di 
Wiesen**. 

—  Manodl  beweist  zuerst  auf  experimentellem  Wege  die  schon  von 
behauptete  Verdunstung  des  Wassers  aus  dem  Meere,  indem 
dampfung  einer  Salzlösung  in  einem  Destillierkolben  feststellt 
dabei  süßes  Wasser  niederschlägt.  Der  Salzgehalt  des  Meeres  st 
ihm  von  den  Flüssen,  die  während  ihres  Laufes  Salze  und  Erd 
und  ins  Meer  hinabführen.  (Vgl.  auch  330  v.  Chr.) 

950  Der  arabische  Arzt  RhaiM  macht  wichtige  Untersuchungen  über 
und  Masern,  welche  Krankheiten  er  in  einer  eingehenden  Abht 
schreibt. 

—  RliaiM  gibt  eine  Beschreibung  der  Herstellung  des  Alkohols,  er 
nicht  einmal  dessen  Brennbarkeit.  Er  ist  der  erste,  der  eine  ( 
salbe  erwähnt. 

975  Der  Perser  Ak«  Mansur  Muwallat  verfaßt  das  Werk  „Buch  der 
logischen  Grundsätze**,  die  älteste  Arzneimittellehre  der  Perse 
selben  wird  zuerst  die  Verwendung  des  destillierten  Wassers 

—     46     — 


1000 

zeutischen  Zwecken  sowie  der  Gipsverband  zur  Heilung  von  Knochen - 
brachen  erw&hnt. 

976  Der  arabische  Greograph  Ibn  Hmikal  bereist  den  Orient  und  gibt  eine  Be- 
schreibung seiner  Reise  heraus,  die  sich  vielfach  auf  die  Berichte  von 
Balchis  (gest.  934)  und  Istachri  (um  950)  stutzt. 

980  Atal  Wthi  soll  die  zweite  große  Ungleichheit  der  Mondbahn,  die  Variation, 
gefunden  haben.  (S.  150  P.)  Er  führt  die  Tangente  (ümbra  versa)  in  die 
Trigonometrie  ein. 

—  Afeal  Wtli  konstruiert  den  ersten  Mauerquadranten,  der  an  einer  in  die 
Mittagsfläche  fallenden  Mauer  festliegt  und  für  Beobachtungen  der  Grestime 
zur  Zeit  ihrer  Kulmination  sehr  vorteilhaft  ist.  Später  wird  von  Nassir- 
Eddin  ein  solcher  Quadrant  in  Kupfer  von  etwa  37«  ni  Radius  gebaut, 
der  in  Grade  und  einz^ne  Minuten  geteilt  ist  und  eine  in  einem  stählernen 
Zapfen  drehbare  Alhidade  mit  Dioptern  besitzt. 

^    Der  Abt  Qsrtsrt  von  Rheims  (Papst  Sylvester  II.)  soU  die  Gewichtsuhren 

verbessert  haben.     (Vgl  850  Paciflcus.) 
^    Die  Nonne  HrMwHha  im  Benediktinerkloster  zu  Gandersheim  gibt  in  dem 
Drama  „Sapientia"   eine  Reihe  von  Zahlenrätseki  aus  dem  Grebiete  der 
Vielecks-  und  ähnlicher  Zahlen,  welche  als  Beitrag  zur  Entwickelung  der 
Zahlentheorie  nicht  ohne  geschichtliches  Interesse  sind. 

983  Der  von  Island  verbannte  Normanne  Erik  dtr  Roll  (Eirikr  hinn  Raudi 
Thorvaldson)  entdeckt  Grönland,  nachdem  schon  um  900  der  isländische 
Pirat  Gunnbjöm  von  den  von  ihm  entdeckten  Danellsinseln  aus  die  Süd- 
ostküste  Grönlands  gesehen  hatte. 

986  Der  Isländer  Bjame  HtrJuilMM  erblickt  als  erster  Europäer  die  Küste 
Amerikas,  indem  er  zur  Aufsuchung  seines  Vaters,  der  mit  Erik  dem 
Roten  nach  Grönland  gezogen  war,  in  die  Nähe  des  „Weinlandes",  des 
heutigen  Massachusetts  und  Rhode-Island,  gelangt,  ohne  indes  zu  landen. 

990  Die  griechische  Prinzessin  EiNhixIa  MakramMilltM,  Tochter  Kaiser  Con- 
stantins  VIII.,  beschreibt  die  Entwicklung  der  Purpurfarbe  auf  der  Wolle 
unter  der  Einwirkung  der  Sonnenstrahlen.  (Wiederentdeckt  1684  von 
William  Cole.) 

—  Ibn  Yinilt  stellt  auf  der  vom  Kalifen  Hakim  auf  dem  Berge  Mokattam  bei 
Kairo  erbauten  Sternwarte  astronomische  Beobachtungen  an  und  benutzt 
zu  seinen  Berechnungen  die  trigonometrischen  Tangenten,  für  welche  er 
die  sog.  hakemitischen  Tafeln  herausgibt.  Er  bedient  sich  zuerst  zur  Zeit- 
bestimmung der  Schwingungen  des  Pendels. 

996  Qiitart  von  Rheims  gibt  in  seinem  Werke  „De  musica  Sacra"  die  älteste 
bekannte  Abbildung  eines  Streichinstruments,  einer  einsaitigen  Lyra  von 
einer  der  späteren  Gigue  (Greige)  sehr  ähnlichen  Form. 

999  Wie  aus  einem  Briefe  des  Abtes  QeiNrt  von  Tegemsee  hervorgeht,  ist  um 
diese  Zeit  eine  Glasmalerwerkstatt  im  Kloster  zu  Tegernsee  eingerichtet, 
in  der  sich  die  Klosterschüler  auf  die  Herstellung  gemalter  Fenster  ver- 
stehen. Über  das  erste  geschichtliche  Zeugnis^  für  die  Glasmalerei  vgl. 
880  Ratpert 
1000  MtHM  der  Jüngere  spricht  von  den  der  Cassiagattung  zugehörigen  Sennes- 
blättem,  von  denen  er  zwei  Arten  kennt.  Die  Sennesblätter  werden  gegen 
Augenleiden  und  Lepra,  später  auch  als  Abführmittel  benutzt. 


—     47     — 


Elftes  bis  fünfzehntes  Jahrhundert. 


1001  Der  Normanne  Mff,  Sohn  Erik's  des  Koten  (s.  983),  wird  auf  einer  Fah 
nach  Grönland  an  die  Küste  von  Labrador  —  von  ihm  Helluland  genam 
—  verschlagen,  und  scheint  längs  der  Küste  von  Neufundland  und  Nei 
Schottland  bis  in  die  Gegend  des  heutigen  New  York  gelangt  zu  sdj 
(S.  a.  986.) 

1010  All  fern  Im  verfaßt  das  beste  Werk  des  Mittelalters  über  Augenkrankheitei 
Er  soll  bei  schmerzhaften  Operationen  betäubende  Mischungen  zur  Lind 
rung  des  Schmerzes  benutzt  haben,  die  vermutlich  aus  Mandragora  m\ 
Opium  bestanden.    (S.  a.  64,  Dioskorides.) 

1020  Der  Araber  Avietnna  (Ibn  Sina)  stellt  die  Lehre  auf,  dafi  die  Verstein 
rungen  lediglich  Produkte  der  sog.  „Vis  plastica"  seien,  eines  der  Nati 
innewohnenden  Triebes,  Organisches  aus  Unorganischem  zu  erzeugen,  w' 
bei  ihr  aber  die  Kraft  gefehlt  habe,  ihre  Schöpfungen  zu  beleben,  l) 
Theorie  der  Vis  plastica  hat  trotz  Widerspruch  (s.  1517  Fracastoro)  lan( 
Zeit  hindurch  gegolten.   ■ 

—  Avietnna  behandelt  in  seinem  berühmten  „Canon  medicinae"  die  Kuni 
der  Zusammensetzung  der  Medikamente. 

—  Avietnna  kennt  bereits  die  Kockelskömer,  die  zu  seiner  Zeit  zur  Tötui 
von  Ungeziefer  benutzt  werden. 

1025  Alblranl  (Abul  Itihän  Mohamed  ben  Ahmed)  fördert  die  sphärische  Trig< 
nometrie  und  summiert  die  geometrische  Reihe,  wobei  er  das  Beispiel  di 
Schachfelderprogression  wählt,  die,  mit  Eins  beginnend,  auf  jedem  folge) 
den  Felde  eine  Verdoppelung  vorschreibt.  Er  löst  die  Aufgabe  der  Drc 
teilung  des  Winkels  mittels  der  Konchoide. 

—  Der  Benediktinermönch  QuMo,  genannt  Guido  von  Arezzo  (nach  neaerc 
Forschungen  jedoch  gebürtig  aus  der  G^end  von  Paris),  verschmilzt  ä 
zu  seiner  Zeit  vorhandenen  unvollkommenen  Elemente  der  Musiknotei 
Schrift,  und  erfindet  ein  Notensystem,  das  die  Grundlage  der  heutige 
Notation  bildet.  Er  fügt  der  schon  vor  ihm  vorhandenen  roten  f-Lii^ 
und  der  gelben  c-Linie  zwei  schwarze  Linien  hinzu,  schreibt  die  Not^ 
sowohl  auf  als  auch  zwischen  die  Linien,  und  macht  die  Tonhöhe  durc 
vorgesetzte  Schlüsselbuchstaben  leicht  erkennbar. 

1030  Der  Araber  AIhtztn  (Ibn  al  Haitam)  macht  sich  eine  richtige  Vorstellnl 
vom  Druck  der  Luft,  dessen  Existenz  schon  Aristoteles  kannte. 

—  Alhaztn  berechnet  zuerst  aus  den  in  dem  Augenblick,  wo  die  Sonne  soeb« 
untergegangen  ist,  noch  beleuchteten  Wolken  die  Höhe  der  Atmosph&ri 
Nach  demselben  Verfahren  machen  später  Kepler,  Delahire  und  Mariotl 
selbständige  Bestimmungen,  die  eine  Höhe  von  60—80  km  ergeben. 

—     48     — 


1100 

Bpricht  ganz  bestimmt  aus,  daß  nicht  das  Auge  die  Quelle  des 
Lichtes  sei,  sondern  daß  das  licht  von  den  leuchtenden  Gegenständen  aus- 
gehe. Er  wendet  zuerst  eigentliche  Linsen,  und  zwar  in  der  Form  von 
Kugelsegmenten,  als  Vergrößerungsgläser  an  und  kennt  die  Lage  des 
Brennpunktes  bei  Hohlspiegeln.  Er  macht  eingehende  Untersuchungen 
über  die  Beflexion  und  über  die  Brechung  des  Lichtes. 
Der  griechische  Schriftsteller  SuMat  kennt  den  Vorgang  des  Anlassens  des 
Stahls  in  ÖL    (Vgl.  auch  800  v.  Chr.) 

Thatphilut  Presbyter  gibt  in  seiner  „Schedula  diversarum  artium"  die  erste 
Vorschrift,  das  Trocknen  des  Leinöls  auf  dem  Wege  des  Kochens  zu  be- 
schleunigen. 

TlMOpliilut  Presbyter  beschreibt  in  seiner  ,,Schedula  diversarum  artium*' 
die  Herstellung  des  Tafelglases  durch  Blasen  und  Strecken,  ohne  zu  er- 
wähnen, daß  es  sich  dabei  um  etwas  Neues  handelt.  In  der  von  ihm 
beschriebenen  Herstellungsart  erkennt  man  leicht  die  Anfänge  der  Fabri- 
kation des  Zylinder-  und  Walzenglases,  die,  allmählich  vervollkommnet, 
jetzt  wieder  das  übliche  Verfahren  für  Gewinnung  des  Tafelglases  ist. 
TNoplilliis  Presbyter  begründet  die  Glasmalerei  auf  technisch- wissenschaft- 
licher Grundlage.  (Über  die  ersten  Anfänge  vgl.  405  Prudentius,  880 
Ratpert,  und  999  Gozbert.)  Seine  Darlegungen  lassen  erkennen,  daß  die 
Glasmaler  jener  Zeit  zugleich  Glasmacher,  Farben  verfertiger,  Karton- 
zeichner und  Glaser  waren.  Theophilus  bedient  sich  ausschließlich  des 
gleichmäßig  gefärbten  Hüttenglases,  auf  welches  Umrisse  und  Schatten 
mit  „Schwarzlot"  (Kupferoxyd  mit  pulverisiertem  blauen  und  roten  Glase) 
aufgetragen  und  alsdann  eingebrannt  werden.  Das  Zuschneiden  der 
Glasstücke  erfolgt  mit  einem  glühenden  Eisen.  (Das  Glasschneiden  mit 
dem  Diamanten  kommt  erst  im  16.  Jahrhimdert  in  Gebrauch.) 
Der  Araber  OMd  •!  Btkrl  schreibt  die  erste  Geographie  der  afrikanischen 
Negerl&nder. 

Mmii  von  Bremen,  der  erste  deutsche  Geograph,  gibt  in  seinen  „Gesta 
Hammaburgensis  ecclesiae  pontificum'*  eine  Beschreibung  von  Dänemark, 
Skandinavien  und  Rußland. 

Simon  8«fli  erwähnt  zuerst  in  Europa  den  Kampfer,  der  aus  dem  Holz 
des  auf  Formosa  und  in  Japan  vorkommenden  Kampferbaums  gewonnen 
wird,  indem  man  das  zerschnittene  Holz  mit  Wasserdampf  behandelt  und 
die  Dämpfe  in  passenden  Gefäßen  verdichtet. 

Der  Araber  Omar  Alchaljaml  löst  kubische  Gleichungen  mit  Hufe  der 
Durchschnitte  zweier  Kegelschnitte,  behandelt  überhaupt  zuerst  Gleichun- 
gen von  höherem  als  dem  zweiten  Grade  systematisch,  und  unterscheidet 
zwischen  arithmetischer  und  geometrischer  Auflösung  der  Gleichungen. 
£r  findet  die  Binomialreihe  für  ganze  positive  Exponenten. 
Alnliaravl,  ein  arabischer  Arzt,  erwähnt  zum  ersten  Male  die  Bluterkrank- 
heit (Haemophilie,  wie  Schönlein  die  Krankheit  nennt)  und  bezeichnet 
als  deren  Hauptsymptom  die  tödliche  Blutung,  selbst  nach  den  geringsten 
Veiletzangen. 

AMcttit  empfiehlt  die  Trepanation  bei  Frakturen  und  Fissuren  des  Schädel- 
gewölbes. Als  Bohrer  verwendet  er  den  gewöhnlichen  Perforativtrepan. 
AMcailt  schreibt  ein  berühmtes  Werk  über  chirurgische  Operationen  und 
das  Buch  „Servitor**  über  die  Bereitung  der  Arzneien. 
Der  Benediktiner  TiMOpIliliit  beschreibt  zuerst  die  Technik  des  Glocken- 
gusses, wonach  man  erst  den  Lehmkern  formt  und  eine  Fettschicht  so  dick 
auf  denselben  aufträgt,  daß  der  Fettmantel  dem  spätem  Metall  der  Glocke 
entspricht.  Auf  den  Fettmantel  wird  wieder  Lehm  aufgetragen,  das 
Ganze  mit  Eisenreifen  umgeben  und  in  die  Gießgrube  gesenkt.  Das  Fett 
DarmBtaedter.  4 

—     49     — 


1101    - 

wird  alsdann  herausgesohmolzen  und  die  Glockenspeise  in  den  entstande- 
nen Hohbaum  gegossen. 

1101  König  Heinrich  I.  von  England  ersetzt  die  damals  als  Normalmaß  übliche 
Elle  (Gyrd)  durch  die  Länge  seines  Armes  bis  zur  Spitze  des  Mittel- 
fingers (Yard). 

1113  Wie  J.  Büttgenbach  mitteilt,  spricht  bereits  die  Chronik  des  Klosters 
Kiotturroda  im  Herzogtum  Limburg  von  einem  dort  durch  die  Mönche  be- 
triebenen Steinkohlenbergbau,  so  daß  keinenfalls  der  Hu&chmied  Hulloz 
oder  H Ullas  in  Lüttich,  der  1198  Steinkohle  gefördert  haben  soU,  als  der 
erste  Verwender  derselben  zu  betrachten  ist. 

1115  Der  Kaiser  Heinrich  V.  verleiht  der  Stadt  Bremen  das  Recht,  Tonnen  in 
der  Weser  auszulegen  und  Baken  daselbst  aufzustellen.  Von  da  datiert 
die  planmäßige  Ausstattung  der  Nord-  und  Ostseeküste  mit  Seezeichen, 
obwohl  man  an  der  guten  Bezeichnung  der  Küstenuntiefen  u.  d^.  damals 
kein  aUgemeines  Interesse  hatte,  da  jedes  gestrandete  Schiff  Eigentum 
der  Strandbewohner  war. 

1121  Der  arabische  Gelehrte  Alkhazlni  konstruiert  eine  sehr  empfindliche  Schnell- 
wage,  die  er  unter  dem  Namen  „Wage  der  Weisheit"  beschreibt.  (S.  a. 
1400  V.  Chr.)  Er  untersucht  daa  spezifische  Gewicht  der  Flüssigkeit^ 
mittelst  eines  Araeometers,  das  ähnlich  dem  des  Synesios  war,  und  wendet 
zur  Bestimmung  des  spezifischen  Gewichts  auch  ein  Gefäß  an,  das  als 
erstes  Pyknometer  zu  bezeichnen  ist,  und  welchem  Homberg  (s.  1699) 
die  noch  jetzt  übliche  Form  gibt. 

1126  Im  Karthäuserkloster  zu  Lillers  in  der  Grafschaft  Artois  wird  der  erste 
Tiefbrunnen  Mitteleuropas  erbohrt.  Derartige  Brunnen,  seitdem  „arte- 
sische" genannt,  waren  indes  schon  im  Altertum  bekannt.  (Vgl.  320  und 
168  V.  Chr.,  460  n.  Chr.) 

1139  Die  zuerst  im  9.  Jahrhundert  erwähnte  Armbrust  erfährt  in  den  folgen- 
den Jahrhunderten  eine  wesentliche  Vervollkommnung  und  wird  von 
so  bedeutender  Wirkung,  daß  ihr  Gebrauch  gegen  Christen  auf  dem  von 
Papst  InnoMUZ  il.  berufenen  zweiten  lateranischen  Konzil  verboten  wird. 

1140  Johanntt  von  tevllla  (Johannes  Hispalensis)  gibt  in  der  von  ihm  veran- 
stalteten Übersetzung  eines  von  einem  imbekannten  Verfasser  herstammen- 
den arabischen  Mathematikwerkes  ein  Verfahren  an,  die  Quadratwurzel 
mit  Hufe  von  Brüchen  auszuziehen,  die  mit  den  späteren  Dezimalbrüchen, 
wenn  auch  nicht  in  der  Schreibweise,  so  doch  dem  Sinne  nach  überein- 
stimmen. 

1160  Die  von  Albreeht  dam  Birsn  zwischen  1150  und  1160  in  der  Altmark  und 
im  Havellande  angesiedelten  niederländischen  Kolonisten  bringen  an  Stelle 
des  in  Mitteldeutschland  bis  dahin  bevorzugten  Baus  mit  natürlichen 
Steinen  die  Ziegelfabrikation  omd  den  Ziegelsteinbau  in  Aufnahme  und  zu 
hoher  technischer  Vollkommenheit. 

—  AvMliMr  bereichert  durch  seine  Arbeiten  die  innere  Medizin  und  die 
Chirurgie. 

—  Der  indische  Mathematiker  Bhaskara  Acarya  kennt  die  Anzahl  der  Kom- 
binationen von  n  Elementen  zur  p-ten  Klasse  ohne  Wiederholung,  femer 
die  der  Permutationen  einer  gegebenen  Elementengruppe  mit  und  ohne 
Wiederholung. 

—  Die  Zisterzienser  Mönche  des  Klosters  Chlaravalle  bei  Mailand  machen  die 
erste  Anwendung  der  Abfallwässer  zur  Berieselimg  von  Wiesen. 

—  Nicolaus,  Vorsteher  der  Schule  in  Salerno,  schreibt  ein  Dispensatorium  mit 
160  zusammengesetzten  Arzneiformeln  mit  Angabe  der  medizinischen 
Kräfte  und  der  Gebrauchsweise,  Antidotarium  genannt,  welches  als  die 
erste  europäische   Pharmakopoe   anzusehen  ist.     (Vgl.  975.)    Er  ist  der 

—     50     — 


1210 

erste,  der  der  Schlafechw&mme  Erwähnung  tut,  das  sind  Schwämme,  die 
mit  naxkotisGhen  Pflanzensäften  getränkt  und  getrocknet  wurden  und 
dann,  bevor  man  aie  zur  Inhalation  gebrauchte,  in  warmem  Wasser  an- 
gefeuchtet wurden.     (S.  a.  1010.) 

1153  Etfrfsl  (Scherif  al  Edrisi)  schreibt  ein  großes  geographisches  Werk  über 
Nubien  „Greographia  nubiensis**,  in  dem  er  mehrere  für  die  allgemeine 
Auffassung  der  Verteilung  tierischer  Formen  auf  der  Erdoberfläche  nicht 
unint-eressante  Angaben  macht.  Doch  weist  das  meiste,  wie  überhaupt 
die  gesamten  zoologischen  Kenntnisse  der  Araber,  noch  auf  Aristoteles  hin. 

1160  AwtffTfeoBt  beobachtet  zuerst  in  Marokko  Sonnenflecke.  Freilich  sind  auch 
in  den  chinesischen  Annalen  viele  Sonnenflecke  erwähnt,  die  mit  bloßem 
Auge  gesehen  und  als  „Raben  in  der  Sonne*'  bezeichnet  wurden. 

—  Awwiliafa  erkennt  zuerst  die  lichtwahmehmende  Funktion  der  Netzhaut. 

—  Benevenutus  Qrapheiis  schreibt  über  Augenheilkunde  und  ist  der  be- 
deutendste Star- Operateur  seiner  Zeit. 

1167  Der  Sultan  Nuraddin  richtet  nach  Eroberung  von  Ägypten,  um  eine  Ver- 
bindung mit  den  Städten  seines  großen  Reiches  zu  haben,  eine  ständige 
Verbindung  vermittels  abgerichteter  Brieftauben  ein  und  dehnt  diesen 
Luftpostverkehr  auch  auf  ganz  Syrien  aus.  Seine  Nachfolger  halten  diese 
Einrichtung  bis  zur  Zerstörung  Bagdads  durch  die  Mongolen  aufrecht. 

1180  Rtpr  von  Parma  (Ruggiero),  der  bedeutendste  Wundarzt  der  Salemi- 
tanischen  Schule,  behandelt  in  seiner  „Practica  chirurgiae"  die  Lehre  von 
der  Wnndheilung. 

1181  Der  provenzalische  Troubadour  Guyot  ito  Provins  beschreibt  in  seinem 
satirischen  Gedichte  „La  bible"  eine  Wasserbussole,  bestehend  aus  einer 
auf  Strohhalmen  schwimmenden  Magnetnadel,  —  die  älteste  verbürgte 
Nachricht  im  Abendlande  über  die  Verwendung  des  Magneten  zur  Be- 
stimmung der  Himmelsrichtung.  Ob  hier  eine  selbständige  Erfindung 
vorliegt,  oder  das  Verfahren  durch  Vermittelung  der  Araber  von  den 
Chinesen  übernommen  ist,  ist  nicht  festzustellen.  Daß  die  Araber  um  das 
Jahr  854  den  Kompaß  gekannt  haben,  ist  nach  E.  Wiedemanns  Forschun- 
gen unzweifelhaft. 

1185  8axo  Gfimniatteus  gibt  die  erste  Nachricht  von  dem  Geysirn  auf  Island. 
„In  Island  ist  eine  Quelle,  welche  durch  die  Kraft  dampfenden  Wassers 
die  natürliche  Beschaffenheit  aller  Gegenstände  ändert.  Waa  von  dem 
dampfenden  Wasser  berührt  wird,  wird  hart  wie  Stein." 

1198  Der  schon  im  Altertume  (bei  Salomo,  Homer,  Hippokrates  u.  a.)  erwähnte 
Safran  wird  durch  die  Kreuzfahrer  nach  dem  Abendlande  gebracht 
und  nach  Österreich  durch  einen  Ritter  von  Rauhonast  im  Jahre  1198  ein- 
geführt. 

1200  AM-«l-L0tlf  lehrt  in  Kairo  und  Damaskus  Medizin  und  tut  den  Ausspruch, 
daß  selbst  Galens  Angaben  gegenüber  der  eigenen  Beobachtung  zurück- 
stehen müssen. 

1202  FHonaccI  (Leonardo  von  Pisa)  führt  den  Gebrauch  der  indischen,  soge- 
nannten arabischen  Ziffern  im  Abendlande  ein  und  spricht  in  seinem  „Liber 
abaci"  zum  ersten  Male  die  Reihensummationsformel  allgemein  in  Worten 
aus.  Er  behandelt  auch  die  geometrischen  Reihen,  wenn  auch  nicht  in 
derselben  Allgemeinheit  wie  die  arithmetischen,  imd  stellt  zum  ersten 
Male  Aufgaben  über  die  Zinseszinsrechnung  auf. 

1210  Der  Dauphin  Humtort  II.  von  Savoyen  hält  sich,  wie  berichtet  wird,  längere 
Zeit  in  Brandes  in  der  Auvergne  auf,  um  zur  Wiederherstellung  seiner 
Gesundheit  die  frische  Luft  der  Berge  einatmen  zu  können.  Es  ist  dies 
eines  der  ersten  geschichtlich  überlieferten  Beispiele  einer  Luftkur. 

4* 

—     51     — 


1210 

1210  Der  Erfinder  des  Fingerhuts  ist  unbekannt.  Die  erste  Erwähnung  des 
Fingerhuts  geschieht  bei  Walter  von  der  Vogeiwelde,  der  bei  dem  Anblicke 
einer  Fingerhutblume  eines  anderen  Fingerhuts  gedenkt,  „der  schmückte 
den  schönsten  Finger*'.  Da  hiernach  damals  auch  der  botanische  Finger- 
hut (Digitalis)  unter  diesem  Namen  bereits  allgemein  bekannt  war,  muß 
die  Erfindung  des  Fingerhuts  zeitlich  sehr  viel  weiter  zurückliegen. 

1220  Flbonaccl  gibt  in  seinem  Werke  „Practica  geometriae'*  einen  Wert  für 
71  =  1440  :  458V8  (=  3,1418).  Zwei  andere  Schriften  („Liber  quadratomm" 
und  „Flos")  behandeln  die  Gleichungen.  Von  besonderem  Interesse  ist 
die  Lösung  der  kubischen  Gleichimg  x*-f-2x2_|_  i0x  =  20,  für  die  Pibo- 
nacci  den  außerordentlich  genauen  Näherungswert  x  =  1^22^  7'^  42™  33'^ 
4V  40  VI  angibt,  leider  ohne  zu  verraten,  wie  er  ihn  erhielt. 

—  Hugo  von  Lucca  führt  eine  einfache  und  rationelle  Wundbehandlung  ein, 
wegen  deren  er  „Vir  mirabilis"  genannt  wird.  Er  und  sein  Sohn  Theo- 
derich  sollen,  wie  Guy  de  Chauliac  berichtet,  ihre  Patienten  bei  Opera- 
tionen in  primitiver  Weise,  wahrscheinlich  mit  Schlaf  schwämmen  (s.  1160N.), 
narkotisiert  haben.  Für  diese  einfache,  schonende  Methode  der  Wund- 
behandlung tritt  auch  Henri  deMondeville  mit  Entschiedenheit  ein.  (S.  1320.). 

—  Jordanus  Nemonurlus,  Ordensmeister  der  Dominikaner,  verfaßt  mehrere  für 
die  Entwicklimg  der  Arithmetik  und  der  gesamten  Mathematik  bedeut- 
same Schriften,  darunter  „Arithmetica  decem  libris  demonstrata",  „De 
triangulis'*,  „Tractatus  de  sphaera"  u.  a.  Er  gibt  neue  Methoden  zur 
Lösung  algebraischer  Gleichungen  an. 

1226  Raymundus  Lullus  lehrt  die  Salpetersäure  durch  Destillation  einer  Mischung 
von  Ton  und  Salpeter  darstellen. 

1228  Nachdem  das  im  Altertume  vielfach  geübte  Veredeln  der  Bäume  und 
Sträucher  durch  Pfropfen  später  in  Vergessenheit  geraten  war,  erwähnt 
im  Mittelalter  zuerst  Freidank  (in  seiner  „Bescheidenheit")  dieses  Verfahren 
wieder.  („Wer  linden  zwiget  —  zweiget,  d.  i.  propfet  —  üf  den  Dorn,  der 
hat  ir  beider  reht  verlorn.") 

—  Im  Staatsarchiv  zu  Wien  befindet  sich  eine  Urkunde  des  Kaisers  FrlMMch  II., 
betreffend  die  Entscheidung  der  Streitigkeiten  des  Klosters  Goß  mit  dem 
Herzog  von  Kämthen,  eine  der  ältesten  noch  vorhandenen  Urkunden  auf 
Papier.  Das  Papier  ist  im  vorliegenden  Falle  ein  mit  Leinenfasem 
(Leinenlumpen)  gemischtes  Baumwollenpapier. 

1232  Der  Sultan  Salailn  schenkt  dem  Kaiser  Friedrich  IT.  eine  Räderuhr,  welche 
die  Stunden,  den  Lauf  der  Sonne,  des  Mondes  und  der  Sterne  anzeigt 
Es  ist  dies  die  erste  sichere  Kunde  von  einer  Räderuhr  in  Deutschland. 
(S.  a.  860  Pacificus.) 

—  Während  man  sich  bis  gegen  das  Ende  des  12.  Jahrhunderts  sowohl  im 
Abendlande  wie  in  China  darauf  beschränkte,  die  Wirkung  der  Brand- 
geschosse durch  Beimengung  von  ungelöschtem  Kalk  und  ähnlichen  Stoffen 
zu  den  Feuerwerkssätzen  zu  erhöhen  (s.  678  Kallinikos),  verwenden,  wie 
der  Auszug  aus  den  chinesischen  Reichsannalen  Tung-klang-kang-mu  be- 
richtet, zuerst  die  Chinesen  i.  J.  1232  bei  der  Verteidigung  von  Pien-king 
gegen  die  Mongolen  einen  wirklichen  Explosivstoff,  indem  hier  zum  ersten 
Male  dem  üblichen  Brandsatze  (Pech,  Schwefel,  Kohle  u.  dgl.)  Salpeter 
zugesetzt  wird.  Damit  ist  die  Erfindung  des  Schießpulvers  gegeben.  Der 
Erfinder  selbst  ist  nicht  zu  ermitteln.  Möglicherweise  war  es  der  chine- 
sische Heerführer  Wei-sching. 

1233  Thomas  von  Cantimpri  gibt  in  seiner  Schrift  „De  naturis  rerum"  eine 
ziemUoh  richtige  Tierbeschreibung,  die  sich  indes  vielfach  noch  an  Aristo- 
teles anlehnt.  1269  gibt  er  noch  eine  Sonderschrift  über  die  Bienen 
heraus. 

—     b2     — 


1250 

1242  Der  mauriBche  Gelehrte  Ballak  aus  Kisgak  berichtet,  daß  sich  zu  seiner 
Zeit  die  Seefahrer  des  syrischen  und  indischen  Meeres  der  Magnetnadel 
als  Wegweiser  bedienten,  indem  sie  eine  magnetische  Eisenröhre  von  Fisch - 
form  (nach  anderen  Nachrichten  einen  auf  ein  Holzkreuz  gelegten  Magnet - 
stein)  in  einer  Schale  mit  Waaser  schwimmen  ließen.  Diese  Angabe  stimmt 
fast  vollständig  mit  der  von  Guyot  de  Provins  (s.  1181)  gegebenen  Be- 
schreibung überein.  v 

1245  Giovanni  ito  Ptano  Garpini,  ein  Franziskanermönch  aus  Neapel,  reist  durch 
Rußland,  die  weiten  Steppen  von  Turkestan  und  gelangt  bis  Karakorum. 

1250  Johannes  Aduarliit  erwähnt  zuerst  die  Myrobalanen,  die  ihres  Gerbsäure- 
gehaltes wegen  bei  der  Buhr  angewendet  wurden,  jetzt  dagegen  lediglich 
als  Gerbmaterial  dienen.  Er  spricht  auch  von  der  Anwendung  der  Tama- 
rinden als  eines  kühlenden  Abführmittels,  namentlich  bei  Gallenkrank- 
h^ten.  Die  Tamarinde  ist  bereits  dem  Theophrastos  bekannt  gewesen, 
doch  wird  ihre  purgierende  Wirkung  nicht  von  ihm  erwähnt. 

—  Alfeirtat  Magnus  erwähnt  mit  Bestimmtheit  den  grünen  Vitriol  (Eisenvitriol), 
ohne  sich  jedoch  über  seine  Darstellung  auszulassen. 

—  ülfcM'lui  Magnus  gibt  in  seinem  „Opus  naturarum*'  eine  sich  vielfach  an 
Aristoteles  anlehnende  Beschreibung  des  Tierreichs,  das  er  nach  dem  Maße 
des  Menschen  und  nach  dessen  seelischer  Begabung  mißt,  das  jedoch  in 
der  systematischen  Durcharbeitung  über  Thomas  von  Cantimpr^  (s.  1233) 
hinausgeht. 

—  Der  englische  Franziskanermönch  Boger  BaCM  erwähnt  die  Eigenschaft 
des  Salpeters,  mit  brennenden  Körpern  zu  verpuffen.  (S.  auch  1232  T. 
und  1250  M.) 

—  Roger  Bacon  stellt  durch  Versuche  die  Veränderungen  des  Gesichtswinkels 
fest,  welche  durch  konkav  oder  konvex  gekrümmte  sphärische  Gläser  be- 
wirkt werden,  und  empfiehlt  schwachsichtigen  Menschen,  ein  konvexes 
Glas  auf  das  Objekt  zu  legen,  womit  er  den  Grundgedanken  der  Brille 
andeutet.    (S.  1300  Armati.   Vgl.  auch  1038  Alhazen.) 

—  Fast  gleichzeitig  mit  der  Erfindung  des  Schießpulvers  in  China  (s.  1232, 
Tnng-kiang-kang-mu)  wird  auch  im  Abendlande  bekannt,  daß  sich  den 
von  altersher  verwendeten  Feuerwerkssätzen  (Schwefel,  Kohle,  Pcchu.  dgl.) 
durch  Zusatz  von  Salpeter  explosive  Eigenschaften  verleihen  lassen. 
Maitliut  Qffltcut  gibt  in  der  lateinischen,  allein  erhaltenen  Übersetzung 
seines  griechischen  „Feuerbuohs"  folgende  Beschreibung  von  der  Zusammen- 
setzung eines  derartigen  Explosivstoffes:  „Acoipias  lib.  I  sulphuris  vivi, 
lib.  II  carbonum  vitis  vel  Salicis,  lib.  VI  salis  petrod.  Quae  tria  subti- 
liasime  terantur  in  lapide  marmoreo."    (Vgl.  auch  1250  Boger  Bacon.) 

—  Maitlim  Qriteus  gibt  eine  eingehende  Beschreibung  der  Darstellung  des 
Terpentinöls,  das  er  unter  dem  Namen  „Aqua  ardens'*  beschreibt.  (S.  a. 
64  D.)  Dasselbe  wird  bis  spät  in  das  16.  Jahrhundert  als  eine  dem  Wein- 
geist ähnliche  Substanz  betraohtet  und  auch  statt  des  letzteren  angewendet. 

—  Der  arabische  Astronom  Nastlr-Eddln  al  ThusI  behandelt  in  seiner  Schrift 
„Über  die  Figur  der  Schneidenden"  (d.  h.  über  den  Satz  des  Menelaos  — 
s.  100)  die  sphärische  Trigonometrie  in  ihren  Fundamentalaufgaben  am 
schiefwinkligen  Dreieck  in  vollendeter  Weise. 

—  NaMir-Eddlii  al  TbiNl  fertigt  als  Vorstand  der  von  dem  Mongolenfürsten 
Hulagu  (Ilek-Khan)  gegründeten  Sternwarte  zu  Meragah  in  Persien  den 
in  den  ilekkhanischen  Tafeln  niedergelegten  Fixstemkatalog  nebst  Planeten- 
tafeJn  an« 

—  Willem  ito  Rubrui|ult  (Buysbroek)  gelangt  auf  einer  etwa«  südlicheren  Beute 
als  Piano  Carpini  (s.  1246)  bis  Karakorum  und  kehrt  durch  Persien  und 
die  Türkei  nach  der  Heimat  zurück. 

—     53     — 


1250 

1250  Jordanus  Ruffus,  OberstaUmeister  des  Kaisers  Friedrich  IL,  gibt  in  seinem 
Werke  „De  medicina  equorum''  eine  genaue  Anleitung  zum  Hufbeschlag 
und  eine  Beschreibung  der  chirurgischen  Krankheiten  der  Extremitäten 
der  Pferde.  Eine  große  Zahl  seiner  sanitären  Vorschriften  hat  bis  zur 
Gegenwart  ihre  Gültigkeit  behalten. 

—  VlnCMi  von  Beauvais  spricht  zuerst  von  den  allerdings  schon  früher  be- 
kannten belegten  Spiegeln  und  hält  die  gläsernen  mit  ßlei  überzogenen 
Spiegel  für  die  besten. 

—  Vlncenz  von  Baauvalt  veröffentlicht  sein  „Speculum  majus",  das  eine  den 
Kenntnissen  der  Zeit  entsprechende,  sehr  vollständige  Beschreibung  der 
bekannten  Tierwelt  gibt,  im  wesentlichen  aber  wie  die  Schriften  von  Thomas 
von  Cantimpr^  und  Albertus  Magnus  auf  Aristoteles  fußt. 

1252  Alfont  X.  von  Castilien  läßt  durch  christliche  und  jüdische  Gelehrte,  die 
er  nach  Toledo  beruft  (darunter  den  Rabbiner  Isaak  Aben  Said),  die 
Alfonsinischen  Tafeln  herstellen,  die  von  da  ab  an  die  Stelle  der  Ptole- 
maeischen  Tafeln  (s.  150  Ptolemaeus)  treten.  Die  alfonsinischen  Tafeln 
werden  zuerst  i.  J.  1483  durch  Ratdold  in  Venedig  (s.  1487)  gedruckt. 

1253  Wllhtlm  von  Holland  läßt  den  ersten  bekannten  Bau  einer  Kammerschleuse 
bei  Spaamdam  ausführen.  Demnach  sind  weder  Leone  Battista  Alberti 
noch  Simon  Stevin  als  deren  Erfinder  anzusehen. 

1256  Nachdem  schon  in  den  heiligen  Büchern  der  Inder  der  Magneteisenstein  zum 
Ausziehen  von  Pfeilspitzen  empfohlen  worden  ist  (s.  500  v.  Chr.),  gibt  der 
Araber  Hallfa  aus  Aleppo  dies  Mittel  an,  um  beim  Abbrechen  der  Spitze 
der  Aderlaßlanzette  diese  aus  der  Wunde  zu  ziehen. 

—  Joannes  de  Sacrobutto  (John  Holywood)  gibt  seinen  „Traotatus  de  sphaera 
mundi*'  heraus,  der  für  mehr  als  drei  Jahrhunderte  das  Hauptlehrbuch 
der  mathematischen  Geographie  bildet. 

1259  Die  Annalen  der  chinesischen  Sung-Dynattio  beschreiben  eine  Feuerlanze 
(Lanze  des  ungestümen  Feuers,  To-huo-tsiang),  ein  Bambusrohr,  das  mit 
abwechselnden  Lagen  von  einem  schießpulverähnlichen  Brandsatze  und 
„Körnern"  geladen  war,  welche  letzteren  unter  heftiger  Flammenentwick- 
lung 150  Schritte  weit  geschleudert  wurden.  Anscheinend  sind  diese  „Kömer" 
keine  Geschosse  (Schrot  u.  dgl.)  gewesen,  sondern  Brandsatzklümpchen, 
so  daß  der  Apparat  etwa  wie  eine  heutige  Leuchtkugelrakete  gewirkt  haben 
mag,  andrerseits  aber  die  Elemente  der  Pulver-Schußwaffe  deutlich  er- 
kennen läßt. 

1260  Albertus  Mafnut  schildert  als  zu  seiner  Zeit  bereits  üblich  die  Scheidung 
des  Goldes  vom  Silber  durch  Salpetersäure  (Scheidimg  durch  die  Quart). 
Die  Legierung  wird  auf  das  Verhältnis  von  1  Teil  Gold  zu  2  Teilen  Silber 
gebracht,  granuliert  und  mit  der  l^/g fachen  Menge  starker  Salpetersäure 
erwärmt.  Die  entstehende  Lösung  wird  verdünnt,  um  ein  Auskrystalli- 
sieren  des  Sübemitrats  zu  verhindern,  am  nächsten  Tage  abgezogen  und 
das  zurückbleibende  Gold  mit  heißem  Wasser  gewaschen. 

—  Albertus  Macnut  reinigt  das  Gold  durch  Zementation  und  stellt  zuerst  regu- 
linischen Arsenik  durch  Erhitzen  des  weißen  Arseniks  mit  reduzierenden 
Körpern  (Seife)  dar. 

—  Albertus  Mafnus  erörtert  das  zu  seiner  Zeit  wieder  in  Gebrauch  kommende 
Veredelungsverfahren  der  Bäume  usw.  durch  Pfropfen  (vgl.  1228  Freidank), 
wobei  er  freilich  sehr  wunderliche  Kombinationen  in  Vorschlag  bringt, 
z.  B.  das  Pfropfen  einer  Rose  auf  einen  Kohlstrunk  zur  Erzielung  grüner 
geruchloser  Blumen. 

—  Roger  Bacon  bespricht  das  Verlöschen  brennender  Körper  in  verschlossenen 
Gefäßen  und  schreibt  dies  dem  Umstand  zu,  daß  die  Luft  fehle. 

—     54     — 


1280 

12$0  Roger  Bacon  gibt  zuerst  die  Lage  des  Brennpunktes  bei  einem  sphanschen 
Hohlspiegel  richtig  an  und  weist  nach,  daß  die  von  einem  leuchtenden 
Punkt  stammenden  Lichtstrahlen  nach  ihrer  Reflexion  von  einem  Hohl- 
spiegel sich  nicht  in  einem  Punkte  des  Hauptstrahls,  sondern  in  vielen 
neb^ieinander  liegenden  Punkten  treffen.    (Sphärische  Aberration.) 

—  Die  venetianischen  Kaufleute  Marco  imd  Maffeo  Polo,  Oheime  des  berühmten 
Marco  Polo  (s.  1271)  reisen  über  Eonstantinopel  nach  Kiptschak  und 
Turkestan,  um  mit  den  Tataren  Handel  zu  treiben. 

—  VlMoaz  von  Boouvals  spricht  bei  der  Geburtshilfe  zum  ersten  Male  in  zweifel- 
loser Weise  von  der  Wendung  des  Foetus  auf  den  Kopf  durch  direkten 
inneren  Handgriff. 

1269  Petrus  Peregrinus  de  IMartoourt  macht  die  ersten  bekannten  experimentellen 
Forschungen  über  den  Magnetismus,  indem  er  die  beiden  Pole  unter- 
scheidet und  die  verteilende  Wirkung  des  Magneten,  wie  auch  die  An- 
ziehung imgleichnamiger  Pole  nachweist. 

1270  Der  Kanonikus  Giovanni  Campono  (Johannes  Campanus)  von  Novara  be- 
wirkt eine  Ausgabe  der  „Elemente*'  des  Euklid,  und  lehrt  in  den  von  ihm 
gemachten  Zusätzen  die  Berechnung  der  Winkelsumme  im  Stemfünfeck. 
Auch  beweist  er  die  Irrationahtät  des  goldenen  Schnitts. 

—  Raymundus  Lullut  entdeckt  das  kohlensaure  Ammoniak,  das  er  durch 
Destiliation  aus  gefaultem  Harn  darstellt,  und  verbessert  die  Destillations- 
vorrichtomgen,  indem  er  zum  ersten  Male  behufs  besserer  und  schnellerer 
Kondensation  der  Dämpfe  eine  besondere  Kühlung  der  Vorlage  anwendet. 
Er  kennt  auch  das  ätzende  Ammoniak. 

—  Raymundus  Luilvs  berichtet  zuerst  über  die  Verwendimg  des  Astrolabiums 
zu  astronomischen  Ortsbestimmungen  auf  See. 

~~  Nachdem  die  Canarischen  Inseln  (s.  40  v.  Chr.)  im  Mittelalter  zuerst]  bei 
den  Arabern  erwähnt  worden  waren,  gelangt  Lancelot  Malocollo  dorthin 
und  errichtet  ein  KasteU  auf  Lancerote. 

—  Der  polnische  Physiker  WIMo  spricht  für  die  Optik  den  Satz  aus,  daß  die 
Natur  stets  nach  der  Richtung  der  kürzesten  Linie  wirke. 

1271  Marco  und  Maffeo  Polo  unternehmen,  von  ihrem  siebzehnjährigen  Neffen 
Marco,  dem  nachmals  berühmten  Reisenden,  begleitet,  eine  zweite  Reise 
(s.  1260),  auf  der  sie  Persien  durchqueren,  das  Pamirplateau  über- 
schreiten, ins  Tarymbecken  niedersteigen  und  ganz  China  durchziehen. 
Der  jüngere  Marco  Polo  tritt  in  die  Dienste  des  Kaisers  Kublai  und 
lernt  auf  seinen  Kreuz-  und  Querzugen  den  größten  Teil  Chinas  kennen. 
Im  Jahre  1292  begeben  sich  die  drei  Reisenden  über  Cochinchina,  Sumatra 
und  Ceylon  nach  Ormuz,  von  wo  sie  über  Trapezunt  und  Konstantinopel 
im  Jahre  1295  Venedig  wieder  erreichen.  Der  jüngere  Marco  legt  die  Er- 
fahrungen  dieser   Reise  in   einem  ausführlichen  Bericht   (s.  1298)  nieder. 

1272  Der  Bologneser  Borchosano  vervollkommnet  den  Seidenhaspel  und  kon- 
struiert die  erste  maschinelle  Vorrichtung  zum  Zwirnen  der  Seide  in  dem 
sog.  runden  Mulinierstuhl  (Seidenmühle).  Bis  dahin  war  die  Drehung 
der  einfachen  und  die  Zusammenzwirnimg  mehrerer  Fäden  stets  mit  der 
Hand  erfolgt. 

1279  GuilelmuB  da  MIcoto  fördert  mit  seiner  ,, Summa  conservatioms  et  cura- 
tionis"  die  Chirurgie.  Seine  Wundbehandlungsmethode  ist,  wie  die  des 
Hugo  von  Lucca  (s.  1220)  eine  einfache  und  rationelle;  er  reinigt  die 
Wunde  mit  öl  und  legt  nach  der  »Blutstillung  sehr  sorgfältige  Ver- 
bände an,  wie  überhaupt  seine  Theorie  mustergültig  ist.  Er  weist  zuerst 
auf  die  giftigen  Eigenschaften  faulender  tierischer  Substanzen  hin. 

1280  Christophoro  BrianI  in  Venedig  erfindet  den  künstlichen  Aventurin,  ein 
von   zahllosen  goldglänzenden  Krystallen    durchsetztes,    meist    lichtgelb  - 

—     55     — 


1280 

braunes  bis  grünliches  Glas,  das  den  natürlichen  Aventurin,  eine  flimmernde 
Quarzmodifikation,  an  Glanz  übertrifft  und  in  neuerer  Zeit  von  Bizaglia  in 
Venedig  (1872)  "wieder  unübertrefflich  hergestellt  wird.  Wöhler  spricht 
sich  dahin  aus,  daß  die  Erystallblättchen  in  diesem  Produkt  ausgeschie- 
denes metallisches  Kupfer  seien. 
1280  Petrus  de  Crescmtllt  schreibt  ein  Werk  „Opus  ruralium  commodorum",  das 
in  12  Abteilungen  das  gesamte  Gebiet  der  Landwirtschaftslehre  behandelt. 

—  Der  chinesische  Kaiser  Cubllal-ehan  (Kublai)  vertieft  und  verlängert  den 
Kaiserkanal  (großen  Kanal),  der  sich  von  Peking  bis  Hang-tschou  durch 
zehn  Breitengrade  erstreckt  und  den  Pei-ho  mit  dem  Hoang-ho  und 
Jangtse-kiang  in  Verbindung  setzt.  Der  Kanal  war  im  7.  Jahrhundert 
n.  Chr.  begonnen  worden. 

—  Kaiwinl  hebt  hervor,  daß  die  Wasserdämpfe  der  Luft  sich  an  hohen  Bergen 
zu  Regen  kondensieren.  Er  weiß,  daß  die  Gießbäche  allmählich  Berge 
abtragen  und  den  Schutt  ins  Meer  befördern,  während  der  Schlamm  auf 
dem  Meerboden  sich  ausbreite  und  fest  werde. 

—  Arnoldus  Vlllanovanus  lehrt  die  Bereitung  der  ätherischen  Ole  in  seinem 
Traktat  „De  vinis". 

—  Arnoldus  Vlllanovanus  spricht  zuerst  von  den  Heilkräften  des  Waldmeisters. 
1285    In  dem  von  dem  Araber  Hassan-af-Rammall  verfaßten  Feuerwerksbuche  wird 

der  Salpeter  als  die  Grundlage  der  gesamten  Feuerwerkerei  bezeichnet. 
Al-Bammah  lehrt  die  Läuterung  des  Salpeters  durch  ein  wiederholtes 
Krystallisationsverfahren,  hat  aber  von  den  eigentlichen  Feuerwaffen  noch 
keinerlei  Kenntnis. 
1290  Während  Dioskorides  zuerst  des  aus  Hosen  und  Olivenöl  bereiteten  Rosen- 
öls Erwähnung  getan  hatte,  wird  das  destillierte  Rosenöl  zuerst  von 
Johannes  Aduarius  beschrieben.  Es  scheint  zu  dieser  Zeit  schon  in  Nisibis 
in  Mesopotamien  bereitet  worden  zu  sein. 

—  Die  älteste  Glashütte,  deren  Existenz  nachweisbar  ist,  ist  die  durch 
van  Laempoel  angelegte  Flaschen-  und  Grünglasfabrik  zu  Quiquengrogne 
bei  La  Chapelle. 

—  Giovanni  de  IMonte  Corvlno  geht  über  Persien  nach  Indien  und  besucht  von 
da  China,  das  er  eingehend  beschreibt. 

1292  Die  Ingwerpflanze  (Zingiber),  wdche  auch  Marco  Polo  gekannt  zu  haben 
scheint,  wird  zuerst  beschrieben  von  Giovanni  da  Mania  Carvina. 

1295  Lanfranchl  fördert  durch  seine  „Chirurgia  magna",  in  welcher  er  zahlreiche 
von  ihm  ausgeführte  Operationen  beschreibt,  die  praktische  Chirurgie. 

1298  Marco  Pala  (s.  1271)  berichtet  von  der  von  ihm  besuchten  Landschaft 
Badachschan  am  Nordabhange  des  Hindukusch,  einem  Hauptfundorte  des 
von  alters  her  bekannten  Lasursteins  (Lapis  lazuli),  aus  dem  durch  Pul- 
verisieren und  Schlemmen  der  natürliche  Ultramarin  gewonnen  wird. 

—  Marco  Pala  spricht  bei  Beschreibung  der  chinesischen  Provinz  Fo-kien 
von  dem  Anbau  der  Baumwolle  und  deren  technischer  Verwendung  als 
von  etwas  längst  Bekanntem.  Trotzdem  muß  Indien  als  die  Heimat  der 
Baumwolle  angesehen  werden.     (S.  auch  800  und  327  v.  Chr.) 

—  Marco  Pala  bringt  die  ersten  ausführlichen  Nachrichten  über  die  chinesische 
Porzellanfabrikation  nach  Europa.  Seine  Darlegungen  beruhen  indes  in 
ihrem  technischen  Teil  auf  unrichtigen  Informationen. 

—  Marco  Pala  gibt  die  ersten  Nachrichten  über  den  großartig  organisierten 
chinesischen  Staatskurierdienst,  eine  Art  von  Post,  die  sich  bis  auf  den 
heutigen  Tag  erhalten  hat.  Möglicherweise  hat  Marco  Polo  das  Wort 
„Poste'*  —  zur  Bezeichnung  der  chinesischen  Relaisstationen  —  zuerst 
gebraucht.     (Vgl.  jedoch  1464  Ludwig  XL) 

—      56     — 


1810 

Nachdem  die  Kunst,  in  Stukko,  einer  aus  Gips,  Kalk  und  Sand  hergestellten 
Masse  zu  arbeiten,  bereits  von  den  Alten,  namentlich  von  den  Äthiopiern 
und  später  in  Syrien,  Cypem  und  in  Rom  geübt,  aber  allmählich  in  Ver- 
gessenheit geraten  war  (vgl.  auch  450  v.  Chr.  Herodot  und  330  v.  Chr. 
LysiBtratos) ,  erneuert  Marcarltons  dieselbe  in  Italien,  wo  sie  alsdann  von 
dem  Maler  Nani  um  1514  wesentlich  vervollkommnet  wird,  wie  die  Stuck- 
arb^ten  der  Loggien  des  Vatikans  beweisen. 

Giovanni  PISMl  erfindet  den  Farbenschmelz  im  Tiefschnitt  (Email  de 
baase-taille). 

Der  Florentiner  RucctIIal  entdeckt  den  Farbstoff  der  Orseille,  der  nach  ihm 
Roccella  genannt  wird. 

Alessandro  de  Spina  aus.  Pisa  verfertigt,  wie  die  Chronik  des  S.  Caterina- 
Klosters  zu  Pisa  meldet,  Augengläser,  die  indes,  wie  die  Chronik  gleichfalls 
sagt,  schon  vor  ihm  erfunden  worden  seien.  Ob  der  wirkliche  Erfinder,  wie 
aus  seiner  Grabschrift  in  der  Kirche  Santa  Maria  Maggiore  in  Florenz  hervor- 
geht, Salvino  dofll  Armati  war,  läßt  sich  mit  Sicherheit  nicht  nachweisen 
Sicher  ist  nur  soviel,  daß  die  konvexen  Brillen  um  1300  erfunden,  und 
daß  sie  in  der  zweiten  Hälfte  des  14.  Jahrhunderts  allgemein  bekannt  sind. 
(S.  in  dieser  Beziehung  1363  Guy  de  Chauliac). 

,  Hugo  von  Trlmbtrs  erwähnt  in  seinem  Lehrgedicht  „Der  Renner"  zuerst 
Fiedelbogen  aus  Roßhaaren. 

Der  italienische  Maler  Giotto  dl  Bondone  bringt  mit  seinen  Schöpfungen  in 
Florenz,  Padua  u.  a.  a.  0.  die  Freskomalerei  durch  sorgfältige  Ausbildimg 
ihrer  Technik  zu  neuer  Blüte  und  weiter  Verbreitung. 
Ftavio  Qloja  aus  Amalfi  hat  mutmaßlich  zuerst  die  nach  den  Windstrichen 
geteilte  Kompaßrose  mit  der  schwingenden  Magnetnadel  verbunden  und 
dadurch  den  Kompaß  für  die  Seeschiffahrt  brauchbar  gemacht. 
Der  Waffenschmied  Rudolff  zu  Nürnberg  erfindet  die  Drahtziehmaschine, 
die  von  besonderer  Bedeutung  für  die  Herstellung  der  Ritterrüstungen 
(Ringelpanzer)  wird. 

Der  Gebrauch  des  Wachstuchs,  eines  mit  Leinölfirnis  überzogenen  Zeuges, 
ist  mindestens  seit  Anfang  des  14.  Jahrhimderts  bekannt,  wie  daraus 
hervorgeht,  daß  man  beim  Offnen  des  Grabes  des  1307  gestorbenen  Königs 
Ednwd  I.  von  England  im  Jahre  1774  dessen  Leiche  mit  feinem  Wachs- 
tuch umwickelt  fand,  das  so  konservierend  eingewirkt  hatte,  daß  man 
die  Bildung  der  Hände  und  des  Gesichts  noch  vollkommen  erkennen 
konnte. 

AbulfMa  lehrt,  daß»  wenn  zwei  Leute,  der  eine  gegen  Osten,  der  andere 
gegen  Westen  um  die  Erde  wandern  imd  an  ihrem  Ausgangspunkt  zu- 
sammentreffen, der  erste  der  Kalenderfolge  um  einen  Tag  voraus,  der 
andere  um  einen  Tag  hinter  ihr  zurück  sein  müsse. 

/UMIfeda  berechnet  zuerst  die  Größe  der  gesamten  Erdoberfläche  auf 
20360000  Quadratparasangen. 

Matthaeus  SylvatlCHS,  Verfasser  des  dem  Könige  Robert  von  Sizilien  ge- 
widmeten pharmakologischen  Werkes  „Pandectae  medicinae'*  legt  in  Salemo 
den  ersten  europäischen  botanischen  Garten  an.  Ihm  folgt  1333  die  Stadt 
Venedig  mit  Anlage  eines  öffentlichen  medizinisch-botanischen  Gartens. 
Der  Mönch  TbMdoricut  TMtonicus  bahnt,  ohne  das  eigentliche  Refraktions- 
gesetz  zu  kennen,  zum  ersten  Male  eine  richtige  Erklärung  des  Haupt- 
und  Neben- Regenbogens  an,  während  ihm  die  Deutung  der  Farbenfolge 
noch  mißlingt.  E.  Wiedemann  schreibt  die  erste  richtige  Erklärung  des 
Regenbogens  dem'  arabischen  Grelehrten  AI  Färisi  zu,  der  um  das  Jahr  1280 
gewirkt  haben  muß. 

—     57     — 


1811 

1311  Jean  PItanI,  nacheinander  Wundarzt  Ludwigs  des  Heiligen,  Philipps  i 
Starken  und  Philipps  des  Schönen,  fördert  die  praktische  Chirurgie  lu 
errichtet  das  erste  chirurgisch-medizinische  Institut. 

1312  Das  Sternbild  „Südliches  Kreuz"  wird  im  Abendlande  zuerst  von  Dil 
AHchM  erwähnt,  der  es  wahrscheinlich  aus  arabischen  Quellen  kenn 
gelernt  hatte.  (Purgatorio  I.:  „Jo  mi  volai,  a  man  destra,  e  posi  meo 
all'  altro  polo,  e  vidi  quattro  stelle  non  viste  mai  fuor  che  alla  priij 
gente.  —  0  settentrional  vedovo  sito,  poich^  privato  sei  dl  mirar  quelle! 
Die  erste  Beschreibung  des  Sternbildes  auf  Grund  eigener  Beobaehtuj 
gibt  in  Europa  Amerigo  Vespucci  (1501). 

1313  Nachdem  in  der  bisherigen  Entwicklung  der  Kriegsfeuerwerkerei  (vj 
u.  a.  424  V.  Chr.  Thukydides;  678  Kallinikos;  1232  Tung-kiang-kangn] 
1250  Marohus  Graecus;  1259  Sung  -  Dynastie)  samtliche  Elemente  i 
Pulver -Schußwaffe  gegeben  waren,  wird  in  Deutschland  der  letzte  ei 
scheidende  Schritt  getan,  indem  nunmehr  das  Schießpulver  als  Trei 
mittel  des  Geschosses  verwendet  und  damit  die  wirkliche  FeuerwafFe  ^ 
schaffen  wird.  Die  Überlieferung  knüpft  diesen  Schritt  an  den  Kan^ 
des  BirthoM  Schwarz  (eigentlich  Bertholdus  niger,  d.  i.  der  schwarze 
Schwarzkünstler  —  Berthold),  eines  Mönchs  aus  dem  westlichen  Deutschla 
(vielleicht  Köln  oder  Freiburg).  Die  Genter  Annalen  berichten  dazu:  ,« 
dit  jaer  (1313)  was  aldereerst  ghewonden  in  Duutschland  het  ghebni 
der  bussen  (Büchsen)  von  einem  mueninck.'* 

1314  Raimondo  de  Linzl  aus  Bologna,  genannt  Mondinus,  begründet  durch  \ 
Sektion  menschlicher  Leichen  die  wissenschaftliche  Anatomie.  Sein  W< 
über  die  Anatomie  wird  grundlegend  für  die  Universitäten  des  Mittelalt« 

1316  Odorico  de  Pordenone  segelt  von  Ormuz  über  Ceylon,  die  Nikobar^ 
Sumatra  und  Java  nach  Nanking.  Seine  Rückreise  scheint  durch  W« 
China,  Tibet  und  Persien  gegangen  zu  sein. 

1317  Das  Brasilienholz  (Rotholz),  das  zuerst  aus  Sumatra  nach  Europa  gelanj 
wird  von  Matthaeus  Sylvatteus  in  seinen  „Pandectae  medicinae'*  unter  d< 
Namen  „Lignum  presillum**  erwähnt. 

1318  Dante  Allchltri  erwähnt  in  seiner  „Divina  Commedia"  die  Schlaguhri 
(Paradiso  X:  „Indi  come  orologio,  che  ne  chiami  neU'  ora  .  .  .  Hn  ! 
sonando  co  si  dolce  nota/*) 

—      Pietro  Vtsconte  entwirft  die  älteste  datierte  Seekarte. 

1320  Henri  de  Mondevllle  zeichnet  sich  als  Chirurg  imd  Anatom  aus.  £r  ket 
die  Geschoßextraktion  mittels  des  Magneten.  (S.  1256.)  Er  tritt  in»l 
sondere  mit  Entschiedenheit  für  die  einfache  und  schonende  Wundbeha^ 
lung  des  Hugo  und  des  Theoderich  von  Lucca  ein.     (S.  1220.) 

1321  Levl  ben  Gereon  beschreibt  in  seinem  hebräisch  geschriebenen  Buche^  i 
1342  von  Petrus  de  Alexandria  unter  dem  Titel  „De  sinibus,  ohordi« 
arcubus*'  übersetzt  wird,  zuerst  die  Camera  obscura,  d.  i.  nahezu  200  Ja| 
vor  Leonardo,  dem  bisher  diese  Erfindung  zugeschrieben  wurde,  I| 
Prinzip  der  Camera  obscura  war  bereits  von  Aristoteles  ausgeeprocli 
worden. 

1325  Levl  ben  Gereon  erfindet  den  Jakobsstab,  der  durch  das  ganze  Mittelall 
zu  geographischen  Ortsbestimmimgen  auf  See  dient. 

1325—1352    Ibn  Batuta  besucht   die  Inseln  des  Persischen  Golfs,   die  bis    üaj 
unbekannten  Gegenden  des  Innern  Arabiens,  Syrien,  Mesopotamien,  Pers^ 
KleinAsien,  die  Bucharei,   Chorasan,    Kandahar,    die  Malediven,    Ojtj 
Sumatra,  Java  imd  China  und  führt   1352  eine  Mission  des  Sultan» 
Marokko  ins  Innere  von  Afrika  bis  Timbuktu. 

1330    Thomas  de  Bradwardina  veröffentlicht  seine  „Geometria  specuiativa* 
der  er  sich  mit  den  Stern  Vielecken ,  der  Lehre  von  den  isoperimetrisch 

—     58     — 


1868 

Figuren,    der  Lehre   von  den  irrationalen  GröBen   und  der  Stereometrie 
beschäftigt. 

1330  Philippe  de  Cae^Mral  stellt  zuerst  Mondglas  her,  eine  Art  Butzenscheibe 
Yon  8 — 10  om  Durchmesser  mit  einem  Nabel  in  der  Mitte.  Das  Mondglas 
wurde  im  Mittelalter  vielfaoh  neben  dem  Tafelglas  (s.  1060  T.)  als  Fenster- 
glas verwendet  nnd  ist  neuerdings  -wieder  stark  in  Aufnahme  gekommen. 

1331  Wie  Muratori  berichtet,  erscheinen  zwei  deutsche  Ritter,  von  Gnnbtrf  und 
VfB  Spiliwfcfg,  bei  der  Belagerung  von  Cividale  in  Friaul  mit  Geschütz  und 
HandfenerwafiFen.  („Ponentes  vasa  versus  civitatem,  balistabant  cum 
sdopo".)  Ca  ist  dies  die  erste  geschichthch  beglaubigte  Erwähnung  eigent- 
licher Feuerwaffen. 

1340  Jan  vtti  Eyek  macht  die  Ölmalerei  für  größere  Aufgaben  verwendbar,  in- 
dem er  durch  Zusatz  von  Harzfirms  eine  gleichmäßige  Trocknung  der 
Pigmente  ermöglicht,  Leuchtkraft,  Grlanz  omd  Tiefe  der  Farben  steigert 
und  die  Dauerhaftigkeit  der  Bilder  sichert. 

—  Jean  ia  MMin  schreibt  eine  Arithmetik,  die  Jahrhunderte  lang  ein  vielge- 
brauchtes Schulbuch  bleibt.  Er  macht  als  einer  der  Ersten  Vorschläge 
für  eine  Kalenderreform,  die  darin  gipfelt,  man  solle,  um  den  wirkhchen 
und  den  kalendermäßigen  FrühHngsanfang  in  Übereinstimmung  zu  bringen, 
40  Jahre  lang  die  Schalttage  ausfaUen  lassen. 

1341  Donato  QMitllo  da  Follcno  tut  zuerst  eines  Gallensteins  Erwähnung,  den 
er  bei  einer  Sektion  entdeckt.  Die  erste  chemische  Untersuchung  solcher 
Steine  geacliieht  1748  durch  Galeotti;  wissenschaftlich  werden  die  Steine 
zuerst  durch  Fourcroy  und  Th^nard  bearbeitet. 

1350  Der  deutsche  Kaiser  Karl  IV.  erteilt  den  Imker- Innungen  besondere,  zum 
Teil  sehr  -weitgehende  Privilegien,  und  wird  damit  zum  Begründer  der 
deutschen  Tolksbienenzucht. 

—  Conrad  von  Mtctnbtrs  gibt  in  seinem  „Buch  der  Natur*'  eine  Schilderung 
zahlreicher  Tierformen.  Dies  Buch,  das  sich  an  Cantimprö  (s.  1233)  an- 
schüeBt,  findet  als  erste  naturgeschichtliche  Enzyklopädie  in  deutscher 
Sprache  eine  sehr  weite  Verbreitung. 

~~  Der  englische  Geistliche  IMtrio  führt  ein  Beobachtomgsregister,  welches  als 
das  älteste  Wetterjoumal  anzusehen  ist  und  wirkliche  Nachweise  über  die 
Witterung  enthält. 

—  In  der  Weltchronik  des  Rodolff  von  HolMiitiiita  findet  sich  die  erste  Zeich- 
nung einer  Taucherglocke.    (Vgl.  allerdings  210  v.  Chr.  Philo.) 

1354  PMmt  IV.  von  Aragonien  läßt  zum  Schutze  gegen  die  feindlichen  Waffen 
einige  seiner  Schiffe  mit  einem  Lederbezuge  versehen.  Übrigens  sollen  schon 
die  Normannen  im  12.  Jahrhundert  einen  Versuch  zur  Schiffspanzerung 
gemacht  haben,  indem  sie  ihre  Schiffe  mit  einem  Eisenbeschlage  in  der 
Wasserlinie  versahen.     (VgL  auch  1782). 

1300  Der  französische  Schriftsteller  und  Mathematiker  Nicole  OrwiiM  gibt  ein 
Verfahren  an,  die  Zu-  und  Abnahme  der  Temperatur,  die  Änderung  des 
Fenchtigkeitsgehalts  der  Luft,  und  die  bei  anderen  Naturerscheinungen 
vor  sich  gehenden  Veränderungen  durch  Kurven  darzustellen.  Er  wendet 
in  seinem  Werke  „Algorismus  proportionum*'  Potenzen  mit  gebrochenem  Ex- 
ponenten an,  die  erst  in  viel  späterer  Zeit  wissenschaftHches  Gemeingut 
werden. 

—  Johann  von  RM^ttallladt  stellt  zuerst  schwefelsaures  Quecksilberoxydul 
dar  nnd  erhält  zuerst  den  Kalomel  auf  nassem  Wege  aus  Quecksilber, 
Salpetersäure  und  Salmiak. 

1363  Gny  de  Gluuillac  schreibt  sehr  wertvolle  wissenschaftliche  Abhandlimgen  über 
Chirurgie.     Er  gibt  u.  a.  neue  Methoden   für   die   Operation   der   Nasen- 

—     59     — 


1S68 

poljTpen   an   und   blast  bei  Kehlkopfkatarrhen   adstringierende  PuJ 
den  Kehlkopf  ein. 

1363  Guy  de  Gluuiltae  behandelt  in  seiner  „Chirurgia  magna"  das  Kapi 
Wnndheilung,  die  Verbandweise,  die  verschiedenen  Fonnen  der  Na 
er  namentlich  als  Blutstillungsmittel  anwendet.  Er  ist  der  erst 
wenn  Augenwässer  bei  Sehschwäche  nicht  helfen,  Brillen  empfiehlt. 

1364  Heinrich  von  WIck  versieht  die  Räderuhr  mit  Hemmung  und  1 
imd  stellt  eine  so  verbesserte  Uhr,  die  auch  mit  Schlagwerk  versel 
auf  Bestellung  von  Karl  V.  in  Paris  auf.  Als  früheste,  mit  Schi 
versehene  Uhr  wird  die  1288  auf  Westminster  Hall  in  London  aufg 
erwähnt.     (S.  a.  850,  1232,  1318.) 

1375  Catelanl  entwirft  eine  Erdkarte,  welche  als  die  bedeutendste  ihr 
galt.  Sie  gibt  die  Mittelmeerküsten  in  einer  verhältnismäßig  sehr  g 
Darstellung,  während  die  übrigen  Länder  skizzenhaft  behanddt  sin 

1376  Nicholas  Batellle  in  Arras  stellt  in  den  Jahren  1376—79  für  Louis 
Anjou  den  sog.  „Gobelin  von  Angres"  her,  den  größten  jemals  ge 
Gobelinteppich.  Derselbe  hat  156  m  Länge  und  6  m  Höhe,  unc 
Szenen  aus  der  Apokalypse  dar.  (Wegen  des  Namens  „ Gobelin'*  v| 
Colbert.) 

1378  Während  die  Geschütze  anfänglich  nur  Steinkugeln  (in  der  Rej 
Granit  oder  Marmor)  verfeuerten,  werden  zuerst  i.  J.  1326  in  ! 
schmiedeeiserne  Kugeln  angefertigt.  Besondere  Verdienste  u 
Guß  eiserner  und  eherner  (kupferner)  Kanonenkugeln  erwirbt  sich  sc 
der  Stückgießer  Hans  Aarau  in  Augsburg.  Aber  erst  unter  den 
sischen  Königen  Ludwig  XL  (1471)  und  Karl  VIIL  (1494)  komn 
eisernen  Geschosse  allgemein  in  Gebrauch. 

1380  Damensättel  werden  zuerst  im  12.  Jahrhundert  n.  Chr.  erwähnt,  wähl 
Frauen  bis  dahin  nach  Männerart  zu  Pferde  saßen.  Eine  allgemei 
breitimg  erhält  der  Damensattel  mit  Quersitz  durch  Anna  von  Luj 
Gemahlin  Richards  IL  von  England. 

—  Isaak  Hollamliit  stellt  zuerst  durch  Erhitzen  von  Salmiak  mit  Kalli 
calcium  dar,  welches  er  als  „Sal  ammoniacum  fixum"  bezeichnet.  £r  | 
auch  zuerst  aus  dem  Rückstand  der  Scheidewasserbereitung  das  sc 
saure  Kali,  das  von  Paracelsus  zuerst  medizinisch  angewendet  wir« 

—  Valtscut  de  Taranta  gibt  die  erste  eigentliche  Klassifikation  der  Verbren 
nach  ihrer  Intensität,  und  zwar  nach  3  Graden:  Schmerzempf 
Blasenbildung,  Ulceration,  die  im  wesentlichen  später  von  Alexii 
(1814)  wieder  aufgenommen  wird,  während  Guillaume  Dupuytren 
eine  Skala  von  6  Graden  aufstellt. 

1387  Der  Leibarzt  König  Wenzels,  AIMch  fördert  durch  seinen  „Tractat 
regimine  hominis'*  die  Diätetik. 

1390  Ulman  Stromer  in  Nürnberg  soll  zuerst  zur  Zerkleinerung  des  Sto 
die  Papierfabrikation  Stampfen  angewendet  haben. 

1392  Spielkartenähnliche  bemalte  Täf eichen  waren  bei  den  Cbinee« 
Japanern  schon  in  früher  Zeit  bekannt.  In  Europa  ist  der  erst 
weisbare  Verfertiger  von  Spielkarten  der  Maler  Jacquemin  Qrin 
wie  dies  aus  einem  Ausgabebuche  des  Schatzmeisters  Karls  \ 
Frankreich  hervorgeht,  in  welchem  die  'Auszahlung  eines  Betrags 
genannten  Maler  für  die  Anfertigung  von  3  Spielen  Karten  in  G^ 
Farben  gebucht  ist.  Die  erste  Erwähnung  der  Spielkarten  in  Deut 
überhaupt  geschieht  i.  J.  1321  in  einem  gegen  dieselben  gerichtet 
bot  des  Bischofs  von  Würzburg. 

—  Nicolo  Zmo  gelangt,  nachdem  er  1390  die  Faröer  und  1391  die  Shetlan« 
besucht  hatte,  nach  Island  und  wahrscheinlich  auch  nach  Grönlan 


—     60     — 


j 


1420 

99  Die  VlMMril  in  Mailand  erlassen  die  erste  bekannte  Desinfektionsordnung 
für  Pestkranke,   woran    sich  1403  die  erste  Quarantaneanstalt  anschließt. 

00  MMClMpalM  beschäftigt  sich  eingehend  mit  dem  schon  den  alten  Indem 
bekannten  magischen  Quadrat,  wodurch  dasselbe  allgemeiner  bekannt 
wird,  unter  einem  magischen  Quadrat  versteht  man  ein  in  mehrere 
kleinere  Quadrate  geteiltes  Quadrat,  in  dessen  Felder  eine  Anzahl  von 
Zahlen  so  eingeschrieben  sind,  daß  alle  Quer-,  Längs-  und  Diagonalreihen 
die  gleiche  Summe  ergeben.  Auch  Dürer,  Lahire,  Sauveur,  Euler  u.  a. 
beschäftigen  sich  später  mit  dem  magischen  Quadrat. 

(8  Johann  von  BMiMCoart  gelangt  als  erster  nach  Malocello  (s.  1270)  wieder 
nach  den  Canarischen  Inseln. 

08  Wie  Pitti  angibt,  ist  der  Ingenieur  Domenico  dl  Mattso  der  erste  gewesen, 
der  —  in  dem  Kampfe  der  Florentiner  gegen  Pisa  —  Kriegssprengminen 
Torgeschlagen  hat.  Die  ersten  Zeichnungen  und  Beschreibungen  von 
Sprengminen  gibt  (1430)  Mariano. 

05  Der  KriegsbaumelBter  Konrad  Kyotsr  gibt  die  Abbildung  eines  Schiffes, 
das  an  jeder  Seite  ein  Schaufelrad  trägt.  Diese  Räder  sollten  durch  die 
Strömung  gedreht  werden  und  dadurch  ein  flußaufwärts  befestigtes  Seil 
aufwinden,  wodurch  das  Schiff  den  Strom  hinaufgezogen  werden  sollte. 
In  diesem  tVorschlag  sind  die  Anfänge  der  Tauerei  und  Kettenschiffahrt 
xn  erblicken. 

-  Eonrad  Kytter  erwähnt  in  seinem  Buche  „Bellifortis'*  (Handschrift  in  der 
Universitätsbibliothek  zu  Göttingen)  zuerst  Hohlgeschosse,  die  mit  fest- 
gestampftem Pulversatze  gefüllt  sind,  und  aus  Hinterladern  im  Bogen- 
würfe verfeuert  werden,  die  erste  geschichtUch  beglaubigte  Erwähnung  der 
Sprenggeschosse. 

II  SeAbahnen  zur  Beförderung  von  Lasten  und  Menschen  über  Flüsse  imd 
Schluchten  vnirden  in  China  schon  im  Altertume  benutzt.  Die  erste 
Erwähnung  derselben  in  der  Literatur  geschieht  in  einer  Handschrift  der 
WliMT  HtfMMIatlMk  vom  Jahre  1411,  in  welcher  eine  Seilbahn  mit  Hanfseil 
nnd  Förderkörben  aufgezeichnet  ist.    (Vgl.  indes  auch  100.) 

19  Die  Insel  Madeira  war  wahrscheinlich  schon  den  Alten  bekannt  und 
wurde  von  den  Portt^esen  unter  genuests^ien  Ki^tteen  schon  früh  be- 
sncht.  (Auf  einer  florentinischen  Karte  vom  Jahre  1351  erscheint  die 
Insel  unter  den  Namen  „Isola  di  legname'*).  Die  eigentliche  Entdeckungs- 
geachichte  beginnt  mit  dem  Jahre  1419,  wo  die  Portugiesen  Joäo  Gonzales 
nnd  Martin  Vaz  daselbst  landen. 

M)  Wilhelm  BMkshi  erfindet  das  Einsalzen  der  Heringe,  wodurch  dieselben 
transportfähig  und  zur  Handelsware  gemacht  werden.  Hierdurch  ent 
wickdt  sich  der  Heringsfang  für  Holland  zu  einem  sehr  lukrativen  Er 
verhszweige,  der  fortan  durch  strenge  Gesetze  über  die  Zeit  des  Fangs, 
die  Weite  der  Netzmaschen,  das  Einsalzen  usw.  geregelt  vnrd.  Beukelsz, 
denen  Name  häufig  auch  in  Bökel  oder  Pökel  umgewandelt  wird,  soll  zu 
ent  auch  das  Salzen  des  Fleisches  mit  Kochsalz  oder  Salpeter  ausgeführt 
hahen,  das  nach  ihm  Pökeln  genannt  wird. 

'  Fflippo  grmalltichl  knüpft  an  die  Kuppelbauten  des  klassischen  Altertums, 
insheeondere  an  die  Kuppel  des  Pantheons  (s.  27  v.  Chr.)  an  und  erbaut 
mit  Hufe  neuer  technischer  Methoden  die  gewaltige  39^/2  m  weite  Kuppel 
des  Doms  zu  Florenz,  die  das  Vorbild  für  die  von  Michelangelo  ent- 
worfene Kuppel  der  Peterskirche  in  Rom  (s.  1646)  wird. 

'  Der  italienische  Ingenieur  Giovanni  de  Fontana  soll  (nach  Romocki,  „Ge- 
schichte der  Explosivstoffe")  der  erste  gewesen  sein,  der  treibende  See- 
minen  (Streuminen)  in  Vorschlag  bringt. 

—     61     — 


1424 

1424  Johann  Zlskl  von  Trocnow,  Feldherr  der  HuBsiten,  verwendet  zuei 
Haubitze  (Hanffnitz),  ein  hinsichtlich  der  Rohrl&nge  zwischen  den  It] 
und  den  Kanonen  stehendes  Wurfgeschütz,  welches  Steinkugeln  ver 

1426  Wie  berichtet  wird,  soll  Marco  Polo  einige  dem  Blockdruoke  äl 
Holztafeln  von  China  nach  Italien  gebracht  haben.  Der  Italiener  1 
Cotlaldl  habe  dieselben  gesehen,  Nachahmungen  zum  Buchdruck  ver 
und  i.  J.  1426  sogar  Druckversuche  mit  einzeln  in  Holz  geschni 
Typen  unternommen.  Für  die  Richtigkeit  dieser  Annahme  fehl 
jeder  beglaubigte  Nachweis. 

1431  Der  Portugiese  Gonzalo  Velho  Oabral  entdeckt  die  Formigaagru| 
Azoren.  Die  übrigen  Azoreninseln  werden  in  den  Jahren  1432—14 
gefunden.  Da  man  daselbst  auf  punische  Münzen  gestoßen  ist,  : 
die  Azoren  schon  den  Karthagern,  wahrscheinlich  auch  den  Arabe 
Normannen,  bekannt  gewesen  sein. 

1433  Gil  EaniMt  gelingt  es,  im  Auftrag  des  Prinzen  Heinrich  des  Seei 
nach   20  jährigen   vergeblichen  Versuchen  das  Cap  Bojador  zu  um 

1435  Der  italienische  Künstler  Leon  Battista  AINrU,  von  seinen  Zeitg« 
wegen  seiner  alles  umfassenden  Bildung  ein  „enzyklopädischer  ^ 
genannt,  erfindet  einen  Apparat  zur  perspektivischen  Abzeichnui 
zur  Verkleinerung  von  Zeichnungen,  der  aus  einem  durchsichtig« 
dicken  Fäden  quadrierten  Schleier  besteht  (Alberti  nennt  seinen  I 
auch  „Velo",  Schleier)  und  demnach  mit  dem  Storchschnabel  4 
Scheiner)  nicht  identisch  ist. 

1436  Baldaya  gelangt  bis  zur  Mündung  des  heutigen  Rio  d*Ouro. 

1438  Marlaniit  Jaeobut  von  Siena  bildet  ein  Boot  ab,  dessen  zwei  Schau 
von  vier  Mann  bewegt  werden,  sowie  einen  Taucheranzug  mit  He 
Bleisohlen.    (Kodex  der  Münchener  Bibliothek.  —  Vgl.  auch  1405. 

—  Luca  MIa  RobMa  bringt  die  vermutlich  schon  von  den  Arabern  j 
habte  Kunst,  die  Majolika  mit  einer  zinnoxydhaltigen  Glasur  z 
ziehen,  zu  hoher  Vollendung. 

—  Dom  Henrique  Herzog  von  VlMU  errichtet  in  seiner  portugiesischen  I 
Sagres  eine  Steuermannsschule,  auf  welcher  namentlich  die  W^ter« 
lung  des  Kompasses  in  hervorragender  Weise  gefördert  wird. 

1439  Johannes  von  Qmflnd  (de  Gamundia)  gibt  den  ersten  gedruckten  de 
Kalender   heraus.     Es   ist   dies   ein   in  Blockdruck  (Holztafeldru* 
gestellter  immerwährender  Kalender  mit  Planetentafel.    Derselbe 
sich  im  Kupferstichkabinett  des  Kgl.  Museums  zu  Berlin. 

1440  Lourens  Janszoon  Cotter  in  Haarlem  soll  (nach  dem  von  Junius  vc 
i.  J.  1588  in  Leiden  erschienenen  Werke  „Batavia*')  seit  dem  Jsü 
mit  hölzernen  und  metallenen  Lettern  gedruckt  haben.  Später 
Druckgerät  gestohlen  und  nach  Mainz  übergeführt  worden.  Au 
dieser  Darstellung  wird  Coster  in  Holland  vielfach  als  der  Erfii 
Buckdruckerkunst  betrachtet,  imd  einzelne  holländische  Forsche 
die  Erfindung  sogar  bis  in  das  Jahr  1423  zurück  verlegt.  Neuer« 
suchungen  lassen  indes  keinen  Zweifel,  daß  die  Angaben  des  Ju 
einem  Irrtum  beruhen. 

—  Nicolaus  von  Cosa  (eigentlich  Nikiaus  Krebs  aus  Cues  a.  d.  Mo6< 
zuerst  den  Puls  mit  einer  Uhr  (Wasseruhr). 

—  Nicolaus  von  Cuia  gibt  die  erste  Anregung,  das  Senkblei  beim  J^ 
einem  spezifisch  leichten  Körper  zu  verbinden,  der  sofort,  wenn 
am  Grunde  angelangt  ist,  sich  abtrennt  und  nach  oben  zuril 
Ähnliche  Vorschläge  machen  Alberti  in  seinem  Werke  „De  arobi 
und  der  um  1550  lebende  Mathematiker  Puehler. 

—     62     — 


1450 

*  Nicolanfl  von  Cosa  konstruiert  das  erste  rohe  Hygrometer  aus  trockener 
Wolle  und  bestimmt  den  Feuchtigkeitsgrad  der  Luft  aus  der  Feuchtigkeits- 
zunahme  der  Wolle. 

Nioolaus  von  Cum  faßt  das  Weltganze  als  eine  unendliche,  unbegrenzte  Einheit 
auf  und  lehrt,  daß  die  Erde  schon  darum  nicht  im  Siüttelpimkte  der  Welt 
stehen  könne,  weil  der  unendliche  Raum  keinen  Mittelpunkt  habe.  Seine 
Ausladungen  über  die  Achsendrehung  der  Erde  (in  der  Schrift  ,,De  docta 
ignorantia")  sind  dunkel. 

MartaMit  Jacobut  gibt  die  erste  Beschreibung  von  fahrbaren  Kranen  und 
Winden. 

Giovanni  Miohele  8avonarola  verfaßt  eine  ausführliche  Schrift  über  den 
Branntwein  und  lehrt  die  Prüfung  desselben  auf  den  Gehalt  an  Alkohol. 
Der  Tatarenfürst  Ulngh-Mch  errichtet  in  Samarkand  eine  Sternwarte  von 
außerordentlicher  Größe,  und  verbessert  auf  Grund  eigener  Beobachtungen 
die  Angaben  des  Ptolemaeischen  Stemkatalogs.  (S.  160  Ptolemaeus.) 
Nuno  Tristam  erreicht  das  Kap  Blanco  und  zwei  Jahre  später  die  Bucht 
von  Arguin. 

Dinis  DIai  entdeckt  das  Kap  Verde. 

Die  erste  bekannte  Datierung  eines  Kupferstichs  befindet  sich  auf  einem 
Blatt  „Die  Greißelung'*,  das  zur  Passionsserie  von  sieben  Blättern  gehört 
und  sich  im  Berliner  Kupferstichkabinett  befindet.  Es  rührt  von  einem 
DMttcbon  Maittar  her  und  beweist,  daß  schon  eine  längere  Praxis  in  diesem 
Druckverfahren,  das  offenbar  auf  Goldschmiede,  die  mit  dem  Stichel  in 
Metall  stachen,  zurückzuführen  ist,  bestanden  haben  muß. 
Prokop  Waldvafal  in  Avignon  scheint  nach  seiner  „Ars  artificialiter  scribendi" 
ein  Verfahren  geübt  zu  haben,  das  darin  bestand,  daß  er  linksseitig  ge- 
schnittene Buchstabenstempel  einfärbte  und  einzeln  auf  das  Papier  ab- 
drückte. Es  ist  somit  in  dem  Vorschlage  Waldvogels  kein  eigentUcher 
Buchdruck,  sondern  lediglich  eine  besondere  Methode  des  Schreibens  zu 
erblicken. 

Alvaro  Famandai  erreicht  das  Nordende  der  Küste  von  Sierra  Leone. 
Bamario  dl  RaiMdIa  erfindet  die  Steinoperation  mit  der  großen  Gerätschaft 
.,Apparatus   magnus",    auch   Perinealschnitt  genannt,   die  von  ihm   auf 
Giovanni  di  Romani  und  schließlich  auf  Mariano  Santo  di  Barletta  über- 
geht, welcher  sie  1537  bekannt  macht. 

Antonio  Branca  in  Catania  führt  zuerst  die  seit  Celsus  verlassenen  Trans- 
plantationen gesunder  Haut  aus  Gesicht  und  Oberarm  zum  Ersatz  ver- 
stümmelter Nasen  wieder  aus. 

Flnlguarra  pflegt  in  hervorragender  Weise  das  schon  seit  einiger  Zeit  be- 
kannte Niello,  d.  i.  eine  Verzierung  auf  Silber,  die  in  eingravierten,  mit 
einer  Art  schwarzer  Farbe  ausgefüllten  Zeichnungen  besteht. 
Johann  QutMbarf  tritt  mit  seiner  Erfindung  der  Buchdruckerkunst  in  die 
Öffentlichkeit.  Der  große  Gedanke  Gutenbergs  spricht  sich  vornehmlich 
ans  in  der  Erfindung  der  mechanischen  Vervielfältigung  der  Buchstaben, 
mit  der  er  sich  schon  seit  1436  getragen  hatte,  in  der  Herstellung  einer 
Dmckerpresse  und  in  der  Erfindimg  eines  Gießinstruments  zur  Erzielung 
völlig  gleicher  Kegelhöhen. 

Die  Kupfergewinnung  aus  deutschen  Kupferlagerstätten  (Harz)  beginnt 
um  das  Jahr  968.  Einen  besonderen  Aufschwimg  nimmt  die  Kupfer- 
gewinnung in  Deutschland,  seit  der  Schmelzer  NoBlar  aus  Joachimsthal 
lehrt,  kiesige  Erze  zu  verarbeiten,  indem  er  dieselben  röstet,  aus  dem  ge- 
wonnenen Stein  den  Vitriol  auslaugt  und  aus  der  gewonnenen  Lauge  das 
Kupfer  durch  Eisen  fällt. 

—     63     — 


1450 

1450  Greorg  von  Püirtadl  erfindet  da«  „geometrische  Quadrat",  welches 
älteste  Distanzmesser  anzusehen  ist,  dem  1750  der  von  Paoecoo  ab 
erfundene  Pantometer,  ein  Distanzmesser  ohne  Latte  folgt. 

—  PItro  MIa  FrancMca  macht  in  seinem  Werke  „De  prospectiva  pingendi'* 
auf  die  Bedeutung  des  Verschwindungspunktes  (Fluchtpunktes)  aufm« 

—  Während  im  Altertum  und  frühen  Mittelalter  die  Behandlung  der  K 
adem  (Varicen)  vorzugsweise  eine  operative  (Incision  —  Hippokrates 
hitze — Celsius,  Ätzung — Guy  de  Chauliac,  Excision  —  Oribasius  und 
war,  verwendet  Giovanni  Michele  Savonarola  lediglich  einen  festen  V 
und  läßt  dabei  ruhige  Lage  mit  erhobenen  Füßen  einhalten.  Er  w 
mit  der  Vorläufer  der  neuzeitlichen,  überwiegend  palliativen  Beha 
mit  elastischen  Strümpfen  und  Binden. 

1452  Die  freie  Stadt  Rtpiitfeurf  erläßt  eine  Hebeammen- Ordnung,  die 
noch  nichts  über  die  Ausbildung  der  Hebeammen  und  über  die  Ä 
Geburtshelfer  enthält.  Erst  eine  im  Jahr  1555  im  Druck  herausg 
Ordnung  spricht  von  Prüfung  der  Hebeammen  und  weist  dieselben 
Doktoren  der  „Arzney". 

1454  Georg  von  Pturbach  entwirft  eine  Sinustafel  von  10  zu  10  Minuten 
den  Halbmesser  60- 10',  welche  zwar  noch  eine  Vermengung  des  s« 
malen  und  des  dezimalen  Systems  enthält,  aber  doch  das  reine  L 
System  vorbereitet,  wie  es  Peurbachs  Schüler  Regiomontanus  in 
Trigonometrie  bald  darauf  planmäßig  durchführt.  (S.  1463  Re| 
tanus.) 

1455  Alvise  da  Gada  Motto  entdeckt  auf  seiner  im  Auftrage  des  Prinzen  I 
des  Seefahrers  unternommenen  Keise  die  Insel  Arguin   und  den 
und  gelangt  bis  an  die  Mündung  des  Gambia,    von  wo  er    1456   1 
Rio  Grande  kommt. 

1456  Ludwig  van  Borquom  zu  Brügge  begründet  eine  neue  Art  der  £< 
Schleiferei,  indem  er  sich  nicht  darauf  beschränkt,  die  natüi 
Flächen  der  Steine  weiter  zu  bearbeiten  und  zu  glätten,  sonder 
zweckmäßig  angeordnete  künstliche  Flächen  außerordentliche,  b 
unbekannte  Effekte  erzielt.    (Rosettenschliff.) 

1457  Diogo  CkNnoi  gibt  bei  seiner  Rückkehr  aus  dem  Innern  von  Af 
erste  Andeutung  von  einem  gegen  Osten  strömenden  Flusse,   dec 

—  Diogo  Qomti  und  Antonio  de  Noil  entdecken  gleichzeitig  die  In 
grünen  Vorgebirges  (Kapverdische  Inseln). 

—  Der  Camaldulensermönch  Fra  Mauro  zeichnet  die  im  Dogenpalast  zu 
befindliche  Weltkarte,  welche  durch  die  Fülle  ihres  Inhalts  und  c] 
aus  sorgsame  DarsteUungsweise  das  hervorragendste  Denkmal  dei 
alterlichen  Kartographie  darstellt. 

—  Peter  Schöffor  hat  zuerst  den  Gredanken,  die  aus  Stahl  geschnittenen 
in  Messing  oder  Kupfer  zu  treiben  und  auf  diese  Weise  eine  schär 
dauerhaftere  Matrize  für  den  Guß  herzustellen.    (Vgl.  sein  in  dies> 
gedrucktes  Psalterium  von  1457.) 

1460    Der  maurische  Mathematiker  Abul  Hasan  Ali  ben  Mohammed 
verfaßt  eine  Arithmetik,   in  welcher  sich  zum  ersten  Male  eine 
Wurzelzeichen  \md  von  Gleichheitszeichen   vorfindet.     (S,   a.   15: 
und  1556  Recorde.) 

—  Nicolaus  von  Cusa  verfertigt  eine  Karte  von  Deutschland,  die  e 
seinem  Tode  1491  erscheint  imd  die  erste  gedruckte  Karte  von  j 
land  darstellt.  Er  verwendet  dabei  die  konische  Projektion  des  Pto 
(S.  150.) 

—  Der  Glasmaler  Jacob  Qrlitingor  aus  Ulm,  genannt  Jacobus  Alc3 
fördert  die  Glasmalerei,  indem  er  der  von  Theophilus  (s.  1050)  er| 

—     64     — 


1470 

ersten  metallisohen  Farbe,  dem  „  Schwarzlot* ^  eine  zweite  Metallfarbe,  das 
„Kunstgelb'S  hinzufügt,  welches  er  aus  schwefelsaurem  Silber  und  ge- 
branntem Ocker  darstellt.  Um  diese  Zeit  kennt  man  auch  schon  das 
Überdecken  (Überfangen)  des  gewöhnlichen  Glases  mit  einer  dünnen 
farbigen  Glasschicht,  welche  zur  Erzeugung  der  Nuancen  und  Schatten - 
Wirkungen  alsdann  nach  Bedarf  mehr  oder  weniger  wieder  abgeschliffen 
wird. 

Heinrich  von  PMsiMUiidt  gibt  in  seiner  „Bünd-Aerzney"  Vorschriften  über 
den  Verband  bei  Verletzungen  und  Verwundungen  und  erwähnt  darin  als 
erster  Arzt  die  durch  Feuerwaffen  bewirkten  Verletzungen. 
Giovanni  Michele  Savonarola  schreibt  über  Geburtshilfe  und  spricht  zuerst 
von  einer  Raumbeengung  des  Beckens  für  ein  großes  durchtretendes  Kind 
bei  einer  Kreißenden  mit  schmalen  Hüften.  Er  empfiehlt  demzufolge  den 
Hebammen,  sich  über  etwa  schon  früher  stattgehabte  Geburten  zu 
unterrichten. 

RiChmontuiut  (Johannes  Müller)  behandelt  in  seinem  Werke  „De  triangulis 
omnimodis  libri  V",  das  nach  seinem  Tode  von  Johann  Schöner  1533 
herausgegeben  wird,  die  ebene  und  sphärische  Trigonometrie  in  so  um- 
fassender Weise,  daß  er  als  Schöpfer  der  modernen  Trigonometrie  be- 
zeichnet werden  kann.  Das  Werk  enthält  u.  a.  den  Sinussatz  und  die 
Formel  für  die  Dreiecksfläche :  Vs  &  ^  sin  y.  Von  besonderer  Bedeutung  ist 
der  von  Regiomontanus  zuerst  aufgestellte  Hauptsatz  der  sphärischen 
Trigonometrie,  daß  sich  aus  den  3  Winkeln  des  sphärischen  Dreiecks  die 
3  Seiten  berechnen  lassen. 

König  Ludwig  XI.  von  Frankreich  ruft  einen  umfangreichen  ständigen  Reit- 
botendienst ins  Leben,  dessen  Inanspruchnahme  indes  für  Private  bei 
Todesstrafe  verboten  war.  Karl  VIII.  bezeichnet  in  einem  Patente  vom 
Jahre  1487  die  Kuriere  dieses  Botendienstes  als  „Chevaucheurs  en  poste*', 
—  die  erste  geschichtlich  sicher  beglaubigte  Verwendung  des  Wortes 
„Poef  im  heutigen  Sinne.  (Vgl.  jedoch  1298  Marco  Polo.) 
Claudius  Glavus  stellt  die  erste  Karte  her,  auf  der  Grönland  in  richtiger 
Lage  westlich  von  Norwegen  und  Island  wiedergegeben  ist. 
Der  Glockengießer  Bartholomäus  Kntck  zu  Alost  in  Flandern  erfindet  die 
durch  Räderwerk  getriebenen  Kirchturm -Glockenspiele.  Der  berühmteste 
spätere  Erbauer  von  Glockenspielen  ist  der  Holländer  Matthias  van  den 
Gheyn  (1721—1785). 

Konrad  tatyllholm  und  Arnold  Pannartz,  welche  im  Jahre  1464  die  Buch- 
druckerkunst in  Italien  einführten,  drucken  Ciceros  Briefe  mit  einer  Schrift- 
gattung und  Lettemgröße,  welche  seitdem  den  Namen  „Cicero*'  führt. 
Der  Arzt  und  Geograph  Paolo  TmcaiMlII  errichtet  einen  277  Fuß  hohen 
Gnomon  an  der  Kirche  St.  Maria  del  Fiore  in  Florenz,  mit  dem  sich  der 
Mittag  bis  auf  eine  halbe  Sekunde  genau  bestimmen  läßt.  Toscanelli  be- 
nutzt den  Apparat  zur  Berichtigung  der  Alfonsinischen  Tafeln.  (S.  1252 
Allons). 

BMnbard  in  Venedig  erfindet  das  Pedal  an  der  Orgel,   durch  welches   die 
für  das  Spiel  der  Füße  bestimmte  untere  Klaviatur  gehandhabt  wird. 
Die  deutschen  Buchdrucker  Ulrich  Gering»  Martin  Cranti  und  Michael  Fri- 
tarfsr  errichten  auf  Wunsch  der  Pariser  Universität  die  erste  Buchdruckerei 
Frankreichs  in  der  Sorbonne. 

Der  aus  Deutschland  gebürtige  Buchdrucker  Johannes  de  Sflihra  (Johann 
von  Speier)  in  Venedig  stellt  die  erste  Ausgabe  des  Tacitus  in  Buchdruck 
her.    Das  Buch  ist  das  erste  mit  arabischen  Blattziffem  versehene  Druck- 
werk. 
Darmstaedter.  5 

—    65    — 


1471 

1471  Der  aus  Toun  gebürtige  Stempelschneider  Nikolaus  JiMM  in  \ 
führt  an  Stelle  der  gotischen  oder  Mönchsschrift  die  römische  oder  Ai 
Type»  den  sogenannten  »»lateinischen"  Druck,  in  den  Buchdruck  ein. 
die  Fraktur  oder  »»deutsche**  Druckschrift  s.  1522  Dürer). 

—  Joäo  de  ttnüwi  und  Pedro  de  Eictvar  entdecken  unter  Beihilfe  des 
Alvaro  Esteves  die  Goldküste  und  dringen  über  die  Nigermündung 
den  Äquator  hinaus  bis  zum  Kap  Santa  Katarina  (l<*51's.  Br.)  vo] 

—  Der  Nürnberger  Patrizier  Bernhard  Walttier  begründet  auf  Veran 
von  ReclOMontanm  (Johannes  Müller)  in  seiner  Vaterstadt  die  erste  d 
Sternwarte,  wahrscheinlich  überhaupt  die  erste  Sternwarte  im  chrii 
Europa.  Die  zweite  Sternwarte  in  Deutschland  wird  von  Wühe] 
Landgrafen  von  Hessen»  L  J.  1561  in  Kassel  errichtet. 

1472  Femäo  da  Po  entdeckt  an  der  westafrikanisohen  Küste  die  nach  i 
nannte  Insel  Fernando  Po»  die  er  selbst  aber  Formosa  nennt. 

—  Robertus  ValtHriiit  gibt  die  Abbildung  zweier  Galeeren»  welche  t 
wegungsmechanismus  Schaufelräder  (fünf  an  jeder  Seite  des  Schifte) 
Doch  datieren  die  ersten  Versuche  mit  einer  Schaufelradbewegu 
Schiffe  aus  einer  viel  früheren  Zeit»  und  es  sollen  sich  die  Bömei 
um  260  V.  Chr.  mit  dieser  Idee  befaßt  haben.  (Vgl.  auch  1405  Kj 

—  Robertus  Valtartos  gibt  die  Zeichnung  eines  unterseeischen  Fahrz« 
der  Form  eines  vom  und  hinten  zugespitzten  Zylinders»  welche« 
Ruderräder  mittels  Handbetriebes  fortbewegt  werden  sollte.  A 
Skizze  geht  die  praktische  Unausführbarkeit  des  Gedankens  ohne  ^ 
hervor.  Doch  wird  hier»  soweit  geschichtlich  nachweisbar»  zum  er 
die  Idee  eines  Unterseebotes  geäußert. 

1474  Paolo  TeecMielll  bezeichnet  in  einem  schriftlichen  Gutachten  an  dei 
herrn  Femäo  Martinez  den  atlantischen  Seeweg  nach  Indien  an 
kürzer  als  die  Seefahrt  um  das  afrikanische  Festland,  und  fügt  ein 
bei,  auf  der  er  diesen  Weg  einträgt.  Von  diesem  Gutachten  und  vo 
Karte  erhält  Columbus  Kimde  und  nimmt  eine  Kopie  der  Karte 
seine  Entdeckimgsfahrt. 

—  Karl  der  Kflhne,  Herzog  von  Burgund,  verwendet  zuerst  in  der  Krieg 
ein   Flußkanonenboot»   welches    bei   der  Belagerung  von   Neuß 
schießung  der  Stadt  von  der  Rheinseite  her  in  Tätigkeit  tritt.    (Dai 
bett  lag  damals  der  Stadt  Neuß  näher  als  jetzt.) 

—  Nachdem  zuerst  Pierre  d'Ailly  imd  Nikolaus  von  dhisa  auf  den  Ü 
der  stetig  zunehmenden  Abweichungen  des  julianischen  Kaiende 
V.  Chr,)  hingewiesen  hatten»  nimmt  der  Papst  Slxtut  IV.  eine  K 
reform  in  die  Hand,  die  indes  infolge  des  Todes  des  mit  den  Berecl 
beauftragten  Regiomontanus  nicht  zustande  kommt.  (Vgl.  1582  6reg< 

1475  ReclementaiHit  (Johannes  Müller)  gibt  neue  astronomische  Tafeln  be 
bald  die  seit  der  Mitte  des  13.  Jahrhunderts  im  Gebrauch  befi 
alfonsinischen  Tafeln  (s.  1252  Alfons  X.)  verdrängen »  auch  f 
deckungsreisen  ein  wichtiges  Hilfsmittel  werden  imd  nachweiel 
Columbus   und  Vasco  da  Gama  benutzt  worden  sind. 

—  ReclemontanM  (Johannes  Müller)  konstruiert  ein  verbessertes  Astr« 
das  er  „Torquetum"  nennt  und  dessen  Orientierung  und  Gebrs 
wesentlichen  dieselben  sind  wie  beim  älteren  Astrolabium. 

1476  William  Caxton,  der»  ursprünglich  Kaufmann,  in  Cöln  die  Buch 
kunst  erlernt  hatte,  führt  dieselbe  in  England  ein. 

—  Der  Buchdrucker  Ulrich  Hahn  in  Rom,  gebürtig  aus  Ingolstadt, 
den  Musiknotendruck.  Sein  Druckverfahren  besteht  darin,  daß  er 
die  fünf  (roten)  Notenlinien  und  in  einem  zweiten  Gange  die  Note 

—     66     — 


1487 

druckt.  (Sog.  zweifaches  Druckverfahren.)  Hahns  Noten  sind  Choralnoten, 
noch  keine  Mensuralnoten.  Eine  weitere  Verbreitung  findet  das  Verfahren 
durch  Jörg  Reyser  in  Würzburg  (1481). 
I  Der  Buchdrucker  Johannes  VtMtiMr  zu  Löwen  und  Utrecht  wendet  in  dem 
Buche  „Fasciculus  temporum''  zuerst  die  als  „Vignette**  bezeichnete  Buch- 
verzierung an. 
I  Alessandro  Ackllllnl  entdeckt  im  menschlichen  Ohr  das  knöcherne  Labyrinth, 
sowie  den  Hammer  und  den  Amboß. 

Der  italienische  Maler,  Architekt  und  Bildhauer  Laonartto  da  Vlad  ent- 
wickelt auf  fast  allen  naturwissenschaftlichen  Grebieten  eine  epoche- 
machende Tätigkeit.  Die  Malkunst  vervoUkommnet  er  durch  Ausbildung 
der  zuerst  von  Alberti  (s.  1436)  angewendeten  Perspektive. 
LaaMtfio  tfa  Vlacl  spricht  zuerst  die  Idee  des  Lampenzylinders  aus,  der  als 
Rauchfang  der  Flamme  Gelegenheit  geben  soll,  zu  ezhaUeren  und  sich 
durch  Luftzufuhr  zu  ernähren.  (S.  1756  Quinquet.)  Er  beschreibt  zuerst 
den  Fallschirm,  mit  dem  sich  jeder  von  beliebiger  Höhe,  so  groß  sie  auch 
sei,  herunterlassen  könne. 

Laraua  von  Maild  gibt  den  Anstoß  zur  allgemeinen  Neubelebung  einer  um- 
fassenden Gartenkultur. 

Der  König  Matthias  Carvlaus  führt  den  Maroquin-Einband  ein.  Er  hält  sich 
stets  eine  Anzahl  Künstler,  die  seine  Bücher  in  Maroquin  binden,  ver- 
golden imd  bemalen.  Jeder  Band  erhält  den  Stempel  eines  Raben  (Cor- 
vinus)  mit  einem  Ring  im  Schnabel. 

Der  Büchsenmacher  Kaspar  Zdllnar  in  Wien  schneidet  zuerst  Züge  in  die 
Seelenwand  des  Grewehriaufs  ein.  Die  Züge  verliefen  geradlinig  (ohne 
Drall);  die  erwartete  Steigerung  der  Schußleistungen  blieb  daher  aus.  Doch 
sind  derartige  gerade  Züge,  besonders  in  der  Form  der  sogenannten  Haar- 
züge, auch  bei  neueren  Handfeuerwaffen  mehrfach  angewendet  worden,  aber 
nur  noch  zu  dem  Zwecke,  das  Laden  (Eintreiben  des  Geschosses  in  den 
Lauf)  zu  erleichtem. 

Domenico  Maria  Navara  da  Ftrrara  bemerkt  zuerst,  daß  seit  Ptolemaeus  der 
Pol  der  Weltachse  sich  dem  Zenit  um  l^  genähert  hat. 
Wancariaut  von  Olmütz  erfindet  die  Radierkunst  auf  Kupfer. 
Diogo    GS«  gelangt   zur  Mündung  des  Kongo  6**6^s.  Br.,  zum  Cap  Santo 
Agostinho  (jetzt  Santa  Maria)  13^27' 15'' s.  Br.    und   zum  Cap  Negro  15<^ 
40'  30"  s.  Br. 

Nicolas  Chiifaat  veröffentlicht  ein  Rechenbuch  „Le  Triparty  en  la  science 
des  nombres",  welches  die  Potenzen  zum  ersten  Male  in  der  heutigen 
Schreibweise  enthält.  Er  hat  eine  klare  Einsicht  in  das  Wesen  einer  un- 
bestimmten Gleichung.  Er  wendet  zuerst  die  Bezeichnungen  „Million", 
„Byllion",  „Tryllion"  an,  die  aber  erst  durch  Paciolus  (s.  1487)  allgemein 
gebräuchlich  werden. 

Bernhard  WaNNr  in  Nürnberg  versucht  zuerst  die  Verwendung  von  Uhren 
mit  gezähnten  Rädern  zu  astronomischen  Beobachtungen  Doch  hat  dieser 
Versuch  infolge  des  unregelmäßigen  Ganges  der  damaligen  Räderuhren 
keinen  wesentlichen  Erfolg. 

Der  König  Jakab  III.  von  Schottland  kauft  ein  in  Mens  in  Belgien  ge- 
fertigtes schweres  Geschütz  an,  dessen  Rohr  aus  aufgewickelten  Eisen - 
Stäben  („wie  man  ein  Tau  aufwickelt")  hergestellt  ist  —  ein  Vorläufer  der 
heutigen  Longridge- Geschütze.  (S.  1884  L.)  Das  Geschütz  befindet  sich  noch 
jetzt  in  Edinburg. 

Der  Buchdrucker  Hanns  BiMmalar  in  Nürnberg  (auch  Maler  Hans  Sporer 
oder    Hans    Buchdrucker    genannt)    verfaßt    das   erste   „Visierbüchlein", 

6* 

—     67     — 


1487 

eine  Anleitung   zur   Bestimmung  des   RauminhaltB   von  Hohlmaßec 
Fässern. 

1487  Bartolomeo  DIai  umfährt  zuerst  das  Kap  der  guten  Hoffnung,  das 
Kap  der  Stürme  benannte  und  das  seinen  jetzigen  Namen  erst  Tom 
Joäo  von  Portugal  erhält. 

-^  Der  Mathematiker  Lucas  Paeioliit  zu  Perugia  verfaßt  ein  im  Jahre  1 
Venedig  gedrucktes  epochemachendes  Werk  „Summa  de  Arithn 
Creometria,  Proportion!  et  Proportionalität*,  welches  fast  die  gesamte  J 
matik  umfaßt.  Bemerkenswert  sind  die  algebraisch  gelösten  Auj 
der  Geometrie,  die  den  Zusammenhang  von  Greometrie  und  Algebr 
ersten  Male  klar  zum  Ausdruck  bringen.  Auch  enthält  das  Wer 
Anleitung  zur  doppelten  Buchführung  und  einen  Münz-,  Maß-  un 
wichtstarif. 

—  Der  aus  Augsburg  gebürtige  Buchdrucker  Erhard  RattoM  ( Rathold)  in  V 
führt  die  mit  Blumen  verzierten  oder  aus  Blumen  gebildeten,  nam 
als  Initialen  verwendeten  Kimstbuchstaben  (Litterae  florentes)  j 
Buchdruck  ein.  Er  wendet  zuerst  den  Golddruck  an  und  druckt 
geometrische  Figuren  in  einem  mathematischen  Werke.  (S.  auc] 
Alfons.)  Von  anderer  Seite  wird  Johann  Zainer  als  derjenige  g€ 
der  zuerst  die  eingedruckten  Initialen  verwendet  habe. 

1489  Johann  WMnuuin  in  Eger  verfaßt  eine  mathematische  Schrift  „B< 
und  hübsch  Rechnung  uff  aUen  kauffmannschaften'%  in  welcher  zm 
Zeichen  -|~  '^^^  —  erscheinen. 

1490  Paul  Eck  von  Salzbach  spricht  in  seinem  „Clavis  philosophorum**  be 
davon,  daß  die  Metalle  bei  der  Verkalkung  schwerer  werden  und  bes 
seine  über  diesen  Gegenstand  am  Quecksilber  und  Quecksilberat 
angestellten  Verkalkimgsversuche. 

—  Leonardo  da  Vlnd  erklärt  das  aschgraue  Licht  des  Mondes,  welches  s 
wenn  die  Sichel  nur.  noch  eine  sehr  schmale  ist,  für  doppelt  refle 
Licht,  nämlich  solches,  welches  von  der  Sonne  kommt,  von  der  Erc 
dem  Mond  und  von  diesem  zur  Erde  geworfen  wird.  Er  erwähnt 
die  Kontrasterscheinungen,  die  sich  in  simultane  Farbenkontraste 
sukzessive  Kontraste  (komplementäre  Nachbilder)  scheiden  laasea. 

—  Leonardo  da  Vlnd  beobachtet  zuerst  das  Ansteigen  der  Flüssigke 
engen^ Röhren.  Es  muß  demnach  ihm  und  nicht  Aggiunti  die  Ente 
der  Capillarität  zugeschrieben  werden. 

—  Leonardo  da  Vlnd  konstruiert  ein  Hygrometer. 

1492  Martin  Behalm,  Kaufmann  aus  Nürnberg  und  lange  Zeit  als  Greog 
Diensten  des  Königs  Joäo  II.  von  Portugal,  zeichnet  am  Vorabc 
Entdeckung  der  Neuen  Welt  seinen  Erdapfel,  den  ersten  voUkoi 
Erdglobus.     (S.  auch  159  v.  Chr.) 

—  Christoph  Columfeut  beobachtet  am  13.  September  auf  seiner  Fahrt  30 
westlich  von  Ferro  eine  Abweichung  der  Magnetnadel  in  iiordw< 
Kichtung,  die  5^  beträgt  und  sich  am  nächsten  Tage  noch  vergröO 
ist  dies  die  erste  bekannte  Beobachtimg  der  Deklination.  Allerdij 
der  Befund  von  Taschensonnenuhren,  welche,  obwohl  sie  aus  d< 
des  15.  Jahrhimderts  stammen,  bereits  eine  Art  von  Deklinatioi 
aufweisen,  der  Vermutung  Kaum,  daß  die  magnetische  Deklinati< 
licherweise  schon  ein  halbes  Jahrhundert  vor  Columbus  bekannt  gew 

—  Christoph  Columfeut  erreicht  am  12.  Oktober  die  Insel  Guanahani, 
Bahama- Inseln,  imd  entdeckt  damit  die  Neue  Welt. 

—  Christoph  Columfeut  entdeckt  am  27.  Oktober  1492  Cuba,  deese 
natur  jedoch  erst  i.  J.  1508  durch  Ocampo  festgestellt  wird.     An 

-     68     — 


iL 


1498 

zember    1492    entdeckt    Columbus    die   Insel   Haiti    (von    ihm   Espatiola 
genannt). 

1492  Der  Beisende  Lm  AfÜcanm  (Alhnsan  Ibn  Mohammed  Alwazzan)  bereist 
Nordafiika  und  gibt  Aufschlüsse  über  die  Geographie  des  Sudan. 

—  Christian  MumuM  in  Braunschweig  erfindet  das  nach  ihm  benannte,  sehr 
warzreiche  dunkle  Bier.    („Schiffsmumme*'  und  ,, Stadtmumme".) 

1493  Chiistoph  Golunibiit  schildert  das  Ereignis  der  Entdeckung  Amerikas  in 
einem  Briefe  an  den  Schatzmeister  Rafael  Sanchez.  Dieser  Brief,  fast  in 
aUe  europäischen  Sprachen  übersetzt  und  überallhin  in  einer  zeitungsähn- 
lichen Form  durch  den  Druck  verbreitet,  kann  als  erstes  Glied  in  der 
Entwicklung  des  Zeitungswesens  angesehen  werden.  ' 

—  Christoph  Columfeus  entdeckt  auf  seiner  zweiten  Reise  am  15.  November 
1493  die  Insel  Portorico,  die  er  „Isla  de  San  Juan*'  nennt. 

1494  Der  Arzt  Chane«,  ein  Begleiter  des  Columbus,  erwähnt  zuerst  den  spanischen 
Pfeffer. 

—  Christoph  Golumfeut  entdeckt  am  5.  Mai  1494  auf  seiner  zweiten  Reise  die 
Insel  Jamaica,  von  ihm  „Santiago"  genannt. 

1495—96  Das  erste  Trockendock  in  England  und  vermutlich  das  erste  der 
Welt  wird  auf  Befehl  des  Königs  Heinrich  VII.  von  England  in  Portsmouth 
«rrichtet.  Es  wird  aus  Holz  gebaut  und  sein  Eingang  durch  zwei  Pfeiler- 
reihen, deren  Zwischenraum  mit  Steinen  und  Kies  ausgefüllt  wird,  ge- 
schlossen. Naturgemäß  wird  durch  diese  Einrichtung  des  Dockeinganges, 
an  dessen  Stelle  erst  später  die  beweglichen  Docktore  treten,  das  Docken 
der  Schiffe  sehr  umständlich  und  zeitraubend. 

1495  Der  Grelehrte  und  Buchdrucker  Aldus  Manutliis  in  Venedig  verbessert  die 
von  Jenson  (s.  1471)  eingeführte  Antiqua-  oder  „lateinische"  Druckschrift. 
Er  unterscheidet  zuerst  die  stehende  lateinische  (eigentliche  Antiqua-) 
Type  und  die  liegende  (Kursiv-)  Schrift.  Sein  Druckwerk  „Bembus,  de 
Aetna"  ist  für  den  Antiquadruck  vorbildlich.  Er  ist  der  Urheber  der 
heutigen  Art  der  Interpunktion  (Komma,  Kolon).     (Vgl.  200  v.  Chr.) 

—  Pedro  HBcnunro  bildet  die  Technik  der  Sprengminen  weiter  aus,  die  unter 
anderm  bei  der  Einnahme  des  Castel  Nuovo  in  Neapel  eine  Rolle  spielen. 

497—98  Der  Seefahrer  Giovanni  Cabet  entdeckt  Neu-Fundland  und  befährt  auf 
einer  zweiten  Reise  die  Küste  bis  Florida. 

497  Vasco  te  Ckuna  wird  im  Juli  1497  von  König  Manuel  mit  der  Aufsuchung 
des  Seewegs  nach  Indien  betraut.  Er  umschifft  am  22.  November  1497 
das  Kap  der  Guten  Hoffnung,  erreicht  im  Januar  1498  die  Mündung  des 
Sambesi  und  gdangt  über  Mosambik  und  Mombas  am  20.  Mai  1498  nach 
KaJikut  an  der  Küste  von  Malabar. 

—  Das  Benzoeharz  (Myrrha  troglodytica)  gelangt  zuerst  nach  Europa,  nach- 
dem Vasco  da  Qaina  den  Seeweg  nach  Indien  gefunden  hatte.  Der  Baum 
wird  später  von  Garcias  de  Orta  (s.  1560)  beschrieben. 

—  Nachdem  schon  Columbus  auf  seiner  ersten  Reise  die  Eingeborenen  von 
Guanahani  zylinderförmige,  mit  einem  Maisblatte  umwickelte  Rollen  von 
Tabaksblättem  hatte  rauchen  sehen,  gibt  der  von  ihm  bei  seiner  zweiten 
Reise  auf  Haiti  zurückgelassene  Mönch  Fra  Remano  Pane  die  erste  Nach- 
richt von  der  Tabakspflanze  nach  Europa,  die  er  „Herba  inebrians'* 
(berauschendes  Kraut)  nennt.   (S.  1566.) 

498  Christoph  MttRikus  entdeckt  auf  seiner  dritten  Reise  das  Festland  von 
Südamerika  (Grolf  von  Paria). 

~  Nachdem  durch  die  Einführung  der  Druckerpresse  auch  die  Ausbildung 
des  Kunstdruckes  ermöglicht  war,  pflegt  und  verbessert  Albrecht  DQrer 
den  Holzschnitt  sowohl  in  technischer,  als  auch  in  künstlerischer  Beziehung. 

—     69     — 


1498 

Als  Druckplatten  dienen  gut  geglättete,  gehobelte  und  abgeBchliffene  Holz- 
platten von  Birnbaum,  Kirschbaum  oder  Ahorn. 

1498  Der  Italiener  Ottaviano  M  Ptlniocl  da  Fossombrone  wendet  im  Musiknoten- 
druck an  Stelle  der  Choralnoten  (s.  1476  Hahn)  zuerst  die  Mensural- 
noten  an. 

1499—1500  Alonso  de  HojMbi  bef&hrt  die  Küste  Südamerikas  zwischen  der  Halb- 
insel Guajira  und  6®  s.  Br.,  wobei  er  den  Amazonenstrom  entdeckt.  Unter 
seinen  Begleitern  befindet  sich  Yespucd. 

1499  Alonso  de  Hojedt  entdeckt  Pfahlbauten  an  der  Nordküste  von  Südamerika. 
Hiemach  wird  der  ganze  Küstenstrich,  nach  Analogie  des  ebenfalls  auf 
Pfählen  erbauten  Venedig,  „Venezuela"  genannt. 

—  Amerigo  Vei|Nicel  macht  den  Vorschlag,  die  Abstände  des  Mondes  von  ge- 
wissen Fixsternen  zur  astronomischen  Längenbestimmung  anzuwenden. 
Ob  der  1614  von  Johann  Werner  gemachte  gleiche  Vorschlag  unabhängig 
hiervon  war,  ist  nicht  zu  entscheiden. 

1500  Jacopo  Berengar  ven  Caipl  wendet  zuerst  die  Schmierkur  mit  Unguentum 
cinereum  gegen  Syphilis  an.  Über  den  Ursprung  der  Krankheit  selbst  ist 
man  noch  im  unklaren.  Einzelne  nehmen  an,  daß  sie  durch  die  Mann- 
schaft des  Columbus  in  Europa  eingeschleppt  worden  sei,  weil  ihr  erstes 
heftiges  Auftreten  in  die  Zeit  der  Entdeckung  Amerikas  fällt;  andere 
glauben,  daß  die  Syphilis  seit  den  ältesten  Zeiten  bekannt  sei  und  wollen 
bei  Hippokrates,  Celsus,  Galenus,  Aetius  und  Aretaeus  mehr  oder  weniger 
genaue  Beschreibimgen  finden.  Die  erste  systematische  Anwendung  von 
Quecksilber  gegen  die  Syphilis  ist  in  der  Chronik  des  Matarazza  aus  Perugia 
1494  erwähnt. 

—  Der  portugiesische  Seefahrer  Pedro  Alvarez  Cebral  entdeckt,  indem  er  auf 
einer  Fahrt  ums  Kap  verschlagen  wird,  Brasilien. 

—  M.  Giovanni  Cevelllne  von  Bologna  erfindet  die  Heihensäemaschine,  150  Jahre 
vor  LocateUi,  dem  diese  Erfindung  fälschlich  zugeschrieben  wurde. 

—  Konrad  Geltes  findet  die  im  Jahre  375  entworfene  Karte  der  weströmiBchen 
Militärstraßen  auf,  die  er  Konrad  Peutinger  überläßt  und  die  daher  „Ta- 
bula Peutingeriana"  heißt. 

->-  Die  Portugiesen  Gaapar  imd  Miguel  Oeilereal  unternehmen  in  den  Jahren 
1500  und  1501  zwei  Keisen  zur  Aufsuchung  der  nordwestlichen  Durchfahrt, 
wobei  sie  Labrador  (Terra  del  lavorado)  entdecken.    (S.  auch  1001  Leif.) 

—  Der  spanische  Seefahrer  Juan  de  I«  Ceee»  ein  Begleiter  des  Columbufi  auf 
dessen  erster  Amerikareise,  verfaßt  die  für  die  Entdeckungsgeechichte  der 
neuen  Welt  wichtige,  im  Museo  naval  in  Madrid  aufbewahrte  „Mapa  mondi". 

—  Der  französische  Ingenieur  Descharfes  in  Brest  schneidet  zuerst  Geschütz- 
scharten  in  die  Bordwände  der  Kriegsschiffe  ein.  Während  die  Sohiffs- 
geschütze  bis  dahin  nur  auf  dem  Oberdeck,  und  daher  nur  in  beschränkter 
Anzahl,  aufgestellt  waren,  wird  durch  die  Einführung  der  Stückpforten 
die  Möghchkeit  einer  massenhaften  und  dabei  besser  gesicherten  Gesohütz- 
au&tellimg  auf  mehreren  Decks  übereinander  gegeben.  Die  Bestückung 
der  Fregatten  steigert  sich  infolge  dieser  Anordnung  mit  der  Zeit  bis  auf 
130  Kanonen. 

—  Paul  Qromiiieiistetter  aus  Sohwaz  in  Tirol  erfindet  das  Handsetzsieb,  das 
1519  in  Joachimsthal  eingeführt  wird  und  dessen  Prinzip  sich  mit  dem 
der  Naß-Setz-Siebmaschine  deckt,  in  welcher  durch  den  Stoß  der  Wasser- 
strahlen die  Gemenge  geringeren  Eigengewichts  mehr  gehoben  werden,  als 
die  schwereren,  so  daß  eine  Trennung  der  leichteren  Bestandteile  von  den 
schwereren  rasch  vor  sich  geht. 

—  Jacob  Nufer  aus  Siegershausen  macht  den  ersten  Kaiserschnitt  an  einer 
Lebenden,  und  zwar  an  seiner  eigenen  Frau,  mit  vollem  Erfolge.  (S.  a.  64.) 

—     70     — 


1500 

1500  Der  venezianische  Klavierbauer  Giovanni  SpiMtti  stellt  ein  Klavicymbal  in 
Tafelform  her,  welches  nach  ihm  den  Namen  „Spinetf*  erh&lt. 

—  Der  Abt  Johannes  Trlttaiilm  gibt  die  ersten  Andeutungen  einer  Allgemein- 
Schrift  (Pasigraphie),  welche,  von  der  Lautsprache  völlig  unabhängig,  sich 
als  BegrifFsschrift  darstellt  und  sich  lediglich  durch  bestimmte  Zeichen,  in 
der  Regel  mit  Hilfe  der  Zahlen,  allen  Völkern  verständlich  machen  solL 
(Vgl.  seine  Schrift  „Polygraphiae  Hbri  VI".)  Diesem  Gredanken  sind  später 
auch  Baoon  (s.  1605),  Descartes,  Leibniz  (s.  1666),  Wilkins  u.  a.  näher 
getreten.  Doch  hat  der  Vorschlag  weniger  Aussicht  auf  Verwirklichung, 
als  eine  Weltsprache  im  engeren  Sinne.  (S.  1652  L.,  1879  S.,  1887  S., 
1906  M.) 


—     71      — 


Sechzehntes  Jahrhundert. 


1501  Girolamo  Fracattoro  beschreibt  den  Flecktyphus  als  ein  neues,  zuerst  in 
Cypern  aufgetretenes  und  von  da  nach  Italien  eingeschlepptes  Leiden.  Es 
ist  dies  die  erste  sichere  Kunde  dieser  Krankheit. 

—  Der  Name  „Anthropologie"  als  der  der  Wissenschaft  vom  Menschen  in  zoolo- 
gischer Beziehung  kommt  zuerst  durch  das  von  Magnus  Hund  verfaßte 
Werk  „Anthropologia  de  natura  hominis"  auf. 

—  Joäo  da  Nava  entdeckt  die  Insel  Ascension.  • 

1501 — 1502  Eine  portugiesische  Expedition  bei  der  sich  auch  Amerigo  Vaipwccl 
befindet,  befährt  die  Küste  Südamerikas  vom  Kap  San  Boque  bis  an- 
geblich 52®  s.  Br.,  sicher  bis  zur  Mündung  des  La  Plata. 

1502  Nicolaus  de  Canerlo  veröffentUcht  die  erste  bekannte  nautische  Karte  „Por- 
tulan", die  am  Band  eine  Breitenskala  trägt. 

—  Christoph  Columfeus  entdeckt  auf  seiner  vierten  Reise  das  Festland  von 
Zentralamerika. 

—  Joäo  da  Nova  entdeckt  die  Insel  St.  Helena. 

1504  Laonardo  da  Vlnd  entwirft  eine  Feilenhaumaschine,  deren  Haupt  welle  er 
mechanisch  bewegen  will,  und  sucht  gleichzeitig  den  Schmiedehammer 
selbsttätig  herzurichten. 

1505  Der  italienische  Mathematiker  Scipione  dal  Ferro  löst  zuerst  die  Gleichungen 
dritten  Grades  von  der  Form:  x3-|-ax  =  b.     (S.  1545  Cardanus.) 

—  Antäo  Oon^alvet  entdeckt  Madagaskar,  dem  er  zuerst  den  Namen  San  Lou- 
ren90  gibt. 

—  Der  Ritter  Qöti  von  Berllchlngen  läßt  sich  zum  £rsatz  der  ihm  im  Jahre  1504 
vor  Landshut  abgeschossenen  rechten  Hand  nach  seinen  eigenen  An- 
gaben die  bekannte  künstliche  „eiserne  Hand'*  anfertigen.  Dieselbe, 
1,50  kg  schwer  und  noch  jetzt  in  Jagsthausen  aufbewahrt,  ist  eines  der 
ältesten  Beispiele  künstlicher  Gliedmaßen.  Übrigens  erwähnt  auch  schon 
Cajus  Plinius  Secundus  den  Gebrauch  einer  eisernen  Hand  im  zweiten 
punischen  Kriege. 

—  Peter  Hole  (Henlein)  in  Nürnberg  setzt  bei  der  Uhr  die  Feder  an  die  Stelle 
des  Gewichts  und  stellt  so  kleine  Uhren  her,  daß  dieselben  in  der  Tasche 
getragen  werden  können.  Johannes  Coclaeus  sagt  im  Jahre  1511  darüber; 
„Aus  Eisen  machte  er  kleine  Uhren  mit  vielen  Rädern,  die  40  Stunden 
anzeigen  und  schlagen  und  im  Busen  oder  Geldbeutel  getragen  werden 
können.''  Diese  ersten  Taschenuhren  erhalten,  da  sie  in  Eiform  gefertigt 
werden,  den  Namen  „Nürnberger  Eier**. 

—  Sigismund  von  Maltiz  erfindet  das  Naßpochwerk  und  die  Mehlführung  und 
legt  dadurch  den  Gnmd  zur  bergmännischen  Aufbereitung  von  Gruben- 
klein  und  armen  Erzen. 

—     72     — 


1510 

RfWf  gibt  ein  Wetterbuoh  heraus,  das  sich  als  eine  Sammlung  prognosti- 
seher  Bauemiegeln  darstellt  imd  in  34  Jahren  17  Auflagen  erlebt. 
Pero  i»  Mafcarinliai  entdeckt  die  Inseln  Mauritius  und  Keunion  und  be- 
adhreibt    die    dort    massenhaft    vorkommenden    Dronten    (Taubenvögel), 
die  jetzt  gänzUoh  ausgerottet  sind. 

Martin  WaldMMBflIler  (Hylacomylus)  veröffentlicht  eine  große  aus  zwölf 
exakt  ausgeführten  Holzschnittbildem  bestehende  Weltkarte,  in  der  an 
Stelle  des  heutigen  Südamerika  der  Name  „Amerika*'  sich  zum  ersten 
Male  findet.  Wahrscheinlich  ist  es  Waldseemüller,  der  den  Anstoß  ge- 
geben hat,  daß  der  neu  entdeckte  Weltteil  diesen  Namen  erhält. 
Francisco  de  AlntMft  entdeckt  die  Lakkadiven. 

Die  DonlnlkaiMr  gründen  in  Santa  Maria  Novella  in  Florenz  wohl  die 
älteste  Anstalt  zur  Gewinnung  wohlriechender  Wässer  und  öle,  die  sich 
bis  auf  den  heutigen  Tag  erhalten  hat. 

Nilai  von  Uri  soll  die  Bauempraktik  verfaßt  haben,  die  aus  der  Witterung 
des  Christtags  und  der  12  Tage  von  Weihnachten  bis  Epiphanias  die 
Witterung  des  ganzen  Jahres  voraussagt  und  den  Wetteraberglauben  nach 
allen  Ländern  verbreitet. 

Der  Portugiese  Ui|Mi  de  Flgiieirm  bringt  i.  J.  1508  die  erste  Kunde  von  der 
Ins^  Sumatra  nach  Europa.     (Vgl.  auch  1325.) 

Jobst  de  Negker  pflegt  mit  Erfolg  den  Holzschnitt-Farbendruck.  Er  fügt 
außer  der  die  Zeichnung  ergebenden  schwarzgefärbten  Platte  eine  andere 
hinzu,  aus  der  die  Lichter  ausgeschnitten  werden  und  die  mit  graugelben 
oder  graugrünen  Tönen  eingewalzt  wird;  manchmal  fügt  er  eine  dritte 
Platte  hinzu,  die  mittlere  Schattentöne  in  abweichender  Farbe  enthält. 
(Helldunkelschnitt  —  Clair  obscur.) 

Nachdem  schon  Juüus  Caesar  eine  Buchstaben-: Geheimschrift  angewendet 
hatte,  indem  er  die  Buchstaben  in  einer  anderen  als  ihrer  eigentlichen 
Bedeutung  verwendete,  erfindet  der  Abt  Johannes  Trithemliit  eine  ähnliche 
Greheimschrift,  indem  er  unter  Benützung  mehrerer  Alphabete  mit  wechseln- 
der Buchstabenfolge  jedes  neue  Wort  nach  vorheriger  Verabredung  in 
einem  anderen  Alphabete  ausdrückt.  (S.  seine  „Steganographia''.) 
Leeaardo  da  Vlnd  erhält  als  Belohnung  für  die  von  ihm  beim  Triumph- 
einzuge  Königs  Ludwig  XII.  in  Mailand  ausgeführten  Schmuckanlagen  eine 
Strecke  Wasser  aus  dem  Naviglio  bei  San  Christoforo  als  Eigentum,  wo  er 
einen  Schleusenbau  ausführt,  der  als  technisches  Meisterwerk  weithin  be- 
rühmt wird.    (Vgl.  auch  1253.) 

Vicente  Yanez  Pinien  und  Juan  Diaz  de  Seils  befahren  die  Küste  Süd- 
amerikas von  der  Cananeabucht  (26®  3'  s.  Br.)  bis  zu  dem  heutigen  Bio 
de  la  Plata. 

Der  Neapolitaner  Alessandro  defll  Aletiandrl  spricht  (in  einer  Rhapsodie) 
zuerst  die  Ansicht  aus,  daß  alle  Versteinerungen  ausschließlich  von  der. 
Sintflut  herstammen.  Diese  von  der  Kirche  ausdrücklich  unterstützte 
Hyi>othe8e  beherrscht,  trotz  lebhaftem  Widerspruche  vieler  Gelehrter 
(s.  1517  Fraoastoro),  die  nächsten  Jahrhunderte. 

Paolo  Astmlna  (der  nach  Fioravanti  eigentlich  Paolo  Kizzo  hieß)  erneuert 
die  im  Mittelalter  in  Europa  verloren  gegangene  Kunst  des  Tauschierens, 
die  er  durch  Aufschlagen  von  dünnen  Fäden  von  Gold  und  Silber  oder 
durch  Auslegen  von  eingegrabenen  Linien  mit  Gold,  Silber  oder  Messing 
bewirkt.  Nach  ihm  werden  derartige  Arbeiten  „Lavoro  all'  Azzimina" 
genannt. 

Paul  Dox  erfindet  die  ReUefkarte,  d.  i.  die  plastische  Nachbildung  von 
Teilen  der  Erdoberfläche  als  Ersatz  der  weniger  anschauUchen  ebenen 
Landkarte.     Dox*  Reliefkarte  umfaßt  die  Umgebung  von  Kufstein. 

—     73     — 


lolO 

1510  Georg  Hartimuiii  aus  Nürnberg  macht  während  eines  Aufenthaltes  in  Rom 
die  erste  Beobachtung  der  Abweichung  der  Magnetnadel  (Deklination)  auf 
dem  Festlande  und  bestimlnt  diese  Abweichung  zu  6^  östlich. 

->-      Ltonardo  da  Vlnel  erfindet  die  horizontalen  Wasserräder. 

—  Jacobus  SylvlHt  erfindet  die  anatomische  Injektion  der  Gefäße  und  beschreibt 
die  nach  ihm  benannte  Spalte  im  Gehirn  —  Fossa  Sylvii  — ,  sowie  die 
Klappen  der  Venen. 

—  Victor  Trflacaftlla,  Arzt  in  Bologna,  stellt  fest,  daß  erbliche  Krankheiten 
oft  Generationen  überspringen. 

1511  Antonio  d'Abnu  und  Francisco  Serrio  versuchen  mit  drei  Segeln  die  Ur- 
sprungsländer der  Muskatbäume  und  Gewürze  aufzufinden.  Sie  gelangen 
nach  den  Bandainseln  und  nach  Amboina»  einer  der  Molukken,  welch 
letztere  1606  zuerst  von  dem  Bologneser  Bartüiw  besucht  worden  waren. 

—  Wer  die  Kunst  der  Intarsia  begründet  hat,  ist  nicht  festzustellen.  Der 
erste  aber,  der  dabei  gefärbte  Hölzer  in  Anwendung  bringt,  ist  CUovaMri 
tfa  Vorana,  Schöpfer  der  noch  jetzt  vorhandenen  Tafeln  im  Dom  und  in 
der  Kirche  San  Benedetto  in  Siena. 

—  Sebastian  Vlrdung  in  Basel  beschreibt  in  seinem  Werke  „Musica  getutecht" 
(d.  i.  „deutsche  Musik'*)  alle  zu  seiner  Zeit  gebräuchlichen  Musikinstru- 
mente, und  unterscheidet  bei  den  Streichinstrumenten  die  Groß-  und  die 
Klein- Geige,  welche  letztere  der  heutigen  Violine  ähnelt,  aber  bei  Virdung 
noch  die  mandolinenartige  Wölbung  des  Körpers  zeigt.  Die  mondsichel- 
förmigen Schalllöcher  weisen  auf  mohammedanischen  Ursprung  hin. 

1512  Simon  d'Andradt  entdeckt  die  Malediven  wieder.    (Vgl.  auch  1325.) 

—  König  Heinrich  VIII.  von  England  läßt  in  Erith  bei  London  den  Zwei- 
decker Henry-Gräce-ä-Dieu,  genannt  „Great  Harry**  (Verdrängung 
1000  Tonnen,  70  Geschütze)  bauen,  als  erstes  Kriegsschiff  nach  dem  Typ 
der  Segellinienschiffe. 

-^      Ponca  de  Leen  entdeckt  den  Golf  von  Mexiko  und  die  Halbinsel  Florida. 

1513  Der  spanische  Seefahrer  Vasco  Nufiez  de  Ballen  überschreitet  die  Land- 
enge von  Panama  und  entdeckt  die  Südsee. 

—  Albrecht  Dflrer  fördert  techm'sch  und  künstlerisch  den  Kupferstich.  Er 
versucht  sich  auch  im  Kaltnadelstich  und  gleichzeitig  mit  Urs  Graf 
(s.  1513)  im  Ätzen  von  Metallplatten. 

—  Urs  Qraff  scheint  der  Erfinder  der  Kadierung  zu  sein,  die  sich  vom  Kupfer- 
stich darin  unterscheidet,  daß  zum  Eingraben  der  Zeichnung  neben  dem 
Stichel  auch  das  Ätzwasser  dient.    (S.  a.  1513,  Dürer.) 

—  Martin  WnMteemOller  (Hylacomylus)  fügt  der  Straßburger  Ausgabe  des  seit 
einem  Menschenalter  wieder  bekannten  „Almagest**  des  Ptolemaeus  20  von 
ihm  gezeichnete  „Tabulae  modemae''  hinzu,  welche  den  ersten  modernen 
Atlas  darstellen. 

1514  Jacob  K5M  von  Heidelberg  verfaßt  in  den  Jahren  1514 — 1531  verschiedene 
Kechenbücher,  in  welchen  die  römischen  Zahlzeichen  noch  vielfach  ange- 
wendet, imd  als  die  „gewenlich  teutsch  Zal"  —  im  Gegensatz  zu  der 
„Ziffern  Zal",  d.  i.  der  arabischen  Ziffer  —  bezeichnet  werden. 

—  Giovanni  da  Vlge  scheint  zur  Blutstillung  zuerst  das  Verfahren  der 
Umstechung  geübt  zu  haben,  welches  bis  zum  18.  Jahrhundert  im 
Schwünge  bleibt  und  1861  von  Middeldorpf  als  perkutane  Umsteohung 
aufs  neue  empfohlen  wird. 

1515  Der  portugiesische  Admiral  Affonso  d*Albai|aen|ue,  genannt  der  Große,  er- 
weitert die  portugiesische  Seeherrschaft  durch  zahlreiche  Erwerbungen  und 
Entdeckungen.  Von  besonderem  Interesse  ist  das  damalige  Aufblühen  der 
heute  in  deutschem  Besitze  befindlichen  ostafrikanischen  Küste  mit  der 
Hauptstadt  Kilwa  —  Kisiwani.    Dieser  jetzt  unbedeutende  Ort,  die  über- 

—     74     — 


1618 

haupt  älteste  europäische  Niederlaflsung  in  Ostafrika,  wird  schon  unter 
der  sJtarabischen  und  persischen  Herrschaft  (987 — 1498)  als  eine  blühende 
Handelsempore  (mit  300  Moscheen)  erwähnt. 

Li—nio  da  Viiicl  löst  das  Problem  des  schiefen  Hebels  und  erkennt  bei 
der  Erforschung  der  Hebelgesetze  die  Wichtigkeit  des  allgemeinen  Begriffs 
der  statischen  Momente. 

Pilrw  Martyr  dt  Anfhltra  erkennt,  daß  die  Verschiebung  der  Schneegrenze 
von  verschiedener  Erwärmung  und  Befeuchtung  abhängig  ist. 
Franz  vm  Thiim  und  Taxit  errichtet  die  erste  wirkliche  (öffentliche)  Post 
zwischen  Wien  und  Brüssel,  welche  durch  reitende  Boten  betrieben  wird. 
Für  die  Zwecke  der  königlichen  Hofhaltung  bestand  eine  derartige  Post- 
verbindung schon  seit  dem  Jahre  1504.  Neben  dem  Postkurse  zwischen 
Wien  und  Brüssel  werden  alsbald  ähnliche  Verbindungen  noch  nach  Bom 
und  Neapel,  Nürnberg,  Frankfurt  a.  M.,  Schaffhausen,  Paris  und  Süd- 
frankreich geschaffen. 

Albrecht  Dllrtr  entwickelt  unter  Berücksichtigung  der  Wirkung  der  Pulver- 
geschütze ein  polygonales  Befestigungssystem  mit  Basteien  und  umfang- 
reichen Kasemattierungen ,  in  welchem  die  Grundgedanken  der  späteren 
preußischen  Befestigung  bereits  deutlich  enthalten  sind. 
Girolamo  Fracasloro  wendet  sich  scharf,  wie  auch  schon  vor  ihm  Leonardo 
da  Vinci,  gegen  die  Lehre  Avicenna*8  von  der  Vis  plastica  (s.  1020),  sowie 
gegen  die  Sintflut- Hypothese  Alessandri's  (s.  1510).  Er  erklärt  die  Verstei- 
nerungen als  Überreste  von  Tieren,  welche  nicht  herbeigeschwemmt  sind, 
sondern  da  gelebt  haben,  wo  sich  die  Überreste  finden. 
Hans  VMi  Gtridoill  gibt  sein  „Feldbuch  der  Wundarzney"  heraus,  welches 
den  ganzen  Umfang  der  Chirurgie  mit  Einschluß  der  in  den  Bereich  des 
Wundarztes  fallenden  Hautaffektionen  umfaßt  und  namentlich  in  bezug 
auf  die  Behandlimg  der  Schußwunden  neue  Gesichtspunkte  enthält. 
Ulrich  von  Hattan  gibt  in  seiner  klassischen  Schrift  „De  Guajaci  medicina 
et  morbo  Gallica  liber  unus*'  nach  eigenen  Erfahrungen  eine  eingehende 
Beschreibung  der  syphilitischen  Affektionen  und  halt  der  Kur  mit  dem 
Guajakholz  eine  begeisterte  Lobrede.  Über  die  Heilkraft  des  Guajak, 
das  1508  aus  Amerika  nach  Spanien  gekommen  war,  hatte  Nicolaus  Pol! 
zuerst  geschrieben. 

Der  Nürnberger  Uhrmacher  Johann  Kltlus  („Kuhfuß")  erfindet  (oder  ver- 
bessert) das  Radschloß  für  Feuergewehre,  bei  welchem  die  Zündung  da- 
durch erfolgt,  daß  ein  in  Drehspannung  versetztes,  beim  Abdrücken  rasch 
rotierendes  Stahlrad  an  einem  Stück  Feuerstein  Funken  bildet.  Durch 
das  Radschloß  wird  das  bis  dahin  gebräuchliche  Luntenschloß,  bei  wel- 
chem die  Ladung  durch  eine  in  den  Hahn  eingeklemmte  Lunte  entzündet 
wird,  allmählich  verdrängt.  Andererseits  tritt  an  die  Stelle  des  Rad- 
schlosses das  um  das  Jahr  1630  erfundene,  aus  dem  Schnapphahns<^oß 
entstandene  Stein-  oder  Batterieschloß,  bei  dem  ein  in  den  Hahn  geklemmter 
Feuerstein  durch  seinen  Schlag  gegen  den  Pfannendeckel  Funken  erzeugt 
und  so  die  Pulverladung  in  Brand  setzt. 

Ein  von  Raffael  gemaltes  Porträt  des  Papstes  Lao  X.  zeigt,  daß  um  diese 
Zeit  die  Konkavgläser  für  Kurzsichtige  bereits  bekannt  sind,  da  der 
Papst  mit  einem  solchen  Glaa  dargestellt  ist. 

Jacopo  Barangar  van  Garpl  gibt  auf  Grund  eigener  Beobachtungen  eine  ein- 
gehende Darstellung  der  menschlichen  Anatomie,  wobei  er  u.  a.  zuerst 
den  Blinddarm  und  die  Conjunctiva  beschreibt.  Er  erkennt  auch  zuerst 
die  Zusammensetzung  des  Beckens. 

Pierre  Briiaai  tritt  mit  Entschiedenheit  für  den  Aderlaß  nach  altgriechi- 
scher Art   (Aderlaß  in  der  Nähe  der  Entzündung,    Derivation)   ein   und 

—     75     — 


1518 

kämpft  gegen  den  Aderlaß  an  entfernten  Stellen  (Revnkion),  der  von 
Galen  und  den  Arabern  empfohlen  worden  war.  Er  trägt  durch  sein 
Wirken  wesentlich  zur  Befreiung  der  Medizin  von  den  scholastischen 
Fessdn  bei. 

1518  Ltonardo  da  Vinci  stellt  zuerst  ausgedehnte  Versuche  über  die  Reibung  an 
und  beschäftigt  sich  nicht  allein  mit  der  gleitenden  Reibung»  soadem 
auch  mit  der  drehenden  (Zapfen-)  Reibung. 

—  Der  Rechenmeister  und  Bergbeamte  Adam  Rlitt,  dessen  Name  in  der 
Rechenkunst  jetzt  noch  sprichwörtlich  ist,  verfaßt  sein  Lehrbuch  „Rech- 
nung auff  der  Idnihen",  sowie  später  (1550)  „Rechnung  nach  der  Lenge 
auff  der  Linichen  und  Feder". 

1519  Nachdem  bereits  Ponce  de  Leon  1513  den  Golfstrom  gekreuzt  hatte,  ohne 
ihn  zu  erkennen,  entdeckt  ihn  Francisco  de  Aiamlnas,  der  Steuermann  des 
Cortez,  nahe  an  seiner  floridanischen  Enge  und  nennt  ihn  Floridastrom. 
Den  Namen  Gol&trom  erhält  er  1772  durch  Benjamin  Franklin.  (S.  d.) 

1519 — 21  Fernando  Corte  unternimmt  einen  Eroberungszug  nach  Mexiko»  der 
mit  der  gänzlichen  Unterwerfung  des  Aztekenreiches  endet.  Teils  persönlich, 
teils  durch  seine  Unterbefehlshaber  gliedert  er  dem  großen  neuspanischen 
Kolonialreich  Mexiko,  Guatemala  und  Honduras  an.  Er  gibt  die  Anregung 
zu  zwei  1530  und  1532  zur  Erkundung  Kaliforniens  unternommenen  See- 
fahrten. Der  erste  Europäer,  der  Mexiko  betreten  hat,  war  Juan  de 
Grisalva  1518. 

1519  Die  Spanier  finden  den  Gebrauch  des  Kakaos  bei  den  Mexikanern  vor  und 
bringen  das  Jahr  darauf  den  ersten  Kakao  nach  Europa. 

1520  Der  portugiesische  Missionar  Francisco  Alvartt  bereist  Abessinien  und  gibt 
die  ersten  ausführlichen  Berichte  über  dieses  Land. 

—  Joäo  de  Castro  soll  den  ersten  Orangenbaum  nach  Portugal  gebracht  haben, 
von  wo  er  sich  weiter  über  Europa  verbreitet.  Den  Griechen  und  Römern 
war  nur  die  bittere  Orange  bekannt,  während  die  veredelte  und  eßbare 
durch  künstliche  Zucht  in  China  entstanden  zu  sein  scheint. 

—  Girolamo  Fracartore  leitet  mit  seiner  Schrift  „De  morbis  contagiosis''  eine 
neue  Periode  in  der  Epidemiographie  ein.  Er  ist  der  Urheber  der  Be- 
zeichnung „Syphilis**  für  die  bis  dahin  als  „Lues  venerea**  bezeichnete 
Krankheit. 

—  Femäo  de  MagalhäM  entdeckt  die  Magalhäesstraße  sowie  die  Ladronen  und 
erreicht  am  16.  März  1521  die  Philippinen,  womit  der  unmittelbare  Beweis, 
daß  die  Erde  rund  ist,  erbracht  ist.  Nach  seinem  am  27.  April  1521  auf  der 
Insel  Matan  erfolgten  Tode  fahren  zwei  Schiffe  des  Geschwaders  weiter 
und  erreichen  nach  Entdeckung  von  Bomeo  die  Molukken.  Von  hier  tritt 
die  allein  noch  seetüchtige  Viktoria,  geführt  von  Sebastiano  d'Elcano,  die 
Heimfahrt  an  und  erreicht  am  6.  September  1522  die  Heimat  wieder. 
(Erste  Erdumsegelung.) 

—  Theophrastus  Paracolstts  bezeichnet  zuerst  mit  BesUmmtheit  das  Zink  als 
ein  eigentümliches  Metall. 

—  Theophrastus  Paraoalfliis  unterscheidet  zuerst  den  Alaun  von  dem  Eisen- 
vitriol nach  der  darin  enthaltenen  Basis.  Er  lehrt  bereits  die  Bestimmung 
des  Eisengehalts  im  Wasser  durch  Gallussäure. 

—  Der  Astronom  Johann  Midmr  in  Nürnberg  stellt  einen  Erdglobus  her,  bei 
welchem  Nordamerika  und  Südamerika  als  zwei  durch  eine  Meeresstraße 
voneinander  getrennte  Inseln  dargestellt  sind.  Auf  seinem  Globus  vom 
Jahre  1533  sind  die  beiden  Stücke  vereinigt.  Dagegen  ist  das  ganze 
Amerika  als  ein  großer  halbinselartiger  Ansatz  dem  asiatischen  Kontinente 
angehängt. 

—     76     — 


1526 

1522  Albrecht  Dürar,  nnd  etwa  gleichzeitig  Vinzens  Röckntr,  Hofsekretär  des 
Kaisers  Maximilian  I.,  sowie  Johann  Georg  NtodOrtor  in  Nürnberg,  der 
Begründer  der  deutschen  Kalligraphie,  führen  die  Fraktnrschrift,  d.  i.  die 
sogenannte  ,,dent8che'*  Druckschrift  (im  Gregensatz  zum  „lateinischen" 
oder  Antiqua-Druck  [s.  1471  Jenson,  und  1495  Manutius])  in  den  Buch- 
drack  ein.     (Vgl.  auch  1760  Breitkopf.) 

—  Der  Nürnberger  Astronom  Johann  Wwntr  legt  ein  meteorologisches  Beob- 
achtungsbuch an,  in  dem  er  regelmäßige  Notizen  über  den  jeweiligen 
Stand  der  Witterung  gibt. 

1523  Alonzo  Alvarez  dt  Ptaetfo  dringt  tief  in  das  Delta  des  Mississippi  ein,  den 
er  „Fluß  des  heiligen  Geistes"  nennt  und  der  von  Hemando  de  Soto  ge- 
nauer erforscht  wird.    (Vgl.  1539.) 

1524  Adam  RIata  (s.  1518)  verdieht  daa  bis  dahin  in  der  Arithmetik  als  Wurzel- 
zeichen dienende  Viereck  rechts  oben  mit  einem  schrägen  Haken,  und 
wird  so  der  Urheber  des  noch  heute  gebräuchlichen  Wurzelzeichens.  (Vgl. 
auch  1460  Alkalsädi.) 

—  (riovanni  da  Vwrazzano  entdeckt  die  Mündung  des  Hudsonstromes  und 
gelangt  zuerst  nach  Rhode  Island,  der  Narrangasettbai  und  nach  Neu- 
Fimdland. 

1525  Albrecht  Dürer  entwickelt  in  seinem  Werke  „Underweysung  der  messung 
mit  dem  zirkel  und  richtsoheyt  in  linien,  ebnen  vnd  gantzen  corporen" 
in  exakter  Weise  die  Regeln  der  Perspektive.  Er  erwähnt  daselbst  auch 
die  Epizykloide. 

—  Jean  Ftmel  ermittelt  die  Größe  eines  Meridiangrades  der  Erde,  indem  er 
den  Breitenunterschied  zwischen  Paris  und  Amiens  astronomisch  bestimmt 
und  die  Entfernung  beider  Orte  vermittels  des  Meßrades  mißt.  Er  er- 
hält, durch  den  Zufall  begünstigt,  den  nahezu  richtigen  Wert  von  56  746 
Toisen,  was  einem  Erdumfange  von  fast  genau  40000  km  entspricht. 
(Vgl  auch  220  v.  dhr.) 

^  Lopez  §§  CkHiHura  gibt  die  erste  Beschreibung  der  in  Mexiko  schon  lange 
vor  der  Entdeckung  Amerikas  durch  die  Eingeborenen  benutzten  und 
gezüchteten  Cochenille.  Er  halt  die  Cochenille  noch  für  ein  vegetabilisches 
Produkt;  erst  der  Holl&nder  Ruyscher  beseitigt  in  seinen  Berichten  aus 
Mexiko  1729  diese  irrtümliche  Ansicht  und  legt  dar,  daß  dieser  Farb- 
stoff aus  den  getöteten  und  getrockneten  Weibchen  einer  Schildlausart, 
Cocous  cacti,  bestehe. 

—  Der  Apotheker  Felipe  Qullltn  in  Sevilla  konstruiert  ein  sonnenuhrartiges 
Instrument  mit  Magnetnadel  (Brujula  de  variaciön)  zur  Bestimmung  der 
Deklination  auf  dem  Meere'  das  1537  durch  Pedro  Nunez  noch  wesent- 
liche Verbesserungen  erfahrt. 

^  Pierre  HauNhi  in  Paris  verbessert  den  Musiknotendruck,  indem  er  an  Stelle 
des  doppelten  Druckverfahrens  (b.  1476  Hahn,  1498  Petrucci)  den  ein- 
fachen Tyi)endruck  einführt,  bei  welchem  jede  Type  eine  Note  nebst 
dnem  Stücke  des  Idniensystems  enthält. 

—  Gonzalo  Hemandez  Oviedo  dt  Vallt%,  erwähnt  zuerst  in  seiner  Greschichte 
von  Amerika  den  Orleanbaum  unter  den  Namen  Bixa.  Als  ofüzinelles 
Mittel  wird  der  Orlean  erst  um  1650  eingeführt,  dagegen  dient  er  schon 
früh  zum  Färben  der  Wolle  imd  Seide,  der  Butter,  des  Käse  und  der  Seifen. 

1526  HlackiMy  erfindet  das  Nachtlicht,  das  aus  einem  Glas-  oder  Messingschäl- 
chen  besteht,  durch  dessen  tiefsten  Punkt  eine  in  einem  Stöpsel  befestigte 
kurze  feine  Griasröhre  hindurchgeht.  Setzt  man  das  Schälchen  auf  öl,  so 
steigt  dieses  in  der  Röhre  wie  in  einem  Dochte  infolge  Capillarwirkung  in 
die  Höhe,  läßt  sich  oben  entzünden  und  zum  selbständigen  Fortbrennen 
bringen. 

—     77     — 


1526 

1526  Der  Brauer  Kurt  Brolhaii  (Broyhan)  in  Stöcken  bei  Hannover  erfinde 
nach  ihm  benannte  Bier,  angeblich  als  Ergebnis  eines  Fehlven 
Weizenbier  nach  englisch -hamburgischer  Art  in  Hannover  nachsubt 
Aus  dem  „Broihan**  entwickelt  sich  gegen  das  Ende  des  16.  Jahrhui 
das  Berliner  Weißbier. 

—  Benvenuto   Mllnl  leistet  Hervorragendes   in  der  aus  dem  Altertum 
menden,  durch  ihn  aber  zur  höchsten  Blüte  entwickelten  Glyptik,  d. 
Kunst,    aus    Schmiedeeisen    oder    Stahl   Verzierungen    und   Figurei 
Meißel  und  Grabstichel  heraiiszuarbeiten. 

—  Jorge  i$  Mmimm  entdeckt  Neuguinea,  und  benennt  die  Insel  nac 
Bewohnern  „Papua**.  Den  jetzigen  Namen  empfängt  sie  von  dem  S] 
de  Ortiz  wegen  ihrer  vermeintUchen  Ähnlichkeit  mit  der  afrikani 
Guineaküste. 

—  Theophrastus  Panwatas  betrachtet  die  ELrankheit  nicht,  wie  Galen,  s 
Folge  einer  Mischungsänderung,  sondern  als  einen  von  der  Non 
weichenden  Lebensvorgang.  Er  schafft  durch  Einführung  der  eigent 
Chemikalien  in  die  Therapeutik  für  die  Arzneimittellehre  eine  gani 
Aera.  Er  setzt  den  Wert  des  äußerlichen  Grebrauchs  von  Quecl 
bei  Syphilis  (s.  1500  Berengar  von  Carpi)  in  das  richtige  Licht  und  t^ 
unter  anderem  Bleipräparate,  spießglanzhaltige  Arzneien,  Schwefel; 
Kupfervitriol  und  Eisenpräparate  zuerst  als  Heilmittel  an. 

—  Das  neutrale  weinsteinsaure  Kali  (Weinstein)  ist  vermutlich  zuerst 
Theophrastus  Parac«ltus  dargestellt  worden;  dahin  deutet  vor  allem 
frühere  Bezeichnung  als  Samech  Paracelsi.  Das  saure  weinsteinsanr< 
war  bei  den  Griechen  als  Tqv^  otrov^  bei  den  Bömem  als  Faex  vini  be] 
Auch  steUt  Paracelsus  durch  Erhitzen  von  weißem  Arsenik  mit  Sal 
säure  Arseniksäure  dar  und  wendet  dieselbe  als  „Arsenicum  flxum**  i 
lieh  an. 

—  Nachdem  schon  Isaac  Hollandiis  im  14.  Jahrhundert  Vorschriften  zur  H 
lung  von  schwefelsaurem  Kali  gegeben  hatte,  wendet  Theophrastus  Par 
dieses  Salz  zuerst  arzneilich  an.  In  der  Folge  .wird  dasselbe  mil 
Namen  „Specificum  purgans  Paracelsi*'  belegt. 

—  Theophrastus  Parac«ltus  nimmt  zuerst  das  Dampfbad  in  Gebrauch,  d 
1600  von  Johann  Costaeus  zur  Destillation  der  feineren  aromat 
Wässer  empfohlen  wird. 

—  Christoff  RudoNff  von  Jauer  gibt  ein  epochemachendes  Bechenbuoh  li 
welches  das  Vorbild  für  alle  späteren  Kechenbücher  ist.  Das  von  Riei 
geführte  Wurzelzeichen  (s.  1524)  bildet  er  in  der  Weise  weiter  aus, 
mit  einem  einfachen  Haken  an  dem  Viereck  die  Quadratwurzel,  mit 
zweifachen  Haken  die  vierte,  mit  einem  dreifachen  die  dritte  Wurs 
zeichnet.  Die  Beifügung  einer  Potenzzahl  zum  Wurzelzeichen  sl 
von  Michael  Stifel. 

1527  Der  Italiener  IMIcMI  in  Verona  macht  im  Hinblick  auf  den  ausgedeh 
Gebrauch  der  Pulvergeschütze  Vorschläge  für  eine  Umgestaltung  d< 
manenten  Befestigungen.     (Sog.  altitalienische  Befestigung.) 

—  Alvarado  i$  Saavtdra  entdeckt  die  Sandwichinseln. 

1528  Alvarado  4t  Saavtdra  entdeckt  die  Karolinen  und  im  folgenden  Jal 
Marshallinseln,  die  1788  von  Gilbert  und  Marshall  wieder  angefunden  1 
und  von  diesen  ihren  Namen  erhalten. 

1529  B«tmi  und  QrIJalva  entdecken  Kalifornien. 

1530  Otto  BrunfMs  veröffentlicht  ein  Kräuterbuch  mit  von  Künstlerhan c 
der  Natur  entworfenen  naturgetreuen  Bildern. 

—  Hans  Ballmann  in  Nürnberg  soll  angebUch  das  Kombinationsschlol 
Schlüssel   (Vorlegeschloß)    erfunden  haben,  welches  1557  von  Hieroi 

—     78     — 


lo86 

Cardanus  eingebend  beachiieben  wird.     Vielfach  wird  diese  Erfindung  auch 
dem  Nürnberger  Meister  Hans  ElMmmn  zugeschrieben,  der  um  die  gleiche 
u    Zeit  wie  Hans  Bnllmann  wirkte. 

^  (xirolamo  Fnicastoro  spricht  zuerst  vom  magnetischen  Pol  der  Erde.     (Vgl. 
^    1688  Sanuto.) 

Der  Bildscbnitzer  Johann  «lOrfMis  in  Wattenbüttel  bei  Braimschweig  führt 
die  Tretvorricbtnng   am   Spinnrad   ein,   das   bis  dahin  mit  der  Hand  ge- 
dreht 'wurde. 
—    Johannes    RimIIIus    gibt  dem   Spinat,  der  vermutlich  von  den  Arabern  in 
Spanien  eingefCibrt  wurde  und  der  sich  erst  von  dort  nach  den  anderen  euro- 
päischen Xjändem  verbreitete,    dieses  Ursprungs  wegen  den  Namen  „Olus 
iuspanicnm'*.      In  England  wird  er  1668  von  Sweet  eingeführt. 
1531  Peter    Apteniis    erkennt,  daß   die  Schweifachse  der  Kometen  vom  Sonnen- 
körper   abgekebrt   erscheint.     Er  ist  der  erste,  der  vorschlägt,  zur  Beob- 
achtung von   Sonnenfinsternissen  Blendgläser  zu  verwenden  und  verbessert 
die  Planispbären  und  Quadranten.     . 
|532   Wie    Penzig    in    seinen   Beiträgen   zur   Geschichte  der  Botanik  berichtet, 
werden    in     Rom  zwei  Herbarien  des  Gherardo  Mbo  aufbewahrt,  die  1442 
Pflanzenarten   enthalten  imd  als  die  ersten  Herbarien  zu  betrachten  sind. 
Somit  iat  i^eder  Luca  Ghini,  der  1540  getrocknete  und  aufgeleimte  Pflanzen 
an  Mattbiolns    sendet,   noch    auch  John  Falconer,    der  1545   eine  große 
Sammlnng  von  getrockneten  Wurzeln,  Kräutern  und  Früchten,  die  in  der 
Medizin  benutzt  werden,  anlegt,  der  Erfinder  des  Herbariums.    Herbarien 
im  bentigen  Sinn,  das   sind  Sammlungen  gepreßter  Pfianzen,  kommen 
erst  im  17.  Jahrhundert  aul 
^       'Eobanufi  Hmsiis   erwähnt  bei   Beschreibung   der   Nürnberger   Eisenmühle, 
daB  „durcb  das  Gewicht  der  sich  drehenden  Räder  das  Eisen  mit  Kraft 
geatreckt  -werde"  und  erwähnt  auch  die  Werkzeuge,  mit  denen  das  Schwarz - 
blech  geschnitten  wird.    Es  ist  dies  die  älteste  Beschreibung  eines  Walz- 
werks nait  Streck-  und  Schneidewerk. 

—  Die  ersten  gesetzlichen  Bestimmungen  über  Zuziehung  von  Ärzten  zur 
Ermittelung  des  Tatbestandes  bei  Tötungen,  Verletzungen  usw.  finden  sich 
in  der  peinlichen  Halsgerichtsordnung  des  Kaisers  Karl  V.  (der  sogenannten 
Carolina). 

1532 — 34  Francisco  PIzarro,  der  i.  J.  1529  zum  Statthalter  des  von  Spanien  be* 
anspruchten,  aber  bis  dahin  noch  nicht  unterworfenen  Peru  ernannt  worden 
war,  schifft  sich  1531  dahin  ein  und  nimmt  1532  bis  1534  von  dem  ganzen 
Grebiete  Besitz.     Er  gründet  Lima  als  zukünftige  Hauptstadt  des  Landes. 

1533  BbmmMo  tritt  als  erster  Lehrer  der  Arzneimittellehre  in  Padua  auf. 

1534  Jean  Ftrml  bekämpft  den  Galenismus  imd  das  scholastische  Treiben  und 
verlangt,  daß  man  sich  nicht  auf  Autoritäten,  sondern  nur  auf  die  Natur 
nnd  auf  Beobachtungen  stützen  solle.  Er  tritt  mit  scharfer  Kritik  gegen 
die  überhandnehmende  Uroskopie  auf,  bei  der  der  Arzt  seine  Diagnose  oft 
aufstellte,  ohne  den  Kranken  zu  sehen.  Er  schildert  in  durchaus  zutreffen- 
der und  selbst  vom  heutigen  Standpimkt  noch  richtiger  Weise  das  Wesen 
der  Syphilis. 

—        P.  Fftilnrbirt  verfaßt  „The  book  of  husbandry",  das  erste  englische  Werk 

uher  Landwirtschaft. 
1534 — 36  Cabe9a  i$  Vaea  durchquert   den  amerikanischen  Kontinent  von  Texas 
bis  zum  Golf  von  Kalifornien. 

1535  I>iego  i$  Almagro  durchzieht  das  Hochland  von  Chile. 

—  Jacques  Garfltr,  der  1534  den  St.  Lorenzgolf  befahren  hat,  ent- 
deckt den  St.  Lorenzstrom,  auf  dem  er  bis  zu  einer  Indianeransiedelung, 
der  er    den   Namen   Mont    Royal   (jetzt   Montreal)   gibt,  hinauffährt  und 

—     79     — 


1586 

sucht  in  den  Jahren  bis  1544  wiederholt  die  für  die  französische  Koloni- 
sation ausersehene  Landschaft  Canada  auf.  £r  gibt  die  erste  Kunde  von 
dem  Vorhandensein  des  großen  Seenkomplexes.  (S.  1635  C.) 

1535  Der  französische  Seefahrer  Jean  FonlMiMU  aus  Saintonge  verbessert  da« 
Hochsee- Segelschiff  in  mehrfacher  Beziehung.  Er  ist  der  Erfinder  dei 
Bramstenge. 

—  Die  erste  Erwähnung  der  Ananas  geschieht  durch  Petrus  Martyr  (i.  J.  1514), 
der  die  Frucht  mit  einem  Tannenzapfen  vergleicht,  aber  noch  keinen 
Namen  für  sie  hat.  Die  erste  eingehende  Beschreibung,  Benennung  und 
Abbildung  gibt  Gonzalo  Hemandez  ^  OvMo  y  Valdas  in  seiner  „AUge- 
gemeinen  Geschichte  Indiens". 

1536  Gonzalo  Hemandez  4t  OvMo  y  VaMat  erwähnt  zuerst  in  seiner  „Allgemeinen 
Geschichte  Indiens,  Band  V,  Kap.  II,  S.  165"  den  Kautschuk  als  Material 
der  bei  dem  Batosspiel  der  Inder  benutzten  Bälle.  Der  Name  „Gummi*' 
kommt  zuerst  in  der  gegen  1580  erscheinenden  „Allgemeinen  Geschiohte 
der  Keisen  und  Eroberungen  der  Kastüianer"  von  Antonio  de  Herrera 
Tordesillas  vor. 

—  Ambroise  Part  führt  die  erste  Ezartikulation  im  Ellenbogengelenk  aus, 
die  135  Jahre  später  von  Christoph  Bamphtun  zum  zweiten  MsJe  vor- 
genommen wird. 

1537  Der  Mathematiker  Niccolo  Fontana,  genannt  Tartaglia»  gibt  in  seinen 
Schriften  „Della  nuova  sdenza"  und  „Quesiti  et  inventioni  diverse"  ein- 
gehende Berechnungen  der  Flugbahn  der  Geschosse  (Schußtafeln).  Ent- 
gegen der  damaligen  Meinung,  daß  die  Geschoßbahn  aus  2  geradünigen, 
durch  eine  Scheitelkurve  verbundenen  Ästen  bestehe,  nimmt  er  eine  kreis- 
bogenförmige Flugbahn  an.  (Vgl.  1602  Galilei.)  Die  größten  Schußweiten 
werden  nach  seiner  Angabe  bei  einer  Erhöhung  des  Rohres  von  45^  erreicht. 

1538  Joäo  dt  Castro  macht  die  erste  größere  Beihe  von  Deklinationsbestimmungen 
mit  dem  von  Nunez  verbesserten  Guülen'schen  Instrument  und  entdeckt 
den  Gesteinsmagnetismus  an  frei  und  hoch  gelegenen  Felsen  der  Ilha  de 
Chaul  bei  Bombay. 

1539  Der  Kanonikus  Afranio  tfagli  AHnniosI  zu  Ferrara  stellt  aus  dem  Bomhart, 
einem  Holzblasinstrumente  von  unförmlicher  Länge,  ein  handlichereB 
Instrument,  das  Fagott  —  im  16.  und  17.  Jahrhundert  auch  Dolcian 
genannt  —  her. 

—  Kobert  Brake,  ein  Sekretär  Heinrich  YIII.  von  England,  erfindet  die  Her- 
stellung gegossener  Bleiröhren  für  Wasserleitungen.   (Vgl.  97  Frontinus.) 

—  Nachdem  sich  schon  Bhaskara  (1150),  Paciolus  (1487),  Buckley  (1530)  und 
Tartagha  (1534)  mit  der  Lehre  von  den  Kombinationen  und  Permutationen 
beschäftigt  hatten,  tritt  namentlich  Hieronymus  Gardanus  der  Lösung  von 
Wahrscheinlichkeitsproblemen  näher.  (Vgl.  seine  Schrift  „Practica  Arith- 
meticae  et  mensurandi  generalis".)  Er  erörtert  das  einen  Streit  zwischen 
zwei  Schülern  behandelnde,  später  als  „Petersburger  Aufgabe'*  bezeichnete 
Problem  und  berechnet  die  Gesamtzahl  aller  Kombinationen  aus  n  Ele- 
menten zu  aUen  möglichen  Klassen  von  der  ersten  bis  zur  n-ten  auf  2^ — 1. 
Er  zeigt,  wie  man  ein  beliebiges  Glied  einer  arithmetischen  Reihe  bilden 
kann,  ohne  die  dazwischen  hegenden  Glieder  zu  berechnen. 

—  Alessandro  Plccotomlnl  veröffentlicht  die  erste  Sternkarte. 

—  Der  Astronom  Rhattfcus  (eigentlich  Georg  Joachim  von  Lauchen)  gibt  die 
erste  Anweisimg,  die  Kompaßnadel  durch  Streichen  zu  magnetisieren. 

1539—41  Hernando  da  Soto  erforscht  den  Südosten  der  Vereinigten  Staaten  und 
daa  Gebiet  des  Mississippi. 

1540  Antonio  Banlvlenl  führt  mit  bestem  Erfolg  die  Besektion  eines  großen 
Teils  des  Unterschenkelknochens  ohne  Narkose  aus. 

—     80     — 


1540 

1540  Vanuccio  Blriil(ueclo  aus  Siena  lehrt  in  seiner  „Pirotechnia"  die  Herstellimg 
von  Modellen  und  Gußformen  für  den  Greschützguß,  das  Bohren  der  Ge- 
schütze, die  Lafettierung  deiselben  und  den  Guß  der  eisernen  Kugeln, 
sowie  den  Glockenguß  in  der  heute  noch  üblichen  Art.  Zur  Anfertigung 
der  Formen  bedient  er  sich  ausschließlich  des  Liehms. 

—  Vanuccio  Blrlnglicclo  sagt  in  seiner  „Pirotechnia",  daß  Legierungen  aus 
Kupfer  und  Zinn  mit  dem  Namen  „Bronzo**  bezeichnet  werden,  ohne 
jedoch  eine  Begründung  dieser  Benennung  zu  geben,  die  kurz  vorher  ein- 
geführt zu  sein  scheint.  Bis  dahin  war  nach  dem  Vorgang  der  Alten  die 
Bronze  als  „Erz*'  bezeichnet  worden. 

—  Vanuccio  Blrlii(UCCio  beschreibt  die  Entsilberung  von  Schwarzkupfer  durch 
den  Saigerprozeß.  Das  Verfahren  stammt  wahrscheinlich  aus  dem  12.  Jahr- 
hundert und  setzt  sich  aus  folgenden  Operationen  zusammen:  1.  Frischen 
(Zusammenschmelzen)  des  silberhaltigen  Kupfers  mit  Blei,  2.  Saigem  auf 
dem  Saigerherd,  wobei  silberhaltiges  Blei  mit  einem  Kupfergehalt  von 
2—3  Prozent  ausfließt,  3.  Darren,  d.  i.  weiteres  Erhitzen  unter  Luftzutritt, 
wobei  ein  stark  silberhaltiges  Gemenge  von  Bleioxyd  und  Kupferoxydul 
erhalten  wird,  und  4.  Verarbeitung  des  Gemenges,  der  sog.  Darrlinse  auf 
Handelskupfer. 

—  Vanuccio  Blrlngucclo  gibt  eine  genaue  Beschreibung  des  technischen  Vor- 
ganges bei  der  Holzverkohlung,  von  der  er  zwei  Arten,  die  in  Meilern  und 
die  in  Gräben,  unterscheidet.  Auch  gibt  er  eine  Beschreibung  des  damals 
üblichen  Stahlfrischprozesses. 

—  Hieronymus  Cartaiut  macht  die  ersten  Versuche,  das  Gewicht  der  Luft  zu 
bestimmen. 

—  Valerius  Cordus  entdeckt  den  Schwefeläther  (Äthyläther)  bei  Behandlung 
von  Weingeist  mit  Vitriolöl  und  beschreibt  denselben  unter  dem  Namen 
„Oleum,  dulce  vitrioli".  Er  erklärt  zuerst  die  Entstehung  der  Braunkohle 
und  Steinkohle  aus  Pflanzen. 

—  Der  Bitterklee  (Menyanthes  trifoliata)  taucht  als  Heilmittel  zuerst  im 
Mittelalter  auf.     Näher  beschrieben  wird  er  zuerst  von  Valerius  Cordut. 

1540 — 43    Francesco  ^  Coronado  erforscht  den  Südwesten  der  Vereinigten  Staaten 

bis  zu  den  heutigen  Staaten  Kansas  und  Arkansas. 
1540    Philibert  Delonme,  Architekt  in  Paris,  erfindet  das  Bohlendach,  eine  neue 

Art  des  Dachgerüsts. 

—  Conrad  QMiitr  führt  die  Belladonna,  die,  wie  es  scheint,  Dioskorides  und 
Oribasius  schon  gegen  Krebsgeschwülste  verwendet  hatten,  wieder  in  den 
Arzneischatz  ein,  und  zwar  als  schmerzstillendes  Mittel  bei  Ruhr. 

—  Georg  Hartnittiil  in  Nürnberg  erfindet  den  Kaliberstab  (Kalibermaßstab), 
ein  zirkelartiges  Instrument  zur  einfachen  Ermittelung  des  Verhältnisses 
zwischen  dem  Durchmesser  imd  dem  Gewichte  der  steinernen,  eisernen 
und  bleiernen  Bundgeschosse.  Durch  den  Kaliberstab,  der  sich  in  fast 
allen  deutschen  Artillerien  einführt,  wird  das  Nürnberger  Maß  und  Grewicht 
w«t  verbreitet.  Die  Erfindung  wird  oft,  jedoch  mit  Unrecht,  dem  Tar- 
taglia  zugeschrieben. 

—  Peter  Andreas  Matthlolos  wendet  zuerst  das  Quecksilber  in  der  Medizin 
innerlich,  und  zwar  bei  Syphilis  an. 

—  Bemard  Pallity  entdeckt  die  Kunst,  farbige  Emails  auf  Tonwaren  anzu- 
bringen und  stellt  die  nach  ihm  benannten  hoch  reliefierten  Fayencen  her. 

—  Ambroise  Part  macht  die  ersten  ausführlichen  Mitteilungen  über  die  zuerst 
von  Paracelsus  beobachtete  Erblichkeit  der  Syphilis,  über  die  später  Maxi- 
milian StoU,  Nils  Rosen  von  Rosenstein  und  Joseph  Jacob  von  Plenck, 
sowie  insbesondere  Antonio  Ribeiro  Nunez  Sanchez  eingehende  Unter- 
suchungen anstellen. 

Parmstaedter.  6 

-     81     — 


1540 

1540  Giovanni  Ventura  RoMtti  publiziert  das  erste  Kompendium  über  die  Färbe- 
kunst  unter  dem  Titel  „Plieto  dell'  arte  de'  tentori*'.  Das  Buch  ist  da- 
durch bemerkenswert,  daß  es  ein  Urteil  über  den  Zustand  der  Färberei  in 
Europa  vor  ihrer  Neugestaltung  durch  Einfuhr  amerikanischer  Farbstoffe 
gestattet. 

—  Der  Glasmacher  Christoph  MiOrtr  in  Neudeck  erh&lt  durch  Zusatz  von 
geröstetem  Eobalterz  zur  Glasmasse  das  blaue  Kobaltglas.  Dieses  geröstete 
Kobalterz,  das  aus  wechselnden  Mengen  von  Kobaltoxydul  imd  Kobalt- 
oxyduloxyd, zum  Teil  mit  anderen  Metallen  gemengt,  besteht,  wird  Zaffer, 
Saflor  oder  Kobaltsaflor  genannt.  Das  gemahlene  Kobaltglas  kommt  unter 
dem  Namen  Smalte  in  den  Handel  und  wird  späterhin  zum  Blauen  des 
Papiers  und  der  weißen  Zeuge  benutzt. 

—  Nachdem  Mondino  de  Luzzi  1315  die  erste  Andeutung  gemacht  hatte,  daß 
das  Blut  vom  Herzen  nach  den  Lungen  geschickt  werde,  spricht  Miguel 
Stnrtto  zuerst  bestimmt  aus,  daß  das  Blut  durch  einen  merkwürdigen 
Kunstgriff  (magno  artiücio)  von  der  rechten  Herzkammer  auf  einem  Um- 
weg durch  die  Lunge  geführt  und  von  der  Vena  arteriosa  in  die  Arteiia 
venosa  geleitet  wird  (kleiner  Blutkreislauf).  Bealdo  Colombo  bestätigt 
dies  ausdrücklich  im  Jahre  1559. 

1541  Francisco  4t  OrtllttM  befährt  den  ganzen  Amazonenstrom  von  Ekuador  ans. 
(S.  a.  1499.) 

—  Die  Türken  sind  unter  den  Völkern  Europas  dasjenige,  das  seit  dem  Alter- 
tum zuerst  wieder  von  der  Einrichtung  der  Taubenpost  Gebrauch  macht. 
So  läßt  der  Sultan  Mimtti  zwischen  Konstantinopel  und  dem  von  ihm  er- 
oberten Ofen  eine  Taubenpost  einrichten.     (Vgl.  auch  300  und  1167.) 

1542  Leonhard  Fuchs  macht  in  seiner  „Historia  stirpium"  den  ersten  Versuch 
einer  botanischen  Nomenklatur. 

—  Der  Portugiese  Mendez  Pinto  erreicht  Japan,  über  das  bald  die  Missionare 
weitere  Nachrichten  geben. 

1543  Blaseo  4t  Garay  führt  dem  Kaiser  Karl  V.  im  Hafen  von  Barcelona  ein 
Schiff  vor,  das  sich  ohne  Segel  bewegt.  Mißverständliche  Berichte,  in 
denen  von  „einem  großen  Kessel  mit  siedendem  Wasser*'  die  Bede  ist 
haben  dahin  geführt,  daß  dieses  Schiff  lange  Zeit  hindurch  als  der  erste 
Fall  einer  Verwendung  der  Dampfkraft  zur  See  angesehen  worden  ist 
Neuere  Forschungen,  und  namentlich  auch  die  aufgefundenen  Original- 
berichte Garay's,  laasen  keinen  Zweifel,  daß  hier  lediglich  eine  Schaufelrad- 
konstruktion im  Sinne  der  Vorschläge  von  Kyeser  (s.  1405)  und  Valturius 
(8.  1472)  vorliegt. 

—  Die  Stadt  Bunzlau  richtet  eine  Kanalisationsanlage  mit  Rieselfeldern  ein. 

—  Nikolaus  Koparnlkus  lehrt,  daß  die  Sonne  den  Mittelpunkt  des  Planeten- 
systems bildet,  um  den  sich  die  Erde  mit  den  andern  Planeten  dreht 
Kopernikus  hat  seine  neue  kosmische  Lehre  bereits  um  das  Jahr  1507  auf- 
gestellt. Eine  Verbreitung  erfolgt  zunächst  nur  mündlich  und  handschrift- 
lich. Die  Drucklegung  des  Werkes  „De  revolutionibus  orbium  coelestium" 
erfolgt  erst  unmittelbar  vor  Kopernikus'  Tode. 

—  Nikolaus  Kopernikus  findet  die  Ursache  der  von  Hipparch  entdeckten 
Präzession  in  der  Anziehung,  die  Sonne,  Mond  und  Planeten  auf  das  an 
den  Polen  abgeplattete  Erdsphäroid  ausüben. 

—  Andreas  Vesallus  begründet  durch  sein  großes  V^erk  „De  humani  corpoiis 
fabrica",  das  herrliche  Zeichnungen  von  Tizian  und  Johann  von  Calcar 
enthält,  die  neuere  menschliche  Anatomie.  Nur  der  eigenen  Beobachtung 
vertrauend,  liefert  er  die  erste,  fast  durchaus  zuverlässige,  systematische! 
Anatomie,    die   zugleich    zahllose    neue  Angaben    enthält.     Insbesonden ' 

—     82     ~ 


1545 

wendet  er  sich  gegen  die  Lehre  Galen's,  daß  die  Herzscheidewand  für  dag 
Blut  durchlässig  sei. 

1543  Andreas  Viiallut  beschreibt  in  seinem  vorgenannten  Werke  u.  a.  den  Vorhof 
des  Labyrinths,  die  Kiefer-,  die  Stirn-  und  die  Keilbeinhöhle,  die  Gelenk- 
manisken  von  Unterkiefer,  Hand  und  Kinn,  und  den  langen  Fortsatz 
des  Gaumens  und  gibt  eine  gute  Schilderung  des  anatomischen  Baues  des 
Auges. 

—  Andreas  Vtsalliis  liefert  als  erster  eine  genaue  Darstellung  der  mensch- 
lichen Beckenhohle,  ihrer  Knochen,  Bänder  usw.,  und  demonstriert  zuerst 
die  anatomische  Unmöglichkeit  eines  Auseinanderweichens  in  der  Scham - 
beinverbindung  während  des  Creburtsaktes.  Er  beobachtet  zuerst  vorzeitige 
Atembewegungen  am  Säugetierfötus. 

1544  Oronce  FMt  erfindet  die  Methode,  die  geographische  Länge  durch  Bestim- 
mung der  Rektaszension  des  Mondes  in  seiner  Kulmination  zu  bestimmen. 

—  Die  Herstellimg  gußeiserner  Gegenstände  beschränkte  sich  im  Mittelalter 
zunächst  auf  die  Verfertigung  der  Kanonenkugeln.  In  größerem  Umfange 
und  zur  Herstellung  von  Geräten  verschiedener  Art  soll  das  Gußeisen 
zuerst  von  den  Engländern  Ralph  Hagt  und  Peter  Bnwds  i.  J.  1644  ver- 
wendet worden  sein. 

-—  Georg  HartnuMB  entdeckt  die  Neigung  der  Magnetnadel  gegen  den  Horizont 
(Inklination),  ohne  jedoch  Messungen  auszuführen.  (S.  seinen  Briefwechsel 
mit  dem  Herzog  Albrecht  von  Preußen.  —  Vgl.  auch  1576  Norman.) 

«—  Sebastian  Mflntttr,  Professor  in  Basel,  gibt  die  „Cosmographia  universalis'' 
heraus,  deren  26  neue  Karten  mit  den  WaldseemüUer'schen  „Tabulae 
modemae"  (s.  1513)  die  Grundlage  und  den  Ausgangspunkt  des  deutschen 
Kartenwesens  bilden.  Er  ist  der  erste,  der  nach  Strabo  der  Gletscher 
wieder  Erwähnung  tut. 

—  Der  Augustinermönch  Michael  ttiM  (sein  Hauptwerk  ist  die  „Arithmetica 
integra'*)  gibt  der  Algebra  mittels  planmäßiger  Durchführung  der  Zeichen- 
sprache diejenige  Grestalt,  die  seitdem  fast  unverändert  dafür  beibehalten 
worden  ist.  Er  entwickelt  eine  neue  Summierungsmethode  für  geometrische 
Reihen,  die  auch  Tartaglia  in  seiner  Schrift  „Greneral  trattato"  v.  J.  1566 
wiedergibt,  ohne  jedoch  Stifel  zu  nennen.  Femer  entdeckt  er  unabhängig 
von  Alchaijami  (s.  1078)  die  additive  Bildimg  der  Binomialkoeffizienten 
und  untersucht  die  Diametralzahlen.    (Vgl.  auch  1526.) 

1545  Hieronymus  GirtfMiis  beschreibt  das  nach  ihm  benannte  Universal-  oder 
Kreuzgelenk,  das  er  zuerst  zur  Aufhängung  der  Schiffskompasse  anwendet. 
(S.  a.  210  V.  Chr.)  Er  veröffentlicht  im  gleichen  Jahre  eine  Formel  zur 
Lösung  der  kubischen  Gleichungen,  die  indes  von  dal  Ferro  (s.  1606)  zu- 
erst aufgefunden  worden  und  auch  Tartaglia  schon  vorher  bekannt  ge- 
wesen war. 

—  Nachdem  schon  im  Altertum  (s.  20  Celsus)  zur  Lokalanaesthesierung  die 
Kompression  der  Nervenstämme  geübt  worden  war  und  die  arabischen 
Ärzte  die  Abschnürung  mittels  eines  Knebels  vorgenommen  hatten,  ver- 
wendet erst  Ambroise  Part  wieder  die  Unterbindung  sowohl  hierfür,  als 
auch  bei  Amputationswunden,  an  Stelle  der  bis  dahin  gebräuchlichen  blut- 
stillenden Glüheisenapplikation. 

—  Nachdem  Celsus  und  Abulcasis  zuerst  in  roher  Weise  die  Heilung  der 
Hasenscharte  versucht  hatten,  unternimmt  es  Ambroise  Part  zuerst,  sie  zu 
operieren,  indem  er  die  Spaltränder  reseziert.  Die  Operation  wird  späterhin 
u.  a.  namentlich  von  Malgaigne  und  Bernhard  I^angenbeck  wesentlich  ver- 
vollkommnet. 

—-  Ambroise  Part  verbessert  neben  der  Amputation  die  Behandlung  der  Frak- 
turen und  lehrt  als  erster  die  rationelle  Chirurgie  der  Schußwunden.    Er 

6* 

—     83     — 


1546 

bekämpft  zuerst  die  Irrlehre,  daß  die  erhitzte  Kugel  Vergiftungen  bewirke; 
schlagende  Beweise  gegen  diesen  Irrtum  werden  1550  von  Bartolomeo 
Maggi  auf  experimenteUem  Wege  erbracht.  Par6  verwendet  vielfach  die 
seit  Abulcasis  (s.  1100)  in  Vergessenheit  geratene  Trepanation. 
1546  Georg  Agrlcoia  gibt  zuerst  in  seiner  Schrift  „De  re  metallica"  eine  genaue 
Aufklärung  über  die  Chemie  der  Metalle  und  lehrt  die  Zubereitung  der 
Erze  durch  Rösten.  Er  gibt  genaue  Anweisungen  für  die  Reinigung  des 
Kupfers,  für  das  Auslaugen  des  Silbers  aus  Kupfer  und  Eisen  mittels 
Blei,  für  die  Grewinnung  des  Spießglanzes  und  des  Wismuts.  Er  befichreibt 
die  Probierung  der  Erze  und  die  dazu  nötigen  Geräte,  wie  Muffeln,  Tiegel 
und  Aschenkapellen. 

—  Georg  Afrieola  stellt  die  Markscheidekunst  auf  geometrische  Grundlagen. 
Er  erfindet  den  Grubenkompaß,  wobei  er  zuerst  erwähnt,  daß  sich  die 
Bergleute  bei  ihren  Arbeiten  der  Deklinationsnadel  zu  bedienen  wissen, 
und  gibt  eine  Reihe  von  Ventilatoren  für  Bergwerke  an.  Im  6.  Buche 
seines  Werks  „De  re  metallica''  findet  sich  die  älteste  Abbildung  einer 
Kettenpumpe  (vertikales  Patemosterwerk,  Püschelkunst)  und  die  Empfeh- 
lung dieser  Maschine  zur  Wasserförderung  in  Bergwerken.  Er  erwähnt 
femer,  daß  die  Pferdegöpel  seit  1504  in  den  Bergwerksbetrieb  eingeführt 
seien.     (Die  Einführung  der  Wassergöpel  erfolgt  um  1556.) 

—  Georg  Agrlcoia  erwähnt  die  Entstehung  des  Eisenvitriols  aus  Eisenkies 
und  kennt  den  weißen  Vitriol  oder  Erzalaun,  d.  i.  Zinkvitriol,  der  bereits 
seit  dem  14.  Jahrhundert  in  Kärnten  gesotten  werde.  Daß  dessen  Basis 
Zink  sei,  wird  jedoch  erst  im  Jahre  1735  gleichzeitig  von  Heilot,  Neu- 
mann und  G.  Brandt  mit  Bestimmtheit  erwiesen.  Auch  gibt  Agricola 
Beschreibungen  des  Salpetersiedens  sowie  der  Bereitung  der  Schwefelblumen 
durch  Kondensation  von  Schwefeldämpfen  an  kalten  Wandungen,  und 
kennt  das  beim  Erhitzen  des  Wismuts  entstehende  gelbe  Wismutoxyd,  das 
als  Farbe  benutzt  worden  zu  sein  scheint. 

—  Georg  Afrieola  erklärt  es  in  seinem  Buche  „De  re  metallica"  für  wahr- 
scheinlich, daß  man  aus  der  Färbung  einer  Flamme  die  darin  verbrennende 

.Substans  zu  erkennen  lernen  werde.  Er  beschreibt  das  zu  seiner  Zeit 
schon  viel  gehandhabte  Verzinnen  des  Eisens  (s.  auch  1551)  und  gibt  eine 
genaue  Beschreibung  des  Stahlfrischprozesses  ^  die  so  große  Ähnlichkeit 
mit  der  von  Biringuccio  (s.  1540)  gegebenen  Darstellung  aufweist,  daß 
Ludwig  Beck  in  seiner  „Geschichte  des  Eisens"  2u  der  Annahme  neigt, 
daß  Agrioola*s  Beschreibung  von  Biringuccio  entlehnt  sei. 

—  Peter  Balon  entdeckt  den  Kirschlorbeerbaum  und  bezeichnet  ihn  bereits 
mit  „Laurocerasus".  Auf  die  giftige  Wirkung  des  aus  Kirschlorbeerblättem 
destillierten  Wassers  wird  man  sehr  früh  aufmerksam,  ofüzinell  wird  das- 
selbe  insbesondere  durch  den  Arzt  Thilenius. 

—  Antonio  Musa  Braisavola  führt  die  seit  dem  Altertum  (s.  70  v.  Chr.)  ver- 
lassene Tracheotomie  wieder  aus.  Diese  Operation  wird  1590  von  Santorio 
und  1610. von  Nicolas  Habicot  wesentlich  verbessert  und  fortan  als  eine 

,    berechtigte  Operation  angesehen. 

—  Valerius  CMtfus  schreibt  auf  Verlangen  des  Nürnberger  Rates  sein  „Pharma- 
corum  conficiendorum  ratio,  vulgo  vacant,  Dispensatorium",  das  als  die 
erste  deutsche  Pharmakopoe  angesehen  werden  muß,  und  lehrt  die  arznei- 
lichen Rohstoffe  in  eingehender  Art  kennen. 

—  Giovanni  Filippo  Ingratllat  entdeckt  das  dritte  Gehörknöchelchen,  das  er 
als  Steigbügel  bezeichnet.     (S.  1480.) 

—  Nachdem  1506  der  Neubau  der  Peterskirche  in  Rom  von  Bramante  be- 
gonnen und  später  von  Raffael  und  Peruzzi  fortgeführt  worden  war,  über- 
nimmt Michalaiigelo  Buonarroti  die  Bauleitung  und  entwirft  für  die  Kuppel 

—     84     — 


1560 

ausführliche  Pläne  und  ein  großes  Hilfsmodell.  Die  Kuppel,  die  bei  einem 
Durchmesser  von  42^/2  m  127  m  Höhe  aufweist,  wird  erst  nach  Michelangelo's 
Tod  vollendet. 

1546  Pedro  NiiiiiC  (Nonius)  untersucht  die  Linie  doppelter  Krümmung  (von  ihm 
„Linea  rhombica",  von  W.  Bnellius  später  „Loxodrome*'  genannt),  welche  auf 
der  Erdkugel  aUe  Meridiane,  denen  sie  begegnet,  unter  gleichem  Winkel 
schneidet  und  sich  in  schraubenförmigen  Windungen  dem  Pole  immer 
mehr  nähert,  ohne  ihn  jemals  zu  erreichen. 

1547  Der  Mediziner  Rainer  Gemnift-Frlsliit  spricht  zuerst  die  Idee  aus,  Längen - 
unterschiede  mittels  der  Uhr  zu  bestimmen. 

—  CHarimas  sucht  in  seinem  „Dodeka  chordon"  die  in  den  Kirchentonarten 
unter  dem  Einfluß  der  polyphonen  Musik  eingerissene  Verwirruig  wieder 
zu  lösen  und  unterscheidet  12  Tonarten,  und  zwar  6  authentische  und 
6  plagalische.     (S.  auch  370  Ambrosius.) 

—  Der  Dominikaner  Georges  Bemard  Ptnot  in  Toulouse  verfaßt  eine  Schrift 
„De  aquae  naturaUs  virtute",  in  welcher  bereits  die  leitenden  Grundsätze 
der  heutigen  Kaltwasserkur  (Umhergehen  mit  nackten  Füßen  im  feuchten 
Gras  usw.)  klar  enthalten  sind. 

1548  D.  C.  PIccolpaSM  gibt  in  seinem  Werke  „I  tre  libri  dell'  arte  del  Vasajo" 
die  Mittel  an,  um  metalHsche  Keflexe  auf  Töpferware  zu  erhalten.  Seine 
Arbeiten  werden  den  in  neuerer  Zeit  von  Ginori  in  Doccia  u.  a.  gemachten 
Versuchen  zur  Erzielung  solcher  MetaUreflexe  auf  Majoliken  zugrunde  gelegt. 

1549  Sigmund  von  Herfewsteln  fügt  seinem  Werke  „Rerum  Moscovitarum  Com- 
mentarii"  eine  Karte  bei,  die  einen  Teil  von  Sibirien  umfaßt  und  zu  ihrer 
Zeit  für  die  Kenntnis  des  nördlichen  Rußlands  von  großer  Bedeutung  war. 
Das  Weiße  Meer  führt  auf  dieser  Karte  den  Namen  „Marc  glaciale". 

—  loecarollo  und  Floravanll,  zwei  neapolitanische  Bader,  machen  die  erste 
Milzexstirpation  bei  einer  wassersüchtigen  Frau,  und  zwar  mit  vollem  Er- 
folg. Es  kommt  daher  nicht  Viard,  der  erst  32  Jahre  später  diese  Operation 
ausführt,  die  Priorität  zu. 

1550  Georg  Afrieota  gibt  in  seiner  Schrift  „De  natura  fossilium*'  die  erste  syste- 
matische Beschreibung  der  Minerahen  und  bezeichnet  das  fossile  Holz 
und  die  Fischabdrücke  des  Mansfelder  Kupferschiefers  als  Überreste  von 
Organismen.  Er  untersucht  die  geologische  Tätigkeit  des  Windes  und 
hebt  hervor,  daß  ähnliche  Verhältnisse,  wie  bei  der  Dänenbildung,  in 
kleinem  Maßstabe  auch  m  der  Lüneburger  Heide  vorliegen. 

—  Btastas  von  Villafranca  soU  zuerst  die  Erscheinung,  daß  sich  die  Lösung 
gewisser  Stoffe  im  Wasser  stark  abkühlt,  am  Salpeter  erkannt  haben. 

—  Thomas  Gflndl  bringt  den  Stern- Anis  von  den  Phihppinen  nach  Europa. 
Die  Frucht  beschreibt  zuerst  Clusius,  den  Baum  Plukenet  und  Kaempfer. 

—  Hieronymus  Cartaiut  gibt  eine  Theorie  des  Verbrennungsvorganges,  wobei 
er  die  Notwendigkeit  der  Anwesenheit  der  Luft  betont.  (S.  1260  Bacon.) 
Er  verbessert  die  Einrichtung  der  Öllampen  durch  Höherlegen  des  Öl- 
behälters. In  seiner  Beschreibung  einer  MehMchtmaschine  weist  er  auf 
die  sichtende  Wirkung  der  Luftbewegung  hin,  ein  Gedanke,  der  in  neue- 
ster Zeit  von  Friedrich  Georg  Winkler  in  Zschopau  wieder  aufgenommen 
worden  ist. 

-—  Bartolommeo  Euttaehlo  entdeckt  die  Tuba  Eustachii  (Eustachische  Köhre), 
die  Spindel  der  Schnecke,  die  häutige  Schnecke,  den  Ursprung  der  Seh- 
nerven und  beobachtet  die  Zahnentwicklung. 

—  Gabriele  Falloppla,  Anatom  in  Padua,  macht  wichtige  Beobachtungen  auf 
dem  Gebiet  der  Osteologie  imd  der  Muskellehre.  Er  entdeckt  die  Bogen- 
gänge, den  nach  ihm  benannten  Kanal  des  Schläfenbeins,  und  den  SchUeß- 
muskel  der  Blase.    Er  beschreibt  femer  die  Muskeln  des  Kehlkopfes  in 

—     85     — 


1560 

richtiger  Weise.  Er  verwendet  seit  den  Zeiten  der  Griechen  und  Arab 
zuerst  wieder  in  der  Medizin  das  Arsen  äußerlich,  und  zwar  in  Form  vi 
Realgar. 
1650  Wie  mehrere  im  OarmmbclMii  MuMvni  in  Nürnberg  ausgestellte  Kästcb< 
imd  Schachteln  beweisen,  beginnt  man  um  die  Mitte  46b  16«  Jahrhundert 
das  Papier  mit  kleineren  Mustern  in  häufiger  Wiederholung  zu  bedruck« 
um  verzierte  Flächen  zu  erlangen,  die  sich  zum  Überziehen  großer  uij 
kleiner  Gegenstände  eignen.  Die  Vorläufer  dieser  Technik  sind  d 
bunten  Holzschnitte,  die  zu  solcher  Verzierung  schon  vor  dem  16.  Jafa 
hundert  benutzt  wurden. 

—  Konrad  QMiitr  erfaßt  in  seiner  „Historia  animalium'*  das  Tierreich  nicl 
nvr  als  Gegenstand  der  Naturbetrachtung,  sondern  auch  in  seiner  ß 
Ziehung  zur  Medizin  und  Kulturgeschichte  und  trägt  dadurch  zur  Begrüi 
düng  der  neueren  Zoologie  bei. 

—  HoNtriut  ist  der  erste  Arzt,  der  den  Kurzsichtigen  regelmäßig  Brille 
verordnet. 

—  Das  ifoadilmtthalfr  Silbarbtrgwtrk  benutzt  für  Bergwerkszwecke,  insbeeonde 
zur  Wasserhaltung,  Pumpwerke  mit  sogenannten  Stangenkünsten.  D 
Triebkraft  wird  durch  ein  oberschlächtiges  Wasserrad  geliefert,  mit  de\ 
die  Lenkstange  verbunden  ist,  die  ihre  Bewegung  auf  die  Schwinge  eini 
Doppelgestänges  überträgt,  von  wo  sie  durch  ein  sogenanntes  Kunstkrei 
auf  die  Schachtgestänge  fortgepflanzt  wird. 

—  Adam  LonlCMlis  beschreibt  zuerst  die  Amica,  die  er  an  Matthiolus  send« 
der  sie  unter  dem  Namen  Alisma  abbildet.  Ihren  Gebrauch  bei  KoHk^ 
und  äußeren  Verletzungen  veranlaßt  zuerst  Tabemaemontanus.  (S.  161^ 

—  Hans  Lotolngtr  zu  Nürnberg  verbessert  die  im  Jahre  1430  von  einem  Nun 
berger  Bürger  Guter  erfundene  Windbüchse.  Er  soll  auch  an  Stelle  di 
seit  alters  her  übHchen  Lederbälge  (s.  1475  v.  Chr.)  die  ersten  hölzern« 
und  kupfernen  Blasebälge  mit  ununterbrochenem  Windstrom  für  Schme^ 
hütten,  sowie  für  Orgeln,  und  die  erste  Messinghobelmaschine  verferti] 
haben. 

—  Nicolaus  MaiM  beschreibt  die  Muskeln  des  Antlitzes  und  speziell  des  ünt« 
kinns,  die  Lymphgefäße  der  Nieren  und  die  Lagerung  des  Magens.  Er  neni 
zuerst  die  Syphilis  als  Ursache  von  Geisteskrankheiten.  Er  liefert  gieic| 
zeitig  mit  Berengario  die  erste  Beschreibung  der  Bindehaut  de«  Aug| 
(Conjuhctiva). 

—  Bemard  Pallciy  spricht  sich  entschieden  dafür  aus,   daß  die  im  Kalk  mi 
._    anderen  Gesteinen  gefundenen  Muscheln  „versteinerte**  Reste  von  Tier^ 

seien.    Er  weist  darauf  hin,  daß  manche  dieser  Versteinerungen  den  uo< 
lebenden  Gattungen  vollkommen  gleichen. 

—  Bemard  Palitiy  macht  zuerst  darauf  aufmerksam,  daß  der  Dünger  dur^ 
seinen  Gehalt  an  löslichen  Salzen  den  Boden  verbessere  und  daß  der  Bodi 
durch  fortgesetzten  Anbau  unfruchtbar  werde,  weil  ihm  dadurch  alle  lo| 
liehen  Stoffe  entzogen  würden. 

—  Bemard  Palltiy  soll  nach  der  Angabe  des  Vicomte  H^rioourt  de  Thu^ 
den  Erd-  oder  Bergbohrer  erfunden  haben. 

—  Andrea  PalMio  baut  die  erste  bekannte  Hängebrücke  (über  den  FlQ 
Cismone). 

—  Vlctiitino  erfindet  das  Archicembalo,  ein  Klavierinstmment  mit  31  Wert« 
innerhalb  der  Oktaven,  das  für  alle  Töne  der  drei  antiken  Tongeschlecht^ 
(diatonisch,  chromatisch  und  enharmonisch)  besondere  Tasten  und  Sait« 
zur  Verfügung  hat. 

1551  Pierre  Balon  erweitert  die  spezielle  Tierkenntnis  durch  Herausgabe  seim 
auf  seinen  zahlreichen  Reisen  gesammelten  Erfahrungen,  die  sich  naxneo 

—     86     — 


1554 

lieh  auf  die  Fische  bezdehen,  die  zum  Teil  durch  gute  Holzschnitte  wieder- 
gegeben werden. 
lo51  Erasmus  RalnhoM,  Professor  der  Mathematik  in  Wittenberg,  berechnet  auf 
Grund  der  neuen  Kopemikanischen  Lehre  die  ersten  Planetentafeln,  die 
er  zu  Ehren  des  Herzogs  Albrecht  von  Preußen  die  prutenischen  (Tabulae 
prutenicae  coelestium  motuum)  nennt.  Sie  werden  der  gregorianischen 
Kalenderreform  zugrunde  gelegt. 

—  Der  Astronom  Rhatllciit  verfaßt  zehnstellige,  von  10  zu  10  Sekimden  fort- 
schreitende Tafeln  der  trigonometrischen  Funktionen,  die  genauesten  und 
umfangreichsten  trigonometrischen  Tafeln  des  Mittelalters.  Er  berück- 
sichtigt darin  zum  ersten  Male  sämtliche  6  trigonometrische  Funktionen. 
Die  Herausgabe  des  Werkes  unter  dem  Titel  „Opus  Palatinum  de  trian- 
gulis"  erfolgt  im  Jahre  .1696  durch  Valentin  Otho. 

—  Freiherr  Hans  Unf  nad,  Landeshauptmann  von  Steiermark,  erhält  vom  König 
Ferdinand  am  5.  August  die  Gerechtsame,  zu  Waltenstein  Hammerwerke 
anzulegen,  daselbst  schwarzes  Blech  zu  schlagen  imd  dasselbe  zu  verzinnen. 
(Älteste  Erwähnung  des  Weißblechs.     Vgl.  indes  auch  1546.) 

1552  Der  französische  Stempelschneider  Antoine  Brullsr  konstruiert  ein  Walz- 
werk zum  Strecken  der  Gußstücke  (Zaine)  und  eröffnet  dadurch  die  Mög- 
lichkeit, gleichwichtige  Münzen  zu  erhalten. 

—  Edward  Wotton  verfaßt  ein  zoologisches  Werk  „De  differentüs  animalium*'. 
Das  Buch  zeichnet  sich  namentlich  dadurch  aus,  daß  darin  versucht  wird, 
die  verwandten  Formen  in  möglichst  natürliche  Vereinigung  zu  bringen. 
Er  wendet  in  diesem  Buche  als  erster  die  Benennung  „Zoophyten"  (Tier- 
pflanzen) an. 

1553  Hieronymus  Canbuiut  nimmt  zuerst  die  Gewichtszunahme  des  Bleies  bei 
der  Verkalkung  wahr,  schreibt  dieselbe  jedoch  der  Entweichung  der  Feuer- 
materie zu.  Ähnliche  Ansichten  werden  1660  von  Lef^vre  und  1666  von 
Tachenius  geäußert. 

—  Nachdem  Sebastian  Cabot  um  1550  mit  der  Idee  eines  nordöstlichen  See- 
weges hervorgetreten  war,  wird  unter  dem  Oberbefehl  von  Sir  Hugh 
Willoughby  eine  Expedition  entsandt,  die  aus  drei  Schiffen  besteht.  Zwei 
der  Schiffe  gehen  auf  der  Fahrt  zugrunde,  während  das  dritte,  „der  Edward 
Bona  venture"  unter  dem  Befehl  von  Bichard  dianctllor  den  Seeweg  nach 
dem  Weißen  Meere  entdeckt. 

—  Nach  Emil  Naumann  ist  die  aus  den  älteren  unvollkommneren  Streich- 
instrumenten Rota,  Giga,  Kebecchina  und  den  verschiedenen  Arten  der 
Viola  hervorgegangene  heutige  Violine  zuerst  von  Caspar  Tltll6iibrucktr 
(GaspardDuitfoprugcar)  in  Lyon,  einem  Tiroler  von  Geburt,  gebaut  worden. 
Antoine  Vidal  hebt  demgegenüber  in  seinem  Buche  „La  lutherie  et  les 
luthiers"  hervor,  daß  die  Violine  das  Ergebnis  der  Arbeit  vieler  Instrumenten - 
macher  sei  und  kein  einzelner  Erfinder  dafür  namhaft  gemacht  werden 
könne.     (Vgl.  auch  1585  da  Salö.) 

1554  Gerhardt  Hcmiaiiil,  Geschäftsträger  des  Rheingrafen  Philipp  Franz  von 
Dann,  sendet  aus  London  am  3.  August  1554  an  seinen  Herrn  ein  Doku- 
ment, an  welchem  sich  ein  Siegel  aus  rotem  Siegellack  befindet,  das  älteste 
bekannte  Beispiel  von  dem  Gebrauche  des  Siegellacks  heutiger  Be- 
schaffenheit. 

—  Gerhard  MdftatDr  verbessert  die  konische  Projektion  des  Ptolemaeus  (s.  150), 
indem  er  die  Längengrade  nicht  auf  dem  mittleren  Parallelkreis  aufträgt, 
sondern  zwei  in  der  Mitte  zwischen  diesem  und  den  Rändern  der  Karte  ge- 
legene Parallelkreise  abweitungstreu  zieht,  wodurch  die  Abweichung  der 
Projektion  vom  Kugelnetz  auf  die  halbe  Fehlergröße  verringert  wird.  AUch 

—     87     — 


1554 

Delifile  macht  erneut  1745  auf  die  Wichtigkeit  dieser  Art  der  Projektion 
aufmerksam. 

1 554  Guillaume  Rondeltt  liefert  in  seinem  „Fischbuch"  eine  sorgfältige  Beschreibung 
einer  großen  Zahl  von  Fischen  und  gibt  für  sie  gute  Unterscheidungs- 
merkmale.    (Vgl.  auch  1551.) 

—  Tartaglla  führt  den  gedeckten  Weg  im  Festungsbau  ein. 

—  Franz  Traucat  in  Ntmes  macht  die  ersten  eingehenden  Beobachtungen  über 
die  Nahrung,  die  Krankheiten,  die  Entwicklung  der  Seidenraupe,  die  rich- 
tige Temperatur  und  Lüftung  der  Seidenhäuser  und  den  Anbau  des  Maul- 
beerbaumes. 

1555  Pierre  Balon  schreibt  eine  Monographie  über  die  Vögel  und  weist  auf  die 
Übereinstimmung  ihres  Baus  mit  dem  anderer  Landtiere  hin.  Er  macht 
seit  Aristoteles  (s.  330  v.  Chr.)  die  erste  Andeutung  von  vergleichender 
Anatomie,  indem  er  das  Skelett  eines  Menschen  und  eines  Vogels  mit 
gleichartiger  Bezeichnung  der  einander  entsprechenden  Teile  abbildet,  und, 
um  die  Vergleichung  zu  erleichtern,  den  Vogel  mit  derselben  Stellung  der 
GUeder,  wie  den  Menschen  darstellt. 

—  Leonhart  FrontpMTftr  gibt  in  seinem  „Kriegsbuch''  die  erste  Beschreibung  von 
mitrailleusenartigen  Geschützen,  die  er  Orgel-  oder  Hagelgeschütze  nennt. 
Ein  aus  der  Zeit  zwischen  1480  und  1550  stammendes,  aus  5  Eisenrohren 
zusammengesetztes  Orgelgeschütz  befindet  sich  im  Berliner  Zeughaus. 

—  Konrad  ClMiitr  gibt  die  erste  Beschreibung  des  Kanarienvogels.  Da  Belon 
um  die  gleiche  Zeit  (s.  oben  1555)  ein  Verzeichnis  aller  damals  bekannten 
Vögel  liefert,  ohne  den  Kanarienvogel  zu  erwähnen,  so  ist  anzunehmen^ 
daß   diese  Vogelart  erst  zu  jener  Zeit  neu  in  Europa  erscheint. 

1556  Stephen  Burrouch  unternimmt  auf  dem  Fahrzeug  „Searchthrift'*  die  erste 
westeuropäische  Nowaja-Semlja- Fahrt,  durch  welche  erst  in  Westeuropa 
bekannt  wird,  daß  das  Weiße  Meer  durch  die  Inseln  Nowaja  Semlja  und 
Waigatsch  von  dem  sibirischen  Eismeer  getrennt  wird. 

—  Georg  FaMelut  beobachtet  zuerst  die  Schwärzung  des  Chlorsilbers  durch 
das  Sonnenhcht. 

Cesare  Flaschl  in  Bologna  stellt  umfangreiche  Untersuchungen  über  den 
Bau  des  Pferdehufes  an  und  gründet  auf  dieselben  ein  dem  anatomischen 
Bau  entsprechendes  Beschlagverfahren,  das  lange  in  Gebrauch  bleibt. 
Das  von  ihm  verfaßte  hippologische  Werk  enthält  im  1.  Buche  die  Zaum- 
kunst, im  2.  die  Reitkunst  und  im  3.  den  Hufbeschlag. 

1557  Jodocus  Lommlus  gelingt  es,  durch  seine  klassische  Monographie  über  die 
Behandlung  kontinuierlicher  Fieber  die  Krankendiätetik  zu  einer  bis  dahin 
noch  nicht  erreichten  Höhe  zu  erheben. 

—  Bartolom^  4t  Mtdlmi  lehrt  die  Gewinnung  von  Silber  und  Gold  aus  ihren 
Erzen  vermittels  QuecksUber  in  Form  einer  Quecksüberlegierung,  aus  der 
durch  Destillation  das  Quecksilber  abgeschieden  wird  (Haufenamalgamation, 
Patioprozeß).  Eine  vage  Andeutung  über  Gewinnung  von  Silber  aus 
Erzen  unter  Anwendung  von  Quecksilbersublimat  findet  sich  in  der  1540 
erschienenen  Pirotechnia  des  Biringuccio,  so  daß  doch  vielleicht  die  An- 
regung zu  der  Erfindung  des  Amalgamationsprozesses  auf  europäischem 
Boden  zu  suchen  ist.     (Vgl.  indes  auch  77  und  750.) 

—  Robert  RMorde  führt  die  systematische  Anwendung  des  Gleichheitszeichens 
(=)  in  die  Mathematik  ein.     (Vgl.  1460  Alkalsädi.) 

**  Hieronymus  RoMlIo  (Alexius  Pedemontanus)  lehrt  zuerst  im  Abendland  die 
Bereitung  einer  Mischung  von  Auripigment  und  Kalk,  die  im  Orient  seit 
lange  zwecks  Enthaarung  von  Fellen  unter  dem  Namen  Rhusma  an- 
gewendet wurde,  bereiten.  Die  Tatsache,  daß  Schwefelarsenik  ein  Aus- 
fallen der  Haare  bewirke,  berichtet  bereits  Dioskorides. 

—     88     — 


^i    - 


15«0 

Antoine  Braltor  erfindet  das  Stoß-  oder  Spindelwerk  zum  Prägen  der 
Münzen,  welches  später  von  H.  Boulton  und  I.  P.  Dro»  (1781)  und  Ph. 
Gengembre  (1810)  vielfach  verbessert  wird. 

Giambattista  MIa  Purli  verbessert  die  Camera  obscura  durch  Anbringung 
einer  Sammellinse,  die  er  in  die  erweiterte  Öffnung  der  Camera  einsetzt 
und  vergleicht  zuerst  das  Auge  seinem  Bau  und  seiner  Funktion  nach  mit 
der  Camera  obscura. 

IMMfdl  II.,  König  von  Frankreich,  trägt  auf  der  Hochzeit  seiner  Tochter 
Elisabeth  (er  findet  dabei  im  Turnierkampfe  mit  dem  Grafen  Montgomery 
seinen  Tod)  gestrickte  [seidene,  wahrscheinlich  in  Spanien  angefertigte 
Strümpfe.  Es  ist  dies  die  erste  Erwähnung  gestrickter  Strümpfe.  (Vgl. 
1564  Rider.) 

Matteo  RmMo  Mombo  gibt  zuerst  eine  korrekte  Beschreibung  von  der 
Lage  und  Haltung  des  Foetus  im  Uterus  und  bezeichnet  ihn  als  längliche 
Kugel  (Ovoid). 

Graf  Reinhardt  zu  Sohns  beschreibt  im  7.  Buch  seiner  „Kriegsregierung'* 
ein  „Khartenspiel'%  mit  welchem  die  Marsch-  und  Schlachtordnungen 
zweier  gegeneinander  kämpfender  Heere  (Römer  —  rot,  Karthager  — 
schwarz)  dargestellt  werden  können.  Es  ist  dies  die  erste  Erwähnung  des 
Kriegsspiels.     (Vgl.  1824  R.) 

Hieronymus  Bock  (Tragus)  unterscheidet  in  seinem  „Kräuterbuch"  zuerst 
die  Familien  der  Lippenblütler,  Kreuzblütler  und  Korbblütler. 
Hieronymus  Bock  (Tragus)  beschreibt  zuerst  den  Seidelbast  unter  dem  Namen 
„Mesereum  germanicum";  eine  eingehendere  Beschreibung  liefert  1609  Peter 
Ufienbach.  Andere  Daphnearten  waren  den  Römern  und  Griechen  bekannt 
und  sind  u.  a.  gegen  Wassersucht  und  als  Brechmittel  verwendet  worden. 
Die  in  Armenien,  Kurdistan  und  der  Krim  heimische  Tulpe  wird  um  die 
Mitte  des  16.  Jahrhunderts  von  BuslMcq,  Gesandten  Ferdinands  I.  in  Kon- 
stantinopel, nach  dem  westlichen  Europa  gebracht.  Im  Jahre  1560  blüht 
sie  in  Augsburg. 

Pietro  Franco  bildet  den  hohen  Steinschnitt  (Lithotomie)  aus  und  verbessert 
den  von  Bemardo  de  Rapallo  angegebenen  Apparatus  altus.  Er  verbessert 
auch  die  Radikaloperation  der  Unterleibsbrüche. 

Franciscus  Maurolyfcus  erklärt  unter  Benutzung  von  Vesals  Beschreibung 
des  Baues  des  Auges  (1543)  die  Wirkung  der  Krystalllinse  im  Auge  in  rich- 
tiger Weise,  indem  er  darlegt,  daß  sich  die  Strahlen  hinter  derselben 
schneiden.  Er  gibt  eine  Erklärung  der  Kurz-  und  Weitsichtigkeit. 
Kicolo  Monordof  beschreibt  die  Gevrinnung  des  Perubalsams,  die  bei  der 
Entdeckung  Amerikas  schon  imter  den  Eingeborenen  im  Gebrauche  war. 
Der  Baum  gelangt  erst  1781  durch  Mutis  in  die  europäischen  botanischen 
Gärten.  Auch  der  Tolubalsam  wird  zuerst  von  Monardes  beschrieben. 
Garcias  do  Orta  gibt  gute  Beschreibungen  vieler  in  Indien  gebrauchter 
Drogen  und  bereichert  dadurch  die  Arzneimittellehre.  Er  beschreibt  u.  a. 
auch  zuerst  den  Benzoebaum  (Styrax  Benzoin). 

Garcias  #e  Orta  gibt  die  erste  Nachricht  über  Catechu,  das  in  der  Medizin 
und  mehr  noch  in  der  Färberei  und  Gerberei  angewendet  wird.  Das  in 
den  Handel  kommende  Produkt  ist  der  aus  den  Blättern  erhaltene  ein- 
gedickte Extrakt. 

G.  P.  A.  Pierluigi  da  Palottrlna  vereinfacht  die  polyphone  Musik,  indem  er 
durch  passende  Abschnitte  und  Einteilungen  die  Masse  der  Töne  und  die 
Masse  der  Stimmen  gliedert,  welche  letztere  bei  ihm  meist  in  Chören  ge- 
sondert erscheinen. 
Erasmus  Rainhold  erkennt  die  EUiptizität  der  Mond-  und  der  Merkurbahn. 

—     89     — 


1560 

1560  Josias  UmlM  begründet  die  wisBensohaftliche  Kunde  der  Alpen  u 
Gletscher.   (S.  a.  1544  M.) 

—  Daniel  Sptcklt,  Kriegsbaumeister  in  Straßburg,  fordert  Befestigungi 
mit  stark  entwickelter  Feuerkraft  und  völliger  Deckung  der  Grabei 
gegen  Sicht.    Er  führt  den  gedeckten  Weg  sägefönnig  (en  cremai 

—  Pergamentbl&ttchen,  mit  Namen  und  Wohnort  versehen,  haben  z\ 
in  Italien  studierenden  deutschen  Studenten  in  Grebrauch  genomm 
älteste  derartige  Besuchskarte  (Visitenkarte),  die  bekannt  ist,  befic 
im  Staatsarchive  zu  Venedig  und  lautet  auf  den  Namen  eines  i 
zu  Padua  studierenden  Rechtsbeflissenen  Johannes  WttlMrlMf  aus  W 

1561  Gabriele  F«llo^l>  beschreibt  zuerst  die  später  nach  ihm  benannte 
(Eileiter),  die  Ligamenta  rotunda  und  die  Ovarien.  Er  führt  die 
Vagina  und  Placenta  ein. 

—  Gabriele  Faltoppla  zeigt  zuerst,  daß  sich  die  Hornhaut  des  Auges  n 
durch  das  ihr  eigentümliche  Gewebe,  sondern  auch  durch  ihre  sp 
Krümmung  von  der  Sklera  unterscheidet  und  daß  der  Ciliarkörp 
Membran,  sondern  ein  die  Uvea  mit  der  Linse  verbindendes  Band 
beschreibt  auch  zuerst  die  Hyaloidea. 

—  Konrad  Qmmt  gibt  die  erste  eingehendere  Beschreibung  eines  Nc 
(S.  320  V.  Chr.  Pytheas.) 

—  Adam  Lonlctnit  macht  die  ersten  Angaben  über  den  Crebrauoh  de» 
scheint,  schon  von  den  Chinesen  als  geburtf orderndes  und  bluU 
Mittel  angewandten  Mutterkorns. 

—  Ambroise  Pari  zieht  die  Orthopädie,  die  seit  der  Römerzeit  gerul 
wieder  ans  Tageslicht.     Er  gibt  Apparate   zur  Klumpfußbehan< 
und  schreibt  das  erste  Werk  über  die  Ursachen  und  Behandlung  d( 
deformitäten,  wobei  er  ein  Korsett  von  durchlochtem  Eisenblech 
rechthaltung  des  Körpers  empfiehlt. 

—  Ambroise  Pari  fertigt  aus  Gold-  und  Silberplatten  Obturatoren   a 
Schluß  von  Gaumendefekten,    nachdem  eine  Veröffentlichung  üb 
Obturatoren  das  Jahr  vorher  von  Amatus  Lusitanus  gemacht  woi 
Es  scheint  nach  J.  Christas  Mitteilungen,  daß  beide  selbständig 
Idee  gekommen  sind. 

—  Barbara  Uttonami  führt  die  Klöppelspitzenfabrikation  im  säcbsisc 
gebirge  ein.     Ob  sie  die  Fabrikation  der  Klöppelspitzen  erfunder 
nicht  sicher  zu  erweisen.    Daß  diese  Kunst  in  Brabant  vorher 
habe,   will  Mrs.  Palliser   aus  einem  Bild  von  Quentin  Messys 
schließen,  auf  dem  ein  spitzenklöppelndes  Mädchen  dargestellt  w 

1563  Der  spanische  Seefahrer  Juan  Fwmwniu  entdeckt  die  nach  ihm 
Insel  im  Stillen  Ozean,  welche  später  durch  die  Abenteuer  des 
Alexander  Selkirk  (Robinson  Crusoe)  berühmt  geworden  ist. 

1564  Avgiitt  Kurfürst  von  Sachsen,  gibt  in  seinem  „künstlich  Obstga 
lein*'  eine  auf  eigener  Erfahrung  beruhende  Anweisung  zur  Ol 

—  Bartolomeo  Eustaelilo  entdeckt  den  Hauptstamm  der  Milchgefä£ 
Pferde  (Ductus  thoracicus).  Er  gibt  die  erste  richtige  Abbildur 
liehen  Uterus  und  entdeckt  die  Nebennieren. 

—  Das  im  Altertum  unbekannte  Strump&tricken  ist  wahrscheinlich  j 
hundert  zuerst  in  Spanien  aufgekommen.  (Vgl.  auch  1559  H^ 
Von  da  gelangt  diese  Fertigkeit  nach  England,  wo  William  RM 
als  erster  Strumpfstricker  genannt  wird. 

1565  Giulio  Cesare  Aranilo,  Arzt  in  Bologna,  untersucht  die  Veräm 
Blutlaufe,  die  bei  der  Geburt  im  Foetus  vor  sich  geht  und  e4 
Ductus  venosus  Arantii  und  die  Muskeln  des  oberen  Augenlid^ 

—  Peter  Andreas  Matttiloliit  gibt  die  erste  Nachricht  vom  RoQkajsij 

-     90     — 


1568 

der  durch  ihn  nach  Wien  gelangt  und  der  eingehender  1588  von  Clusius 
beaehiieben  wird.  Die  Frucht  wird  1768  von  Heideloff  als  Kaffeesurrogat 
empfohlen. 
I56o  Jean  Nie»!»  französischer  Gesandter  in  Portugal,  bringt  die  Tabakpflanze  ^ 
nach  Frankreich.  (Vgl.  auch  1407.)  Bereits  im  gleichen  Jahre  gelangt  sie 
durch  den  Stadtphysikus  Occo  nach  Augsburg.  Nach  Nicot  heißt  die 
Tabakpflanze  Nicotiana,  ihr  Alkaloid  Nicotin.    (S.  1828  P.) 

—  Während  alle  früheren  Versuche,  vom  westlichen  Stillen  Ozean  nach  Osten 
zu  segeln,  mißlungen  waren,  weü  der  entgegenwehende  Passat  dies  hinderte, 
segelt  der  spanische  Mönch  und  Seefahrer  Fray  Antonio  <•  Urdantta  von 
Manila  erst  nach  Norden,  wo  er  unter  32^  n.  Br.  günstigen  Westwind  an- 
trifft, der  ihn  binnen  4  Monaten  durch  die  Südsee  bis  in  den  mexikanischen 
Hafen  Acapulco  befördert.  Diese  Beiseroute  trägt  Jahrhunderte  lang 
Urdanetas  Namen. 

1566  Der  englische  Schriftsteller  Thomas  Blundtvlll  veröffentlicht  sein  Werk 
„The  foure  chiefest  Offices  belonging  to  horsemanship**,  das  durch  seine 
gründlichen,  wenn  auch  zum  Teil  auf  Kompilation  beruhenden  Angaben 
bis  zum  Anfang  des  18.  Jahrhunderts  seinen  Huf  als  Musterwerk  auf  dem 
Gebiet  der  Pferdekunde  behauptet. 

—  Konrad  Qmmt  in  Zürich  gibt  in  seinem  Werke  „De  omni  rerum  fossilium 
genere",  woselbst  er  auch  das  Beißblei  erwähnt,  die  erste  Abbildung  eines 
Bleistifts.  Er  bemerkt  dazu:  Stylus  inferius  depictus  ad  scribendum  f actus 
est,  plumbi  cujusdam  genere,  in  mucronem  derasi,  in  manubrium  ligneum 
inserti. 

—  Theophrastus  ParaMhut  gibt  sein  Buch  von  den  Meteoren  heraus,  das  sich 
als  eine  Art  Meteorologie  kennzeichnet. 

»  WnMm  IV.,  Landgraf  von  Hessen,  gibt  einen  Stemkatalog  heraus,  bei  dem 
zum  ersten  Male  die  Zeit  als  eigentliches  Beobachtungselement  benutzt 
und  die  Uhr  zu  einem  brauchbaren  astronomischen  Instrument  erhoben 
wird.     (S.  1484  W.) 

1567  Herzog  von  Alba  führt  an  Stelle  der  Arkebuse  oder  des  halben  Hakens 
den  ganzen  Haken  unter  dem  Namen  „Muskete"  ein,  welche  an  Stelle  der 
biaherigen  vierlötigen  Kugeln  achtlötige  Geschosse  zur  Durchbohrung  der 
verstärkten  Bitterrüstungen  verfeuert,  aber  zu  ihrer  Handhabung  der 
Gabel  bedarf. 

—  Die  Gewehrpatrone  wird  zuerst  i.  J.  1650  erwähnt.  Zur  regelmäßigen  Aus- 
rüstung des  Fußvolks  wird  dieselbe  durch  den  Herzog  von  Alba  i.  J.  1567 
gemacht. 

1567 — 69  Alvaro  de  MMtfana  entdeckt  die  Salomon-,  die  Marquesas-  und  die 
St.  Cruz-Inseln. 

1568  Auf  Veranlassung  des  Herzogs  vor  Alba  werden  an  der  niederländischen 
Küste  zuerst  die  sog.  Duc  d' Alben  angelegt,  das  sind  Gruppen  eingerammter 
Pfähle,  die  als  Seezeichen  und  zum  Fesüegen  der  Schiffe  dienen.  Mög- 
licherweise ist  indes  die  Bezugnahme  auf  Alba  eine  irrige,  und  es  sind  die 
betreffenden  Vorrichtimgen  besser  als  „Dukdalben**  zu  bezeichnen,  nieder- 
deutsch „DiokdoUen",  d.  i.  Deichpfähle. 

—  Philipp  Aplanat,  Professor  in  Tübingen,  der  erste  Topograph  der  neueren  Zeit, 
liefert  in  seinen  24  „bayrischen  Landtaffeln*'  das  topographische  Meister- 
werk des  16.  Jahrhunderts.  Diese  Karte  ist  auch  von  großer  Bedeutung 
für  die  Geländedarstellung. 

—  Der  Danziger  Zeugmeister  Veit  Wulff  von  Sanftanbofff  beschreibt  in  seinem 
Buehe  „Von  allerlei  Kriegsgewehr  imd  Geschütz*'  in  ausführlicher  Weise 
Pulverminen  mit  Fem-  und  Zeitzündung,  Selbstschüsse,  Sprengbriefe, 
torpedoartige  Sprenganlagen  u.  dgl. 

—     91     — 


1568 

1568  Bernardino  T«Mo  begründet  eine  neue  Naturlehre,  wobei  er  die  g< 
Erscheinungswelt  auf  drei  Hauptprinzipien  zurückführt,  nämlich  ei 
sivee  körperliches  (die  Materie)  und  zwei  tätige  unkörperliche  (Wäm 
Kälte).  Durch  den  Kampf  der  Prinzipien  bilden  sich  Himmel  unc 
und  alle  Einzeldinge.  (Vgl.  sein  Hauptwerk  „De  rerum  natura 
propria  principia".) 

—  Constantin  Varollo  von  Bologna  bearbeitet  die  Anatomie  des  Zentraln 
Systems. 

1 569  Egnatio  DantI  von  Bologna  entdeckt  die  Verminderung  der  Schiefe  der  El 

—  Gerhard  Mareator  erfindet  die  nach  ihm  „Mercator- Projektion"  bei 
winkeltreue  Zylinderprojektion  mit  wachsenden  Breiten,  die  noch 
die  Projektion  aller  Seekarten  ist. 

1570  Die  Königin  Ellsahatli  von  EnfUuii  beruft  behufs  der  Verhüttung  dee 
deutsche  Unternehmer  und  Arbeiter  und  versieht  dieselben  mit  Privi 
Von  dieser  Zeit  datiert  der  Aufschwung  der  Zinngewinnung  in  Co 
Der  Zinnstein  wird  dort  in  sog.  Handkrählöfen,  später  in  rotie 
TeUeröfen  und  Zylinderöfen  geröstet,  das  Röstgut  durch  Wasch« 
Behandlung  mit  Salzsäure  oder  verdünnter  Schwefelsäure,  welche  die  fi 
Metalloxyde  lösen,  angereichert  und  das  angereicherte  Zinnerz  mit 
in  Schachtöfen  oder  Flammöfen  reduziert.  Das  rohe  Zinn  (We 
wird  einem  Raffinationsprozeß  unterworfen. 

—  Hieronymus  FaMdiit  ab  Acquapendente  entdeckt,  daß  alle  Klap 
den  Venen  sich  nach  dem  Herzen  hin  öffnen,  erkennt  aber  deren  Bed 
für  die  Erleichterung  des  Blutstromes  zum  Herzen  zurück  noch  nh 

—  Foiiniltr  führt  die  Fabrikation  der  Leonischen  Ware  (d.  s.  aus 
Draht  hergestellter  Tressen,  Borten,  Stickereien,  Fransen,  Quastei 
in  Nürnberg  ein,  das  vim  da  ab  der  Hauptsitz  dieser  zuerst  in  I 
Kastilien  betriebenen  Industrie  wird.  In  neuerer  ?eit  ist  diese  Fahr 
durch  Benutzung  der  Galvanoplastik,  durch  Erfindung  der  Übe 
maschine   imd   der  Vergoldmaschine  wesentlich  vervollkommnet    i 

—  Der  Arzt  Volcker  Koyter  fördert  die  beschreibende  und  vergleichenc 
tomie  der  Tiere,  äußert  richtige  Ansichten  über  den  Nutzen  des  £ 
Ohrs  als  reflektierenden  Organs,  über  das  Trommelfell  und  die 
knöchelchen  als  Schallleiter  und  die  Leitung  der  Crehörsempünduni 
den  Nervus  acusticus  ins  Gehirn. 

—  Abraham  Ortellut  veröffentlicht  in  seinem  „Theatrum  orbis  ter 
53  Karten  in  Kupferstich,  die  für  die  Geschichte  der  Kartograp] 
großem  Werte  sind. 

—  FeUx  PlatMr  macht  zuerst  den  Versuch  einer  Systematik  der  Greistei 
heiten  imd  tritt  für  eine  psychische  Behandlung  der  Irren  und 
Zwangsmaßregeln,  namentlich  gegen  die  Einsperrung  in  Gef&ngnii 

—  Der  Benediktinermönch  Petro  i§  Pohm  zeigt  zuerst,  daß  die  Taubi 
heit  nicht  auf  einer  mangelhaften  Bildung  der  Sprachorgane  beruht,  i 
daß  die  Stummheit  nur  eine  Folge  der  Taubheit  ist  und  liefert  dei 
tischen  Beweis  hierfür,  indem  er  Taubstummen  zeigt,  wie  artikulieri 
gebildet  werden  und  ihnen  so  die  Sprache  wieder  schenkt. 

1571  Konrad  Herestech  aus  Speyer  schreibt  sein  berühmtes  Buch  y,Rei  i 
libri  quatuor",  das  erste  deutsche  Buch  über  Landwirtschaft,  c 
Keim  der  späteren  kameralistischen  Richtung  der  landwirtBoha 
Studien  enthält. 

1572  Der  Italiener  Raffaele  Bombelll  zu  Bologna  lehrt  in  seiner  1572  zu  ^ 
erschienenen  „Algebra"  ein  Verfahren  zum  Quadratwnrzelauseiehi 
auf  die  Berechnung  von  Nähenmgs  werten  mittels  Kettenbrüchen 

—     92     — 


1576 

I     kommt.    Pietro  Antonio  Cataldi  (s.  1613)  und  Daniel  Schwenter  (s.  1618) 

I     Terbessem  dieses  Yerfahi^i.     (Vgl.  auch  1659  Brounoker.) 

p2  Tycho  Briht  beobachtet  am  11.  November  einen  neuen  Stern  im  Sternbild 

I     der  Eassiopeia,  der  im  März  1574  Tneder  unsichtbar  wird. 

p-U    Isaac  Habrachi  aus  Schaffhausen   erbaut   die  berühmte  Kunstuhr  im 

Straßburger  Münster,  welche  bis  zum  Jahre  1880  im  Gange  war. 
p  Nicolo  Monardtt  erwähnt   zuerst  die   Sabadilla,    aus   deren   offizinell   an- 

gewradetem  Samen  das  Veratrin  hergestellt  wird. 
^    Leonhard   Thnrntytlir    macht    die    ersten    systematischen    Mineralwasser- 

analysen  und  hebt  in  seiner  Schrift  „De  frigidis  et  calidis  aquis  minera- 

libna  et  metallicis'*   zuerst   die   Möglichkeit   der   Darstellung  künstlicher 

Mineralwässer  hervor. 

-  WHnIm  von  OrMiM  bedient  sich  während  der  Belagerung  von  Harlem  durch 
Herzog  Alba  der  Brieftauben,  um  sich  mit  seinen  Landsleuten  außerhalb 
der  Stadt  zu  verständigen.  Dasselbe  tut  er  im  folgenden  Jahre  bei  der 
Belagerung  von  Leiden. 

^3  Lorent  Mmrt  entdeckt  die  Blinddarmplatte  und  die   knorpelige  Holle   für 

den  oberen  schrägen  Augenwinkel. 
^    Ambroise  Pari  ist  der  erste,   der  den   objektiven  Nachweis   von  Kindes - 

bewegongen  zur  Diagnose   des  Lebens   der  Frucht   verwertet.  (S,  a.  1543 

Vesalius.)    Er  gibt  eine  genaue  Darstellung  der  Wendung   auf  die  Füße 

mit  nachfolgender  Extraktion.    (S  a.  536  n.  Chr.) 

-  Jacques  Pitotfir  erfindet  einen  Distanzmesser,  den  er  in  seiner  Schrift  „De 
Tnsage  de  la  g^ometrie"  beschreibt. 

"  Samuel  ZiBimmiaan  in  Augsburg  gibt  in  seinem  „Dialogus"  eine  ausführ- 
liehe Beschreibung  der  Kartätschgranate,  die  danach  mit  dem  spätem 
Schrapnell  (s.  1803  S.)  fast  völlig  identisch  ist. 

r4  Lazarus  Erckar  gibt  in  seiner  „Probekunst"  an,  „wie  das  Eysen  in  lang- 
wieriger starker  Hitze  mit  harten  oder  buchenen  Kohlen  ohne  Abgang 
geg^ähet  zu  hartem  Stahl  kann  gemachet  werden**;  es  handelt  sich  aber 
ds^  nur  um  eine  Härtung  kleiner  geschmiedeter  Gegenstände.  (Erste 
Erwähnung  des  Zementstahls.)  (Vgl.  auch  1627.)  Er  gibt  Anweisung 
za  einer  partiellen  MineralanaljnBe  auf  trockenem  Wege  und  weist  auf 
die  Wichtigkeit  einer  feinen  Wage  hin,  die  er  beschreibt. 

^5  J.  Utaioni  gibt  in  seinem  Kompendium,  in  dem  er  die  Winde,  Meeres- 
strömungen, SchifFskurse  usw.  abhandelt,  bereits  besondere  Segelanweisungen 
för  einzelne  Meere  und  Meeresteile. 

•  Ambroise  Pwi  spricht  zuerst  von  der  Anwendung  künstlicher  Augen,  die 
ans  Gold  und  Silber  gefertigt  werden.  Nächst  ihm  gedenkt  Geronimo 
Fabricio  (1617)  der  Anwendung  künstlicher  Augen  und  hält  gläserne  Augen 
für  die  am  meisten  geeigneten. 

Ambroise  Pari  bespricht  in  seinem  „Tractatus  de  renunciationibus  et  ca- 
daverum  embaumatibus*'  die  Lehre  von  den  Wunden,  deren  Gefahr  und 
Tötlichkeit,   ihre  gerichtliche  Feststellung  usw.   und   gibt    1583  eine  An- 

'    lettimg  zur  Erstattung  von  gerichtlichen  Gutachten. 

'  Ambnrise  Pari  beschreibt,  nachdem  im  Mittelalter  die  Massage  vergessen 
worden  war,  dieselbe  wieder  in  ihren  verschiedenen  Arten  imd  Wirkungen 
imd  legt  großen  Wert  auf  dieses  Heilverfahren  in  Fällen,  wo  die  Patienten 
lange  Zeit  das  Bett  hüten  müssen  und  keine  Bewegungen  machen  können. 
I>er  Bologneser  Arzt  Caspar  Tagllaeoiza  vervollkommnet  die  plastischen 
Operationen  noch  weiter  als  es  Celsus  und  Branca  vor  ihm  getan  hatten 
und  bildet  namentlich  auch  künstliche  Ohren. 

'6  TyehoBralie  bewirkt  eine  wesentliche  Verbesserung  der  astronomischen  Instru- 
mente und  fugt  am  Okularrande  der  Alhidade  ein  besonderes  Visier  hinzu, 

—     98     — 


1576 

das  ihm  gestattet,  sein  Instrument  mit  größter  Oenauigkeit  auf  e! 
Stern  einzustellen.  Obwohl  seine  Apparate  mit  Femrohren  noch  n 
versehen  sind,  verleiht  er  seinen  astronomischen  Messungen  auf  der  1 
Hveen  (Uranienburg  und  Stemenburg)  einen  bis  cu  s^ner  Zeit  noch  t 
gekannten  Grad  von  Genauigkeit  und  schafft  dadurch  die  Grundlagen 
die  weiteren  astronomischen  Fortschritte,  namentlich  für  Kepler's 
rechnungen. 

1576  Tycho  Braht  verbessert  die  Armillarsphäre  und  benutzt  dieselbe  zur 
obachtung  der  Stundenwinkel  und  Deklinationen  der  Sterne.  (S.  15( 
Er  stellt  im  gleichen  Jahre  das  gleichförmige  Wachsen  der  Präzeesion 

1576 — 78  Der  englische  Seefahrer  Sir  Martin  FrobMitr  macht  auf  drei  Reisen 
Versuch,  die  nordwestliche  Durchfahrt  zu  finden,  doch  gelangt  er 
der  Ostküste  Grönlands  nur  bis  Baffinsland,  das  man  in  England  ,,! 
incognita*'  nannte.  Er  entdeckt  die  Hudsonstraße,  die  er  jedoch  i 
weiter  verfolgt. 

1576  Matthias  Lobelliit  (de  TObel)  aus  Lille  ordnet  die  Pflanzen  habituell, 
zwar  nach  der  Blattform.  Er  unterscheidet  bereits  die  Monokotylen 
Dikotylen,  eine  der  vorzüglichsten  Abgrenzungslinien  in  der  Botanik, 

—  Der  englische  Seemann  Bobert  Noman   erfindet   den  Inklinationskoi 
zur  Messung  der   Neigimg   der   Magnetnadel  gegen   den    Horizont. 
London   ermittelt  er  eine  Inklination  von  71®  50®.     (Vgl.  seine  i.  J. 
erschienene  Schrift  „The  new  attractive".  —  S.  auch  1544  Hartmsuii 

1577  Nachdem  schon  Nicolaus  von  Cusa  den  Vorschlag  gemacht  hatrt< 
Schiffsgeschwindigkeit  nach  derjenigen  Zeit  zu  bestimmen,  in  der  daa  I 
an  einem  kleinen  über  Bord  geworfenen  Gegenstande  vorbeil&uft,  beec] 
zuerst  William  BovriM  das  Log  in  der  noch  jetzt  üblich^i  Gestalt. 
Ansicht  Humboldts,  daß  Magalhäes  schon  1520  das  Log  benutzt  hal 
durch  Breusing  widerlegt. 

1577 — 80  Sir  Francis  Drakt  vollführt  mit  einem  Geschwader  von  5  Schrfit« 
zweite  Erdumseglung.  (Vgl.  1520  Magalhäes.)  Er  durchfährt  die  Ma^a 
Straße,  erblickt  Kap  Hoom  und  segelt  an  der  Westküste  Amerikas  ei 
bis  43^  n.  Br.  Er  durchquert  alsdann  den  Stillen  Ozean,  erreicl 
Jahre  1679  die  Insel  Temate,  läuft  Java  und  das  Kap  der  Guten 
nung  an  und  gelangt  im  September  1580  nach  England  zurück. 

1577  Guido  UMdl  (Guidobaldo  del  Monte)  findet  das  Gesetz,  daß  Lae 
Kraft  zueinander  im  umgekehrten  Verhältnis  der  Wege  stehen  ,  i 
sie  in  derselben  Zeit  durchlaufen,  geht  aber  über  die  Anwendixn^ 
Flaschenzuge  und  dem  Rad  an  der  WeUe  nicht  hinaus.  (VgL  15941  O 

1578  Guillaume  i§  Ballloii  beschreibt  unter  dem  Namen  „Quinta*'  ^e  in  F^sti 
wiegend  unter  den  Kindern  aufgetretene  Hustenepidemie,  die  sicli  mj 
Krankheitsbilde  des  Keuchhustens  deckt  und  die  früheste  Kruv^ 
dieser  Krankheit  ist.  Die  nach  M^zerai  im  Jahre  1414  aufsei 
Coqueluche- Epidemie  steUt  sich  eher  als  Influenza  dar. 

—  Jacques  BttSMi  beschreibt  in  seinem  „Theatrum  instrumentorum    et; 
narum"  eine  Passigdrehbank  und  eine  Drehbank  zum  GewindeeoKi 
welche    mit   einer  Art   Leitspindel    versehen    ist.     Eine    Drehl>ctxii 
Gewindeschneiden,    die   mit  2  Leitspindeln  ausgestattet  war,    "w^a^ 
von  Leonardo  da  Vinci  beschrieben  worden. 

—  Egnatio  Dantl  in  Bologna  konstruiert  zuerst  „durchgehende*'  Win«i| 
bei  denen  die  Windrichtungen  zu  jeder  Zeit  auf  einer  im  Hause  seil 
festigten  Windrose  abgelesen  werden  können. 

—  Marx  Fiigger  aus  der  Familie  der  Fugger  zu  Augsburg,  Rsi,^  ] 
Rudolf  IL,  gibt  der  Züchtungs-  und  Gestütskunde  durch  sein  Werl 
der  Gestüterei"  eine  wesentliche  Bereicherung.     Er  betont  in  seine i^ 

—     94     — 


1580 

auch   die  Notwendigkeit  einer  Pflege  der  Tierheilkunde  für  die  Landwirt- 
schaft und  Viehzucht. 
£78  Der  Koeake  Jermak  TlmofljMr  dringt  in  Sibirien  ein,  begründet  die  Herr- 
schaft Rußlands  vom  Uralgebirge  bis  zum  Irtysch  und  trägt  durch  seine 
KriegBzüge  viel  zur  Kenntnis  des  Landes  bei. 

—  Grerhard  Mareator  verwendet  in  seiner  Ausgabe  der  ptolemaeischen  Karten - 
Sammlung  sowohl  die  ab  weitungstreue  unechte  Kegelprojektion  mit  kon- 
zentrische Kreise  bildenden  Breitenlinien,  die  vielfach  Bonne  zugeschrieben 
wird,  als  auch  die  abweitungstreue  unechte  Zylinderprojektion  mit  gerad- 
linigen parallelen  Breitenkreisen,  die  1660  Sanson  und  1720  Flamsteed 
anwenden  und  die  häufig  die  Sanson -Flamsteedsche  Projektion  genannt  wird. 

—  Die  Erdwalze  oder  völlige  Sappe  (d.  i.  die  Ausführung  der  Laufgräben 
derart,  daß  der  gegen  die  Festung  vorarbeitende  Pioniertrupp  eine  Erd- 
deckung  vor  sich  errichtet  und  diese  beim  Weitervortreiben  der  Sappe 
stetig  weiterwälzt)  ist  eine  türkische  Erfindung.  Im  Abendlande  wendet 
zuerst  der  niederländische  Oberst  Soniioy  bei  der  Belagerung  von  Deventer 
die  Erd walze  an. 

|79    Nachdem  bereits  bei  den  Römern  eine  gelegentUche  Verwendung  kupferner 
und   bronzener   Schreibfedem  erwähnt  wird,   die   aus  dünnem  Bleche  ge- 
L        schnitten  und  dann  hohl  gebogen  waren,   versucht  Andreas  Liidwif,  ge- 
f        bürtig  aus  der  Umgegend  von  Reichenhall  in  Oberbayem,  eine  Herstellung 
f        von     Schreibfedem    aus    Messingblech.       Auch    Johann    Neudörffer    aus 
L        Nürnberg  soU  ähnliche  Versuche  gemacht  haben,  die  jedoch   ebensowenig 
f       wie  die  Ludwig'schen  praktische  Folge  hatten.     (Vgl.  1780.) 
t-      Mathaeus   IMh,  ein  Arzt   aus  Langensalza,  erfindet  ßie  Gradierhäuser  zur 
Anreicherung  der   Salzsolen   behufs   Gewinnung  von  Kochsalz   und   baut 
das  erste  Gradierhaus  in  Nauheim.     (Vgl.  auch  1726  B.) 
-*      Der   italienische   Architekt  Giacomo  Mit  Porta   macht  den  Vorschlag,  die 
menschliche  Stimme   durch    Röhren   auf  weite  Entfernungen  fortzuleiten. 
(Akustische  Telegraphle.) 

—  Fran^^is  Vlela  begründet  durch  seine  Schrift  „Uniyersalium  inspectionum 
ad  canonem  mathematicum  liber  singularis"  innerhalb  der  Trigonometrie 
die  Goniometrie  als  vorbereitende  Wissenschaft. 

580  Prosper  Alblniis  veröffentlicht  die  erste  Abbildung  und  Beschreibung  der 
Kaffeepflanze  in  Europa. 

—  Prosper  AIMnut  lernt  im  Orient  die  Moxen  kennen  und  bringt  dieselben 
nach  Europa.  Die  Moxa  ist  ein  kleiner  aus  leieht  verglimmendem  Stoffe 
angefertigter  Kegel  oder  Zylinder,  der  bei  Gicht,  chronischem  Rheumatis- 
mus usw.  zum  Zweck  energischer  Ableitung  auf  der  Haut  verbrannt 
wird.    Jetzt  sind  die  Moxen  allgemein  durch  Brennapparate  verdrängt. 

—  Nachdem  nächst  Kleomedes  (s.  100  n.  Chr.)  auch  von  Alhazen  und  Bernhard 
Walther  einzelne  Beobachtimgen  der  astrononüschen  Strahlenbrechung 
mitgeteilt  worden  waren,  behandelt  Tycho  Brahs  dieselbe  wissenschaftlich 
und  bestimmt  zum  ersten  Male  auf  empirischem  Wege  ihre  Größe. 

—  Der  Botaniker  Fabio  Columna  führt  den  bereits  Plinius  dem  Älteren  be- 
kannten offizinellen  Baldrian  in  den  Arzneischatz  ein,  nachdem  er  ihn  an 
sich  selbst  gegen  Epilepsie  angewandt  hatte. 

—  Rembertus  Dodonaeut  führt  die  Tomate,  die  den  Griechen  bereits  als  G^nuß- 
pflanze  bekannt  war,  in  die  medizimsche  Praxis  ein. 

—  Rembertus  DadoMMit  beschreibt  die  Kapuzinerkresse,  die  zu  seiner  Zeit  gegen 
Skorbut  verwendet  wird. 

—  O  bschon  die  Stärke  seit  den  ältesten  Zeiten  bekannt  und  auch  schon 
80(J  V.  Chr.  zu  Appreturzwecken  verwendet  worden  war,  wird  sie  doch  in 

—     95     — 


1580 

England  erst  um  die  Mitte  des  16.  Jahrhunderts  eingeführt.  Das  Stäj 
der  Wäsche  ebensowohl,  wie  das  Blauen  derselben  wird  durch  die  Ho] 
denn  Abigail  QuIUiaiil,  die  Frau  eines  königlichen  Leibkutschers,  zuerBt 
wirkt.  Das  Blauen  wird  derart  zur  Modesache,  daß  die  Königin  E\i&9X 
in  der  Absicht,  sich  dasselbe  allein  zu  reservieren,  durch  ein  Manifest 
23.  Juni  1506  es  ihren  Untertanen  verbietet. 
1580  Arthur  Ptt  dringt  auf  dem  Schiffe  „Georg**  bis  in  das  Karische  Meei 
und  fördert  die  Losung  der  Frage  eines  nordösthchen  Seewegs  nach 
Stillen  Ozean  in  nicht  unbedeutendem  Maße. 

—  RaIcIHta  in  Plymouth  begründet  zum  ersten  Male,  seitdem  die  Tironis 
Noten  (s.  63  v.  Chr.  Tiro)  außer  Grebrauch  kamen,  ein  Kurzschriftsy 
(Stenographie),  das  jedoch  zur  Andeutung  der  einzelnen  Wörter  bestic 
Zeichen  einführt,  daher  große  Anforderungen  an  das  Gredächtms  e 
und  nicht  zur  allgemeinen  Anwendung  gelangt.  Ein  ähnliches  S; 
stellt  1588  Timothy  Bright  auf. 

—  Paolo  Sarpl^weiß,  daß  ein  Eisenstab  durch  Influenz  seitens  eines  Magi 
selbst  zum  Magneten  wird. 

—  Pompeo  Tarfont,  Ingenieur  des  Marchese  Ambrogio  Spinola,  erfind« 
Feldmühlen.    (Wagenmühlen,  fahrbare  Mühlen.) 

—  Garcilaso  <•  It  Vtca  spricht  von  dem  Gebrauch  der  Inkas,  auf  den  I 
ebenen  von  Peru  zum  Schutz  der  Pflanzungen  gegen  Frost  durch  Verbn 
von  Mist  Bauch  zu  erzeugen,  der  wie  eine  Wolkendecke  wirke  und 
Frost  abhalte.    (S.  a.  1757  und  1867  T.) 

—  Fran^ois  VIeül  begründet  die  Buchstabenrechnung,  indem  er,  wenn] 
auch  schon  vor  ihm  Buchstaben  zur  Bezeichnung  von  Zahlengrößen  gel« 
lieh  verwendet  worden  waren  (s.  330  v.  Chr.,  150  n.  C^r.),  die  folgeri< 
und  systematische  Anwendung  der  Buchstaben  in  die  Algebra  ein 
und  dieses  Verfahren  auch  auf  die  Geometrie  ausdehnt. 

1582  Tycho  Bnüit  führt  in  üranienburg  15  Jahre  hindurch  ein  meteorolog 
Tagebuch,  in  dem  er  regelmäßig  den  Gang  der  Witterung  verzeih 
Ähnliche  Aufzeichnimgen  werden  von  Kepler  gemeldet. 

—  Der  Papst  Qrtgor  XIII.  führt  nach  sechsjährigen  Verhandlungen  mi 
katholischen  Mächten  mittels  der  Bulle  „Inter  gravissimas**  die  nae] 
benannte  Kalenderreform  durch,  zu  welcher  der  italienische  Arzt  Luigi 
die  Anregimg  gegeben  (vgl.  jedoch  1474  Sixtus)  und  der  Baml 
Mathematiker  Clavius  die  Berechnungen  ausgeführt  hatte.  Die  i.  J. 
gegen  das  tropische  Jahr  bestehende  Abweichung  von  13  Tagen  wii 
durch  beseitigt,  daß  nach  Donnerstag  d.  4.  Oktober  gleich  Frei1 
15.  Oktober  gezählt  wird.  Ferner  wird  in  Abänderung  des  Julian 
Kalenders  (s.  46  v.  Chr.)  bestimmt,  daß  für  die  Folge  nur  diejenigen  Sä 
jähre  Schaltjahre  sein  sollen,  die  durch  400  teilbar  sind. 

—  Der  aus  Deutschland  gebürtige  Techniker  Peter  Maurltt  legt  unt* 
London  Bridge  ein  durch  ein  Wasserrad  getriebenes  Pumpwerk  ai 
als  die  erste  Anlage  dieser  Art  in  England  bezeichnet  wird  und  lan^ 
hindurch  für  die  Wasserversorgimgseinrichtungen  der  Städte  vorb 
gewesen  ist. 

—  Paul  WIttleh  findet  das  als  Prosthaphaeresis  bezeichnete  Rechnnngsverf 
das   vor  Erfindung  der  Logarithmen   sehr   gebräuchlich  war,    um 
plikationen  durch  Additionen  und  Subtraktionen  zu  ersetzen. 

1583  Georg  Baiüseh  gibt  seinen  „Augendienst**  heraus,  in  welchem  er  si 
tüchtiger  Beobachter  und  geschickter  Augenarzt  zeigt,  und  in  dem  e 
verschiedene  neue  Instrumente  und  neue  Operationen  beschreibt. 

—  Andreas  Gaataipinut  sucht  die  Pflanzen  nach  ihren  Fruktifikationsoi 
in  ein  System  zu  bringen  und  gibt  eine  inhaltreiche  theoretische  Bc 

—     96     — 


1684 

1583  Andreas  Gaatalplnut  bemerkt  zuerst  das  Anschwellen  der  Venen  unterhalb 
des  Verbandes  und  zieht  daraus  den  Schluß  auf  ein  Zurückfließen  des 
Blutes  in  den  Gefäßen. 

—  In  der  in  Basel  gedruckten  „Geometria  rotundi'*  des  Mathematikers  Thomas 
Fbiek  aus  Flensburg  finden  sich  zuerst  die  Namen  „Tangente"  und  „Sekante''. 
(Die  Einfuhrung  der  Sekante  in  die  Trigonometrie  erfolgt  durch  Kopernikus.) 

—  Pieter  van  Foraort  fördert  die  Medizin  durch  die  Herausgabe  seiner  Be- 
obachtungen und  tritt  gegen  die  sehr  verbreitete  Uromantie  auf,  indem 
er  hervorhebt,  daß  Temperatur,  Lebensalter,  Lebensart  usw.  auf  die  Be- 
schaffenheit des  Harns  großen  Einfluß  äußern.     (Vgl.  auch  1534  Femel.) 

^  Galileo  Qalliol  beginnt  seine  bedeutsame,  fast  sechs  Jahrzehnte  fortgesetzte 
Tätigkeit  als  Physiker  und  Astronom.  Er  legt  die  Ergebnisse  seiner  For- 
schungen in  den  in  den  Jahren  1612,  1623,  1632  und  1638  verfaßten,  erst 
nach  seinem  Tode  herausgegebenen  vier  Hauptwerken  nieder.  Dieselben 
enthalten  viele  von  ihm  schon  lange  vorher  erkannte  Tatsachen,  so  daß 
es  bei  den  meisten  Entdeckungen  Galileis  nicht  möglich  ist,  eine  bestimmte 
Jahreszahl  anzugeben.  Die  hier  folgenden,  auf  Galilei  bezüglichen  Artikel 
sind  deshalb  hinsichtlich  der  Jahreszahlen,  obwohl  auf  Grund  der  besten 
Quellen  geprüft,  trotzdem  zum  Teil  unsicher. 

^  Galileo  CUdllol  soU  —  bei  Beobachtung  der  Schwingungen  einer  Lampe  im 
Dom  zu  Pisa  —  den  Isochronismus  der  Pendelschwingungen  erkannt  haben. 
Doch  ist  das  Jahr  unsicher  und  der  ganze  Vorgang  historisch  nicht  scharf 
nachweisbar.  Auch  soU  Galilei  auf  Grund  jener  Entdeckung  einen  Apparat 
zur  Messung  der  Häufigkeit  des  Pulsschlages  ersonnen  haben. 

—  Felix  Plater  spricht  klar  aus,  daß  die  Krystalllinse  des  Auges  die  Bilder  der 
äußern  Gegenstände  auf  der  Netzhaut  entwirft,  daß  die  letztere  also  den 
Hauptteü  des  Sehwerkzeuges  darstellt.  (S.  a.  1160.)  Der  Irrtum  Platers, 
daß  die  Bilder  auf  der  Netzhaut  vergrößert  werden,  wird  von  Kepler  (vgl. 
1604  K.)  richtig  gesteUt. 

—  Joseph  Justus  Scalifor  veröffentlicht  sein  Werk  „De  emendatione  temporum**,     ^ 
ein  bahnbrechendes  Lehrbuch  der  Chronologie,  das  Ordnung  und  Licht  in 
diese  Wissenschaft  bringt  und  ihm  den  Namen  des  Vaters  der  Chronologie 
einbringt. 

—  Joseph  Justus  Scalifor  schlägt  eine,  die  ganze  bekannte  Geschichte  um- 
fassende Zeitrechnung  vor,  indem  er  durch  Multiplikation  der  zyklischen 
Zahlen  28,  19  und  15  eine  Periode  von  7980  Jahren  bildet,  die  er  „juha- 
nische  Periode"  nennt.  Das  4713.  Jahr  dieser  Periode  entspricht  dem 
ersten  unserer  christlichen  Zeitrechnung. 

1584  Sir  Walter  Ralolch  bringt  zuerst  das  Curare,  das  im  wesentlichen  aus  dem 
eingedickten  Saft  gewisser  Strychnusarten  besteht,  nach  Europa  und  be- 
richtet, daß  dasselbe  unter  dem  Namen  Ourari  von  den  Indianern  Guyanas 
benutzt  werde,  um  die  Pfeilspitzen  zu  vergiften.  Nähere  Mitteüungen  über 
das  Curare  macht  insbesondere  Appun  (1871). 

—  Die  Kartoffel  soll  um  1565  bereits  durch  einen  Sklavenhändler  Hawkins 
nach  Irland  gebracht  worden  sein,  ohne  jedoch  Beachtung  zu  finden.  Nach- 
dem sie  inzwischen  durch  die  Spanier  auch  nach  Italien  und  Burgund 
gebracht  worden  war,  führt  sie  1584  Sir  Walter  Ralolch  zum  zweiten  Male, 
und  zwar  aus  Virginien  nach  Irland  ein.  Von  da  an  datiert  ihre  allgemeine 
Verbreitung,  um  die  sich  u.  a.  auch  Drake  verdient  gemacht  hat.  Dagegen 
ist,  wie  schon  Humboldt  nachgewiesen  hat,  die  Annahme  irrig,  daß  Drake 
die  Kartoffel  nach  Europa  eingeführt  habe. 

—  Johann  Sehoack  von  Gritenborf  wendet  zuerst  bei  asphyktisch  Verunglückten 
nach  Entfernung  aller  Atmungs- Hindernisse  künstliche  Respiration  an. 

Pmrmttaedter.  7 

—    97    — 


1584 

1584  Michael  Varro  äußert  in  seinem  „Tractatus  de  motu*'  richtige  Vorstellan 
von  der  mechanischen  Kräftezusammensetzung. 

—  Nikolaus  Zurklndtn  in  Bern  verfertigt  ein  Schnellladegewehr,  an  dem 
drehbare  Ladetrommel,  ähnlich  wie  bei  dem  heutigen  Revolver,  angebn 
ist.    Die  Versuche  mit  dem  Schnellladegewehr  fallen  zwar  nicht  beson 
günstig  aus,  doch  hat  die  Idee  eine  entwicklungsgeschichtliche  Bedeuti 

1585  William  Boroiich  gibt  ausführliche  Anweisungen  zur  Bestimmung  der  D< 
nation  und  bespricht  ihre  Wichtigkeit  für  die  Navigation. 

—  Tycho  Braht  stellt  ein  Weltsystem  auf,  bei  dem  die  Erde  den  Mittelpi 
der  Welt  bildet.  Sie  wird  von  Sonne  und  Mond  umkreist,  während 
Planeten  sich  um  die  Sonne  bewegen. 

1585  —  87  John  Davis  unternimmt  drei  Reisen  zur  Auffindung  einer  nordwestli* 
Durchfahrt,  sichtet  den  südlichsten  Abschnitt  von  Ostgrönland,  da 
.,Land  of  Desolation**  nennt,  und  kommt  an  der  Westküste  von  Grön 
durch  die  nach  ihm  benannte  Davisstraße  bis  über  72"  n.  Br.,  worai 
quer  über  den  Meerbusen  zur  Hudsonstraße  steuert. 

1585  John  Davis  erfindet  den  Davis -Quadranten  (Backstaff),  welcher  sich  ir 
Seeschiffahrt  rasch  einbürgert,  ohne  indes  den  Jakobsstab  (e.  1325) 
zu  verdrängen. 

—  Von  Philipp  II.  abgewiesen,  begibt  sich  der  italienische  Kriegsbaum« 
Federigo  Qlanibelil  nach  Antwerpen,  wo  er  mit  den  von  ihm  erfund 
Minenschiffen  die  Brücke  sprengt,  mit  der  die  spanischen  Belagere] 
Scheide  gesperrt  hielten.  Anderen  Nachrichten  zufolge  hat  Gianibelli  Sp 
ladungen  von  60  und  75  Zentnern  zum  Wegräumen  der  Sperren  angewe 
Hiemach  hätte  man  es  mit  einer  Art  von  Seeminen  zu  tun. 

—  Durch  den  aus  der  Grafschaft  Buckingham  gebürtigen  Engländer  Gm 
welcher  den  Gebrauch  der  Tonpfeife  bei  den  Eingeborenen  Virginias  kc 
gelernt  hatte,  wird  die  tönerne  Tabakspfeife  in  Europa  bekannt. 

—  Jaques  Quilltiiieau  liefert  in  seinem  Buche  „Des  maladies  de  Vceü  qui 
en  nombre  de  cent  treize  auxqueUes  il  est  subject**  das  beste  Lehrbuc 
Augenheilkunde  des  Mittelalters. 

—  Christoph  Roflimann  in  Cassel  beobachtet  zuerst  das  Zodiakallicht  (Tier 
licht),  das  1661  im  Druck  von  Joshua  Childrey  beschrieben  wird  und  d 
räumliche  Verhältnisse  1685  von  Jean  Dominique  Cassini  bestimmt  w€ 

—  Gasparo  Bertolotti  aus  Brescia,  genannt  ia  Said,  hat  einen  wesentl 
Anteil  an  der  technischen  Ausbildung  der  heutigen  Violine,  deren  Erfir 
ihm  bisweilen  zugeschrieben  wird.  (Vgl.  1553  Tieffenbrucker.)  üntc 
späteren  Violinen machern  sind  namentlich  Nicc^lo  Amati  in  Cremona  v 
als  berühmtester  und  in  der  Folgezeit  nicht  wieder  erreicht  —  Ar 
Stradivari  zu  nennen. 

—  Wenn  auch  nicht  mehr  zu  ermitteln  ist,  wer  die  erste  Zinseszinstafc^ 
gestellt  hat,  so  sind  doch  als  erste  derartige,  im  Druck  erschienene  Ta 
die  von  Simon  Stovinus  in  seiner  „Practique  d'Arithm^tique**  gege 
anzusehen. 

1586  Galileo  Galilei  konstruiert  eine  hydrostatische  Wage  (Bilancetta),  di< 
dem  archimedischen  Prinzip  von  dem  Gewichtsverlust  eines  in  die  Fl 
keit  eintauchenden  Körpers  beruhend,  das  spezifische  Gewicht  fester  l 
zu  bestimmen  erlaubt. 

—  Simon  Stevinus  stellt  die  erste  richtige  Theorie  der  schiefen  Ebene  ai 
deutet  den  Satz  vom  Parallelogramm  der  Kräfte  an. 

—  Simon  Stovinus  spricht,  unter  Anlehnung  an  Ubaldi  (s.  1577)  bei  G< 
heit  der  Untersuchung  des  Gleichgewichtszustandes  der  Rollen  und  I 
Systeme  das  Prinzip  der  virtueUen  Verschiebungen  aus. 

—     98     — 


1689 

1586  Simone  Varovio  führt  den  Kupferstich  in  den  Musiknotendruck  ein,  welcher 
sich  seitdem  dauernd  neben  dem  Typen  druck  (s.  1476  Hahn,  1498  Petrucci, 
1525  Haultin  und  1755  Breitkopf)  erhalten  hat. 

1587  Giulio  Cesare  Aranzio  demonstriert  zuerst  das  Netzhautbildchen  an  einem 
ausgeschnittenen  Tierauge  nach  Abpräparieren  der  Lederhaut  und 
Aderhaut.    (S.  1626  S.) 

—  Giulio  Cesare  Aranilo  weist  zuerst  auf  eine  Difformität  des  Beckens  hin, 
eine  Beobachtung,  die  der  eigentliche  Ausgangspunkt  der  Lehre  vom  engen 
Becken  wird.     (S.  a.  1460.) 

~  Giovanni  Battista  Btntdtttl  ahnt  die  Ursache  der  Fallbeschleunigung 
und  hat  eine  gewisse  Kenntnis  von  der  Beharrung  der  Körper,  nicht  bloß 
in  Buhe,  sondern  auch  in  Bewegung.  Er  spricht  aus,  daß  ein  im  Kreis 
geschwungener  G-egenstand  beim  Aufhören  der  Zentralbewegung  sich  in 
tangentialer  Sichtung  fortbewegt. 

—  Tycho  Bnlit  steUt  in  Uranienburg  seinen  „Quadrans  muraUs  sive  Tichonicus'* 
auf,  der  mittels  Transversaleneinrichtung  Sechstelminuten  abzulesen  er- 
laubt und  viele  Ähnlichkeit  mit  dem  Quadranten  des  Nassir-Eddin  (s.  980) 
aufweist.  Später  werden  große  Mauerquadranten  namentlich  von  Bird 
(1775),  Ramsden  (1780),  Troughton,  Reichenbach  (1819)  u.  a.  gebaut. 

—  Nachdem  der  Gedanke,  Winkelinstrumente  mit  zwei  zueinander  senk- 
rechten Kreisen  zu  konstruieren,  an  welchen  sich  beliebige  Viaierrich- 
tungen  nach  Höhe  und  Azimut  festlegen  lassen,  zuerst  von  den  Arabern 
verwirkHcht  worden  war,  konstruiert  Tycho  Brah«  einen  Quadrans  azimu- 
t.alis,  der  aus  einem  Höhenquadranten  von  1^/2  EUen  Höhe  besteht,  der 
über  einem  horizontalen  Vollkreis  von  2  EUen  Durchmesser  spielt. 

—  Simon  SItvIniis  entwickelt  aus  den  Sätzen  des  Archimedes  das  sogenannte 
hydrostatische  Parodoxon,  wonach  Flüssigkeiten  einen  viel  größeren  Druck 
als  ihr  eigenes  Gewicht  auf  den  Boden  der  Gefäße  ausüben  können,  und 
bestimmt  auch  den  Druck  der  Flüssigkeiten  auf  vertikale  und  geneigte 
Seitenwände.  Er  stellt  femer  den  Satz  vom  Gleichgewicht  des  Wassers  in 
kommunizierenden  Röhren  auf. 

1588  Carolus  Gluslut  pflanzt  in  Wien  und  Frankfurt  a.  M.  Kartoffeln  als  bota- 
nische Seltenheit  an.  (S.  1584  Raleigh.)  Ihren  botanischen  Namen  Sola- 
num tuberosum  erhält  die  Kartoffel  durch  Caspar  Bauhin. 

—  Der  Jesuit  Giovanni  Pietro  MafM  in  Florenz  beschreibt  in  seiner  Schrift 
„Historiarum  indicarum  libri  XVI"  die  Teepflanze.  Der  Name  „Tee** 
stammt  von  den  Arabern,  welche  die  chinesische  Bezeichnung  „Tscha**  über- 
nahmen, das  Wort  aber  „Tiä"  aussprachen.     (Vgl.  150  v.  Chr.) 

—  Livio  Sanuto  spricht  zuerst  von  zwei  magnetischen  Polen  der  Erde.  (Vgl. 
1530  Fracastoro.) 

1589  Galileo  QaliM  weist  nach,  daß  Körper  verschiedenen  Gewichts,  die  er  von 
der  Höhe  des  schiefen  Turmes  in  Pisa  herabfallen  läßt,  ihren  Weg  in  bei- 
nahe gleichen  Zeiten  zurücklegen. 

—  Der  englische  Student  der  Theologie  William  Lm  baut  den  ersten  Hand- 
kuherstuhl  für  Stnmipfwirkerei  in  solcher  Vollkommenheit,  daß  der- 
selbe auch  heute  noch  in  seiner  ursprünglichen  Form  Verwendung 
finden  kann. 

—  Giambattista  MIa  Porta  gibt  an,  daß  man  mit  Eis  imd  Salpeter  eine 
weit  höhere  Kälte  als  mit  Wasser  und  Salpeter  (s.  1550)  erzeugen 
könne. 

—  Giambattista  Mia  Porta  gibt  in  seiner  „Magia  naturalis*'  die  älteste  Be- 
schreibung eines  Wassertrommelgebläses.  In  seinem  Werke  schildert  er, 
wie  EisenfeiUcht  vom  Magneten  angezogen  wird,  an  diesem  wie  ein  Bart 
hängen  bleibt  und  selbst,  solange  es  nicht  aus  seiner  Lage  gebracht  wird, 

7* 

—     99     — 


1689 

magnetische  Wirkungen  äußert,  daß  diese  Wirkung  aber  gestört  wird,  so- 
bald  man  es  vom  Magneten  abschüttdt. 

1589  Daniel  Speckle  beschreibt  in  seiner  „ Architectura*  *  den  ersten  Proportional- 
zirkel. Der  Zweck  des  Proportionalzirkels,  welcher  aus  zwei  nach  Zirkel- 
art miteinander  verbundenen,  in  mannigfacher  Weise  mit  Marken  ver- 
sehenen Linealen  besteht,  ist  der  einer  graphischen  Tabelle.  Mit  der 
Verbesserung  des  Proportionalzirkels  hat  sich  im  Mittelalter  eine  große 
Anzahl  Mathematiker  beschäftigt. 

1590  Der  Jesuit  G.  41  Acotta  gibt  die  erste  Beschreibung  der  Bergkrankheit  und 
führt  dieselbe  auf  die  Dünne  der  Luft  zurück. 

—  Tycho  BralM  entdeckt  die  dritte  große  Ungleichheit  des  Mondes,  die  jähr- 
liche Gleichung,  die  daraus  entspringt,  daß  die  Erde  sich  nicht  immer  in 
der  gleichen  Entfernung  von  der  Sonne  befindet.     (S.  150  und  980.) 

—  Nachdem  sich  die  Wasseruhr  (s.  450  v.  Chr.)  im  Mittelalter  auch  im 
Hausgebrauche  eingebürgert  hatte,  verbessert  Tycho  BralM  diese  Kon- 
struktion zu  astronomischen  Zwecken,  indem  er  das  Wasser  durch  Queck- 
silber ersetzt. 

—  Domenico  Fontana  soll  zur  Hebung  des  ägyptischen  Obelisken  auf  dem 
Petersplatze  in  Rom  von  der  Verkürzung  der  Taue  durch  Benässung  (Ge- 
brauch gemacht  haben. 

—  William  QilNrt  stellt  sich  —  nach  der  von  Lasswitz  herrührenden,  aller- 
dings sehr  freien  Deutung  —  die  Wärme  als  Bewegung  eines  sehr  feinen 
materiellen  Äthers  vor.  Gilbert  selbst  bezeichnet  in  seinem  posthumen, 
erst  1651  veröffentlichten  Werke  die  Wärme  nur  als  „Actio  corporis". 

—  Der  holländische  Optiker  Zacharias  Jantten  erfindet  das  zusammengesetzte 
Mikroskop,  welches  aus  der  Vereinigung  einer  Bikonvexlinse  (Sammel- 
linse) und  einer  Bikonkavlinse  (Zerstreuungslinse)  besteht,  von  denen  die 
erstere  als  Objektiv,  die  letztere  als  Okular  dient. 

—  Johann  Praatorfut,  Professor  in  Altdorf  bei  Nürnberg,  erfindet  das  Diopter- 
lineal und  den  Meßtisch.     (Mensula  Praetoriana.) 

—  Simon  Stevinut  legt  mit  seiner  „Hylocynesie"  den  Keim  zur  tellurischen 
Morphologie.  Er  behandelt  darin  bereits  den  Bau  der  Ebenen  und 
Berge,  den  Lauf  der  Flüsse  und  die  Beziehungen  zwischen  festem  und 
flüssigem  Element. 

—  Simon  Stevinut  stellt  eine  Theorie  der  Gezeiten  auf,  die  es  ihm  ermö^cht, 
für  gegebene  Erdorte  die  Eintrittszeiten  für  Ebbe  und  Mut  mit  Bücksicht 
auf  den  Mondlauf  vorauszubestimmen. 

1591  Johannes  Coler  gibt  einen  ökonomischen  Kalender  heraus,  der  neben  den 
in  Kalendern  üblichen  Angaben  über  Tage,  Monate,  Sonnenaufgang  und 
Sonnenuntergang  ausführliche  Angaben  über  die  Arbeiten  enthält,  die 
während  eines  jeden  Monats  im  Hause,  in  den  Ställen,  auf  den  Feldern  usw. 
ausgeführt  werden  müssen  und  der  die  Veranlassung  zu  dem  1593  von  Coler 
veröffentlichten  Werke  „Oeconomia  oder  Hausbuch  des  Johannis  Colers" 
wird,  das  den  Weinbau,  Gartenbau,  Obstbau,  Waldbau,  Ackerbau,  die 
gesamte  Viehhaltung,  Jagd,  Vogelfang  und  Fischerei  behandelt. 

—  Federigo  Qianibtili  bietet  dem  Lord  Burleigh  eine  Erfindung  an,  durch 
welche  er  das  Wasser  der  Londoner  Straßengossen  klären  und  für  eine 
anderweitige  Verwendimg  geeignet  machen  will.  Der  Vorschlag  —  eineB 
der  ersten  geschichtlich  nachweisbaren  Beispiele  des  Versuchs  einer  Klärung 
der  städtischen  Abwässer  —  bleibt  unbeachtet. 

—  Faustus  Varantlus  baut  die  erste  bekannte  Baggermaschine,  bei  welcher  die 
^auf  Stielbagger   übertragene  Kraft  durch  eine  Anzahl  in  einem  Laufrade 

tätiger  Menschen   hervorgebracht  wird.     Er   entwirft  eine  Hängebrücke, 
die  jedoch  nicht  zur  Ausführung  gelangt. 

—     100      — 


1596 

1592  Hieronymus  Fabrlciiis  ab  Acquapendente  erwähnt  zuerst  das  Leuchten 
des  Schlachtfleisches  (Lamm-  und  Bockfleisch).  Das  Leuchten  an  dem 
Schleim,  den  Köpfen,  den  Augen,  sowie  den  Schuppen  der  Fische  hatte 
zuerst  Aristoteles  erwähnt.  Bobert  Boyle  stellt  1667  fest,  daß  diese 
Eigenschaft  im  luftleeren  Räume  aufhört,  im  lufterfüllten  Baume  aber 
wieder  beginnt. 

~  Georg  Hoffnagti  in  Frankfurt  a.  M.  macht  die  ersten  bekannten  mikro- 
skopischen Beobachtungen  und  veröffentlicht  auf  50  Kupfertafeln  eine 
größere  Anzahl  von  Abbildungen  von  Insekten  als  Ergebnis  seiner  Beob- 
achtungen. 

—  Der  Holländer  Comelis  Comelisz  van  Ultgtttt  erbaut  die  ersten  durch  Wind- 
räder getriebenen  Holzsägemühlen,  nachdem  bis  dahin  solche  Mühlen  nur 
durch  Wasserräder  betrieben  worden  waren. 

1593  toifUra  erfindet  die  Kapselpumpe,  bei  der  die  Wasserbewegimg  durch 
zwei  entgegengesetzte  Drehbewegimgen  oder  durch  die  Verbindung  einer 
Drehbewegung  mit  einer  geradlinigen  Bewegimg  der  an  Stelle  der  Kolben 
wirkenden  Scheiben  imd  Platten  bedingt  wird.  Trotz  der  Schwierigkeit, 
eine  haltbare  Dichtimg  für  die  Drehscheiben  und  Platten  herzustellen,  wird 
diese  Art  von  Pumpen  in  der  Folge  vielfach  angewendet  und  auch  noch 
vervollkommnet. 

1594  Wie  durch  eine  Begensburger  Handschrift  neuerdings  festgestellt  worden 
ist,  bezeichnet  es  Galileo  Qaliitl  als  einen  allgemein  gültigen  Satz,  daß  bei 
allen  mechanischen  Vorrichtungen  in  demselben  Verhältnisse  an  Weg  und 
Zeit  verloren,  wie  an  Kraft  gewonnen  wird.     (Vgl.  1577  Ubaldi.) 

1595  Wer  zuerst  den  Calomel  in  der  Medizin  angewandt  hat,  ist  nicht  zu  er- 
mitteln; so  viel  aber  steht  fest,  daß  Joseph  iu  GhMiie  (Quercetanus)  den- 
selben öfters  benutzt  hat,  weshalb  er  im  17.  Jahrhundert  auch  Panchy- 
magogum  Quercetani  hieß. 

—  Andreas  Jessnar  gibt  in  seiner  „Kunstkammer*'  an,  der  Wein  bleibe  süß, 
wenn  man  3 — 4  Pfund  Blei  in  das  Faß  lege.  Die  Verfälschung  des  Weines 
mit  Bleiglätte  ist  neueren  Datums  und  zuerst  in  Frankreich  aufgekommen, 
wo  man  ihr  durch  eine  Verordnung  von  1696  zu  steuern  sucht. 

—  Andreas  Utaviiis  gibt  das  erste  Lehrbuch  der  Chemie  „Alchemia  e  dispersis 
passim  optimorum  auctorum  etc.  collecta.'*  heraus  imd  entdeckt  bei 
Destillation  von  Quecksilbersublimat  mit  Zinn  das  Doppelt  -  Chlorzinn 
(Spiritus  fumans  Libavii). 

—  Andreas  Utavlus  beschreibt  das  wahrscheinlich  schon  früher  bekannte  neu- 
trale  essigsaure  Bleioxyd  und  bezeichnet  dasselbe  zuerst  als  Bleizucker. 

—  Andreas  Utaviiis  macht  zuerst  auf  die  Beaktion  zwischen  Salzsäure  und 
silberhaltigen  Lösungen  aufmerksam. 

—  Andreas  Lltavlut  erwähnt  zuerst  das  schwefelsaure  Ammoniak,  dessen  Dar- 
stellung aus  Schwefelsäure  und  Spiritus  Urinae  er  beschreibt.  Gegen  Ende 
des  17.  Jahrhunderts  wird  das  Salz  ein  beliebtes  und  viel  ge- 
brauchtes Arzneimittel  und  späterhin,  nachdem  die  Gasbeleuchtung  sich 
allgemein  verbreitet  und  man  das  Teerwasser  (Gaswasser)  zur  Bereitung 
der  Ammoniaksalze  anzuwenden  gelernt  hat,  ein  großer  Handelsartikel. 

—  Bartholomäus  PHlicut  veröffentlicht  seine  „Trigonometria",  welche  Be- 
zeichnung bei  ihm  zum  ersten  Male  vorkommt.  Er  gibt  derselben 
trigonometrische  Tabellen  bei,  und  zwar  in  der  Auflage  vom  Jahre  1612 
mit  Dezimalstellen,  welche  durch  einen  Punkt  von  den  übrigen  Stellen 
getrennt  sind.  (Vgl.  aber  1600  B.)  Sein  Hauptverdienst  ist  die  im  Jahre 
1613  unter  dem  Titel  „Thesaurus  mathematicus*'  erfolgte  Herausgabe  des 
großen  Kanon  des  Bhaeticus. 

—      101      — 


1596 

1596—97  Nachdem  Willem  Barents  bereits  im  Jahre  lö94  eine  Expedition  zu 
Auffindung  des  nordöstlichen  Seewegs  unternommen  hatte,  die  ihn  bis  71 
nördlicher  Breite  führte,  und  nachdem  im  Jahre  1595  eine  zweite  holUs 
dische  Entdeckungsfahrt  gemacht  worden  war,  die  ergebnislos  veriiei 
unternehmen  WiUem  Bartnts,  Jacob  van  HMmtktrk  und  Jai^  ComeliKz  RQ 
eine  neue  Expedition,  auf  der  sie  unter  74^30'  die  Bäreninsel  und  unt« 
80^  Spitzbergen  entdecken. 

1596  Willem  Bartntt  und  Jacob  van  Heamtktrk  (s.  vorigen  Artikel)  beobachten 
auf  ihrer  Reise  im  nördlichen  Eismeer,  daß  die  Bamakel-  (Bemakel 
gänse  Eier  legen  und  bebrüten  wie  andere  Vögel.  Die  Annahme  d« 
klerikalen  Schriftsteller,  welche,  um  diese  Gänse  als  Fastenspeise  zulassei 
zu  können,  dieselben  aus  der  Entenmuschel  (Lepas  anatifera)  entstehe! 
lassen,  ist  damit  endgültig  widerlegt. 

—  Andreas  Gaatalplnut  bespricht  in  seiner  Schrift  „De  metallicis*',  daß  Alaut 
Salpeter,  Vitriol,  Zucker  usw.  aus  ihren  Auflösungen  immer  in  denselben 
Formen  anschießen  und  dürfte  damit  wohl  der  erste  Beobachter  der  Tai 
Sache  sein,  daß  Salze  eine  verschiedene  Krystallgestalt  haben.  Er  hU 
indes  die  Krystallgestalt  nicht  für  ein  konstantes  Kennzeichen  der  Körpei 
weil  er  die  vorgefaßte  Meinung  hat,  daß  nur  die  organisierende  Kraft  b« 
stimmte  Gestalten  erzeugen  könne,  was  bei  leblosen  Substanzen  nicht  d^ 
Fall  sei. 

—  Der  Mathematiker  LaMH  van  GeulM  in  Leiden  berechnet  die  nach  ihm  Ihj 
nannte  Kreisumfangszahl  ji  auf  elementarem  Wege  (aus  dem  umschri«] 
benen  und  eingeschriebenen  1073,741284-Eck)  auf  35  Dezimalstellen. 

^  David  Fabricilit  entdeckt  den  13,  August  an  dem  Fixstern  o  Ceti  eine  auj 
fallende  Lichtveränderung  und  nennt  diesen  veränderlichen  Stern,  der  h 
Oktober  wieder  verschwindet,  später  aber  mit  wechsehider  Helligkd 
wiederholt  beobachtet  wird,  „Mira  Ceti**. 

—  Sebastian  Hille  regelt  zuerst  die  Brennzeit  des  Zünders  nach  der  Fiugs<<^ 
des  Geschosses  und  wendet  einen  Fall-  und  Aufechlagzünder  an. 

—  Simon  Stoviniit  führt  die  Dezimalbruchrechnung  in  die  Rechenkunst  eis 
indem  er  voUe  Klarheit  über  das  Wesen  der  Dezimalbrüche  schafft  unj 
die  vorhandenen  Keime  (s.  1140)  zu  einem  klar  durchgebildeten  System 
vereinigt.  Stevinus  hatte  schon  i.  J.  1585  in  seiner  Abhandlung  „La  Dismci 
ausgesprochen,  daß  sich  alle  Berechnungen  des  Geschäftslebens  ohne  Brüche 
nur  mittels  ganzer  Zahlen  ausführen  lassen.    (Vgl.  1600  Bürgi.) 

1597  William  Barlowe  in  Easton  bei  Winchester  erkennt  zuerst  den  8torend«i 
Einfluß  der  im  Schiffskörper  befindlichen  Eisenmassen  auf  den  Kompaß 
Deviation.  (S.  seine  Schrift  „The  navigator*s  supply**.  —  Vgl.  auch  17« 
Flinders.) 

—  Capo  Blanco  erwähnt  zuerst  in  seiner  Schrift  „Corona  e  palma  militarrl 
die  Anwendung  der  Kartusche  in  der  Artillerie,  welche  das  bis  dahi 
unbequeme,  zeitraubende  und  gefährliche  Laden  der  Geschütze  mit  loset 
Pulver  aus  einer  Ladeschauf cl  entbehrlich  macht. 

—  Hainrich  IV.  von  Frankreich  soU  vor  Amiens  da«  erste  Feldlasarett  <i 
richtet  haben. 

—  Andreas  Ubavliit  macht  die  erste  bestimmte  Beobachtung  über  die  hlat^ 
Färbung  des  Ammoniaks  mit  Kupfer. 

—  Buonajuto  Lorini  beschreibt  in  seinem  Werke  „Delle  fortificationi**  IlintH 
ladungsgeschütze,  die  auf  Galeeren  und  Kriegsschiffen  zur  Bequemliohkd 
der  Kanoniere  sehr  gebräuchlich  seien.  Er  gibt  u.  a.  auch  die  Benchreihazij 
einer  Seilbahn  zur  Bewegung  von  Erdmassen.    (8.  a.  1411.) 

—  Sir  Walter  RaMfli  benutzt  das  Mahagoniholz  auf  Trinidad  zur  Ausbeesoruu 

—     102     — 


1600 

seiner  Schiffe,   doch  wird/ttaa  Holz  in  England  erst  1724  eingeführt.    Die 
Rinde  wird  1787  von  Wnght  in  Jamaika  als  Chinasnrrogat  empfohlen. 

1598  Fortunato  Fetel«  in  Palermo  ist  der  erste,  der  den  Wert  der  Sektion  zum 
Erweise  eines  Gif^ordes  erkennt  und  zu  dem  Behufe  die  Eröffnung  und 
Untersuchungd^r  Leichen  vorschlägt. 

—  Der  Senator  Uarlo  Rulni  in  Bologna  giht  die  „Anatomia  del  Cavallo**  her- 
aus, dn  Werk,  das  durch  die  anschauliche  Beschreibung  der  Krankheiten 
des  Pferdes  und  deren  Heilung  einen  großen  Buf  erlangt.  Neuerdings 
wird  bezüglich  des  genannten  Buches  die  Autorschaft  Ruinis,  der  ein 
Jnnst  war,  in  Zweifel  gezogen. 

—  Nach  William  SfcakeipMrt  ist  es  eine  zu  seiner  Zeit  bereits  allgemein  be- 
kannte Tatsache,  daß  der  Mond  die  Ursache  von  Ebbe  und  Flut  ist. 
(S.  Heinrich  IV.  [1.  Teil,  I,  2];  Lear  [V,  3:  „Wir  überstehen  Lost  und  Zwist 
der  Großen,  die  Flut  und  Ebbe  haben  nach  dem  Mond''];  Wintermärchen 
[I,  1];  Sturm  [V,  1]). 

1599  Uüsses  AMrovanil  gibt  die  drei  ersten  Bände  seiner  großen  Tiergeschichte 
heraus,  die  der  Naturgeschichte  der  Vögel  gewidmet  sind.  Die  ferneren 
Bände  werden  erst  nach  seinem  Tode  von  Uterverius,  Dempster  und 
Bartholomaens  Ambrosinus  herausgegeben.  Das  Werk  geht  wenig  über 
Oesner  (s.  1550)  hinaus,   der  im  allgemeinen  kritischer  als  Aldrovandi  ist. 

"  Dirk  QMTita  wird  auf  einer  Fahrt  durch  die  Magalhäes- Straße  durch  einen 
Orkan  angeblich  bis  64^  s.  Br.  verschlagen,  wo  er  schneebedecktes  Land 
(Grahamland t)  erblickt  haben  will.  Doch  haben  Buge  und  Wichmann 
nachgewiesen,  daß  er  nur  bis  56®  s.  Br.  gelangt  ist  und  den  nach  ihm  be- 
nannten Dirk  Gerritsz-Archipel  nie  gesehen  hat. 

*  Der  Itahener  Ferrante  Imiierato  erwähnt  in  seiner  „Naturgeschichte*'  das 
Reißblei,  das  er  „G-rafio  piombino'*  nennt.  Die  Bezeichnung  „Grraphif 
stammt  von  Abraham  Gottlob  Werner. 

1600  Tycho  BnüM  entdeckt  die  säkulare  Beschleimigung  der  Mondbewegung. 

—  Tycho  BndM  berechnet  die  erste  Befraktionstafel  und  benutzt  dieselbe,  um 
die  astronomischen  Beobachtungen  zu  korrigieren. 

—  Jnst  Bfiffsl  erfindet  unabhängig  von  Stevinus  (s.  1596)  die  Dezimalbruch- 
rechnung. Er  wendet  zuerst  einen  Punkt  zur  Abgrenzung  der  Dezimal- 
stellen an.  (Vgl.  aber  1505  Pitiscus.)  Er  konstruiert  ein  Triangularinstrument, 
das  aus  3  Linealen  mit  Dioptern  besteht  und  zur  Verwendung  bei  den 
Feldmeßarbeiten  bestimmt  ist. 

—  Hieronymus  Faferldiis  ab  Acquapendente  macht  hervorragende  entwicklungs- 
geschichtliche Arbeiten  und  gibt  die  ersten  Abbildungen  von  Embryonen, 
von  der  Decidua,  dem  schwängern  Uterus  und  der  Placenta.  Er  stellt 
auch  als  Erster  die  Lage  der  Krystalllinse  in  einer  Umrißzeichnung  richtig  dar. 

—  Hieronymus  Fabrlciiis  ab  Acquapendente  gibt  in  seiner  Schrift  „De  larynge 
vocis  organo''  die  erste  Monographie  über  den  Kehlkopf. 

—  WiUiam  Gilbert  erforscht  die  Eigenschaften  der  natürlichen  Magnete,  gibt 
der  Lehre  vom  Magnetismus  eine  wissenschaftliche  Grundlage  und  be- 
gründet die  Lehre  vom  Erdmagnetismus  (vom  großen  Magneten  Erde). 
Durch  die  Annahme  des  Erdmagnetismus  gelingt  es  ihm,  die  Deklination 
und  Inklination  zu  erklären.  Er  behauptet  schon,  daß  jeder  unmagnetische, 
aber  durch  seine  Bichtung  im  Räume  der  Erdeinwirkung  zugängliche 
Eisenstab  mit  der  Zeit  selbst  zum  Magneten  werden  müsse.  (Vgl.  auch 
1530  und  1588.) 

—  Wilüam  Gilbert  betrachtet  zuerst  die  Anziehungskraft  des  Bernsteins  als 
eine  neue  selbständige  Naturkraft  und  gibt  ihr  nach  dem  "Hkeyrgov  (Bern- 
stein) den  Namen  „elektrische  Kraft**.  Neben  dem  Bernstein  führt  er  eine 
Menge  Körper  an,  die  durch  Reiben  elektrisch  werden.  Er  ist  der  Erfinder 

—     103     — 


leoo 

des  ersten  elektrischen  Meßinstruments  (Elektrometers)  zum  Nachweis  dei 
Elektrisierung  durch  die  Anziehung  eines  schwingenden  MetaUstäbchens. 
1600  Hans  Heydtn  in  Nürnberg  baut  ein  Klavier  (Greigen-Klavizimbel),  bei 
welchem  die  E^aviersaiten  nicht  durch  Hämmeranschlagen,  sondern  durch 
kleine  mit  Kolophonium  bestrichene  Räder  zum  Tönen  gebracht  werden. 
Ähnliche  Versuche,  den  Effekt  von  Streichinstrumenten  vermittels  einei 
Klaviatur  zu  erreichen,  werden  später  u.  a.  gemacht  von  Gleichmann  in 
Ilmenau,  Le  Yoirs  in  Paris,  Hohlfeld  in  Berlin,  Kunze  in  Prag  xmd  Röllig 
in  Wien. 

—  Fabriz  von  HIMm  erneuert  die  alte  Kunst  der  Inder  und  Araber  (s.  500 
V.  Chr.  und  1256),  Eisen  mit  dem  Magneten  auszuziehen,  indem  er  mit 
dem  Magneteisenstein  einen  kleinen  Eisensplitter  aus  der  äußeren  Schicht 
der  Hornhaut  entfernt. 

—  Die  erste  Nachricht  über  Feldapotheken,  die  man  mit  in  den  Krieg  führte, 
stammt  von  Fabriz  von  NIMM,  der  erwähnt,  daß  der  Marschall  Moritz  von 
Sachsen  einen  sogenannten  „Feldkasten"  mit  sich  geführt  habe. 

—  Fabriz  von  HIMon  beschäftigt  sich  mit  der  Untersuchung  des  äußeren  Grehör- 
ganges  und  mit  dessen  krankhaften  Zuständen  und  erfindet  das  erste 
Speculum  auris  zur  Erforschung  des  Grehörganges. 

—  Anton  Mollor  in  Danzig  erfindet  die  Bandmühle,  die  es  ermöglicht»  daß 
ein  Arbeiter  auf  dem  Webstuhl  16  oder  auch  mehr  Bänder  gleichzeitig 
hersteUen  kann. 

—  Olivier  4o  Sorros  behandelt  in  seiner  Schrift  „Theätre  d'agriculture"  die 
Obstzucht  in  methodischer  Weise.  Auch  beschreibt  und  empfiehlt  er  die 
seit  dem  Altertume  (s.  60  Columella)  nicht  mehr  angewendete  Drainage. 

—  Simon  Stevfnut  baut  einen  Segelwagen,  welcher,  nur  durch  die  Kraft  des 
Windes  getrieben,  mit  28  Personen  besetzt  günstig  verlaufende  Probe- 
fahrten zwischen  Scheveningen  und  Petten  unternimmt. 

—  Johann  ThMdon  in  Frankenhausen  konstruiert  ein  Skalenaraeometer  zum 
Spindeln  von  Salzlauge,  das  jedoch  die  Grenzen  der  Frankenhausen» 
Saline  nicht  überschritten  zu  haben  scheint.  Thölden  ist  wahrscheinlich 
der  Verfasser  der  früher  dem  Erfurter  Mönch  BasiUus  Valentinus  zuge- 
schriebenen Schriften,  welche  von  Thölden  untergeschoben  worden  sind, 
während  Basilius  Valentinus  überhaupt  keine  geschichtliche  Person  ist. 

—  Guido  Utaldl  fördert  durch  seine  „Perspectivae  libri  sex*'  die  Perspektive. 
Er  beweist,  daß  die  Bilder  aller  mit  der  Tafel  nicht  gleichlaufenden  Parallel- 
linien des  wagerechten  Grundrisses  im  Horizonte  des  Auges  zusammenlaufen. 


—     104      - 


Sie1>zeh]ites  Jahrhundert. 


Der  Portugieee  Godinho  de  Erwlla  landet  an  der  Nordwestküste  Australiens 
in  der  Gegend  des  Van diemen  -  Golfs  und  ist  der  erste  Europäer,  der 
Australien  betreten  hat.  Die  Westküste  wird  1616  von  Dirk  Hartog,  die 
Südküste  1627  von  Nuyts  erreicht.  (Vgl.  1606  J.  und  T.) 
Der  Ostindienfahrer  James  üuicastir  leitet  die  erste  Expedition  der  1600 
gegründeten  Ostindischen  Kompagnie  und  legt  den  Grund  zu  dem  Verkehr 
mit  Ostindien.  Die  Holländer,  deren  ostindische  Kompagnie  1602  ge- 
gründet wird,  beteiligen  sich  besonders  an  der  Erforschung  von  Ostindiens 
Inselwelt. 

Giambattista  dtlla  Porta  macht  den  frühesten  bekannten  Versuch  zur  quan- 
titativen Bestimmung,  in  wieviel  Dampf  eine  bestimmte  Wassermenge 
sich  auflöst. 

Giambattista  MIa  Porta  macht  den  Vorschlag,  zur  Überleitung  des  Wassers 
in  Wasserleitungen  über  Berge  hinweg  den  Heber  zu  benutzen. 
Nach  William  8hakM|ioaro  zeigt  sich  das  St.  Elmsfeuer  unter  Umständen 
auch  an  einem  Menschen.  (Julius  Caesar,  I,  3:  „Ein  Sklave  hob  seine 
linke  Hand  empor;  sie  flammte  wie  zwanzig  Fackeln  auf  ein  Mal,  imd 
doch,  die  Glut  nicht  fühlend,  blieb  sie  unverletzt.**) 

Trotz  der  Einführung  der  Feuerwaffen  erfährt  das  Bogenschießen  und  die 
Konstruktion  von  Pfeil  und  Bogen  auch  im  späteren  Mittelalter  eine  stete 
Vervollkommnung.  Cartw  berichtet  in  seiner  Geschichte  von  Cornwallis, 
daß  sich  die  Bogenschützen  seines  Landes  darauf  verstanden,  mit  Pfeilen 
von  EUenlänge  eine  Rüstung  auf  500  Schritt  zu  durchschießen. 
Julius  CatMriut  macht  zahlreiche  anatomische  Entdeckungen  im  Gehör- 
organ und  fördert  dessen  Kenntnis,  sowie  die  des  Gehirns  und  der  Nerven 
durch  seine  im  vierten  Buche  seines  „Pentaesthesion**  enthaltenen  vortreff- 
lichen Zeichnungen  und  Beschreibungen. 

Galileo  CUdlM,  der  die  Tatsache  des  Isochronismus  der  Pendelschwingungen 
kennt  (s.  1583),  beweist  dajs  Gesetz  des  Falls  durch  die  Sehnen  des  vertikal 
gestellten  Kreises.  Er  weist  nach,  daß  der  Fall  durch  den  Bogen  kürzere 
Zeit  erfordert,  als  durch  jede  zum  gleichen  Bogen  gehörige  Folge  von  Sehnen. 
Galileo  Qaliloi  findet  für  die  Wurflinie  eine  parabolische  Gestalt,  die  sie 
indes,  was  Galilei  nicht  erkennt,  tatsächlich  nur  im  luftleeren  Baume  be- 
sitzt. (Vgl.  1637  Tartaglia.)  —  Das  Jahr  1602  ist  ganz  imsicher. 
Der  Bakkalaureus  der  Theologie  John  Wlllli  stellt  das  erste  stenographische 
Alphabet  auf  (vgL  1580  Batcliffe),  welches  indes  noch  der  Einfachheit  und 
Leichtigkeit  der  Darstellung  entbehrt.  William  Mason  verbessert  dieses 
System  wesentlich,  indem  er  1672  auf  alphabetischer  Grundlage  die  Worte 
nach  ihrem  Laute  schreibt,  daneben  aber  eine  Anzahl  von  symbolischen 

—      105     — 


KM» 

Charakteren  einführt.    Sein  System  wird  von  Thomas  Gumey  verein fa( 
und  danach  zeitweise  viel  benutzt.    Die  Bezeichnung  „Stenograpliy 
zuerst  von  John  Willis  gebraucht  worden. 

1603  Johann  Baytr  veröffentlicht  den  ersten  Stematlas  „Uranometria**;  die  Stei 
werden  zum  ersten  Male  der  Helligkeit  nach  in  jedem  Stembilde  mit  ^ 
Buchstaben  des  griechischen  Alphabets  bezeichnet.  Diese  Bayer'schen  ] 
Zeichnungen  sind  noch  heute  gebräuchlich. 

—  Carolus  Clutilis  gibt  die  erste  eingehendere  Kunde  von  dem  Gummtgi 
das  1295  bereits  aus  China  nach  Europa  gelangt,  aber  wenig  beacb 
worden  war.  Seine  medizinische  Einfuhrung  als  drastisch  wirkendes  Abfu 
mittel  erfolgt  gegen  1610. 

—  Joseph  du  Chtme  ( Quercetanus)  nennt  zuerst  in  seiner  Pharmakopoe 
aus  spießglanzhaltiger   Schwefelleberlösung  mit  Säure   niedergeschla^«^ 
Präparat   Goldschwefel   (Sulphur   auratum).     Das   Präparat   wird   spi 
als  Fünffach- Schwefelantimon  erkannt. 

—  Marino  Qhttaltfl  stellt  in  seinem  „Promotus  Archimedes  etc."  die  en 
Tabellen  der  Volumgewichte  von  Flüssigkeiten  und  Metallen  zusamti 

1604  Galileo  QallM  versucht,   das  von  ihm   schon  vorher  erkannte  Gesetz 
Fallräume  durch  die  (unrichtige)  Annahme  zu  erklären,  daß  die  Geschi 
digheiten   des   fallenden  Körpers   den  zurückgelegten  Wegen  proporti< 
seien.    Die   richtige   Erklärung,    daß   die  Geschwindigkeitszunahme 
Zeit  proportional  ist,  fällt  in  die  Zeit  nach  1604  und  vor  1609. 

—  Johann  Ktpler  hat  eine  klarere  Vorstellung  von  der  Brechung  der  Stral 
im  Auge  als  Maurolykus  (s.  1560)  und  Plater  (s.  1583).  Kepler  läßt 
der  Netzhaut  ein  umgekehrtes  Bild  entstehen  und  stellt  als  Beding 
des  deutlichen  Sehens  hin,  daß  die  Strahlen  eines  leuchtenden  Fun 
auf  einem  Punkt  der  Netzhaut  vereinigt  werden.  Er  gibt  eine  volL» 
dige  und  richtige  Theorie  von  dem  Nutzen  der  Brillen.  Er  nntersi 
femer  den  Durchgang  der  Lichtstrahlen  durch  brechende  Medien 
streift  nahe  an  die  Erkenntnis  des  Brechungsgesetzes. 

—  Johann  Kepler  bestimmt  auf  theoretischem  Wege  die  astronomische  Stral 
brechung  und  stellt  Formeln  dafür  auf,  die  1661  von  Jean  Domin 
Cassini  auf  geometrischem  Wege  vervollständigt  werden.  Er  erkennt 
voller  Klarheit,  daß  nur  Zenitalstrahlen  ganz  ungebrochen  zur  Erde  I 
men  können. 

—  Johann  Ktpler   entdeckt  im  Sternbild   des  Ophiuchus   einen   neuen   S 
Derselbe  übertrifft  an  Glanz  alle  Fixsterne  1.  Größe,  nimmt  zu  Anfang 
folgenden  Jahres  an  Glanz  ab  und  verschwindet  zu  Anfang  des  Jahres 
spurlos. 

—  Garcilaso  dt  la  Veg«  bringt  mit  seiner  Schrift  „Comentarios  reales* 
erste  Kunde  von  dem  Vorkommen  des  Guano  (huano)  nach  Europa. 
berichtet,  daß  der  Guano  im  Inkareiche  von  alters  her  als  Düngmitt^ 
Gebrauch  gewesen  sei,  und  die  einzelnen  Guanolager  auf  die  Provinzn 
Landes  verteilt  waren. 

1605  Francis  Bacon  von  Verulam   schlägt   die  Beschaffung  einer   europai^ 
Universalsprache  nach  dem  Muster  des  Chinesischen  vor.    Es  sollen  k 
Formeln,  welche  die  Ideen  der  Dinge  repräsentieren,  die  Gedanken  in 
derselben  Weise  zum  Ausdruck  gebracht  werden,  wie  man  die  Ideen  i 
die  artikulierte  Sprache  wiedergibt. 

—  Pedro  da  Quiros  entdeckt  Tahiti  und  andere  Südseeinseln. 

—  Simon  Stavinui  ist  der  Erste,  der  seit  al  Mamun  (vgl.  827)  die  Meli 
wieder  erwähnt  und  sie  abbildet. 

—  Der  französische  Minister  Maximilien  da  Sully  veranlaßt  den  Bau  des  K 
von  Briare,    der  die  Loire   mit  der  Seine  verbindet.    Der  Kanal,    ci 

—      106     — 


1606 

Länge  59  km  ist,  wird  1642   unter  Ludwig  XI IL  beendet;    er  stellt   den 
Mtesten  französischen  Kanal  dar. 

1606  Sir  Bevis  BabBtr  erh&lt  ein  Patent  für  das  erste  Eisensohneidewerk  in 
England,  bei  dem  das  Schneiden  durch  Schneidescheiben  geschieht.  (S.  auch 
1532  Hessus.) 

—  Der  Florentiner  Antonio  GarlttH,  welcher  die  Herstellung  der  Schokolade 
in  Westindien  kennen  gelernt  hat,  führt  diese  Fabrikation  in  Italien  ein. 

—  Willem  Jaiin  entdeckt  mit  seinem  Schiffe  „Duyfken'*  die  Ostseite  des 
Carpentariagol£s. 

—  Der  Spanier  Luis  Vaz  ilf  Torm  entdeckt  die  Niedrigen,  Inseln  und  durch- 
fährt die  nach  ihm  benannte  Torresstraße.  Die  von  Torres  befahrene 
Linie  ist  wegen  der  zahlreichen  Korallenriffe  gefährlich.  Für  die  Schiffahrt 
wichtiger  ist  daher  der  1802  von  Flinders  gefundene  Prince  of  Wales- Kanal. 

1607  Galileo  QallM  versucht  eine  Messung  der  Lichtgeschwindigkeit,  indem  er 
zwei  mit  Laternen  versehene  Beobachter  in  der  Dunkelheit  einige  Kilo- 
meter voneinander  entfernt  aufstellt,  von  denen  der  eine  seine  Laterne  zu 
bedecken  hatte,  sobald  er  das  Licht  des  anderen  verschwinden  sah.  Aus 
dem  Zeitunterschiede  der  Bedeckung  sollte  die  Lichtgeschwindigkeit  er- 
mittelt werden.  Diese  rohe  Methode  konnte  zu  einem  brauchbaren  Er- 
gebnisse nicht  führen,  enthält  aber  den  Grundgedanken  des  Meßverfahrens 
von  Fizeau  (s.  1849)  und  Foucault  (s.  1854). 

1607 — 11  Der  englische  Seefahrer  Henry  HuiMHi  entdeckt  und  erforscht  bei 
seinen  vier  Versuchen,  eine  nordwestliche  Durchfahrt  zu  finden,  den  Hud- 
sonflnß,  die  schon  von  Frobisher  (s.  1576)  befahrene  Hudsonstraße  und 
die  Hndsonbai,  wo  er  von  seinen  meuternden  Matrosen  in  einem  Boote 
ausgesetzt  wird  und  verschollen  bleibt. 

1607  Claudio  Monlivtrtt  gestaltet  die  Tonarten  des  Glareanus  (s.  1547)  in  die 
moderne  Molltonart  um. 

1608  Bflfirin  erwähnt  in  seinem  „Tirocinium  chimicum*'  das  mittels  Schwefel,  Kalk 
und  Salmiak  hergestellten  „Oleum  sulphuns**  oder  „Liquor  Beguini'*,  das 
im  wesentlichen  aus  Polysulfureten  besteht.  Auch  van  Helmont  und  na- 
mentlich Boyle  (1663)  tun  dessen  Erwähnung;  der  letztere  mit  dem  Zu- 
satz, daß  die  Dämpfe  jener  Komposition  Blei-  und  Silberlösung  schwärzen. 

—  Thomas  Coryali  sucht  die  (nach  Petrus  Damianus)  gegen  1080  in  Italien 
aufgekommenen,  aber  auch  dort  wenig  gebräuchlichen  Gabeln  in  England 
einzuführen,  erntet  aber  nur  Hohn  und  Spott.  In  Frankreich  werden  die 
Gabein  1589  am  Hofe  Heinrichs  III.  eingeführt,  aber  ebenfalls  als  weibische 
Ziererei  insbesondere  in  der  1589  erschienenen  Schrift  (L'isle  des  Henna- 
phrodites)  verspottet. 

—  Oswald  Croli  führt  durch  seine  „Basilica  chimica"  eine  große  Anzahl  or- 
ganisch chemischer  Präparate  in  den  Arzneischatz  ein. 

—  Oswald  €i«ll  erwähnt  in  seiner  „Basilica  chimica'*  das  Knallgold-Ammoniak, 
dem  Begnin  den  Namen  „Aurum  fulminans**  gibt  und  dessen  Zusammen- 
setzung von  Kunckel  um  1700  angedeutet  und  von  Bergmann  (1769)  und 
Scheele  (1777)  bestätigt  wird,  während  seine  Konstitution  erst  von  Dumas 
(1830)  ermittelt  wird. 

—  Oswald  Croll  gibt  dem  geschmolzenen  Chlorsilber  den  Namen  „Luna  comea, 
Homsüber".  Die  Löslichkeit  des  Chlorsilbers  in  Ammoniak  wird  zuerst 
1648  von  Glauber  erwähnt. 

—  Galileo  QallM  erkennt  (etwa  in  der  Zeit  zwischen  1604  und  1609),  daß  der 
Fall  auf  der  schiefen  Ebene  eine  gleichförmig  beschleunigte  Bewegung  ist. 

—  Im  Jahre  1608  gelangen  durch  Vermittelung  der  holUMIsehMi  OttindlM- 
ktMpignit  zum  ersten  Male  indische  bedruckte  Kattune  in  das  Abendland. 
Dieses  Ursprungs  halber  erhalten  solche  Kattune  den  Namen  „Indiennes'*. 

—     107     — 


1608 

1608  Der  holländische  Brilienmaoher  Johann  Upptrhey  in  Middelburg  sucht  a 
2.  Oktober  um  ein  Patent  für  das  sogenannte  hoU&ndische  Femrohr  nac 
das  aus  einer  bikonvexen  und  einer  bikonkaven  Linse  zusammengesetzt  h 

—  Ludovico  Mtrtato  beschreibt  in  seinen  „Opera  medioa*'  zuerst  die  p< 
niziosen  dreitägig  intermittierenden  Fieber. 

—  Blaise  i%  Vlgtn^re  entdeckt   die  Benzoesäure,   die  er  aus  Benzoeharz 
krystailinisch  sublimiertem  Zustande  herstellen  lehrt. 

1609  Alonzo  Saavedra  Barte  führt  die  warme  Amalgamation  der  Silberei 
unter  Benutzung  von  kupfernen  Kesseln  ein.  Er  erwähnt  auch  die  V« 
arbeitung  geschwefelter  Erze  und  macht  auf  den  Nutzen  des  vorherig) 
Kostens  derselben  aufmerksam.    (Cazoprozeß.) 

—  Wie  Caspar  Bauhln  berichtet,  ist  die  Jalape,  die  als  Drastikum  viel  ^ 
braucht  wird,  unter  dem  Namen  „Bryonia  mechoacanna  nigricans**  a 
Mexiko  zuerst  nach  England  eingeführt  worden. 

—  Galileo  QallM  erkennt  im  Jahre  1609  (vieUeicht  jedoch  schon  sehr  vi 
früher)  das  Prinzip  der  Trägheit,  wonach  ein  Körper,  auf  welchen  keii 
Kräfte  wirken,  in  Ruhe  oder  gleichförmig  geradliniger  Bewegung  verhan 

—  Als  palileo  QallM  im  Frühjahr  1609  von  der  holländischen  Erfindung  d 
Fernrohrs  (s.  1608  Ldpperhey)  Kunde  erhalten  hatte,  gelingt  es  ihm. 
kürzester  Zeit  (nach  seiner  eigenen  Angabe  in  einer  Nacht)  ein  dreini 
vergrößerndes  Femrohr  selbständig  zu  fertigen.  Doch  behaupten  Zd 
genossen,  wie  Fontana,  Galilei  habe  in  Venedig  ein  holländisches  Femro] 
gesehen  und  dasselbe  zum  Muster  genommen. 

—  Karl  IX.  beginnt  mit  dem  Bau  des  Karlsgrabens,  der  Wener-  und  Wettetw 
mit  dem  Kattegat  verbindet,  die  Reihe  der  Kanäle,  die  sich  von  der  Ua 
see  zur  Nordsee  erstrecken  und  deren  Hauptglied  der  Trollhättakanal  bj 
det,  der  bezüglich  der  Stauhöhe  seiner  Schleusen  auch  heute  von  keini 
anderen  Kanalanlagc  überholt  worden  ist.  Die  Verbindung  zwischi 
Hjelmar-  und  Mälarsee,  der  Kanal  von  Arboga,  wird  unter  Gustav  Ad( 
und  Christine  erbaut;  der  ganze  Kanal  wird  1832  vollendet. 

—  Johann  Ktplar  entdeckt  durch  sechsjährige  Rechenarbeit  auf  Grund  v< 
Tycho  Brahe*s  Beobachtungen  die  ersten  beiden  seiner  drei  Gesetze:  D 
Planeten  beschreiben  Ellipsen  um  die  Sonne  als  Brennpunkt;  und:  T 
Verbindungslinie  (Radius  vector)  zwischen  Sonne  imd  Planet  bestreicht 

^  gleicher  Zeit  gleiche  Flächenräume. 

—  Johann  Kepler  gibt  in  seinem  Buche  „De  Stella  Martis**  zuerst  zahld 
mäßige  Angaben  von  den  Anziehungskräften,  welche  nach  Verhältnis  ihs 
Massen  Erde  und  Mond  gegeneinander  ausüben  und  führt  Ebbe  and  ni 
als  einen  Beweis  an,  daß  die  anziehende  Kraft  des  Mondes  sich  bi«  fi 
Erde  erstrecke. 

—  Johann  Lipparfiay  führt  auf  Wimsch  der  holländischen  Generalstaaten,  «f 
ihm  nur  unter  der  Bedingung  der  Einrichtung  eines  Femrohrs  zum  0 
brauch  für  beide  Augen  ein  Privileg  erteilen  woUen,  die  Verbindung  zw«i 
Femrohre  zu  binokularer  Benutzung  aus.    (Doppelfemrohr.) 

1610  Der  französische  Baumeister  Loms  ilf  Foix  beendet  den  im  Jahre  \hi 
begonnenen  Bau  des  Leuchtturms  auf  Cordouan.  Dieser  jetzt  noch  täti] 
Leuchtturm  war  lange  Zeit  hindurch  für  derartige  Bauten  vorbildlid 
(Vgl.  auch  1821  Fresnel.)  J 

—  FranzMscIi«  BuehUndar  verwenden  zuerst  an  Stelle  der  hölzernen  Buchde« 
Pappe,  die  anstatt  mit  Maroquin,  Saffian  oder  Schweinsleder  mit  Kl 
leder  überzogen  wird.  An  den  Ursprung  erinnem  die  Namen  „Franzba 
und  „Halbfranzband**. 

—  Galileo  QallM  entdeckt  am  7.  Januar  1610  drei  Jupitertrabanten  und  H 
darauf  den  vierten.    (Vgl.  1610  Marius.) 

—     108     — 


1612 

1010  Galileo  QallM  entdeokt  den  Ring  des  Saturn,  den  er  jedoch  für  eine  Drei- 
teüiing  des  Planeten  hält.  (Vgl.  1657  Huygens).  Er  hat  zuerst  eine 
riehtige  Vorstellung  von  der  Natur  der  Mondoberfläche  und  schätzt  aus 
den  Gebirgsschatten  die  Höhe  der  höchsten  Mondberge  auf  8000  m. 

—  Galileo  GallM  spricht  zuerst  die  AnBicht  aus,  daß  die  Milchstraße  eine  An- 
häufung unzähliger  nahe  aneinander  befindlicher  Sternchen  sei.  Er  teilt 
die  teleekopischen  Sterne  in  sechs  Größen  ein. 

^  Johann  Baptist  van  Helmont  kennzeichnet  zuerst  die  bis  dahin  nicht  für 
wesentlich  verschieden  von  der  Luft  angesehenen  luftförmigen  Körper  als 
verschiedenartig  von  der  Luft  und  untereinander  und  gibt  ihnen  den 
Namen  „Gase".  NamentUch  lehrt  er  den  Wasserstoff,  die  schweflige  Säure, 
die  Kohlensäure  usw.  kennen.  Er  spricht  zuerst  aus,  daß  die  Wirkung 
des  Pulvers  auf  einer  Gasentwicklung  beruhe. 

—  .Johann  Baptist  van  Hetmont  spricht  zuerst  aus,  daß  bei  der  Atmung  die 
Luft  eine  ähnliche  Rolle  spiele,  wie  bei  der  Unterhaltung  der  Flamme. 

—  Simon  Marios  bezeichnet  sich  als  den  Entdecker  der  vier  Jupitertrabanten. 
Doch  tritt  er  mit  seiner  angeblichen  Entdeckung  erst  im  Jahre  1614,  also 
4  Jahre  nach  Galilei  (s.  d.  1610)  in  die  Öffentlichkeit,  wobei  er  als  Datum 
der  Auffindung  den  29.  Dezember  1609  alten  Stils,  d.  i.  8.  Januar  1610 
neuen  Stils,  angibt. 

—  Raymund  Mlmtertr  führt  das  essigsaure  Ammoniak  als  „Spiritus  ophtalmicus 
Minderen"  in  den  Arzneischatz  ein. 

—  Trantmann  gibt  die  erste  genaue  Beschreibung  eines  Kaiserschnittes,  den 
er  am  21.  April  an  einer  Lebenden  ausgeführt  hat.  (S.  a.  1500.)  Par6 
hatte  auf  Grund  eigener  Erfahrung  und  der  Resultate  seines  Schülers 
Guillemeau  sowie  derjenigen  von  Viart,  Brunet  und  Charbonnet  ausdrück- 
lich vor  dieser  Operation  gewarnt. 

611  Die  Sonnenflecke  (s.  1160  Averrhoes)  werden  von  Johann  Fabricius,  Galileo 
GaliM  und  Christoph  Sdiainer  fast  gleichzeitig  wieder  entdeckt,  ein  Zu- 
sammentreffen, welches  sich  aus  der  kurz  zuvor  erfolgten  Erfindung  des 
Femrohrs  (s.  1608  Lipperhey  und  1609  Galilei)  erklärt. 

—  Galileo  QallM  spricht  zur  Unterstützung  der  Kopemikanischen  Lehre  die 
Tatsache  öffentiich  aus,  daß  die  Planeten  keine  selbstleuchtenden  Himmels- 
körper seien  und  daß  Venus  und  Mars  sich  um  die  Sonne  drehen.  Er 
lehrt  im  folgenden  Jahre  die  Achsendrehung  der  Sonne. 

— s^  Johann  Ktpitr  erfindet  das  astromomische  oder  Kepler' sehe  Fernrohr,  das 
in  seiner  einfachsten  Gestalt  eine  BikonvexUnse  als  Objektiv  und  eine 
ebensolche  als  Okular  hat  imd  umgekehrte  Bilder  liefert.  Er  beschreibt 
das  Fernrohr  in  seiner  „Dioptrik",  in  der  er  diese  Wissenschaft  so  darstellt, 
wie  wir  sie  auch  heute  noch  behandeln.  Die  Begriffe  „Prisma,  Linse, 
Meniskus  usw."  werden  hier  zum  ersten  Male  aufgestellt. 

—  Nachdem  schon  Aretaeus,  Severinus  und  Foreest  Notizen  über  die  Diph- 
therie gegeben  hatten,  gibt  Villa  RmI  mit  der  Schilderung  des  in  Spanien 
herrschenden  Jarotillo  ein  wohl  zu  erkennendes  Bild  dieser  Krankheit. 
Insbesondere  erwähnt  er  auch  die  zähe  Membran  als  Characteristikum. 

612  Acniloniiis  (Fran^ois  Aguillon)  begründet  die  Horopterlehre,  die  nament- 
lich von  J.  Müller  1826,  Pr^vost  1843,  Helmholtz  1862,  Hering  1863  und 
Yolkmann  1863  gefördert  wird.  Horopter  ist  für  eine  bestimmte  Augen- 
stellung der  Inbegriff  aller  derjenigen  Punkte  im  Baum,  deren  Abbildungen 
bei  dieser  Augenstellung  auf  identische  Punkte  der  beiden  Netzhäute  fallen. 

—  Claude  Gaspard  Baehtt  dt  INteirlac  kündigt  in  seinen  „Probl^mes  plaisants 
et  d^lectables  qui  se  fönt  par  les  nombres"  die  Auflösung  der  unbestimmten 
Gleichungen  vom  ersten  Grade  an,  die  er  1624  allgemein  und  vollständig 
gibt.     (Vgl.  auch  1484  Chuquet.) 

—     109     — 


1612 

1612  Batton  und  Ingram  unternehmen  eine  Hilfsexpedition  zur  AufBuchnng  de 
verschollenen  Hudson.  (S.  1607.)  Sie  schließen  aus  den  Erscheinungen  de 
Ebbe  und  Flut  auf  einen  Zusammenhang  des  von  Hudson  aufgefundene 
Meeres  mit  einem  westlichen  Weltmeere  und  leisten  dadurch  den  B< 
strebungen  für  die  Auffindung  einer  Nordweetpassage  Vorschub. 

—  Johann  Faiilhabtr  fördert  die  Lehre  von  den  arithmetischen  Reihen»  indei 
er  Summenformeln  für  die  Potenzen  der  aufeinanderfolgenden  Zahk 
der  natürlichen  Zahlenreihe  bis  zur  Summe  der  11  Potenzen  einschliel 
lieh  gibt. 

—  Simon  Marios  entdeckt  als  ersten  Nebelfleck  den  Nebelfleck  in  der  Andn 
meda,  zu  dem  Hartwig  1886  eine  Nova  findet. 

—  Der  Florentiner  Antonio  Narl  trägt  durch  sein  Buch  „De  arte  vitrarij 
zur  Entwicklung  der  Glasbereitung  bei.  Er  kennt  bereits  das  Bh 
krjstallglas,  das  er  von  allen  Gläsern  das  allerschönste  und  edelste  nenn 

1613  Christoph  Scheinar  bestimmt  aus  der  Beobachtung  der  Sonnenflecke  d 
Rotationszeit  der  Sonne  und  die  Lage  ihres  Äquators  und  beobacht 
zuerst  die  Sonnenfackeln. 

—  Jacob  Theodor  Takamatmontaniis  gebraucht  zuerst  die  Amica  medizini» 
gegen  die  Hämorrhoidalkoliken;  größere  Verbreitung  findet  dieselbe  jedoi 
erst  seit  1667  durch  Johann  Michael  Fehr.    (Vgl.  auch  1550.) 

1614  Robert  Bylot  und  William  Bafffln  machen  eine  Expedition  zur  Auffindui 
der  Nordwestpassage  und  gelangen  aus  der  Hudsonstraße  in  den  Foxkan 
wo  sie  indes  durch  Packeis  an  der  Weiterfahrt  verhindert  werden.  (S. 
1616B.) 

—  Roderich  a  Castro  beschäftigt  sich  in  seinem  ,,TractatuB  Medico-Politic 
sive  de  ofliciis  medico-politicis  tractatus**  sehr  eingehend  mit  den  Ai 
gaben  des  Gerichtsarztes  und  muß  als  der  Schöpfer  der  wissenschaftlich 
gerichtlichen  Medizin  bezeichnet  werden. 

—  Der  Grieche  Damlsciaiiui  wendet  zuerst  di©  Benennungen  „Teleskop"  u 
„Mikroskop**  an,  an  Stelle  der  für  diese  Instrumente  bis  dahin  gebräu< 
liehen  Bezeichnungen  „Perspicilia",  „Conspiciüa**  und  „Occhiali*'. 

—  Der  schottische  Mathematiker  John  Naplar  of  MarehlslDa  wird  mit  seim 
Werke  „Descriptio  mirifici  logarithmorum  canonis"  der  geschichtliche  J 
Ander  und  zugleich  Namengeber  der  Logarithmen,  welchen  Ruhm  « 
Bürgi  hat  entgehen  lassen.  (S.  1620.)  Er  stellt  die  als  Napier^sche  Ai 
logien  bezeichneten  Formeln  zur  Berechnung  sphärischer  Dreiecke  auf. 

—  Der  italienische  Arzt  Santorio  Santoro  weist  die  Perspiration  (die  unme 
liehe  Stoflausgabe  durch  Lunge  und  Haut)  und  andere  Erscheinungen 
Stoffwechsels  und  Wachstums  durch  jahrelang  fortgesetzte  Wägungen  na 

1615  William  Bafffln  wendet  zu  Ortsbestimmungen  zuerst  die  Methode  der  Mo 
kulminationen  an,  welche  sich  auf  die  Beobachtung  der  Meridiandur 
gangszeit  des  Mondes  gründet. 

—  Fabrizio  Bartolottf  entdeckt  den  Milchzucker,  den  er  durch  Eindamp 
von  Molken  gewinnt.  Die  Herstellung  des  Milchzuckers  wird  seit  < 
letzten  Dezennien  des  18.  Jahrhunderts  ausschließlich  in  der  Schweiz 
trieben  und  bleibt  bis  gegen  1880  das  Monopol  der  Berggemeinde  Marb 
im  Kanton  Luzem.  Erst  seitdem  entstehen  auch  Fabriken  in  Deut« 
land  und  Amerika. 

Der  Werkmeister  an  der  Pariser  Münze  Nicolas  Briot  konstruiert  ein  Pri 
werk,  welches  in  seiner  Einrichtimg  einem  Walzwerk  gleicht,  auf  d<^ 
Walzenbahnen  sich  die  Gravierungen  der  Münzen  befinden.  Er  verk^ 
später  seine  Erfindung  an  Warin,  der  sie  noch  verbessert  und  zur  1 
führung  bringt.  (S.  a.  1552.) 

—      110     - 


1616 

1615  Johann  BaptiBt  van  Haimont  weiß,  daß  die  Dämpfe  des  brennenden 
Schwefels  die  Flamme  erlöschen  machen. 

—  Johann  Baptist  van  Halmont  bewirkt  durch  sein  „Pharmacopolium  ac  dis- 
pensatorium  modernam*%  in  dem  viel  Belehrung  über  die  richtige  Dar- 
stellung der  Arzneien  und  über  die  Schädlichkeit  mancher  damals  ge- 
brauchter Mittel  enthalten  ist»  einen  wesentlichen  Fortschritt  der  Arznei- 
mittellehre. Er  macht  zuerst  auf  die  stärkende,  erhitzende  Kraft  des 
Mohnsaftes  aufmerksam. 

^  Johann  Baptist  van  Halmont  erwähnt  zuerst  die  Feuererscheinung,  unter 
welcher  sich  der  Schwefel  mit  den  Metallen  vereinigt.  Er  gibt  an,  beim 
Rösten  von  Blei  mit  Schwefel  Feuer  wahrgenommen  zu  haben,  ohne  daß 
ein  brennender  Körper  die  Mischung  berührt  habe.  Deimann,  Paets  von 
Troostwyk,  Kieuwlandt,  Bdndt  und  Lauwerenburgh  zeigen  1793,  daß  die 
Feuererscheinung  auch  dann  eintritt,  wenn  die  Verbindung  von  Schwefel 
mit  Metallen  in  sauerstofffreien  Gasen  stattfindet.  \ 

—  Andreas  Ubavloi  schreibt  eine  „Chirurgia  transfusoria*',  aus  der  hervor- 
geht, daß  er  es  für  möglich  hält,  zu  Heilzwecken  Blut  von  einem  jugend- 
lichen Individuum  in  die  Gefäße  eines  älteren  zu  leiten.  Ähnliche  An- 
sichten waren  vor  ihm  schon  von  Hieronymus  Cardanus  und  Magnus 
Pegelius  geäußert  worden. 

—  Christoph  Schalnar  beobachtet,  daß  durch  zwei  im  Abstand  von  1 — P/2  mm 
in  ein  Kartenblatt  gestochene  feine  Öffnungen,  welche  dicht  vor  das  Auge 
gehalten  werden,  eine  Nadel  sowohl  in  sehr  geringer,  als  auch  in  sehr 
weiter  Entfernung  vom  Auge,  d.  h.  über  den  Nah-  und  über  den  Fem- 
punkt hinaus,  doppelt,  innerhalb  dieser  beiden  Grenzen  aber  einfach  ge- 
sehen wird.  Auf  dieser  Beobachtung,  dem  Scheinerschen  Versuch,  beruhen 
die  Methoden  der  Optometrie,  der  Messung  der  Sehweite,  für  welche  man 
Optometer  (s.  d.)  konstruiert  hat. 

616  William  Bafffln  erforscht  bei  Versuchen,  einen  Wasserweg  zwischen  Hudson - 
bei  und  Stillem  Ozean  zu  finden,  die  Baffinbai  und  entdeckt  den  Smith-, 
St.  Johns-  und  Lancaster-Sund.  Er  beobachtet  in  der  Baffinbai  die  größte 
damals  bekannte  Deklination  von  56^  westUch. 

—  Fabio  Golonna  unterscheidet  bei  den  Fossilien  scharf  zwischen  den  Resten 
von  Süßwasser-  und  Seewasser-Tieren. 

—  Galileo  GallM  formuliert  seine  Theorie  der  Ebbe  und  Flut,  die  er  im 
wesentlichen  auf  die  doppelte  Bewegung  der  Erde  (Umdrehung  um  sich 
selbst  und  Umlauf  um  die  Sonne)  zurückführt. 

^-  In  einem  Briefe  des  Thomas  Bartholinus  an  J.  L.  Hannemann  aus  der 
2.  Hälfte  des  17.  Jahrhunderts  findet  sich  folgende  Stelle:  „Singulare 
instrumentum  invenit  descripsitque  Franciscus  Kailar  Wetzlariensis  1616, 
quod  „Wasserharnisch'*  vocat,  quo  tuto  ambulemus  in  fundo  maris, 
legamus  ibidem,  scribamus,  edamus  etc.  sine  periculo  vitae  longiori  tem- 
pore." Ob  der  damit  gemeinte  Apparat,  der  nach  der  beigefügten  Figur 
eine  wirkliche  Taucherglocke  darstellt,  nur  theoretisch  entworfen,  oder 
auch  praktisch  erprobt  ist,  wird  nicht  gesagt.  (Vgl.  a.  210  v.  Chr.,  1350 
und  1664.) 

—  Jacob  Ls  Maira  und  Willem  Comelisz  Sdiauian  entdecken  die  Le  Maire- 
Straße  und  umsegeln  das  nach  ihrem  Schifte  „Hoom"  Kap  Hoorn  benannte 
Südende  von  Feuerland.  Sie  stellen  zuerst  die  Gestaltung  der  Südspitze 
Amerikas  fest. 

—  Ceeare  Macatl  tritt  für  eine  einfachere  und  mehr  exspektative  Wimdbehand- 
lung,  insbesondere  bei  Schußwunden  und  Fisteln  ein  und  spricht  sich 
gegen  die  zu  häufigen  Verbanderneuerungen  als  eine  schädliche,  die  Heilung 
verzögernde  Maßregel  aus. 

—      111      — 


1616 

1616  Jean  Baptiste  Morin  macht  zuerst  in  ungariBchen  Bergwerken  die  Eni 
deokungi,   daß  die  Temperatur  mit  der  Tiefe  zunimmt.     (S.  a.  1703  Ott 

1617  Der  Mathematiker  Henry  Brlfft  (latinisiert  Briggius)  in  Oxford,  bestimn 
die  Werte  der  von  Napier  of  Merchiston  (s.  1614)  erfundenen  Logarit] 
men  bis  zu  großer  Genauigkeit  und  gibt  die  ersten  Tafeln  S-stelli^ 
Logarithmen  heraus,  die  er  später  zu  14-stelligen  vervollständigt.  Brigj 
wählt  die  Zahl  10  als  Basis  der  Logarithmen,  weshalb  die  dekadische 
Logarithmen  auch  als  „Bngge'sohe  Logarithmen'*  bezeichnet  werden. 

—  Napier  of  Morehlston  erfindet  ein  Rechenbrett  (Abakus)  mit  beweglich« 
Gliedern  (Napiers  bones.  —  Napier'sche  Rechenstäbchen).  (Vgl.  seil 
Schrift  „Rabdologiae  seu  numerationis  per  virgulas  libri  duo".) 

—  Willebrord  Sntliltti  in  Leiden  schafft  durch  Einführung  der  Triangulation 
methode  die  Grundlage  der  heutigen  geodätischen  Erdmessung,  indem 
zeigt,  daß  die  Entfernung  zweier  weit  entfernter  Punkte  mit  Hilfe  ein 
verhältnismäßig  kurzen  (20  bis  30  km  langen)  Standlinie,  nur  dur 
Winkelmessung  und  trigonometrische  Ausrechnung,  bestimmt  werd 
kann.     (S.  1822  Schwerd). 

—  Willebrord  SiMlIlui  stellt  gleichzeitig  mit  Wilhelm  Schickhart  die  f-^Ui 
lieh  „Pothenotsche  Aufgabe"  genannte  geodätische  Aufgabe  auf  und  gi 
deren  Losung. 

—  Simon  Sttvlnut  schafft  mit  Hilfe  von  Schleusen  und  \mter  woitgeheu< 
Anwendung  der  Bewegimg  des  Wassers  neue  wertvolle  Mittel  des  Festuni 
baus. 

—  Eine  der  frühesten  Abbildungen  und  Beschreibungen  einer  Hebelade  fin< 
sich  in  dem  „Recueil  de  machines"  von  Fran^ois  Thybounl  und  .T< 
Appler.  Von  hier  ist  die  Abbildimg  in  Leurechons  „Recreationes"  und  i 
diesen  in  Schwenters  „Mathematische  Erquickstunden"  übergegang 
(S.  1723  L.) 

1618  Während  das  Tierheilwesen  im  Mittelalter  in  der  Hauptsache  in  < 
Händen  der  Hirten  und  Schmiede  lag  imd  im  besonderen  ein  Milii 
Veterinärwesen  nirgends  organisiert  war,  verfaßt  zuerst  der  kurbrand 
burgische  Militärroßarzt  Martin  BdhilM  ein.  wenn  auch  vom  heutig 
wissenschaftlichen  Standpimkte  aus  sehr  unvollkommenes  Werk  über 
Pferdearzneikunde  („Ein  Neu  Buch  von  bewehrten  Roß-Artzeneyei 
welches  fast  100  Jahre  (1618—1710)  im  Gebrauch  bleibt. 

—  Johann   Baptist    Cytat    entdeckt    bei    Gelegenheit    der   Beobachtung 
Kometen  vom  Jahre  1618  den  Orionnebel. 

—  Galileo  QallM  konstruiert  ein  Perspektiv  für  zwei  Augen,  das  voUkomiiK 
als  das  Lipperhey*sche  Instrument  (s.  1609)  ist. 

—  Johann  Ktpl«r  stellt  sein  drittes  Gresetz  der  Planetenbewegungen  auf: 
Quadrate  der  Umlaufszeiten  der  Planeten  verhalten  sich  wie  die  Ku 
ihrer  mittleren  Entfernungen  von  der  Sonne.  —  Begeistert  fügt  er  hü 
„Endlich  habe  ich  es  ans  Licht  gebracht  und  über  all  mein  Hoffen 
wahr  befunden,  daß  die  ganze  Natur  der  Harmonien  in  den  himmlisc 
Bewegungen  vorhanden  ist." 

—  David  RaniMy  und  Thomas  WIMgooM  nehmen  ein  Patent  auf  eine  I4 
wirtschaftliche  Maschine,  die  ohne  Anwendung  von  Pferden  oder  Ocl 
pflügt,  „as  weU  as  to  ploughe  grounds  without  horses  or  oxen".  II] 
selben  Ramsey  wird  1630  ein  Patent  auf  eine  Vorrichtung,  „durch  Pi 
Wasser  in  Bergwerke  zu  heben",  erteilt. 

—  Willebrord  8ii«llliit  entdeckt  das  Gesetz  des  konstanten  Verhältni 
zwischen  dem  Sinus  des  Einfallwinkels  und  dem  des  Breohungswi  ci 
der  Lichtstrahlen. 

—     112     — 


1620 

Der  Engländer  Dud  Dutftey  verwendet  zur  Eisengewinnung  zuerst  Stein- 
kohle an  Stelle  der  bis  dahin  gebräuchlichen  Holzkohle. 
John  Elhtriiigtoii  stellt  die  erste  Ziegelformmaschine  her. 
Christoph  Mielner  führt  den  Beweis,  daß  die  Netzhaut  das  eigentliche 
Sehorgan  ist  und  die  Krystalllinse  und  der  Glaskörper  nur  dazu  dienen, 
die  Lichtstrahlen  dergestalt  zu  brechen,  daß  der  Gegenstand  sich  auf  der 
Netzhaut  darstellt.  (S.  a.  1160.)  Er  bemerkt  die  mit  der  Akkommodation 
verbundene  Pupillenveränderung  und  gibt  die  erste  Abbildung  des  Auges, 
mit  welcher  auch  die  heutige  Anschauung  sich  befriedigt  erklären  kann. 
Francis  Bacon  von  Verulam  definiert  in  seinem  „Novum  Organum"  die 
Wärme  als  eine  Bewegung  der  kleinsten  Eörperteilchen. 
Francis  Bacon  von  Verulam  bezeichnet  in  seinem  „Novum  Organum''  die 
Südspitzen  Afrikas  und  Südamerikas  als  homologe  Bildungen  (Similitudines 
physicae  in  configuratione  mundi).  (Vgl.  auch  1772  C.) 
Caspar  BauMn  bewirkt  eine  neue  Anordnung  der  Pflanzen  nach  habituellen 
Ähnlichkeiten.  Er  stellt  die  ersten  wissenschaftlichen  Speziesdiagnosen  auf 
und  benennt  die  Gattungen,  ohne  jedoch  für  diese  eine  Diagnose  zu  geben. 
Nachdem  Danner  in  Nürnberg  etwa  100  Jahre  nach  Gutenberg  die  Buch- 
dmckpresse  verbessert  hatte,  indem  er  die  bisher  aus  Holz  angefertigte 
Spindel  durch  eine  solche  aus  Messing  ersetzte,  bringt  der  Holländer  Willem 
Janszoon  Slam  wesentliche  Verbesserungen  an  der  Presse  an,  indem  er  nament- 
lich unter  der  sog.  Brücke  eine  nach  unten  gebogene  stark  federnde  Platte 
anbringt,  die  durch  ihr  Greradewerden  beim  Druck  demselben  seine  stoß- 
artige  Plötzlichkeit  nimmt  und  ihn  verstärkt,  zugleich  aber  bd  dessen 
Nachlassen  den  Preßbengel  zurückschnellt. 

Jost  Bttfffi  veröffentlicht  seine  Schrift  „Arithmetische  und  Geometrische 
Progress-Tabulen'%  eine  Logarithmentafel,  die  in  den  Jahren  1603 — 1611 
entst-anden  ist,  zu  deren  Herausgabe  sich  aber  Bürgi  trotz  Eepler's  Auf- 
forderung nicht  früher  entschUeßen  konnte.  Bürgi  hat  sich  damit  den 
Ruhm,  der  geschichtUche  Erfinder  der  Logarithmen  zu  sein,  entgehen 
lassen.     (Vgl.  1614  Napier.) 

Frangolt  in  Ronen  stellt  zuerst  die  sogenannten  Flocktapeten  her,  das  sind 
Tapeten  aus  Leinwand,  auf  die  das  Muster  durch  Schablonen  oder  Stempel 
mit  einem  ELlebemittel  aufgetragen  und  mit  Scherwolle  der  Tuchmacher, 
oder  auch  mit  Seidenstaub  bedeckt  ist.  1634  wird  diese  Industrie  von 
Lanyer  nach  England  überführt. 

Edmund  dunter  berechnet  die  trigonometrischen  Logarithmen  imd  ver- 
öffentlicht die  ersten  Tafeln  der  Logarithmen  für  Sinus  und  Tangenten 
für  die  Grade  und  Minuten  im  ersten  Quadranten.  Er  gebraucht  zuerst 
an  Stelle  der  bis  dahin  üblichen  Bezeichnung  „Sinus  complementi*'  die 
durch  Wortumsetzung  und  Abkürzung  entstandene  Benennung  „Cosinus*'. 
Johann  Baptist  van  Heimont  lehrt  das  Weiterbestehen  eines  Körpers  in 
seinen  Verbindungen,  wie  der  Kieselerde  in  dem  Wasserglas,  des  Silbers  in 
seinen  Salzen,  erfaßt  demnach  den  Satz  von  der  Erhaltung  des  Stoffes 
klarer  als  seine  Zeitgenossen. 

Johann  Baptist  van  Heimont  verwirft  die  Idee  Galen's,  daß  die  Verdauung 
im  Magen  durch  die  Wärme  geschehe  und  setzt  an  ihre  SteUe  die  bessere 
Vorstellung,  daß  das  an  die  Magensäure  gebundene  Fermentum  die  Ver- 
dauung bewirke.  Er  betrachtet  die  Galle  nicht  _  mehr,  wie  Galen,  als 
bloßes  Exkrement,  sondern  als  wichtigen  Faktor  der  Verdauung,  der  im 
Duodenum  auf  den  Speisebrei  einwirke,  und  da  sie  alkalisch  sei,  diesem  die 
Saure  nehme. 

Fabriz  von  HIMon  macht  in  seinen  „Observationes"  darauf  aufmerksam,  daß 
Schädelverletzimgen  häufig  die  Ursache  von  Geisteskrankheiten  seien. 
Darmstftedter.  8 

—     113    — 


1620 

1620  Der  Kupferstecher  Theodor  Meytr  erfindet  den  weichen  Ätzgrund,  der  im 
wesentlichen  aus  Wachs  und  Asphalt  besteht.  (Für  den  bisher  ausschliefi- 
lich  benutzten  harten  Ätzgnind  war  ein  hoher  Prozentsatz  von  hartem 
Pech  verwendet  worden.)  Der  Grund  wird  durch  Lampenruß  geschwärzt, 
damit  die  durch  die  Nadel  bloßgelegten  Striche  der  Metallfläche  deutlich 
sichtbar  werden. 

1621  Der  neulateinische  Satiriker  John  Barelay  in  Rom  spricht  in  seinem  zu 
Paris  gedruckten  Romane  ,,Argenis'*  von  künstlich  gefrorenem  Weine 
und  in  Hohlformen  gefrorenen  Fruchtsäften  als  Tafelgenüssen.  (Vgl.  1660 
Couteaux.) 

—  Pierre  QasMiilll  begründet  mit  der  Beobachtung  des  großen  Nordlichts 
vom  12.  September  1621  —  er  nennt  die  Erscheinung  „Aurora  borealis"  — 
die  wissenschaftliche  Nordlichtbeobachtxmg. 

—  Francesco  PiazzMil  beschreibt  zuerst  die  Ausführungsgänge'  der  heute  ge- 
wöhnlich nach  Bartholinus  benannten  Drüsen.    (S.  1661.) 

1622  Gasparo  Atelil  aus  Cremona,  Anatom  in  Pavia,  entdeckt  die  Mesenterial- 
drüsen,  die  als  „Pancreas  Asellii"  bezeichnet  werden  und  beschreibt  die 
schon  dem  Erasistratos  (s.  300  v.  Chr.)  bekannten  Chylusgefäße  in  ein- 
gehender Weise. 

—  Cornelius  DrebM  konstruiert  ein  Unterseeboot,  mit  welchem  er  zwei  Stunden 
lang  unter  dem  Themsespiegel  mit  zwölf  Ruderern  herumfährt.  Die  Ruder- 
griffe sind  durch  wasserdichte  Lederschläuche  ins  Innere  des  Fahrzeugs 
geleitet.  Eine  Spiere  am  Bug  sollte  einen  Torpedo  gegen  den  feindlichen 
Schiffskörper  stoßen.  Sobald  das  Deck  geschlossen  war,  konnte  das  Fahr- 
zeug 16  Fuß  tauchen.  Doch  bewährte  sich  das  Boot  ebensowenig  als  die 
Spieren-  und  Treibtorpedos,  die  1628  von  den  Engländern  bei  La  RocheHe 
versucht  wurden. 

1623  Der  Landgraf  Hennanii  von  HMsm-Castel  (Uranophilus  Cyriandrus)  macht 
tägliche,  regelmäßig  gebuchte  Wettemotierungen  durch  23  Jahre  hin- 
durch. 

1624  Francis  Bacon  von  Verulam  schlägt  vor,  die  Schallgeschwindigkeit  durch 
Abfeuern  von  Greschützen  (Messimg  des  Zeitunterschiedes  zwischen  dem 
BUtz  des  G^chützes  und  dem  Knalle)  zu  ermitteln. 

—  Phiüpp  CIQver  bereitet  durch  seine  „Introductio  in  Geographiam  univer- 
sam"  den  Boden  für  die  später  „Historische  Geographie"  benannte  erd- 
kundUche  Disziplin. 

—  Pierre  GassMiill  begründet  aufs  neue  die  atomistische  Naturerklärung,  indem 
er  an  die  Atomenlehre  des  Epikuros  anknüpft. 

—  Der  Jesuit  Jean  Liurtchon  gebraucht  zuerst  (in  seiner  Schrift  „R^or6ations 
math6matiques")  das  Wort  „Thermometer". 

1626  Als  Erfinderin  des  unter  dem  Namen  „Aqua  Tofana"  bekannten  Gift- 
trankes, welcher  mit  Sicherheit  wirkte,  ohne  den  Verdacht  einer  Ver- 
giftung zu  erregen,  wird  die  Italienerin  Teofania  lll  Adamo  genannt  (hin- 
gerichtet 1633  zu  Palermo).  Das  Gift  soll  durch  Kochen  von  weißem 
Arsenik  mit  Blei  und  Antimon  hergestellt  worden  sein. 

—  W.  Baal«  schlägt  zum  Schutze  von  hölzeren  Schiffsböden  gegen  den  Bohr- 
wurm  Schießpulver,  Zement  und  einen  Auszug  aus  Kupferarsenerzen  vor, 
die  er  zusammen  verkocht.  Ihm  folgt  anfangs  des  18.  Jahrhunderts 
Emerson  mit  einem  aus  gekochtem  Leinöl,  Glaspulver  und  Sand  be- 
stehenden Überzug. 

—  Christoph  Sdielner  liefert  den  experimentellen  Nachweis  des  umgekehrten 
Netzhautbildohens.  (Vgl.  1587.) 

—  Francesco  Sttllutl  verwendet  das  Mikroskop  zur  Untersuchung  von  Teilea 
der  Bienen.    (S.  a.  1692.) 

—     114     — 


1628 

Der  kaiserliche,  später  schwedische  Oberst  von  Warmbranil  konstruiert  leichte 
Eartatsohgeschütze  aus  dünnen  Eupferrohren  mit  Tauumwicklung  und 
LederumhüUung,  die  sog.  ledernen  Kanonen  Gustav  Adolfs.  Die  Greschütze 
wurden  bereits  1631  wieder  abgeschafft,  weil  die  zu  rasche  Erhitzung  der 
Rohre  eine  Selbstentzündung  der  Ladung  herbeiführte.  Doch  wurde  der 
Gredanke,  wenn  auch  in  veränderter  Gestalt,  später  von  Hannoteau  und 
alsdann  von  Longridge  (s.  1884  L.)  wieder  aufgenommen. 
Der  Eönig  Quttev  AMf  vermindert  das  Gewicht  der  Muskete  auf  5  kg, 
wodurch  die  Gabel  entbehrlich  imd  die  Beweglichkeit  der  mit  der  Mus- 
kete bewaffneten  Truppen  eine  größere  wird.  (S.  1667  Alba.) 
Jean  Rtotan  entdeckt,  daß  die  Ursache  der  Hautfarbe  der  Neger  in  dem 
Pigmentreichtum  der  Epidermis  liegt,  welche  mit  der  Rasse  wechselt. 
Santorio  SMtoro  gibt  in  seinem  Kommentar  zum  Eanon  des  Avicenna  an, 
daß  man  zur  Eälteerzeugung  das  Gemisch  von  Eis  und  Salpeter  durch 
ein  €remisch  von  3  Teilen  Schnee  imd  1  Teil  Kochsalz  ersetzen  könne. 
Bei  der  Belagerung  von  La  RocheUe  durch  Richelieu  werden  von  der  Ar- 
tillerie an  SteUe  der  Rundkugeln  zylinderförmige  Langgeschosse  verwendet, 
eine  Erfindung  von  CUuriMr  in  Nürnberg.  Da  diese  Geschosse  aus  glatten 
Greschützen  verfeuert  werden  und  ihnen  daher  die  Drehung  um  eine  sta- 
bile Längsachse  fehlt,  ist  ihre  Trefffähigkeit  gering.  Doch  hat  der  Vor- 
schlag Clamers  eine  entwicklungsgeschichtliche  Bedeutimg. 
Mathurin  Joiiltt  llf  la  FIMm  erwähnt  in  seiner  „La  fidelle  ouverture  de 
l'art  du  serrurier"  ein  in  Piemont  gebräuchliches  Verfahren  zur  Umwand - 
Inng  von  Eisen  in  Stahl,  welches  darin  besteht,  daß  mit  Holzkohlenpulver 
beetreute  schmale  Stücke  weichen  Eisens  lagenweise  in  einen  feuerfesten, 
gut  verschlossenen  Tiegel  eingeschichtet  werden,  worauf  das  Ganze  längere 
Zeit  der  Weißglühhitze  ausgesetzt  wird.  Danach  ist  zu  Anfang  des  17.  Jahr- 
hunderts die  früher  bekannte  Tatsache  der  Zementstahlbereitung  fabrik- 
mäßig ausgenutzt  worden,  wie  auch  aus  Athanasius  Kirchers  „De 
Magnete"  (1641)  und  Dud  Dudley*s  „Metallum  Martis**  (1666)  hervorgeht. 
Nach  langen  Verzögerungen  erscheinen  Johann  Keptor"!  astronomische,  auf 
Grund  der  Beobachtungen  Tycho  Brahe's  berechnete  Tafeln  unter  dem 
Titel  „Tabulae  Rudolphinae"  zu  Ulm  im  Drucke.  Sie  treten  an  die  Stelle 
der  prutenischen  Tafeln.     (S.  1561  Reinhold.) 

Der  Tiroler  Caspar  Wtlmli  führt  am  8.  Februar  die  erste  erweisliche 
Sprengung  in  Bergwerken  im  Oberbieberstollen  zu  Schemnitz  aus. 
Benedetto  Castolll  verfaßt  das  erste  wissenschaftliche  Werk  über  die  Be- 
wegung des  Wassers  in  Flüssen  und  Kanälen  („Della  Misura  dell'  acque 
correnti'*)  und  findet  den  Satz,  daß  in  einem  Kanal  von  konstantem 
Querschnitt  die  Flüssigkeitsquerschnitte  des  im  stationären  Zustande 
fließenden  Wassers  sich  umgekehrt  wie  die  entsprechenden  Geschwindig- 
keiten verhalten. 

William  Harvey  findet,  daß  die  Venen  bei  der  Unterbindung  unterhalb  des 
Bandes,  d.  h.  dem  Herzen  am  fernsten,  anschwellen,  während  die  Arterien 
auf  der  dem  Herzen  nächsten  Seite  aufgetrieben  werden.  Er  kombiniert 
diese  Beobachtung  mit  der  des  Fabricius  ab  Acquapendente,  daß  sich  die 
Klappen  der  Venen  nach  dem  Herzen  öffnen  (s.  1670)  und  spricht  aus, 
daß  das  Blut  von  der  linken  Herzkammer  in  die  Arterien  bis  an  deren 
Ende  getrieben  wird  und  von  da  durch  die  Venen  zur  rechten  Herzkammer 
zurückkehre.  Er  beweist  in  seiner  Schrift  „Exercitatio  anatomica  de  motu 
cordis  et  sanguinis  in  animalibus**,  daß  der  Lungenkreislauf  nur  eine 
Fortsetzung  dieser  großen  Bewegung  ist  und  zeigt,  daß  seine  Entdeckung 
durch  die  Pulserscheinungen  und  die  Resultate  bei  Öffnung  der  Adern  be- 
stätigt wird.  (Großer  Blutkreislauf.) 

8* 

—     115     — 


1628 

1628  Jean  LMkault  berichtet  in  seinem  Werke  „Quatre  livres  de  Secret«  d^ 
M6decine  et  de  la  Philosophie  chimique'',  daß  Puder,  Schminken  uii<l 
Pomaden  sich  am  französischen  Hofe  einzuführen  beginnen.  In  Italiei 
hatte  sich  deren  Gebrauch  ungefähr  von  1550  an  verbreitet,  nachdem  dii 
seit  den  ältesten  Zeiten  geübte  Anwendung  von  Parfüms,  die  von  dei 
Juden  über  Griechenland  nach  Rom  gekommen  und  dort  große  Ami 
breitung  gewonnen  hatte,  seit  der  Völkerwanderung  fast  ganz  vet 
schwunden  war. 

1629  Der  Franziskanermönch  Dt  la  RodM  il'Allloii  gibt  die  erste  Nachricht  üb^ 
das  Erdöl  in  Amerika. 

—  Albert  CllranI  verfaßt  eine  Schrift  „Invention  nou volle  en  Talg^bre*'.  ii 
der  zum  ersten  Male  Formeln  für  den  Inhalt  sphärischer  Dreiecke  ud< 
Polygone  entwickelt  werden.  Er  weiß,  daß  jede  Gleichung  so  viele  Wui 
zeln  hat,  als  ihr  Grad  anzeigt,  und  daß  die  Koeffizienten  aus  den  Kombi 
nationen  der  Wurzeln  sich  darstellen  lassen.  Gleichfalls  neu  ist  die  B« 
rechnung  symmetrischer  Funktionen  der  Gleichungswurzeln  (bis  zu 
4.  Potenz)  ^aus  den  Koeffizienten.  Auch  führt  er  den  Gebrauch  d< 
Klammem  in  die  Buchstabenrechnung  ein. 

—  Wilhelm  SdilcMiart  gibt  in  seiner  „Kurzen  Anweisung,  wie  künstUohe  Land 
tafeln  aus  rechtem  Grund  zu  machen",  im  Anschluß  an  SneUius*  Method 
(s.  1617)  an,  zur  Anfertigung  von  Karten  das  aufzunehmende  Gelände  mj 
einem  zusammenhängenden  trigonometrischen  Netz  von  Dreiecken  zu  übel 
ziehen,  diese  nach  astronomischen  Beobachtungen  zu  orientieren  und  n^'l 
her  mit  dem  topographischen  Detail  auszufüllen.  1671  werden  diese  At 
Weisungen  von  Jean  Picard,  unter  dessen  Namen  sie  vielfach  geha 
wiederholt. 

—  Marco  Aurelio  Stvirfno  macht  die  erste  Resektion  des  Handgelenks,  di 
nach  ihm  von  Breschet  und  Gooch  mehrfach  ausgeführt  wird.  (S.  auo 
1786  M.) 

1630  Der  englische  Ingenieur  BMUiinoiit  soll  zuerst  Holzbahnen  auf  den  St<eii 
kohlengruben  von  Newcastle  upon  Tyne  für  Kohlen-  und  Steintranspor^ 
angewendet  haben. 

—  Vincenzo  Caseariolo  entdeckt  den  Bononischen  Leuchtstein,  indem  i 
einen  am  Berg  Patemo  bei  Bologna  gebrochenen  Schwerspat,  den  i 
zwischen  Kohlen  kalziniert  hatte,  im  Finstern  leuchten  sieht.  (Pb« 
phoreszenz.) 

—  Cornelius  Drebbel  lehrt  die  Scharlachfärberei  mittels  Cochenille  unter  Zi 
satz  von  wässerigem  Zinnchlorid,  das  er  durch  Auflösen  von  Zi6n  1 
Königswasser  erhält.  Durch  seine  Methode  erhält  man  Fabrikate,  die  de\ 
Purpur  des  Altertums  an  Schönheit  gleichkommen. 

—  Der  Niederländer  Freytag  macht  Vorschläge  über  eine  rasche  und  büMi 
Herstellung  von  Festungswerken  mit  Benutzung  des  Wassers  als  Hind<n^ 
und  unter  Verzicht  auf  Mauerwerk.     (Altniederländische  Befestigung.) 

—  Nach  dem  Zeugnisse  von  G.  P.  Harsdörfer  und  A.  Böhm  (Magajdn  (\ 
Ingenieure  und  Artilleristen,  1782)  ist  der  König  Qustav  AtfoK  der  Urbeln 
einer,  der  Dürer' sehen  Befestigung  (s.  1517)  ähnlichen  „kreisrunden  B\ 
festigimgsmanier*',  bei  welcher  bereits  das  Eisen  als  Panzermaterial  t\ 
Herstellung  von  Panzerschirmen  in  Vorschlag  gebracht  wird.  Die  Schim 
sollen  mit  Hilfe  von  Gegengewichten  hebbar  oder  versenkbar  sein,  —  <■ 
in  der  Gegenwart  tatsächlich  praktisch  nutzbar  gemachter  Gredanke. 

—  Samuel  HafMireffer  gibt  in  seinem  „Nosodoohium  in  quo  cutis  affoct 
tractantur"  der  Dermatologie  bereits  einen  reichen  und  umfasaendej)  I 
halt  imd  berücksichtigt  bei  Diagnose  und  klinischer  Betrachtung  der  vi 
zelnen  Hautkrankheiten  sogar  Temperatur,  Puls  und  Urin. 

—     116     — 


1688 

1630  Zur  Zeit  Ktfl*s  I.  von  Großbritanmen  werden  dort  bereits  Düngungsversnche 
mit  SalpeterlöBungen  ausgeführt;  doch  wird  die  Verwendung  salpetersaurer 
Salze  in  der  Landwirtschaft  erst  etwas  allgemeiner,  nachdem  der  Chili- 
galpeter auf   den  Markt  kommt,  was  etwa  um  das  Jahr  1831  geschieht. 

—  Der  Büchsenmacher  Augustin  Kutttr  in  Nürnberg  schneidet  zuerst  schrauben- 
förmig gewundene,  also  mit  Drall  geführte  Züge  in  den  Büchsenlauf  ein. 
Die  Bundkugeln  werden  zur  Beseitigung  des  Spielraums  in  getalgte  Lein- 
wandpflaster  gehüllt  und  gewaltsam  in  den  Lauf  eingekeilt.  Noch  die 
preußischen  freiwilligen  J&ger  von  1813  führen  solche  Büchsen.  (S.  1480  Z. 
and  1826  D.) 

—  Jean  Ray  beobachtet,  daß  Zinn  und  Blei  beim  Kalzinieren  an  Gewicht  zu- 
nehmen und  leitet  diese  Gewichtszunahme  von  dem  Zutritt  der  Luft  zu 
dem  Metallkalk  her,  erkennt  also  nicht,  daß  der  Metallkalk  eine  Verbindung 
von  Metall  und  Luft  ist. 

—  Christoph  Schalmr,  einer  der  ersten  Beobachter  der  Sonnenflecke  (s.  1611), 
fertigt  zu  seinen  Sonnenbeobachtungen  ein  Femrohr  mit  Blendglas  an,  das 
erHeUoskop  nennt.  Ein  verbessertes  Helioskop  wird  später  von  Merz 
hergestellt. 

—  Der  franzosische  Arzt  Thulillar  weist  zuerst  nach,  daß  der  unter  dem  Namen 
„Ignis  sacer"  seit  dem  Altertum  bekannte  Ergotismus  (Eriebelkrankheit) 
durch  das  Mutterkorn  verursacht  ist,  dessen  Giftigkeit  er  bei  Tieren  dartut. 

1631  Pierre  Qanendl  und  Johann  Baptist  Cysat  beobachten  am  7.  November  1631 
zum  ersten  Male  einen  Vorübergang  des  Merkur  vor  der  Sonne. 

—  Thomas  Harrtot  (gest.  1621)  wendet  in  seinem  (erst  10  Jahre  nach  seinem 
Tode  gedruckten)  Werke  „Artis  analyticae  praxis"  zuerst  die  mathema- 
tischen Zeichen  für  „größer**  und  „kleiner"  (>  und  <)  an. 

—  Adrian  van  Mynslclit  führt  den  Brechweinstein  in  den  Arzneischatz  ein. 

—  Jean  Ray  scheint  zuerst  die  Ausdehnung  des  Wassers  zur  Temperatur- 
bestimmung verwendet  zu  haben. 

—  Christoph  SciMliier  beschreibt  in  seiner  „Pantographice  seu  Ars  delineandi 
res  quaslibet  per  parallelogrammum*'  zuerst  den  Storchschnabel  (Pantograph), 
&n  aus  einem  Systeme  drehbarer  Lineale  bestehendes  Instrument  zur  Ver- 
größerung und  Verkleinerung  von  Zeichnungen.     (Vgl.  1435  Alberti.) 

—  Der  französische  Mathematiker  Pierre  VMiiler  erfindet  eine  Einrichtung  zur 
Ablesung  sehr  kleiner  Teile  an  den  Maßstäben  mathematischer  Instrumente. 
Die  Vorrichtung  wird  meist  nach  dem  Mathematiker  Pedro  Nunez  „Nonius** 
genannt,  obwohl  dieser  nur  eine  unklare  Andeutung  jenes  Hilfsapparats 
(in  seiner  Schrift  „De  qrepusculis  Über*',  v.  J.  1542)  gemacht  hatte. 

1632  Jean  Touttn  vervollkommnet  die  Technik  der  EmaUmalerd,  indem  er  lehrt, 
auf  weißem  Schmelzgrund  mit  verglasbaren  Farben  zu  malen.  Der  Haupt - 
Vertreter  dieser  Technik,  die  bis  zu  Anfang  des  19.  Jahrhunderts  für  Uhren, 
Dosen  usw.  sehr  beliebt  war,  war  Jean  Petitot  in  Genf  (1607 — 1691). 

1633  Alonzo  Saavedra  Barfe«  zu  Huancavelica  in  Peru  erfindet  den  Aludelofen 
zur  Destillation  des  Quecksilbers,  der  in  Almaden  von  Bustamente  ein- 
geführt wird.  Die  Kondensation  der  Metalldämpfe  erfolgt  in  sog.  Aludeln, 
etwas  ausgebauchten  Tonröhren  von  ca.  40 — 46  cm  Länge  imd  20—25  cm 
größtem  Durchmesser,  welche  zu  40—45  Stück  aneinander  gesteckt  imd 
gedichtet,  einen  Strang  bilden,  der  nach  der  Mitte  zu  geneigt  ist.  Die 
Aludeln  der  absteigenden  Hälfte  des  Stranges  haben  an  der  Unterseite  der 
Ausbauchung  kleine  Löcher,  durch  welche  das  kondensierte  Quecksilber  in 
eine  Sammehinne  und  aus  dieser  in  Behälter  gelangt. 

--  Johannes  JMitipnai  gibt  in  seiner  „Thaumatographia*'  und  später  in  seinem 
„Theatrum  universale"  eine  enzyklopädische  Darstellung  des  Tierreichs, 
die  indes  nicht  über  Gresner  (s.  1550)  und  Aldrovandi  (s.  1599)  hinausgeht. 

—     117     — 


1688 

1633—36  Richard  Nonvood  stellt  die  Entfernung  zwischen  London  und  York 
vermittels  der  Meßkette  fest  und  ermittelt  dadurch  die  Länge  eine« 
Meridiangrades  auf  57300  alte  Toisen,  woraus  sich,  die  Erde  ahi  voll 
kommene  Kugel  angenommen,   ein  Erdumfang  von  40437  km  errechnet 

1633  Balthasar  Rtaltr  erfindet  das  Hängeseug  zum  GrubenkompaO ,  wodurol 
dessen  Verwendbarkeit  im  Bergbau  eine  wesentliche  Erweiterung  erfährt 
(Vgl.  1785  S.) 

—  Der  Marquis  von  WorcMlir  erfindet  einen  optischen  Telegraphen  und  teill 
dies  in  der  Schrift  „A  Century  of  inventions'*  mit. 

1634  König  Ludwig  XIII.  von  Frankreich  setzt  auf  Grund  eines  vom  Greo 
graphenkongresse  in  Paris  am  25.  April  gefaßten  Beschlusses  die  Westspitzi 
der  westlichsten  canarischen  Insel,  Ferro,  als  Ausgangspunkt  der  Meridian 
Zählung  für  die  Kartographie  fest.  Übrigens  hatte  schon  Ptolemaeus  dei 
Nullpunkt  der  Längengradzählung  auf  die  Glückseligen  Inseln  (Canara 
verlegt,  ebenso  auch  Mercator. 

—  Nicolas  Claude  Fabri  Ptfrate  beschreibt  zuerst  die  positiven  und  negativei 
Nachbilder,  aus  denen  Newton  die  Dauer  des  Lichteindrucks  berechnet. 

—  Giles  Persone  i%  Robfval  vollzieht  die  Quadratur  der  Zykloide  mit  Hili 
der  etwas  später  als  Sinuslinie  erkannten  Kurve.  * 

—  Philipp  White  führt  auf  den  Schiften  Ankerketten  anstatt  der  Ankertav 
ein.  Allerdings  berichtet  über  eine  Verwendung  von  Ankerketten  schon  ii 
Altertume  Caesar  (De  hello  gallico,  III,  13),  sowie  Strabo  (Geographica,  IV,  4 

1635  Niccolo  Afglontl  stellt  zu  wissenschaftlichen  Zwecken  Gefrierversuche  mitte 
Wassers  und  verschiedener  Balze  an  imd  bestätigt,  daß  das  Wasser  beii 
Frieren  sich  nicht  zusammenziehe,  sondern  ausdehne,  wie  dies  GalU 
daraus,  daß  Eis  auf  Wasser  schwimmt,  gefolgert  hatte. 

—  Der  Mathematiker  Francesco  Buonaventura  Cavalitri  gelangt  bei  d< 
Untersuchungen  über  die  von  krummen  Linien  und  gekrümmten  Fläch< 
eingeschlossenen  Bäume  zu  dem  Begriffe  der  nach  ihm  benannten  „unte 
baren  Elemente*',  indem  er  annimmt,  daß  beispielsweise  die  Linie  mck 
aus  einer  unendlichen  Menge  von  Punkten,  sondern  aus  unteilbaren  Linie 
dementen  besteht.  Seine  Auffassung  streift  mehrfach  den  Grundgedank 
der  Infinitesimalrechnung.  (Vgl.  seine  „Geometria  indivisibilium  oo 
tinuorum  nova  quadam  ratione  promota**.) 

—  Samuel  dt  Champlaln,  der  Gründer  Quebecs,  entdeckt  den  großen  caii 
dischen  Seenkomplex,  von  dem  die  erste  Kunde  von  Cartier  (s.  1535)  | 
geben  worden  war.  Nach  ihm  wird  der  1608  vom  ihm  entdeckte  S 
„Champlainsee''  benannt. 

—  Henry  Mllbraml  gibt  den  ersten  sicheren  Nachweis  von  der  S&kularvariat! 
der  magnetischen  Deklination. 

—  Bobert  INanttll  schmilzt  zuerst  das  Glas  mit  Steinkohle  anstatt  mit  H 
und  wendet  zum  Schutz  des  Glases  vor  Verunreinigung  durch  den  Kohl« 
ruß  bedeckte  Tiegel  an.  Zu  seiner  Zeit  kommt  zu  dem  Zweck,  das  Schmeü 
in  den  Tiegeln  zu  erleichtem,  die  Verwendung  von  Bleioxydzusätsen  a 
woraus  sich  allmählich  die  Bleiglasindustrie  entwickelt. 

1636  William  Brigfi  beschreibt  als  erster  die  Papilla  nervi  optici  and  9tt 
fest,  daß  sich  die  Retina  bis  an  das  Ligamentum  ciliare  erstreckt. 

—  Pierre  Fennat  braucht  in  seinem  „Methodus  ad  disquirendum  maxim 
et  minimum*'  zur  Bestimmimg  des  größten  oder  kleinsten  Wertes   ed 
Funktion  eine  Rechnung,  bei  der  er  die  Differenz  zweier  Größen  und 
durch  mittelbar  auch  die  Differenz  zweier  zugehöriger  Größen  verschwind < 
setzt.     Er  wird  so  der  Erfinder  eines  Teils  der  Infinitesimalrechnung. 

—  Galileo  QallM  setzt  in  einem  Briefe  vom  6.  Juni  den  Gedanken,  ein  Per 
mit  einem  Zählwerk  zu  verbinden  und  das  Ganze  zur  Zeitmessung  su   ^ 

—      118     — 


ie87 

wenden,  dem  Gouverneur  von  Niederländisch -Indien,  Louren^o  Reaal  aus- 
einander und  ändert  1641  seine  Idee  dahin,  daß  er  das  Räderwerk  wie 
bisher  durch  Grewichte  in  Bewegung  setzt  und  das  Pendel  als  Regulator 
benutzt.  Der  Gedanke  wird  aber  infolge  der  Erblindung  Galilei*»  und 
des  vorzeitigen  Todes  seines  Sohnes  Vincenzo  nicht  vollständig  durch- 
geführt. 

Der  Mathematiker  Marin  Mtratniie  ermittelt  die  Gesetze  der  Vibration  der 
Saiten,  entdeckt  das  sympathetische  Mitklingen  gleichgestimmter  Saiten 
und  bestimmt,  einem  Vorschlag  von  Bacon  entsprechend  (v^.  1624  B.),  die 
Geschwindigkeit  des  Schalls  in  der  Luft  durch  die  Beobachtimg  des  Zeit- 
unterschiedes zwischen  dem  Aufblitzen  und  Hören  eines  abgefeuerten  Ge- 
schützes zu  1380  Pariser  Fuß.  Pierre  Gassendi  findet  i.  J.  1640  bei  einem 
ganz  ähnlichen  Verfahren  1473  Pariser  Fuß. 

Ren6  DtscartM  begründet  durch  seine  epochemachende  „G^om^trie''  die 
analytische  Greometrie.  Pierre  FMrmat  soll  sich  gleichzeitig  erfolgreich  mit 
analytischer  Geometrie  beschäftigt  haben;  seine  Abhandlung  »Jsagoge  ad 
locos  planes  et  solides"  soll,  wie  ein  Nachruf  im  Journal  des  s^avans 
1665  behauptet,  sogar  vor  Erscheinen  des  Cartesischen  Werkes  vollendet 
gewesen  sein. 

Ren6  DtscartM  eröffnet  durch  die  in  seiner  „G^om6trie''  angegebene  Eoordi- 
natenmethode  einen  neuen  Weg  zur  Untersuchimg  der  Kegelschnitte.  (Vgl. 
auch  1655  W.) 

Ben6  DMcartM  erfindet  die  Methode  der  unbestimmten  Koeffizienten,  die 
sich  von  größter  Fruchtbarkeit  erweist,  und  wendet  dieselbe  zuerst  zur 
Lösung  des  Tangentenproblems  an. 

Benö  DMCartM  bringt  durch  seine-  „G^om^trie"  die  Anwendung  der  Buch- 
staben X,  y  und  z  zur  Bezeichnung  unbekannter  Größen  in  allgemeinen 
Gebrauch.  Auch  die  Bezeichnungen  „reell**  und  „imaginär**  stammen  aus 
diesem  Werke. 

!Ren6  DtscartM  gibt  dem  von  Willebrord  Snellius  gefundenen  Brechungs- 
^gesetz  den  heute  noch  gebräuchlichen  Ausdruck. 

"^en^  DMcartM  gibt  eine  Beschreibung  von  Lupen  für  mikroskopische  Unter- 
suchungen (kleine  Organismen  u.  dgl.),  die  er  „Perspicilia  pulicaria  ex  uno 
vitro**  (Flohgläser  mit  einfacher  Linse)  nennt.  Nach  den  noch  vorhandenen 
Abbildungen  waren  diese  Lupen  bereits  mit  Spiegeln  zur  Beleuchtung  des 
Objekts  versehen. 

Ren6  Descarlit  weist  darauf  hin,  daß  die  Akkommodation  des  Auges  —wenig- 
stens zum  Teil  —  auf  Formveränderungen  der  Linse  zurückgeführt 
werden  muß. 

Galileo  QallM  entdeckt  die  libration  des  Mondes  in  Breite  und  die  pa- 
raüaktische  Libration. 

Johann  Htvclliit  (eigentlich  Höwelcke)  in  Danzig  erfindet  die  Grundform  des 
heutigen  Wallspiegels ,  bez.  derjenigen  Spiegelinstrumente,  welche  dazu 
dienen,  den  Gegner  (Schützen)  von  einer  Deckung  (Wall,  Anzeigerdeckung 
u.  dgl.)  aus  ungefährdet  und  ungesehen  zu  beobachten.  Hevers  Apparat, 
den  er  Polemoskop  oder  Kriegsperspektiv  nennt,  ist  ein  Femrohr,  welches 
am  Okular-  und  Objektivende  je  einen  unter  45®  geneigten  Planspiegel 
trägt,  so  daß  die  Sehlinie  zweimal  unter  90®  gebrochen  wird. 
Phineas  Pitt  erbaut  in  Woolwich  den  ersten  Dreidecker  „The  Sovereign  of 
the  Seas",  der  eine  Gesamtlänge  von  232  Fuß,  eine  größte  Breite  von 
48  Fuß  und  einen  Tonnengehalt  von  1637  t  besitzt  und  100  Geschütze 
führt,  wovon  30  im  untern,  30  im  mittlem,  26  im  obem  Deck  sich  be- 
finden, während  die  übrigen  auf  dem  Oberdeck  der  Back  und  der  Hütte 
verteilt  sind.    Bis  dahin  waren  die  Kriegsschiffe  als  Zweidecker  gebaut. 

—     119     - 


1688 

1638  Nachdem  der  Copaivabaum  zuerst  um  1600  von  einem  unbekannten  portu- 
giesischen Mönch  erwähnt  worden  war,  spricht  Pater  Acucna  zuerst  von 
dem  Copaivaöl,  das  als  wundheilendes  Mittel  angewendet  werde.  1677 
figuriert  das  Mittel  bereits  als  „B&lBamum  oopaivae'*  in  der  Londonei 
Pharmakopoe. 

—  Galileo  GallM  dehnt  etwa  i.  J.  1638  seine  Untersuchimgen  der  Pend^- 
Schwingungen  (s.  1583)  auf  Pendel  verschiedener  Länge  aus  und  findet 
das  Gesetz,  daß  die  Pendellängen  sich  wie  die  Quadrate  der  Schwingongs- 
zeiten  verhalten. 

—  Galileo  Gallltl  begründet  die  Elastizitätslehre  und  die  Festigkeitslehre,  in- 
dem er  zuerst  die  Natur  des  Widerstandes  fester  Körper  gegen  Bruch 
zu  erforschen  trachtet.  (Vgl.  seine  Schrift  „Discorsi  e  Dimostrazioni  mate- 
matiche".) 

—  Nicolo  Sabattliil  macht  in  seinem  Werke  über  die  italienischen  Theater  den 
Vorschlag,  die  durch  die  leicht  entzündlichen  Dekorationen  bedingte  Feners- 
gefahr  dadurch  zu  mindern,  daß  die  zum  Anstriche  der  Hölzer,  Gewebe  usw. 
dienenden  Farben  mit  Ton  oder  Gips  gemischt  werden. 

—  Watklns  und  Baugbe  erhalten  in  England  das  ausschließliche  Recht,  Ziegel- 
steine mit  Steinkohlen  zu  brennen.     Bis  dahin  war  für  diesen  Zweck  nur 

.    Holz  benutzt  worden. 

—  Benedetto  Castelll  führt  die  ersten  Eegenmessungen  aus,  31  Jahre  vor  Er- 
findung des  ersten  selbstregistrierenden  Eegenmessers  von  Eobert  Hooke. 

—  Der  französische  Ingenieur  G^rard  Desarfiies  weist  darauf  hin,  daß  die 
ästhetischen  Maßverhältnisse  in  der  Kunst  vielfach  von  geometrischen  Ge- 
setzen abhängig  sind,  und  führt  in  der  Untersuchung  der  Kegelschnitte 
eine  perspektivische  Beweisführung  ein.  Von  ihm  stammt  die  der  nicht- 
euklidischen Geometrie  zugrunde  liegende  Vorstellung,  daß  sich  zwei  pa- 
rallele Linien  in  unendlicher  Entfernung  schneiden. 

—  John  Horrox  und  Crabtrae  beobachten  am  4.  Dezember  einen  Durchgang 
der  Venus  durch  die  Sonnenscheibe.     (Vgl.  hierzu  839.) 

—  Giles  Persone  de  Roberval  veröffentlicht  eine  Tangentenkonstruktion,  bei 
welcher  er  das  Parallelogramm  der  Kräfte  verwendet,  indem  er  die  Kurve 
durch  Zusammensetzung  zweier  Bewegungen  entstehen  läßt.  1643  löst 
Torricelli  dieselbe  Aufgabe,  ohne  Eoberval's  Lösxmg  zu  kennen. 

1640  Marcus  Banior  substituiert  als  erster  dem  verletzten  Trommelfell  ein  künst- 
liches imd  beschreibt  dies  in  seiner  Schrift  „De  auditione  laesa'*. 

—  Alonzo  Saavedra  Barlw  empfiehlt  zuerst  die  Anwendimg  der  Flammöfen  für 
das  Eösten  und  Schmelzen  der  Bleierze.  Die  erste  praktische  Anwendung 
erfolgt  1698  durch  Wright  in  England. 

—  William  Gascolcne  erfindet  den  ersten  mikrometrischen  Apparat,  indem  er 
in  der  Fokalebene  eines  Femrohrs  zwei  parallele  Lamellen  anbringt,  deren 
einander  zugekehrte  scharfe  Kanten  durch  Schrauben  genähert  oder  ent- 
fernt werden  können.    (Schraubenmikrometer.) 

—  Der  Goldschmied,  spätere  Mathematiker  Paul  QuMln  in  Wien  gibt  in  seiner 
Schrift  „Centrobaryca"  die  nach  ihm  benannte  Guldin'sche  Regel  (bary- 
zentrische  oder  zentrobarische  Eegel)  zur  Bestimmung  des  Rauminhalts 
und  der  Oberfläche  eines  Umdrehungskörpers  an.  Die  Regel  war  indes 
schon  Pappos  (s.  300)  bekannt.  Guldin  legt  den  Grund  zur  Kombinations- 
theorie  und  berechnet  die  Anzahl  der  aus  23  Buchstaben  kombinierbaren 
Wörter. 

—  Johann  Baptist  van  Helmont  gibt  an,  daß  bei  der  Verbindung  von  Alkalien 
mit  Säuren  die  charakteristischen  Eigenschaften  der  ersteren  sowohl,  wie 
der  letzteren  verschwinden. 

—  Blaise  Pascal  verfaßt  im  Alter  von  16  Jahren  unter  Anlehnung  an  die  Unter- 

—     120     — 


1648 

suchuiigen  von  Desargues  (b.  1639  D.)  eine  Schrift  über  die  Kegelschnitte, 
die  auch  den  nach  ihm  benannten  Satz  vom  „Pascal'schen  Sechseck*' 
(Hexagramma  mysticum)  enthält. 

Giovanni  Battista  RIccMI  und  Francesco  Maria  QrlmaMI  unternehmen  in 
den  Jahren  bis  1654  auf  dem  Turme  degli  Asinelli  in  Bologna  eine  Reihe 
von  Versuchen,  mit  Hilfe  fallender  Körper  die  Wirkung  des  Luftwider- 
standes zu  bestimmen. 

Nachdem  das  Sezieren  von  Leichen  Jahrhunderte  hindurch  als  sündhaft 
gegolten  hatte,  und  seit  Haimondo  de  Luzzi  (s.  1314)  kaum  mehr  geübt 
worden  war,  erhält  Werner  Rolfink  zuerst  wieder  die  Erlaubnis,  mensch- 
liche Leichen  —  von  Verbrechern  —  sezieren  zu  dürfen,  woher  die  Bezeich- 
nung „rolfinken,  rolfincare"  rührt. 

Daniel  Stumiifelt  soll  angeblich  die  Steinkohlenverkokung  erfunden  haben. 
Nachdem  die  Gräfin  del  Cinchon,  die  Gemahlin  des  Vizekönigs  von  Peru, 
1618  durch  die  in  Peru  seit  langer  Zeit  benutzte  Chinarinde  von  einem 
Wechselfieber  geheilt  worden  war,  führt  Juan  del  Vefo,  der  Leibarzt  der 
Gräfin  del  Chinchon,  die  Binde  in  Spanien  ein,  wo  1642  Peter  Barba  ein 
Werk  zu  ihrer  Empfehlung  schreibt. 

Madame  Marion  Delorme  erwähnt  in  einem  Brief  vom  Jahre  1641,  daß 
ein  Mann  namens  Salomon  de  Caus  lange  Zeit  hindurch  den  Kardinal 
Richelieu  mit  der  „verrückten"  Idee  verfolgt  habe,  man  könne  Schiffe 
durch  Dampf  fortbewegen.  Neuere  Forschungen  lassen  es  als  sehr  wahr- 
scheinlich erscheinen,  daß  diese  Angabe  ihre  Richtigkeit  hat,  so  daß  dem- 
nach hier  die  erste  —  wenn  auch  nur  theoretische  —  Erfindung  des  Üampf - 
Schiffs  vorliegt. 

Nach  einer  Angabe  von  Christian  Kramp  in  „Hindenburgs  Archiv  der 
reinen  und  angewandten  Mathematik*'  hat  Otto  von  GuMlcke  die  Erfindung 
der  Luftpumpe  i.  J.  1641  gemacht  und  das  erste  Instrument  dem  Magistrat 
von  Köln  geschenkt.  Diese  Luftpumpe  soll  sich  1799  noch  in  Köln  be- 
funden haben.  Eine  einwandfreie  Bestätigung  dieser  Kramp'schen  Angabe 
liegt  nicht  vor.    (Vgl.  1654  G.) 

Athanasius  KIrchor  gebraucht  zuerst  das  Wort  „Elektromagnetismus",  selbst- 
verständlich in  einem  sich  mit  der  heutigen  Bedeutung  des  Wortes  nicht 
deckenden  Sinne.  Vgl.  seine  Schrift  „Magnes  seu  de  arte  magnetica  opus 
tripartitum",  woselbst  in  Lib.  III  folgende  Bemerkung  enthalten  ist: 
^,'HlexTQOfiaYviJTiafÄog  i.  e.  de  magnetismo  electri  seu  electricis  attractio- 
nibus". 

In  der  „Pharmakopeia  Medico-Chymika*'  des  Johann  SchrMor  findet  sich 
die  Bemerkung,  daß  geglühte  Granaten  in  Salzsäure  löslich  sind:  eine  der 
ersten  wichtigen  Beobachtungen  in  der  Mineralchemie. 
Blaise  Pascal  erfindet  die  erste  Eechenmaschine  zum  Eechnen  der  4  Spezies. 
Ludwig  von  81^^  erfindet  die  Schabkunst,  eine  Abart  des  Kupferstichs, 
die  sich  namentlich  in  England  sehr  schnell  verbreitet;  bei  ihr  werden 
aus  dem  mit  dem  Granierstrahl  aufgerauhten  Gnmde  der  Platte  die  mehr 
oder  weniger  lichten  Stellen  herausgeschabt. 

Der  holländische  Seefahrer  Abel  Jansz  Tasman  entdeckt  Vandiemensland 
(jetzt  Tasmania  genannt),  umfährt  Australien  in  weitem  Umkreis  und  stellt 
fest,  daß  Australien  tatsächlich  ein  neuer  Kontinent  ist,  daß  aber  das  hier  an- 
genommene große  Südland  nicht  existiert.  Er  entdeckt  bei  seiner  Fahrt 
die  Westküste  Neu- Seelands,  an  welche  sich  fortan  für  lange  Zeit  die 
Phantasie  als  an  das  große  südliche  Festland  anklammert. 
dMtarmv  entdeckt  den  Amur. 

Dnfelc  erbaut  den  Kanal  von  Dixmünden  und  Fortknoke  nach  Ypern. 
Die  bei  Boesynge  errichtete  Doppelschleuse,  bei  der  es  gilt,  ein  Gefälle  von 

—     121     — 


1648 

über  6  m  zu  überwinden,   wird   lange  Zeit   als  ein  Meisterwerk  der  Bat 
knnst  betrachtet. 

1643  Georges  Fournltr  trägt  in  seinem  großen  Werke  „L' Hydrographie  oontenac 
la  th^orie  et  la  pratique  de  toutes  parties  de  la  navigation**  eine  groll 
Anzahl  von  Tatsachen  zum  Aufbau  einer  wissenschaftlichen  Ozeanographi 
zusammen. 

—  Abel  Jansz  Tasman  erblickt  zuerst  die  Fidschünseln.  Dieselben  werde 
i.  J.  1773  von  Cook  wiedergefunden,  aber  erst  i.  J.  1827  durch  Duinoi 
d'Urville  ausführlich  beschrieben. 

—  EvangelistaTorrlMlII  führt,  durchViviani's  Erklärung  des  Luftdrucks  (s.  1643  V 
angeregt,  den  Versuch  aus,  den  Luftdruck  mit  einer  Quecksilbersäule  t 
messen,  und  gelangt  so  zur  Erfindung  des  Barometers.  Die  Bezeichnui 
„Barometer**  erscheint  zuerst  in  einem  anonymen,  wahrscheinlich  y< 
R.  Boyle  herrührenden  Aufsatz  in  den  „Phil.  Transactions**  von  1665. 

—  Evangelista  TorrlMlII  bestimmt  den  Flächeninhalt  der  Zykloide  und  b 
schreibt  eine  von  Viviani  gefundene  Konstruktion  der  Tangenten  an  die 
Kurve,  die  auch  Hoberval  (s.  1639  R.)  für  sich  beansprucht. 

—  Vincenzo  VManl  erklärt  zuerst  aus  dem  Luftdruck,  weshalb  es  nicht  § 
lingen  will,  mit  einer  Saugepumpe  das  Wasser  höher  als  nahezu  32  Fuß  i 
heben.  Er  schließt,  daß  der  Luftdruck  das  Wasser  nur  bis  zu  einer  Hö! 
von  32  Fuß  =  10,25  m  heben  kann  und  deshalb  das  Quecksilber,  das  ISVani 
schwerer  als  Wasser  ist,  nur  bis  zu  einer  13^/2  mal  kleineren  Höhe,  d.  i.  1 
ungefähr  28  Zoll  =  760  mm  empor  treiben  würde. 

—  Der  Holländer  Maarten  Gerritsz  de  VriM  entdeckt  die  Ostküste  Japai 
die  Kurilen  und  Sachalin. 

1644  Florimond  de  BMune  in  Blois  bestimmt  die  Eigenschaften  einer  Kurve  s 
ihrer  Gleichung.  Er  lehrt  die  Grenzen  finden,  zwischen  denen  die  reelj 
Wurzeln  einer  Gleichung  liegen. 

—  Renö  Dascarttt  führt  die  Entstehung  der  hervorragendsten  Unebenheiten  < 
Erdoberfläche  zuerst  auf  das  Zusammenstürzen  innerer  Hohlräume  zur£ 
und  spricht  sich  über  die  Entstehung  der  Erde  im  wesentlichen  in  plu 
mstischem  Sinne  aus.  Er  spricht  in  seinen  „Principia**  von  der  „Beha 
lichkeit  des  Quantitativen  in  der  mechanischen  Aktion**  und  ist  damit  < 
Vorläufer  des  Gesetzes  von  der  Erhaltung  der  Kraft. 

—  Ren6  DMcarttt  begründet  die  Theorie  der  Reflexbewegungen,  indem 
sagt,  es  würden  Impulse  von  der  Peripherie  nach  dem  Zentrum  fortgofa 
und  in  letzterem  auf  motorische  Nerven  reflektiert.  Er  betrachtet  i 
Tierkörper  als  eine  Art  Maschine,  für  welche  dieselben  Gesetze  gül 
seien,  wie  für  Arbeitsmaschinen  von  Menschenhand. 

—  Johann  Baptist  van  Helmont  stellt  die  festen  Bestandteile  des  Harns  dar  1 
findet  unter  ihnen  Kochsalz.  Er  konstatiert  das  höhere  spezifische  Gewi 
des  Fieberhams  und  erklärt  das  Entstehen  der  Harnsteine  aus  den  fee 
Bestandteilen  des  Harns. 

—  Evangelista  Torricalli  veröffentlicht  ein  mathematisches  Sammelwerk  „0{i 
geometrica*',  in  welchem  er  die  Rektifikation  der  logarithmischen  Spi 
angibt  und  zuerst  den  Begriff  der  „einhüllenden  Kurve**  aufstellt. 

1645  Ismael  Boalllau  spricht,  wie  Newton  angibt,    zuerst  von  einer  Anzieh \u 
kraft   der   Sonne,    die   in   umgekehrtem    Verhältnis   der   Entfemnng 
nehme. 

—  FartflnaiNl  II.  von  Toskana  erfindet  das  Kondensationshygrometer,  bei  welcl 
der  Feuchtigkeitsgehalt  der  Luft  durch  die  Verminderung  der  Tempera 
angezeigt  wird,  die  nötig  ist,  um  den  atmosphärischen  Wasserdampf 
der  Oberfläche  eines  polierten  Körpers  als  Tau  niederzuschlagen.  (S 
1820  D.) 

—  122  — 


1648 

Nachdem  schon  Kepler  darauf  hingewiesen  hatte,  daß  man  das  in  seinem 
Femrohr  umgekehrt  erscheinende  Bild  durch  Hinznfügung  einer  dritten 
Lmse  zwischen  Objektiv  und  Okular  wieder  aufrichten  könne,  konstruiert 
dG[  Kapuziner  Anton  Maria  SdiyrlaMis  de  RMIa  zuerst  ein  solches  terrestri- 
sches Femrohr.  Er  ist  der  erste,  der  die  Bezeichnungen  Okular  und  Ob- 
jektiv gebraucht. 

Francesco  FontaiM  beobachtet  zuerst  die  Flecken  des  Mars  und  veröffent- 
licht unter  dem  Titel  „Novae  coelestium  terrarumque  rerum  observationes'* 
die  beiden  ersten  Marszeichnungen,  deren  erste  im  Jahre  1636  gemacht  ist, 
während  die  zweite  vom  24.  August  1638  herrührt.  Die  zweite  Zeichnung 
beweist,  daß  Fontana  auch  als  Entdecker  der  Phasengestalt  des  Mars  an- 
zusehen ist. 

Der  Kurfürst  FiMrIch  WIIMm  von  Brandenburg  richtet  für  die  Zwecke 
der  westfälischen  Friedensverhandlungen  eine  Dragonerpost  zwischen  Berlin, 
Osnabrück  und  Münster  ein.    (Vgl.  560  v.  Chr.) 

Marco  Aureho  tararino  bedient  sich  bei  chirurgischen  Operationen  zur 
An&sthesierung  des  Operationsgebietes  der  Kälte,  indem  er  Schnee  und 
Eis  auflegt. 

Evangelista  Torrlotlll  weist  nach,  daß  die  Geschwindigkeiten  des  aus  der 
Bodenöffnung  eines  Grefäßes  fließenden  Wassers  sich  wie  die  Quadratwurzeln 
aus  den  entsprechenden  Druckhöhen  verhalten  (TorricelU'sches  Theorem). 
Buonaventura  GavalltrI  berechnet  die  Lage  der  Brennpunkte  aller  ver- 
schiedenen Formen  von  Linsen. 

Johann  Hewallus  in  Danzig  entdeckt  die  Libration  in  der  Ebene  des  Mond- 
äquators (in  Länge)  und  gibt  seine  noch  jetzt  wertvolle  Selenographie 
heraus.  Er  liefert  eine  Nomenklatur  der  Mondflecken,  aus  der  man  auch 
heute  noch  die  Bezeichnung  „Mare"  benutzt. 

Jean  Piequtt  entdeckt  die  dThyluszlBteme  und  deren  Zusammenhang  mit 
dem  von  Eustachio  (s.  1564)  entdeckten  Milchbrustgang  und  weist  nach, 
daß  dieser  seinen  Inhalt  in  die  linke  Schlüsselbeinvene  ergießt,  der  Ghylus 
also  vom  Darm  durch  die  Ghylusgefäße  und  Mesenterialdrüsen  ins  Blut 
gelangt. 

Angelo  Salt  kennt  die  Bestandteile  des  Salmiaks  und  die  Eigenschaften  des 
flüssigen  Laugensalzes  und  lehrt  die  Anwendung  des  Sublimats  in  der 
Medizin.  Er  entdeckt  das  Sauerkleesalz  beim  Konzentrieren  des  durch  Ei- 
weiß geklärten  Saftes  des  Sauerampfers. 

Nachdem  Moritz  Hofmann  aus  Fürstenwalde  schon  sechs  Jahre  zuvor  den 
Ausführungsgang  des  Pankreas  am  Truthahn  entdeckt  hatte,  findet  ihn 
Georg  Wlnung  aus  Bayern  am  Menschen. 

Simeon  Pitintw  umfährt  das  Ostkap  von  Asien  und  dringt  durch  die 
Beringstraße  bis  zum  Anadyr  vor,  wodurch  die  Trennung  der  Alten  Welt  von 
der  Neuen  Welt  bewiesen  wird.  1898  erhält  das  Ostkap  durch  kaiserliche 
Verordnung  den  Namen  „Kap  Deshnew**. 

Johann  Rudolf  Glautor  erwirbt  sich  große  Verdienste  um  die  Darstellung 
der  Mineralsäuren.  Die  Salzsäure  war  bisher  immer  durch  Destillation 
des  Eisenvitriols  mit  Kochsalz,  die  Salpetersäure  durch  Destillation  des- 
selben Körpers  mit  Salpeter  erhalten  worden.  Glauber  erkennt,  daß  die 
aus  dem  Vitriol  freiwerdende  Schwefelsäure  es  ist,  welche  die  Austreibimg 
der  Säure  aus  Kochsalz  und  Salpeter  bewirkt  und  versucht  nun  unmittel- 
bar die  Schwefelsäure  auf  diese  Salze  einwirken  zu  lassen,  wodurch  er  die 
Säuren  reiner  und  stärker  als  bisher  erhält.  Die  rauchende  Salzsäure  er- 
hält nach  ihm  den  Namen  „Spiritus  salis  Glauberianus*'. 
Johann  Rudolf  Obuitor  erhält  bei  direkter  Darstellung  von  Salzsäure  und 
Salpetersäure  die  Salze,   welche  durch  die  Verbindung  der  Schwefelsäure 

—     123     — 


1648 

mit  den  Alkalien  des  Kochsalzes  und  des  Salpeters  entflteheD.  D\ 
schwefelsaure  Natron  namentlich  zieht  seine  Aufmerksamkeit  anf  sie] 
seine  medizinische  Wirksamkeit  erscheint  ihm  so  bedeutend,  daß  er  il^ 
den  Namen  „Sal  mirabile**  beilegt. 

1648  Johann  Rudolf  Qlautor  stellt  zahlreiche  Chlormetalle  her,  indem  er  di 
Metall  mit  Vitriol  und  Kochsalz  destilliert.  So  erhält  er  außer  den  sch< 
bekannten  Chloriden,  wie  Antimonbutter  und  Spiritus  fumans  Liba^ 
(s.  1595)  das  ätzende  Arseniköl  und  das  Chlorzink.  Auch  stellt  er  wä 
seriges  Eisenchlorid  durch  Lösen  von  Eisen  in  Salzsäure  und  Abdampf^ 
der  Lösung  dar. 

—  Johann  Eudolf  Glautor  erhalt  zuerst  eine  Losimg  von  salpetriger  Säui 
durch  Reduktion  von  Salpetersäure  mit  Arsenigsäureanhydrid.  Seine  B 
obachtung  wird  1694  von  Kunckel  bestätigt. 

—  Johann  Rudolf  Qlautor  scheint  zuerst  das  Chloräthyl  in  weingeistig^ 
Lösung  erhalten  zu  haben.  In  reinem  Zustand  stellt  es  Rouelle  1750  dunj 
Destillation  von  Zinnchlorid  mit  Weingeist  dar.  Diese  Darstellungsinetho<{ 
wird  vom  Marquis  de  Courtenvaur  veröffentlicht,  der  deswegen  öfters  a 
Entdecker  des  wasserfreien  Chloräthyls  genannt  wird. 

—  Athanasius  KlrdMr  gibt  eine  Beschreibung  des  Hörrohrs. 

—  Jan  ito  Latt  gibt  die  von  Wilhelm  Plio  und  Georg  Marcfrav  auf  ihrer  bra« 
lianischen  Reise  gesammelten  naturgeschichtlichen  Daten  heraus,  welcl 
die  spezielle  Tierkenntnis  wesentlich  bereichem. 

—  Magiottl  erfindet  den,  fälschlich  nach  Descartes  benannten  Cartesianiscb« 
Taucher. 

—  Emanuel  Malcnan  gibt  die  erste  Theorie  der  Lichtbrechung. 

—  Der  Mediziner  Johann  Marcus  Mard  von  Kronland  sieht  zuerst  die  prismatiscl] 
Dispersion  des  Lichts,  ohne  jedoch  eine  Erklärung  derselben  geben  s 
können.  Nach  Grerland  und  Traumüller  hat  auch  Descartes  1649  die  pri^ 
matischen  Farben  beobachtet. 

—  Blaise  Paical  läßt  durch  seinen  Schwager  Parier  am  9.  September  die  ers^ 
barometrische  Höhenmessung  auf  dem  Puy  de  Dome  ausführen,  -wodurcj 
das  Vorhandensein  des  Luftdrucks  endgültig  bewiesen  wird. 

—  Francesco  Redl  tritt  zuerst  gegen  die  Annahme  einer  Generatio  aequivocl 
in  den  niederen  Tierklassen  auf,  indem  er  zeigt,  daß,  wenn  man  die  AI 
lagerung  der  Eier  in  faiilende  Substanzen  verhütet,  sich  in  diesen  kein 
lebenden  Wesen  entwickeln.  Er  macht  (1664)  die  ersten  methodische 
Arbeiten  über  Schlangengift. 

—  Jean  Rkrian  macht  den  Versuch,  die  Hautkrankheiten  nach  ihrer  äußtri 
Form  zu  klassifizieren.  Auch  Thomas  Willis  macht  1670  einen  dahin 
gehenden  Versuch. 

1649  Renö  Dascarttt  erklärt  mit  Gilbert  (s.  1590)  und  mit  Bacon  (s.  1620  B.)  dii 
Wärme  als  Bewegimg  der  Körperteilchen.  Je  stärker  die  Vibration  dd 
Teilchen  ist,  um  so  höher  steigt  die  Wärme.  Die  Bewegung  der  Himmel» 
körper  erklärt  er  durch  seine  Wirbeltheorie. 

—  Ren6  Dascarttt  wendet  das  Refraktionsgesetz  (s.  1614  S.  und  1637  D.)  zi^ 
erst  zur  Erklärung  des  Eegenbogens  an. 

—  Nachdem  zuerst  1447  in  der  Memminger  Chronik  eine  fahrradähnliche  Fort 
bewegungsmaschine  (ein  Wagen  ohn  Roß,  Rindter  und  Leutt)  erwähn 
worden  war,  baut  der  Nürnberger  Zirkelschmied  Johann  HMtadi  einei 
Wagen,  der  durch  die  eigene  Kraft  des  Fahrenden  getrieben  wird,  jedool 
nur  2000  Schritte  in  der  Stunde  zurücklegt. 

—  Nachdem  Franciscus  de  Pedemontinus  die  erste  Beschreibung  der  Wandtf* 
niere  gegeben  hatte,  gibt  Jean  Rlolan  auf  Grund  von  Sektionen  ein  voll 
ständiges  klares  anatomisches  Bild  davon.   Im  gleichen  Jahre  weist  er  al 

—     124     — 


1650 

der  Erste  beetimmt  auf  den  Znsammenhang  des  Kropfes  mit  der  Schild- 
drüse hin. 

Während  man  in  der  Artillerie  bis  dahin  die  Bomben  noch  „mit  zwei 
Feuern"  warf,  indem  zunächst  der  Zünder  des  in  das  Rohr  eingesetzten 
Geschosses  und  sogleich  darauf  die  Geschützladung  entzündet  wurde,  lehrt 
Kasimir  SlmltiMWIci  in  seiner  „Ars  magna  Artilleriae*'  das  Bombenwerfen 
,,mit  einem  Feuer**,  wobei  der  Geschoßzünder  von  der  Flamme  der  Ge- 
schützladung gleichzeitig  mit  in  Brand  gesetzt  wird. 
Francis  ds  le  BoS  (Sylvius)  begründet  das  chemiatrische  System  in  der 
Medizin.  £r  glaubt  an  dem  ChlorkaUum  besondere  medizinische  Eigen- 
schaften zu  finden,  nach  welchen  es  lange  Zeit  als  Sal  febrifugium  oder 
Digestivum  Sylvii  bezeichnet  wird.  Otto  Tachenius  betrachtet  bereits  als 
Bestandteile  dieses  Salzes  Kali  und  Salzsäure. 

Fran^oifl  ds  le  BoS  (Sylvius)  findet  zuerst  Lymphgefäße  in  der  Leber 
und  gibt  die  erste  Beschreibung  von  Tuberkeln,  deren  genetischen  Zu- 
sammenhang mit  Phthisis  pulmonaUs  er  annimmt. 

Maria  CMiHIa  gibt  Planetentafeln  unter  dem  Namen  „Urania"  heraus,  die 
sich  auf  Keplers  rudolphinische  Tafeln  (s.  1627  K.)  stützen. 
Honoratius  Fabry  untersucht  die  Erscheinimgen  der  Capillarität  in  engen 
zylindrischen  Röhren  und  findet,  daß  die  Steighöhen  oder  Depressionen 
einer  Flüssigkeit  dem  Halbmesser  der  Röhren  —  gleiches  Material  der 
Rohren  vorausgesetzt  —  umgekehrt  proportional  sind.  Dieser  Satz  wird 
von  Gay  Lussac  (1799)  bestätigt.  Auch  Brunner  (1846),  £.  F.  Drains 
(1857),  BMe  (1861)  u.  a.  gelangen  zu  gleichen  Ergebnissen. 
Der  englische  Anatom  Francis  Gllnoii  gibt  in  seiner  Schrift  „De  rachitide" 
die  erste  erschöpfende,  noch  heute  klassische  Darstellung  der  Rachitis 
(englischen  Krankheit),  die  eine  Entwicklungsstörung  des  frühen  Kindes - 
aHers  darstellt  und  zu  eigenartigen  Schädigungen  des  kindlichen  Skeletts 
führt.  Er  empfiehlt  zu  deren  Behandlung  Gymnastik  und  Unterstützung» - 
Apparate  und  gelegentlich  auch  Massage. 

Joachim  dwaiffm  bemängelt  zuerst  die  altherkömmliche  Einteilung  der 
Pflanzen  in  Bäume  und  Kräuter  als  das  Wesen  nicht  treffend  und  be- 
zweifelt wie  Redi  (s.  1648  R.)  die  Generatio  aequivoca. 
Athanasius  Klrchsr  beschreibt  die  Aeolsharfe  (Anemochord),  die  aus  einem 
langen,  schmalen  Resonanzkasten  besteht,  auf  dem  eine  Anzahl  im  Ein- 
klang abgestimmter  Darmsaiten  über  zwei  niedrige  Stege  gespannt  sind. 
Streift  ein  Luftzug  die  Saiten,  so  fangen  dieselben  an  zu  tönen.  Da  das 
Prinzip  der  Aeolsharfe  bereits  im  Altertum  bekannt  war,  kann  die  Er- 
findung nicht  dem  heiligen  Dimstan  zugeschrieben  werden. 
Fran^ois  Mamait  erfindet  die  gebrochenen  oder  Mansardendächer,  die  aus 
eänem  steilen  unteren  und  einem  flachen  oberen  Walmdachteil  bestehen. 
Domenico  Panaroll  beobachtet  zuerst  Finnen  im  Corpus  Callosum  eines 
epileptischen  Priesters  in  Rom;  den  Namen  „Finnen*'  führt  1782  Paul 
Friedrich  Christian  Werner  ein,  der  auch  die  Einstülpung  des  Kopfes  in 
die  Blase  zuerst  beobachtet. 

PlppMÜMliii  konstruiert  das  erste  der  Kapselpumpe  (vgl.  1593)  analoge 
Kapaelgebläse  mit  zwei  Drehachsen  zur  Förderung  von  Luft  und  Wasser, 
das  aus  zwei  Zahnrädern  von  je  sechs  an  allen  Ecken  des  Profils  ab- 
gerundeten Zähnen  besteht  und  die  Grundlage  aller  derartigen  Konstruk- 
tionen ist. 

Nicolas  tMion  erfindet  die  sogenannte  flächentreue  Projektion,  die,  weil 
sie  sich  in  dem  Atlas  coelestis  von  Flamsteed  1712  findet,  vielfach  auch 
naeh  Flamsteed  benannt  wird. 
Nicolas  SMnrait   hält  im  Hotel  de  Fiacre  in  der  Rue  St.  Martin  in  Paris 

—     125     — 


1660 

zuerst  Wagen  und  Pferde  zum  Vermieten  bereit,  die  von  seinem  Hauj 
den  Namen  ,,Fiaore**  erhalten. 

1650  Johann  SfMrflnf  gibt  in  seiner  erst  nach  seinem  Tode  veröffentlicht« 
„Zoologia  physica'*  die  erste  Andeutung  einer  richtigen  Auffassung  v< 
der  Stellung  des  Menschen  innerhalb  des  Tierreichs,  die  später  cur  Bildui 
eines  besonderen  Naturreichs  für  denselben  führt.    (Vgl.  indes  auch  1501 

—  Bernhard  Vartnlus  gibt  in  seiner  „Greographia  generalis*'  die  erste  allgemei] 
systematische  Darstellung  des  Formenschatzes  der  Erde.  Er  klassifizic 
zuerst  die  großen  Meere  und  unterscheidet  den  Atlantischen,  Pazifisch* 
und  Indischen  Ozean,  eine  Einteilung,  die  sich  allmählich  einbürgert. 

—  Bernhard  Vartnlus  gibt  die  erste  eingehendere  Beschreibung  der  Win 
Verhältnisse  auf  der  Erde. 

—  Thomas  Wharton  aus  Yorkshire  publiziert  das  erste  bedeutende  Werk  üfc 
Drüsen,  beschreibt  darin  die  Thymus-,  Pankreas-  und  Submaxillardrv 
und  entdeckt  den  Ausführungsgang  der  letzteren. 

1651  Johann  Rudolf  Qlantor  macht  die  erste  chemische  Analyse  von  Meteorstein« 

—  William  Harvty  erklärt  in  seiner  Schrift  „De  generatione  anlmalium*\  d 
die  Theorie  der  Greneratio  aequivoca  ein  Irrtum  sei  und  jedes  leben 
Wesen  sich  aus  einem  Ei  entwickle,  welches  vom  weiblichen  Individui 
stamme  und  auf  dessen  Entwicklung  der  Same  als  belebender  Reiz  einwir! 
Der  von  Harvey  aufgestellte  Satz  „Omne  vivum  ex  ovo"  bildet  den  A 
gangspunkt  aller  seitdem  auf  entwicklungsgeschichtlichem  Grebiete  unt 
nommenen  Forschungen. 

—  Nathanael  ito  Hlghinori  beschreibt  die  nach  ihm  Highmorehöhle  genau 
Oberkieferhöhle,   welche  bereits   Galen   als   Sinus   maxillaris   kannte, 
gelingt    ihm,    viele   bis    dahin   unerklärliche    Zahnerkrankungen    als    1 
krankungen  des  Antrum  Highmori  nachzuweisen. 

—  Giovanni  Battista  Rlcdoll  macht  die  ersten  trigonometrischen  Höhenbest 
mungen  der  Wolken. 

—  Der  schwedische  Arzt  Olaus  Rutfbtck  entdeckt  als  Student  in  Padua 
von  ihm  „seröse  Gefäße'*  benannten  Lymphgefäße  des  Darms  und  z« 
1652,  daß  diese  Gefäße  mit  den  Chylusgefäßen  identisch  sind  und  daß 
in  den  Ductus  thoracicus  einmünden.   Die  Bezeichnung  Lymphgefäße  fC 
1653  Thomas  BarttioHnus  ein. 

1652  Lt  Qtntfrt  begründet  die  Spalierbaumzucht  und  macht  wichtige  Anga 
über  Unterlage  und  Reis  in  der  Obstbaumkultur. 

—  Francis  Lotfwick  entwickelt  in  seinem  „Groundwork  or  Foundation  laid 
the  Framing  of  a  new  perfect  Language"  das  Programm  einer  Univei 
Sprache,  das  alle  die  Eigenschaften  in  sich  vereint,  von  denen  spätere  ^ 
suche  (s.  1879  S.,  1887  S.,  1906  M.)  stets  nur  einen  Teil  wiedergeben. 

—  Domenico  de  Marditttl  erkennt  zuerst  am  Herzen  und  Darm  die  Fä 
keit  aktiver  Bewegung. 

—  Isaak  Mlnnlus  führt  zum  ersten  Male  die  Durchtrennung  des  Kopfnickers 
Caput  obstipum  (Schief hals)  aus,  eine  Operation,  die  1668  von  Mei 
Florian  in  Holland,  1670  von  Hendryk  van  Roonhuyze,  1738  von  1 
und  dann  öfter  wiederholt  wird. 

—  Sir  Hugh  Platt  macht  zuerst  den  Vorschlag,  den  Dampf  zum  Heizen  c 
Treibhauses  zu  verwenden. 

1653  Pierre  BortI  entdeckt  die  sympathetische  Tinte,  indem  er  die  Schwäri 
der  mit  essigsaurem  Blei  gemachten  unsichtbaren  Schriftzüge  durch 
Abkochung  von  Auripigment  imd  Kalk  bewirkt. 

—  Andrö  Lt  Ndtrt  ist  der  Schöpfer  des  französischen  Stils  in  der  Garten  ki 
Er  gibt   den  Gärten   das,  was  ihnen  bisher  fehlte,   die   Perspektive, 
einfacht  die  Wasserkünste,  hebt  darin,  wie  in  der  Banmformung,  alle  Sp 

—      126     — 


1666 

reien  auf  und  bringt  Symmetrie  in  die  durch  Schnitt  hergestellten  Lauben- 
gange,  Hecken  und  Nischen. 

1653  Jean  RMui  erfaßt  zuerst  den  Gredanken,  bei  Wassersucht  des  Herzbeutels 
diesen  zu  öffnen. 

—  Johann  SealMus  benutzt  für  den  Verband  der  unteren  Gliedmaßen  die 
nach  ihm  benannte  Binde,  die  aus  einer  beliebigen  Anzahl  von  Streifen 
besteht,  welche  dachziegelartig  übereinander  gelegt  werden,  und  so  lang 
sein  müssen,  daß  sie  das  betreffende  Glied  l^/g  mal  umgreifen. 

—  Der  französische  Staatsrat  M.  dt  Vteytr  erhält  von  Ludwig  XIV.  das 
Privileg,  in  Paris  eine  Stadtpost  einzurichten.  Hierbei  führt  er  zwecks 
freier  Beförderung  die  „Billets  de  port  pay^**  ein,  welche  um  die  Briefe 
hemmgeschlagen  oder  auf  irgend  eine  andere  Weise  an  denselben  befestigt 
werden.  Sie  ähneln  den  späteren  Streifbändern  und  sind  als  Vorläufer 
der  Briefmarken  anzusehen.    Auch  stellt  er  die  ersten  Postbriefkasten  auf. 

1654  Johann  Rudolf  QlaubMT  hat  eine  annähernd  richtige  Vorstellung  von  den 
Wirkungen  der  chemischen  Verwandtschaft.  Er  zeigt,  daß  die  Zersetzung 
dee  Kochsalzes  und  Salpeters  durch  Schwefelsäure  sowie  die  des  Salmiaks 
durch  Kalk  oder  KaU  (s.  1648  G.)  darauf  beruht,  daß  der  eine  Bestand- 
teil zu  dem  Zersetzungsmittel  eine  größere  Verwandtschaft  hat  (es  liebt 
und  auch  von  ihm  geUebt  wird).  £r  erläutert,  wie  Schwefelantimon  sich 
mit  Sublimat  zersetzt,  hat  also  auch  Einsicht  von  dem  Vorgang  der  dop- 
pelten Wahlverwandtschaft. 

—  Francis  GHtton  in  London  bearbeitet  die  Anatomie  und  Physiologie  der 
Leber  in  hervorragender  Weise  und  erwähnt  in  seiner  Schrift  „Anatomia 
hepatis"  zuerst  die  nach  ihm  benannte  Glisson' sehe  Kapsel. 

^  Otto  von  Gmrteke  führt  dem  Reichstag  zu  Regensburg  sein  berühmtes  Ex- 
periment mit  den  sogenannten  Magdeburger  Halbkugeln  vor.  Diese  Halb- 
kugeln  werden  durch  eine,  mit  einem  Hahn  verschließbare  Röhre  mit  der 
Luftpumpe  in  Verbindung  gesetzt.  Nachdem  die  Luft  ausgepumpt  ist,  haften 
sie  mit  solcher  Kraft  aneinander,  daß  16  Pferde  kaum  imstande  sind,  den 
Druck  der  Luft  zu  überwinden,  während  sie  ohne  Schwierigkeit  ausein- 
anderzuziehen sind,  sobald  durch  öffnen  des  Hahns  die  Luft  wieder  ein- 
gelassen wird.     (Vgl.  1641  G.) 

—  Otto  von  Guorleke  wird  durch  seine  Versuche  bahnbrechend  für  die  Lehre 
von  der  Aerostatik.  Die  Elastizität  der  Luft  ist  seitdem  bewiesene  Tat- 
sache und  es  ergibt  sich  der  wichtige  Schluß,  daß  die  unteren  Schich- 
ten der  Atmosphäre  dichter  als  die  oberen  sein  müssen.  Er  erkennt  auch 
die  Bedeutung  des  Wasserdampfes  für  die  Nebel-  und  Wolkenbildung. 

1664 — 88  Der  französische  Matrose  Henri  Hamtl,  der  als  Schiffbrüchiger  in 
Korea  gefangen  gehalten  wird,  gibt  nach  seiner  Rückkehr  die  erste  aus- 
führliche Kunde  von  diesem  Lande. 

i664  Blaise  Pascal  baut  in  seiner  erst  nach  seinem  Tode  i.  J.  1665  gedruckten 
Schrift  „Trait6  du  triangle  arithm^tique"  die  Kombinationslehre  und 
Wahrscheinlichkeitsrechnung  weiter  aus,  und  erörtert  im  besonderen  das 
nach  ihm  benannte  arithmetische  Dreieck,  eine  Tafel  der  Binomialkoeffi- 
zienten  zur  Auffindung  höherer  arithmetischer  Reihen  und  der  Kombina- 
tionszahlen.  Neben  Pascal  ist  namentlich  auch  Fermat  ein  Förderer  der 
Wahrscheinlichkeitsrechnung. 

.666  Nachdem  schon  Anton  Platner  in  Augsburg  1518  die  Feuerspritze  ver- 
bessert hatte,  versieht,  wie  aus  einem  Briefe  von  Leibniz  an  Papin  vom 
4.  Februar  1707  hervorgeht,  Johann  Hautttch  dieselbe  wieder  mit  dem  von 
Heron  (s.  100)  erfundenen  Windkessel. 

~  Christian  HuygMS  entdeckt  den  Titan,  den  größten  der  acht  Satelliten 
des  Saturn. 

—      127     — 


1665 

1655  Der  Jesuit  Martin  Martlill,  der  1651  aus  China  heimgekehrt  ist,  publidert 
seinen  neuen  Atlas  von  China,  auf  den  sich  das  neuere  Wissen  von  diesem 
Reiche  gründet.  In  diesem  Atlas  erscheint  auch  zuerst  das  Bild  der 
Halbinsel  Korea.     (VgL  auch  1654.) 

—  John  Wallis  in  Oxford  baut  die  Lehre  von  den  Kegelschnitten  unter  An- 
wendung der  von  Descartes  angegebenen  neuen  Methode  (s.  1637  D.)  weiter 
aus.  VgL  seine  Schrift  ,,Tractatus  de  sectionibus  conicis  nova  methodo 
expositis*'. 

1656  Johann  Rudolf  Glantor  r&t  in  seinem  „Miraculum  mundi*%  den  Nieder- 
schlag,  den  kohlensaures  Kali  in  Kupferlösungen  bewirkt,  statt  des  seit 
alters  her  bekannten  Grünspans  zum  Malen  anzuwenden.  Proust  zeigl 
1799,  daß  diese  grünen  Niederschläge,  die  man  bei  unvollkommene! 
Fällung  erhält,  basische  Salze  sind  und  daß  der  blaue  Niederschlag,  dei 
bei  vollständiger  Fällung  entsteht,  Kupferoxydhydrat  ist.  Das  salpetersaur« 
Kupfer  scheint  Glauber  bereits  1648  erhalten  zu  haben. 

—  Christian  HaysMit  erfindet  die  Pendeluhr.  Hat  auch,  wie  aus  dem  Artikel 
unter  1636  G.  hervorgeht,  schon  Galilei  den  G^anken  gehabt,  das  Pende 
bei  Uhren  anzuwenden,  so  ist  doch,  wie  jene  Notiz  ergibt,  eine  praktisch« 
Ausführung  dieses  Gedankens  nicht  erfolgt. 

—  Werner  Rolflnk  führt  an  den  Leichen  zweier  im  Leben  mit  Katarakt  Be 
hafteter  den  anatomischen  Nachweis,  daß  der  graue  Staar  auf  einer  Trü 
bung  der  KrystallUnse  beruht. 

—  John  Tradeteant  bringt  die  erste  Probe  von  Guttapercha  unter  dem  Namei 
„Mazer  wood**  nach  London. 

—  Jsaak  Votsius  begründet  selbständig  die  meteorische  Quellenlehre  durc 
den  von  ihm  aufgestellten  Satz  „Omnia  flumina  ex  collectione  aqua 
pluviaUs  oriri". 

1657  Der  polnische  Feldarzt  Janus  Abraham  a  GthMiia  macht  zuerst  bestimml 
Vorschläge,  imi  die  Vorbildung,  die  Leistungen  und  damit  auch  dt 
Stellung  des  militärarztlichen  Personals  zu  verbessern.  Er  tut  Schriti 
zur  Reformierung  der  bisher  mitgeführten  Feldapotheken  (Feldkästeo 
die  nicht  mehr  vom  Arzt,  sondern  vom  Staat  angeschafft  werden  soUei 

—  Wolfgang  Höfer  gibt  in  seinem  „Hercules  medicus**  die  erste  Beschreibu] 
des  Kretinismus. 

—  Johannes  Hudde  fördert  die  Lehre  von  den  Gleichungen  und  gibt  eil 
Methode  zur  Erkennung  der  mehrfachen  Wurzeln  einer  Gleichung,  <j 
nach  ihm  die  „Hudde*sche  Regel'*  genannt  wird.  Auch  findet  er  die  ei 
fachste  und  übersichtlichste  Ableitung  der  Cardanischen  Formel. 

^  Christian  HuygMt  erkennt  die  wahre  Gestalt  des  Satumringes  (s.  1610  G 
veröffentlicht  jedoch  seine  Entdeckung,  imi  weitere  Beobachtungen  a 
zuwarten  und  sich  dennoch  die  Priorität  zu  sichern,  zunächst  nur 
folgendem  Anagramm:  aaaaaaa  ccccc  d  eeeee  g  h  üüüi  1111  mm  nnnnnnni 
oooo  pp  q  rr  8  ttttt  uuuuu,  welches,  richtig  gelesen,  heißt:  Annulo  cj 
gitur,  tenui,  piano,  nusquam  cohaerente,  ad  ecUpticam  inclinato. 

1668  Pierre  Fermat  fördert  die  Zahlentheorie  durch  Aufstellung  einer  groß 
Reihe  bemerkenswerter,  zum  Teil  berühmt  gewordener  Sätze.  Hierl 
gehört  das  „Fermat'sche  Problem",  welches  den  elementaren  Bew 
fordert,  daß  die  Gleichung  xn  +  7°  =  z»  für  n  >  2  nicht  in  gani 
Zahlen  lösbar  ist.  Fermat  behauptet,  einen  „wahrhaft  wunderbaren* •  ] 
weis  zu  besitzen;  doch  ist  es  bisher  nicht  gelungen,  diesen  Beweis  \He<l 
zufinden.  Andere  zahientheoretiBche  Sätze  beziehen  sich  auf  die  Polygon 
zahlen,  die  Primzahlen  usw. 

—  Johann  Rudolf  Glauber  beschreibt  die  Bildung  des  übrigens  schon  vorl 
bekannten  Holzessigs  durch  trockene  Destillation  des  Holzes. 

—     128     — 


1660 

158  Johann  Rudolf  Glaubtr  wendet  zuerst  die  Sioherheitsröhren  als  Sicherheits- 
Tentile  an.     Durch  Welter   (1820),   nach   dem   sie  auch  benannt  werden, 
I      kommen  dieselben  in  regelmäßigen  Gebrauch. 

-  Der  karfürstlioh  brandenburgische  Ingenieur  Johann  Gregor  Memhard  be- 
ginnt die  Befestigung  Berlins  nach  dem  altniederländischen  bastionierten 
System.  Die  Festungswerke  laufen  etwa  in  der  Linie  der  heutigen  Ober- 
wall-, Niederwall-  und  Neuen  FriedrichstraOe  und  bestehen  aus  13  durch 
Kurtinen  verbundenen  Bastionen  und  5  (später  hinzugefügten)  Ravelinen. 
Die  Sturmfreiheit  beruht  auf  einem  45  m  breiten  nassen  Graben. 

'"    Jan  Sufimimriaiii  entdeckt  die  roten  Blutkörperchen  im  Froschblut. 

^  Johann  Jacob  W«|ifir  gibt  in  seiner  Schrift  über  die  Apoplexie  gute  Unter- 
BQchungen  über  das  Gefäßsystem  des  Gehirns  und  weist  zuerst  die  Ver- 
narbnng  apoplektischer  Himherde  nach. 

S59  William  Brottiick«r,  Viscount  of  Castle  Lyons,  bringt  die  Faktorenfolge, 
welche  John  Wallis  (s.  d.  1668)  in  seinem  berühmten  „WaUis'schen  Pro- 
dukt" zur  Darstellung  von  ti  verwendet,  in  die  Form  eines  unendlichen 
Rettenbruchs. 

-  Oberst  Qtülfcant  wendet  zuerst  Steinminen  (Erdmörser)  an,  indem  er  bei  der 
Belagerung  von  Thom  schräg  in  das  feste  Erdreich  eingegrabene  röhren- 
artige Löcher  nach  Art  eines  Geschützes  mit  Pulver  ladet  und  Steine  als 
Geschosse  daraufsetzt. 

KO  Robert  Boyle,  der  durch  Kaspar  Schott's  Werk  von  Guericke's  Versuch 
(s.  1641  G.  und  1664  G.)  Kenntnis  erhalten  hatte,  konstruiert  mit  Robert 
Hopkt  eine  Luftpumpe,  die  in  der  Handhabung  wesentlich  bequemer  als 
6aericke*8  Pumpe  ist.  Der  Rezipient  besteht  aus  Glas  und  ist  mit  einem 
abhebbaren  Deckel  versehen,  der  gestattet,  den  Versuchskörper  bequem 
hineinzubringen. 

*•  Hermann  CMrlnf  wird  mit  seinem  „Examen  rerum  pubUcarum"  der 
Schöpfer  der  Statistik,  die  bis  dahin  nur  ganz  oberflächlich  von  dem 
Venetianer  Sansovino  und  dem  Franzosen  Pierre  d'Avity  behandelt 
worden  war. 

-"  Procope  GMtMMU,  Limonadier  in  Paris,  stellt  zuerst  gewerbsmäßig  durch 
Kältemischungen  gefrorene  Limonaden  und  Fruchtsäfte  her.  Diese 
Fabrikation  verbreitet  sich  so  schnell,  daß  sich  1676  eine  Innung  der 
Meister  der  Kunst  „des  glaces  de  fruits  et  de  fleurs"  mit  250  Mitgliedern 
bfldet.    (S.  a.  1621  B.) 

-  John  Harrinfton  führt  die  Wasserklosetts  aus  Frankreich  nach  England  ein. 
Doch  sind  dieselben  keine  französische  Erfindung,  und  es  unterliegt  keinem 
Zweifel,  daß  die  Wasserklosetts  schon  im  Altertum  im  Orient  in  Gebrauch 
gewesen  sind. 

-  Blaise  Pwal  wendet  das  Prinzip  der  virtuellen  Verschiebungen  zum  Be- 
weis des  Satzes  an,  daß  ein  an  einem  Punkte  der  Oberfläche  einer  flüssigen 
Masse  ausgeübter  Druck  sich  gleichmäßig  nach  allen  andern  Punkten  der 
Flüssigkeit  verbreitet,  wofern  diese  nicht  auszuweichen  imstande  ist 
(Pascal'sches  Gesetz). 

^  Conrad  Victor  MmMmr  in  Wittenberg  beweist  anatomisch  und  khnisch, 
daß  nicht  das  Gehirn,  sondern  die  Nasenschleimhaut  (Membrana  Schnei- 
den) den  Schleim  absondert,  der  in  Krankheiten  abfließt,  und  stößt  damit 
endgültig  die  Lehre  der  Alten  von  den  zahlreichen  katarrhoischen  Krank- 
heiten um. 

'  Nioolaus  StMOiils  erkennt  die  Muskeln  als  die  eigentlichen  tätigen  Be- 
wegungBwerkzeuge  und  findet,  daß  sie  sich  bei  ihrer  Zusammenziehung 
selbst  verkürzen,  eine  Erscheinung,  die  Borelli  auf  die  Elastizität  der 
Darmstaedter.  9 

—      129      — 


1660 

Muskeln   zurückführt,   welche  unter   dem   Einfluß   der  Nerven   in  TätijB 
keit  trete. 

1660  Thomas  Sydenham,  der  „englische  Hippokrates'S  faßt  zuerst  den  Credankei 
daß  die  Krankheit  eine  Folge  eines  Krankheitsprozesses  sei,  ein  Begri£ 
den  er  als  erster  streng  durchführt.  Er  betrachtet  das  Fieber  als  eine 
Akt  zur  Entfernung  der  Schädlichkeiten,  welche  Lehre  bis  gegen  End 
des  18.  Jahrhunderts  die  herrschende  bleibt.  „Fieber  ist  ein  Werkzei^ 
der  Natur,  durch  welches  dieselbe  die  unreinen  Teile  von  den  rein«^ 
sondert.** 

—  Thomas  Sydenham  gibt  diätetische  Anordnungen  je  nach  der  Konstitntioi 
des  Patienten  und  zeigt,  daß  eine  große  Zahl  von  Erkrankungen  lediglioj 
durch  richtige  Lebensweise  und  verständige  Ernährung  zum  guten  End 
geführt  werden  können. 

—  Thomas  Sydenham  gibt  der  Seuchenlehre  einen  gewaltigen  ümschwnnl 
durch  die  Ausbildung  des  Begriffes  epidemischer  Konstitution,  bei  derei 
Entstehung  kosmische  und  tellurische  Einflüsse,  Miasmen,  die  aus  dei 
Erdinnem  emporsteigen,  Unreinigkeiten  der  Atmosphäre  und  ähnlich 
Faktoren  mitspielen. 

1661  Die  Acadamla  del  Cimcnto  in  Florenz  macht  Versuche  über  die  Zusammen 
drückbarkeit  des  Wassers  in  Silberkugeln.  Die  Versuche  ergeben  zwar  kei] 
brauchbares  Resultat,  erweisen  aber  die  Porosität  des  Silbers. 

—  Henry  Blshop*  Generalpächter  des  englischen  Postwesens,  führt  den  Aui 
gabestempel  für  Briefe  ein. 

—  Der  englische  Naturforscher  Robert  Boyte  stellt  im  Anschluß  an  Demokritq 
und  Gassendi  (s.  diese)  eine  Korpusktdartheorie  auf,  nach  welcher  all 
Körper  aus  kleinsten  Teilchen  bestehen.  Durch  Aneinanderlagerung  d« 
sich  gegenseitig  anziehenden  Teilchen  verschiedener  Stoffe  kommt  die  Vei 
bindung  zustande.  Tritt  mit  einem  Körper  ein  anderer  in  Wechselwirkung 
dessen  kleinste  Teilchen  zu  denen  eines  Komponenten  mehr  AnziehuBj 
haben,  als  die  Komponenten  unter  sich,  so  erfolgt  Zersetzung. 

—  Robert  Boyle  stellt  den  Begriff  der  chemischen  Elemente  auf,  als  welchi 
man  Stoffe  anzusehen  habe,  die  man  nicht  weiter  zerlegen,  aus  den<*i 
man  aber  die  anderen  Stoffe  zusammensetzen  könne.  Ähnliche  Ansicbtej 
hatte  Joachim  Jimgius  in  seinen  1642  erschienenen  „Principia  corporun 
naturalium**  ausgesprochen,  die  jedoch  unbeachtet  geblieben  waren. 

—  Gegenüber  den  Alchemisten,  welche  die  Verwandlung  von  Eisen  in  Knpfd 
annahmen,  zeigt  Robert  Boyle,  daß  Kupfer  aus  seinen  Lösungen  dorrj 
Zink  und  durch  Eisen  metallisch  gefällt  wird,  und  erklärt  den  Vorgauj 
dahin,  daß  das  Auflösungsmittel  ein  aufgelöstes  Metall  fallen  lasse,  un 
das  die  Ausfällung  veranlassende  Metall  aufzunehmen. 

—  Robert  Boyle  hebt  zuerst  ausdrücklich  hervor,  daß  auf  die  Hervorbringuu.^ 
von  mehr  oder  weniger  regelmäßigen  KrystaUen  langsame  oder  sehnelll 
Abkühlung  der  Lösung  bedeutenden  Einfluß  ausübt. 

—  Die  Jesuiten  Albert  Dorviile  und  Johannes  Gnieber  machen  einen  Zug  durci 
Tibet,  erreichen  die  Hauptstadt  Lhassa  und  steigen  von  da  über  dc^ 
Himalaja  nach  Agra  hinab. 

—  Guichard  Joseph  Du  Verney  führt  die  Untersuchungen  von  Aranzio  (s.  1565 
über  den  foetalen  Blutkreislauf  weiter,  findet  im  Verein  mit  Casp* 
Bartliolinut  die  nach  dem  letztern  benannten  Drüsen  (Glandulae  Bartho 
linianae)  und  liefert  davon  eine  genaue  Beschreibung. 

—  Johann  Heveliut  beobachtet  1563  Sterne  für  die  Epochen  1661  und  1701 
die  nach  seinem  Tode  1690  in  einem  Katalog  zusammengefaßt  werdtfi 
der  auch  335  südliche  Sterne  enthält,  die  Halley  auf  seiner  ExpedlÜdi 
nach  St.  Helena  aufgenommen  hatte. 

—     130     — 


1668 

1661  Christian  HayfMt  verwendet  zuerst  ein  abgekürztes  Heberbarometer  zur 
Beurteilung  der  Luftverdünnung  unter  dem  Kezipienten  der  Luftpumpe. 
(Barometerprobe,  Manometer  für  niedrigen  Druck.) 

—  Marcello  RRalpIslil  beobachtet  zuerst  an  Lunge  und  Mesenterium  des  Frosches 
den  Capillarkreisiauf.  Er  setzt  den  Übergang  der  Arterien  in  die  Venen 
ins  richtige  Licht  und  liefert  damit  die  wichtigste  Ergänzung  zu  Harvey's 
Entdeckung  des  großen  Blutkreislaufes. 

—  Marcello  Malpislil  entdeckt  den  Bau  der  Lungen.  Das  Innere  der  Lungen 
besteht  aus  Säckchen  oder  Läppchen,  welche  mit  den  Ästen  der  Luftröhre 
und  miteinander  in  Gemeinschaft  stehen.  Die  Bläschen,  die  mit  Gefäß- 
netzen umgeben  sind,  dienen  dazu,  durch  den  Druck  der  in  ihnen  ent- 
haltenen Luft  das  Blut  inniger  zu  mischen;  in  die  Gefäße  selbst  scheint 
keine  Luft  überzugehen. 

—  Giovanni  Battista  Riedoll  stellt  eine  Berechnung  der  Größe  der  Erdoberfläche 
an,  die  er  auf  seine  mit  Grimaldi  ausgeführte  Gradmessung  gründet 
nnd  die  170981012  bononische  Quadratmeilen  ergibt. 

—  Der  französische  Astronom  Melchisedec  TlMVtiiat  erfindet  die  Röhrenlibelle, 
auch  Wasserwage  oder  Niveau  genannt.  • 

1662  Adrian  Aumit  bemerkt  zuerst  den  Schatten  des  Saturn  auf  seinem  Ring. 

—  Liorenzo  MHnl  untersucht  den  Bau  der  Nieren  und  findet  die  Ausführungs- 
gänge in  den  Papillen,  den  „Tubuli  BeUiniani".  Er  erkennt  die  Zungen- 
papillen als  Geschmacksorgan  und  beschreibt  deren  Verbindimg  mit  den 
Nerven. 

—  Robert  Boyld  und  Edme  Mariott»  stellen  unabhängig  voneinander  das 
Boyle-Mariotte'sche  Gesetz  auf:  „Der  Raum,  den  eine  eingeschlossene 
Gasmenge  einnimmt,  steht  im  umgekehrten  Verhältnis  zum  Druck'*;  oder 
„je  geringer  der  Druck,  um  so  größer  der  Rauminhalt,  je  größer  der 
Druck,  um  so  geringer  der  Rauminhalt."  An  den  Boyle'schen  Forschungen 
hat  Richard  Townley  einen  hervorragenden  Anteil. 

1662 — 68  Nachdem  schon  1568  vom  Kurfürsten  Joachim  II.  die  Grabung  eines 
Kanals  von  der  Spree  nach  der  Oder  projektiert  worden  war,  läßt  der 
Große  Kurfürst  durch  Philipp  de  GhlMe  dieses  Werk  ausführen.  Anfangs 
bedient  man  sich  bei  demselben  hölzerner  Schleusen,  die  aber  1699  durch 
steinerne  Schleusen  ersetzt  werden. 

1662  Jean  Baptiste  CollMrt  vereinigt  die  bis  dahin  in  Paris  zerstreuten  Werk- 
stätten von  Haute-  und  Basselisse-Weberei  in  der  Teppichfabrik  der  Nach- 
kommen des  im  15.  Jahrhundert  verstorbenen  Färbers  Jehan  Gobelin. 
Die  Manufaktur  erhält  nach  diesem  den  Namen  „Aux  Gobelins",  welcher 
Name  sich  auch  auf  die  dort  fabrizierten  Wandteppiche  überträgt. 

—  Regnier  de  Qraaff  entdeckt  die  nach  ihm  benannten  Follikel  im  Eierstock 
und  stellt  fest,  daß  die  Ovarien  die  Eier  erzeugen  und  reifen  lassen  und  daß 
die  Eier  nach  der  Befruchtung  durch  die  Tuben  in  den  Uterus  gelangen. 

—  John  Oraont  in  London  begründet  die  medizinische  Statistik. 

—  Marcello  Malpifhl  erforscht  zuerst  die  Entwicklung  des  Hühnchens  im  Ei 
mit  dem  Mikroskop  und  trägt  zur  näheren  Kenntnis  aller  Teile  des  Foetus, 
seiner  HüUen  und  seiner  Umgebung  bei.  Er  begründet  die  mikroskopische 
Anatomie  der  Tiere. 

—  Der  Marquis  von  Malvatia  beschreibt  in  seinen  „Ephemerides  novissimae 
motuum  coelestium**  das  Fadennetzmikrometer,  dessen  Erfindung  Venturi 
zufolge  von  Montanari  gemacht  sein  soll.  Es  besteht  aus  einem  System 
von  mehreren  feinen  und  senkrecht  einander  durchkreuzenden  Silberfäden. 

1663  Fran^ois  de  le  BoS  (Sylvius)  weist  auf  die  Alkohol-  und  Essigsäuregärung 
als  die  Typen  der  Vorgänge  hin,  deren  Vorkommen  er  im  Verdauungskanal 
annimmt.     Die  Verdauxmg  ist  ihm  ein  chemischer  Prozeß.     Die  alkalische 

9* 

—     131     — 


1668 

Galle  dient  dazu,  den  Speisebrei  zu  neutralisieren,  und  ihn  in  Chylus  und 
Faeces  zu  sondern.  Zur  Bildung  des  Chylus  trägt  andrerseits  auch  der 
Pankreassaft  bei,  dem  Sylvius  saure  Reaktion  zuschreibt.  Er  kennt  auch 
bereits  den  Speichel  als  Verdauungssaft. 

1663  Nachdem  Albertus  Magnus  (1260)  zuerst  das  Zusammenschmelzen  von 
Schwefel  mit  Alkalien  erwähnt  und  Lahavius  (1695)  gelegentUcb  eine 
Vorschrift  für  die  Auflösung  des  Schwefels  in  wässerigem  AlkaU  gegeben 
hatte,  gibt  Eobert  Boyld  genaue  Anweisungen  für  Bereitung  der  Schwefel- 
leber sowohl  durch  Auflösung  von  Schwefel  in  kochendem  wässerigem 
als  auch  in  schmelzendem  trocknem  EalL  Er  weiß  bereits,  daß  sich 
Metalle  in  Schwefelleber  lösen  und  erwähnt  auch  die  Auflösung  des  Spieß- 
glanzes in  derselben  sowie  die  Schwärzung  des  Silbers  durch  Sohwefelleber- 
lösung.  Bei  spätem  Untersuchungen  ergibt  sich,  daß  die  Schwefelleber 
nicht,  wie  man  früher  glaubte,  aus  Schwefelkalium  besteht,  sondern  ^n 
Gremenge  von  KaUumsupersulfureten  und  unterschwefligsaureni  oder 
schwefelsaurem  Kali  darstellt.     (Vgl.  auch  1608  B.) 

—  Robert  Boyie  spricht  in  seinen  „Experiments  and  oonsiderations  touching 
colours"  von  den  Niederschlägen,  welche  Alaun  und  Pottasche  oder  Blei- 
essig mit  Farben  hervorbringen.  Der  Gebrauch  des  Alauns,  um  die  Farben 
auf  Stoffen  zu  fixieren,  war  schon  lange  vorher  allgemein  bekannt.  (S. 
a.  624.) 

—  Robert  Boyld  bereitet  zuerst  das  Chlorwismut  ( Wismut butter)  durch  Er- 
hitzen von  Quecksilbersublimat  mit  Wismut. 

—  Otto  von  GuMicke  macht  elektrische  Versuche  mit  einer  Sohwefelkugel,  die 
in  schnelle  Rotation  versetzt  und  mit  der  flachen  Hand  gerieben  wird. 
Er  sieht,  daß  sie  leichte  Körper  nicht  nur  anzieht,  sondern,  was  Gilbert 
(s.  1600  G.)  noch  übersehen  hatte,  nach  einiger  Zeit  wieder  abstößt,  und  be- 
merkt zuerst  das  elektrische  Leuchten  der  Kugel,  aber  nicht  den  elektrischen 
Funken. 

^      Nicolas  Lequln  erfindet  die  elastischen  Bruchbänder. 

—  Giles  Persone  de  Robenral  erfindet  das  G^wichtsaraeometer,  welchem  Fahren- 
heit  (1724)  einen  Teller  zum  Auflegen  der  Gewichte  hinzufügt.  Die  heutige 
Form  erhält  das  Instrument  durch  William  Nicholson.    (S.  1787  N.) 

—  Hendryk  van  Roonhuyzt  veröffentlicht  ein  Buch  über  die  Frauenkrank- 
heiten, worin  er  ausführlich  den  Scheidenprolaps,  die  Blasenscheidenfistel, 
die  er  zuerst  durch  Operation  (Blasenscheidenfistelnaht)  schließt,  die 
operative  Öffnung  der  Vagina  u.  a.  beschreibt. 

—  Nicolaus  StMionIs  weist  nach,  daß  sich  das  Herz  wie  ein  Muskel  verhält 
und  leitet  seine  Zusammenziehung  von  der  Kontraktion  der  Muskeln  her. 
Er  entdeckt  den  Ausführungsgang  der  Ohrspeicheldrüse  (Ductus  Steno- 
nianus)  und  den  Ausführungsgang  der  Tränendrüse. 

1664  Robert  Boyle  beschreibt  die  Krystalle  von  wasserhaltigem  Kupferchlorid, 
welche  aus  einer  Auflösung  von  Kupfer  in  Salzsäure  sich  bilden  und  in 
Weingeist  löslich  sind,  und  kennt  das  Kupferchlorür. 

—  Da  die  hygrometrische  Methode  des  Nicolaus  de  Cusa  (s.  1440)  sich  als 
ungenau  erweist,  bestimmt  Folll  da  PoppI  den  Feuchtigkeitsgrad  der  Luft 
mit  Hufe  der  Längen  Veränderung  eines  Papierstreifens ,  der  in  der  Mitte 
mit  einem  Grewicht  belastet  ist  und  den  er  später  durch  einen  Pergament- 
streifen ersetzt  (Hygrometer). 

—  Regnier  de  Graaff  sammelt  und  untersucht  den  Pankreassaft  aus  Fisteln. 
Die  Alkalinität  des  Saftes  finden  jedoch  erst  Tiedemann  und  Gmelin 
(s.  1823  T.),  die  Speichelähnlichkeit  Leuret  und  Lassaigne. 

-—  Der  englische  Arzt  Hcnshaw  konstruiert  den  ersten  pneumatischen  Apparat 
in  Form  einer  gemauerten  Kammer,  in  welcher  durch  von  außen  wirkende 

—     132     — 


1666 

Blasebälge  und  Ventile  die  Luft  je  nach  Belieben  verdichtet  oder  verdünnt 
werden  kann. 

1664  Der  Mathematiker  Ea«par  Schott  in  Würzburg  beschreibt  in  seinem  Werke 
„Technica  curiosa"  eine  Taucherglocke.  Eine  Beschreibung  derjenigen 
Taucherglocke,  mit  der  i.  J.  1665  eine  Hebung  der  Schätze  der  versunkenen 
spanischen  Armada  versucht  wurde,  gibt  Sinclair  1669  in  seiner  „Ars  nova 
et  magna  gravitatis  et  levitatis". 

—  Jacques  Labessie  de  Soteytcl,  französischer  Stallmeister  und  Tierarzt,  be- 
handelt in  seinem  Werke  „V^ritable  parfait  Mar^chal*'  ausführlich  die 
Krankheiten  des  Pferdes.  Er  verwendet  Ringe  von  Blei  und  Pasten  von 
Arsenik  und  Kupfervitriol  zu  Fontanellen,  und  greift  in  die  gesamte  Tier- 
heilkunde vielfach  reformatorisch  ein.  Sein  Werk  wird  in  fast  sämtliche 
Sprachen  Europas  übersetzt. 

—  Jacques  Labessie  de  Sotoytcl  weist  die  Übertragbarkeit  des  Rotzes  von  Pferd 
auf  Pferd  nach.  Die  Übertragbarkeit  der  Krankheit  auf  den  Menschen 
wird  zuerst  eingehend  von  Schilling  (1821)  begründet. 

—  Nicolaus  Mnonit  untersucht  zuerst  das  Gefäßsystem  der  Ghoroidea  und 
erkennt  den  venösen  Charakter  der  Venae  vorticosae. 

1665  Giuseppe  GampMil  macht  sich  durch  die  Konstruktion  seiner  Fernrohre 
berühmt.  Die  Brennweite  seiner  Objektive,  die  den  vollkommensten 
heutigen  Erzeugnissen  kaum  nachstehen,  ist  so  bedeutend,  daß  die  In- 
strumente nicht  mit  Röhren  (Tuben)  versehen  werden  können,  vielmehr 
das  Objektiv  auf  der  Spitze  eines  Mastes  befestigt  werden  muß,  während 
der  Beobachter  das  Okular  in  die  Hand  nimmt.  Campani  liefert  auch  die 
Gläser,  mit  denen  Giovanni  Domenico  Cassini  seine  großen  Entdeckungen 
macht.  Er  setzt,  zur  Vermeidung  der  sphärischen  und  chromatischen 
Aberration,  seine  Okulare  und  Objektive  schon  aus  mehreren  Linsen 
zusammen.  Auch  Huygens  und  Divini  zeichnen  sich  durch  den  Bau  von 
Femrohren,  deren  Brennweite  ein  erhebliches  Vielfaches  von  ihrer  Öffnung 
ist,  aus.    (Luftfemrohre.) 

—  Francesco  Maria  Qriimikll  ist  der  erste,  der  Interferenzerscheinungen  be- 
obachtet und  auf  diese  hin  den  Satz  ausspricht,  daß  Licht,  zu  Licht  hinzu- 
gefügt, Dimkelheit  erzeugen  könne.  Er  beobachtet  auch  zuerst  die  Beu- 
gungserscheinungen des  Lichtes  und  beschreibt  zuerst  das  durch  ein  Prisma 
erzeugte  Sonnenspektrum. 

—  Robert  Nooke  entdeckt  und  erklärt  die  Farben  dünner  Blättchen,  die  er 
auf  eine  Verwirrung  der  an  den  Grenzflächen  der  dünnen  Schicht  reflek- 
tierten Schwingungen  zurückführt  und  erfindet  das  „Newton'sche  Farben- 
glas". Er  spricht  zuerst  aus,  daß  das  Licht  aus  einer  schnellen  und  kurzen, 
vibrierenden  Bewegung  bestehe. 

—  Robert  Nooke  konstruiert  ein  Mikroskop,  dessen  Okular  und  Objektiv  aus 
je  einer  SammelUnse  bestehen,  und  setzt  zwischen  diese  beiden  Linsen  nahe 
dem  Okular  eine  dritte,  das  sogenannte  KoUektivglas. 

—  Robert  Nooke  bemerkt  zuerst  den  Farbenwechsel  in  der  SzintiUation  (Fun- 
keln) der  Sterne. 

—  Christian  Nuysent  macht  29  Jahre  vor  Carlo  Renaldini,  dem  man  bisher 
diese  Idee  zuschrieb,  den  Vorschlag,  als  Fundamentalpunkte  für  das  Thermo- 
meter den  Schmelzpimkt  des  Eises  und  den  Siedepunkt  des  Wassers  zu 
benutzen. 

—  Christian  Nuysont  beobachtet,  daß  zwei  auf  einer  gemeinsamen  Unterlage 
befestigte  Pendeluhren  nach  einiger  Zeit  gleichen  Gang  annehmen.  Spätere 
Untersuchungen  über  die  „sympathetischen  Pendeluhren"  werden  von 
Ellicot  (1739),  Breguet,  Laplace,  Savart,  Poisson  und  Resal  (1873)  ge- 
macht. 

—     133     — 


1665 

1665  Athanasius  KlrdMr  gibt  die  ersten  Karten  der   Meeresströmungen   heraus. 

—  Friedrich  Ruysch  in  Amsterdam  untersucht  durch  künstliche  Injektion  die 
Grefäßverteilung  in  den  verschiedenen  Organen  des  Körpers  und  fertigt 
mit  Hilfe  seiner  Methode  eine  ausgedehnte  Sammlung  anatomischer  Prä- 
parate an. 

—  Nicolaus  StMionit  entdeckt  die  Ohrenschmalzdrüsen. 

—  Der  dänische  Mathematiker  Thomas  WalfMMtelii  erfindet  die  Latema  magica 
tmd  die  Projektionskunst  (s.  Prometheus  1904  S.  314).  Athanasius  Kircher 
kann  somit  nicht  mehr  als  der  Erfinder  gelten,  indem  er  erst  in  der  1671 
erschienenen  zweiten  Auflage  seiner  „Ars  magna  lucis  et  umbrae"  eine 
überdies  z.  T.  unklare  Beschreibung  der  Latema  magica  gibt. 

—  Der  Prämonstratensermönch  Johann  Zahn  beschreibt  zuerst  eine  trans- 
portable Camera  obscura.  Seine  Camera  besitzt  in  Röhren  gefaßte  Linsen. 
£r  berücksichtigt  den  Einfluß  der  Brennweiten  seiner  Sammellinsen  auf 
Bildgröße  und  Bildabstand.  Er  verwendet  auch  einen  schräg  gestellten 
Umkehrungsspiegel. 

1666  Der  Ingenieur  Fran^ois  Andriony  baut  auf  Kosten  von  Pierre  Paul  Biquet 
den  Canal  du  Midi  (Languedoc- Kanal),  der  den  Atlantischen  Ozean  mit 
dem  MitteUändischen  Meere  verbindet,  20  m  breit,  239,5  km  lang  ist 
imd  100  Schleusen  und  über  100  Brücken  hat.  Für  diesen  Kanal  wird 
von  1679—1681  der  Malpas-Tunnel  als  erster  Tunnel  mit  Sprengarbeit  aus- 
geführt, der  bei  einer  Breite  von  6,9  m  und  einer  Höhe  von  8,4  m  eine 
Länge  von  157  m  hat. 

—  Der  englische  Eektor  John  Btal  macht  die  ersten  Beobachtungen  über 
die  täglichen  Barometerschwankungen. 

—  Giovanni  Alfonso  Bortill  spricht  zuerst  den  Gedanken  einer  parabolischen 
Form  der  Kometenbahn  aus.  Er  erfindet  den  Heliostat,  der  den  Zweck 
hat,  ein  Strahlenbündel  Lichtes  unveränderlich  in  einer  gewissen  Richtung 
zu  reflektieren  und  dessen  Erfindung  mit  Unrecht  W.  J.  s'  Gravesande  zu- 
geschrieben wird. 

—  Das  Germaiüsche  Muteum  in  Nürnberg  bewahrt  das  älteste  bekannte  ein- 
farbige Buntpapier,  das  handschriftlich  die  Jahreszahl  1666  trägt,  von 
braunroter  Farbe  ist  und  deutlich  das  Auftragen  der  Farbeflüssigkeit  mit 
dem  Pinsel  erkennen  läßt.  Es  ist  aber  nach  älteren  Bezeptbüohem  anzu- 
nehmen, daß  solches  Papier  bereits  im  15.  Jahrhundert  angefertigt  wurde. 

—  Jean  de  La  Qulntinye  betont  die  Wichtigkeit  des  Veredeins  der  Obstbäume 
imd  verbreitet  die  Kunst  des  Pfropfens  und  Okulierens  in  weiteren  Kreisen. 

—  Gottfried  Wilhelm  von  LMnli  erörtert  in  seinem  Werke  „De  arte  combina- 
toria"  neben  einer  pasigraphischen,  nur  für  wissenschaftliche  Zwecke  ge- 
eigneten BegriffsBchrift  (s.  1500  Trithemius)  auch  eine  auf  der  Lautsprache 
beruhende,  für  den  bürgerlichen  Gebrauch  verwendbare  Universalsprache. 
(VgL  auch  1652  L.) 

—  Der  französische  Chemiker  Nicolas  LMntry  schlägt  vor,  zur  Darstellung 
der  Schwefelsäure  Schwefel  mit  Salpeter  gemischt  in  einer  feuchten  Flasche 
zu  verbrennen. 

—  Richard  Low«r,  der  vorher  schon  an  Hunden  mit  Bier-,  Wein-  und  Milch- 
infusionen experimentiert  hat,  führt  die  nachweislich  erste  direkte  Trans- 
fusion an  Tieren  aus,  indem  er  das  Blut  aus  der  Arteria  cervicalis  eines 
Hundes  in  die  Vena  jugularis  eines  andereren,  dem  vorher  bis  zu  gänz- 
licher Ermattung  Blut  abgeimpft  war,  leitet.  (S.  1615  L.) 

—  Heinrich  Meibom  beschreibt  die  Augenliddrüsen,  die  nach  ihm  die  Meibom- 
schen  Drüsen  genannt  werden. 

—  Isaac  Newton  stellt  zur  Erklärung  der  optischen  Erscheinungen  die  so- 
genannte EmiBsions-  oder  Emanationstheorie  des  Lichtes  auf,  wonach  das 

—     134     — 


1667 

Licht  aufi  sehr  kleinen,  mit  ungeheurer  Geschwindigkeit  von  den  leuch- 
tenden Körpern  fortgeschleuderten  Teilchen  der  lichtkörperchen  bestehen 
sollte. 

1666  Isaac  Ntwton  stellt,  von  der  fimanationstheorie  ausgehend,  als  erster  ein 
Maß  für  die  lichtbrechende  Kraft  der  Stoffe  auf  in  dem  Ausdruck  n^— 1 :  d, 
wo  n'  das  Quadrat  des  Brechungsindex  und  d  die  Dichte  des  Körpers  be- 
deutet.   Er  nennt  die  lichtbreohende  Kraft  „Absolute  refractive  power". 

—  Isaac  NewtMl  findet  durch  Rechnung  die  Größe  der  Abplattung  der  £rde 

—  Otto  TacbMius  empfiehlt  als  das  reinste  kohlensaure  Ammoniak  (flüchtiges 
Laugensalz)  das  aus  Salmiak  mit  kohlensaurem  Kali  bereitete.  Die  Dar- 
stellung aus  Blut  oder  Urin  mit  einem  Zusatz  von  Pottasche  erwähnt 
Mayow  1669. 

—  Otto  TadiMlus  erweitert  die  Kenntnisse  in  der  chemischen  Analyse  mehr 
als  irgend  einer  seiner  Vorgänger  und  macht  darauf  aufmerksam,  daß 
der  wesentliche  Charakter  einer  Säure  darin  bestehe,  daß  sie  sich  mit 
Alkalien  zu  Salzen  verbinde,  daß  die  Benennung  „Salz"  also  auf  die  Ver- 
bindung von  Säuren  und  Alkalien  zu  beschränken  sei. 

^  Isaac  VoMiiit  ermittelt  die  Depression  des  Quecksilbers  in  sorgfältig  ge- 
reinigten CapiUarröhrchen. 

1667  Adrien  AuiNit  verbessert  das  von  Malvasia  angegebene  Fadennetzmikro- 
meter, indem  er  dasselbe  mit  der  von  Gascoigne  für  Mikrometerzwecke 
zuerst  benutzten  Schraube  versieht,  die  gestattet,  die  auf  einem  Rahmen 
befestigten  Fäden  beliebig  zu  verschieben. 

^  Robert  Boyle  vertieft  die  analytische  Untersuchung  der  Substanzen  auf 
nassem  Wege.  Er  benutzt  zum  Nachweis  von  Schwefelsäure  und  Salzsäure 
die  Lösung  von  Kalk-  und  Silbersalzen  und  macht  systematische  Unter- 
suchungen über  die  Reaktion  der  Galläpfel  und  anderer  pflanzlicher  Stoffe 
auf  die  Lösimgen  der  Vitriole.  Diese  Untersuchungen  bilden  die  Grund- 
lage der  Tintenchemie.  £r  charakterisiert  die  Säuren  noch  genauer  als 
Tachenius  nach  ihrer  auflösenden  Kraft,  die  sie  auf  verschiedene  Sub- 
stanzen üben  und  dadurch,  daß  sie  die  Farben  vieler  Pflanzen  in  andere 
Farben  umwandeln  und  die  durch  Alkalien  veränderten  Pflanzenfarben 
wieder  herstellen.  Er  wird  hiermit  der  Entdecker  der  Farbindikatoren 
und  schafft  dadurch  die  Vorbedingungen  für  die  Alkalimetrie.  Er  schüdert 
namentlich  das  Verhalten  von  Blauholz,  Femambuk,  Cochenille,  Cur- 
cuma,  Veilchensirup,  welch  letzterer  durch  Säuren  gerötet  und  durch 
Alkalien  grün  gefärbt  wird. 

—  Robert  Boylf  veröffentlicht  ausführliche  Versuchsreihen  von  Kältemischun- 
gen. Er  erwähnt,  daß  die  Vermischung  von  Schwefelsäure,  Salzsäure  und 
besonders  Salpetersäure  mit  Schnee  Kälte  erzeugt  und  daß  Salmiak,  in 
Wasser  gelöst,  dieselbe  Erscheinung  hervorruft.  Er  gibt  die  richtige  Er- 
klärung, daß  das  Auftreten  der  Kälte  darauf  beruhe,  daß  die  Salze  den 
Aggregatzustand  des  Eises  und  Schnees  ändern,  indem  sie  Schmelzung  be- 
wirken. (S.  a.  1550.) 

—  Giovanni  Domenico  Gattlnl  berechnet  auf  Grund  der  Beobachtung  einiger 
Flecke  auf  der  Oberfläche  der  Venus  eine  Rotation  dieses  Planeten,  die 
er  zu  23 — 24  Stunden  findet. 

^  Jean  Miiit  und  Eminerez  führen  am  14.  Juni  die  erste  direkte  Bluttrans- 
fusion mit  Überleitung  von  Lammsblut  an  einem  entkräfteten  Menschen 
durch,  dessen  Kräftezustand  sich  sichtlich  gehoben  haben  soll.  (S.  1666  L.) 

—  Robert  Nooke  äußert  in  seiner  „Mikrographie"  klare  Anschauungen  über 
das  Wesen  der  Wärme:  „Die  Wärme  ist  nichts  weiter,  als  eine  sehr 
lebhafte  und  heftige  Bewegung  der  Körpermoleküle.''    Ebenso  urteilt  er 

—     135     — 


1667 

ziemlich  klar  über  die  Materie  und  die  Bewegung,  von  denen  er  sagt 
„Sie  sind,  was  sie  sind,  Mächte,  geschaffen  vom  Allm&ohtigen,  zu  sein 
was  sie  sind  und  zu  wirken,  wie  sie  tun,  welche  unveränderlich  sind  m 
G-anzen,  weder  sich  vermehren,  noch  sich  vermindern.*' 

1667  Robert  Nooke  konstruiert  zuerst  das  Pendel-Anemometer,  welches  durr| 
den  Winkelausschlag  einer  dem  Winde  senkrecht  entgegenstehenden  pen 
delnd  aufgehängten  Tafel  die  relative  Windstärke  zu  messen  gestatte! 
Von  manchen  Seiten  wird  diese  Erfindung  Christopher  Wren  oder  aucl 
Rooke  zugeschrieben. 

—  Robert  Nooke  beobachtet  mit  dem  Mikroskop  den  zelligen  Bau  der  Pflanze 
und  gebraucht  zuerst  den  Ausdruck  „Zelle**. 

—  Robert  Nooke  gibt  zuerst  die  Idee  an,  die  menschliche  Stimme  durch  eint^ 
straff  gespannten  Faden  auf  entferntere  Strecken  zu  übertragen. 

—  Christian  Nuygent  beweist  die  Tatsache,  daß  sich  das  Wasser  beim  Gi 
frieren  ausdehnt  und  daß  die  Kraft,  mit  der  sich  das  Wasser  beim  G^ 
frieren  auszudehnen  bestrebt  ist,  sehr  beträchtlich  ist,  dadurch,  daß  « 
ein  eisernes  mit  Wasser  gefülltes  Geschützrohr  durch  die  Kraft  des  frieret 
den  Wassers  sprengt.    (S.  1635  A.) 

—  Gottfried  Wilhelm  von  Lelbnli  erfindet  eine  Rechenmaschine,  welche  di 
Pascal'sche  (s.  1642  P.)  an  Leistungsfähigkeit  noch  übertrifft. 

—  Walter  Needham  tritt  in  seiner  „Disquisitio  de  formato  foetu**  zuerst  daf^ 
ein,  daß  der  Foetus  nicht  durch  die  lymphatischen  Grefäße,  sondern  durcj 
die  Placenta  ernährt  werde. 

—  Karl  RayfOTi  Physikus  der  Stadt  Preßburg,  macht  in  einem  forensisch«^ 
Fall  die  erste  praktische  Anwendung  von  der  Galen'sohen  Lungenschwimtzi 
probe,  die  beim  Verdacht  eines  Kindsmords  aus  dem  Schwimmen  od< 
Niedersinken  der  Liinge  im  Wasser  dartun  soll,  ob  das  Kind  nach  d^ 
Geburt  Luft  geatmet  hat  oder  nicht.  Der  zweite  praktische  Versuch  wir 
1682  von  Johann  Schreyer  in  Zeitz  gemacht. 

—  Nicolaus  StMioiils  weist  auf  das  Vorkommen  von  Eiern  in  den  immer  nocj 
als  Testes  bezeichneten  weiblichen  Geschlechtsdrüsen  der  viviparen  Tier 
und  auf  deren  Analogie  mit  den  Ovarien  der  eierlegenden  Tiere  hin. 

—  Richard  Townley  konstruiert  die  erste  bekannte  Teilmaschine. 

-^  Thomas  Willis  erforscht  den  Bau  des  Gehirns  und  entdeckt  den  nach  ihm  U 
nannten  „Circulus**  der  Himarterien.  Er  beschreibt  den  Nervus  aoceesohij 
und  den  Nervus  laryngeus  superior  und  die  Funktion  des  Kehlkopfes.  Da 
schon  von  Aretaeus  gekannte  Bronchialasthma  erklärt  er  als  Bronchiai 
krampf.  Er  versucht  die  Himfunktionen  zu  trennen  und  sie  verschieden^ 
Himteilen  zuzuschreiben,  womit  er  ein  Vorläufer  der  Lokalisation  wird. 

1668  Unter  Benutzung  der  von  Desargues  gegebenen  Anregimgen  begründe 
Bosse  die  räumliche  oder  Reliefperspektive,  die  für  den  Bildhauer  dij 
leistet,  was  für  den  Maler  die  gewöhnliche  Perspektive  bietet.  Eine  weite« 
Ausbildung  erfährt  die  Reliefperspektive  durch  Petitot  (1758)  und  J.  i 
Breysig  (1798). 

—  William  Brouncker,  Viscount  of  Castle  Lyons,  fördert  die  Reihenlehre  dtm 
seine  Abhandlung  „The  squaring  of  the  Hyperbola  by  an  infinite  smi 
of  rational  numbers**.  Er  gibt  zuerst  eine  Quadratur  der  Hyperbel  durd 
Reihen  ( Broun cker'sche  Reihen.) 

—  Eustachio  Dhflnl  verbessert  das  zusammengesetzte  Mikroskop,  indem  i 
dasselbe  mit  einem  aus  zwei  plankonvexen  Linsen  bestehenden  Okular  vei 
sieht,  welches  die  Gegenstände  flach  anstatt  gekrümmt  sehen  läßt,  d.  ) 
die  sphärische  Aberration  vermindert. 

—  Denis  Dodart  spricht  sich  über  die  Mittel,  die  Eigenschaften  einer  Pflani 
zu  entdecken,  aus.     Er  empfiehlt  in  erster  Linie  die  Prüfung  der  Dekokf 

—     136     — 


I  1669 

mit  Eisenvitriol  und  Bleiweiß,  in  zweiter  Linie  die  Klärung  und  Ein- 
dampfung der  Säfte.  (S.  a.  1647  Sala.)  Er  wendet  vielfach  auch  noch  die 
Pyroanalyse  an,  gegen  welche  als  unzweckmäßig  schon  Robert  Boyle  1661 
zvL  Feld  gezogen  war. 

1668  Edxne  M«rl«tto  entdeckt  gelegentlich  seiner  Studien  über  den  Gesichtssinn 
den  blinden  Fleck  der  Netzhaut  (Mariotte*scher  Fleck).     (S.  a.  1852  L.) 

—  Fran^ois  ManrtoMUi  gibt  ein  ausführliches  Buch  über  Geburtshilfe  heraus, 
das  namentlich  auf  technischem  Gebiete  einen  großen  Fortschritt  bedeutet. 
Er  erörtert  dann  u.  a.  die  Herkimft  des  Fruchtwassers,  die  Bildung  der 
Milch  in  den  Brüsten,  die  Tubengravidität,  das  Puerperalfieber. 

—  John  Wallis  in  Oxford  ermittelt  die  Stoßgesetze  völlig  unelastischer  Kör- 
per und  tut  in  seiner  Methode  der  Quadration  den  ersten  Schritt  zur  Inte- 
gralrechnung. Er  unterscheidet  zuerst  Potenzen  mit  gebrochenen  und 
negativen  Exponenten. 

1669  Erasmus  Bartiiollnin  entdeckt,  daß  ein  Lichtstrahl,  wenn  er  durch  isländischen 
Doppelspat  geht,  in  zwei  Strahlenbündel  zerlegt  wird.  (Doppelbrechung 
des  Lichts.) 

—  Johann  Joachim  BmImt  hebt  in  seiner  ,,Phy8ica  subterranea'*  als  erster  die 
chemischen  Kennzeichen  der  Mineralien  hervor. 

—  Brantf  entdeckt  den  Phosphor  und  stellt  ihn  aus  Harn  dar. 

—  Christian  Hiiygtiit  gibt  in  seiner  Abhandlung  „De  motu  corporum  ex  per- 
eussione*'  die  Gesetze  für  den  Stoß  elastischer  Körper. 

—  Richard  Lowar  schildert  in  seinem  „Tractatus  de  corde"  genau  die  Muskel- 
fasern des  Herzens  und  deren  Bestimmung,  leitet  die  Bewegung  des  Herzens 
vom  Einfluß  der  Nerven  her  xmd  gibt  an,  daß  dasselbe  Blut  fast  dreizehn - 
mal  in  einer  Stunde  durch  das  Herz  hindurchgehe.  Er  führt  die  helle 
Farbe  des  arteriellen  Blutes  auf  dessen  Mischung  mit  Luft  zurück. 

—  John  Mayow  ermittelt  als  erster  das  spezifische  Gewicht  eines  künstlich 
dargestellten  Gases,  indem  er  von  dem  Rückstand  der  atmosphärischen 
Luft,  die  zur  Unterhaltimg  der  Verbrennung  gedient  hat,  soweit  er  von 
Wasser  nicht  aufgenommen  wird,  angibt,  er  sei  etwas  leichter  als  ge- 
meine Luft. 

^-  John  Mayvw  zeigt  durch  das  Experiment,  daß  bei  der  Verbrennung  wie 
beim  Atmen  das  Volum  der  Luft  vermindert  wird  und  betrachtet  das 
Atmen  als  einen  dem  Verbrennen  ähnlichen  Prozeß;  die  Entstehimg  der 
Blntwärme  betrachtet  er  als  auf  einer  Gärung  beruhend.  Die  Substanz, 
die  aus  der  Luft  hinweg  genommen  wird,  bezeichnet  er  als  eine  salpetrige 
(Particulae  nitro-aereae). 

—  Isaac  NewtMl  veröffentlicht  seine  Abhandlung  „De  analysi  per  aequationes 
numero  terminorum  infinitas^S  deren  wesentlichen  Inhalt  der  binomische 
Lehrsatz  bei  beliebiger  Annahme  des  Exponenten  und  die  Auflösung  von 
Gleichungen  bildet. 

1669 — 70  Die  durch  Jean  PIcanI  zwischen  Sourdan*  bei  Amiens  und  Malvoisine 
bei  Paris  durchgeführte  Gradmessung,  bei  welcher  zum  ersten  Maie  das 
Femrohr  mit  Fadenkreuz  (s.  1662  M.  und  1667  Auzout)  Anwendung  findet, 
wird  dadurch  bedeutungsvoll,  daß  sie  Newton  in  den  Stand  setzt,  sein 
Gravitationsgesetz  als  richtig  zu  erkennen. 

1669  Nicolaus  StMonlt  begründet  mit  seiner  Schrift  „De  solide  intra  soUdum 
naturahter  contento'*  die  Krystallographie  und  die  Stratigraphie  (Lehre 
von  den  Erdschichten)  und  gibt  eine  Theorie  von  der  Entstehung  der  Erde, 
die  ihn  als  Begründer  des  Neptunismus  erscheinen  läßt.  Er  stellt  am 
Bergkrystall  die  Konstanz  der  Kanten winkel  der  Krystalle  fest,  eine  Be- 
obachtung, die  nach  Q.  Sella  schon  1540  Biringuccio  am  Pyrit  gemacht 
haben  soll. 

-     137     — 


1669 

1669  Jan  Swammortan  macht  bahnbrechende  Untersuchungen  über  den  Bau  uifi 
die  Entwicklung  der  Bienen  und  die  Fortpflanzung  und  Verwandlung  ä\ 
Insekten  überhaupt  und  stellt,  indem  er  die  bis  dahin  bestehende  Ansicl 
von  der  Urzeugung  niederer  Tiere  beseitigt,  die  Theorie  auf,  daß  die  En 
stehung  der  Wesen  eine  Enthüllung  (Evolution)  ihrer  schon  vorhanden^ 
Keime  sei. 

1670  Der  Landwirt  von  AmMüi  in  Paddern  in  Kurland  konstruiert  eine  Muh] 
die  das  Gretreide  durch  einen  runden  Boden  den  durch  Wasser  angetrieben^ 
Flegeln  zuführt,  wobei  das  Dreschgut  auch  ausgesiebt  wird  (DreschmasebiiK 

—  Nachdem  das  Lötrohr  zuerst  um  das  Jahr  40  und  danach  in  den  B 
richten  der  Academia  del  Cimento  zu  Florenz  (1660)  flüchtig  erwähi 
worden  war,  benutzt  Erasmus  Barthollnut  das  Lötrohr  zuerst  zu  Zwecke 
der  Mineralchemie. 

—  Nachdem  bis  dahin  der  Glaube  verbreitet  gewesen  war,  daß  die  im  Was* 
lebenden  Tiere  anstatt  Luft  Wasser  atmen,  zeigt  zuerst  Robert  B«ylf,  di 
Luft  auch  für  das  Leben  der  Wassertiere  erforderlich  sei. 

—  Thomas  Haie  in  Deptford  baut  die  erste  Walzmaschine  zur  Herstellung  v< 
Bleiplatten.     Bis   dahin  waren  die  Bleiplatten  lediglich  gegossen  worde] 

—  Hobbet  und  Montanarl  erklären  gleichzeitig  das  Zerspringen  der  Glasträn« 
beim  Ritzen  aus  den  Spannungsverhältnissen.  Die  Ansicht,  daß  Asmadl 
die  Tränen  resp.  die  Bologneser  Fläschchen  1716  erfunden  habe,  kaH 
demgegenüber  und  weü  nach  dem  Bremer  Rektor  Schulenburg  dieselbe 
in  mecklenburgischen  Glashütten  schon  um  1625  bekannt  waren,  nie] 
aufrecht  erhalten  werden. 

—  Robert  Nooke  konstruiert  den  ersten  selbstregistrierenden  Regenmesser.  Unt^ 
den  später  konstruierten  derartigen  Apparaten  (Ombrographen)  findet  di 
von  Hottinger  die  weiteste  Verbreitung.    (S.  a.  1639  C.) 

—  Francesco  Lana  bildet  eine  fliegende  Barke  ab,  die  durch  (luftleer  gemachte I 
metallene  Kugeln  getragen  wird. 

—  Marcello  Malplghl  entdeckt  die  Malpighi'schen  Körperchen  der  Milz,  d^ 
Malpighi'sche  Netz  (Rete  Malpighii)  und  die  Malpighi'schen  Knäuel  in  d< 
Niere. 

—  Marcello  Malpighi  entdeckt,  unabhängig  von  Robert  Hooke,  die  Pflanze^ 
Zellen,  die  er  ütriculi  nennt  und  findet,  daß  die  Blätter  diejenigen  Organ 
sind,  welche  die  Nahrung  der  Pflanzen  bereiten.    (Vgl.  1667  H.) 

—  Samuel  MorUuid  erfindet  das  Sprachrohr,  das  eine  Anwendung  der  Reflexion^ 
gesetze  des  SchaUs  darstellt.  Er  bringt  dasselbe  zur  Nachrichtenübe^ 
mittelung  auf  weite  Entfernungen,  namentlich  im  Schiffsdienste,  zur  Ae 
Wendung. 

—  Der  französische  Theologe  Gabriel  Mouton  äußert  zuerst  die  Idee  eini 
natürlichen  Grund maßes.  Er  will  als  solches  die  Minute  eines  Meridiaz 
grades  annehmen  und  dieselbe  „Mille"  nennen. 

—  Isaac  Newton  zerlegt  durch  ein  Glasprisma  das  Sonnenlicht  in  seine  farbige 
Bestandteile  und  weist  nach,  daß  Lichtstrahlen  von  verschiedener  Farl^ 
verschieden  brechbar  und  die  prismatischen  Farben  wirklich  einfacl^ 
Farben  sind  (Dispersion  des  Lichts).  1 

—  Der  Töpfer  Paimer  in  Burslem  erfindet  das  „Salzen",  ein  Verfahren  m 
Glasieren  des  Steinzeugs,  das  darin  besteht,  daß  man  während  des  Brand«! 
namentlich  am  Ende  desselben,  Salz  in  die  Feuerung  wirft. 

—  Jean  PIcanI  entdeckt,  daß  alle  Pendeluhren  im  Sommer,  wegen  der  Vd 
längenmg  des  Pendels  durch  die  Wärme,  langsamer,  im  Winter,  wegw 
der  Verkürzung  des  Pendels  durch  die  Kälte,  schneller  gehen. 

—  Giovanni  Batrista  Riccioii  berechnet  zuerst  aus  der  Breite,  der  mittler* 
Tiefe  und  der  Geschwindigkeit  eines  Stromes  dessen  WasserfüUe. 

—     138     — 


1678 

00  Gfles  Persone  dt  RoNrval  erfindet  die  Roberval'sche  obersohalige  Wage. 

•     Hemrioh  Miwankhinlt  (oder  Schwanhard)  in  Nürnberg  erfindet  die  Glas- 
fttzung  mit  FluOspat  und  Schwefelsäure. 

Der  sizilianiRche  Maler  Agoetino  Mihi  weist  an  einer  Reihe  von  Beispielen 
die  nahe  Übereinstimmung  fossiler  Grebilde  mit  TeUen  lebender  Tiere  nach 
und  tritt  entschieden  dafür  ein,  daß  sie  wirkhche  Reste  von  Tieren  seien, 
die  einst  gelebt  haben. 
Jan  SwamiMTdam  entdeckt  den  Muskelton. 

Thomas  Wlillt  spricht  in  seiner  Abhandlung  „De  medioamentorum  opera- 
tionibus"  zuerst  klar  aus,  daß  der  diabetische  Harn  von  wunderbarer  Süßig- 
keit, gleichsam  wie  von  Honig  oder  Zucker  durchtränkt  sei,  doch  schreibt 
er  den  süßen  Geschmack  einer  „Veränderung  der  Salze"  zu. 
Nachdem  schon  Brunfels  und  Bauhin  wahrgenommen  hatten,  daß  aus 
dem  Ameisenhaufen  ein  saurer  Dunst  aufsteige,  der  Pflanzenfarben  röte, 
gewinnt  zuerst  John  Wniy  die  Ameisensäure  durch  Destillation  und  ver- 
gleicht dieselbe  mit  der  Essigsäure. 

(71    Giovanni  Domenico  Cattlni  entdeckt  im  Oktober  den  achten  Satelliten  des  v 
Saturn,  der  den  Namen  Japetus  erhält. 

—  Athanasius  Klrcbtr  sucht  die  Ursache  der  meisten  Krankheiten,  insbesdndere 
der  Pest,  in  mikroskopischen  Organismen  der  Luft. 

—  Isaac  NtwtiNi  schreibt  seine  Abhandlung  „Methodus  fluxionum",  die  später 
von  John  Colson  in  englischer  Übersetzung  herausgegeben  wird.  Die 
Fluxiönsrechnung  ist  nichts  anderes,  als  die  von  Leibniz  (s.  1676  L.) 
selbständig  erfundene  Differentialrechnung.  Newton  hat  diese  Methode  im 
Wesentlichen  nur  für  seine  eigenen  Rechnungen  entwickelt,  während  erst 
Leibniz  sie  der  Allgemeinheit  zugänglich  macht. 

—  Nachdem  Zucchius  1608  den  Vorschlag  gemacht  hatte,  Hohlspiegel  als 
Femrohrobjektive  zu  verwenden  und  Mersenne  1639,  Gregory  1661  Instru- 
mente verfertigt  hatten,  die  aber  wegen  der  verwendeten  parabolischen 
Spiegel  keinen  Erfolg  hatten,  gelingt  es  Isaac  Ntwton,  durch  Anwendung 
eines  sphärischen  Spiegels  das  erste  brauchbare  Spiegelteleskop  zu  kon- 
struieren. 

—  Thomas  Willlt  betrachtet,  wie  John  Mayow,  das  Atmen  und  die  Verbren- 
nung als  gleiche  Prozesse,  erklärt  aber  die  Entstehung  der  Blutwärme  als 
von  der  Verbrennung  herrührend.  Auch  er  betrachtet  den  Bestandteil 
der  Luft,  der  die  Verbrennung  unterhält,  als  „Particulae  nitrosae".  Ähnliche 
Ansichten  äußert  1680  Robert  Boyle,  der  indes  davon  spricht,  daß  es 
nicht   nachgewiesen  sei,   daß  jener  Bestandteil  der  Luft  salpeterartig  ist. 

—  Jan  de  Witt,  Ratspensionär  von  Holland,  wendet  zuerst  die  Wahrschein- 
lichkeitsrechnung auf  die  Berechnung  der  Lebensrente  an.  Vgl.  seine 
Schiift  „Waerdye  van  lyfrenten  nar  proportie  van  los-renten*'. 

S72  Andr^  äiarles  BiMlIt  wird  durch  seine  musivischen  Arbeiten  mit  farbigen 
Hölzern,  die  er  in  die  Möbel  einlegt  und  mit  Bronzen  umgibt,  der  Be- 
gründer einer  neuen  Richtung  in  der  Möbeltischlerei  (Boulle- Möbel). 

—  Robert  Boyle  beobachtet  die  Erystallisation  des  Wismuts  aus  dem 
Schmelzflusse. 

—  Giovanni  Domenico  Cattlni  entdeckt  am  23.  Dezember  den  fünften  Satelliten 
des  Saturn,  der  den  Namen  Rhea  erhält. 

—  Francis  QiltMNi  in  London  lehrt  in  seiner  Schrift  „Tractatus  de  natura 
substantiae  energetica"  die  Irritabilität  der  belebten  tierischen  und  pflanz- 
lichen Gewebe,  d.  h.  deren  Fähigkeit,  auf  Reize  zu  reagieren.  Glisson 
schafft  damit  wichtige  Grundlagen  für  das  von  Brown  (s.  1780  B.)  auf- 
gestellte physiologische  System.  (S.  auch  1757  H.)  Er  stellt  experimentell 
fest,  daß  sich  das  Volumen  des  Muskels  bei  der  Kontraktion  nicht  ändert. 

—     139     — 


1672 

1672  Otto  von  Gutrkke  erwähnt  zuerst  die  farbigen  Schatten,  eine  Kontra 
erscheinung,  die  z.  B.  auftritt,  wenn  ein  Gegenstand  von  gelbem  Lamp 
licht  und  Yon  Mondlicht  gleichzeitig  beleuchtet  wird. 

—  Jan  van  der  Heydt  in  Amsterdam  erfindet  den  genähten  Segeltuchsoblau 
der  als  Druck-  und  Baugeschlauch  für  Feuerspritzen  dient.  Erst  sp^ 
entwickelt  sich  hieraus  der  genähte,  dann  der  genietete  Lederschlauch,  weii 
hin  die  gewirkten  Hanfschläuche  ohne  Naht  und  endlich  die  Hanfschläui 
mit  Gummieinlage. 

—  Christian  Hnygont  schlägt  als  Längenmaßeinheit  ein  Drittel  des  Sekundi 
pendeis  unter  dem  Namen  „Pes  horarius*'  vor,  wobei  er  die  Länge  \ 
Sekundenpendels  damals  noch  (vgl.  dagegen  1673  H.)  unter  allen  Breil 
für  gleich  hält.     (S.  auch  1749  B.) 

—  Lo  Gras  führt  die  von  Wilhelm  Piso  1648  zuerst  als  ein  in  Brasilien  | 
bräuchliches  Mittel  erwähnte  Ipecacuanha  (Ruhrwurzel)  in  die  Medizin  < 

—  Gottfried  Wilhelm  von  Loltalz  entdeckt  an  einer  ihm  von  Otto  von  Gueri^ 
zugeschickten  Schwefelkugel  den  elektrischen  Funken.  Diese  Entdeckt] 
ist  also  nicht  Hawksbee  zuzuschreiben,  wie  dies  vielfach  geschieht. 

—  Isaac  Nowton  schlägt  das  mit  einem  Spiegel  als  Objektiv  ausgerüstete  k4 
dioptrische  Mikroskop  vor,  das  später  yon  Barker,  Brewster,  Amid  xx. 
vervollkommnet  wird,  heute  aber  nur  noch  historischen  Wert  besitzt 

—  Nach  den  Plänen  des  Holländers  Rannokon  wird  in  den  Jahren  1672— M 
in  Marly  bei  Paris  für  die  Gärten  von  Versailles  eine  WasserleituDg«anlj 
geschaffen,  welche  zu  den  größten  Leistungen  auf  diesem  Gebiet  geh<l 
Das  Hochreservoir  liegt  163  m  über  dem  Spiegel  der  Seine  und  5  I 
davon  entfernt.  Zum  Betrieb  sind  14  Wasserräder  und  250  Saug*  U 
Druckpumpen  erforderlich.  Hier  werden  auch  zum  ersten  Male  gußeiaej 
Flanschenröhren  verwendet.  Von  anderer  Seite  wird  die  Erfindung  i 
gußeiBernen  Flanschenröhren  David  Zeltner  in  Nürnberg  zugeschrieben. 

—  Jean  Rlchor  entdeckt,  daß  ein  in  Paris  genau  eingestelltes  Sekundenpen« 
in  Cayenne  merklich  langsamer  schwingt.  Er  muß  dasselbe  um  V4  Lini 
verkürzen,  um  den  richtigen  Gang  wieder  herzustellen. 

—  Pierre  Sficnetto  entdeckt  das  „Seignettesalz",  Ealiumnatrium-Tartrat,  als 
zuf&Uig  Soda  statt  Pottasche  zur  Neutralisation  von  Weinsäure  benutj 
Er  verwertet  das  Salz  als  mildes  Laxans. 

—  Francis  Willoughby  macht  umfangreiche  Arbeiten  über  die  Naturgeschict 
der  Vögel  imd  der  Fische,  die  nach  seinem  Tode  in  den  Jahren  1675  hi 
1686  von  John  Ray  veröffentlicht  werden. 

1673  Olaus  Borrldiiiis  führt  das  isländische  Moos,  welches  in  Island  und  Layj 
land  als  Nahrungsmittel  bekannt  war,  als  Arzneimitte)  ein. 

—  Johann  Hovoliin  verbessert  den  Azimutalquadranten  (s.  1576),  indem  er  ( 
vorher  mit  der  Hand  ausgeführten  Einstellungen  durch  Mikromet^ 
schrauben  und  Schnurzüge  bewirkt.  Sein  Azimutalkreis  hat  4  Fuß.  s« 
Quadrant  5  Fuß  Radius  und  beide  sind  unmittelbar  in  Minuten  eingeta 
während  Transversalen  ermöglichen,  noch  kleinere  Teüe  bis  zu  5  Sek  und 
abzuschätzen. 

—  Christian  Huygont  stellt  den  Satz  auf,  daß  die  Summe  der  Produkt«  d 
Massen  und  der  Quadrate  der  von  ihnen  erreichten  Greschwindigk«« 
dieselben  bleiben,  die  Massen  mögen  sich  verbunden  fortbewegen  od 
getrennt  dieselbe  Bewegung  ausführen. 

^  Christian  Huygont  begründet  die  Theorie  der  Zentrifugalkraft  und  liefe 
den  Beweis,  daß  die  Zentrifugalkraft  wie  das  Quadrat  der  Gesohwindj 
keit  zunimmt  und  in  dem  Verhältnis  kleiner  wird,  wie  der  Radii 
zunimmt. 

—  Christian  Huygont  bestimmt   durch   Pendelbeobachtungen   die   Größe  d< 

—     140     — 


1674 

^      BeBchleunigimg  für  den  freien  Fall  und  stellt  fest,  daß  der  Geftchwindig- 
'       keitazuwaohs  mnd  10  m  in  der  Sekunde  beträgt,  so  daß  ein  Körper  nach 
Ablauf   der  1.,  2.,  3.  usw.   Sekunde   eine  Geschwindigkeit   von  rund    10, 
I       20,  30  usw.  Metern  besitzt. 

V3  Christian  Hiij^iiit  löst  die  von  Mersenne  gestellte  Aufgabe  über  den 
Schwingungsmittelpunkt  des  zusammengesetzten  Pendels,  entwickelt  ^die 
Theorie  des  Pendels,  insbesondere  die  Abweichungen  vom  Gahlei'schen 
Pendelgesetz,  entdeckt  die  wahre  Gestalt  der  Kettenhnie  und  behandelt 
die  Eigenschaften  der  Zykloide  und  die  Lehre  von  den  Evoluten. 
^  Christian  Hiiygtiit  erklärt  die  Beobachtung  des  Astronomen  RielMr  (s.  1672), 
daß  das  Sekundenpendel  in  Cayenne  sich  langsamer  bewegt  als  in  Paris, 
durch  die  Abnahme  der  Schwere  von  den  Polen  nach  dem  Aequator,  die 
davon  herrühre,  daß  die  Erde  nicht  eine  reine  Kugel,  sondern  ein  an  den 
Polen  abgeplattetes  Rotationssphäroid  sei. 
f3 — 87     Robert  La  8all0  erforscht  das  Stromgebiet   des  Mississippi,   sowie   die 

Gebiete  des  lUinois  und  des  Ohio.  (Vgl.  1523  und  1539.) 
IZ  Antony  LMiiwtnboek  entdeckt  die  roten  Blutkörperchen  beim  Menschen. 
Er  macht  seine  Beobachtungen  mit  einem  einfachen  Mikroskop,  das  von 
ihm  s^bst  geschliffene  Linsen  enthält  und  mit  welchem  er  nur  in  durch- 
fallendem Licht  beobachten  kann.  Ähnliche  durch  vorzügliche  Arbeit  aus- 
gezeichnete einfache  Mikroskope  stellt  insbesondere  Jan  van  Musschen- 
broek  her. 
'  ■ar^Mlto  und  Mlltt  fahren  am  17.  Juni  vom  Obern  See  aus  den  Missis- 
sippi abwärts,  wobei  sie  den  Missouri  entdecken. 
'  Der  Pater  Ignatius  Gaston  Pardits  macht  zuerst  den  Versuch,  den  Wider- 
stand, den  ein  Schiff  im  Wasser  zu  überwinden  hat,  rechnerisch  fest- 
zustellen und  die  Lehren  der  Hydrostatik  auf  den  Schiffbau  anzuwenden. 
Der  franzosiBche  Marschall  Sebastien  Lepr^tre  dt  Vauban  wirkt  bahn- 
brechend für  das  französische  und  das  gesamte  europäische  Festungs- 
wesen,  indem  er  den  bastionierten  Grundriß  in  einfachster  Anordnung 
aller  Teile  mit  ausschließlicher  Grabenflankierung  vom  hohen  Walle,  unter 
Ausschluß  der  Kasematten,  einführt. 
4  Christoph  Adolph  BaMtwsln  (Balduinus)  bemerkt,  als  eine  Retorte,  in  der 
er  salpetersauren  Kalk  zum  Trocknen  kalziniert,  zufällig  zerbricht,  daß 
die  den  Trümmern  anhängende  Masse  im  Dimkeln  leuchtet,  wenn  sie 
vorher  den  Sonnenstrahlen  ausgesetzt  wird.  (Balduin'scher  Phosphor.) 
Robert  Boyls  erforscht  die  Eigenschaften  der  Luft  in  physikaUscher  und 
chemischer  Beziehung  und  bestätigt  durch  zahlreiche  Versuche  die  von 
Jean  Bey  gefundene  Tatsache,  daß  die  Metalle  bei  der  Kalzination  an 
Gewicht  zunehmen. 

Robert  Boyls  erkennt  zuerst,   daß  die  Luft   durch  die  Atmung   verdorben 
wird  nnd  der  Erneuerung  bedarf.    (Vgl.  auch  1669  M.) 
Hobert  Haaka  erfindet  die  Kreisteilmaschine,  die  im  Jahre  1775  durch  den 
Mechaniker  Jesse  Ramsden  vervoUkommnet  wird. 

Robert  Heoke  erfindet  die  Schwimmerlampe,  welche  sich  auf  das  von 
Arcbimedes  (s.  250  v.  Chr.)  entdeckte  Gesetz  des  hydrostatischen  Auftriebs 
gründet.  Es  ist  dies  die  älteste  Form  der  sogenannten  statischen  Lampen 
(Feder-  oder  Kolbenlampen),  zu  welchen  auch  die  Moderateurlampe 
(s.  1836  F.)  gehört. 

Die  Sehschärfe  wird  gemessen  durch  den  kleinsten  Unterscheidungswinkel, 
d  h.  den  kleinsten  Winkel,  unter  dem  wir  zwei  leuchtende  Punkte  noch 
etwa  als  gesondert  zu  unterscheiden  imstande  sind.  Diese  von  Euklid 
schon  theoretisch  angegebene  Untersuchung  wird  von  Robert  Nooke  zu- 
erst praktisch  ausgeführt. 

—     141     — 


1674 

1674  CbriBtian  Hayftnt  ersetzt  die  Borstenfeder  der  Tasohenuhninnihe  daf  ^ 
eine  stählerne  ebene  Spiralfeder,  deren  Schwingnngszeit  regulierbar  ist  m 
gibt  der  bis  dahin  balken förmigen  Unruhe  die  runde  Rädchenfonn.  m 
die  der  Luftwiderstand  weniger  Einfluß  hat.  Der  Prioritätsanspmch  n 
Hooke  ist  ungerechtfertigt,  da  eine  Uhr  nach  seiner  Angabe  erst  Iff 
fertig  wird. 

—  Der  französische  Chirurg  MortI  erfindet  die  Aderpresse  (Toumiquet)  a1 
Blutstillung  durch  Kompression. 

—  Samuel  Morland  wendet  zum  ersten  Male  die  Taucher-  oder  Plungerkoibc 
zur  Wasserförderung  in  Pumpen  an.  ) 

—  Denis  Papin  beobachtet,  daß  die  Siedetemperatur  vom  Druck  abhängt  m 
das  Wasser  viel  weniger  erwärmt  zu  werden  braucht,  wenn  es  unter  iA 
drigerem  Druck  kochen  soll  als  bei  höherem.  Die  Erhöhung  der  SieA 
temperatur  durch  Druck  benutzt  Papin  1681  in  dem  nach  ihm  benanntl 
Papin'schen  Dampf  koch  topf,  an  dem  er  bemerk  enawerterweise  schon  ili 
Sicherheitsventil  anbringt. 

—  George  Ravtntcroft  in  England  erfindet  das  Bleialkaliglas  für  opti»^ 
Zwecke  (Flintglas),  vermag  dasselbe  aber  nur  in  kleinen  Stücken  M 
zustellen. 

—  Der  dänische  Astronom  Olaf  RAmar  wendet  zuerst  die  epizykloidische  Gi 
stalt  für  die  Zähne  von  Zahnrädern  an. 

—  Veisdi  entdeckt  die  Ursache  der  seit  langer  Zeit  bekannten  Draounculo^ 
in  dem  Medinawurm,  Dracunculus  medinensis,  der  späterhin  von  Mansa 
1893 — 1903  unter  dem  Namen  „Guineawurm"  eingehend  untersucht  m 
beschrieben  wird. 

1675  Robert  Boyle  entdeckt,  daß  alle  Körper  eine  größere  elektrische  Ai 
ziehungskrait  haben,  wenn  man  sie  vor  dem  Reiben  erwärmt  und  daß  d 
elektrischen  Versuche  auch  im  luftleeren  Räume  von  statten  gehen.  I 
gleichen  Jahre  erfindet  er  ein  Skalenaraeometer,  mit  dem  er  das  spezifiscl 
Gewicht  zahlreicher  Körper  bestimmt. 

,   —      Giovanni  Domenico  Cassini  entdeckt  eine  dunkle  Linie  auf  dem  Satururii^ 
"^  (die  sog.  Cassini'sche   Trennung),    die  sich   als  ein   Spalt   zwischen  tt 

konzentrischen  Ringen  herausstellt.     Genauere  Untersuchungen  dieser  l 
scheinung  hat  später  F.  W.  Herschel  (s.  1787  H.)  vorgenommen. 

—  DeldcMrt  in  Amsterdam  erfindet  das  erste  Bronchotom  zur  Vomahnie  d 
Tracheotomie,  das  aus  einem  kleinen  Troikart  besteht,  dessen  Kanüle  i 
hinteren  Ende  zwei  Handhaben  besitzt. 

—  Antony  LMHWtnhotk  entdeckt  mit  Hilfe  des  Mikroskops  im  Süßwasser  ^ 
zige  Lebewesen,  die  er  „Infusoria"  (Aufgußtierchen)  nennt,  und  bescbrö 
eine  Anzahl  Formen  derselben. 

—  Nicolas  Ltm^y  erkennt  die  saure  Natur  der  Bernsteinsäure,  die  1650  t 
Georg  Agricola  als  flüchtiges  Bernsteinsalz  beschrieben  worden  war  u 
deren  Zusammensetzung  später  von  Berzelius  richtig  erkannt  wird. 

—  Nicolas  LMiifry  untersucht  das  Arsen  genauer  und  stellt  es  zu  den  Ha 
metallen  oder  Bastardmetallen. 

—  Nicolas  LMiifry   teilt  die  Chemie  ein   in   mineralische,    vegetabilische 
animalische.     Er  unterscheidet  die  Metalle,  Mineralien  und  Erden  als  i 
neralische,    die   Pflanzen,    Gummi-   und    Harzarten,  Schwämme,   Früci 
Säfte  usw.  als  vegetabilische   und  die  Tiere,   ihre  einzelnen  Teile  und  1 
kremente  als  animalische  Substanzen. 

—  Friedrich  Martens,  Schiffsarzt  auf  einem  hamburgischen  Walfischfänger 
die  erste  eingehende  Beschreibung  der  landschaftlichen  und  klimatüicJ 
Verhältnisse  von  Spitzbergen,   sowie   der  Tiere  und  Pflanzen    des  ho] 
Nordens. 

—     142     — 


1677 

Samuel  Morland  konstruiert  ein  selbstregistrierendes  Barometer,  auch  Wage- 
barometer  genannt,  das  auf  dem  Archimedischen  Prinzip  beruht,  daß  jeder 
in  eine  Flüssigkeit  getauchte  feste  Körper  so  viel  von  seinem  Gewicht  ver- 
liert, als  das  Gewicht  der  von  ihm  verdrängten  Flüssigkeit  beträgt.  Der 
vergessene  Apparat  wird  1857  wieder  von  Pater  Secohi  in  den  wissen- 
schaftlichen Beobachtungskreis  gezogen. 

Denis  Papln  trägt  durch  Erfindung  des  doppelt  durchbohrten  Hahns 
(Wechselhahn),  der  1679  von  Senguerd  noch  verbessert  wird,  wesentlich 
snr  Vervollkommnung  der  Hahnluftpumpe  bei. 

Jean  PIcanI  bemerkt  zufällig,  daß  das  Quecksilber  in  der  Torricelli'schen 
Leere  des  Barometers  leuchtend  wird,  wenn  man  es  im  Dunkeln  schüttelt. 
Er  nennt  diese  Erscheinung  merkurialischen  Phosphor,  weiß  aber  dafür 
keine  Erklärung.  Hawksbee  erklärt  das  Leuchten  1708  durch  die  Reibung 
des  Glases  am  Quecksilber,  was  1767  von  Aepinus  und  1772  von  Deluc 
bestätigt  wird. 

Olaf  Römer  ersetzt  in  dem  Tycho'schen  Azimutalinstrument  (s.  1576)  den 
Quadranten  durch  einen  Vollkreis. 

Der  englische  Geistliche  Isaac  Barlow  erfindet  die  Repetieruhr. 
Gottfried  Wilhelm  von  Lilbnlz  legt  in  einem  Brief  an  Newton  die  Auflösung 
des  Tangentenproblems  mit  Hilfe  der  Differentialrechnung  dar.  Er  ist  es, 
der  zuerst  der  Differentialrechnung  eine  pädagogisch  brauchbare  Form 
gibt  und  sie  auf  einfache  Regelu  zurückführt,  was  bei  Newtons  Fluxions- 
rechnung  (s.  1671  N.)  noch  nicht  geschehen  war. 

Gottfried  Wilhdm  von  Lolbniz  löst  (in  einem  Briefe  an  Collins)  den  irre- 
duziblen  Fall  der  Gleichungen  dritten  Grades  durch  eine  Reihenentwick- 
lung. 

William  Molynoux  konstruiert  ein  Hygrometer  aus  Hanfseil,  bei  welchem  die 
Beobachtung  verwertet  ist,  daß  solche  SeOe  sich  mit  zu-  und  abnehmender 
Fenchtigkeit  ausdehnen  und  verkürzen  oder  sich  auf-  und  zudrehen.  Diese 
Erfahrung  wird  auch  zur  Konstruktion  der  bekannten  Wetterhäuschen 
verwendet. 

Isaac  Nowton  findet  die  Gesetze  der  Farben  dünner  Blättchen.  (Newton'sche 
Ringe.) 

Olaf  Rtatr  (damals  in  Paris)  nimmt  bei  der  Beobachtung  des  ersten 
Jnpitermondes  wahr,  daß  dessen  Verfinsterungen,  im  Widerspruche  zu 
dem  durch  die  Berechnung  ermittelten  Zeitpunkte  der  Verfinsterung,  auf 
der  Erde  um  so  später  gesehen  werden,  je  weiter  der  Jupiter  von  der 
Erde  entfernt  ist.  Römer  schließt  hieraus,  daß  die  Geschwindigkeit  des 
Lichtes  nicht,  wie  bis  dahin  fast  allgemein  (vgl.  indes  78)  angenommen, 
eine  unendlich  große,  sondern  daß  sie  eine  endliche  sei,  und  berechnet  die- 
selbe auf  40000  geographische  Meilen  (etwa  300000  km)  in  1  Sekunde.  (S. 
a.  1607  G.,  1849  F.,  18Ö4  F.,  1874  C.) 

Johann  Christian  Sturm  erfindet  das  Dimeren tialthermometer  und  konstruiert 
die  erste  VentiUuftpumpe,  die  Papin  vervollkommnet,  indem  er  an  ihr  im 
Gregensatz  zu  allen  früheren  Luftpumpen  zwei  Stiefel,  sowie  Ventile  am 
Grunde  eines  jeden  Pumpenstiefels  anbringt.  Er,  und  nicht  wie  man  bisher 
annahm  Hawksbee,  ist  also  der  Erfinder  der  zweistiefUgen  Luftpumpe. 
Richard  WIsMiann  gibt  das  erste  genaue  Krankheitsbild  der  tuberkulösen 
Gelenkerkrankungen.  Er  faßt  unter  dem  Namen  „Tumor  albus"  eine 
Anzahl  chronischer  Gelenkleiden  zusammen,  welche  auch  heute  noch  die 
häufigste  Form  der  tuberkulösen  Gelenkleiden  darstellen.  Er  führt  diese 
Krankheiten  hauptsächlich  auf  Skrofulöse  zurück.  Er  gibt  bestimmte 
Indikationen  für  die  frühzeitige  oder  spätere  Amputation. 
Israel  Conrad!  in  Olivence  beschreibt  zuerst  die  Unterkühlung  des  Wassers 

—     143     — 


1677 

(Gefrier Verzögerung),  die  später  von  Fahrenheit  (1721),  Deluc  und  MuB»cb<i 
broek  untersucht  wird  und  deren  Gesetze  von  Blagden  (s.  1788  B.)  ermitt^ 
werden. 

1677  J.  F.  EMioli  erwähnt  zuerst  in  den  „Ephemeriden  der  Gesellschaft  deu 
scher  Naturforscher"  die  Eigenschaft  des  Flußspats,  durch  Erwärm uj 
noch  vor  dem  Erglühen  leuchtend  zu  werden. 

—  Der  englische  Astronom  Edmund  Hallty  weist  bei  Gelegenheit  der  Beo 
achtimg  eines  Merkurdurchganges  darauf  hin,  daß  Venusdurchgäoi 
(s.  1639  H.)  noch  besser  als  Merkurdurchgänge  zu  einer  guten  Bestimmu] 
der  Sonnenparallaxe  geeignet  seien.    (Vgl.  1770  D.) 

—  Ludwig  van  Hammm  sieht  bei  mikroskopischer  Untersuchung  des  tierische 
Samens  die  sich  lebhaft  bewegenden  Samenfäden  und  tdlt  seine  Beo 
achtung  an  Leeuwenhoek  mit,  der  genauere  Untersuchungen  anstellt  ui 
veröffentlicht. 

—  Edme  Mariotte  gibt  den  noch  heute  im  Gebrauch  befindlichen  Perkusmoi] 
Apparat  zum  Nachweis  der  Gesetze  über  den  Stoß  elastischer  Körper  a 

—  William  NoMe  und  Thomas  Pifott  entdecken  die  durch  Mitschwingen  en 
stehenden  Flageolettöne. 

—  Der  Anatom  J.  C.  PtyMT  entdeckt  die  Peyer'schen  Drüsen,  die  sog.  ^ 
schlossenen  Lymphdrüsen,  die  sich  von  den  eigentlichen  Lymphdrü^ 
dadurch  unterscheiden,  daß  sie  keine  einführenden  und  ausführende 
Lymphgefäße  besitzen.  Sie  stehen  jedoch  mit  den  sie  umspinDend^ 
Lymphgefäßen  der  Darmschleimhaut  in  Verbindung  und  füllen  sich  na^ 
den  Mahlzeiten  mit  Chylus,  wie  auch  die  in  ihnen  erzeugten  Lymphzeil« 
in  das  Lymphgefäßsystem  auswandern  können. 

1678  Giovanni  Domenico  Cassini  beobachtet  zuerst  Doppelsteme,  die  er  jedM 
nur  als  optisch  zusammengehörig  ansieht.    (Vgl.  1778  M.) 

—  Robert  Nooke  verkündet  in  seiner  Schrift  „De  potentia  restitutiva**  d\ 
Gesetz  der  Proportionalität  von  Spannung  und  Verlängerung  mit  d^ 
Worten:  „Ut  tensio  sie  vis."  Es  ist  dies  das  Grundgesetz  der  Elai^ti^ 
tätslehre. 

—  Christian  HuyfMit  stellt  die  Undulationstheorie  des  Lichtes  auf«  wonM 
das  Licht  in  einer  elastischen  Wellenbewegung  des  Äthers  besteht. 

—  Christian  Huj^üit  stellt  für  den  Kalkspat  fest,  daß  die  Strahlenfläche  dj 
von  ihm  ausgehenden  Lichtes  aus  einer  Kugel  und  einem  Rotatioi^ 
eUipsoid  besteht.  Kugel  und  Rotationsellipsoid  berühren  einander  in  d^ 
Endpunkten  der  Rotationsachse. 

—  Domenico  do  Marehetti  weist  zuerst  mit  Sicherheit  durch  Injektion  nacj 
daß  die  feinsten  Zweige  der  Venen  und  Arterien  miteinander  kororaofl 
zieren. 

—  CA.  Ramsay  begründet  mit  seiner  auf  englischer  Grundlage  aulgebauU 
„Tacheographia"  die  erste  deutsche  Stenographie,  ohne  jedoch  Nacbfol^ 
seiner  Bestrebungen  zu  finden. 

—  Olaf  R6mtr  konstruiert  ein  automatisches  Planetarium  (zur  Darstellung  di 
Bewegung  der  Himmelskörper),  bei  dem  er  zuerst  von  seinen  koni8ch< 
Spiralrädern  (s.  1674  R.)  Gebrauch  macht,  bei  denen  die  ineinandergreifei 
den  Radzähne  in  Spirallinien  auf  Kegeln  von  verschiedenem  Durohme^ 
nebeneinander  stehen.  Das  erste  Planetarium  soll  2607  v.  Chr.  in  (''hin 
ausgeführt  worden  sein;  später  soll  Archimedes  ein  solches  aus  Glas  he 
gestellt  haben. 

1679  Giovanni  Alfonso  Bortlll  begründet  die  Schule  der  latroraathematiker.  ^ 
macht  hervorragende  Arbeiten  über  die  Verdauung,  schildert  deren  mcch 
nischen  Vorgang  und  spricht  sich  über  die  Existenz  einee  Magenia^ 
und  dessen  Beziehung  zu  den  Drüsen  des  Magens  klar  aus. 

—     144     — 


1680 

Giovanni  Alfonso  Boralli  gibt  in  seinem  Werke  „De  motu  animalium'*  ^ne 
bahnbrechende  nnd  erschöpfende  Theorie  der  Körperbewegung  der  Tiere 
und  Menschen.  (S.  1644  D.)  Er  untersucht  namentlich  auch  den  Kon- 
traktionsvorgang  der  Muskeln,  dessen  Einwirkung  auf  das  Skelett  und 
seine  Kraft  und  bestimmt  den  Schwerpunkt  des  menschlichen  Körpers  bei 
gestreckter  Lage.  Er  veröffentlicht  in  dieser  Schrift  auch  die  ei-sten 
wissenschaftlichen  Untersuchungen  über  den  Vogelflug. 
Giovanni  Alfonso  Borelll  beschreibt  die  Atembewegung  und  die  Passivität 
der  Lungen  in  richtiger  Weise. 

Oritnfciffor  wendet  zuerst  die  sogenannte  gnomonische  Projektion,  und  zwar 
für  Sternkarten  an.  Für  Seekarten  wird  sie  zuerst  von  Sturmy  benutzt; 
ihre  Theorie  wird  1718  von .  Borgondlo  entwickelt. 

Der  Chemiker  Johann  Kunckel  von  Löwonttorn  erfindet  das  echte  Rubinglas, 
aus  dem  er  im  Dienste  des  Großen  Kurfürsten  auf  der  Pfaueninsel  bei 
Potsdam  farbenprächtige  Gefäße  (Kunckelgläser)  herstellt,  die  auch  bei 
großer  Wandstärke  die  Rubinfarbe  deutlich  hervortreten  lassen.  (Vgl. 
1888  R.)  Seit  der  Entdeckung  des  Goldpurpurs  (s.  1685  0.)  wird  meist 
dieses  Präparat  zur  Herstellung  des  Rubinglases  verwendet. 
Johann  KuncM  von  Uwonttorn  beschreibt  in  seiner  „Ars  vitraria  experimen- 
talis"  den  Glasblasetisch  mit  dem  doppelten  Blasebalg  und  führt  an,  daß 
eine  derartige  Vorrichtimg  für  den  Chemiker  sehr  nützhch  sei;  so  dürfe 
man,  um  Metallkalke  zu  reduzieren,  nur  eine  Kohle  aushöhlen,  den  Metall- 
kalk in  die  Höhlung  legen  und  vermittels  jener  Vorrichtung  die  Flamme 
darauf  richten. 

Antony  LMiiwinliotk  entdeckt  die  Querstreifung  der  Muskeln. 
Isaac  Newton   erkennt  theoretisch,   daß   frei   fallende  Körper  infolge   der 
Achsendrehung  der  Erde  von  der  Senkrechten  östlich  abgelenkt  werden 
müssen. 

Samuel  Reyhtr  verwendet  für  sein  Mikroskop  Sonnenlicht  und  erhält,  da 
es  mit  ihm  möglich  wird,  die  vergrößerten  Gegenstände  auf  einer  Wand 
sichtbar  zu  machen,  das  Sonnenmikroskop. 

Caspar  Bartholinut  in  Kopenhagen  entdeckt  den  Ausführungsgang  der 
Unterzungendrüse.     (S.  a.  1661  D.) 

Hieronymus  Brassavoia  weist  aufs  neue  auf  die  Wirksamkeit  von  Nähr- 
klystieren  hin.  (S.  20.) 

Giovanni  Domenico  Catlini  entdeckt  di^Rotation  des  Planeten  Mars. 
(S.  a.  1667  C.) 

Der  Engländer  demont  erfindet  die  Ankerhemmung  oder  die  Hemmung 
mit  dem  englischen  Haken  an  Stelle  der  bis  dahin  gebrauchten  Spindel- 
hemmung der  Uhren. 

Tommaso   Cornelio  in  Neapel   erkennt   zuerst   die  eigene  Irritabihtät   der 
Muskeln  imd  die  peristaltische  Bewegung  des  Darmes. 
Dominique  Diidot  beschreibt  zuerst  den  Lackmus  und  dessen  Verwendung 
als  Farbindikator  in  der  chemischen  Analyse« 

Christian  Huygßm  beschreibt  in  einer  Eingabe  an  die  Pariser  Akademie 
seine  1673  erfundene  Pulvermaschine,  Der  Hubzylinder  derselben  hat 
Seitenrohren  mit  Ventilklappen.  Durch  eine  im  ZyUnder  zur  Explosion 
gebrachte  Pulverpatrone  wird  der  Kolben  bis  über  die  Offnungen  der 
Seitenröhren  geschleudert,  aus  denen  alsdann  die  Gase  entweichen.  Fährt 
nun  die  Luft  zurück,  so  schließt  sie  die  Klappen  und  preßt  den  Kolben 
mit  so  großer  Kraft  herab  >  daß  dadurch  Lasten  gehoben  werden  können. 
Die  Hautefeuille'sche  Pulvermaschine  ist  erst  1678,  d.  i.  fünf  Jahre  nach 
der  Huygens'schen  MsAchine  erfunden  worden.  Man  wird  nicht  verkennen, 
Darmstaedter.  10 

—     145     — 


1680 

daß  in  der  Hnygens'sohen  Pnlyermaschine  schon  die  Grundidee  der  Gas- 
masohine  enthalten  ist. 

1680  Der  Franzose  Jacquln  erfindet  die  künstlichen  Perlen,  die  er  in  der  Weise 
darstellt,  daß  er  hohle  Glaskügelohen  inwendig  mit  dem  silberfarbenen 
Bodensatz  kleiner  gewaschener  Fische  überzieht  and  die  Perlen  mit  Wachs 
ausgießt. 

—  Antony  LMowtnhotk  untersucht  die  Bierhefe  unter  dem  Mikroskop  und 
findet,  daß  sie  aus  kleinen  kugel-  oder  eiförmigen  Körperchen  besteht, 
über  deren  Natur  er  jedoch  nicht  ins  Reine  zu  kommen  vermag. 

—  Gottfried  Wilhelm  von  Ulbnlz  stellt  in  seiner  „Prötogaea"  eine  Theorie 
über  die  Bildung  der  Erde  auf,  die  im  wesentlichen  ein  plutonistiflches 
Gepräge  trägt  und  nicht  völlig  unbeeinflußt  von  den  Descartes'schen  An- 
sichten ist. 

—  Der  Engländer  Martin  Ustor  erkennt  den  Wert  der  Petrefakten  für  die 
Bestimmung  der  Altersfolge  der  Sedimente.  Er  schlägt  zuerst  die  An- 
fertigung geologischer  Karten  vor,  ein  Gedanke,  der  jedoch  erst  später 
von  Packe  (s.  1743  P.)  verwirklicht  wird. 

—  Domenico  dt  Marthitü  macht  den  ersten  beglaubigten  Nierenschnitt 
(Nephrotomie)  an  dem  englischen  Konsul  in  Venedig,  Hobson,  wobei  es 
ihm  gelingt,  mehrere  Nierensteine  zu  entfernen. 

—  Bernardino  Ramaslnl  behandelt  in  seinem  Werke  „De  morbis  artificum 
diatribe**  als  erster  die  Gewerbehygiene. 

—  J.  G.  Volckamfr  liefert  die  erste  Beschreibung  des  Bergamottöles  und, 
des  Bergamottenbaumes. 

1681  Johann  Joachim  Btcbtr  denkt  zuerst  an  Gewinnung  und  Verwendung 
des  Steinkohlenteers,  wie  aus  einem  von  ihm  in  Gemeinschaft  mit  Heniy 
Serie  am  10.  August  genommenen  Patente  hervorgeht. 

—  Der  Kapitän  Blonck  vom  brandenburgischen  Schiff  „Morian"  schließt  mit 
drei  Negerfürsten  in  der  Nähe  des  Dreispitzenkaps  an  der  afrikanischen 
Goldküste  einen  Vertrag  ab,  wodurch  die  Errichtung  einer  branden- 
burgiBchen  Kolonie  daselbst  eingeleitet  wird.    (S.  1683  G.) 

—  Giovanni  Domenico  CoMinl  betreibt  in  rationeller  Weise  Bohrversuche  auf 
artesische  Brunnen  und  bespricht  sie  in  seiner  Abhandlung  „Sur  la  mani^ 
de  faire  des  puits  et  des  jets  d'eau  ä  Modöne*'. 

—  Georg  Samuel  DörftI  weist  an  dem  Kometen  von  1680  die  von  Borelli 
(s.  1666  B.)  vermutete  parabolische  Form  der  Bewegung  nach. 

—  Robert  Heoke  beobachtet,  daß  ein  musikalischer  Ton  entsteht,  wenn  man 
ein  Kartenblatt  an  die  Kante  eines  schnell  rotierenden  Zahnrades  bringt, 
und  findet  damit  das  Prinzip  der  Zahnradsirene,  die  1820  von  Savart  her- 
gestellt wird. 

—  Johann  Kunckel  von  Löwwittora  eütdeckt  den  Salpetrigsäureäther  bei  Destil- 
lation von  Alkohol  mit  Salpetersäure  und  gibt  ihm  den  Namen  Salpeter- 
naphtha. 

—  Johann  Kuncktl  von  Löwonttorn  spricht  von  der  Verbindung  des  geschmol- 
zenen Zinnes  mit  Schwefel,  die  später  unter  dem  Namen  „Musivgold"  als 
Malerfarbe  gebraucht  und  von  Peter  Woulfe,  Proust  und  namentlich  J.  Davy 
und  Berzelius  näher  untersucht  wird. 

—  Nachdem  Libavius  (1600)  schon  angegeben  hatte,  daß  die  Lösung  des 
Wismuts  in  Salpetersäure  durch  Wasser  gefällt  werde,  lehrt  Nicolas 
Lomtry  die  Bereitung  des  „Magisterium  bismuti'',  das  unter  dem  Namen 
„Blanc  d'Espagne*'  als  Schminkweiß  verwendet  wird,  durch  Auflösen  von 
Wismut  in  Salpetersäure  und  Fällen  mit  kochsalzhaltigem  Wasser. 
Daß  kochsalzhaltiges  Wasser  hierzu  nötig  sei,  wird  von  Pott  (1739) 
widerlegt. 

—     146     — 


1688 

Nachdem  bis  dahin  im  aUgemeinen  die  Vorstellung  geherrscht  hatte,  daß 
auf  der  Erde  das  Land  gegen  das  Wasser  überwiege,  welche  Ansicht 
namentlich  Gerhard  Mercator  (1569),  Yarenius  (1650)  und  insbesondere 
Riccioli  (s.  1661  R.)  vertreten  hatten,  zeigt  Sir  Jonas  Moor»,  daß  die  be- 
kannte Wasserfl&ohe  größer  als  die  des  Landes  ist. 

BadMr  erwähnt  zuerst  die  Möglichkeit,  auch  aus  Kartoffeln  Branntwein 
zu  gewinnen.     (S.  a.  1750  M.) 

Johann  Joachim  BmImt  gibt  eine  umfassende  Theorie  über  die  Zu- 
sammensetzimg der  Körper.  Er  nimmt  in  den  Metallen  und  den  andern 
entzündlichen  Körpern  eine  brennbare  Erde  an,  auf  deren  Vertreibung 
die  Verbrennung  beruhe,  und  legt  dadurch  den  G-rund  zur  phlogisti- 
sehen  Theorie. 

Johann  Joachim  Btditr  erwähnt  in  seiner  „Großen  chymischen  Concordantz" 
die  Brennbarkeit  des  Steinkohlengases. 

Johann  Joachim  BmImt  behauptet,  daß  nur  zuckerhaltige  Flüssigkeiten 
der  alkoholischen  Gärung  fähig  seien  und  zeigt,  daß  der  Alkohol 
nicht  in  dem  ursprünglichen  Weinmost  existiert,  sondern  erst  während 
des  Gärungsprozesses  entsteht. 

Nehemiah  Ctom  begründet  die  Pflanzenhistologie.  Er  erkennt  den  zelligen 
Bau  der  Pflanzen  und  unterscheidet  das  parenchymatische  Gewebe  und 
die  longitudinal  gestreckten  Faserformen,  die  echten  Gefäße  imd  die  saft- 
fnhrenden  Kanäle. 

Emanuel  Kflnlf  teilt  die  gesamte  Natur  in  die  drei  Reiche  (regna):  das 
Mineralreich,  das  Pflanzenreich  und  das  Tierreich. 

Edme  Martotto  macht  die  ersten  Beobachtungen  über  strahlende  Wärme, 
indem  er  die  Durchlässigkeit  von  Glas  für  Wärmestrahlen  tmtersucht. 
Isaac  Niwton  spricht,  nachdem  er  bereits  1666  die  ersten  Versuche  gemacht 
hatte,  die  Bewegung  der  Himmelskörper  aus  den  Gesetzen  der  Mechanik 
zu  erklären,  das  Gesetz  der  allgemeinen  Gravitation  aus,  demzufolge  sich 
die  Materien  gegenseitig  im  direkten  Verhältnis  ihrer  Massen  und  im  um- 
gekehrten Verhältnis  des  Quadrates  ihrer  Entfernungen  anziehen,  und  er- 
bringt dafür  den  mathematisch  genauen  Nachweis. 

Der  Holländer  van  SantM  benutzt  zuerst  zur  Bereitung  von  Wassermörte 
den  am  Laachersee,  im  Nette-  und  Brohltal  vorkommenden  Tuffstein,  der 
zu  diesem  Zweck  zu  Pulver  vermählen  wird.  Der  gemahlene  Tuffstein, 
auch  Traß  genannt,  dient  auch  heute  noch  zur  Bereitung  von  Wasser- 
mörtel. Der  Stein  ist  der  schon  von  Vitruvius  (s.  20)  erwähnten  Puzzolan- 
erde  ähnlich. 

Johann  Bahn  spricht  zuerst  deutlich  von  dem  würfligen  Salpeter  (salpeter- 
saures Natron),  der  bei  der  Bereitung  von  Königswasser  durch  Destillation 
von  Kochsalz  mit  Salpetersäure  entsteht. 

Guichard  Joseph  Du  Vermy  veröffentlicht  das  Werk  „Trait^  de  Torgane 
de  Fouie",  in  welchem  er  die  Anatomie  des  Ohres  ausführlich  behandelt 
und  das  als  erster  Versuch  einer  wissenschaftlichen  Abhandlung  über  die 
gesamte  Ohrenheilkunde  anzusehen  ist.  Er  gibt  in  seinem  Werke  die  ersten 
genaueren  Abbildungen  der  Bogengänge  und  der  Ohrenschmalzdrüsen. 
Der  preußische  Major  Otto  Friedrich  von  dtr  Grdben  hißt  die  kurbranden- 
burgische  Flagge  auf  Groß-Friedrichsburg  an  der  Guineaküste.  (Vgl. 
1681  Blonck.)  Im  Jahre  1684  erwirbt  Brandenburg  die  Arguin-Inseln  am 
Weißen  Vorgebirge.  Aber  schon  im  Jahre  1717  gehen  die  sämtlichen 
preußisch-afrikanischen  Besitzungen  durch  Kauf  an  die  Holländer  über. 
Edmund  Hallty  entwirft  seine  Theorie  von  vier  magnetischen  Polen  oder 
Konvergenzpunkten  und  von  der  periodischen  Bewegung  der  magnetischen 
Linien  ohne  Abweichung. 

10* 

—     147     — 


1688 

1683  dt  Heldt  beobachtet  zuerst  die  Flimmerbewegung  an  den  Kiemen  dei 
Muscheln.  Diese  Bewegung  besteht  darin,  daß  die  feinen  Haare,  mit  denen 
die  ZeUen  an  ihrer  Oberfläche  besetzt  sind,  in  unaufhörlicher  schwingender 
Bewegung  begriffen  sind. 

—  Antony  LiOMWf  hotk  beobachtet  in  dem  Speichel  des  Menschen  verschiedene 
sich  lebhaft  bewegende  kleine  Tierchen,  nach  Abbildung  und  Beschreibang 
die  ersten  gesehenen  Bakterien. 

—  Riauntfrall  und  Wllllanit  erhalten  ein  Patent  zur  Anfertigung  von  gegossenen 
hohlen  Zinnknöpfen,  in  welchem  sie  sich  selbst  als  deren  „erste  Erfinder" 
bezeichnen. 

—  Der  Engländer  PttliM  spricht  in  seiner  Schrift  „The  laws  of  art  and  na- 
ture'*  zuerst  davon,  daß  das  beste  Holz  zur  Einfassung  der  Bleistifte  das 
Zedemholz  ist. 

—  Andrews  Snape,  Eurschmied  Königs  Karl  II.  von  England,  verfaßt  eine 
Schrift  „The  Anatomy  of  an  Horse",  in  der  er  kurze,  aber  wertvolle  An 
gaben  über  Rotz  und  Rehe  des  Pferdes  macht.  Seine  Darlegungen  zeugen 
von  guter  Beobachtung,  sind  jedoch  mehrfach  durch  Ruini  (s.  1598  R.)  and 
Soleysel  (s.  1664  S.)  beeinflußt. 

—  Thomas  Sydtnham  unterscheidet  zuerst  ausdrücklich  die  chronischen  Formen 
des  Grelenkrheumatismus  und  erwähnt  auch  die  charakteristischen  Ver- 
krümmungen der  Fingergelenke.  Er  gibt  in  seinem  „Tractatus  de  podagra 
et  hydrope*'  eine  auch  jetzt  noch  mustergültige  Schilderung  des  gesamten 
Krankheitsbildes  der  Gicht. 

—  Thomas  Sydtnham  gibt  die  erste  eingehende  Beschreibung  des  Veitstanzes 
(Chorea  St.  Viti),  dessen  Natur  trotz  vieler  Arbeiten  darüber  (Romberg, 
Litten,  Westphal,  Bright,  Seeligmüller,  Heubner,  Henoch  u.  a.)  noch  nicht 
geklärt  ist. 

—  Thomas  Sydtnham  bringt  zuerst  klar  zum  Ausdruck,  daß  die  Hysterie  m« 
Erkrankung  des  Nervensystems^  ist.  Er  gibt  eine  genaue  Schilderung  del 
konvulsivischen  Anfälle  und  der  intervallaren  Symptome. 

—  Wilhelm  Ttn  Rhynt  bringt  die  seit  langer  Zeit  von  den  Chinesen  und  Ja 
panem  geübte  Akupunktur  (Einstechen  von  Nadeln  in  die  Weich  teile  aU 
Excitans  oder  Derivans)  nach  Europa. 

—  Ehrenfried  Walter  von  Tsdiirahaut  arbeitet  über  das  Tangentenproblem 
und  löst  Gleichungen  dritten  und  vierten  Grades,  indem  er  alle  Gliedei 
zwischen  denjenigen  höchsten  und  niedrigsten  Grades  wegschafft. 

—  Edward  Tyson  gibt  in  den  „Philosophical  Transactions'*  eine  genaue  ana 
tomische  Beschreibung  der  Eingeweidewürmer. 

1684  Der  holländische  Arzt  Btntokot  empfiehlt  in  seiner  Schrift  „Körte  vei 
handeling  van*t  menschenleven"  den  Teeaufguß  als  ein  untrüglich« 
Mittel,   das   menschliche  Leben   zu   verlängern.     (S.  a.  1588.) 

—  F.  Btrnitr  unternimmt  einen  Versuch,  die  Menschen  in  Klassen  einzuteil« 
und  unterscheidet  die  Weißen  in  Europa,  die  Gelben  in  Asien,  die  Schwa 
zen  in  Afrika  und  die  Lappen  im  Norden. 

—  Robert  Boylt  hat  klarere  und  richtigere  Ansichten  über  die  ver8ohied.en< 
Grade  der  chemischen  Verwandtschaft  als  irgend  einer  seiner  Vorg&ng« 
selbst  Glauber.  (S.  1654  G.)  Er  weiß,  daß  Kali  das  Ammoniak  aus  sein^ 
Verbindungen  austreibt,  weü  die  Säure  zu  dem  fixen  Alkali  mehr  V< 
wandtschaft  hat  als  zu  dem  flüchtigen  und  daß  die  ätzenden  Alkalien  «j 
stärkste  Affinität  haben  zu  starken  Säuren. 

—  Giovanni  Domenico  Casilni  entdeckt  im  März  den  dritten  und  den  viert 
SateUiten  des  Saturn,  welche  die  Namen  Dione  und  Tethys  erhalten. 

—  Der  englische  Techniker  James  Dtlahaiit  konstruiert  die  erste  Rauhmaschi 
für  Stoffe  und  betreibt  die  erste  Tuchschere  mit  Wasserkraft. 

—     148     — 


1685 

1684  Robert  Nooke  legt  am  20.  Mai  der  Royal  Society  ein  fertig  ausgearbeitetes 
optisches  Telegraphensystem  vor,  das  er  insbesondere  zur  Verwendung  im 
Seeverkehr  empfiehlt,  und  bei  dem  zuerst  die  Ausnutzung  von  Fem- 
rohren  zur  Aufnahme  der  Femzeichen  vorgeschlagen  wird.  Der  Gedanke 
findet  erst  ein  Jahrhundert  später  praktische  Würdigung.  (S.  1793  C.) 

—  Christian  Huygont  konstruiert  ein  Femrohrokular,  bei  welchem  er  zuerst 
in  bewußter  Weise  Achromasie  anstrebt  und  zwei  mit  ihren  Krüm- 
mungen nach  dem  Objektiv  gewandte  plankonvexe  Crownglaslinsen  benutzt. 

—  Der  französische  Ingenieur  LoUon  bewirkt  zuerst  die  Verbindxmg  von  Fem- 
rohr und  Libelle,  aus  der  die  sp&teren  Nivellierinstrumente  hervorgehen. 

—  Edme  Morlotto  macht  die  Lehre  von  dem  meteorischen  Ursprung  des  in 
den  Quellen  austretenden  Wassers  durch  Experimente  und  rechnerisch 
statistische  Nachweise  seinen  Zeitgenossen  einleuchtend. 

—  Edme  Moriotto  konstruiert  ein  Manometer,  bei  dem  die  Flüssigkeit  unter  der 
Wirkung  des  zu  messenden  Drucks  in  ein  oben  geschlossenes,  zum  Teil  mit 
Luft  gefülltes  Rohr  hineingetrieben  und  der  Druck  nach  dem  G-rade  der  Zu- 
sammenpressung dieser  Luft  gemessen  wird  (Eompressionsmanometer,  Ma- 
riotte'sche  Rohre). 

—  Edme  Marlotio  erfindet  die  nach  ihm  benannte  Flasche  (erst  nach  seinem 
Tode  1686  bekannt  gemacht),  die  den  Zweck  hat,  eine  größere  Wasser- 
menge ohne  Änderung  der  Druckhöhe  ablaufen  lassen  zu  können. 

1685  Jacob  Bornoull  bearbeitet  die  Kombinationstheorie  in  so  umfassender  Weise, 
daß  alles,  was  den  heutigen  Inhalt  dieser  Lehre  ausmacht,  sich  in  dem 
nach  seinem  Tode  i.  J.  1713  erschienenen  Werke  „Ars  conjectandi*' 
—  sogar  in  modemer  Form  —  vorfindet.  Er  gebraucht  zuerst  das  Wort 
„Permutation",  während  der  Ausdruck  „Kombination**  zuerst  von  Pascal 
gebraucht  wird. 

—  Der  Arzt  und  Alchemist  Andreas  Casiiut  in  Leiden  entdeckt  den  Gold- 
purpur (Cassius  -  Gold) ,  welcher  durch  Fällung  von  Goldchlorid  mit 
einer  dünnen  Lösung  von  Zinnchlorür  und  Zinnchlorid  erhalten  wird. 
(Vgl.  auch  1679  K.)  Eine  Beschreibung  des  Darstellungs Verfahrens  gibt 
Cassius'  Sohn. 

—  Der  französische  Ingenieur  Cattainc  erfindet  die  Münzrändelm aschine  zur 
Anbringung  erhabener  oder  vertiefter  Schrift  auf  dem  Rande  der  Münzen, 
Tvelche  in  neuerer  Zeit  (z.  B.  durch  Ludwig  Löwe  in  Berlin)  derart  ver- 
bessert worden  ist,  daß  sie  in  1  Stunde  bis  zu  14000  Münzen  selbsttätig 
rändelt. 

—  Der  niederländische  General  Menno  von  Coohoorn  verstärkt  die  Festungen 
seines  Landes  durch  Einfühnmg  eines  bis  auf  das  Grundwasser  gesenkten 
und  daher  mit  der  Sappe  nicht  überschreitbaren  Grabens  und  vermehrt 
die  Anlagen  zur  Durchführung  einer  zähen  abschnittsweisen  Verteidigung. 
Er  ist  der  Erfinder  der  kleinen,  beweglichen,  zum  Massengebrauche  be- 
stimmten sog.  Coehoorn'schen  Mörser. 

—  Hendryk  van  Devontar  bearbeitet  die  Lehre  vom  engen  Becken  und  gibt 
die  erste  Einteilung  der  abnormen  Verhältnisse  des  Beckens.  Er  erwirbt 
sich  große  Verdienste  um  die  Therapie  des  engen  Beckens. 

—  Der  gelähmte  Uhrmacher  Stephan  Farfitr  in  Altdorf  macht  eine  praktische 
Anwendung  von  der  von  Hautzsch  (s.  1649  H.)  gemachten  Erfindung,  indem 
er  sich  zur  eignen  Beförderung  einen  kleinen  Wagen  baut,  dessen  Räder 
er  durch  eine  Handkurbel  bewegt.  Sein  Gefährt  ist  zuerst  vierrädrig, 
wird  aber  später  dreirädrig  umgebaut. 

—  Christian  Ffirnor  erfindet  die  Wind  wage,  durch  die  es  möglich  wird,  den 
Wind  für  die  Orgel  zu  regulieren  und  die  Dichte  der  eingeschlossenen  Luft 
zu  messen. 

—     149     — 


1686 

1685  Johann  Htvellus  konstruiert  den  Oktanten,  einen  mit  einem  geteilten 
AchtelkreiB  versehenen  Winkelmesser. 

—  Der  italienische  Arzt  Giovanni  Uuiclsl  benutzt  als  erster  die  Perkussion 
des  Stemum  bei  Aneurysma  am  Herzen. 

—  Giovanni  Landil  unterscheidet  zuerst  zwischen  wahrem  imd  falschem  An- 
eurysma und  nennt  als  hauptsächliche  Ursache  der  Aneurysmen  mecha- 
nische Einwirkungen  und  die  Syphilis. 

—  Isaac  Newton  findet  den  Satz,  daß  die  Dichte  der  Luft  sich  in  geometrischer 
Progression  vermindert,  wenn  die  Höhe  in  arithmetrischer  Progression 
wächst  und  gibt  dadurch  die  Unterlage  zu  Halleys  barometischen  For- 
schungen.    (S.  1686  H.) 

—  Verbindet  man  ein  Femrohr  so  mit  einer  Achse,  daß  dasselbe  unter  jedem 
beliebigen  Winkel  zu  derselben  festgehalten  werden  kann  und  bringt  so- 
dann die  Achse  mit  Hilfe  der  bereits  gemachten  Bestimmungen  in  die 
Richtung  der  Weltachse,  so  heißt  das  Fernrohr  parallaktisch  montiert, 
zumal  wenn  damit  ein  Uhrwerk,  das  die  Achse  in  einem  Tage  einmal 
umdreht  und  anderseits  zwei  geteilte  ELreise,  der  sog.  Stundenkreis  und 
der  Deklinationskreis  verbunden  sind.  Ein  solches  Instrument  wird  zu- 
erst von  Scheiner  imd  etwas  später  von  Grünberger,  in  vollkommener 
Weise  aber  erst  von  Olaf  Römer  in  seiner  „Machina  acquatorea"  verwirklicht. 

—  Der  französische  Anatom  Raymond  dt  VlemtMS  beschreibt  zuerst  die  Pyra- 
miden und  Oliven  im  verlängerten  Mark. 

—  Johann  Zahn  schlägt  vor,  statt  des  Fadenkreuzes  (s.  1667  A.)  mittels  Diamant 
auf  Glas  eingeritzte  Gitter  zu  verwenden;  dieselben  werden  1739  von 
Benjamin  Martin  und  1796  von  Brander  noch  wesentlich  vervollkommnet 
und  von  Lambert  warm   empfohlen. 

1686  Nachdem  die  erste  unzweifelhafte  Angabe  über  das  Vorhandensein  von 
kleinen  Tierchen  in  der  Haut  von  Erätzekranken  in  der  „Physica  Sanctae 
Hildegardis"  um  1150  gemacht  worden  war,  weisen  Giovanni  Cosimo 
Bonomo  und  Hyacinth  Ctttonl  nach,  daß  die  Milben  das  einzige  ursächliche 
Moment  der  Krätze  sind,  eine  Angabe,  die  1786  durch  Wichmann  be- 
stätigt wird. 

—  Johann  Ck)nrad  Branner,  Anatom  in  Heidelberg,  entdeckt  die  Brunner*schen . 
Drüsen  und  stellt  (s.  1709  B.)  Versuche  über  partielle  Exstirpation  von 
Pankreas  und  Milz  bei  Tieren  an,  die  zeigen,  daß  nach  solcher  Operation 
Tiere  weiter  leben  können. 

—  Nachdem  Newton  (s.  1685  N.)  die  allgemeinen  Regeln  für  die  Abnahme 
der  Dichte  der  Luft  mit  der  Höhe  festgestellt  hatte,  gibt  Edmund  HaHey 
eine  Barometerformel  für  die  barometrische  Höhenmessung,  die  von  Jean 
Cassini,  Celsius,  Lambert,  namentlich  aber  von  Deluc  (s.  1772  D.)  wesent- 
lich verbessert  wird. 

—  Edmund  Halloy  entwirft  eine  Windkarte,  zugleich  die  älteste  aller  meteoro- 
logischen Karten. 

—  Henning  Hutmann  ist  nachweislich  der  erste,  der  Maschinenbohrung  für 
die  Sprengarbeit  in  Bergwerken  einführt. 

—  Gottfried  Wilhelm  von  Ltlbnlz  begründet  mit  seiner  Abhandlung  „De  geo- 
metria  recondita  et  analysi  indivisibilium  atque  infinitorum"  die  Int«gral- 
rechnimg.  Hier  erscheint  zum  ersten  Male  das  Integralzeichen  /  im  Drucke, 
das  Leibniz  schon  i.  J.  1675  an  Stelle  der  von  Cavalieri  herrührenden  Be- 
zeichnung „Omnia**  vorgeschlagen  hatte.  Das  Wort  „Integral"  wird  zuerst 
1689  von  Jacob  BemouUi  gebraucht.  Auch  die  Benennung  „Funktion" 
rührt  von  Leibniz  her,  desgl.  die  Einführung  des  einfachen  Punktes  als 
MultipHkations-,  des  Doppelpunktes  als  Divisionszeichen. 

—  Marcello  Malplghl  entdeckt  bei  der  Untersuchung  des  Seidenschmetterlings  | 

—      150     —  I 


1687 

das  Rüokengefäß  und  das  Nervensystem  der  Insekten,  sowie  die  Spinn- 
drüsen  und  die  Malpighi'schen  Blindsäcke. 

1686  John  Ray  erkennt  die  Bedeutung  der  Kotyledonen  (Samenlappen)  für  eine 
natürliche  Systematik  der  blühenden  Pflanzen. 

^  John  Ray  erkennt  zuerst  das  Etiolement  (die  Vergeilung)  von  Pflanzen  als 
einen  vom  Lichtmangel  abhängigen  Vorgang.  Nähere  Untersuchungen 
hierüber  werden  von  Senebier  (1786),  A.  P.  de  Candolle  (1832)  und  nament- 
lich von  Sachs  (1863)  gemacht. 

1687  Giovanni  Domenico  Oastlnl  findet  das  nach  ihm  benannte  Gesetz  der  Be- 
wegung des  Mondes  um  seine  Achse. 

^  William  Crarptr  entdeckt  die  ,,Cowper'sche  Drüsen"  genannten  Harn- 
röhrendrüsen. 

—  Isaac  Newton  spricht  in  der  Einleitung  zu  seinen  „Philosophiae  naturalis 
prindpia  mathematica"  klar  aus,  daß  alle  Erscheinungen  in  der  Natur  von 
gewissen  Kräften  hervorgebracht  werden,  durch  welche  entweder  die 
Körper  und  die  Atome  der  Körper  einander  genähert  oder  voneinander 
entfernt  werden.  „Da  aber  diese  Kräfte  bisher  unbekannt  gewesen  sind, 
so  sind  auch  alle  unsere  Bemühungen,  die  Ursachen  jener  Erscheinung  zu 
finden,  vergeblich  gewesen!'' 

—  Isaac  Newton  formuliert  in  seinen  „Principia"  das  Prinzip  der  Gleichheit 
zwischen  Wirkimg  und  Gegenwirkung,  das  übrigens  Huygens  bereits  be- 
kannt war  und  von  ihm  bei  Aufstellung  der  Gesetze  der  Zentrifugalkraft 
benutzt  wurde.  „Die  Wirkung  ist  stets  der  Gregenwirkimg  gldch"  oder 
„die  Wirkungen  zweier  Kräfte  aufeinander  sind  stets  gleich  und  von  ent- 
gegengesetzter Richtung."    (Drittes  Bewegtmgsgesetz.) 

—  Isaac  Newton  beweist  zuerst  auf  synthetischem  Wege  den  1586  von  Stevinus 
nur  angedeuteten  Satz  vom  Parallelogramm  der  Kräfte. 

—  Isaac  Newton  zeigt,  daß  gleichlange  Pendel  aus  dem  verschiedensten  Material 
im  luftleeren  Räume  gleiche  Schwingungsdauer  haben,  die  Oszillations- 
dauer eines  Pendels  somit  unabhängig  von  der  Natur  des  schwingenden 
Körpers  ist.  Auch  gibt  er  eine  Formel  zur  Berechnung  der  Schallgeschwindig- 
keit, die  später  von  Laplace  (s.  1816  L.)  berichtigt  wird. 

—  Isaac  Newton  begründet  die  Theorie  wellenförmiger  Bewegungen  in  elastisch- 
flüssigen Mitteln  imd  behandelt  sehr  eingehend  den  Widerstand  des  Mittels, 
der  nach  ihm  dem  Quadrat  der  Greschwindigkeit  des  Körpers  proportional  ist. 

—  Isaac  Newton  nimmt  an,  daß  zur  relativen  Verschiebung  zweier  Schichten 
einer  Flüssigkeit  eine  gewisse  Kraft  erforderlich  sei,  daß  somit  ungleich 
schnell  bewegte  Flüssigkeitsschichten  einander  wechselweise  in  ihren  Be- 
wegungen beschleunigend  oder  verzögernd  beeinflussen.  Diese  Wechsel- 
wirkung nennt  er  Reibung  der  Flüssigkeitsschichten  imtereinander  imd 
nimmt  an,  daß,  wenn  sich  zwei  unendlich  dünne  Flüssigkeitsschichten  über- 
einander bewegen,  die  Kraft,  mit  welcher  die  schnellere  Schicht  verzögert 
und  die  langsamere  beschleunigt  wird,  proportional  ist  der  Bewegungs- 
fläche der  beiden  Schichten  und  der  Differenz  ihrer  Greschwindigkeiten. 

^  Isaac  Newton  begründet  die  statische  Theorie  von  Ebbe  imd  Flut,  die  durch 
ihn  ein  Kapitel  der  allgemeinen  Lehre  vom  Gleichgewicht  und  der  Be- 
wegung der  Flüssigkeiten  wird. 

—  Isaac  Newton  äußert  die  Vermutung,  daß  die  Stoffe,  welche  zu  einer  Gruppe 
von  Weltkörpem  (zu  einem  Planetensystem)  gehören,  dieselben  seien. 

—  Denis  Papin  kommt -^zuerst  auf  die  Idee,  Arbeitskraft  mittels  verdichteter 
atmosphärischer  Luft  auf  größere  Entfernungen  fortzuleiten,  und  entwirft 
eine  Kompressionsmaschine,  die  diesem  Zwecke  dienen  soll,  von  deren  Aus- 
führung jedoch  nichts  bekannt  geworden  ist. 

—  Gottfried  aciralz  entdeckt  die  Darstellung  des  Zinnobers  auf  nassem  Wege 

—     151     — 


durch  Schütteln   von  Quecksilber   mit  Boyle's   flüchtiger  Schwefeltinktur 
( Schwefelammonium ) . 

1687  Der  Pater  Sttlnkopff  erwähnt  im  „Schweizerischen  Botaniker*'  zuerst  die 
Winterveredlung,  d.  h.  die  Ausführung  des  Pfropfens  im  Herbst  oder  Winter, 
also  zu  einer  Zeit,  wo  die  Bäume  ohne  Saft  und  daher  weniger  empfind- 
lich gegen  Einschnitte  sind. 

—  Ehrenfried  Walter  von  Tschlmhaus  gelingt  es,  mit  Hilfe  eines  Brennspiegels 
glasartige  Massen  zu  schmelzen,  welche  als  Vorläufer  des  Böttger'schen 
Porzellans  gelten  können. 

—  Der  Marschall  Sebastien  Lepr^tre  (to  VaulNU  ändert  bei  der  Befestigung  von 
Beifort  und  Landau,  später  auch  bei  Neubreisach  sein  sog.  erstes  System 
um,  indem  er  einen  polygonalen  Hauptwall  mit  flankierenden,  durch  deta- 
schierte  Bastione  gedeckten  Türmen  einführt. 

—  Die  erste  Erwähnung  eines  Personenaufzugs  (Fahrstuhls)  findet  sich  in 
Jablonsky*s  allgemeinem  Lexikon.  Hiemach  hat  der  Mathematiker  Erhard 
Wtlgtl  in  Jena  i.  J.  1687  einen  „Fahrsessel"  erfunden,  der  in  einer  3  Fuß 
weiten  Wandnische  derart  angebracht  ist,  daß  man  sich  mit  Hilfe  von 
Gegengewichten  schnell  aus  einem  Stockwerk  in  das  andere  befördern  kann. 

—  Carol  Zumbe  schlägt  zuerst  vor,  statt  der  Holzpflöcke,  die  bislang  zum 
Besatz  der  mit  Pulver  gefüllten  Bohrlöcher  benutzt  wurden,  Letten  (Ton) 
als  Besatzmittel  zu  verwenden,  wodurch  die  bergmännische  Schießarbeit 
wesentlich  gefördert  wird. 

1688  Der  Holländer  Meeuves  Meindertszoon  Bakker  erfindet  die  „Kamel"  ge- 
nannte Hebevorrichtung  für  große  Schiffe,  die  dazu  dient,  tiefgehende 
Schiffe  aus  der  Zuidersee  über  den  Pompus  in  das  Y  zu  bringen. 

1688^98    Garblllon  erforscht  China  im  Auftrage  Kußlands. 

1688  Robert  Hookt  erklärt  die  Versteinerungen  als  wertvolle  Denkmäler  der 
Natur.  Er  weist  auf  den  Widerspruch  zwischen  den  in  England  auf- 
gefundenen Petrefakten  und  dem  in  der  historischen  Zeit  daselbst  herr- 
schenden Klima  hin  und  deutet  an,  daß  die  Versteinerungen  vielleicht  zn 
einer  chronologischen  Gliederung  der  sie  umgebenden  Ablagerungen  dienen 
könnten.     (Vgl.  1680  L.) 

—  Abraham  Tbfvart  in  Paris  erfindet  die  Methode  des  Gießens  des  Spiegel- 
glases, welche  die  bis  dahin  übliche  Methode  des  Blasens  verdrängt.  Viel- 
fach wird  als  Erfinder  dieser  Methode  auch  Louis  Lucas  de  Nehou  genannt. 

1689  Jacob  B«moulll  ist  der  erste,  der  nächst  Leibniz  die  Differential-  und  Inte- 
gralrechnung (bei  seiner  Abhandlung  über  die  Isochrone)  anwendet. 

—  Johann  Bohn  beschäftigt  sich  eingehend  mit  allen  Fragen  der  gerichtlichen 
Medizin  und  führt  einen  großen  Aufschwung  derselben  herbei.  £r  führt 
für  diese  Disziplin  die  Bezeichnung  „Medicina  forensis"  ein.    (S.  a.  1614  C.) 

—  Der  große  Salzsee  in  Nordamerika  wird  zuerst  vom  Baron  La  Hotan  i.  J. 
1689  erwähnt.  Genauer  erforscht  wird  der  See  durch  H.  Stansbury 
1849—50. 

—  Antony  Leeuwmhoek,  der  das  Mikroskop  zuerst  zum  Studium  des  feineren 
Baues  des  Auges  verwendet,  entdeckt  die  Stäbchenschicht  der  Netzhaut 
die  faserige  Zusammensetzung  imd  den  Epithelüberzug  der  Homhant 
und  vermutet  auch  die  faserige  Beschaffenheit  der  Linse. 

—  Richard  Morton  führt  an,  daß  die  Lungenschwindsucht  stets  aus  Tuberkeln 
und  nie  auf  andere  Weise  entstehe. 

—  Denis  Papln  erfindet  die  Zentrifugalpumpe,  die  indes  nicht  zur  Verwendung 
kommt,  da  es  an  einem  Motor  fehlt,  der  ihr  die  nötige  rasche  Bewegung 
mitteilt.  Der  Apparat  wird  jedoch  fortan  als  Ventilator,  insbesondere  um 
Wind  für  Öfen  zu  geben,  und  auch  als  Komreinigungsmaschine  benutzt. 

—  Olaf  RdfiMr  konstruiert  das  Passageinstrument  (Durchgangsinstrument).  das 

—      152     —  ' 


lft»0 

in  die  Meridianebene  eingestellt  wird  und  das  Hauptinstniment  für  die 
astronomische  Zeitbestimmang  bildet.  Er  erkennt  anch  die  Vorzüge  des 
ersten  Vertikales  für  gewisse  Bestimmungen  und  konstruiert  ein  besonderes 
Passageinstrument  für  Bestimmungen  im  ersten  Vertikal. 
1090  Nachdem  Zambeccari  1670  in  einem  Briefe  an  F.  Redi  erwähnt  hatte,  daß 
er  zwei  Nephrektomien  an  Hunden  vorgenommen  habe,  von  denen  der  eine 
den  Eingriff  überstanden  habe,  macht  Stephen  Blankaart  die  gleiche  Ope- 
ration an  anderen  Tieren  und  spricht  davon,  daß  steinhaitige,  in  Ver- 
schwärung  übergegangene  Nieren  nach  Unterbindung  der  Gefäße  ebenso, 
wie  die  Milz,  exstirpiert  werden  können. 

—  Rudolph  Jacob  Camerarhis  liefert  die  erste  Abbildung  des  Stechapfels,  der, 
wie  er  glaubt,  aus  dem  Orient  stamme,  der  aber  sicher  schon  Theophrastos 
bekannt  war.  Das  Alkaloid  aus  dem  Stechapfel  wird  1833  von  Geiger  und 
Hesse  hergesteüt.    (S.  1831  M.) 

—  Peter  Emony  in  Amsterdam  gibt  für  den  Dreiklang  der  Kirchenglocken  die 
noch  heute  gültigen  Gesetze  an. 

—  John  FlamtlMd,  Astronom  an  der  durch  ihn  ins  Leben  gerufenen  Stern- 
warte von  Green  wich,  hat  zuerst  i.  J.  1690,  also  fast  100  Jahre  vor 
Hersehel  (s.  1781  H.),  und,  wie  aus  seinen  Aufzeichnungen  hervorgeht,  später 
noch  viermal  den  Uranus  beobachtet,  ohne  aber  dessen  planetarische  Natur 
zu  erkennen. 

—  John  Floyar  führt  als  Hilfsmittel  zur  sicheren  Pulszählung  die  Sekunden - 
uhr  ein  und  berechnet  das  Verhältnis  der  Geschwindigkeit  des  Pulses  zur 
Schnelligkeit  des  Atmens. 

*  Domenico  Gvfflioliiiliil  bedient  sich  zu  seinen  hydrometrischen  Bestimmungen 
des  Strom quadranten,  bei  dem  aus  der  Richtung,  den  das  Bleilot  durch 
den  Wasserstoß  erhält,  die  Stoßkraft  des  Wassers  berechnet  wird.  Zen- 
drini  (1717),  Manfred!  (1723),  Michelotti  (1767)  bedienen  sich  sämtlich 
dieses  Apparates  zu  ihren  hydrometrischen  Messungen.  Das  Hydrotacho- 
meter  von  Raucourt  (1828),  die  Wasserfahne  von  Ximenez(1780),  das  Tacho- 
meter von  Brünning  (1798)  sind  sämtlich  Abarten  des  Wasserquadranten. 
Der  erste  Nebelfleckenkatalog,  welcher  Johann  Htvellus  zu  verdanken  ist, 
wird  im  Jahre  1690  posthum  veröffentlicht. 

Christian  HuyfHls  stellt  in  seiner  Schrift  „Trait^  de  la  lumi^re**  sein  Prinzip 
der  Elementarflächen  (einhüllenden  Flächen)  auf,  nach  welchem  jeder 
Punkt  eines  in  Wellenbewegung  begriffenen  materiellen  Systems  durch 
s^ne  Bewegung  der  Ursprung  sogenannter  Elementarwellen  wird,  aus  deren 
Übereinanderlagerung  und  Interferenz  die  tatsächlichen  Wellen  hervor- 
gehen. Durch  dieses  Prinzip  gelingt  es  ihm,  die  Reflexion  und  Brechung 
des  Lichts  auf  Gnmd  der  Undulationstheorie  zu  erklären.  Auch  für  die 
Erdbebenphysik  gewinnt  dieses  Prinzip  später  fundamentale  Bedeutung. 
Christian  HuyfMit  ist  der  erste,  welcher  beim  Durchgang  des  Lichts  durch 
isländischen  Doppelspat  (s.  a.  1669  B.)  ein  verschiedenes  Verhalten  der  Licht- 
BlTahlen  beobachtet  (Polarisation  des  Lichts). 

90 — 92  Der  deutsche  Mediziner  Engelbrecht  KftmptWr  erforscht  Japan.  (Vgl. 
sein  zuerst  in  englischer  Sprache  erschienenes  Werk  „History  of  Japan 
and  Siam*'.) 

K)  Denis  Papln  schlägt  vor,  in  geschlossenen  Gefäßen  durch  Kondensation 
darin  enthaltenen  Dampfes  ein  Vakuum  zu  erzeugen,  wie  dies  später  in 
der  Newcomen'sohen  Dampfmaschine  geschieht. 

Dom  PirIfMB,  der  Pater  Kellermeister  der  Benediktinerabtei  Hautvillers, 
erfindet  den  Flaschen  Verschluß  durch  Korken.  Auch  zeigt  er,  wie  sich 
die    bei   der  Gärung  in  dw  Flasche   gebildete  Hefe   entfernen   läßt,    ohne 

—      153     — 


1680 

den  KohlenBäaregehalt  des  Weins  wesentlich  zu  vermindern,  womit  er  den  i 
Grund  zur  Champagnerfabrikation  legt. 
1690  Miohel  Rolto  veröffentlicht  in  seiner  Schrift  „Trait6  d'Alg^bre'*  außer  eine  i 
wirklichen  Methode  zur  Auflösung  unbestimmter  Gleichungen  auch  Nähe- 
rungsmethoden  zur  Bestimmung  der  Gleichungswurzeln,  unter  denen  di» 
Methode  der  Kaskaden  hervorragt.  (Die  Kaskaden  sind,  in  die  heutig» 
mathematische  Sprache  übersetzt,  die  aufeinanderfolgenden  Ableitnngoi 
der  gegebenen  Gleichung.) 

—  Der  Mediziner  Christian  Günther  ScMNUMlilltr  spricht  zuerst  aus,  daß  der 
Ton  durch  Schallwellen  entsteht. 

—  Slltstr  in  Braunschweig  führt  die  Cascarillarinde  in  den  medizinischen  Ge- 
brauch ein. 

1601*  Jacob  Btmoalll  behandelt  mit  der  Integralrechnung  die  Kettenlinie,  die 
von  Kufiez  (s.  1546)  gefundene  Loxodrome,  sowie  die  logarithmische  und 
parabolische  Spirale.  Er  benutzt  bei  seiner  Arbeit  über  die  parabolischej 
Spirale  das,  was  Leibniz  1692  krummlinige  Koordinaten  nennt. 

—  William  Cock  gibt  seine  „Meteorologica**  heraus,  in  welcher  er  von  der 
Beurteilung  der  Veränderung  der  Luft  und  des  Wechsels  des  Wetters  in 
verschiedenen  Ländern  spricht. 

—  Nachdem  die  dionysische  Aera  (s.  525  Dionysius  und715Beda)  allgemeiaen 
Eingang  gefunden  hatte,  sich  aber  trotzdem  häufige  Widersprüche  hera\]»- 
gestellt  hatten,  weil  die  Kaiser  und  Päpste  in  ihren  Erlassen  und  Bulled 
vielfach  den  25.  Dezember  als  Jahresanfang  gebrauchten,  setzt  der  Paps^ 
InnoCMZ  XII.  fest,  daB  das  Jahr  ledigUch  mit  dem  1.  Januar  beginnei] 
solle. 

—  Friedrich  Rvytch  beschreibt  genau  die  Bronchialäste,  welche  Galen  dunkel 
erwähnt,  und  Philipp  Verheyen  (1705)  oberflächlich  beschrieben  hatte.  Ei 
entdeckt  das  Periost  der  Gehörknöchelchen  und  gibt  eine  genaue  Dar« 
Stellung  der  Gefäßversorgung  der  Paukenhöhle. 

—  John  Tyzackt  erhält  ein  englisches  Patent  auf  eine  Waschmaschine  zur  Bei 
freiung  der  Gewebe  (Leinen,  Wolle  usw.)  von  den  durch  das  Fabrikation«^ 
verfahren  verursachten  Verunreinigungen. 

1692  Johaim  Konrad  Amman  aus  SchafQiausen  lehrt  Taubstumme  sprechen 
indem  er  sie  gewöhnt,  auf  die  bei  jedem  Laut  veränderte  Stellung  den 
Organe  des  Mundes  zu  achten,  dieselben  mit  dem  G^cht  aufzufassen  un^ 
vor  dem  Spiegel  nachzuahmen.  Seine  Methode  wird  von  Samuel  Heinicki 
1768  wesentlich  vervollkommnet.     (Vgl.  auch  1570  P.) 

—  Giovanni  Domenico  Oastinl  erkennt  aus  den  Flecken  der  Jupiteroberflädi 
eine  Rotation  dieses  Planeten,  die  er  zu  9  b  50  m  berechnet. 

—  Clopton  Havtri  veröffentlicht  in  seiner  „Osteologia  nova"  seine  Untei 
Buchungen  über  die  Anatomie  und  Histologie  der  Knochen  und  macht  aid 
namentlich  durch  die  Entdeckung  der  Knochengefäßkanälchen  „Canalcul 
Haversiani*'  sehr  bekannt. 

—  Wilhelm  Homberf  zeigt  die  Nutzlosigkeit  der  trockenen  Destillation  (Pyri 
analyse)  für  die  Pflanzenanalyse,  indem  er  nachweist,  daß  zwei  ganz  vc^: 
schiedene  Pflanzen,  wieB^adonna  und  Kohl,  so  ähnliche  pyroanaljrtisctj 
Produkte  haben,  als  ob  man  eine  dieser  Pflanzen  zweimal  destilliert  bätt^ 
(S.  a.  1668  Dodart.) 

—  Denis  Papln  verwirklicht  seine  in  einem  Briefe  vom  Jahre  1601  an  Chriatia 
Huygens  geäußerte  Idee,  indem  er  ein  Taucherschiff  baut,  mit  denn  i 
sich  im  Mai  mehrmals  unter  den  Spiegel  der  Fulda  hinab  läßt,  von  wo  < 
ein  angezündetes  Licht  wieder  mit  hinauf  bringt.  Die  Luftemeuerung  b^ 
sorgt  er  durch  einen  Zentrifugalventilator.    Es  scheint  damit  seine  Priorit^ 

—     154     - 


1694 

Yor  Halle j,  der  die  Lultzuführung  in  die  Taucherglocke  (1724)  vermittelst 
eines  Schlauches  bewirkt,  zweifellos  erwiesen. 

John  Ray  ist  der  erste  Schriftsteller  nach  Strabo,  der  über  die  Wirkung 
der  fließenden  Glewässer  im  Binnenlande  und  die  AngrifFe  des  Meeres  auf 
die  Küste  spricht. 

Georg  Ernst  8MI  gibt  die  Anregung  zur  Erforschung  vom  Psychischen 
und  Physischen  in  allen  physiologischen  und  pathologischen  Vorgängen» 
sowie  zu  deren  therapeutischer  Verwertung  und  bedingt  hierdurch 
einen  Fortschritt  in  der  Auffassung  und  Behandlung  der  psychischen 
ELTankheiten. 

Vinoenzo  Vlvianl  stellt  das  als  „Florentiner  Aufgabe*'  berühmte  Problem: 
In  eine  Halbkugel  vier  gleichgroße  Offnungen  derart  herauszubrechen,  daß 
der  Rest  der  Halbkugelfl&che  quadrier  bar  sei.  Die  Losung  geschieht  durch 
Leibniz,  Bemoulli  und  L* Hospital  mit  Hilfe  der  Differentialreohnung. 
ÜMtallim  in  Breslau  führt  die  erste  Resektion  am  Oberkiefer  aus.  Daß 
Oribasius  eine  solche  gemacht  habe,  ist  zweifelhaft,  wie  auch  die  angeb- 
lich um  die  Mitte  des  17.  Jahrhunderts  von  Molinetti  gemachte  Resektion 
sieh  lediglich  auf  Entleerung  von  Eiteransammlung  bezog. 
Edmund  Halloy  macht  den  ersten  Versuch  der  geographischen  Flächen- 
messung durch  Wägung  der  aus  der  Landkarte  mit  der  Schere  ausge- 
schnittenen Flächenstücke,  ein  Versuch,  der  von  dem  Jesuiten  Scherer 
(1710)  mit  Erfolg  wiederholt  wird. 

Der  Engländer  J.  Harriloy  erhält  das  erste  Patent  auf  einen  Wellenmotor, 
bei  welchem  die  Bewegung  der  Brandung  zur  Gewinnung  von  motorischer 
Kraft  in  der  Weise  benutzt  wird,  daß  ein  Schwimmgefäß  mit  der  Welle 
auf  und  ab  geht,  wodurch  eine  Mühle  in  Betrieb  gesetzt  wird. 
Georg  Holyk  gibt  in  seinem  Gartenbuche  zuerst  die  Veredelung  der  Bäume 
und  Sträucher  durch  Kopulieren  an. 

WOhelm  Hsmktrf  entdeckt,  daß  geschmolzenes  Chlorcalcium  phosphores- 
zierend ist;  das  Präparat  wird  nach  ihm  als  Homberg'scher  Phosphor 
bezeichnet. 

John  Ray  führt  in  die  Zoologie  den  naturhistorischen  Begriff  der  Art 
ein  und  berücksichtigt  die  Anatomie  der  Thiere  als  Grundlage  der  Klassi- 
fikation. 

Johann  Barnonlll  weist  nach,  daß  Fische  in  Wasser,  das  vorher  von  Luft 
befreit  ist,  nicht  leben  können.    (S.  a.  1670  B.) 

Jacob  Rudolf  Camarariiit  weist  experimentell  die  Sexualität  im  Pflanzen- 
reiche nach,  die  schon  Grew  und  Ray  vermuteten. 

Philippe  Dflahir«  behandelt  zuerst  die  Theorie  der  Epizykloide  in  syste- 
matischer Weise. 

Joäo  Fsmyra  te  Ron  gibt  eine  genaue  Beschreibung  des  gelben  Fiebers 
und  beschäftigt  sich  mit  dessen  Ursachen,  seiner  Verbreitung,  seinen 
Symptomen,  der  Prognose  und  Behandlung  der  Krankheit.  Die  frühest 
bekannte  Beschreibung  des  gelben  Fiebers  rührt  von  Thukydides  her,  der 
selbst  von  der  Krankheit  befallen  war. 

Engelbert  KinpfUr  beschreibt  die  Naphthaquellen  und  die  ewigen  Feuer 
der  Apscheronhalbinsel  an  der  Westküste  des  Kaspischen  Meeres  (Baku), 
die  zuerst  um  930  von  Massudi  erwähnt  worden  waren. 
Gottfried  Wilhelm  von  Lslbnlz  macht  in  einem  Briefe  vom  Mai  1604  darauf 
aufmerksam,  daß  zur  Integration  von  Differentialgleichungen  vor  allem 
die  Variablen  getrennt  werden  müssen. 

Christopher  Psiism  gibt  für  den  Bergwerksbetrieb  die  Förderung  mit  starren 
Grestangen  an,  die  ähnlich  wie  die  Gestänge  der  Fahrkunst  auf  und  ab  be- 

—     155     — 


1695 

wegt  werden,  und  führt  eine  solche  Förderung  in  Falun  ein.  Diese  Ä\ 
der  Förderung  wird  1776  von  Hubert  Sarton  in  Belgien  verbess^t  un 
neuerdings  von  M6hu  wieder  aufgenommen. 

1695  Nehemiah  Grtw  entdeckt  im  Epsomer  Bitterwasser  das  Bittersalz  (Schwef< 
saure  Magnesia),  welches  infolge  seines  Ursprungs  auch  EpsomsaLe  hei 
und  1710  von  Friedrich  Hoffmann  zur  milden  Abfuhrung  empfohlen  wiii 

—  Gottfried  Wilhelm  von  Laibnlz  definiert  in  den  Act.  Erud.  von  1695  d 
lebendige  Kraft  als  Produkt  aus  Masse  und  Quadrat  der  Geschwindigk^ 
und  betrachtet  dieselbe  als  das  wahre  Kraftmaß  eines  in  Bewegung  hi 
findlichen  Körpers. 

—  Der  Werkführer  Morin  in  St.  Cloud  erfindet  das  Frittenporzellan  (Pore 
laine  tendre). 

—  Tomplon  äußert  die  erste  Idee  der  Zylinderhemmung  für  Taschenuhren. 

—  John  Woodward  in  London  tritt  mit  Entschiedenheit  der  zu  seiner  Zeit  no^ 
verbreiteten  Meinung  entgegen,  wonach  die  Versteinerungen  nur  müßt^ 
Naturspiele  seien.  Er  nimmt  als  Ursache  der  Sintflut  den  Ausbruch  cini 
unterirdischen  Meeres  an.  Seine  Versuche,  die  von  ihm  beobachteten  E 
scheinungen  mit  der  heiligen  Schrift  in  Übereinstimmung  zu  bringen,  führ^ 
ihn  mehrfach  zu  seltsamen  Hypothesen. 

1696  Der  von  Wolodomir  Atlanow,  Befehlshaber  in  Anadyrsk,  entsandte  Koa^ 
Morosko  erreicht  zuerst  Kamschatka.  Atlassow  selbst  folgt  im  nächst^ 
Jahre  mit  einer  größeren  Truppenabteilung  und  errichtet  am  13.  Juü  16^ 
am  Kamschatka-Fluß  ein  Kreuz  zum  Zeichen,  daß  das  Land  von  ihm  { 
Besitz  genommen  sei. 

—  Augustin  MIottl  rät  bei  der  Behandlung  der  Wunden  vor  allem  die  Li^ 
fernzuhalten,  weil  dieselbe  kleine  Atome  mit  sich  führe,  welche  die  A| 
steckung  der  Wunden  vermittle.  Er  empfiehlt  bei  der  Wundbehandln^ 
Mittel,  welche  die  Eitenmg  beschränken  und  die  Zersetzung  verhind<i 
imd  nennt  als  solches  Mittel  vor  allem  den  Alkohol,  der  später  in  Bataill 
(1859)  einen  eifrigen  Fürsprecher  findet.  i 

—  Johann  B«moulll  stellt  die  Aufgabe,  die  Brachistochrone  zu  finden,  d.  1 
diejenige  Kurve,  auf  der  ein  Körper  herabfallen  muß,  um  in  möglichi 
kurzer  Zeit  zu  einem  tiefer  gelegenen  Punkte  zu  gelangen.  Mit  diei«cj 
Probleme  beginnt  die  Entwicklung  der  Variationsrechnung. 

—  Der  französische  Akademiker  GuiUaume  Fran^ois  dt  l'HoipItal  veröffentlich 
das  erste  Lehrbuch  der  Differentialrechnimg  „Analyse  des  infiniment  petij 
pour  rintelligence  des  lignes  courbes". 

—  Johann  Lottlnf  stellt  zuerst  Fingerhüte  fabrikmäßig  her,  die  man  aber  d^ 
mals  auf  dem  Daumen  trug.  Die  Annahme,  daß  Nicolaas  van  Beschoot« 
in  Amsterdam  (um  1684)  den  Fingerhut  erfunden  habe,  ist  widerleg 
(Vgl.  hierzu  1210  Walter  von  der  Vogelweide.) 

—  John  Ray  liefert  die  erste  Beschreibung  der  Pfefferminze,  die  als  Arznii 
pflanze  zuerst  in  England  und  erst  viel  später  (1777)  in  Deutschl^ 
gebraucht  wird.  Er  erwähnt  auch  zuerst  die  Senegapflanze,  dere 
Wurzel  von  den  Indianern  gegen  den  Biß  der  Klapperschlangen  verwci 
det  werde. 

1697  Pantaleon  Htbfnttrelt  versieht  ein  dem  Hackebrett  ähnliches,  mit  Dani 
Saiten  und  Drahtsaiten  überzogenes  Instrument  mit  Dockenaulschlag  un 
wird  der  Vorläufer  der  Hammermechanik,  indem  er  durch  die«  Instrumei 
Schröter  (s.  1711  C.)  zu  seiner  Erfindung  anregt. 

—  Johann  Christian  ilaeoki  verwendet  weißen  Arsenik  mit  Pottasche  neutr 
lisiert  und  in  Wasser  gelöst  innerlich  bei  Weohselfiebem. 

—  Richard  Morton  in  London  erkennt  zuerst,  daß  die  perniziösen  FieN 
durch    die   Ausdünstungen    sumpfiger   Gregenden    veranlaßt    werden    tu 

—     156     — 


1700 

scbieibt  deren  Behandlung  mit  Chinarinde  vor,  die  auch  Sydenham  1723 
empfiehlt. 

1697  Antonio  Pacehloiil  entdeckt  die  sogenannten  „Pacchioni'schen  Drüsen*'  der 
harten  Hirnhaut. 

1698  Johann  Btmoulll  nimmt  zuerst  das  Problem  der  kürzesten  Linie  zwischen 
zwei  Punkten  einer  krummen  Fläche  mit  Erfolg  in  Angriff.  Er  gelangt 
dabei  zu  Raumkurven,  die  später  als  „geodätische  Linien''  bezeichnet 
werden. 

—  Laagfirrt  kennt  den  Wirbelcharakter  der  indischen  Stürme. 

»  Während  das  Bajonett  im  Gebrauchsfalle  anfangs  in  den  Gewehrlauf 
hineingesteckt  wurde,  und  daher  ein  Schießen  mit  aufgepflanztem  Bajonett 
unmöglich  war,  erfindet  der  englische  General  Mackty  das  Düllenbajonett, 
welches  mittels  einer  um  den  Lauf  herumgreifenden  Hülse  an  dem  Gewehre 
dauernd  befestigt  ist. 

—  Thomas  Saiviry  baut  eine  Dampfmaschine,  in  welcher  er  den  in  einem  be- 
sondern  Kessel  erzeugten  Dampf  abwechselnd  in  zwei  Behältern  benutzt^ 
während  er  das  Wasser  aus  dem  einen  heraustreibt,  saugt  er  gleichzeitig 
im  andern  durch  Kondensation  des  Dampfes  Wasser  an  (Wasserhebe- 
maschine). 

—  Soalliwtll  führt  in  England  die  kalte  Vergoldung  durch  Anreiben  mit  Gold- 
Zunder  ein,  die  angeblich  schon  vorher  von  deutschen  Goldschmieden  ge- 
übt worden  sein  soll. 

—  Der  Arzt  und  Chemiker  Georg  Ernst  Stahl  begründet  durch  seine  Schrift 
„De  venae  portae  porta  malorum  etc",  die  wissenschaftliche  Lehre  von 
den  Pfortaderleiden,  die  seit  den  ältesten  Zeiten  bekannt  und  größten- 
teils mit  dem  Glüheisen  oder  vermittels  Ätzung  und  Ligatur  behandelt 
worden  waren.  Nach  ihm  kann  das  Blut  im  Gebiete  der  klappenlosen 
Pfortader  leicht  hin  und  her  versetzt  werden  und  sich  bald  im  Magen,^ 
bald  in  der  Müz,  bald  im  Dünndarm  anhäufen. 

1699  Guillaume  AmMtons  macht  ausgedehnte  Versuche  über  den  Reibungs- 
widerstand  und  stellt  die  Gesetze  für  die  gleitende  Reibung  auf. 

—  Simon  BottMue  führt  die  von  Dodart  (s.  1668  D.)  vorgeschlagene  Extraktions - 
methode  für  die  Pflanzenanaljse  durch  und  wendet  dieselbe  zuerst  auf 
eine  vergleichende  Untersuchung  der  verschiedenen  im  Handel  befindlichen 
Ipecacuanhafiorten  an.    Als  Extraktionsmittel  verwendet  er  bald  Wasser, 

^   bald  Weingeist. 
1699^1701    Der  englische   Seefahrer    Wüham   Dampter    unternimmt    eine  Ent- 
deckungsreise nach  Australien.  Im  Jahre  1700  entdeckt  er  die  Dampierstraße 
und  stellt  fest,  daß  das  östlich  gelegene,  von  ihm  Neubritannien  genannte 
Land  von  der  Küste  von  Neuguinea  getrennt  ist. 

1699  Wilhelm  Homfctrf  sucht  zuerst  den  Säuregehalt  einer  Substanz  durch  die 
~  Gewichtszunahme  einer  bestimmten  Menge  Pottasche  zu  ermitteln.    Er 

gibt  dem  Maschenpyknometer,  das  er  Araeometer  nennt,  die  noch  jetzt 
übliche  Form.    (S.  a.  1121.) 

1700  Guiüaume  AmMtons  schlägt  als  unteren  Punkt  des  Thermometers  den  ab- 
soluten Nullpunkt  vor,  den  er  auf  — 239,5^  (umgerechnet  auf  die  heutige 
hundertteilige  Skala)  berechnet.  Er  konstruiert  ein  Luftthermometer,  bei 
welchem  das  Volum  der  eingeschlossenen  Luft  konstant  gehalten  wird 
und  die  Höhe  des  erforderlichen  Quecksüberdruckes  als  Maß  der  Tempe- 
ratur gut. 

—  Guillaume  IMWe  macht  sich  als  erster  völlig  frei  von  den  Positions- 
bestimmungen des  Ptolemaeus  und  legt  seiner  Weltkarte  und  den  Karten 
der  Erdteile  die  neueren  astronomischen  Bestimmungen  zugrunde.  Seine 
Karte  von  Europa  (1726)  gibt  zuerst  ein  naturwahres  Bild  dieses  Erdteils. 

—     157     — 


1700 

1 700  Johann  Christoph  DMinor  in  Nürnberg  entwickelt  die  Klarinette  aus  einer  fräs 
zösischen  Schalmeienart  mit  neun  Tonlöchem. 

—  Hendryk  van  DavtntMr  fördert  die  Orthopädie,  indem  er  Beinkrümmnnge« 
Sehnen  Verkürzungen  und  Muskelatrophien  mit  Bandagen  und  Maschine 
behandelt  und  Apparate  für  Rachitische  konstruiert. 

—  Der  Chemiker  Johann  Eonrad  DIpptl  erfindet  das  nach  ihm  benannte  Ol 
auch  „Tierisches  Stinköl"  genannt. 

—  Denis  Dodart  imtersucht  die  Schwingungen  der  Stimmb&nder,  deren  B^ 
dingungen  er  an  dem  Lippenverschluß  eingehend  erörtert,  und  stellt  feej 
daß  der  Ton  an  der  Glottis  entsteht  und  im  Mund  und  in  der  Nase  sux 
Klange  wird. 

—  Nachdem  Hutchinson  schon  1640  eine  unvollkommene  Karte  von  Orte^ 
gleicher  Deklination  (Isogonenkarte  nach  Humboldts  Benennung)  gezeichn^ 
hatte,  gibt  Edmund  Hallty  die  erste  vollkommene  Karte  der  Isogonen  heraus 

—  Gottfiried  Kirch  in  Guben  macht  regelmäßige  Witterungsaufzeicfanungvi 
und  pflegt  sein  Thermometer  regelmäßig,  sogar  mehrmals  am  Ta^ 
abzulesen. 

—  Johann  Kunck«!  von  LOwtnttoni  macht  in  seinem  posthum  gedruckten  .,Lab4 
ratorium  chymicum"  zuerst  auf  das  kaustische  Ammoniak  (Salmiakgeid 
aufmerksam,  das  er  mit  der  Ätzlauge  vergleicht. 

—  Ugir  erwähnt  in  seinem  Werke  „La  nouvelle  maison  rustique*'  zum  erBt«ii 
mal  die  Verwendung  der  Ölkuchen  als  Futtermittel.  Nach  der  Art  d« 
Erwähnung  kann  angenommen  werden,  daß  diese  Verwendung  namentilcl 
in  Holland  schon  seit  längerer  Zeit  üblich  war. 

—  Greorg  Memmendörfir  in  Nürnberg  ist  (nach  Doppelmeyer)  der  erste,  d« 
Stahl  zu  schmelzen  und  in  Formen  zu  gießen  versteht  und  somit  als  £] 
finder  des  Stahlgusses  anzusehen  ist,  welche  Kimst  aber  mit  ihm  veriorei 
geht. 

—  Antoine  Parcnt  wendet  die  Koordinatenmethode  zuerst  auf  den  Raum  vo| 
drei  Dimensionen  an,  indem  er  Oberflächen  durch  eine  Gleichung  zwiaoh«^ 
den  drei  Koordinaten  eines  Raumpunktes  darstellt.  Einen  weiteren  Au^ 
bau  dieses  Grebiets  bewirkt  Clairaut  in  seinen  Raumkurven.    (S.  1729  Ci 

—  Joseph  Saovtur  stellt  die  Theorie  der  Schwebungen  auf,  stellt  die  Hdrbai 
keite^grenzen  fest  und  erfindet  die  noch  jetzt  üblichen  Mittel,  die  Teil 
Schwingungen  einer  Saite  durch  Berührung  der  Knotenpunkte  hörbar  udI 
durch  aufgesetzte  Papierreiterchen  sichtbar  zu  machen.  Er  gibt  der  Ijebt 
vom  Schall  den  Namen  „Akustik". 

—  Johann  Jacob  Schtudiztr  in  Zürich  setzt  mit  seiner  Schrift  „Historiae  bei 
veticae  naturalis  prolegomena'*  die  von  Simler  (s.  1560)  begründete  wisseij 
schaftliche  Alpenkunde  fort  und  fördert  die  Versteinerungskunde.  Er  Li 
ein  Anhänger  der  Woodward'schen  Sintfluttheorie.    (S.  1696  W.) 

—  Johann  Jakob  SdMUChZMr  findet  im  Tertiärschiefer  von  Oningen  in  Bad(i 
ein  fossües  Skelett,  welches  er  i.  J.  1726  als  Sintflutmenschen  (Homo  dfln 
testis)  deutet.    Das  Skelett  wird  indes  später  als  dasjenige  eines  Larchi 
(Riesensalamanders  —  später  als  „Andrias  Scheuchzeri"  bezeichnet)  erkannj 

—  Georg  Ernst  Stahl  empfiehlt  die  medizinische  Anwendung  der  moaehoi 
duftenden  Schafgarbe,  aus  der  in  neuerer  Zeit  im  Engadin  der  „Iva**  g^ 
nannte  Likör  bereitet  wird. 

—  Als  Erfinder  des  Violoncello  wird  in  der  Regel  Tardito  (1700)  genaoul 
Doch  ist  demgegenüber  zu  bemerken,  daß  bereits  der  um  1690  gestorb«! 
Domenioo  Gabrieli  den  Beinamen  „Del  Violoncello*'  hatte.  Auch  seheiiit 
die  Amati,  Magini  u.  a.  schon  im  16.  Jahrhundert  Streichinstrumente  Xit 
Cellogröße  gebaut  zu  haben. 

—  Lorenzo  TtmuMO  fördert  die  Pathologie  der  Gonorrhöe  und  gibt  eine  sfit« 

—     158     — 


1700 

matische  Einteilang  der  verschiedeiien  Arten  dieser  Krankheit.  Seine  Be- 
fände nber  den  Gang  des  Krankheitsprozesses  werden  von  Cockbum  (1713), 
Morgagni  (1710)  und  Boerhaave  bestätigt. 
1700  Joseph  Pitton  ds  TonriMlort  gibt  in  seinen  „Institutiones  rei  herbariae"  ein 
anf  Ban  nnd  Form  der  Blüte  begründetes  Pflanzenkystem ,  das  jedoch 
lediglich  den  formalen  Vorzug  hat,  daB  in  demselben  strenge  Ordnung 
herrscht  und  bestimmt  begrenzte  Gattimgen  eingeführt  werden. 

—  Raymond  ds  VIeimMS  entdeckt  die  „neurolymphatischen  Arterien"  und 
nimmt  an,  daß  dieselben  den  ununterbrochenen  Fortgang  des  Blutes  auis 
den  Arterien  in  die  Venen  vermitteln. 

—  Andreas  Wtrkinaitlar  stellt  die  gleichschwebende  zwöl&tuflge  Tonleiter  auf. 
Um  die  Einbürgerung  der  gleichsohwebenden  Temperatur  machen  sich 
später  verdient  J.  G.  Neidhardt,  J.  A.  Sorge,  J.  H.  Lambert,  C.  G.  Schröter, 
Rameau,  d'Alembert,  Bach  u.  a. 


159     — 


Achtzehntes  Jahrhundert. 


1701  Michelangelo  Andrioll  verwendet  den  Mohnsaft  zuerst  bei  der  Ruhr;  h 
Wechselfiebem  wird  er  1710  zuerst  von  Jacob  Minot  und,  um  die  Gew«! 
der  Schmerzen  bei  Entzündungen  und  ähnlichen  Krankheiten  zu  besäoi 
tigen,  1739  von  John  Huxham  empfohlen. 

—  Nachdem  man,  insbesondere  seit  Galen  der  Meinung  war,  daß  bei  £dI 
stehung  eines  Unterleibsbruches  das  Bauchfell  zerreiße  und  daher  aucb  di 
Bezeichnung  „Ruptura"  eingeführt  hatte,  lehrt  Jean  Mtrcy  zuerst,  daß  bj 
Brüchen  da«  Bauchfell  ausgedehnt  sei,  sonach  die  Eingeweide  in  eine^ 
Bruchsack  Hegen. 

—  Isaac  Ntwton  erfindet  den  Spiegelsextanten  und  sendet  eine  Besohreibiiil 
und  Zeichnung  seines  Instrumentes  an  Hadley.  Die  diesem  zugeschrieboil 
Erfindung  des  Instruments  (1731)  beruht  somit  auf  einem  Irrtum. 

—  Olaf  RAmer  vereinigt  zur  Erzielung  sicherer  Stem-Durchgangsbeobachtung^ 
Mauerkreis  und  Passageninstrument  zu  einem  einheitlichen  InatrumeD! 
dem  sog.  Meridiankreis.  Sein  eigenes  Instrument,  die  berühmte  „Rol 
meridiana''  bleibt  bis  1728  im  Dienst,  wo  es  bei  einem  Brand  vej 
nichtet  wird. 

—  William  Whltton  bringt  die  erste  Isoklinenkarte,  die  Orte  gleicher  Inklin^ 
tion  verzeichnet,  für  den  Kanal  und  das  südhche  England  zustande». 

—  Jacob  B^moulll  stellt  das  „isoperimetrische  Problem*'  auf,  das  für  die  £n| 
Wicklung  der  Variationsrechnung  von  Bedeutung  ist,  und  welches  Tei 
langt,  unter  allen  isoperimetrischen  Kurven  diejenige  zu  finden,  für  (^ 
ein  bestimmter  Ausdruck  möglichst  groß  oder  mÖgÜchst  klein  wird.  Eleme] 
tare  isoperimetrische  Untersuchungen  finden  sich  schon  bei  Zenodotos  (ul 
180  V.  Chr.),  M.  Fabius  Quintihanus  (70  n.  Chr.)  und  Bradwardin 
(S.  d.  1330.) 

1702  ürban  Hlime  bemerkt  zuerst  eine  langsame,  aber  stetige  Verändern« 
der  Küstenhnien  zugunsten  des  Landes,  die  später  von  Swedenborg.  Cij 
sius  und  Linn6  bestätigt  wird,  welche  daraus  auf  einen  Rückzug  des  Meer 
schließen,  während  sich  viele  Stimmen  schon  damals  anders  äußern  ui 
eine  Hebung  des  Landes  über  den  unverändert  bleibenden  Spiegel  d 
Meeres  annehmen. 

—  Wilhelm  HombiTf  beschreibt  zuerst  die  Borsäure  in  bestimmter  Weis 
Über  den  Borax  spricht  er  sich  noch  sehr  unklar  aus. 

—  Gottfried  Wilhelm  von  Laibniz  äußert  in  einem  Briefe  an  Johann  Bemou 
bereits  die  Gesamtidee  des  Feder- (Aneroid-)Barometer8,  die  duroh  Vi 
(s.  1848  V.)  ausgeführt  wird. 

1 702 —  1 0  Johann  Jacob  SchMichier  macht  zahlreiche  der  wissenschaftlichen  Laodti 
künde  gewidmete  Alpenreisen  und  führt  die  Gletscher  als  Naturersoheinui 

—     160     — 


1704 

in  die  wiesensohaftliohe  Betrachtungsweise  ein;  namentlioh  kennt  er  deren 
Bewegung  und  sucht  sie  zu  erklären. 

1702  Johann  Jacob  SchMidiiir  macht  auf  die  Einschlüsse  in  Krystallen  aufmerk- 
sam und  benutzt  sie  für  die  Theorie  der  G-enesis  der  Mineralien. 

—  Georg  Ernst  Mahl  untersucht  die  verschiedene  Starke  in  der  Verwandt- 
sdhaft der  Säuren  zu  den  Alkalien  und  Metallen  und  findet,  daß  unter 
allen  Säuren  die  Schwefelsäure,  dann  die  Salpetersäure  die  mächtigsten  seien, 
welche  aUe  anderen  Säuren  aus  ihren  Verbindungen  austreiben.  Er  er- 
weitert die  Kenntnis  der  Abstufungen  in  der  Verwandtschaft  der  ver- 
schiedenen Materien  zueinander  und  bereitet  so  die  Au&tellung  von  Af- 
finitätstabellen vor.    (S.  1718  G.) 

—  Georg  Ernst  Mahl  stellt  die  Phlogistontheorie  auf,  nach  welcher  bei  der 
Verbrennung  aus  den  verbrennenden  Körpern  ein  hypothetischer  Stoff, 
das  Phlogiston,  entweicht.     (S.  1682  B.) 

—  Georg  Ernst  Mahl  überträgt  Boyle's  Ansichten  über  die  Elemente  (s.  1661  B.) 
in  die  ausübende  Chemie  und  faßt  das,  was  wir  heute  „chemische  Elemente" 
nennen,  klar  auf,  indem  er  als  eigentümliche  Körper  diejenigen  bezeichnet, 
aus  deren  Vereinigung  untereinander  oder  mit  Phlogiston  er  alle  Substanzen 
gebildet  glaubt. 

1703  Johann  B^moiilli  erklärt  die  von  Huygens  (s.  1673  H.)  aufgestellte  Theorie 
über  die  Bewegung  schwerer  Körper  für  ein  allgemeines  Naturgesetz  und 
nennt  dasselbe  „Das  Prinzip  von  der  Erhaltung  der  lebendigen  Kräfte*'. 

—  Der  Abb6  Jean  (to  Hautftoulllo  konstruiert  einen  Apparat  (Quecksüber- 
horizont),  um  bei  Erdbeben  die  Abweichung  der  Bodenteilchen  von  ihrer 
fiuhelage  zu  messen  (Seismometer). 

*-  Antony  LaMiWMhoek  entdeckt  -die  parthenogenetische  Fortpflanzung  der 
Blattläuse. 

704  Diühach,  Färber  in  Berlin,  entdeckt  bei  Fällung  eines  mit  Alaun  und 
Eisenvitxiol  veisetzten  Cochenilleabsuds  durch  fixes  Alkali  das  Berlinerblau. 
Daß  er  dieses  und  nicht  den  erwarteten  roten  Niederschlag  von  Florentiner 
Lack  erhielt,  erklärt  sich  daraus,  daß  er  von  Dippel  (vgl.  1700  D.)  ein 
fixes  Alkali  erhalten  hatte,  über  welches  mehrfach  tierisches  Stinköl  zur 
Reinigung  destilliert  worden  war.  Eine  Vorschrift  zur  Bereitimg  des  Ber- 
linerblau durch  Kalzinieren  von  Blut  mit  Alkali  veröffentlicht  1724  Wood - 
wanL  John  Brown  zeigt  in  demselben  Jahre,  daß  man  auch  geröstetes 
Fleisch  verwenden  könne  und  G^offroy  wendet  1726  zu  gleichem  Zweck 
Wolle  und  gebranntes  Hirschhorn  an. 

—  Crottfried  Hairtiwh  in  Nürnberg  erfindet  das  konische  Zündloch,  bei  dem 
die  Pfanne  sich  selbst  beschüttet,  und  gibt  dadurch  seinen  Pistolen  eine 
um  das  Dreifache  gesteigerte  Ladegeschwindigkeit. 

—  Jean  Mary  untersucht  das  Augenleuchten  an  einer  unter  Wasser  gebrachten 
Katze  und  sieht  dabei  sogar  die  Netzhautgefäße.  Delahire  erklärt  dies 
1709  daraus,  daß  die  Brechung  der  Lichtstrahlen  an  der  Vorderfläche  des 
Auges  durch  die  Bedingungen  des  Experimentes  geändert  werde. 

—  Isaac  Newton  zieht  zur  Erklärung  der  Entstehung  der  Farben  des  Hegen- 
bogens  die  Dispersion  des  Lichtes  heran.     (S.  a.  1649  D.) 

—  Isaac  Newton  interessiert  sich  zuerst  für  die  Farbe  des  Wassers  und  gibt 
als  Grundfarbe  desselben  „grün''  an. 

—  Antonio  Maria  Valstlva  empflehlt  in  seinem  „De  aure  humana  Tractatus*' 
als  bestes  Mittel,  Eiter  aus  dem  Ohr  zu  entfernen,  bei  verschlossenem 
Munde  und  Nase  Luft  durch  die  Eustachische  Röhre  zu  pressen.  (Valsalva- 
Bcher  Versuch,  s.  auch  1741  C.)  Er  macht  darauf  aufmerksam,  daß  die 
Ursache  der  Taubheit  häufig  in  einer  Verstopfung  der  Eustachischen  Röhre 
Hegt  und  fördert  die  Lehre  vom  Bau,  der  Funktion  und  den  Krankheiten 

Darmstaedter.  11 

—     161     - 


1705 

dee  Gehörorgans,  an  welchem  er  u.  a.  die  Muskeln  de«  Tragus  und  Anti- 
tragus  und  das  Valsalva'sche  Band  entdeckt. 
1705    Jacob   Barnoulli   führt   die   elastische   Linie   (Elastioa)   in   die   FestagkeitB* 
lehre  ein.  ii 

—  Pierre  BrIltMUi  gewinnt  auf  Grund  von  Experimenten  an  der  Leiche  eine« 
Starblinden  die  Überzeugung,  daß  die  Katarakt  nicht,  wie  bis  dahin  an<  ^ 
genommen  worden  war,  auf  einer  Trübung  in  der  vorderen  Augen kammer  , 
beruhe,  sondern  die  getrübte  Krystalllinse  selbst  sei.  (S.  a.  1656  R.)  Dieser  , 
Ansicht  treten  insbesondere  MaitreJean  und  Heister  bei,  welch  letxteier  . 
namentlich  mit  dazu  beiträgt,  daß  die  Ansicht  von  Brisseau  als  richtig 
anerkannt  wird. 

—  Edmund  Hallty  gibt  in  seiner  Schrift  „Of  Compound  interest*'  eine  syet4^  \ 
matische  Behandlung  der  Zinseszinsrechnung.     (S.  a.  1202.) 

—  Edmund  Hallty  weist  nach,  daß  der  i.  J    1682  erschienene  Komet  mit  den 
in   den   Jahren    1456,    1531    und    1607   beobachteten    Kometen   identisch   ' 
ist.    Seine  Voraussage,    daß   der  —  später  nach  ihm    benannte  —  Komet 
im  Jahre  1750  wiederkehren  werde,  hat  sich  bestätigt.     Auch  i.  J.  1835 
erscheint  er  wieder. 

—  Gottfried  Wilhelm   von  LalMilz   äußert  in  einem  Briefe  an  Papin  den  (k-  ' 
danken,  den  Dampf  in  der  atmosphärischen  Maschine  behufs  Verstärkung 
der  Expansion  der  Luft  um  den  Dampfzylinder  zu  führen,  eine  Idee,  die 
vonStirling  (s.  1816  S.)  der  Konstruktion  seiner  Heißluftmaschine  zugrunde  i 
gelegt  wird.  i 

—  Thomas Nfwcomm  und  John  Cawity  führen  den  Papin'schen  Versuch  (s.  1 690R) 
bis  zur  wirtschaftlich  brauchbaren  Betriebsmaschine  durch  und  schaffsi 
die    fast    anderthalb    Jahrhunderte    hindurch   gebräuchlichste   Form    der  < 
Balanciermaschine.     (S.  a.  1707  F.) 

—  Der  Fater  da  SciSM  und  J.  J.  SchtucÄiztr  machen  zuerst  barometrische  Simnl*  i 
tanbeobachtungen  in  Zürich  und  auf  dem  St.  Gotthardhospiz. 

—  Henry  Sully  erfindet  die  Friktionsrollen  (Friktionsscheiben). 

—  Jacob  Walti  erwähnt  zuerst  die  sympathetische  Tinte  aus  Kobaltchlorür«  i 
die  1731  durch  Teichmeyer  und  1737  durch  Hellet  größere  Verbreitung] 
findet.  Wird  das  mit  der  blaßroten  Losung  beschriebene  Fapier  erwärmt^  i 
so  erscheinen  blaue  Schriftzüge.  Durch  Tränkung  von  Fließpapier  müi 
Kobaltchlorür  erhält  man  die  bekannten  chemischen  Wetteranzeiger,  diti 
bei  nassem  Wetter  rosenrot,  bei  sehr  trocknem  Wetter  blau  erscheinen. 

1706  Pierre  BrIitMUi  macht  auf  Grund  seiner  anatomischen  Untersuchung  über  ditf 
Ursache  des  grauen  Stars  (s.  1705  B.)  wichtige  Arbeiten  zur  Behandlung 
dieser  Krankheit  und  veröfi:entlicht  dieselben  in  seinen  „Nouvelles  obseiw| 
vations  sur  la  cataracte**.     (S.  a.  1656  R.) 

—  Der  englische  Physiker  Francis  HawktbM  bemerkt,  daß  Glas  ebenso,  wie  Bera^ 
stein,  wenn  es  mit  Wollenzeug  gerieben  wird,  Licht  ausstrahlt  und  erhält« 
indem  er  eine  luftleer  gemachte  Glaskugel  an  seiner  Hand  reibt  und  eincü 
seiner  Finger  der  Kugel  nähert,  zolllange  Funken.     (S.  1672  L.) 

—  Urban  Hlimt  untersucht  seit  1670  eine  große  Anzahl  von  Mineralwäaeeot 
imd    fördert  durch   seine   Untersuchungen   die   Mineralwasseranalyse  ^ 
von  Friedrich  Hoffmann  noch  weiter  vervollkommnet  wird. 

—  Johann  Heinrich  Hotttncw  sieht  zuerst  die  Schichtung  oder  Struktur  im  £i4 
der  Gletscher. 

—  William  Jonts  braucht   zuerst  das  Zeichen  .t,   das  von  1737  ab  von  Euld 
regelmäßig  benutzt  wird  und  namentlich  durch  Euler*s  „Introduetio** 
gemein  Verbreitung  findet. 

—  Luigi  Ferdinando  (to  Manlli  errichtet  das  erste  maritime  Laboratoriofl 
zum  Studium  von  Meertieren  in  Marseille.     (S.  a.  1870  D.) 

-      162     — 


1709 

Der  Kapitän  Stannysn  entdeckt  die  Chtomosph&re  der  Sonne,  d.  i.  jene 
zarte  rosarot  gefärbte  Gashülle,  die  bei  Verfinstertingen  konzentrisch  um 
die  Sonne  gelagert  sichtbar  wird. 

William  Dampter  gibt  in  einem  Reisewerk  über  seine  Weltumsegelung  eine 
FüUe  von  wertvollen  Segelanweisungen  und  beschäftigt  sich  mit  einer 
Theorie  der  tellurischen  regelmäßigen  Windsysteme. 

Der  sächsische  Stabsmedikus  Daumlns  beobachtet,  daß  erhitzter  Turmalin 
AscheteQchen  an  sich  zieht  und  wieder  von  sich  stoßt. 
Philippe  Delahirt  verbindet  zuerst  die  Zugramme  mit  Laufrädem,  Göpeln 
usw.  und  bahnt  so  den  Übergang  zu  den  Eunstrammen  an.  Wesentliche 
Verbesserungen  der  Ramme  werden  dann  von  Vanlou6,  B^lidor  (1760)  und 
namentlich  von  Perronel  (1780)  ausgeführt. 

Domenico  GuglMmlni  spricht  in  seiner  „Dissertatio  de  Salibus"  aus,  daß 
die  kleinsten  Partikeln  der  Salze  eine  beständige  und  unveränderliche  Form 
haben  und  daß  die  Verschiedenheit  von  Kochsalz,  Vitriol,  Alaun,  Salpeter 
auf  einer  Verschiedenheit  der  Krystallgestalt  ihrer  kleinsten  Teil- 
chen beruhen. 

Nicolas  LauMry  macht  eingehende  Untersuchungen  über  das  Antimon  und 
dessen  Verbindungen.  Er  ist  der  erste,  der  die  vulkamschen  Erschei- 
nungen als  auf  einem  chemischen  Prozeß  beruhend  ansieht. 
Denis  Pajilii  konstruiert  nach  dem  von  ihm  gefundenen  Prinzip  (s.  1690  P.) 
eine  Hochdruckdampf maschine  zum  Pumpen  von  Wasser.  Wegen  der 
Undichtigkeit  der  einzelnen  Teile  wird  mit  der  von  Papin  damals  in  Cassel 
aufgestellten  Maschine,  die  in  der  Schrift  „Ars  nova  ad  aquam  igni  ad- 
miniculo  efficacissime  clarandam*'  beschrieben  und  abgebildet  ist,  nur  ein 
einziger  Versuch  unternommen.     (S.  a.  1705  N.) 

Denis  Papin  fährt  am  24.  September  auf  einem  Boote  auf  der  Fulda  von 
Cassel  nach  Münden.  Da  Papin  ein  Vorkämpfer  für  die  motorische  Aus- 
nutzung der  Dampfkraft  gewesen  ist,  hat  man  in  jenem  Boote  öfters  ein 
Dampfboot  erblicken  wollen.  Es  ist  indes  erwiesen,  daß  es  sich  hierbei 
nur  um  eine  Konstruktion  gehandelt  hat,  wie  sie  schon  vorher  von  Kyeser, 
Valturius,  Blasco  de  Garay  (s.  diese)  und  anderen  in  Vorschlag  gebracht 
worden  war. 

Abraham  Darfey  erfindet  für  den  Eisenguß  die  Kastenformerei  in  nassem 
Sand.  Nur  für  kleine  verzierte  Gegenstände  hatte  man  bis  dahin  hier 
und  da  das  Formen  in  fetter  Erde  angewendet,  so  daß  Darby's  Ver- 
fahren einen  wesentlichen  Fortschritt  bedeutet. 

William  Dtrhani  untersucht  die  verschiedenen  Einflüsse,  welche  die  Ge- 
schwindigkeit des  Schalls  ändern,  und  findet,  daß  namentlich  die  Wind- 
stärke von  Einfluß  darauf  ist.  Er  findet  für  die  Schallgeschwindigkeit  den 
Wert  von  1071  Pariser  Fuß  in  der  Sekunde. 

Der  englische  Physiker  Wall  hebt  in  einer  Abhandlung  in  den  Philos. 
Transactions  hervor,  daß  der  elektrische  Funke  und  sein  Knistern  einiger- 
maßen Blitz  und  Donner  vorstelle.  (S.  1746  W.  und  1749  F,) 
Nachdem  durch  die  Feststellung,  daß  der  Star  eine  Krankheit  der  Linse 
sei,  der  Name  Glaukom  dafür  überflüssig  geworden  war,  bezeichnet  Pierre 
OrtiiaMi  als  Glaukom  eine  Sehstömng,  die  unabhängig  von  der  Linsen- 
trübung auftritt  und  den  Augengrund  oft  bläulich  oder  grünlich  schil- 
lernd erscheinen  läßt  und  wahrscheinlich  von  der  Entartung  des  Glas- 
körpers herrührt. 

Johann  Maria  Fttrlna,  geb.  in  Santa  Maria  Maggiore  im  Tal  Vigezza,  der 
sich  i.  J.  1709  in  Köln  niederläßt,  wird  als  Erfinder  des  Kölnischen  Wassers 
(£au  de  Cologne)  genannt.     Zur  gleichen  Zeit  soll  in  Köln  ein  ähnliches 

II* 

—     163     — 


1709 

Produkt    von    einem    Verwandten    Farina*8,    Paul   Feminis»    hergestellt 
worden  sein. 

1709  Der  Pater  Bartholomeo  Lonren9o  (to  QnsmSo  baut  ein  Luftschiff,  bestehend 
aus  einem  mit  Papier  überzogenen,  unten  offenen  Korb  aus  Weidenhols 
von  oa.  8  Fuß  Durchmesser.  Durch  ein  unter  dem  Korb  angezündetes 
Feuer  wird  in  diesem  die  Luft  verdünnt,  und  so  soll  es  Gusmäo  gelungen 
sein,  am  8.  August  in  Lissabon  mit  seinem  Apparat  bis  auf  200  Fuß  Höhe 
zu  steigen  und  unbeschädigt  herunter  zu  kommen. 

—  Li  Bon  (to  Saint-Hllair«,  Präsident  der  Handelskammer  von  MontpeUier, 
legt  der  Pariser  Akademie  der  Wissenschaften  einige  Bekleidungsstücke 
(Strümpfe  und  Handschuhe)  vor,  die  aus  den  Spinnenfäden  verschiedener 
südfranzösischer  Spinnenarten  hergestellt  sind.  Die  Hoffnung  auf  eine 
praktische  Verwertung  der  Spinnenseide  wird  freilich  durch  R^aumur 
stark  herabgemindert,  welcher  nachweist,  daß  18000  Fäden  der  Kreuzspinne 
erst  einen  Faden  in  der  Stärke  der  Nähseide  liefern.  Doch  ist  eine  Be- 
nutzimg der  Spinnenseide  in  neuerer  Zeit  mehrfach  wieder  versucht  worden. 

—  Ren^  Antoine  F.  (to  Rtaumur  zeigt,  daß  die  Schalen  der  Schnecken  und 
Muscheln  durch  Erhärten  eines  Saftes  entstehen,  der  aus  den  Poren  dieser 
Tiere  hervordringt. 

—  Christian  von  Wolf  gibt  der  Aerometrie  eine  wissenschaftliche  Grrundlage 
und  beschreibt  in  Deutschland  das  erste  Anemometer. 

1710  Domlniqut  Anol  führt  am  30.  Januar  zuerst  die  nach  ihm  benannte  Anen- 
rysmenoperation  bei  einem  Aneurysma  der  Ellenbogenbeuge  aus,  bei  dem 
er,  ohne  den  Sack  zu  öffnen,  so  nahe  als  möglich  oberhalb  desselben  die 
Arteria  brachialis  unterbindet. 

—  Hermann  Boorhaavt  beschäftigt  sich  mit  der  Anlage  von  Treibhäusern  (die 
übrigens  den  Römern  schon  bekannt  waren)  im  Leidener  Pflanzengarten 
und  bestimmt,  unter  welchem  Winkel  die  (Glasdächer  unter  jeder  Breite 
gegen  den  Horizont  geneigt  sein  müssen,  um  möglichst  viel  Sonnenstrahlen 
ai^ufangen. 

—  Johann  Friedrich  Böttfor  stellt  in  Meißen  das  erste  Hart-Porzellan  in 
Europa  her. 

—  Roger  Cotos  verfaßt  das  erste  vollständige  Werk  über  die  Integralrechnung 
„Harmonia  mensurarum",  in  welchem  sich  der  nach  ihm  benannte  „Cotee"- 
sehe  Lehrsatz"  findet. 

—  William  Dorham  beobachtet  zuerst  das  aschfarbene  Licht  der  Venus. 

—  Wilhelm  Homborf  beschreibt  zuerst  das  Effloreszieren  einiger  Salzlösungen, 
das  1722  auch  von  Fran9oi8  Petit  erörtert  wird. 

—  Wilhelm  HombiTf  gibt  das  Verfahren  zur  Verfertigung  des  aus  dem  Nieder- 
schlage des  Silbers  entstehenden  Dianenbaums  (Silberbaums)  an. 

—  Jacob  Christoph  Lo  Blon  aus  Frankfurt  a.  M.  versucht,  farbige  Bilder  mit 
den  sieben  Farben  des  Spektrums  zu  drucken  und  findet  dabei,  daß  man 
mit  drei  Farben,  rot,  blau  und  gelb,  auskommen  kann.  Er  ist  somit  der 
Erfinder  des  Dreifarbendrucks,  den  er  in  der  Weise  ausführt,  daß  er  drei 
Kupferplatten  mit  den  entsprechenden  Farben  übereinander  druckt. 

—  Gottfried  Wilhelm  ¥on  Loibniz  unterscheidet  zuerst  zwischen  gleitender  und 
rollender  Reibung. 

—  Der  Astronom  Giacomo  Filippo  Maraldl  entdeckt,  daß  die  rautenförnugeo 
Platten  der  Bienenwaben  immer  dieselben  Winkel  zeigen,  nämlich  109*  28* 
für  den  stumpfen  und  70®  32'  für  den  spitzen  Winkel. 

—  Der  Gießer  Johann  Marltz  in  Bern  gießt  massive  Kanonen  und  bohrt  sie 
mit  einer  selbst  erfundenen  horizontalen  Bohrmaschine  so  aus,  daß  der 
Kern  als  ein  massives  Stück  herausgenommen  werden  kann. 

—  Der  Holländer  J.  van  dor  Mty  imd  der  deutsche  Prediger  Johannes 

—     164     — 


1711 

in  LieicLen  führen  die  Stereotypie  in  den  Buohdruok  ein.  Doch  beschränkt 
sich  ihr  Verfahren  darauf,  daß  sie  den  fertigen  Lettemsatz  auf  der  Rück- 
seite mit  einem  dünnen  Oberzuge  von  Mastix,  Gips  oder  leichtflüssigem 
Metall  versehen,  wodurch  der  Schriftsatz  zu  einer  stereotypartigen  Druck- 
platte zusammengekittet  wird. 

Fran^ois  Sauveur  Morand  und  Henri  Fran9oiB  Le  Dran   machen   die^  erste 
Ezortikulation  des  Schultergelenkes  (Ezarticulatio  humeri). 
Thomas  Ntwcomtn  erfindet  die  Einspritzkondensation  und  wendet  dieselbe 
sofort  hei  seiner  atmosphärischen  Maschine  an. 

Christopher  Polhem  fördert  die  praktische  Mechanik  in  allen  ihren  Zweigen, 
insbesondere  aber  die  mechanische  Bearbeitung  des  Eisens. 
Francis  Peurfoiir  du  Pttit  lenkt  zuerst  die  Aufmerksamkeit  auf  die  psycho- 
motorische Leistung  der  Hirnrinde.  Er  sieht  bei  Trepanierungsexperimenten 
an  Hunden  je  nach  der  Lage  der  verletzten  Himmasse  stets  Lähmung  der 
Extremitäten  der  gegenüberliegenden  Seite  auftreten,  die  dann  vollständig 
war,  wenn  das  Corpus  striatum  verletzt  war,  wogegen  alleinige  Verletzung 
der  Himoberfläche  keine  eigentliche  Lähmung,  sondern  bloß  Schwäche  der 
kontralateralen  Extremitäten  hervorrief.  Diese  Experimente  werden  1721 
von  Pietro  Paolo  Molinelli  bestätigt  und  begründen  die  Lehre  von  der 
kontralateralen  Innervation  (Kreuzung  der  Fasern). 

Der  Anatom  Giovanni  Domenico  SantorinI  entdeckt  den  Lachmuskel  und 
die  Santorini*schen  Knorpel  des  Kehlkopfes. 

Pierre  Var^on  leitet  die  statischen  Cresetze  der  einfachen  Maschinen  aus 
dem  Satz  vom  Kräfteparallelogramm  ab,  weist  den  Zusammenhang  von 
SeQpolygon  und  Kräftepolygon  nach  und  erfindet  die  Seilwage. 
Bartolommeo  Crlstofori  in  Padua  erfindet  angeblich  die  Hammermechanik 
des  Pianoforte,  indem  er  die  Hämmer  durch  Tasten  verbindet,  durch 
welche  sie  an  die  Saiten  geschnellt  werden.  Von  anderer  Seite  wird  die 
Priorität  dieser  Erfindung  Christoph  Gottlieb  WipMwc  vindiziert.  Ins- 
besondere Pauli  tritt  in  seiner  Geschichte  des  Klaviers  für  Schröter  ein 
und  behauptet,  daß  Cristofori's  Mechanik  nur  eine  Nachahmung  der 
viel  voUkommneren  Schröter'schen  gewesen  a«t 

Der  Geistliche  L.  D.  Hermann  in  Massel  in  Schlesien  erkennt,  daß  die 
Blitzröhren  (Fulguritbildungen)  nichts  anderes  sind  als  unter  der  Einwirkung 
des  Blitzes  zusammengebackene  Kömer  verschiedenen  Mineralcharakters. 
Wilhelm  Hemberf  stellt  durch  Verkohlen  von  Alaun  mit  Zucker  den  „Hom- 
berg's  Phosphor"  genannten  Pyrophor  dar,  dessen  Erglühen,  wie  Scheele 
1777  feststellt,  daher  rührt,  daß  er  an  der  Luft  begierig  Sauerstoff  auf- 
nimmt und  durch  die  bei  dieser  Oxydation  entwickelte  Wärme  stark 
erhitzt  wird. 

Gottfried  Wilhelm  von  Leibniz  sucht  Peter  den  Großen  von  Rußland  zur 
Sammlung  von  Vokabularien  der  im  weiten  Umfang  seines  Eeiches  zer- 
streuten Völkerstämme  zu  veranlassen  und  wird  so  ein  Vorläufer  der  Eth- 
nologie. Er  unternimmt  einen  Versuch,  die  Menschen  in  Klassen  einzuteilen 
und  unterscheidet  eine  japetische  (die  keltischen  und  szythischen  Stämme 
umfassende)  imd  eine  aramäische  Hauptvölkergruppe.  (S.  a.  1684  B.) 
Johann  Justus  Partslt  in  Zellerfeld  im  Harz  konstruiert  einen  Aspirations- 
Ventüator  für  Bergwerke.  Durch  seine  Idee,  die  Luft  in  geschlossenen 
Räumen  durch  Abführung  der  verdorbenen  Luft  und  Zuführung  frischer 
Luft  zu  erneuern,  hat  er  zweifellos  die  Priorität  vor  Stephen  Haies  und 
Martin  Triewald,  die  beide  erst  1741  die  Ventilation  für  Krankenzimmer 
und  für  Schiffe  anwenden. 
Ren6  Antoine  F.  tft  Rteumur  gibt  an,   daß  sich  eine  Unze  Gold  zu  I46V2 

—     165     — 


1711 

Parisef  Quadratfuß  auBh&mmem  lasse.    Nach   neueren  Angaben   kann  1  g 
zu  etwa  5676  qcm  ausgeschlagen  werden.    (S.  Homer  800  v.  Chr.) 

1711  John  Short  in  London  erfindet  die  Stimmgabel. 

1712  Nachdem  der  Asphalt  schon  in  Babylon  und  Ninive  als  Baumaterial  be- 
nutzt worden,  aber  seitdem  gänzlich  abgekommen  war,  nimmt  der  grie- 
chische Arzt  Elrinit  dessen  Verwendung  wieder  auf  imd  beutet  die  Lager- 
stätten des  Yal  de  Travers  im  Fürstentum  Neuchätel  dafür  aus. 

— -     John  FlamslMd  gibt  den  ersten  umfassenderen  Sternkatalog  heraus.  (S.  seine 

„Historia  coelestis  Britanniae".) 
1712 — 19    John  FlamslMd  arbeitet  bis  zu  seinem  1719  erfolgten  Tode  an  dem  erst 
posthum  i.  J.  1729  herausgegebenen  „Atlas  coelestis*',  dessen  27  Karten  viel- 
fach, zuletzt  i.  J.  1781,  neu  aufgelegt  werden  und  im  18.  Jahrhundert  fast 
allein  maßgebend  sind. 

1712  Engelbert  KSmpfMr  erwähnt  zuerst  die  unter  dem  Namen  „Madurafuß** 
bekannte,  in  Indien  endemische  Krankheit,  die  besonders  die  Füße,  seltener 
die  Hände  befällt  und  zu  elefantiastischen  Verdickungen  mit  Fistel- 
bildungen führt.  Kämpfer  beschreibt  die  Krankheit  unter  dem  Namen 
„Perical"  (großer  Fuß). 

—  Jan  Knna  betreibt  zuerst  in  Wildervank»  Provinz  Groningen,  die  Moor- 
brandkultur mit  großem  Erfolg  imd  führt  dieselbe  auch  in  Ostfriesland 
ein.  Sie  besteht  darin,  daß  vor  jeder  Ernte  die  oberste  Moorschicht 
in  Stärke  von  einigen  Zentimetern  losgerissen,  nach  dem  Trocknen  in 
Brand  gesteckt  und  danach  in  die  geröstete  Decke  der  Same  (meist  Buch- 
weizen) gestreut  und  etwas  eingeeggt  wird. 

—  Humphry  Pottw,  ein  jugendlicher  Arbeiter,  welcher  das  Drehen  des  Hahnes 
an  der  Newcomen'schen  Maschine  zu  besorgen  hatte,  soll  die  Selbststeue- 
rung erfunden  haben,  indem  er  die  Hähne  mit  dem  Baiancier  in  Ver- 
bindung setzt,  durch  dessen  Spiel  sie  fortan  geöffnet  und  geschlossen 
werden.    Ein.  Beleg  für  die  Richtigkeit  dieser  Angabe  ist  nicht  zu  erbringen. 

—  Nachdem  die  Ctinarinde  seit  ihrer  Einführung  in  Europa  (s.  1640  V.)  ab- 
wechselnde Beurteilimg  erfahren  hatte  und  infolgedessen  nicht  in  all- 
gemeine Anwendung  gekommen  war,  zeigt  Francesco  Tortt  in  Modena  in 
seiner  Abhandlung  „Therapeutice  specialis  ad  febres  quasdam  pemiciosas" 
den  Nutzen  derselben  bei  den  Zehr-  und  Wechselfiebem  und  trägt  dadurch 
zu  ihrer  allgemeinen  Einführung  wesentlich  bei. 

—  Laurent  Varduc  weist  zuerst  darauf  hin,  daß  die  bei  Flüssigkeitserguß  in 
die  Schädelhöhle  oder  bei  Knocheneindruck  am  Schädel  zu  beobachtenden 
schweren  Zufälle  auf  Kompression  des  Gehirns  (Gehirndruck)  zurückzu- 
führen seien. 

1713  Dominique  Anel  führt  zuerst  den  Katheterismus  der  Tränenwege  aus.  Er 
führt  eine  goldene  Sonde  täglich  durch  den  obem  Tränenpunkt  in  den 
Tränennasenkanal  ein  und  injiziert  mit  der  nach  ibm  benannten  Spritze 
eine  adstringierende  Flüssigkeit  in  den  Tränensack. 

—  Abraham  Darby  gelingt  es,  durch  Abschwefeln  guter  backender  Kohle  in 
Meilern  brauchbaren  Koks  zu  erzeugen,  mit  welchem  er  in  CoaJbrookdale 
einen  Hochofen  betreibt.  Diese  Erfindung  bedeutet  für  die  Roheisen- 
erzeugung einen  der  praktisch  bedeutsamsten  Fortschritte. 

—  Der  Zimmermeister  Persa  zu  Dünkirchen  erfindet  Flutmühlen,  die  sowohl 
auf  die  Verwertung  des  Ebbe-  als  auch  des  Flutstroms  eingerichtet  sind 
und  die  nach  B^lidor  gegen  30  Jahre  in  vollem  Betrieb  standen. 

1714  Gabriel  Daniel  FahrMihelt  konstruiert  die  ersten  brauchbaren  Quecksilber- 
thermometer mit  der  nach  ihm  benannten  Skala  von  212  Graden,  bei 
welchem  er  die  von  Huygens  1665  vorgeschlagenen  Fundamental  punkte, 

—      166     — 


1715 

nämlich  den  Schmelzpunkt  des  Eises  und  den   Siedepunkt   des  Wassers 
Terwendet. 

1714  Der  französische  Gelehrte  N.  QaBgtr  verfaßt  eine  Abhandlung  über  die 
Mechanik  des  Feuers  und  wird  damit  der  Begründer  einer  wissenschaft- 
lichen Behandlung  des  Gebietes  der  Ventilation.  £r  wirkt  durch  seine 
Schrift  namentlich  für  die  Erkenntnis  der  sanitären  Wichtigkeit  einer 
guten  Lüftung  der  Wohnungen.     (S.  a.  1760  H.) 

—  Edmund  Haltoy  spricht  die  Vermutung  aus,  daß  das  Nordlicht  eine  mag- 
netische Erscheinung  sei,  welche  Hypothese  durch  Faradaj*s  Entdeckung 
der  Magnetisation  des  Lichtes  (s.  1846  F.)  zur  Gewißheit  erhoben  wird. 

—  Gottfried  Wilhelm  von  Lelbnli  weist  (in  einer  jetzt  in  Hannover  befind- 
lichen Wiener  Handschrift)  darauf  hin,  wie  sehr  die  großen  Lazarett - 
bauten  die  Verbreitung  ansteckender  Krankheiten  begünstigen.  Er  empfiehlt 
kleinere  Einzelbauten,  „Baraquen  also,  daß  sie  nicht  contiguae  se^n  oder 
an  einander  hengen,  sondern  von  einander  geschieden,  damit  die  Luft 
durchstreiche".  Leibniz  ist  somit  der  eigentliche  Vater  des  Pavillon- 
systems im  Lazarettbau. 

—  Gottfried  Wilhelm  von  Lolbniz  erwähnt  zuerst  den  Fleischextrakt.  Er  er- 
örtert in  den  „Utrechter  Denkschriften'*  die  Mittel,  Truppen  auf  langen 
Märschen  bei  Kräften  zu  erhalten  und  empfiehlt  dazu  die  „Kraft-Com- 
positiones"  (Konserven)  und  besonders  „das  Ertrakt  aus  Fleisch,  dessen 
Komposition  mir  bekannt'*.  Die  Anregung  zu  diesen  Vorschlägen  hat 
Leibniz  wahrscheinlich  durch  Papin  erhalten. 

—  Do  In  UfOrio  lenkt  zuerst  die  Aufmerksamkeit  auf  das  1658  von  Glauber  be- 
reitete rote  Schwefelantimon  (Dreifach-Schwefelantimon),  dessen  Bereitung  er 
angeblich  von  einem  französischen  Offizier  Chastenay  und  dieser wiedenmi  von 
einem  Schüler  Glauber's  erfahren  hatte.  Das  Präparat  wird  als  „Poudre  des 
Chartreux"  und  später  als  „Alkermes  minerale"  (Kermes)  viel  verkauft  und 
erst  von  BerzeUus  1821  in  seiner  wahren  Zusammensetzung  erkannt.  — 
Am  besten  wird  es  aus  dem  1821  von  Schlippe  dargestellten  Natrium- 
sulfantimoniat  (Schlippe'schen  Salz)  hergestellt. 

—  Henry  Mlll  nimmt  ein  englisches  Patent  auf  eine  Schreibmaschine,  mit 
deren  Hilfe  er  erhabene  Schrift  erzeugt.  Diese  Maschine  hat  einen  prakti- 
schen Erfolg  nicht  aufzuweisen,  ebensowenig  ein  1784  in  Frankreich  paten- 
tierter ähnlicher  Apparat. 

1715  Von  filMlon  in  Wien  gibt  in  seLaer  „Aeromanteia"  fortlaufende  Angaben 
über  Temperatur,  Luftdruck  und  allgemeine  Wetterlage. 

—  Johann  Thomas  Honting  in  Gießen  findet  Phosphor  im  Gehirn. 

—  Christian  Gottlieb  Hortol  in  Halle  führt  für  das  Mikroskop  den  licht- 
reflektierenden Spiegel  (Beleuchtungsspiegel),  der  die  Vorteile  der  verti- 
kalen Stellung  und  der  Beobachtung  bei  durchfallendem  Licht  vereinigt, 
zu  allgemeinem  Grebrauch  ein.    (Vgl.  1637  D.) 

—  William  Kont  verwirft  das  Symmetrische  imd  geometrisch  Berechnete  der 
französischen  Gärten  (s.  1653  L.)  imd  spricht  den  Grundsatz  aus,  daß  ein 
Lustgarten  nichts  sein  dürfe,  als  eine  schöne  Landschaft  in  geschmack- 
voller, den  Formen  der  Natur  angepaßter  Gestalt.  (Englische  Gärten.) 

—  Potir  dor  Qroao  veranlaßt  den  i.  J.  1732  beendigten  Bau  des  110  km  langen 
Ladogakanals,  der  die  Verbindimg  zwischen  der  Ostsee  und  dem  K aspi- 
schen Meere  herstellt,  indem  er  die  mit  der  Wolga  vereinigte  Wolchow 
von  Neu-Ladoga  ab  mit  Schlüsselburg  verbindet. 

—  Jean  Louis  Pottt  spricht  sich  eingehend  über  Wundheüung  aus  und  unter- 
scheidet Vereinigung  nach  der  ersten  und  zweiten  Intention  (s.  169),  von 
welch  letzterer  er  vier  Arten  angibt.  Er  wendet  zuerst  den  Ausdruck 
„chairs  grenues'*,  kömige  Fleischbilduilgen,  an,   woraus   die   Bezeichnung 

—     167     — 


1716 

Granulation  entsteht.  Er  nnteiBcheidet  zuent  zwischen  Grehimerschütte- 
ning  und  Gehimdruok  und  betrachtet  den  letzteren  für  so  gef&hrlich, 
daß  er  in  allen  Fällen  die  Trepanation  empfiehlt,  die  durch  ihn  große 
Verbreitung  erlangt. 
1716  Der  Mathematiker  Brook  Taylor  stellt  den  nach  ihm  benannten  Satz 
(Taylor* sehe  Reihe)  auf,  wobei  auch  schon  diejenige  Einzellorm  s^ner 
Reihe,  die  später  den  Namen  „Maclaurin*sche  Reihe"  erhält,  erwähnt  ist. 
(S.  seine  Schrift  „Methodus  incrementorum".) 

—  Raymond  tft  Ytouttont  legt  den  Grund  zu  einer  strengeren  wissenschaft- 
lichen Behandlung  der  Herzkrankheiten.  (S.  a.  1726  A.) 

1716  Philippe  Delahlr«  erfindet  die  noch  heute  nach  ihm  benannte  doppelt- 
wirkende Pumpe. 

—  Johann  Caspar  Funck  behandelt  in  seinem  Buche  „De  coloribus  coeli"  als 
erster  die  Dämmerungsfarben,  die  1754  auch  Mairan  in  seinem  „Trait^ 
physique  et  historique  de  V  aurore  bor^ale"  beschreibt.  Funck  beschreibt 
auch  zuerst  die  Gegendämmerung. 

—  Dr.  Hook  soll  die  erste  Räderfräsmaschine  zum  Einschneiden  der  Zahn- 
lücken der  Uhrräder  erfunden  haben,  die  von  Henry  8ully  in  England 
eingeführt  wird. 

—  Giacomo  Filippo  Marildi  bemerkt  zuerst  einen  weißen  Fleck  an  dem 
einen  Pole  des  Mars. 

—  Abraham  tft  Molvrt  trägt  durch  seine  „Doctrine  of  chances*'  und  durch 
seine  später  (1724)  erschienenen  «^Annuities  upon  Lives"  wesentlich  zur 
Entwicklung  der  Wahrscheinlichkeitsrechnung  bei. 

—  Der  Schwede  Martin  TritwaM  konstruiert  die  erste  Waaserheizanlage  für 
Gewächshäuser  in  Newcastle  on  Tyne. 

1717  Johann  Bornoulil  erkennt  die  allgemeine  Bedeutung  des  Prinzips  der  virtueUen 
Verschiebungen  für  alle  Gleichgewichtsfälle. 

—  Nachdem  schon  Gedetden  1616  die  Destillation  als  ein  Mittel,  Seewasser 
trinkbar  zu  machen,  empfohlen  und  Houton  1670  diesen  Vorschlag  wieder- 
holt hatte,  konstruiert  der  französische  SchifEsarzt  fiairtliior  den  ersten 
Destillationsapparat  für  Bordzwecke. 

—  Lady  Montafue  läßt  ihren  Sohn  in  Konstantinopel  zum  Schutz  vor  den 
Pocken  nach  orientalischem  Brauch  mit  menschlicher  Lymphe  impfen 
und  führt  dieses  Verfahren  (1721)  in  England  und  dadurch  in  ganz  Europa 
ein.  Zuerst  hatten  der  in  Konstantinopel  ansässige  Arzt  Timoni  und  der 
venetianische  Konsul  Pylarini  1714  auf  diese  im  Orient  verbreitete  Methode 
hingewiesen.     (S.  1797  J.) 

Giovanni  Polonl  veröffentlicht  die  wichtigen  Resultate  seiner  mehrjährigen 

Versuche  über  die  Erscheinungen  beim  Ausfluß  des  Wassers. 

1718  Henry  Batchton  gestaltet  die  selbsttätige  Steuerung  der  atmosphärischen 
Maschine  gebrauchsfähig  aus. 

De  la  Balme   erwähnt  in  seinen   „Machines  approuv6es*'  die  Sackbagger, 

Schaufelbagger  und  Radbagger,  welche,  wie  er  hinzufügt,  „zur  Gattung 
der  Schöpfräder  mit  sich  drehenden  Eimern  am  Radumfang  gehören*'. 

Jean  Th^ophüe  Dotagullors   versieht   den  Dampfkessel  zuerst  mit  dem  von 

Papin  (s.  1674  P.)  erfimdenen  Sicherheitsventil. 

Pierre  Dlonlt  gibt  ein  Buch  über  Geburtshilfe  heraus,  in  dem  er  u.  a.  eine  ein- 
gehende Beschreibung  der  Tubengravidität  gibt  (s.  a.  1668  M.)  und  das  enge 
Becken  als  Geburtshindemis  bezeichnet.  (S.  a.  1587.)  Sein  Buch  steht 
auf  der  Höhe  der  anatomischen  und  entwicklungsgeschichtiichen  Lehren 
seiner  Zeit. 

Der  französische  Chemiker  Etienne  Fran9ois  Qooffroy  ordnet  die  verschie- 

—     168     — 


1720 

denen  Körper  nach  ihrem  Verwandtschaftsgrad  zu  einer  bestimmten 
Substanz  nnd  stellt  damit  die  ersten  Affinitätstabellen  auf. 
Edmund  Hallsy  entdeckt  auf  Grund  einer  Vergleiohung  neuerer  Beobach- 
tungen mit  den  Stemörtem  des  Almagest  die  Eigenbewegung  der  Fix- 
sterne, im  besonderen  des  Sirius,  Aldebarui  und  Arkturus.  Die  wahre 
Geschwindigkeit  des  letztgenannten  Sternes  hat  Kobold  in  neuerer  Zeit 
auf  674  km  in  1  Sekunde  bestimmt. 

Der  Mediziner  Friedrich  Hoffmanil  erfindet  die  aus  1  Teil  Äther  und 
3  Teilen  Wmngeist  zusammengesetzten  Hofimannstropfen  (Liquor  anodynus 
mineralis). 

GioTanni  Luidli  schreibt  die  Schädlichkeit  der  Sumpfluft  unsichtbaren 
Tierchen  zu,  wie  bereits  Varro  vor  ihm. 

Der  Finanzmann  John  La«  erfindet  die  Banknote  als  Ersatzmittel  des 
Metallgeldes. 

Mann  erwähnt  in  seinem  Werk  „Vollständige  Mühlenbaukunst'*  als  erster 
in  Deutschland  die  im  1 7.  Jahrhundert  aufgekommenen  sogenannten  hollän- 
dischen Ölmühlen,  in  denen  der  Same  vor  dem  Stampfen  erst  mittels 
aufrecht  gehender  Steine  zerquetscht,  in  Stampflöchem  feingepocht,  hier- 
auf in  Pfannen  erwärmt  wird,  wonach  erst  das  öl  mittels  sogenannter 
Kammein  (Rammpressen)  herausgepreßt  wird.  In  England  werden  diese 
Mühlen  von  Smeaton  (1770)  eingeführt. 

Emanuel  tNredanfcorf  erfindet  eine  Rollenmaschine  zum  Transport  schwerer 
Lasten  über  Berg  und  Tal. 

Johann  BtriMUlll  macht  mit  seinem  Neffen  Nikolaus  Bemoulli  ausgedehnte 
Versuche  über  den  Widerstand  der  Luft,  namentlich  bei  Wurfbewegungen. 
Über  den  Widerstand  des  umgebenden  Mittels  arbeiten  später  insbesondere 
Hawksbee  (1719),  Desaguliers  (1721),  W.  J.  s'Gravesande  (1721),  d'Alem- 
bert  (1752)  und  J.  C.  Borda  (1763). 

Giambattista  Moiiaciil  entdeckt  die  syphilitische  Erkrankung  der  Gehirn - 
arterien,  schildert  die  Lungensyphüis,  die  syphilitischen  Knochener- 
krankungen, die  syphilitische  Erkrankung  des  Herzens  und  der  großen 
Gefäße  und  die  Gehimsyphilis.  Auch  die  Leber-,  Milz-  und  Nierensyphüis 
kennt  er  bereits. 

Kaspar  Ntomaan  scheidet  zuerst  das  Thymol  aus  dem  Oleum  thymi  ab. 
Christopher  PoliMm   erfindet  ein  Verfahren,   um  das  Holz  vor  Fäulnis  zu 
schützen,  welches   darin   besteht,    daß  er  es   mit  Eisenvitriol  und  Kalk 
„metallisiert". 

MUmry  in  Bedford  entdeckt,  daß  durch  Zusatz  von  gebranntem  gemahle- 
nem Feuerstein  zum  Ton  sich  ein  wesentlich  besseres  Steingut  erzielen 
läßt. 

William  ChMsMen  in  London  führt  die  von  Woolhouse  bereits  1711  an- 
gedeutete künstliche  Pupillenbildung  aus,  indem  er  die  Ins  einschneidet. 
(Iridektomie.) 

John  Cymfcsrlim<  in  England  erhält  ein  Patent  auf  ein  Verfahren  zum  Biegen 
von  Holz  für  den  Schiffbau. 

Claude  Joseph  Qsoitiroy  macht  die  ersten  Angaben  über  die  quantitative 
Zusammensetzung  des  Sal  ammoniacum  (Salmiak)  aus  Salzsäure  und 
flüssigem  Alkali;  das  genaue  Zusammensetzungsverhältnis  wird  indes  erst 
festgestellt,  als  am  Ende  des  18.  Jahrhunderts  die  quantitative  Analyse 
an  der  Stöchiometrie  einen  Anhaltspunkt  findet. 

Creorge  QrilMMi  führt  die  auch  heute  noch  für  Taschenuhren  sehr  gebräuch- 
liche Zylinderhemmimg   aus,   eine  ruhende  Hemmung,   deren  erste  Idee 
von  Tompion  (s.  1695  T.)  herrührt. 
Der  Wundarzt  Lorenz  Hsitlir  erfindet  den  Mundspiegel.     Er  gibt  das  erste 

—     169     — 


1720 

vollständige  und  systematisclie  Handbuch  der  Chirurgie  heraus  und  niBc\ 
sich  namentlich  auch  als  Verfechter  des  Sitzes  des  Stars  in  der  Linl 
bekannt. 

1720  Johann  Friedrich  HmiM  entwickelt  die  chemische  Analyse,  indem  er  b 
der  Untersuchung  der  Sohlackenbäder  zu  Freiberg  Gallftpfelaufguß,  Veilchen 
saft,  Säuren  und  Alkalien  anwendet. 

—  Jacob  LeupoM  erwähnt  in  seinem  „Theatrum  machinarum*'  den  Vierwegh&li 
als  Dampf  Steuerorgan,  wie  solcher  zuerst  von  Cugnot  bei  seinem  Damp 
fuhrwerke  (s.  1769  C.)  praktisch  angewendet  wird. 

—  Abraham  tft  Mohrre  führt  den  Begriff  und  den  Namen  der  rekurrent^ 
Reihen  für  solche  Reihen  ein,  bei  welchen  die  einzelnen  Koeffizienten  m 
einer  bestimmten  Anzahl  ihnen  vorausgehender  Koeffizienten  in  einem  v^ 
Glied  zu  Glied  unverändert  bleibenden  Zusammenhange  stehen. 

—  Alexander  Monro  begründet  die  wissenschaftliche  Kenntnis  der  beiden  Fomi^ 
des  Wasserbruchs,  welche  dem  Hydrops  des  Zellgewebes  am  Samenstra^ 
und  der  zuerst  von  Abulcasem  und  Guy  de  Chauliac  erwähnten  Hydroc« 
cystica  entsprechen.  Er  heilt  die  letztere  Form  durch  Punktion  und  Eil 
spritzung  einer  starken  Auflösung  eines  Ätzmittels,  wie  dies  1677  zuet 
der  Marseiller  Wundarzt  Lambert  angegeben  hatte.  Jod  zur  Injektit 
wird  1839  zuerst  von  Velpeau  verwendet. 

—  Jonathan  Sttson  macht  das  Azimutalinstrument  (s.  1675  R.)  zu  einem  tr^ 
baren  und  dennoch  leistungsfähigen  Apparat  und  stellt  so  den  er»t< 
Theodoliten  her. 

—  Der  spanische  Maler  Palomino  de  Castro  y  Vtlaico  macht  Versuche  ti 
Wiedererfindung  der  Technik  der  bereits  im  Altertnme  bekannten,  spSti 
verloren  gegangenen  Wachsmalerei  (s.  350  v.  Chr.  Pausias),  indem  er  li 
Ausführung  der  Bildnisse  einen  Wachsgrund  herstellt,  die  in  denaelH 
eingegrabenen  Umrisse  der  Figuren  mit  geschmolzenen  Waohsfarben  fol 
und  alsdann  die  Oberfläche  des  Bildes  glättet. 

1721  Der  norwegische  Landpfarrer  Hans  Egttft  gründet  Godhavn,  die  erste 
nische  Kolonie  auf  Grönland,  und  widmet  sich  mit  Erfolg  der  Bekehi 
und  der  Zivilisation  der  Eskimos.  Er  gibt  die  erste  genaue  Beachreib 
des  Landes  sowie  der  Gebräuche  seiner  Bewohner. 

—  Jean  Baptiste  CtoMtoa  sucht  die  Ursachen  der  Beulenpest  zu  ergründen 
weist  darauf  hin,  daß  die  wahrscheinlichste  Erklärung  für  die  Verbreiti 
dieser  Krankheit   darin   bestehe,   daß  sie  durch  kleine   mit   dem    b! 
Auge  unsichtbare  Lebewesen  verursacht  werde. 

—  George  Graham  erfindet  das  Quecksilberpendel,   die   erste  Erscheininig 
Gebiete  der  Kompensationspendel,    bei   denen   die   ungleiche  Auadeluid 
verschiedener  Metalle  zur  Kompensation  dient. 

—  Der  holländische  Chirurg  John  Palffyn  erfindet  die  Geburtszange,  die  angebki 
schon  im  17.  Jahrhundert  als  Geheimnis  von  den  Grebrüdem  Chambeii 
in  England  angewendet  wurde.  Die  Zange  wird  1724  von  Lorenz  Hei«t 
wesentlich  verbessert.  (S.  a.  1753  L.) 

—  Der  Holländer  Jacob  RofCVViMi  entdeckt  die  Samoainseln  imd  nennt  di 
selben  Beimannsinseln;  1768  werden  sie  von  Bougainville  (s.  1706  B.)  näb 
erforscht,  der  ihnen  den  Namen  „Navigatoreninseln**  (Schifferinseln)  gib 

1722  George  Graham  nimmt  zuerst  wahr,  daß  nicht  nur  die  Deklination»  sondci 
auch  die  Inklination  von  Stunde  zu  Stunde  variiert. 

—  Der  Braumeister  Harwood  in  London  erfindet  die  P orter brauerei.  Das  Bi 
wird  Porter  genannt,  weil  dasselbe  anfangs  hauptsächlich  von  LaattriAv« 
(Porter)  getrunken  wird. 

—  Ren  6  Antoine  F.  tft  Rteumur  gibt  auf  Gnmd  ausgedehnter  Versuohe  genau 
Vorschriften  zur  Bereitung  des  Zementstahls,  für  die  Mischung  des  2emecl 

—     170     — 


1785 

pulveis,  den  Grrad  und  die  Dauer  der  Hitze  und  die  Form  der  Zementöfen. 
Da  bisher  das  Verfahren,  Zementstahl  zu  gewinnen,  geheim  gehalten  wurde, 
bedeutet  diese  Veröffentlichung  einen  großen  Fortschritt  für  die  Eisen- 
industrie. 

1722  Ren6  Antoine  F.  tft  Rtaimur  gibt  in  seiner  Schrift  „Nouvel  art  d'adoucir 
le  fer  fondu"  ein  Verfahren  an,  zur  Gewinnung  von  schmiedebarem  Guß- 
eisen das  Boheisen  durch  Glühen  in  Sauerstoff  abgebenden  Körpern  ohne 
Schmelzung  zu  entkohlen. 

—  Ren6  Antoine  F.  tft  Rteumiir  gibt  in  seiner  Schrift  „L'art  de  convertir 
le  fer  forg^  en  acier*'  eine  Anweisimg,  durch  Zusammenschmelzen  von 
Gußeisen  und  Schmiedeeisen  Stahl  zu  bereiten  (Tempern).    (S.  a.  1728  P.) 

—  Jacopo  RIccatt  fördert  die  Lehre  von  den  Differentialgleichungen  und  macht 
sich  durch  die  von  ihm  aufgestellte  „Riccati'sche  Differentialgleichung'* 
bekannt. 

1723  Jacob  LMpoM  unterscheidet  in  seinem  „Theatrum  machinarum'*  die  deutsche 
Hebelade,  die  schon  1651  von  Daniel  Schwenter  beschrieben  worden  sei 
und  bei  welcher  die  veränderlichen  Drehpunkte  des  wirksamen  Hebels 
durch  zwei  Bolzen  gebildet  werden,  die  man  in  geeignete  Löcher  steckt, 
und  die  französische  Hebelade,  die  zuerst  in  Frankreich  (s.  1617  T.)  be- 
kannt geworden  sei  und  bei  welcher  die  veränderlichen  Drehptmkte  durch 
die  Einschnitte  einer  sägeartig  auf  zwei  gegenüberliegenden  Seiten  ver- 
zahnten und  senkrecht  stehenden  Stange  gebildet  werden. 

—  Jean  Antoine  Ptystonel  führt  zuerst  den  Nachweis  von  der  tierischen  Natur 
der  Polypen,  die  bald  allgemeine  Anerkennung  erlangt. 

—  Jean  Antoine  Ptyssontl  stellt  die  tierische  Natur  der  Korallen  fest. 

1724  J.  F.  LafitMUif  der  in  Kanada  als  Missionar  wirkt,  ist  als  einer  der  ersten 
Vertreter  der  ethnologischen  Ideen  anzusehen,  indem  er  nicht  nur  Einzel- 
tatsachen über  die  Sitten  der  WUden  sammelt,  sondern  auch  die  gemachten 
Beobachtungen  unter  sich  imd  mit  den  hypothetischen  Schlüssen  über  das 
Leben  und  die  Lebensbedingungen  der  Völker  vergangener  Zeiten  in  Ver- 
bindung bringt.    (S.  auch  1711  L.) 

i  ~      Ren6  Antoine  F.  tft  Rteumur  beobachtet  zuerst  die  Entglasung  (die  Bildung 

ikrystallisierter  Körper  inmitten  eines  Glasflusses)  imd  führt  derartige  Glas- 
flüsse unter  dem  Namen  R^aumur-Porzellan  ein.   Später  beschäftigen  sich 

^  namentlich  d'Arcet,  Keir,  Kersten  u.  a.  mit  diesem  Prozeß,  der  indes  für 

l         die  Technik  Bedeutimg  nicht  gewinnt. 

»26    eitles  Franpois  de  Cisternay  Dufay  beobachtet,  daß  die  Luft  in  der  Nähe 

I        rotglühenden  Metalles  elektrisch  leitend  wird.    Entsprechende  Beobachtun- 

P  gen  werden  von  Du  Tour  (1745),  Watson  (1746),  Priestley  (1767)  und  Ca- 

\.         vallo  U785)  gemacht. 

f'^     John  Harrltoii  erfindet  das  Rostpendel,  ein  Kompensationspendel,  das  von 

i  George  Graham  noch  verbessert  wird. 

'  ^  Johann  Friedrich  Henkel  gibt  in  seiner  „Pyritologia*'  an,  daß  der  Pyrit 
bisweilen  Silber  und  Gold  enthält. 

* —  Stephan  Ludwig  JaooM  zu  Hohenhausen  in  Lippe-Detmold  erfindet  nach 
langjähriger  Beobachtung  des  Laichvorganges  die  künstliche  Befruchtung 
der  Fische,  indem  er  reifen  Forellen  die  Geschlechtsprodukte  abstreift,  die 
Eier  durch  Vermischung  mit  der  Milch  künstlich  befruchtet  und  sie  dann 
in  einem  Kasten  ausbrüten  läßt.  Doch  bleiben  seine  Anregungen  lange 
Zeit  unbeachtet.    (S.  1853  C.) 

—  Samuel  Molynein  findet,  daß  der  Stern  y  Draconis  seinen  Platz  scheinbar 
verändert.  Untersuchungen,  die  er  mit  James  Bradley  unternimmt,  er- 
geben, daß  der  Stern  innerhalb  eines  Jahres  eine  geschlossene  ringförmige 

—     171      — 


1725 

Bahn  beschreibt  und  führen  Bradley  zur  Entdeckung  der  Aberration  dei 
Lichts.   (S.  1727  B.) 
1726   Die  von  Ntwcoww  konstruierte  Maschine  (s.  1705  N.)  führt  sich,  nachdeif-  * 
sie  bereits  seit  1710  als  Bergbaupumpe  Verwendung  gefunden  hat,  in  de» 
Kohlengruben  Englands  als  Wasserhaltungsmaschine  ein  und  bleibt  ohnt« 
wesentliche  Änderung  vorbildlich  für  den  Bau  von  Wasserhaltungsmaschineiv- 
bis  Maudslay  (s.  1807  M.)  seine  erste  balancierlose  Maschine  baut. 

—  Christopher  PoliMm  legt  auf  seinem  Eisenwerke  zu  Stemsjund  eine  Blech- 
schere an,  die  er  durch  Wasser  betreibt.  ^ 

—  Der  russische  Grroßkanzler  und  Feldmarschall  Graf  Btttuichtif  findet  di« 
Lichtempfindlichkeit  der  Eisensalze. 

1726  HippoUto  Francesco  Alfetrtlnl  bemüht  sich,  an  der  Hand  einer  umfang- 
reich pathologisch  •  anatomischen  Erfahrung  die  Krankheitszustände  de« 
Herzens,  der  Lungen  imd  die  aus  ihnen  entspringenden  pathologiAchet 
Verhältnisse  dieser  Organe  während  des  Lebens  nachzuweisen  und  dit 
Gnmdsätze  ihrer  Behandlimg  festzusteUen.  Er  führt  zuerst  pathologiscbi^ 
Experimente  aus. 

—  Friedrich  Constantin  vom  BMtt  führt  auf  der  Saline  Glücksbninnen  h4 
Eisenach  statt  der  für  Gradierhäuser  bis  dahin  üblichen  Strohwändt 
(s.  1579  M.)  Wände  aus  Schwarzdom  (Prunus  spinosa)  ein.  (Domen« 
gradienmg.)  ^ 

—  Guichard  Joseph  Du  Vtnity,  Bernhard  Siegfried  Albinos  und  Jacob  Benignus 
Wlntlow  beschreiben  gleichzeitig  die  Sehnenscheiden,  deren  Entzündun| 
—  die  Tendovaginitis  crepitans  —  zuerst  von  Boy  er,  Velpeau  und  Rognett« 
charakterisiert  wird. 

—  Stephen  Haiti  teilt  in  seinem  Werke  „Vegetable  Staticks"  Versuche  mit 
einem  aus  Steinkohlen  gewonnenen  Gase  (Elastic  inflammable  air  of 
coals)  mit. 

—  Stephen  Haiti  macht  die  erste  exakte  Messung  des  Blutdrucks. 

—  Alexander  Monro  bearbeitet  die  Anatomie  der  Knochen,  des  Gehirns  und  des 
weiblichen  Geschlechtsorgane  imd  stellt  den  muskulösen  Bau  der  Gebär« 
mutter  fest. 

—  Der  Musiker  Jean  Philippe  Ramtau  in  Paris  bildet  durch  sein  „Nouveas 
Systeme  de  musique  th^orique''  eine  neue  vereinfachte  Harmonielehre  aus. 

—  Wie  Schramm  in  seinem  Werke  „Saxonia  monumentlB  viarum  illuBtrata** 
mitteilt,  konstruiert  der  kursächsische  Kartograph  Friedrich  ZBni  eines 
„geometrischen  Wagen",  welcher  die  Länge  des  zurückgelegten  Wegei 
selbsttätig  aufzeichnet. 

1727  Johann  Konrad  Amman  ist  der  erste,  der  die  Sprache  des  Menschen  ^rissen 
schaftlich  untersucht. 

—  Der  englische  Astronom  James  Bradity  beobachtet  zuerst  das  Phlkiom< 
der  Aberration  des  Lichtes  und  erkennt  sofort,  daß  die  Aberration  ui« 
Folge  einer  Parallaxe  der  Fixsterne  ist,  sondern  daß  dieselbe  durch 
vereinigte  Wirkung  der  Fortpflanzung  des  Lichts  und  der  Bewegung 
Erde  zustande  kommt.  Weil  das  Licht  sich  nicht  unendlich  raacli  foi 
pflanzt  und  weil  zugleich  die  Erde  sich  bewegt,  muß  eine  Ve»obiebuii| 
der  LdchtqueUe  nach  der  Seite,  nach  welcher  hin  sich  die  Erde  be'we^ 
stattfinden.  (S.  a.  1725  M.)  Er  ermittelt  aus  der  Größe  der  Abweichuj^ 
der  Fixsterne  die  Geschwindigkeit  des  Lichtes  zu  der  gleichen  Größe,  ifi 
sie  Eömer  (s.  1676  R.)  gefunden  hatte. 

—  Leonhard  Eultr  erhält,  20  Jahre  alt,  für  seine  Abhandlung  über  die  hetsU 
Art  des  Bemastens  der  Schiffe  den  Preis  der  Pariser  Akademie. 

—  Stephen  Gray  beobachtet  die  Fortpflanzung  der  Elektrizität  auf  eiueiu  av 

—     172     — 


1728 

S^denf&den  aufgehängten  400  Fuß  langen  Draht,  der  die  erste  elektrische 
Drahtldtung  darstellt. 

Stephen  Haiti  mißt  zuerst  die  Größe  und  Kraft  des  Saftstromes  an  ange- 
bohrten oder  abgeschnittenen  Pflanzenstengeln  und  Zweigen. 
Jaoob  LtupoM  beschreibt  in  seinem  „Theatri  Maohinarum  Supplementum" 
InBtnunente  zur  Schrittzählung  und  Wegmessung,  Hodometer,  Gyrometer 
und  Pedometer.  (S.  a.  100.)  Er  beschreibt  auch  eine  größere  Anzahl  von 
Treträdern,  Tretscheiben  und  Gröpeln. 

Fran^ois  PwirfoHr  du  Pttit  arbeitet  über  die  Funktionen  des  Halssympathi- 
kns,  aber  die  später  Claude  Bemard  eingehende  Untersuchungen  macht. 
Der  Philologe  Johann  Heinrich  SchulM  in  Halle  benutzt  die  von  Fabricius 
(b.  1566)  entdeckte  Schwärzung  des  ChlorsUbers  durch  das  Licht,  um  aus 
einer  undurchsichtigen  Schablone  ausgeschnittene  Schriftzüge  im  Licht  auf 
weifien  Kreideschlamm  zu  kopieren.  Er  ist  also  der  erste,  der,  wenn 
auch  vergängliche,  Lichtbilder  erzeugt. 

WeMtar  schlägt  als  Längenmaßeinheit  den  Abstand  der  Pupillen  des  er- 
wachsenen Menschen  vor. 

Nachdem  Ballon  zuerst  im  16.  Jahrhundert  über  den  Keuchhusten  be- 
richtet hatte,  gibt  Altorty  ausführliche  Mitteilimgen  darüber  und  legt  das 
klinische  Bild  der  Krankheit  in  seinen  Hauptzügen  richtig  dar. 
Veit  Baring  unternimmt  mit  Morten  Spangberg  und  Alexei  Tschirikow 
eine  Entdeckungsreise,  bei  der  er  die  Küste  von  Kamschatka  kartographisch 
festlegt,  die  St.  Lawrence-Insel  entdeckt,  an  der  nordöstlichen  Spitze  von 
Ajüen  vorübersegelt  und  nachdem  er  bemerkt,  daß  die  Küste  sich  nach 
Westen  wendet,  daß  also  Asien  und  Amerika  durch  einen  Meeresarm  ge- 
trennt seien,  umkehrt  imd  nach  seinem  Ausgangspimkt  Nishnij-Kamschats- 
koj-Ostroj  zurückkehrt.    (Vgl.  auch  1648  D.) 

Der  niederländische  Ingenieur  GnN|ulHt  verwirklicht  zuerst  den  Gedanken 
der  Darstellung  des  Bodenreliefs  durch  Niveaulinien  in  einer  Tiefenlinien - 
karte  des  Merwedeflusses. 

Leonhard  Eutor  führt  in  seiner  Abhandlung  „Nova  methodus  innumerabiles 
aequationes  differentiales  secundi  gradus  reducendi  ad  aequationes  differen- 
tiales  primi  gradus'*  die  Differentialgleichungen  zweiter  Ordnung  mit  zwei 
Variablen  auf  die  erste  Ordnung  zurück.  Mit  dem  gleichen  Gegenstand 
beschäftigt  sich  später  von  1747  ab  d'Alembert. 

Patoon  konstruiert  einen  Seidenwebstuhl,  bei  dem  nach  Vorschrift  des 
Dessins  durchbohrte  Karten  verwendet  werden.  Schon  3  Jahre  vorher 
hatte  Bonchon  durchbohrtes  Papier  zum  gleichen  Zwecke  angewendet, 
das  sich  jedoch  als  nicht  haltbar  erwies. 

Pierre  Fauchanl  wird  durch  sein  Werk  „Le  Chirurgien  dentiste  ou  trait6 
des  dents"  der  Begründer  der  selbständigen  wissenschaftlichen  Zahn- 
heOkunde. 

John  Paynt  schmilzt  im  offenen  Frischherd  Boheisen  und  Eisenschlacke 
mit  Zuschlägen  und  antizipiert  damit  eine  Grundidee  des  späteren  Martin- 
prozesses. (Vgl.  1864  M.)  Er  führt  gleichzeitig  mit  Major  Hanbury  das 
Walzen  der  Eisenbleche  in  England  ein. 

Henri  PHst  erfindet  das  Verfahren,  die  Stromgeschwindigkeit  durch  die 
Steighöhe  der  Flüssigkeit  in  dem  lotrechten  Schenkel  einer  rechtwinklig 
gebogenen  Röhre  zu  messen,  deren  wagerechter  Schenkel  mit  der  Mündung 
dem  Strom  zugewendet  wird. 

Antonio  Vallimori  deutet  das  Auftreten  zahlreicher  versteinerter  Überreste 
von  Wassertieren  in  den  verschiedenen  Schichten  der  Erde  dahin,  daß  das 
Festland  nicht  nur  einmal  (durch  die  Sintflut),  sondern  mehrmals  vom 
Meere  bedeckt  gewesen  sei.     (Vgl.  520  v.  Chr.  Xenophanes.) 

—      173     — 


1729 

1729  Alexis  Claude  Clalraiit  veröffentlicht,  18  Jahre  alt,  in  seinen  „Recherche«  a 
les  courbes  ä  double  oourbure*'  eine  bedeutsame  Schrift  über  Raumkar v 
von  doppelter  Krümmung  und  erörtert  darin  in  systematischer  Weise  i 
Gleichungen  mit  mehreren  Unbekannten. 

—  Nachdem  schon  Galilei  und  nach  ihm  Newton  über  die  Bewegung  d 
Saiten  Untersuchungen  angesteUt  hatten,  ermittelt  Leonhard  Ewkr  i 
Gesetze  dieser  Bewegungen.  Er  gibt  an,  daß  die  einfachen  Verhältnii 
der  Saitenlängen  auch  ebenso  für  die  Schwingungen  der  Tone  beeteb< 
somit  den  Tonintervallen  aller  musikalischen  Instrumente  zukommen  u 
nicht  allein  denen  der  Saiten,  an  denen  die  Gesetze  entdeckt  wurden. 

—  Der  Goldschmied  William  Qed  in  Edinburg,  welcher  seit  d.  J.  1725  v 
sucht  hatte,  Schriftsatz  in  Gips  abzuformen  und  nach  den  so  erhalten 
Matrizen  Druckplatten  zu  gießen,  verbindet  sich  mit  dem  Sobriftgiei 
FMintr  und  dem  Architekten  Jamts  in  London  zur  weiteren  Ausbildt] 
dieses  Verfahrens  und  wird  damit  der  Erfinder  der  eigentlichen  Sten 
typie.     (Als  Vorlauf  er  s.  1710  Mey  und  Müller.) 

—  Stephen  Gray  entdeckt  den  Unterschied  zwischen  elektrischen  Leitem  ti 
Nichtleitern  und  erkennt,  daß  bei  gleich  großen  Körpern  die  Menge  ^ 
Elektrizität  unabhängig  von  der  Masse  ist.  Die  Bezeichnung  ,«Kondi 
toren"  für  Leiter  führt  1742  Desaguliers  ein. 

—  ehester  More  Hall  aus  der  Grafschaft  Essex  stellt  eine  achromatiaolie  Lii 
her,  ohne  jedoch  das  Geheimnis  der  Darstellung  derselben  zu  offenban 
So  kommt  es,  daß  erst  durch  Dollond  (s.  1767  D.)  die  Herstdlung  solcl 
Linsen  öffentlich  bekannt  wird.  Der  Name  „Achromasie*'  wird  erst  sp^ 
von  Lalande  1764  erfunden. 

—  Fran^ois  Pttit  erklärt,  warum  Salpeter  aus  einer  kochsalzhaltigen  Flüsi 
keit  rein  auskrystaUisiert  und  so  von  dem  Kochsalz  getrennt  werden  kai 
damit,  daß  Kochsalz  in  heißem  und  kaltem  Wasser  gleich  löslich  ist,  ^ 
peter  aber  nicht. 

—  Thomas  Templemann  stellt  eine  umfassende  Messung  aller  Teile  der  Et 
an,  die  alle  früheren  Leistungen  (s.  1310  und  1661  R.)  bei  weitem  ü^ 
trifft  und  für  die  gesamte  Erde  148510627  Quadratmeilen  iNautical  squ 
miles)  ergibt.  Seine  Berechnung  erfolgt  in  der  Weise,  daß  er  die  Fläi 
der  Landgebiete  in  Quadrate  einteilt  und  durch  Abzahlung  dieser  Quadr 
die  Anzahl  der  Flächeneinheiten  erhält. 

—  Der  Ingenieur  Terral  verwendet  das  Zentrifugalgebläse  (s.  1689  P.)  zuerst  z 
Betriebe  von  Feuerungen.     Die  erste  größere  Anwendung  zur  Ventilat 
macht  Desaguliers  (1730)   im   „House   of   commons*',   nachdem    sich 
zuerst  (1715)  von  ihm  angebrachte  Aspirationsventilation  nicht   bewä 
hatte. 

1730  Johann  Philipp  Brtyn  schreibt  ein  systematisches  Werk  über  Konohyl 
und  versucht  zuerst,  die  fossilen  Formen  in  das  System  mit  einirareib 

—  Magnus  von  Bromtll  führt  die  verschiedene  Schmelzbarkeit  als  Kennxeid 
der  Mineralien  an.    (Fast  gleichzeitig,  nämlich  1734,  tut  dies  auch  J. 
Henkel.) 

—  Der  spanische  Arzt  Caspar  Casal  gibt  die  erste  Beschreibung  der  insbeeond 
in  den  Heimatsländem  des  Mais  weit  verbreiteten  Pellagra  (Mal  de 
Rosa),  die  nach  neueren  Forschungen  als  eine  chronische  und  periodj 
wiederkehrende  Intoxikationskrankheit,  verursacht  durch  eine  spesifi 
giftige  im  Mais  enthaltene  Substanz,  aufgefaßt  wird. 

—  Jacques  Davitl  verbessert  die  Technik  der  Staroperation,  indem  er  < 
Lappenschnitt  einführt  imd  die  dazu  nötigen  Instrumente  konstruiert. 

—  Charles  Fran^ois  de  Cistemay  Duffay  leitet  die  Elektrizität  durch  eii 
nassen   Bindfaden    1256   Pariser   Fuß   weit   fort   und   unterscheidet    z 

-      174     — 


1780 

Elektrizitäten,  von  denen  er  die  eine  Glaselektrizität,  die  andere  Harz- 
elektiizität  nennt.     (S.  a.  1727  G.) 

Professor  Eooviut  in  Braunschweig  gibt  in  seinem  Werke  „De  origine 
Grermanorum"  an,  daß  bei  allen  Völkern  vor  der  Kenntnis  der  Metalle 
Steinwerkzenge  im  Gebrauch  waren,  und  daß  von  den  Metallen  znerst  die 
Bronze  benutzt  wurde. 

Lieonhard  Eutor  führt  die  nach  ihm  benannten  Integrale,  die  Betafunktion 
und  die  Gammafunktion,  ein,  welche  auf  die  Entwicklung  der  Theorie  der 
Transzendenten  von  erheblichem  Einflüsse  sind. 

Nicolas  Fallo  tft  Duilllar  lenkt  zuerst  die  Aufmerksamkeit  auf  die  perio- 
dischen Seespiegelschwankungen  des  Genfer  Sees,  für  die  er  als  erster  den 
Nainen  „Seiches**  gebraucht. 

Sigismund  August  ProbMilut  beschreibt  die  Darstellungsweise  des  zu  seiner 
Zeit  noch  nicht  allbekannten  Schwefeläthers  und  führt  dafür  die  Bezeich- 
nung „Äther**  ein.     (S.  1540.) 

Tliomas  fioMrty,  ein  Glaser  in  Philadelphia,  erfindet  den  Spiegelquadranten. 
Die  französischen  Wundärzte  Qounault  und  RohUMl  führen  die  erste  Oeso- 
phagotomie  (operative  Eröffnung  der  Speiseröhre)  aus.  Die  Operation  war 
bereits  1611  von  Verduc  empfohlen  worden. 

Stephen  Haiti  weist  auf  Grund  seiner  Untersuchungen  über  die  Saftbewegung 
in  den  Pflanzen  (s.  1727  H.)  und  über  die  Transpiration  und  Wasserbewegung 
im  Holz  auf  die  Notwendigkeit  hin,  die  Imprägnierung  des  Holzes  unter 
Druck  vorzunehmen. 

Friedrich  Hoffmann  und  Anton  Elias  BOehnor  klären  die  Lehre  von  der 
Apoplexie  durch  den  Nachweis  des  Blutergusses  auf. 

Wie  Fauchard  berichtet,  hat  Lamtort,  Chirurg  bei  Ludwig  XV.,  zuerst  die 
Resektion  des  Unterkiefers  bei  einem  jungen  Edelmann,  De  Barces, 
bewirkt. 

LMpoM  I.  von  Anhalt-Dessau  führt  den  eisernen  Ladestock  an  Stelle  des 
bis  dahin  gebrauchten  hölzernen  ein.  Die  eisernen  Ladestöoke  erlauben 
ein  viel  rascheres  Laden  und  tragen  1741  wesentlich  zum  Siege  von  Moll- 
witz bei. 

Georges  Maretcbal  und  Jan  Daniel  Schltehtlnf  machen  gleichzeitig,  aber  un- 
abhängig voneinander,  die  ersten  Neurotomien  zur  Beseitigung  der  Tri- 
geminusneuralgie,  indes  ohne  durchgreifenden  Erfolg. 
MaflllMi  lehrt  znerst  in  Frankreich  die  Hasenhaare  zum  Zweck  des  Filzens 
mit  salpetersaurem  Quecksilber  behandeln.  Da  er  die  Methode,  die  er  in 
England  kennen  lernte,  geheim  hält,  kommt  für  diese  Arbeit  das  Wort 
„Secr^tage**  auf.  Bis  dahin  war  zum  Verfilzen  nur  Salpetersäure  ver- 
wendet worden. 

Abraham  de  Molvrt  veröffentlicht  in  seinem  Hauptwerk  „Miscellanea  ana- 
lytioa**  den  nach  ihm  benannten  Moivre'schen  Satz,  der  einen  wichtigen 
Fortschritt  in  der  Lehre  der  imaginären  Größen  bedeutet  und  die  völlige 
Lösung  der  kubischen  Gleichung  gestattet. 

Nach  dem  Vorgang  eines  gewissen  Lummis  bauen  Pashiay  und  dessen  in 
Botherham  ansässiger  Sohn  Pflüge  von  mathematisch  berechneter  Form, 
welche  den  Namen  „Kotherhamer  Pflüge**  erhalten  und  1760  von  James 
Small  noch  wesentlich  vervollkommnet  werden. 

Jean  Philippe  RamMUi  in  Paris  benutzt  die  Flageolettöne  zur  Erklänmg 
der  Konsonanz,  indem  er  annimmt,  daß  konsonierende  Töne  solche  sind, 
welche  übereinstimmende  Flageolettöne  besitzen. 

Ren6  Antoine  F.  dt  Rtaimur  verfertigt  sein  Weingeistthermometer  mit  Tei- 
lung in  80  Grade,  wobei  der  Eispimkt  mit  0°,  der  Siedepunkt  des  Wassers 
mit  SO^  bezeichnet  wird. 

—      175     — 


17W 

1730  Servington  tavtry  gibt  die  Art  des  MagnetisiereDB  von  Eisenstäben  dur< 
einfaches  Streichen  mit  natürlich^i  Magneten  an,  eine  Methode,  die  vi 
Gilbert  erwähnt,  aber  wieder  in  Vergessenheit  graten  war. 

—  Jethro  Tun  führt  die  Drillwirtsohaft  ein,  d.  L  Reihenbehackung  durch  M 
schinen  nach  vorhergehender  Maschinensaat.  Dies  führt  dazu,  daß  v« 
Jetzt  ab  mehr  auf  die  Bauart  der  Ackergeräte  geachtet  wird. 

1731  Csiti  und  Trtw  führen  das  von  Rumphius  zuerst  beschriebene  Cajeputöl 
den  Arzneischatz  ein. 

—  Henri  Fran9oi8  Le  Dran  verbessert  die  Operation  des  Stdnschnitts  m 
die  Behandlung  der  Schußwunden,  lehrt  die  charakteristiBohen  Zeich* 
des  Empyems  und  gibt  Vorschriften  über  die  Behandlung  des  Krebses. 

—  Johann  Joosten  van  MMUChsnfcrotfc  konstruiert  das  erste  Pyrometer,  das  a 
der  Ausdehnung  eines  einzelnen  MetaUstabes  beruht.  Der  Apparat  wi 
1736  von  EUicott  verbessert. 

—  Jean  Louis  Pttit  erwirbt  sich  große  Verdienste  um  die  Amputation, 
beschreibt  die  Vorgänge  der  natürlichen  Blutstillung  bei  veiietzten  Arten 
und  gibt  dadurch  die  Anregung  zu  vielen  Forschungen  auf  diesem  Gebi 
(S.  a.  1805  J.)  Im  gleichen  Jahr  begründet  er  die  chirurgische  Therapie  l 
der  Erkrankung  der  G allen wege.  Er  empfiehlt  bei  Stauung  der  Galle  < 
Entleerung  der  Gallenblase  durch  Punktion,  bei  durch  Steinbildung  v< 
anlaßten  Leiden  Eröffnung  der  Gallenblase  durch  den  Schnitt  zwecks  E 
traktion  der  Steine. 

1732  Hermann  Boerhaavt  hebt  den  Unterschied  zwischen  chemischen  Verbi 
düngen  und  chemischen  Mischungen  hervor.  Er  sagt,  chemische  Verb 
düngen  liegen  dann  vor,  wenn  sich  in  der  Ruhe  die  Bestandteile,  au 
wenn  sie  verschiedenes  spezifisches  Grewicht  haben,  nicht  sondern  und  we 
dieselben  in  ihren  kleinsten  Teilchen  überall  homogene  Zusammensetzu 
zeigen.  Er  bespricht  die  Wärmeentwicklung  und  das  Verschwinden  < 
oharaktenstisohen  Bestandteile  beim  Entstehen  einer  ehemischen  Verb 
düng  als  etwas  Bekanntes. 

—  Hermann  BoirlMUivt  beweist  die  Unrichtigkeit  der  Annahme  einer  pon< 
rabelen  Feuermaterie,  indem  er  große  Massen  von  Metall  kalt  und  glüb€ 
wiegt  und  keinerlei  Veränderung  des  Gewichts  dabei  wahrnimmt. 

—  Hermann  Botrhaavt  gibt  das  Prinzip  der  SchneUessigfabrikation  an.  (\ 
1823  S.) 

—  Hermann  Botrhaavt  macht,  wie  G.  Berthold  in  den  Ann.  der  Phys.  n 
Chemie  nachweist,  'die  erste  Beobachtung  und  Beschreibung  des  Lieid« 
fro8t*schen  Phänomens,  d.  i  des  sphäroidalen  Zustandes  verdampfen 
Flüssigkeitstropfen,  den  Johann  Eller  erst  14  Jahre  später  besohrei 
(S.  a.  1766  L.) 

—  Christlieb  von  damktffl  gibt  in  seiner  „Demonstrativen  Rechenkunst^'  e 
eingehende  Behandlung  der  Wechsel-  und  Arbitragerechnung.  Der  Na 
„Arbitrage"  hat  sich  von  da  ab  im  Börsenverkehr  dauernd  erhalten. 

—  Stephen  Gray  erfindet  den  Isolierschemel,  indem  er  einen  Knaben,  mit  d 
er  elektrische  Versuche  unternimmt,  zur  Isolierung  auf  einen  Harzkucl 
Btellt. 

—  Auf  Veranlassung  des  Marschalls  Moriti  VM  8aelitM  werden  die  ersten  \ 
suche  mit  der  Kettensohif fahrt  unternommen. 

1733  Hermann  Botrhaavo  prüft  die  Frage  der  Fixierung  des  Quecksilbers 
einem  feuerbeständigen  Metalle,  die  den  Grcgenstand  der  Bemühung 
Alchemisten  gebildet  hatte  und  nimmt,  nachdem  er  Quecksilber  16  Ja 
lang  in  einem  offenen  Gefäß  bei  wenig  erhöhter  Temperatur  gehalten  ha 
keine  Veränderung  wahr.  Auch  in  verschlossenen  Gefäßen  bleibt  Queck&ill 
das  6  Monate  lang  stärkerer  Hitze  ausgesetzt  wird,  unverändert.    Dies  y 

—     176     — 


1784 

Boerhaaye  Veranlassnng,  die  Fixierung  des  Queoksilbers  für  unmöglich  und 
die  Prozesse  der  Alchemisten,  die  darauf  beruhen,  für  unrichtig  und  be- 
trügerisch zu  erklären. 

1733  Der  schwedische  Chemiker  Georg  Brandt  entdeckt  das  metalliBche  Kobalt, 
das  in  ganz  reinem  Zustand  jedoch  erst  1780  von  Bergman  erhalten 
wird.  Er  lehrt  im  Verein  mit  J.  F.  Henckel  die  Herstellung  des  Arsens 
durch  Sublimation. 

—  Jacques  Canliil  und  Giovanni  Domenico  Manidl  messen  das  Stück  des  Parallel- 
kreises  zwischen  Brest  und  Straßburg  und  finden  dasselbe  1037  Toisen 
kleiner,  als  es  bei  vollkommener  Kugelgestalt  der  Erde  h&tte  sein  müssen. 
(Erste  eigentliche  Längengradmessung.) 

—  John  Kay  verbessert  den  Webstuhl  durch  Einführung  des  mechanisch  be- 
wegten  Schnell- Schützen   an  Stelle  des  Hand-Schützen  oder  -Schififchens. 

—  John  Kay  konstruiert  eine  Schlagmaschine  zur  Auflockerung  der  Wolle. 

—  Jean  Jacques  Malran  spricht  in  seinem  „Trait^  physique  de  l'aurore  bor^ale'' 
von  einem  wahrscheinlichen  imd  engen  Zusammenhang  zwischen  dem  an 
die  Ekliptik  gebundenen  Zodiakallicht  und  dem  auf  polare  und  subpolare 
Bezirke  beschränkten  Nordlicht. 

—  Der  Mathematiker  Girolamo  Sacehari  entwickelt  in  seinem  Werk  „Euklides 
ab  omni  naevo  vindicatus",  das  lange  vergessen  war  und  dessen  Be- 
deutung erst  Beltrami  1889  hervorgehoben  hat,  eine  große  Anzahl  von 
Sätzen  der  nichteuklidischen  Geometrie,  obwohl  er  schließlich  doch  die 
euklidische  Geometrie  als  die  einzig  wahre  erklärt. 

—  Johann  Andreas  vom  SagiMr  kommt  auf  den  Gedanken,  Newtons  Unter- 
suchungen über  Ebbe  und  Flut  auch  auf  die  Lufthülle  der  Erde  an- 
zuwenden. Der  von  ihm  behauptete  Einfluß  des  Mondes  auf  die  Baro- 
meterschwankungen, der  insbesondere  auch  von  Toaldo  1774  verfochten 
wird,  ist  nach  neueren  Untersuchungen  für  imsere  Breiten  wenigstens 
nicht  nachweisbar. 

—  Der  schwedische  Gymnasiallehrer  Vassanlos  erwähnt  zuerst  die  Protuberanzen 
der  Sonne. 

1734  FiMrIck  Wllhalm  I.  von  Preußen  erläßt  eine  eingehende  Instruktion  über 
die  Ausrüstung  der  Feldlazarette  und  die  Verpflegung  der  Kranken,  mit 
dem  Befehl,  auf  alles,  was  der  Gesundheit  der  Soldaten  nachteilig  sein 
könne,  zu  achten.     (Erstes  Feldlazarettreglement.) 

—  Da  durch  Verwilderung  des  Flußlaufes  der  Weser  bei  Hameln  die  Schiff- 
fahrt  eine  gefahrvolle  war,  wird  von  der  Stadt  Hameln  neben  dem  Hamelner 
Wehr  eine  Schleuse  gebaut,  durch  welche  die  Weser  gleichsam  den  Cha- 
rakter eines  kanalisierten  Flußlaufes  erhält. 

—  Mahiitfal  spricht  zuerst  aus,  daß  die  BUtzsteine  (Lapides  fulmims  der  Römer) 
die  Waffen  der  vorsintflutlichen  Menschen  seien,  welche  Ansicht  nach  ihm 
auch  von  Mercati  geteilt  wird. 

—  D'Ona-oii-Bray,  der  Generalpostdirektor  von  Frankreich,  konstruiert  in  seinem 
Anemographen  (Windgeschwindigkeitsmesser)  den  ersten  Apparat  zur  selbst- 
tätigen graphischen  Registrierung  der  zeitlichen  Aufeinanderfolge  von  Er- 
scheinungen. 

1734 — 42  Ben6  Antoine  F.  da  Rteumur  gibt  in  seinen  „Abhandlungen  zur  Natur- 
geschichte der  Insekten"  wertvolle  Mitteilungen  über  die  Lebensweise, 
das  gesellige  Leben  der  Insekten,  die  Pflanzen,  auf  denen  sie  leben,  über 
ihre  Feinde  usw. 

1734  Der  schwedische  Theosoph  Emanuel  von  Swadanborg  entwickelt  in  seinen 
„Opera  philosophica  et  mineralogica*'  ein  System  der  Natur,  dessen  Mittel- 
punkt die  Idee  eines  notwendigen  mechanischen  und  organischen  Zusammen - 
DarmBtaedter.  12 

—     177     — 


1786 

hanges  aller  Dinge  ist.  In  demselben  Jahr  schreibt  er  sein  Buch  „De  Ferro* 
das  älteste  Handbuch  der  Eisenhüttenkunde. 
1735    Peter  Arttdl  bringt  durch  seine  nach  seinem  Tode  11738)  von  Linnd  pub] 
zierten  Arbeiten  über  die  Fische  eine  Reform  in  der  zoologischen  Systemati 
und  Terminologie  hervor. 

—  Johann  Friedrich  CasMMim  faßt  die  Anatomie  des  Ohres  in  einer  au 
führlichen  Monographie  zusammen  und  gibt  zuerst  die  Einteilung  des  äuß« 
Gehörgangs  in  einen  knorpeligen  imd  einen  knöchernen  Teil.  Er  erwir 
sich  große  Verdienste  um  die  genaue  Erforschung  der  Schnecke  und  l 
richtigt  die  frühem  Irrtümer  über  eine  angebliche  Verbindung  zwisch 
Schädel  und  Paukenhöhle. 

—  Von  den  unzähligen  Versuchen,  das  Feilenhauen  auf  mechanischem  Wc 
auszuführen  und  dazu  Maschinen  zu  konstruieren,  ist  der  erste  bekannte  c 
von  Duvtrftr  in  Paris,  dessen  Maschine  jedoch  ihrem  Zweck  nicht  vollBtän< 
entsprochen  zu  haben  scheint.  Ebenso  wie  die  Unzahl  der  nachher 
fun denen  Maschinen  beruht  sie  auf  dem  Prinzip,  eine  den  Meißel  t 
gende,  vertikal  geführte  Stange  durch  einen  Daumen  zu  heben  und  dui 
eine  Feder  abwärts  schnellen  zu  lassen,  so  daß  der  Meißel  in  dem  auf  d 
Schlitten  ruhenden  Feilenkörper  einen  Hieb  hervorbringt,  worauf  • 
Schlitten  um  den  Abstand  zweier  Hiebe  vorrückt.     (S.  Iö04.) 

—  Nachdem  schon  Hallej  1686  eine  Theorie  der  Passatwinde  aufgestellt  hai 
die  ungenügend  war,  da  er  auf  die  Rotationsablenkung  keine  Rücksi 
nahm,  findet  der  Physiker  George  Hadtoy  das  Hadley^sche  Gesetz  der  Pajssj 
wonach  aUe  Windströmungen  durch  die  Erdrotation  abgelenkt  wercj 
imd  zwar  auf  der  nördlichen  Halbkugel  nach  rechts,  auf  der  südlici 
nach  links. 

—  Nachdem  Dr.  Willis  in   London  1688  ein  Sauerwasser  bereitet  hatte, 
gleiche  Wirkungen  wie  das  natürliche  gehabt  haben  soll  (s.  a.  1572 
stellt  Friedrich  HofFmann  verschiedene  künstliche  Mineralwässer  her  und  j 
Vorschriften  zur  Herstellung  von  Säuerlingen,  Bitterwässern  und  von  Ks 
bader  Salz.     Ihm  folgt  1750  Gabriel  Fran^ois  Venel  in  Paris,  bei   den 
jedoch   ebensowenig,   wie  bei   Hoffmann,   zu  einem   regelmäßigen  Abi 
kommt.     Ähnliche  Vorschläge   werden  1772   von  Priestley   tmd  1774 
Bergman   gemacht,   welch  letzterer  auf  Grund  von  Analysen  Vorsohri 
zur  Nachahmung  der  Wässer  von  Selters  und  Pyrmont  gibt. 

—  Roland  Houfhion  in  Massachusetts  verbessert  den  Theodolit  soweit^  da 
fortan   für   die  Zwecke   des  Landmessers   ein   handliches  Instrument 
stellt.     Er  erhält  für  seine  Konstruktion  ein  siebenjähriges  Patent. 

—  Wennschon  die  Römer  den  Meerschaum,  ein  aus  kieselsaurer  Magnesia 
stehendes  Mineral,  zur  Herstellung  kostbarer  Gefäße  hier  und  da  ben 
hatten,  so  wird  dessen  Verarbeitung  erst  eine  allgemeine,  als  Komtac 
Budapest  seine  Behandlung  mit  Fett  lehrt,  wodurch  er  fester,  dauerk; 
und  politurfähiger  wird  und  sich  zu  Pfeifen  verarbeiten  läßt,  die 
gleichmäßig  anrauchen.  Die  Kunst,  die  Meerschaumabfälle  durch 
reiben  und  Schlämmen  nutzbar  zu  machen,  wird  von  Christoph  Drei 
Ruhla  erfunden. 

—  Karl  von  Unn6  teilt  in  seinem  „Systema  naturae''  die  Tiere  in  « 
Klassen  ein:  Säugetiere,  Vögel,  Lurche,  Fische,  Kerbtiere  imd  'Wüi 
und  führt  die  schärfere  morphologische  Definierung  der  Gattung  a 
mein  durch. 

—  Karl  von  Llnn^  weist  in  seinem  „Systema  naturae'*  dem  Menschen  ei^ 
Platz  in  der  Klasse  der  Säugetiere  (Mammalia)  an.  Er  versucht  es 
gesamte  Menschheit  in  ihre  natürlichen  Gruppen  zu  zerlegen  und  x% 
scheidet  nach  der  Farbe  vier  Menschenrassen,  den  schwarzen  Afrilc 

—     178     — 


1786 

den  roten  Amerikaner,  den  gelben  Asiaten  und  den  weißen  Europäer. 
(VgL  1684  B.  und  1711  L.) 

)  Jean  Jacques  Malran  schlägt  zur  Bestimmung  der  Größe  der  Beschleuni- 
gung beim  freien  Fall  die  Methode  der  Koinzidenzen  vor,  die  darin  be- 
steht, daß  man  die  Schwingungsdauer  eines  Pendels  beobachtet,  die  Länge 
eineB  mathematischen  isochron  schwingenden  Pendels  berechnet  imd  aus 
diesen  Werten  die  zu  prüfende  Grröße  herleitet. 

mandMrt  in  Tübingen  bezeichnet  in  einer  i.  J.  1735  geschriebenen  Disser- 
tation die  Kakaobutter  als  ein  „Novum  medicamentum'*.  Hieraus  geht 
hervor,  daß  die  Verwendimg  der  Kakaobutter  zu  Heilzwecken  erst  um  diese 
Zeit  aufgekommen  ist. 

\  Daniel  Bemoulll  entwickelt  zuerst  die  Theorie  des  Wasserstoßes,  die  dann 
von  Coriolis  (1829),  Kavier  (1838)  und  Weisbach  (1846)  weiter  ausge- 
baut wird. 

Daniel  BtriMUlli  beschäftigt  sich  zuerst  mit  Untersuchungen  über  den  Aus- 
fluß von  elastischen  Flüssigkeiten  aus  Gefäßmündungen. 
Hermann  Botrhaave  begründet  die  wissenschaftliche  Medizin  mit  dem  Satze: 
der  Arzt  ist  Diener  der  Natur.  Er  untersucht  systematisch  bei  Krank- 
heiten den  Harn,  benutzt  das  Thermometer  in  rationeller  Weise,  ins- 
besondere auch  bei  Fieber,  und  vereinfacht  die  Rezeptur. 
Der  franzosische  Mathematiker  Charles  Marie  de  la  Condamlm  sendet  von 
seiner  Gradmessungsreise  aus  Peru  der  Pariser  Akademie  einige  Rollen 
einer  schwärzlichen,  harzigen  Masse,  die  unter  dem  Namen  Kautschuk  be- 
kannt war,  ein,  gibt  nähere  Mitteilungen  über  deren  Gewinnung  und  setzt 
seine  Untersuchungen  über  den  Kautschukbaum  mit  dem  französischen 
Ingenieur  Fresneau  (s.  1751  F.),  der  sich  in  Cayenne  niedergelassen  hatte, 
in  eingehender  Weise  fort. 

Henri  Louis  DuhanMl  du  Moneeau  erkennt  zuerst  die  besondere  und  vom 
Kali  verschiedene  alkalische  Natur  der  Basis  des  Kochsalzes,  die  er  als 
identisch  mit  der  Basis  des  ägyptischen  Natrum  und  der  spanischen  Soda 
bezeichnet.  Seinen  Beweis  für  die  Eigentümlichkeit  der  Soda  gründet  er 
hauptsächlich  auf  ihre  von  der  Pottasche  verschiedene  Löslichkeit.  Er 
stellt  zuerst  das  essigsaure  Natron  dar. 

Henri  Louis  DuhaiiMl  du  MoncMU  stellt  fest,  daß  die  alkalische  Basis  des 
Borax  Natron  ist.  Er  findet  femer  das  Natron  in  geringer  Menge  im  Harn 
und  dem  Blute,  in  großen  Mengen  dagegen  in  der  Asche  der  Strand - 
gewächse.  Er  gibt  1747  an,  daß  bei  der  Verpflanzung  solcher  Gewächse 
ins  Binnenland  deren  Natrongehalt  abnehme,  der  Kaligehalt  dagegen  zu- 
nehme, was  von  Cadet  später  bestätigt  wird. 

Leonhard  Eultr  wendet  in  seiner  „Mechanik*'  die  Analysis  zuerst  auf  die 
Untersuchung  der  Bewegung  an. 

Die  in  Königsberg  seiner  Zeit  als  Scherzaufgabe  gestellte  Frage,  ob  man 
die  dortigen  7  Pregelbrücken  hintereinander  überschreiten  könne,  ohne 
eine  derselben  zweimal  zu  passieren,  veranlaßt  Leonhard  Eul«r  zu  einer 
wissenschaftlichen  Behandlung  dieser  Aufgabe  („Brückenaufgabe**),  und 
auf  diesem  Wege  zum  weiteren  Ausbau  der  Kombinatorik  und  Wahr- 
scheinlichkeitsrechnung. 

Albrecht  vou  Haitor  gibt-  in  seiner  „Dissertatio  de  vasis  cordis  proprüs** 
eine  eingehende  Beschreibung  des  Mechanismus  der  Bewegung  des  Herzens. 
Albrecht  von  Haitor  betont  den  Nutzen  der  Galle  für  die  Fettverdauung. 
Nachdem  Huygens  1660  eine  durch  Federkraft  bewegte  Pendeluhr  zum 
Gebrauch  auf  See  konstruiert  und  Sully  seit  1703  sich  vergebens  mit 
der  Anfertigung  von  Längenuhren  mit  Unruhe  abgemüht  hatte,  verfertigt 
John    HanriMii    nach   Vorschlägen    des    holländischen   Uhrmachers    Massy 

-     179    — 


1786 

vorzügliche,  zur  Längenbestiinmung  geeignete  Seeuhren  (Chronometer),  dj 
allerdings  von  der  Temperatur  noch  nicht  unabhängig  waren.  Harriso 
erhält  für  seine  Chronometer  einen  von  der  englischen  Regierung  an^ 
gesetzten  Preis. 
1736  Der  Engländer  Jonathan  HiiHt  nimmt  ein  Patent  auf  ein  durch  eine  Ne^ 
comen'sche  Dampfmaschine  bewegtes  Buderradschiff,  welches  indes  nicl 
zur  Ausführung  gelangt. 

—  Nachdem  Bouguer,  de  la  Condamine  und  Godin  auf  der  Hochebene  va 
Quito  7300  Fuß  über  dem  Meere  i.  J.  1735  eine  Gradmessung  ausgefohj 
hatten,  die  die  Länge  des  Meridianbogens  zu  56753  Toisen  ergab  und  zx 
Einführung  der  Toise  von  Peru  führte,  unternimmt  Pierre  Louis  More^i 
M  Mauptrtuit  mit  Clairault,  Lemonnier,  Outhier  und  Celsius  eine  Gra^ 
messung  in  der  Gegend  von  Tomeä  in  Lappland,  bei  der  die  Länge  des  Mel 
dianbogens  zu  57  437  Toisen  festgestellt  wird.  Mit  der  Picard'schen  Meesox 
(s.  1669  P.)  verglichen,  ergibt  sich  das  Besultat,  daß  die  Breitengrade  vol 
Äquator  nach  den  Polen  zu  wachsen,  womit  der  Beweis  geliefert  ist,  da 
die  Erde   nach  den  Polen  zu  abgeplattet  ist. 

—  Jean  Louis  Pttit  eröffnet  zuerst  zur  Entleerung  von  Eiter  aus  der  Mitt« 
ohrhöhle  den  Warzenfortsatz.  Diese  Operation  wird  1776  von  dem  prea£ 
sehen  Militärarzt  Fasser  wiederholt,  gerät  dann  aber  völlig  in  Vergessenhpi 

—  Caspar  Franz  M  Reei  fördert  die  Bechenkunst  durch  sein  Buch  .,A11^ 
meine  Regel  der  Bechenkunst*',  das  insbesondere  durch  die  nach  ihm  b 
nannte  Bees'sche  Begel  (Kettenregel,  Kettensatz)  bekannt  wird.  Do^ 
stammt  die  Kettenregel  nicht  von  ihm  selber;  sie  wird  schon  von  Pib 
nacci  (1202)  erwähnt. 

—  Der  praktische  Arzt  Ttniuuit  in  PhUadelphia  führt  Badix  Senegae  in  d4 
Arzneischatz  ein.    (Vgl.  ^«d6^B.)  HHl^ 

1737 — 80  Jean  Baptiste  Bourguignon  d'Anvillf  gibt  eine  Anzahl  von  Londkart« 
heraus,  die  sich  durch  kritischen  Scharfsinn  in  der  Benutzung  des  Quellt 
materials  auszeichnen.  Er  zuerst  säubert  die  Karte  von  Afrika  von  d\ 
fabelhaften  Grebirgen  und  Flüssen,  die  auf  früheren  Karten  das  Inn« 
erfüllen. 

1737  Bemard  Forrest  M  MItfor  berichtet  in  seiner  „Architectura  hydranliq 
von  Maschinen  zur  Vertiefung  der  Seehäfen,  insbesondere  von  denen,  welc| 
man  zu  Toulon  braucht.  Die  von  ihm  erwähnten  Baggermaachinen  ^ 
hören  zur  Gattung  der  Stielschaufel  —  und  der  Stiellöffelbagger.  (S,  a.  1 7 18 II 
Er  berichtet  femer  über  die  Anwendimg  horizontaler  Wasserräder  in  4 
Provence  und  dem  Dauphin^. 

—  Philippe  Buacli«  entwirft  eine  Karte  des  englischen  Kanals,  in  der  er  ^ 
Punkte  gleicher  Tiefe  durch  Kurven  (Isobathen)  darstellt. 

—  Leonhard  Eiiltr  begründet  in  seiner  Schrift  „De  fractionibus  oontind 
eine  eigene  Theorie  der  Kettenbrüche  und  zeigt,  daß  jeder  rationelle  Bn^ 
sich  in  einen  endlichen,  jeder  irrationelle  Bruch  sich  in  einen  unendürl^ 
Kettenbruch  verwandeln  läßt,  (Das  Wort  „Kettenbruch**  rührt  überhan 
erst  aus  der  Verdeutschung  der  von  Euler  zuerst  angewendeten  Bejtek 
nimg  „Fractio  continua**  her.)  | 

1737—43  Johann  Georg  Qmtllii  erforscht  Sibirien.  Er  stellt  fest,  daß  der  Spid 
des  K  aspischen  Meeres  tiefer  liegt  als  der  des  Schwarzen  Meerea.  £r  m»^ 
zuerst  auf  den  sibirischen  „Eisboden*'  aufmerksam,  d.  i.  die  das  gat 
Jahr  hindurch  vorhandene,  auch  im  Sommer  nur  oberflächlich  moftauen 
Frostschicht  in  der  Erde,  welche  z.  B.  in  Jakutsk  bis  zu  186  m  IV 
reicht.  Er  rückt  die  natürliche  Grenze  zwischen  Asien  und  Europa  I 
zum  Jemssei,  wo  eine  neue  Fauna  und  Flora  an  die  Stelle  der  bloher  1 

—     180     — 


1788 

obachteten  tritt.    Gmelin  wird   hiermit  der  Schöpfer  der   vergleichenden 
Grcographie. 

1737  Jean  Htitot  benutzt  Silbemitrat  als  sympathetieche  Tinte  und  Ifißt  die 
damit  auf  Papier  gebrachte  Schrift  durch  das  Sonnenlicht  schwärzen. 

—  Nicolas  Louis  d«  Laealll«  macht  zuerst  auf  die  Vorteile  der  Kreislinie  für 
mikrometrische  Zwecke  aufmerksam,  die  unabhängig  von  LacaiUe  auch 
von  Boscovich  1739  für  diesen  Zweck  empfohlen  wird.  Das  darauf  ge- 
gründete Kreis-  und  Bingmikrometer  wird  insbesondere  von  J.  G.  Bepsold 
und  Fraunhofer  wesentlich  vervollkommnet  und  seine  große  Brauch- 
barkeit namentlich  von  Olbers  und  Bessel  erwiesen,  die  besondere  Regeln 
für  seine  Benutzung  auf  theoretischem  Wege  ableiten. 

1738  Daniel  BiniMiM  spricht  zuerst  die  Ansicht  aus,  daß  die  Gasmolekeln  ganz 
unabhängig  voneinander  nach  allen  Kichtungen  im  Baum  umherfliegen 
und  daß  es  dabei  zu  mannigfachen  Stößen  derselben  gegeneinander,  wie 
gegen  die  sie  einschÜeflenden  Wände  kommt,  von  denen  sie  wie  elastische 
Kugeln  zurückgeworfen  werden  (kinetische  Gastheorie). 

—  Daniel  Binioulil  schlägt  zuerst  vor,  die  Beaktionswirkung  des  aus  Bohren 
ausströmenden  Wassers  zum  Antrieb  von  Schiffen  zu  verwenden.  (Beak- 
tionspropeller. ) 

—  Daniel  BtfUOOtH  veröffentlicht  seine  „Hydrodynamik",  in  der  er  die  Theorie 
der  Wasser-  und  Windräder,  Wasserpumpen  und  -Schrauben  zum  Wasser- 
heben entwickelt.  Er  unterscheidet  zuerst  zwischen  dem  Druck  der 
ruhenden  Flüssigkeit  (hydrostatischem  Druck)  imd  dem  der  bewegten 
Flüssigkeit  (hydrodynamischem  Druck).  Bezüglich  der  Windräder  ist  zu 
bemerken,  daß  sie  wahrscheinlich  am  Ende  des  11.  Jahrhimderts  in 
Deutschland  erfunden  worden  sind.  Die  früheste  Erwähnung  derselben 
geschieht  in  einem  Diplom  vom  Jahre  1 105,  in  welchem  einem  französischen 
Kloster  die  Erlaubnis  zur  Anlage  von  Windmühlen  (Malendina  ad  ventum) 
erteilt  wird. 

'—  Oantal  §%  Thury,  MaraM  und  Laeallls  machen  auf  Veranlassimg  der  Aca- 
demie  des  sdences  Versuche  zur  Messung  der  Geschwindigkeit  des  Schalls. 
Als  Stationen  werden  das  Observatorium,  der  Montmartre,  Fontenay-aux- 
Roses  und  Monthlery  gewählt.  Von  10  zu  10  Minuten  wird  auf  einer 
bestimmten  Station  eine  Kanone  gelöst  und  auf  den  andern  Stationen  die 
Zeit  zwischen  Wahrnehmung  des  Lichtblitzes  und  der  Ankunft  des  Schalles 
beobachtet.    Die  sich  ergebende  Geschwindigkeit  ist  332  m/sec. 

^  Friedrich  Hoffmann  unterscheidet  zuerst  zwischen  dem  Sitz  des  Fiebers 
(den  fieberhaften  Symptomen)  und  dem  Ausgangspunkt  der  febrilen 
Krankheit;  erstere  verlegt  er  ins  Herz  und  in  weiterer  Verfolgung  ins 
Zentralnervensystem,  letztere  findet  er  in  den  verschiedensten  Organen, 
namentlich  im  Magen-  und  Darmkanal.  Er  betrachtet  die  vermehrte 
Pulsfrequenz  als  das  wichtigste  Fiebersymptom. 

738 — 4 1  Der  deutsche  B  otaniker  Georg  Wilhelm  SMItr  bereist  im  Dienste  der  russi- 
schen Begierung  Kamschatka  und  gibt  eine  treffliche  Beschreibimg  des 
Landes.  Durch  ihn  wird  die  Kenntnis  der  Organisation  imd  Lebens- 
w^se  der  seitdem  ausgerotteten  Seekuh  (Rhytina  Stelleri)  erhalten. 

738  Der  spanische  Staatsmann  Don  Antonio  da  UHoa  entdeckt  in  dem  gold- 
führenden Sand  des  Flusses  Pinto  in  Neugranada  das  Platin. 

—  Jacques  dt  VaMMton  konstruiert  durch  Uhrwerk  betriebene  Automaten, 
einen  Flötenspieler,  einen  Pfeifer  und  eine  Ente,  welche  den  Anstoß  zu 
einer  großen  Anzahl  von  Nachbildungen  im  18.  und  zu  Anfang  des 
19.  Jahrhunderts  geben. 

^  John  Wyalt  erfindet  das  Spinnen  mit  Walzen,  wobei  mehrere  neben - 
und  übereinanderliegende  kleine  geriefte  Walzen  (Streckwalzen)  die  Baum- 

—      181     — 


1789 

wolle  zwiBchen  sich  hinziehen  und  ausdehnen.  Mangel  an  Kapital  hind 
ihn,  die  Idee  im  Großen  anszuführen,  was  dann  durch  Lewis  Paul  y 
1741  ab  geschieht. 

1739  Bemard  Forrest  §%  BüMor  wendet  zuerst  die  Dififerential-  und  Inte^ 
rechnung  für  technische  Zwecke,  namentlich  zur  Berechnung  der  Ausfl 
geschwindigkeit  des  Wassers  aus  senkrecht  stehenden  Röhren  von  kr 
förmigem  Querschnitte  an. 

—  John  Clayion  erhält  bei  der  Destillation  der  Steinkohle  ein  brennbare«  ( 
dessen  Brennbarkeit,  wie  Richard  Watson  1767  konstatiert,  auch  b 
Durchleiten  durch  Wasser  und  lange  Röhren  erhalten  bleibt.  Er  ma 
über  den  Steinkohlenteer  ausführliche  Angaben.    (Vgl.  auch  1681  B.) 

—  Leonhard    Eultr    führt    den    Buchstaben  e  zur    Bezeichnung   der    Re 

l  +  ^_+/^  +  _^.  +  ...  =  2.7182818 ...  in  die  Mathematik  ein. 

—  Fran^ois  Sauveur  Morand  macht  die  erte  Exartikulation  des  Oberschen 
(Hüftgelenks)  und  gibt  die  erste  Beschreibung  der  Osteomalacie,  die 
Lobstein  1819  ergänzt  wird. 

—  Johann   Heinrich   Pott   bearbeitet  eingehend  das  Wismut  und  seine 
parate;  die  hüttenmäßige  Gewinnung  des  Metalls  erfolgt  indes  erst  zu 
fang  des  19.  Jahrhunderts  in  Sachsen  aus  sächsischen  und  österreicbisM 
und  in  England   aus  südamerikanischen  und  australischen  Erzen. 

—  Der  Dubliner  Arzt  Rirtty  gibt  die  erste  verläßliche  Beschreibung  de»  K 
fallfiebers.    (Febris  recurrens.) 

1740  Jean  Attnic  schreibt  ein  Werk  „De  morbis  venereis  libri  novem",  in  wek 
er  die  Geschichte,  die  Ätiologie  und  die  Therapie  der  Syphilis  so  be 
delt,  daß  diese  Schrift  auch  heute  noch  für  den  medizinischen  Geechi* 
Schreiber  unentbehrlich  ist. 

—  Der  Bergrat  Johann  Christian  Barth  in  Freiberg  macht  die  Beobao.hi 
daß  Indigo  sich  mit  Schwefelsäure  zu  einem  wasserlöslichen  Farbstoff 
einigt,  welcher  alsbald  zur  Erzeugung  von  Sächsischblau  und  SäcbsiBcti 
Verwendung  findet. 

1740 — 42  Veit  Barliif  unternimmt  mit  Tschirikow  eine  weitere  Reise  (s.  172 
auf  der  er,  von  Ochotsk  ausfahrend,  den  Peter-Pauls-Hafen  in  der  A  vat 
Bai  zur  Überwinterung  anläuft.  Die  Gesellschaft,  die  durch  (Jeorg 
heim  Steller  vergrößert  wird,  verläßt  ihr  Winterquartier  am  4.  Juni 
durchfährt  die  Beringstraße  und  erreicht  am  15.  Juli  die  nord^wet^ 
Küste  Amerikas  zwischen  58  und  .59®  n.  Br.,  entdeckt  den  Mount  St. 
die  Aleuten,  umfährt  dann  Alaska  und  ankert  am  5.  Novemb^'  174 
der  Beringinsel.  Nach  dem  am  8.  Dezember  eingetretenen  Tode  von  V 
kehren  die  übrigen  Teilnehmer  auf  einem  aus  den  Resten  des  alten  H 
selbstgezimmerten  Fahrzeug  nach  Kamschatka  zurück. 

1740  Charles  Marie  M  la  Combunint  mißt  in  Quito  die  Schallgesch windig k* 
339  m,  in  dem  beträchtlich  wärmeren  Cayenne  zu  357  m.    (Vgl.    173 

—  William  Cullen,  Professor  in  Edinburg,  gründet  die  gesamte  Lehre  vci 
Erkrankungen  auf  die  Neuropathologie. 

—  Demailltt  führt  in  seinen  unter  dem  Pseudonym  „Telliamed**  ersohie 
„Entretiens  d'un  philosophe  indien"  die  Idee  aus,  daß  das  Festland 
Ablagerung   aus   dem  Meere  entstanden  sei,   dessen  beständiges  Zi 
weichen  die  Kontinente  frei  gelegt  habe  (Neptunismus). 

—  Thomas  Dover  erfindet  das  nach  ihm  benannte,  aus  Opium,  Ipeoa<- 
und  Milchzucker  bestehende  Dover' sehe  Pulver,  welches  gegeu  Dur^ 
imd  als  schweißbringendes  und  schlafbef orderndes  Mittel  angewendet 

—  Henry  Louis  Duhamel  du  Moneeau  macht  zuerst  auf  die  Beziehungen  zw 
der  Entwicklung  der  Vegetation  und  dem  KUma  aufmerksam. 

—     182     — 


1741 

Jean  Charles  Fraiifolt  erfindet  die  Kreidetechnik  (Mani^re  du  crayon),  eine 
Abart  des  Kupferstichs,  mittels  welcher  eine  Zeichnung  ähnlich  der  Kreide- 
zeichnung erzielt  werden  kann. 

Jean  Paul  M  Qua  H  Malvti  veröffentlicht  seine  „Usages  de  1' Analyse  de 
Descartee",  worin  er  u.  a.  die  Anzahl  d^  komplexen  Grleichungswurzeln 
auf  geometrischem  W^e  bestimmt. 

Die  Brüder  Havart  zu  Ronen  erfinden  den  Baumwollsamt  (Manchester  oder 
Velvet). 

Jean  Htllot  in  Paris  gibt  die  erste  Theorie  des  Färbeprozesses. 
Benjamin  Huiitsman   in  Sheffield  erzeugt  zuerst  Tiegelgußstahl,   indem  er 
Schweißstahl,  den  er  durch  Zementieren  (Glühen  weicher  Schmiedeeisen - 
Stäbe  in  Holzkohle)  erhält,  in  Tiegeln  umschmilzt. 

Jean  Jacques  Malraii  bestimmt  die  Höhe  des  Nordlichtes,  die  er  auf  mehr 
als  100  Meilen  berechnet. 

Der  Pariser  Möbelfabrikant  Martlii,  dem  auch  die  Yemis-Martin- Arbeit  (d.  i. 
eine  Art  japanischer  Lackmalerei  auf  Kutschwagen  usigr.)  zu  verdanken  ist, 
erfindet  das  Papier  mach^. 

Der  Marschall  Moritz  won  Sadnan  erfindet  die  Amüsetten,  einpfündige,  der 
Infanterie  als  Kegimentsgeechütze  beigegebene  Kanonen. 
Lazzaro  Moro  führt,  von  der  Neubildung  einer  Insel  im  Golf  von  San  torin 
im  Jahre  1707  ausgehend,  alle  Veränderungen  der  Erdoberfläche  auf  die 
durch  unterirdische  Hebimgskräfte  bewirkte  Auftreibung  einzelner  Teile 
der  Erdrinde  zurück. 

Christopher  PoHiem  erfindet  den  Support  der  Drehbank  und  die  schwe- 
dische Hebelade. 

Esaias  Wartf  errichtet  die  erste  Schwefelsäurefabrik  in  Richmond.  Er  er- 
hitzt ein  Gemenge  von  Schwefel  und  Salpeter  in  eisernen  Kapseln  und 
fängt  die  SchwefeLsäuredämpfe  in  gläsernen  Vorlagen  auf. 
Josias  Walttroellt  erforscht  in  methodischer  Weise  die  Gelenke  imd  Bänder 
des  menschlichen  Körpers.  Er  macht  darauf  aufmerksam,  daß  die  Pulswelle 
in  den  dem  Herzen  näher  gelegenen  Arterien  etwa«  früher  auftritt  als  in 
den  entfernteren,  wie  namentlich  in  der  Arteria  dorsalis  pedis. 
Der  Mediziner  Paul  Gottheb  WarHiof  macht  die  Blutfleckenkrankheit  zum 
Gregenstand  eines  besonderen  Studiums  und  schildert  zuerst  die  nach  ihm 
benannte  Krankheit  „Morbus  maculosus  Werlhofii".  Im  Anschluß  an  die 
Torti'schen  Arbeiten  über  Wechselfieber  (s.  1712  T.)  bemüht  er  sich  um 
die  weitere  Einführung  der  Chinarinde. 

Nicolaus  Andry  bewirkt  durch  sein  Werk  „Die  Kirnst  bei  den  Kindern  die 
üngestaltheit  dee  Körpers  zu  verhüten  und  zu  verbessern**  einen  großen 
Au&chwung  der  Orthopädie,  der  er  auch  den  Namen  gibt. 
Der  englische  Militärarzt  Archibald  Clalaiill  führt  bei  Ohrenkranken  eine 
silberne  Röhrensonde  durch  die  Nase  in  die  Eustachische  Röhre  ein,  um 
Luft  oder  Flüssigkeit  einzuspritzen.  Eine  derartige  Katheterisierung  an  sich 
a^bst,  und  zwar  vom  Munde  aus,  hatte  vorher  (1724)  der  Postmeister  Guyot 
in  Versailles  gemacht.    (S.  1704  V.) 

Pierre  Damaurs  untersucht  die  Struktur  des  Glaskörpers  an  gefrorenen 
Augen  imd  findet,  daß  derselbe  aus  muschelförmig  aneinander  gelagerten 
Teflchen  besteht,  welche  sich  schichtenartig  an  die  hintere  Fläche  der 
Länae  anlegen  und  durch  eine  sehr  feine  Membran  von  ihr  getrennt  sind. 
Henry  Louis  Duhamal  du  Moneaau  betont  zuerst,  daß  die  Neubildung  von 
Knochengeweben  vorzugsweise  aus  dem  Periosteum  (Knochenhaut)  statt- 
finde, eine  Ansicht,  die  auch  von  Flourens  (1847)  geteilt  wird. 
Antoine  Farraln  stellt  zuerst  akustische  Experimente  an  dem  heraus- 
geschnittenen Kehlkopf  an  und  entdeckt,    daß  die  Vibration  der  Stimm- 

—     183     — 


1741 

bänder  der  hauptsächlichste  Faktor  bei  der  Erzeugung  der  Stimme  ist. 
Er  vergleicht  die  Stimmbänder  mit  den  Saiten  der  Streichinstrumente  und 
bezeichnet  sie  als  Chordae  vocalee. 

1741  Claude  Joseph  Qeoffroy  zeigt,  daß  sich  die  medizinische  Seife  in  dem  di^- 
f achen  Gewicht  Weingeist  löst  und  die  Auflösung  bei  niedriger  Temperatur 
zu  einer  durchscheinenden  Masse  —  Seifenspiritus  —  gesteht.  Bergman 
führt  den  Grebrauch  dieses  Seifenspiritos  zur  Untersuchung  von  Mineral- 
wässern ein. 

—  Olaf  Peter  HJörtar  in  Upsala  erkennt  den  störenden  Einfluß  des  Nordlichts 
auf  die  Magnetnadel. 

—  Mllllll0ton  stellt  zuerst  außer  Zweifel,  daß  die  Hudsonbai  ein  Mittelmeer 
des  Atlantischen  Ozeans  ist. 

—  Lewis  Paul  verwendet  zum  Lockern  der  Baumwolle  an  Stelle  der  bisher 
verwandten  Stockkarden  zylindrische  Karden,  denen  er  eine  drehende  Be- 
wegung gibt,  und  vereinigt  durch  eine  sinnreiche  Vorrichtung  die  erhaltenen, 
der  Breite  d^  Eardenbeschlags  entsprechenden  Locken  zu  einem  Bande 
von  beliebiger  Länge. 

—  Johann  Peter  SQBmtlch  begründet  durch  sein  Werk  „Die  göttliche  Ordnung 
in  den  Veränderungen  des  menschlichen  Greschlechts  aus  der  Geburt,  dem 
Tode  und  der  Fortpflanzung  desselben  erwiesen'*  die  statistische  Sozial- 
wissenschaft. 

1742  Thomas  Boltovwr  erfindet  die  Kirnst  des  Silberplattierens,  die  1758  von 
Joseph  Hancock  in  Sheffield  zuerst  in  großem  Maßstabe  betrieben  wird. 
Eine  Silberplatte  wird  auf  eine  etwa  achtmal  so  starke  Kupferplatte  ge- 
legt,  nachdem  die  Berührungsflächen  der  beiden  Platten  gut  gereinigt  und 
mit  Borax  bestreut  worden  sind.  Nun  werden  sie  ausgeglüht  und  so  lange 
zwischen  starken  Stahlwalzen  gestreckt,  bis  sie  die  gewünschte  Dünne  er- 
langt haben. 

1742—1763  Johann  Gottfried  Brendttl  und  Johann  Gottfried  Zinn  machen  im  An- 
schluß an  die  Cassebohm'schen  Arbeiten  über  die  Sohnecke  (s.  1735  C.) 
epochemachende  Forschungen  über  den  Nervenapparat  der  Sohnecke. 

1742  Anders  GeMut  schlägt  die  heute  für  wissenschaftliche  Zwecke  allgemdn 
adoptierte  hundertteilige,  nach  ihm  benannte,  Celsius'sche  Thermometer- 
skala vor.  Er  setzt  den  Siedepunkt  bei  0^  und  den  Gefrierpunkt  bei  100', 
welche  Skala  1745  von  Linn^  umgekehrt  wird.  Daß  Morton  Strömer  die 
Skala  verändert  habe,  ist  irrtümlich. 
^  Louis  M  Cormonüilfn«  verbessert  Vauban*s  sog.  1.  System  (s.  1673  V.)  durch 
Vergrößerung  der  Bastione  und  Baveline,  völlige  Sichtdeckung  der  Graben- 
mauem  und  Verminderung  des  Kommandements  des  Hauptwalls.  Er  be- 
herrscht mit  seinen  Ideen  auf  lange  Zeit  den  Festungsbau  Europas. 

—  Albrecht  von  Hallor  führt  die  in  Surinam  schon  lange  arzneilich  verwendete  | 
Quassia  in  den  europäischen  Arzneischatz  ein. 

—  Joseph  Ueaümd  begründet  durch  seine  anatomischen  Werke  die  sog.  chirur- 
gische Anatomie.  Er  entdeckt  das  nach  ihm  benannte  Dreieck  am 
Grunde  der  Harnblase.  i 

—  Roger  Lonc  versucht  nach  der  zuerst  von  Halley  (s.  1693  H.)  angewendeten  j 
Wägemethode  das  Verhältnis  von  Wasser  und  Festland  auf  der  Erde  fest- ! 
zustellen.     Er    nimmt    von    einem   Erdglobus    die   Papierbedeckung   ab,  i 
trennt  Land   und  Wasser   voneinander  und  ündet  so  das  Verhältnis  von 
Land  zu  Wasser  =  124:  349,  also  ungefähr  1:3. 

—  Colin  Maelaurln  stellt  die  Maclaurin'sche  Formel  zur  Entwicklung  der  Funk- 
tionen in  Reihen  auf  und  macht  bahnbrechende  Untersuchungen  über  den 
Stoß  und  über  Ebbe  und  Flut.  Vgl.  seine  Schriften  „Geometria  organios'* 
(1720)  und  „Treatise  of  fluxions"  (1742). 

—     184     — 


1748 

Andreas  won  9mwk  stellt  Zink  durch  Reduktion  Ton  Galmei  und  Destillation 
ans  geschlossenen  Gefäßen  her  und  macht  hierdurch  dieses  Metall  der 
Industrie  zugänglich.  Er  gibt  Anweisungen  für  rationelle  Herstellung  von 
Messing  durch  Zusammenschmelzen  von  Zink  und  Kupfer. 
TscMJuskln  umwandert  die  Nordspitze  Asiens,  die  nach  ihm  Kap  Tschel- 
juskin  genannt  wird  und  erst  1878  wieder  von  Nordenskjöld  erreicht  wird, 
der  am  19.  und  20.  August  dort  mit  der  Vega  verweilt. 
Jean  le  Rond  D'Atombart  stellt  den  Satz  auf:  Wirken  auf  ein  System  mit- 
einander verbundener  Punkte  Kräfte,  die  eine  gewisse  Beschleunigung 
hervorrufen,  und  fügt  man  solche  Kräfte  hinzu,  welche,  wenn  die  Punkte 
frei  wären,  die  entgegengesetzten  Beschleunigungen  bewirken  würden,  so 
tritt  Gleichgewicht  ein  (D'Alembert'sches  Prinzip). 

Daniel  B«rao«lll  veranlaßt  den  Baseler  Mechaniker  Johann  DIfirleh  Huf- 
eisenmagnete herzustellen  und  entdeckt  Beziehungen  zwischen  der  Trag- 
kraft solcher  Magnete  und  ihren  Oberflächen  und  Gewichten. 
Alexis  CWniult  entwickelt  in  seiner  „Theorie  de  la  figure  de  la  terre  tir6e 
desprincipes  de  Thydrostatique**  zuerst  die  partiellen  Differentialgleichungen, 
durch  welche  man  die  Gesetze  des  Gleichgewichts  einer  flüssigen  Masse 
ausdrücken  kann,  wenn  auf  ihre  Teile  beliebige  Kräfte  einwirken.  Er  stellt 
das  Clairault'sche  Theorem  auf,  wonach  die  Änderung  der  Schwere  auf  der 
Oberfläche  der  als  elliptisches  Sphäroid  gedachten  Erde  von  der  Art,  wie 
die  Dichte  der  inneren  Schichten  sich  ändert,  unabhängig  ist,  somit  bloß 
von  der  Form  der  Oberfläche  abhängt  und  zeigt,  wie  man  mittels  einer 
einfachen  Formel  aus  dem  Unterschied  der  Schwerkraft  am  Äquator  und 
an  den  Polen  der  Erde  deren  Abplattung  berechnen  kann. 
FMtMeh  tfor  GroBo  erläßt  ein  Feldlazarettreglement  (vgl.  auch  1734  F.), 
in  welchem  er  die  Hauptlazarette  von  den  mobilen  oder  fliegenden  Ambu- 
lanzen scheidet. 

Christian  August  HaiMon  führt  auf  Veranlassung  seines  Schülers  Litzendorf  eine 
Elektrisiermaschine  aus,  die  aus  einer  durch  eine  Kurbel  drehbaren  Glas- 
kugel besteht,  welche  mit  der  Hand  gerieben  wird.  Diese  Maschine  gibt 
schon  wesentlich  bessere  Resultate  als  Guericke's  Schwefelkugel  (s.  1663  G.) 
und  Hawksbee's  Glaskugel.    (S.  1706  H.) 

R.  «Mmiliici  legt  bei  Howden  York  die  ersten  Überschlämmungswiesen  an. 
Rieselungswiesen  existierten  schon  vorher  in  England,  und  zwar  in  Wiltshire, 
wo  von  1690  bis  1700  gegen  20000  Acres  berieselt  und  unter  Aufsicht  eines 
Wäfiserungsvorstandes  gestellt  wurden. 

Andreas  Sigismund  Marfgraff  bestreitet  Stahl's  Ansicht,  daß  die  Phosphor- 
saure  phlogistierte  Salzsäure  sei  und  zeigt,  daß  sie  durch  Erhitzen  mit 
brennbaren  Stoffen  stets  wieder  zu  Phosphor  wird,  worin  er  einen  Beweis 
sieht,  daß  Phosphor  aus  Säure  und  Phlogiston  besteht.  Er  gibt  ein  Ver- 
fahren der  Phosphorfabrikation  an,  indem  er  gefaulten  Harn  zur  Honigdicke 
verdunstet,  10  Teile  des  Rückstandes  mit  1  Teil  Hornblei  und  Va  T^^^  Kohle 
mischt  und  das  Ganze  erhitzt,  bis  es  sich  in  ein  schwarzes  Pulver  ver- 
wandelt hat,  aus  dem  alsdann  der  Phosphor  abdestilliert  wird. 
Christopher  Pack«  veröffentlicht  die  älteste,  überhaupt  existierende,  aller- 
dings noch  unvollkommene  geologische  Karte,  die  ein  Areal  von  32  eng- 
lischen Meüen  im  Osten  der  Grafschaft  Kent  umfaßt. 
Prfngto  imd  Hmliaili  bezeichnen  zuerst  die  bis  dahin  mit  Catarrhus  epide- 
micus,  Tussis  epidemica  usw.  bezeichneten  Krankheit  mit  dem  Namen  In- 
fluenza (influxus).  Bemerkenswert  ist,  daß  Christian  Calenus  in  Greifs- 
wald, der  die  Ansteckungsfähigkeit  der  Krankheit  schon  hervorhebt,  die- 
selbe „Ob  occulta  quadam  coeli  influentia*'  hervorgehen  läßt. 
Servington  Sawtry  gibt  das  für  die  Entwicklung  der  Mikrometrie  imgemein 

~     185     — 


1748 

wichtige  Prinzip  der  Doppelbilder  an,  auf  Grund  dessen  das  erste  Doppel 
büdmikrometer  1762  von  John  Dollond  konstruiert  wird.  Andere  Doppd 
büdmikrometer  werden  von  Amici  (gegen  1820),  Airy  (1840),  Steinhei 
(gegen  1840),  Clausen  (1841),  Bigourdan  (1896)  und  vielen  anderei 
angegeben. 

1743  Thomas  SlmiNOii  stellt  zur  Korrektion  des  durch  die  astronomische  Strahlen 
brechung  gegebenen  Fehlers  Formeln  zusammen,  die  durch  Zusammen 
wirken  von  Theorie  und  Empirie  erhalten  sind  und  von  Lalande  (1792 
und  Hennert  (1796)  verbessert  werden. 

1744  Auf  Empfehlung  des  Bischofs  Barketoy  wird  das  Teerwasser  erst  in  Eng 
land   und  dann  auf  dem  Kontinent  vielfach  zu  Heilzwecken  angewendet 

—  Greorg  Matthias  BoM  bemerkt,  daß  man  die  elektrische  Wirkung  dei 
Hausen'schen  Elektrisiermaschine  (s.  1743  H.)  verstärken  kann,  wenn  mal 
die  Elektrizität  von  der  Kugel  durch  eine  blecherne  Röhre  (Konduktor)  auf 
sammelt. 

—  Pierre  Boucuar  teilt  in  den  „Memoires  de  l'Acad^mie  royale**  seine  Beob 
achtungen  über  die  Schneegrenze  in  den  Anden  mit  und  knüpft  wichtige 
Betrachtungen  über  die  Gesetze,  denen  ihr  Verlauf  unterworfen  ist,  au 
Er  faßt  diese  Grenze  im  wesentlichen  als  eine  klimatische  auf.    (3.  1516  M. 

—  Leonhard  Eiilar  behandelt  die  ersten  Probleme  der  Variationsrechnung  nn<l 
gibt  das  erste  Lehrbuch  der  Variationsrechnung  heraus.  („Methodus  iul 
veniendi  curvas  maximi  minimive  proprietate  gaudentes*'.) 

—  Johann  Heinrich  Lambart  findet,  16  Jahre  alt,  bei  der  Berechnung  det 
Kometen  von  1744  das  „Lambert'sche  Theorem**,  den  für  die  parabolische 
Bahn  eines  Himmelskörpers  gültigen  Satz,  daß  die  Zeit,  in  der  ein  Boge£ 
durchlaufen  wird,  nur  von  der  Sehne  des  Bogens  und  der  Summe  der  zu 
gehörigen  Radienvektoren  abhängig  ist.  Auf  das  Lambert^sche  Theorein 
gründet  Olbers  seine  berühmte  Methode  zur  Berechnung  der  Konnet<*n 
bahnen. 

—  Jean  Ph.  Loyt  M  Ch«seaux  behauptet  zuerst  die  Absorption  de«  Lichte^ 
beim  Durchgang  durch  den  Weltraum,  welcher  Behauptung  1823  Olbeit 
beitritt. 

—  Pierre  Louis  Moreau  dt  Mauptrtuls  stellt  das  Prinzip  der  kleinsten  Wirkun| 
auf:  „Wenn  in  der  Natur  eine  Veränderung  vor  sich  geht,  so  ist  die  für  die« 
Veränderung  notwendige  Tätigkeitsmenge  die  kleinstmöglichste.**  Dies^ 
nach  Maupertuis  benannte  Prinzip  wird  durch  Enler  (1753)  noch  weitet 
ausgebaut. 

—  Alexander  Monro  veröffentlicht  das  erste  Handbuch  der  vergleichenden 
Anatomie. 

—  Der  Organist  G^org  Andreas  Sorg«  in  Hamburg  entdeckt  die  Kombis 
nationstöne,  die  1754  unabhängig  von  ihm  von  Tartini  entdeckt  un4 
nach  dem  letzteren  „Tartini'sche  Töne**  genannt  werden.  Den  Namen 
Kombinationstöne  erhalten  sie  1805  durch  G.  U.  A.  Vieth. 

—  Der  Naturforscher  Abraham  TremMy  in  Leiden  erkennt  die  Süßwasser^ 
polypen  als  tierische  Organismen,  und  entdeckt,  daß  sich  dieselben  ohni 
Beeinträchtigung  ihrer  Lebensfähigkeit  zerschneiden,  beispielsweise  ded 
Länge  nach  halbieren  lassen.  Auch  zeigt  er  die  Möglichkeit  ein«^ 
dauernden  Vereinigung  verschiedener  getrennter  Teile,  indem  er  den  abge^ 
schnittenen  Tentakelteil  eines  kleinen  Süßwasserpolypen  Hydra  mit  der 
entgegengesetzten  Hälfte  eines  anderen  Exemplars  verwachsen  läßt. 

—  Antonio  da  UIIm  und  Pierre  BougiMr  geben  die  erste  Beschreibung  der  von 
ihnen  auf  dem  peruanischen  Hochland  beobachteten,  später  „Brocken- 
gespenst**  genannten  Erscheinung,  sowie  die  des  weißen  Regen  bogens. 

—  Johann  Heinrich  Wlnkltr  in  Leipzig  konstatiert  zuerst,    daß  die  Erde  als» 

—     186     — 


174S 

Leiter  der  Elektrizität  zu  gelten  hat  und  daß  das  Wasser  ein  guter 
Leiter  ist,  was  beides  später  für  die  Telegraphie  von  Wichtigkeit  wird. 
1745  Bernhard  Siegfried  AIMnut,  Anatom  in  Leiden,  entwirft  die  von  Wandelaar 
gestochenen  anatomischen  Tafehi,  von  denen  Haller  sagt  „Albinus  seu 
natura".  Seine  Untersuchungen  über  das  Muskelsystem  bilden  für  lange 
Zeit  die  Grundlage  der  Kenntnis  dieses  Organsystems. 

—  Der  englische  Techniker  Barfcor  erfindet,  wie  Desaguliers  angibt,  das  Re- 
aktionswasserrad. 

—  Jacopo  Bartolommeo  Dtccorl  zeigt  zuerst,  daß  das  Mehl  aus  Stärkemehl 
und  Kleber,  dem  Eiweißkörper  der  €retreidearten  zusammengesetzt  ist. 
Spätere  Forschungen  ergeben,  daß  das  Weizenmehl  ungefähr  12,  das 
Roggenmehl  9 — 10  Prozent  Kleber  enthält.  Die  Hauptmenge  des  Klebers 
befindet  sich  in  der  Kleie. 

—  Charles  BmiMt  stellt  den  Satz  auf,  daß  eine  unimterbrochene  Stufenfolge 
zwischen  dem  vollkommensten  Tier  und  dem  niedrigsten  pflanzlichen 
Lebewesen  bestehe. 

—  Charles  BmiMt  weist  durch  zahlreiche  exakte  Versuche  nach,  daß  bei  ge- 
wissen Würmern  zerschnittene  Stücke  wieder  zu  vollständigen  Tieren  aus- 
wachsen  und  imtersucht  eingehend  die  zuerst  von  Leeuwenhoek  (s.  1703  L.) 
beobachtete,  ohne  Befruchtung  durch  Männchen  stattfindende  Fortpflan- 
zung (Parthenogenesis)  der  Blattläuse. 

—  Der  Oberst  William  Cook«  gibt  im  Anschluß  an  den  Vorschlag  von  Sir 
William  Platt  (s.  1662  P.)  ein  Schema  für  eine  Dampfheizung,  bei  welchem 
durch  ein  schlangenförmig  angeordnetes  System  von  Kupferröhren  der 
Dampf  durch  sämtliche  Zimmer  eines  Hauses  geleitet  werden  soll.  Die 
erste  Anwendung  dieser  Heizung  macht  1784  James  Watt  zur  Heizung 
seines  Arbeitszimmers. 

—  Craod  erfindet  den  Melograph,  eine  Vorrichtung  am  Pianoforte,  die  alles, 
was  auf  demselben  gespielt  wird,  zu  Papier  bringt,  so  daß  beispielsweise 
Improvisationen  damit  festgehalten  werden  können.  Der  Apparat,  seit- 
dem in  den  verschiedensten  Formen  ausgeführt,  hat  bisher  noch  keinen 
durchschlagenden  Erfolg  gehabt.  (S.  a.  1900  K.) 

—  Der  Dekan  Ewald  Jürgen  won  KMtt  in  Cammin  erfindet  die  elektrische  Ver- 
stärkimgsflasche,  die  1746  durch  Musschenbroek  in  Leiden  allgemein  be- 
kannt imd  infolgedessen  als  Leidener  Flasche  bezeichnet  wird.  In  ihrer 
frühesten  Form  besteht  sie  aus  einem  Fläschchen,  das  zum  Teil  mit 
Wasser  gefüllt  ist  und  in  der  Hand  gehalten  wird.  Die  Hand  bildet  die 
äußere,  das  Wasser  die  innere  Belegung ;  ein  hinein  gestellter  Nagel  macht 
die  innere  Belegung  von  außen  zugänglich. 

—  Der  Arzt  Christian  Gottlieb  Krttmittolii  verwendet  die  Leidener  Flasche 
zu  Heilzwecken,  indem  er  versucht,  die  Lähmung  eines  Fingers  durch  elek- 
trische Schläge  zu  heflen. 

—  Johann  Nathaniel  UoborfcQllii  erfindet  das  sogenannte  Korrosionsverfahren 
zur  Herstellung  anatomischer  Präparate.  Er  füllt  die  feinen  G-efäße  mit 
gefärbter  Harzmasse  aus  und  ätzt  das  die  Gefäßausgüsse  trennende  Oe- 
webe  mit  Schwefelsäure  fort.  Diese  Methode  wird  von  Hyrtl  noch 
▼erbessert. 

—  Johann  Nathaniel  LMMrkQhii  entdeckt  die  Lieberkühn'schen  Drüsen,  welche 
den  für  den  Verdauungsvorgang  wichtigen  Darmsaft  absondern. 

—  Nachdem  die  Academia  del  Cimento  in  Florenz  bereits  i.  J.  1667  Ver- 
öfFentüchungen  über  die  elektrische  Leitimgsfähigkeit  der  Flamme  gemacht 
hatte,  die  aber  wieder  in  Vergessenheit  geraten  waren,  entdeckt  Henry 
MHot,  Pfarrer  zu  Tovting  in  der  Grafschaft  Surrey,  i.  J.  1745  die  Leitungs- 
fähigkeit der  Flamme  für  die  Elektrizität  wieder. 

—     187     — 


1746 

1745  Percival  Pott  erfindet  für  die  Mastdarmfistel,  die  früher  meist  durcli 
Ätzung  oder  Ligatur,  später  auch  mit  dem  Messer  behandelt  worden  war, 
ein  besonderes  Bistouri  und  verbessert  dadurch  die  chirurgische  Behandlung 
wesentlich.  Er  studiert  im  gleichen  Jahre  die  Caries  der  Wirbelsäule,  die 
nach  ihm  „Malum  Pottii'*  genannt  wird. 

—  Benjamin  RoMiit  konstatiert  bei  seinen  umfangreichen,  mit  Hilfe  des  von 
ihm  erfundenen  ballistischen  Pendels  unternommenen  Versuchen,  daß  sich 
das  Newton'sche  Luftwiderstandsgesetz  für  mit  großer  Anfangsgeschwin- 
digkeit abgeschossene  Körper  nicht  anwendbar  zeigt,  weshalb  Leonbard 
Euler  i.  J.  1763  die  Einführung  geeigneter  Hil&tafeln  zur  Korrektur  der 
Besultate  vorschlägt.    (S.  a.  1859  N.  und  1863  B.) 

—  Johann  Christian  Anton  TNdMi  macht  bei  Operationen  die  Glieder  durch 
feste  Umschnürung  unempfindlich. 

—  Antonio  da  UIIm  sieht  zuerst  ein  Südlicht  (Aurora  austraUs)  am  Kap 
Hoom.  Späterhin  werden  solche  Südlichter  von  Cook  und  seinem  Begleiter 
J.  R.  Forster  als  eine  fast  aUtäghche  Sache  beschrieben. 

—  Johann  Heinrich  Wlnkler  verbessert  die^  Elektrisiermaschine,  indem  er, 
statt  die  Kugel  mit  den  Händen  zu  reiben,  auf  den  Rat  des  Leipziger 
Drechslers  Giessing  Kissen  als  Reibzeuge  verwendet,  welche  er  durch 
Federn  gegen  die  Glaskugel  drückt. 

1746  Pierre  Boucuar  veröfFentlicht  sein  Werk  „Trait6  de  navire**,  welches  als 
die  eigentliche  Grundlage  des  theoretischen  Schiffbaues  anzusehen  ist. 

—  Antoine  DtpardMX  erwirbt  sich  durch  sein  Buch  „Essai  sur  les  probabilitte 
de  la  vie  humaine*'  große  Verdienste  um  die  Statistik.  Er  führt  in 
diesem  Buche  zuerst  den  Begriff  der  mittleren  Lebensdauer  eines  Neuge- 
borenen ein. 

—  Albrecht  von  Hftllor  gibt  in  seiner  Abhandlung  „De  respiratione  experi- 
menta  anatomica'*  eine  Darstellung  der  Mechanik  der  Atembewegungen, 
die  von  G^org  Erhard  Hamberger  bekämpft  wird,  der  in  der  Folge  be- 
züglich der  Rippenbewegung  Recht  behält. 

—  Henry  Haskint  nimmt  ein  englisches  Patent,  um  aus  Teer  (Holzteer f)  eine 
Essenz  (Spirit)  zu  extrahieren  und  das  Pech  aus  dem  Rückstaade  zu 
gewinnen. 

—  Pierre  Joseph  MacqiNr  zeigt,  daß  sich  der  weiße  Arsenik  mit  wässerigen 
Alkalien  verbindet  und  nennt  die  so  entstehenden  arsenigsauren  Salze  irr- 
tümlich Arseniklebem. 

—  Johann  Heinrich  Pütt  entdeckt  bei  Untersuchung  der  im  Feuer  verglaB- 
baren  Steine  eine  eigentümliche  Erde,  die  wie  Carthäuser,  Scheele  und 
Bergman  nachweisen,  sich  weder  in  Kalk  noch  in  Tonerde  verwandeln 
läßt.  1811  wird  dieselbe  von  L.  M.  Smithson  als  Kieselsäure  erkannt 
(S.  1811  S.) 

—  Johann  Heinrich  Pott  fördert  die  chemische  Analyse  durch  seine  „Chymischen 
Untersuchungen,  welche  vorzüglich  von  der  läthogeognosie,  ingleichen 
vom  Feuer  und  dem  Licht  handeln". 

—  John  Roobuck  wendet  zuerst  zur  Fabrikation  der  Schwefelsäure  Blei- 
kammern an,  in  welchem  er  ein  Gemisch  von  Schwefel  und  Salpeter 
verbrennt. 

—  Nachdem  Varenius  schon  erkannt  hatte,  daß  ein  Fluß  sein  Bett  bei  ge- 
steigerter Strömung  tiefer  einschneiden  kann,  spricht  sich  zuerst  der 
Ästhetiker  Johann  Greorg  Suliir  für  die  Talbildung  durch  fließendes  Wasser 
aus,  welcher  Ansicht  1774  Guettard,  1701  J.  L.  Heim  folgen,  worauf  dann 
1795  James  Hutton  mit  aller  Bestimmtheit  die  Theorie  der  Talbüdung 
durch  fließendes  Wasser  erörtert,  eine  Lehre,  die  1849  durch  J.  D.  Dana 
und  1857  durch  George  Greenwood  zu  allgemeiner  Geltung  gebracht  wird. 

—     188     — 


1747 

1746  Benjamin  Wltoon  erkennt,  daß  die  auf  der  Leidener  Maache  angesammelte 
Elektrizitätsmenge  mit  der  Größe  der  Belegungen  direkt  proportional,  mit 
der  Dicke  der  isolierenden  Z-wischenschicht  umgekehrt  proportional  ist, 
wobei  er  gleiche  Spannung  voraussetzt.  Dies  Gesetz  wird  1773  von 
H.  Cavendish  exx>erimentell  bewiesen. 

—  Johann  Heinrich  Winkltr  weist  durch  Analogieschlüsse  überzeugend  nach, 
daß  Schlag  und  Funken  der  verstärkten  Elektrizität  für  eine  Art  des 
Donners  und  Bhtzes  zu  halten  sind.    (Vgl.  1708  W.) 

—  Win  in  Zürich  erfindet  die  Spiralpumpe,  eine  zur  Wasserförderung  dienende 
Maschine,  bei  welcher  ein  um  eine  horizontale  Welle  schraubenförmig  ge- 
wundenes Rohr  mit  dem  einen  Ende  aus  einem  Wasserbehälter  abwechselnd 
Wasser  und  Luft  schöpft,  wobei  der  Inhalt  des  Spiralrohrs  durch  die  fort- 
gesetzte Umdrehimg  in  einem  Steigerohre  in  die  Höhe  geschraubt  und  eine 
verhältnismäßig  große  Hubhöhe  des  Wassers  erreicht  wird.  (S.  a.  1897  G.) 

1747 — 48  Theodore  BaroR  lehrt  zuerst  die  Konstitution  des  Borax  genauer  kennen 
und  stellt  denselben  aus  seinen  Bestandteilen  dar;  er  zeigt,  daß  derselbe 
an  sich  nicht  flüchtig  ist,  sondern  nur  unter  Beihilfe  von  Wasserdampf 
Bublimiert. 

1747  Nachdem  die  große,  einen  Zeitraum  von  26000  Jahren  umfassende  Pende- 
lung  der  Erdachse  (Präzession)  schon  im  Altertume  (s.  146  v.  Chr.  Hip- 
parchoe)  beobachtet  worden  war,  entdeckt  James  Bmltoy  die  Nutation  der 
Erdachse,  eine  durch  die  Anziehung  des  Mondes  bedingte  kleinere  Achsen- 
Schwankung  von  etwa  19j&hriger  Periode. 

—  George  Louis  Leclerc  M  Buffon  stellt  einen  Brennspiegel  von  bedeutender 
Größe  dadurch  her,  daß  er  168  kleine,  16  zu  21  cm  messende  Planspiegel 
zu  einem  einzigen  Hohlspiegel  vereinigt.  Es  gelingt  ihm  damit,  ein  ge- 
teertes Tannenbrett  auf  47  m  Entfernung  in  Brand  zu  setzen.  Der  Vor- 
schlag zur  Herstellung  großer  Brennspiegel  durch  Zusammensetzung  zahl- 
reicher kleinerer  Spiegel  ist  zuerst  von  Anthemios  (s.  532)  erwähnt  worden. 

—  Leonhard  Eutar  entwickelt  zuerst  in  vollständiger  Weise  die  Theorie  der 
Wage. 

—  Leonhard  Elller  schlägt  zur  Erzielung  der  Achromasie  und  Verminderung 
der  sphärischen  Aberration  vor,  das  Objektiv  des  Mikroskops  aus  mehreren 
geeignet  angeordneten  einfachen  Linsen  zusammenzusetzen  und  schlägt 
auch  schon  vor,  solche  Linsen  mit  Wasser  zu  füllen.  (S.  1729  H.  und  1757  D.) 

—  LMflügdiauMii  macht  in  den  Abhandlungen  der  schwedischen  Akademie 
der  Wissenschaften  die  ersten  Mitteilungen  über  die  Erzeugung  von  Alkohol 
aus  Eartoffehi.     (S.  a.  1750  M.) 

—  Andreas  Sigismund  Marfgraff  entdeckt  den  Zuckergehalt  der  Runkelrübe 
und  weist  nach,  daß  der  darin  enthaltene  Zucker  Rohrzucker  ist.  Seine 
diesbezügliche  Abhandlung  führt  den  Titel  „Chy mische  Versuche,  einen 
wahren  Zucker  aus  verschiedenen  Pflanzen,  die  in  unsem  Ländern  wachsen, 
zu  ziehen". 

—  Thomas  SbnptlNi  behandelt  in  seinen  „Elements  of  plane  geometry"  eine 
Reihe  elementarer  Maxima-  und  Minimaaufgaben  auf  geometrischem  Wege. 
Er  gibt  die  nach  ihm  benannte,  in  der  Technik  viel  verwendete  Simpson 'sehe 
Regel  zur  angenäherten  Berechnung  des  Inhalts  von  Flächen  und  Körpern  an. 

—  William  WatMMi  bemerkt,  daß  die  Elektrizität  im  luftleeren  Räume  mit 
glänzenden  Strahlen,  wie  das  Nordlicht,  und  auf  größere  Abstände  als  im 
lufterfüllten  Räume  von  einem  Körper  zum  andern  geht  und  macht 
den  Versuch,  die  Gresch windigkeit  der  Elektrizität  zu  bestimmen,  wobei 
er  findet,  daß  der  Entladimgsschlag  einer  Leidener  Flasche  eine  Draht- 
leitung von  ungefähr  einer  halben  geographischen  Meüenlänge  mit  unmeß- 

—     189     — 


1748 

barer  Geschwindigkeit  durchläuft.     Ähnliche  Versuche  hatte  Le  Monnier 
das  Jahr  zuvor  unternommen. 
1748    Jean  le  Rond  il'AiembMl  behandelt  simultane  Differentialgleichnngen  und 
löst  Differentialgleichungen  durch  Eliminationen  zwischen  der  Grleichung 
und  der  differentiierten  Gleichung,  wobei  er  auf  singulare  Losungen  kommt. 

—  Jean  le  Rond  d'AtombMl  behandelt  außer  den  simultanen  Differentialgl^- 
chungen  auch  die  Lehre  von  den  partiellen  Differentialgleichungen,  die 
von  Euier,  der  sich  zuerst  —  1734  —  mit  den  partiellen  Differential- 
gleichungen beschäftigt  hatte,  in  seiner  1762  erschienenen  „Investigatio 
functionum  ex  data  differentialium  conditione*'  weiter  geführt,  und  auch 
von  Condorcet,  Monge,  Laplace  und  Legendre  gefördert  wird. 

—  Pierre  Bougu^r  bringt  die  Herstellung  eines  Heliometers  in  Vorschlag.  Er 
will  übereinstimmend  mit  der  jetzigen  Form  dieses  Instrumentes  ein 
Objektiv  mittels  eines  Schnitt^es  durch  die  optische  Achse  in  zwei  Hälften 
zerlegen  und  den  beiden  Linsenh&lften  eine  meßbare  Bewegimg  in  der 
Richtung  des  gemeinsamen  Halbmessers  geben. 

—  Wie  Johann  Baptista  Du  HftMt  in  seiner  Beschreibung  des  Chinesischen 
Reiches  mitteüt,  bedienen  sieh  die  Chinesen  zur  Wasserförderung  eines 
geneigten  Patemosterwerkes  (Schaufelwerkes).  Du  Halde  hebt  hervor, 
daß  der  Betrieb  dieser  Maschine  in  China  ebenso  alt  sei,  wie  der  Acker- 
bau selbst. 

—  Leonhard  Eiitar  in  seiner  „Introductio  in  analysin  infinitorum",  imd  zwei 
Jahre  später  Gabriel  CraiMr  in  seiner  „Introduction  ä  Tanalyse  des  lignes 
courbes  alg^briques"  bauen  in  systematischer  Weise  die  höhere  Kurven - 
lehre  aus.  Der  von  Euler  und  Cramer  bemerkte,  und  erst  von  Lam6  (1818) 
gelöste  scheinbare  Widerspruch  zwischen  der  Anzahl  der  eine  ebene  al- 
gebraische Kurve  bestimmenden  Punkte  und  der  Zahl  der  unabhängigen 
Schnittpunkte  zweier  Kurven  derselben  Ordnung  heißt  das  „Euier-Cramer*- 
sche  Paradoxon*'. 

—  FrlMirIch  dar  QroBe  führt  im  preußischen  Festungsbau,  im  Gegensatz  zu  der 
damals  fast  unbeschränkt  herrschenden  französischen  Befestigung,  die 
kasemattierte  Grabenflankierung  und  die  kasemattierte  Batterie  (s.  1826  H.) 
ein,  und  sorgt  für  permanente  Abschnitte  zur  abschnittsweisen  Verteidigung 
und  für  gesicherte  Unterbringung  der  Besatzung. 

—  Christian  Ludwig  Genftm  entwickelt  zuerst  die  Anschauung,  daß  das  den 
Tau  bildende  Wasser  aus  dem  Boden  hervortrete. 

—  Stephen  HalM  erfindet  das  Eudiometer,  welches  aus  einem  oben  ge- 
schlossenen graduierten  Glasrohr  besteht  und  zur  Bestimmung  des  Sauer- 
stoffgehaltes der  atmosphärischen  Luft  dient. 

—  Peter  Krtttchmar  schlägt  eine  neue  Methode  des  Rajolens  vor,  die  darin 
besteht,  daß  er  durch  Bearbeiten  des  Bodens  in  die  Tiefe  abwechsehid 
den  Untergrund,  der,  wie  er  meint,  fruchtbarer  als  die  Krume  sei,  nach 
oben  bringt.    (Beginn  der  Tiefkultur.) 

—  Jullien  La  Mttlrl«  weist  in  seinem  Buche  „L'homme  machine**  zuerst  auf 
die  Einheit  des  Bauplans  aller  Wirbeltiere  hin. 

—  Pierre  La  Roy  in  Paris  erfindet  die  freie  Hemmung  für  Unruhuhren. 

—  Pierre  Joseph  Macquer  stellt  aus  dem  Rückstand  der  Darstellung  von  Sal- 
petersäure (durch  Destillation  von  Salpeter  mit  weißem  Arsenik)  das  arse- 
niksaure Natron  in  reinem  Zustande  dar.  I 

—  Johann  Friedrich  Mock«l  der  Ältere  entdeckt  das  „Ganglion  Meckdii**  und 
fördert  die  Anatomie  des  Kehlkopfes,  des  Bauchfells,  der  Lymph-  und 
Chylusgefäße. 

—  Der  Abb6  Jean  Antoine  Noiltt  entdeckt  die  Diffusion  von  Flüssigkeiten, 

—      190     — 


1749 

welche  durch  Scheidewände  getrennt  sind,  indem  er  den  Austausch  von 
Wasser  und  Alkohol  durch  eine  Schweinsblase  beobachtet. 

1748  Robert  Slmsoii  trägt  im  Verein  mit  seinem  Schüler  Matthew  Stewart  durch 
seine  elementar -geometrischen  Untersuchimgen  und  durch  Neuherausgabe 
der  Euklidischen  „Porismata**  und  der  „Loci  plani"  des  ApoUonios  zur 
Weiterentwicklung  der  Geometrie  in  hervorragender  Weise  bei. 

—  Jacques  §%  Vaucttiton  führt  dem  König  Ludwig  XV.  einen  Wagen  vor,  der 
vom  Wagenlenker  durch  Eurbeldrehung  in  Bewegung  gesetzt  wird  —  ein 
Vorläufer  der  Selbstfahrer. 

1749  Jean  le  Rond  d" Atombert  macht  die  Bewegungen  der  Erdachse,  welche  daher 
rühren,  daß  der  Erdkörper  nicht  rein  sphärisch,  sondern  ein  abgeplattetes 
Ellipsoid  ist,  zum  Gegenstand  einer  eingehenden  Untersuchung,  die  auch 
für  die  Folgezeit  maßgebend  bleibt.    (Vgl.  1747  B.) 

—  Durch  William  Watsons  Beobachtung,  daß  der  Schlag  der  Leidener  Flasche 
um  so  stärker  sei,  an  je  mehr  Punkten  man  die  Außenfläche  berühre, 
kommt  Dr.  Befle  auf  den  Gedanken,  die  Außenfläche  anfangs  mit  dünnen 
Bleiplatten  und  dann  mit  Zinnfolie  zu  belegen.  WalMMi  fügt  dann  noch 
die  innere  Belegung  mit  Zinnfolie  hinzu  und  gibt  so  der  Flasche  ihre  end- 
gültige Gestalt.  Dr.  Bovis  erkennt  dann,  daß  die  Form  der  Flasche  nicht 
wesentlich  ist,  belegt  Glasscheiben  auf  beiden  Seiten  bis  einen  Zoll  breit 
vom  Rande  mit  Zinnfolie  und  erhält  mit  diesen  Tafeln  dieselben  Wir- 
kungen wie  mit  Flaschen.  Diese  Tafeln  werden  später  Franklin'sche  Tafeln 
genannt. 

—  Pierre  Boufuer  schlägt  unter  Berichtigung  des  Huygens'schen  Vorschlags 
(s.  1672  H.)  die  Pendellänge  unter  dem  46.  Breitengrade  als  Längenmaß- 
einheit vor.  De  la  Condamine  will  die  Pendellänge  am  Äquator  als  Maßeinheit 
angewendet  wissen.  (Die  von  ihm  nach  Beendigung  der  peruanischen  Grad- 
messung  daselbst  veranlaßte  Denkmalsinschrift  lautet  „Mensurae  naturalis 
exemplar,  utinam  et  universalis*'.) 

1749 — 88  Georges  Louis  Leclerc  M  Buffon  gibt  seine  „Histoire  naturelle  generale 
et  particuli^re"  heraus,  die,  wenn  ihr  auch  die  streng  wissenschaftliche 
Methode  Linn6's  fehlt,  doch  in  bezug  auf  die  Wahrheit  der  Beschreibimg 
und  die  Schönheit  der  Bilder  so  anregend  wirkt,  daß  sie  in  fast  alle  leben- 
den Sprachen  übersetzt  wird. 

1749  Georges  Louis  Leclerc  de  Buffon  betont  zuerst  die  wesentliche  Art  Ver- 
schiedenheit der  (Süd) amerikanischen  Tierarten  von  den  altweltlichen. 

—  Greorges  Louis  Leclerc  de  Baffen  macht  auf  den  Parallelismus  in  der  Gestalt 
der  einander  zugewendeten  Grenzen  der  Alten  und  Neuen  Welt  aufmerk- 
sam, auf  den  Humboldt  (1845),  der  von  einem  atlantischen  Tale  spricht, 
ein  großes  Gewicht  legt. 

^  Georges  Louis  Leclerc  ile  Birffon  macht  die  von  Descartes,  Stenonia  und 
Leibniz  (s.  d.)  bereits  geäußerte  Idee  eines  zentralen  Wärmeherdes  zur 
Basis  eines  Systems  der  Entstehung  der  Erde,  das  er  in  seiner  „Theorie 
de  la  terre"  eingehend  auseinander  setzt  und  erklärt  damit  die  auf  der 
Erdoberfläche  vor  sich  gehenden  mechanischen  Veränderungen,  wie  nament- 
lich die  Erdbeben  und  vulkanischen  Erscheinungen. 

—  Georges  Louis  Leclerc  de  Buffen  bekämpft  in  seiner  „Theorie  de  la  terre" 
die  Hypothese  einer  universellen  Sintflut.  (S.  lölO  A.  und  1617  F.)  Er 
rechnet  der  Erde  ein  viel  höheres  Alter  als  das  biblische  nach  und  erblickt 
in  den  Fossilien  die  Reste  erloschener  Arten  von  Lebewesen.  In  seinen 
1778  erscheinenden  „£poques  de  la  nature"  führt  er  seine  Theorien  im 
einzelnen  noch  weiter  aus. 

—  Johu  EHb  unternimmt  es  als  erster,  die  Wärme  größerer  Seetiefen  zu 
messen. 

—     191     — 


1749 

1749  James  FMivton  konstmiert  die  erste  Schwung-  oder  Zentnfugalmaechinc 
bei  welcher  die  Rotation  einer  Kurbel  vermittels  eines  Treibriemeos  aa 
eine  vertikale  Achse  übertragen  wird,  mit  welcher  allerlei  Hilfeapparate  ii 
Verbindimg  gebracht  werden  können. 

—  Benjamin  Franklin  sohl&gt  —  von  der  schon  von  Wall  (s.  1708  W.)  und  spät« 
von  Grey,  Nollet,  Beccaria  und  Winkler  (s.  1746  W.)  ge&ußerten  Ansicht  de 
Ähnlichkeit  zwischen  dem  elektrischen  Funken  tmd  dem  Blitz  ausgehend  - 
in  einem  Briefe  an  Peter  Collinson  in  London  Versuche  über  die  Elektri 
zität  der  Gewitterwolken  vor,  zu  deren  Ausführung  er  den  elektriBchei 
Drachen  empfiehlt.    (S.  1752  D.) 

—  Der  französische  General  Jean  Baptiste  Vaquette  M  Qrlbtnuval  erfindet  di 
hohen  Rahmenlafetten  für  Belagerungs-  und  Festungsgeschütze. 

—  Der  Tierarzt  Etienne  Guillaume  LnfolM  in  Paris  stellt  durch  seine  Untei 
suchungen  den  Sitz  des  Rotzes  fest.  Vgl.  die  Schrift  „Trait^  sur  le  veii 
table  si^ge  de  la  morve".  Er  wirkt  bahnbrechend  auf  dem  Gebiete  d« 
Hufbeschlags  und  betont  die  Wichtigkeit  der  schon  von  Apsjrtus  (8.  34(M 
Vegetius  (s.  380),  Ruini  (s.  1598)  und  Soleysel  (s.  1664  S.)  erwähnten  Fol 
tanelle,  sowie  des  Haarseils. 

—  Pierre  Joseph  MIacqutr  stellt  zuerst  durch  Einwirkung  von  Ätzkalilaii|:e  ai 
Berliner  Blau  das  gelbe  Blutlaugensalz  dar,  in  dem  BerthoUet  17B7  di 
Eisen  als  notwendigen  Bestandteil  erkennt. 

—  Der  Schweizer  Arzt  Msytr  verordnet  bei  Lungenkranken  G^birgskuren,  ii 
dem  er  dieselben  nach  Appenzell  sendet,  wo  er  sie  neben  der  Luftki 
auch  Milchkuren  brauchen  läßt.    (Vgl.  auch  1750  S.) 

—  Caspar  Nenmann  vervollkommnet  die  analytische  Chemie  tmd  verölfentiicl 
seine  Forschungen  in  einem  Werke  „Chymiae  medicae  dogmatico  expei 
mentalis  Tomi  primi  Pars  prima  et  secunda".  Von  ihm  rühren  die  Aj 
f&nge  der  Acidimetrie  her. 

—  Plumiar  beschreibt  in  seiner  „Art  de  toumer"  eine  Patronendrehbank. 
^      Der  Arzt  Fran^ois  Sauvactt  M  la  Crdx  macht  umfassende  Anwendung  n 

der  Elektrizität  in  der  Medizin.    (Vgl.  1745  K.) 

—  Jean  Baptiste  Stnae  behandelt  in  seinem  klassischen  Werke  „Trait^  de 
structure  du  coeur,  de  son  action  et  de  ses  maladies*'  die  Anatomi 
die  Physiologie  und  namentlich  auch  die  Pathologie  und  Therapie  d 
Herzens. 

—  James  Short  verbessert  das  Äquatoreal  (s.  1685  R.)*  indem  er  dn  tragban 
auch  unter  jeder  Breite  brauchbares  Instrument  konstruiert,  das  er  dar 
Beigabe  von  vier  geteilten  Kreisen  für  Azimut,  Höhe,  Stunden winkel  tu 
Deklination  sehr  vielseitig  gestaltet.  Eine  wesentliche  Verbesserung  d 
Instruments  erfolgt  1793  durch  Ramsden,  der  für  G.  Shuckburgh  ein  Iqt: 
toreal  mit  5^/2 füßigem  Femrohr  und  zwei  vierfüßigen  Vollkreisen  baut. 

—  Alexander  Wilson  soll  zuerst  an  Drachen  Thermometer  angehängt  halx 
um  die  Temperatur  der  oberen  Luftschichten  zu  messen,  was  die  en 
wissenschaftliche  Verwendung  des  Drachens  darstellen  würde.  (Vgl.  ao 
1749  F.) 

—  Charles  Wood  beschreibt  zuerst  das  Platin  in  eingehender  Weise,  woi 
ihm  Lewis,  Marggraf  und  Macquer  folgen. 

1750  George  Adams  in  London  erfindet  den  Winkelspiegel,  der  aus  zwei  kleine 
in  einem  prismatischen  Crehäuse  mit  ausgeschnittenen  Fenstern  an 
einem  Winkel  von  45®  gegeneinander  gestellten  Spiegeln  besteht  und  v 
Abstecken  gerader  Linien  oder  zum  Festlegen  rechter  Winkel  dient. 

—  Nachdem  Wasserzeichen  in  Papier  schon  seit  1301  angewendet  war 
führt  J.  Baskorvlllo  Drahtgewebe  als  Unterlagen  für  deren  Erseugn 
ein.     Das  Wasserzeichen  wird  durch  die  Verschiedenheit  der  Truispan 

—     192     ~ 


1760 

der  emgeprefiten  Zeichnung  und  des  Hintergrundes  sichtbar  und  hat  Be- 
deutung namentlich  für  Banknoten,  Schecks,  Briefmarken  u.  dgl. 
Andr6   Rhodiwonowitsoh   Bataiehef   verbessert  den  zuerst  von   !R6aumur 
1722  angegebenen  Stürzofen  derart,  daß  derselbe  in  den  Eisengießereien 
eine  gewisse  Bedeutung  erlangt. 

Bortlir  schreibt  dem  Gletschereis  trotz  seiner  Sprödigkeit  eine  gewisse 
Plastizität  zu. 

James  Brlndlty  erfindet  die  selbsttätige  Eesselspeisung. 
John   €aiitMi   und  John   MIcMI    schlagen    imabh&ngig  von   einander    die 
Methode  der  Magnetisierung  von  Eisenstäben  durch  doppelten  Strich  mit 
Magneten  vor. 

C^sar  Fran9ois  Cttslni  M  Thury  beginnt  die  Bearbeitung  der  großen  Karte 
von  Frankreich  im  Maßstab  1:86400,  welche  auf  einer  großen  imd  ge- 
nauen Landesvermessung  beruht.  Auf  den  Karten  der  französischen  Alpen- 
lander zeigt  sich  hier  ein  wesentlicher  Fortschritt  in  der  Entwicklung  der 
I>er8pektiyiBchen  zur  Sohraffenzeichnung. 

Gabriel  CraiMr  beschreibt  in  seiner  „Introduction  ä  ranalyse  des  lignes 
conrbes  alg^briques"  die  Gleichungsauflösung  mittels  Determinanten,  auf 
die  zuerst  Leibniz  1693  in  einem  Briefe  an  den  Marquis  de  1*  Hospital 
hingewiesen  hatte. 

Der  Bürgermeister  Drtiler  begründet  in  Deutschland  den  rationellen  Wiesen- 
bau durch  die  von  ihm  im  Si^ener  Lande  angewendeten  Rückenbauten. 
Leonhard  Eulsr  behandelt  ausführlich  die  Theorie  der  Wasserräder,  schlägt 
gekrümmte  Schaufeln  vor  und  erfindet  die  Leitapparate. 
Leonhard  Eulsr  beschäftigt  sich  in  seinen  Aufsätzen  „De  serierum  deter- 
minatione  seu  nova  methodus  inveniendi  terminos  generales  serierum" 
und  „Consideratio  quarumdam  serierum  quae  singularibus  proprietatibus 
simt  praeditae"  mit  den  unendlichen  Beihen.  Er  leitet  die  Exponential- 
reihe  aus  der  Binomialreihe  her  und  entwickelt  rationale  Funktionen  in 
Reihen,  die  nach  sin.  und  cos.  der  ganzen  Vielfachen  des  Argumentes  fort- 
schreiten, wobei  er  die  Koeffizienten  dieser  trigonometrischen  Reihen  durch 
bestimmte  Integrale  definiert. 

Nachdem  Döring  in  Breslau  1627,  Sydenham  und  Morton  (1661  bez.  1678) 
zur  schärferen  Ausschälung  des  Begriffs  Scharlach  beigetragen  und  letzterer 
den  Namen  Scarlatina  geschaffen  hatte,  äußert  John  Fothtrilil  zuerst 
klare  Anschauungen  über  die  Existenz  eines  kontagiösen  Giftes  bei  dieser 
Krankheit. 

€raBfar»  der  sich  längere  Zeit  im  Orient  aufhält,  gelingt  es,  das  Verfahren 
der  Darstellung  des  Safflanleders  (Maroquin),  eines  mit  Sumach  ge- 
gerbten, auf  der  Narbenseite  gefärbten  Ziegenleders,  ausfindig  zu  machen, 
unter  seiner  Beihilfe  wird  in  Paris  die  erste  Saffiangerberei  eingerichtet. 
Stephen  HalM  stellt  in  den  englischen  Gefängnissen  Versuche  mit  künst- 
licher Lüftung  her,  um  der  übergroßen  Sterblichkeit  Einhalt  zu  tun,  und 
mindert  durch  verhältnismäßig  einfache  Ventüationseinrichtungen  die 
Sterblichkeit  binnen  kurzer  Zeit  von  30  Todesfällen  täglich  auf  einen 
einzigen.  Er  liefert  damit  den  augenscheinlichen  Nachweis  für  die  damals 
noch  wenig  gewürdigte  Wichtigkeit  einer  guten  Lüftung  der  Wohnräume 
für  die  Gesundheit.     (Vgl.  a.  1714  G.) 

Nachdem  bis  dahin  die  baumwollenen  Zeuge,  bevor  man  sie  auf  die  Bleich- 
wiese zum  Bleichen  brachte,  in  saurer  Milch  eingeweicht  worden  waren, 
ersetzt  Dr.  HoiiM  in  Edinburg  die  saure  Milch,  die  das  Verfahren  sehr  um- 
ständlich macht,  durch  verdünnte  Schwefelsäure. 

Andreas  Hobsr  in  Fürth   stellt  zuerst  Bronzefarben  aus  Blattmetall  her. 
Anfangs  verarbeitete  man  dazu  vier  verschiedene  Legierungen,  Kupferrot, 
Darmstaedter.  13 

—     193     — 


1760 

Reiohgold,  Bleichgold  und  Silber,  wovon  die  drei  ersteren  aus  Kupfer  mj 
wechselnden  Zinkmengen  bestanden,  die  letztere  aus  98  Teilen  Zinn  unl 
2  Teilen  Zink.  In  neuerer  Zeit  werden  die  Bronzefarben  mit  Teerfarbc^ 
gefärbt. 
1750  Samuel  KHiiftnsUtnia,  Professor  in  Upsala,  wiederholt  Newtons  Versuch 
über  die  Farbenzerstreuung,  findet  aber  im  Gegensatz  zu  letzterem,  d* 
die  Zerstreuung  für  verschiedene  Glassorten  verschieden  ist.  Diese,  sowi 
Eulers  Untersuchungen  (s.  1747  £.)  geben  dem  Optiker  DoUond  Verati 
lassung,  die  Herstellimg  achromatischer  Linsen  in  die  Hand  zu  nehmei 
(S.  1767  D.) 

—  Der  Mediziner  Kdtfirik  ist  der  erste,  der  eine  Wucherung  aus  dem  Kehlko] 
durch  den  Mund  herausnimmt  und  mehrere  Fälle  von  Kehlkopfpolypc 
eingehend  beschreibt. 

—  Joseph  Bartholomeus  KaebMirMrtir  in  Regensburg  erwirbt  sich  durch  zafa 
reiche  Vervollkommnungen  an  den  Handfeuerwaffen  einen  Weltruf. 

^  Pierre  LakNMtto  macht  eingehende  anatomische  Forschungen  über  die  aut 
von  Kealdo  Colombo,  Eustachio,  Morgagni  und  Bidloo  erforschte  Sohili 
drüse  und  beschreibt  den  Processus  pyramidalis,  der  nach  ihm  au< 
„Pyramide  de  Lalouette'*  genannt  wird.  (Recherches  anat.  sur  la  ^an< 
thyroide.) 

—  Johann  Georg  Ltopoldt  bemüht  sich  in  seinem  Werke  „Nützliche  und  m 
die  Erfahrung  gegründete  Einleitung  zu  der  Landwirtschaft"  alles  das  ] 
geben,  was  der  Landwirt  für  eine  gute  Wirtschaftsführung  wissen  mi 
und  praktisch  verwerten  kann  und  bringt  darin  viel  tatsächliches,  namen 
lieh  zahlenmäßiges  Material  über  die  verschiedenen  Teile  der  Landwii 
Schaft,  während  dies  bei  der  Hausväterliteratur,  die  sich  im  Anschluß  i 
das  Coler'sche  Werk  (s.  1591)  entwickelt  hatte,  sehr  mangelhaft  war. 

—  Andreas  Sigismund  Marnjaf  beweist,  daß  der  Gips  aus  Kalkerde  u] 
Schwefelsäure  besteht,  durch  Zerlegung  desselben  mit  Weinsteinsalz  uj 
durch  Vergleichung  der  Eigenschaften  des  Gix>seB  mit  dem  künstlich  i 
haltenen  Niederschlag  von  schwefelsaurem  Kalk. 

—  Johann  Gabriel  Mtntz  verwendet  zuerst  den  Phosphor  in  der  Medizin,  uj 
zwar  als  Erregungsmittel. 

—  Möllinfsr  errichtet  die  erste  Eartoffelbrennerei  in  Monsheim. 

—  Jean  Louis  Pttit  führt  die  zuerst  von  Fabriz  von  Hilden  gemachte  Exai 
kulation  im  Kniegelenk  wieder  aus,  die  nach  ihm  von  Pierre  Bra6<i 
(1774)  öfter  geübt  wird. 

—  John  Pringle  verbessert  das  Hospitalwesen  und  macht  namentlich  auf  d 
Nutzen  frischer  und  reiner  Luft  in  den  Hospitälern  aufmerksam.  £r  st^ 
die  Grundsätze  für  die  Unterbringung  imd  Verpflegung  von  Truppe 
massen  und  für  die  Anlegung  von  Militärhospitälem  auf  und  gibt  ej 
gute  Darstellung  des  Flecktyphus,  der  1742  und  1745  in  den  englisot 
Armeen  stark  gewütet  hatte. 

—  Ren6  Antoine  F.  H  Riaiimur  fördert   die   künstliche  Brütung,   indem 
Hühnereier  in  einen  hölzernen,  mit  frischem  Pferdemist  umgebenen  Kasi 
bringt. 

—  Georg  WUhelm  Rkhmann  in  Petersburg  stellt  die  nach  ihm  b^iannte  Ke 
auf,  daß  beim  Mischen  von  ungleich  erwärmten  Mengen  einer  Flüaai^li 
die  Temperaturen  sich  im  Verhältnis  ihrer  Höhe  und  im  Verhältnis  i 
Flüssigkeitsmengen  ausgleichen. 

—  August  Johann  RÖMl  von  RosMilOf  gibt  eine  Geschichte  der  Insekten  herä 
die  eine  reiche  Fundgrube  für  die  Lebens-  und  VerwandlungsgeBohio 
dieser  Tierklasse  bildet  und  einen  Fortschritt  gegenüber  den  Kenntnis 
von  R6aumur  (s.  1734  R.)  bedeutet. 

—     194     — 


1761 

RiohaTd  RmmI  in  London  empfiehlt  Seetangasche  als  „Aethiops  vegetabilis" 
gegen  Drüsenerkiankiingen. 

RmmI,  Hatniqiiltt,  Hollmtf  und  VdiMy  beschreiben  zuerst  die  endemische 
Benlenkrankheit,  die  sie  als  Beule  von  Aleppo  bezeichnen.  Näher  studiert 
wird  die  Krankheit  von  Alibert,  Requin  u.  a.  (1820.) 
D«r  Petersburger  Arzt  A.  N.  B.  SanclMZ  führt  die  Sublimatbehandlung  der 
Syphilis  ein.  Er  erweist  die  Existenz  der  erblichen  Syphilis,  die  zuerst 
von  Paraoelsus  behauptet  worden  war. 

Der  sächsische  Pfarrer  Schlraeh  in  Klein -Bautzen,  Reformator  der  Bienen- 
zucht, entdeckt,  daß  die  Bienen  durch  Vergrößerung  der  Zellen  willkür- 
lich aus  jeder  befruchteten  (Arbeitsbienen)  Larve  eine  Königin  machen 
können. 

Johann  Andreas  von  Steuer  konstruiert  das  nach  ihm  benannte  Reaktions- 
Wasserrad,  welches  das  Vorbild  für  die  Reaktionsturbinen  abgibt,  von 
denen  insbesondere  Burdin  (s.  1824  B.),  Poncelet  und  Foumeyron  (s.  1827  F.) 
neue  Konstruktionen  liefern.     (Vgl.  a.  1745  B.) 

Der  englische  Architekt  John  Simntoii  macht  nachdrücklich  auf  den  großen 
Wert  des  Eisens  für  Bau-  und  Maschinen- Konstruktionen  aufmerksam. 
Archibald  Smith  läßt  sich  in  Lima  nieder  und  findet  dort  die  Tatsache 
vor,  daß  seit  alters  her  die  Ärzte  die  Lungenleidenden  aus  den  Niederungen 
in  die  Berge  schicken.  Er  findet  selbst  die  Methode  bewährt  imd  tritt  in 
der  Literatur  für  sie  ein. 

Major  von  TTM  in  Braunschweig  schlägt  vor,  das  Holz  zur  Entfernung 
der  Saftstoffe  durch  Dampf  auszulaugen.  Eine  rationelle  Auslaugung  nach 
dieser  Methode  wird  aber  erst  1815  durch  den  Pianofortebauer  Andreas 
Streicher  ausgeführt. 

Jacques  dt  VancansiNi  erfindet  die  Bandketten  zum  Antriebe  von  Maschinen 
und  konstruiert  eine  Maschine  zu  deren  Verfertigung. 
Thomas  Wright  aus  Durham  gibt  in  seinem  Werke  „An  original  theory 
or  new  Hypothese  of  the  Universe"  eine  Ansicht  über  die  Entstehung  des 
Sonnensystems,  welche  die  Anregung  zu  Kants  Hypothese  gibt.  Er  sagt 
in  seiner  Abhandlung,  daß  die  Sonne  aus  flammender  Materie  bestehe. 
Johann  Friedrich  Zlttmann  stellt  ein  Dekokt  aus  SarsaparUla  her,  das  sich 
in  der  Syphilistherapie  unter  dem  Namen  „Decoctum  Zittmanni''  dauernd 
einbürgert. 

Der  Botaniker  Michel  Adanton  aus  Paris  tut  die  elektrische  Natur  des 
Schlages  des  Zitterwelses  dar  und  vergleicht  denselben  mit  dem  Schlage 
einer  Leidener  Flasche.  Bezüglich  des  Zitteraales  erfolgt  der  gleiche  Nach- 
weis 1755  durch  L.  S.  van  s*Gravesande. 

Axel  Fredrik  CronsMt  entdeckt  das  Nickel,  das  1775  von  Torbem  Berg- 
Run  in  reinem  Zustand  erhalten  wird. 

Axel  Fredrik  GnmttMK  stellt  Nickeloxydul  und  den  demselben  entsprechen- 
den Nickel  Vitriol  dar.  Das  Nickeloxyd  wird  1803  von  Proust  hergestellt 
und  1824  von  Berzelius  genauer  untersucht. 

Der  Astronom  Joseph  Jerome  Dtlalandt  macht  eine  genaue  Bestimmimg 
der  Parallaxe  des  Mondes. 

Dapaly«  TlMiirty-QiMttvIii,  Bouchon  et  Compagnl«  begründen  die  erste  Mühlstein- 
fabrik in  La  Fert6-sous-Jouarre  (Seine  et  Marne),  dessen  poröse  Süßwasser- 
quarzsteine nach  Piot  seit  Jahrhunderten  in  der  Müllerei  für  die  besten 
Mühlsteine  gelten  und  denen  sonst  nur  noch  die  Steine  von  Fony  in 
Ungarn  an  die  Seite  gestellt  werden  können. 

Der  Ingenieur  Fremeau  macht  eingehende  Mitteilungen  über  den  kautschuk- 
liefemden  Baum  und  vervollständigt  die  Angaben  von  De  la  Condamine 

13* 

—     195    .— 


1761 

^      (s.  1736  C.)  über  das  Verfahren,  welchee  die  Indianer  bei  Gewinnung  di 
Kautschuks  einschlagen. 

1751   Jean  Etienne  QotllMri  erkennt  in  dem  zu  Straßen-  und  Baumaterial  yi 
wendeten    schwarzen   Gestein    von   Volvic    vulkanische  Lava,    geht 
Spur  nach  und  findet  die  bis  dahin  unbekannten  erloschenen  Vulkane  i 
Auvergne.    Er  lernt   am  Mont  d'Or  den  säulenförmigen  Basalt  keon^ 
dem  er  neptunischen  Ursprung  zuschreibt. 

1751—63  Nicolas  Louis  dt  Lacaills  nimmt  eine  Gradmessung  am  Kap  der  gnti 
Hoffnung  vor,  welche  in  Übereinstimmung  mit  den  von  Maupertuis  a 
gestellten  Untersuchungen  (s.  1736  M.)  dartut,  daß  die  Erde  die  Gestalt  ein 
Rotationsellipsoids  hat. 

1751  Karl  von  Unn^  stellt  in  seiner  »»Philosophia  botanica"  zuerst  die  Zeiten  i 
Eintritts  einer  Pflanze  in  eine  maßgebende  Entwicklungsphase  als  Funklj 
des  Klimas  hin  und  muß  danach  als  Begründer  der  Phänologie,  d.  L  i 
Lehre  von  der  Gresetzmäßigkeit  zwischen  den  Entwicklungsstadien  i 
Organismen  und  der  ihnen  entsprechenden  Klimaphasen  angesehen  werdi 
Er  äußert  auch  bereits  den  Gedanken  phänologischer  Karten. 

—  Andreas  Sigismund  Marffraf  weist  zuerst  das  Vorkommen  der  Salpetersat 
im  Regenwasser  nach  und  glaubt,  dieselbe  auch  im  Schneewasser  zu  find 
1761  gelingt  ihm  auch  der  Nachweis  der  Salpetersäure  im  Brunnenwa« 
den  unabhängig  1767  auch  Cavendish  liefert. 

—  Der  Ästhetiker  Johann  Georg  Sulztr  bemerkt,  daß  bei  der  Berührung  l 
Zunge  mit  zwei  verschiedenen  Metallen  eine  eigenartige  Geschmati 
empfindung  hervorgerufen  wird,  welche  nicht  entsteht,  wenn  nur  ei 
der  Metalle  an  die  Zunge  gebracht  wird.  Er  entdeckt  damit  den  charali 
ristischen  Geschmack  des  Galvani'schen  Stroms,  wenn  auch  ohne  ^ 
ständnis  des  wissenschaftlichen  Zusammenhangs. 

1752  Der  Pariser  Arzt  Th^ophile  dt  Bordsu  begründet  den  Vitalismus,  die  lA 
von  der  Lebenskraft. 

—  Im  Anschluß  an  Franklins  Brief  (s.  1749  F.)  an  CoUinson  stellen  Thoi 
Fran^ois  Dallbard  durch  einen  am  10.  Mai  während  eines  Gewitters  in  Mi 
bei  Paris  mit  einem  Metallgestänge  unternommenen  Versuch  und  Benjai 
Franklin  durch  einen  im  Juni  unternommenen  Drachenversuoh  die  Ident 
der  Luftelektrizität  mit  der  Scheibenelektrizität  außer  Zweifel. 

—  Der  Repetitionstheodolit  beruht  auf  dem  von  Johann  Tobias  Maytr 
gegebenen  Verfahren  der  doppelten  Repetition  oder  Multiplikation 
unterscheidet  sich  von  dem  einfachen  Theodolit  dadurch,  daß  er  bd 
maliger  Aufstellung  und  zweimaliger  Ablesung  ein  beliebig  großes  ^ 
faches  eines  gegebenen  Winkels  zu  messen  gestattet,  aus  dem  man  di 
Division  leicht  den  einfachen  Winkel  bestimmen  kann.  Dies  Verfal 
vermindert  den  Einfluß  der  Beobachtungsfehler. 

—  Louis  Guillaume  Ls  Monnisr  bestätigt  die  von  Cassini  de  Thurj  beul 
gemachte  Beobachtung,  daß  die  Luft,  auch  wenn  kein  Gewitter  am  Hin 
steht,  elektrisch  ist. 

—  Ren6  Antoine  F.  dt  Riaumor  macht  Experimente  über  die  VerdauT3 
kraft  bei  Vögeln,  indem  er  denselben  kleine  mit  verschiedenen  Nährt 
mittein  gefüllte  Metallröhren  zu  schlucken  gibt,  und  erzielt  durch  ( 
Versuche  eine  wesentliche  Aufhellung  der  Natur  und  der  Leistungen 
Magensaftes.  Ähnliche  Versuche  werden  1777  von  Stevens  in  Edin 
an  einem  ungarischen  Künstler  vorgenommen,  dem  er  mit  Nahrung 
füllte  kleine  durchlöcherte  sübeme  Kugeln  zu  verschlucken  gibt,  i 
Nahrungsinhalt  unter  dem  Einfluß  des  Magensaftes  aufgelöst  wird. 

—  John  Smsaton  in  England  fördert  durch  Versuche  die  Lehre  vom  Bai 
Wasserräder  und  Windräder. 

—     196     — 


176» 

John  GantM  entdeckt  die  elektrische  Influenz  und  konstruiert  zum  Nach- 
weis derselben  sein  Korkkugel-Elektroskop.  Die  Theorie  der  Influenz  wird 
im  gleichen  Jahre  von  Wilcke  aufgestellt. 

Antoine  Dcpardtm  weist  nach,  daß  Wasser  durch  Druck  viel  mehr  leistet, 
als  durch  Stoß,  daß  daher  oberschUchtige  Bäder  den  unterschlachtigen 
vorzuziehen  sind. 

Edward  DIcMon  wendet  das  beim  Kattimdruck  übliche  Druckverfahren 
mit  gestochenen  oder  geätzten  Eupferplatten,  die  aus  freier  Hand  mit 
dem  Pinsel  ausgemalt  werden,  an,  um  Papiertapeten  herzustellen.  Die 
Papiertapeten,  die  in  China  schon  lange  üblich  waren,  kamen  in  Europa 
erst  im  18.  Jahrhundert  auf;  anfangs  hatte  man  die  Muster  mit  Hilfe  von 
Paxrierschablonen  gemalt. 

John  DtlloiMl  steUt  nach  den  Vorschlägen  von  Bouguer  (s.  1748  B.)  das  erste 
Heliometer  her.  Die  ersten  umfangreicheren  Beobachtungen  mit  diesem 
Instrument,  die  sich  namentlich  auf  die  Stellung  der  Jupitertrabanten  gegen 
den  Planeten  beziehen,  macht  1796  Franz  von  Paula  Triesnecker  in  Wien. 
Leonhard  Entor  berechnet  unter  dem  Gesichtspunkt  des  Problems  von  den 
drei  Körpern  die  Bewegung  des  Mondes  und  ermöglicht  dadurch  Johann 
Tobias  Mayer  (s.  1760  M.)  die  Herausgabe  seiner  berühmten  Mondtafeln. 
Leonhard  Eultr  fördert  durch  seine  „Prindpee  de  la  trigonomötrie  sph^- 
rique  tir^  de  la  möthode  des  plus  grands  et  des  plus  petits''  die  sphärische 
Trigonometrie.  Er  geht  darin  von  den  Eigenschaften  kürzester  Linien  auf 
krummen  Flächen  aus  und  spezialisiert  die  gefundenen  Sätze  für  die 
größten  Kreise  der  Kugelfläche.  Er  macht  femer  zuerst  auf  den  Zusammen- 
hang der  Formeln  in  der  sphärischen  und  ebenen  Trigonometrie  aufmerk- 
sam, der  1766  von  Lambert  in  seinen  „Beyträgen  zum  Gebrauch  der 
Mathematik''  genauer  auseinander  gesetzt  wird. 

Leonhard  Eultr  wirkt  bahnbrechend  in  der  Kartographie,  indem  er  all- 
gemeine Begeln  für  das  Projizieren  aufeteUt  und  vor  allem  auch  die 
Größe  der  Verzerrung  in  gewissen  Fällen  mathematisch  bestimmen  lehrt. 
Benjamin  Franklin  zeigt,  daß  man  ein  Gebäude  mit  Hilfe  einer  dasselbe 
überragenden  und  andrerseits  bis  in  die  leitenden  Schichten  der  Erde 
rächenden  Metallstange  vor  dem  Einschlagen  des  Blitzes  sichern  kann 
und  erfindet  damit  den  Blitzableiter.  (Vgl.  jedoch  1170  v.  Chr.) 
Nachdem  Denisard  und  De  la  Douaille  1731  eine  Wassersäulenmaschine 
projektiert  hatten  und  Bölidor  in  seiner  „Architecture  hydraulique"  1736 
von  einer  solchen  gesprochen  hatte,  führt  Hdll  die  erste  nach  ihm  benannte 
Höll'sche  Luftmaschine  (Wassersäulenmaschine),  bei  welcher  durch  nieder- 
fallendee  Wasser  Druckluft  erzeugt  wird,  im  Amahaschacht  zu  Schemnitz 
in  Ober-Ungarn  aus.  Im  gleichen  Jahre  bringt  (nach  Calvör)  der  Artillerie- 
major  Winterschmidt  eine  kleine  Wassersäulenmaschine  auf  der  Grube  Oarls- 
gnade  in  Gang,  erbaut  dann  aber  1761  eine  größere  Maschine  mit  wesent- 
lich verbesserter  Steuerung  auf  dem  „Treuer  Schacht"  bei  Clausthal. 
Andr6  Ltvret  vervollkommnet  die  geburtshilflichen  Operationen,  die  er 
vielleicht  zu  häufig  anwendet,  so  daß  durch  seinen  Schüler  Boer  (s.  1791  B.) 
eine  Einschränkung  erfolgt.  Er  verbessert  die  Geburtszange,  vervoll- 
kommnet die  Operation  der  Wendung  und  den  Kaiserschnitt,  und  wagt 
es  zuerst,  die  Polypen  des  Uterus  zu  operieren. 

Karl  von  Unn^  führt  die  schärfere  Bestimmung  der  Arten  und  ihre  binäre 
Benennung  für  alle  ihm  bekannten  Pflanzen  durch  (Species  plantarum). 
Nachdem   Schlafbewegungen    einzelner   Pflanzen  schon   von   Plinius  und 
Albertus  Magnus  erwähnt  worden  waren,  weist  Karl  von  Unnt  zuerst  auf 
die  Häufigkeit  solcher  Bewegungen  bei  Blättern  und  Blüten  hin. 

—     197     — 


1758 

1753  Karl  vwi  Unnl  führt  die  bereits  den  Griechen  und  Römern  bekAani 
Pfefferwurzel  ,,Pimpinella''  als  Medikament  ein. 

—  Pierre  Joseph  Maei|iMr  erkennt  die  Bedeutung  der  Beizen  für  die  F&rb«n 
und  unterscheidet  in  seinem  Buch  ,,Art  de  la  teinture*'  deutlich  swisdie 
Substantiven  und  adjektiven  Farbstoffen,  eine  Unterscheidung,  welche  de 
ferneren  Untersuchungen  über  den  Zeugdruck  die  Wege  ebnet. 

—  G^rg  Wilhelm  Rlehmaiiil  wird  am  6.  August  vom  Blits  erschlagen,  als  i 
sich  bei  einem  au&teigenden  Gewitter  einer  auf  seinem  Hause  angebracht^ 
isolierten  Eisenstange,  die  ohne  alle  Ableitung  war,  auf  einen  Fuß  £d| 
femung  genähert  hatte.  Die  Gefahren  der  FrankHn'schen  Experimenj 
werden  durch  dieses  Vorkommnis  erwiesen. 

—  Der  Schotte  Dionysius  Robtrtson»  Bereiter  und  Tierarst  in  englischen,  östd 
reichischen,  württembergischen  und  s&chsischen  Diensten,  gibt  ein  Pferd| 
arzneibuch  heraus,  in  welchem  viele  neue  Beobaohtimgen  niedergelegt  smj 
Er  ist  namentlich  auch  als  Operateur  (d.  h.  als  Kastrator)  t&tig  und  e 
findet  die  Methode  der  Kastration  mit  Kluppen. 

1754  Anton  Friedrich  BOtcMng  gibt  in  seiner  „Neuen  Erdbeschreibung''  di 
ersten  grundlegenden  Versuch  einer  wissenschaftlichen  Behandlung  d 
politisch -statistischen  Geographie. 

—  John  OMton  und  1757  Franz  Ulrich  Theodor  Atpbius  erweisen,  daß  Tx 
malin  (s.  1707  D.)  durch  Erwärmen  tatsächlich  elektrisch  wird,  was  spät^ 
insbesondere  von  Hankel  (1839),  auch  für  Krystalle  von  Kalkspat,  Gi] 
Feldspat  usw.  nachgewiesen  wird  (Pyroelektrizität). 

—  Der  Pfarrer  Prokop  DIvItcli  in  Brenditz  in  Mähren  kommt  unabhängig  v 
Franklin  auf  die  Idee,  durch  die  Wirkung  vieler  Metallspitzen  ein 
ruhigen  Ausgleich  der  Elektrizität  herbeizuführen. 

—  Nachdem  das  Schießpulver  bis  dahin  in  Stampfmühlen  hergestellt  word 
war,  errichtet  Ftrrfl  die  erste  Walzmühle  in  Essone  (Frankreich).  1 
gleichen  Jahre  gibt  Karl  Knutbtrf  die  KoUermühlen  an,  die  zum  Klein 
der  einzelnen  Bestandteile  1787  von  Cossigny  allgemein  eingeführt  werd< 

—  Immanuel  Kant  in  Königsberg  weist  zuerst  darauf  hin,  daß  die  Umdrehunj 
geschwindigkeit  der  Erde  durch  die  der  Erdrotation  entgegenwirkeil 
Kraft  von  Ebbe  und  Flut  stetig  verkleinert  werden  muß.  Robert  Ma] 
führt  diesen  Gedanken  später  weiter  aus. 

—  Jean  Jacques  Malran  spricht  zuerst  die  Ansicht  aus,  daß  die  Nebelfle< 
gasförmiger  Natur  sind. 

—  Nachdem  J.  H.  Pott  174^4  aus  Ton  und  Schwefelsäure  Alaun  dargeet 
hatte,   zeigt  Andreas  Sigismund  Marggrar,   daß   die  Alaunerde  von  K 
verschieden   und  im   Ton   mit   Kieselsäure   verbunden  ist.     Er   gibt 
Flammenreaktion  der  Kaliumsalze  (violett)  xmd  Natriumsalze  (gelb)  an 

—  Guillaume  Fran^ois  Rouelto  in  Paris  unterscheidet  zuerst  zwischen  saui 
neutralen  und  basischen  Salzen.  Er  stellt  zuerst  das  saure  schwefelsa 
Kali  dar. 

—  William  Smellle  erwirbt  sich  unvergängliche  Verdienste  um  die  Lehre  ^ 
der  natürlichen  Geburt  und  vom  Geburtsmechanismus.  Zum  Unterricht  i 
wendet  er  zuerst  ein  Phantom,  dessen  Grundlage  ein  natürliches  Becl 
darstellt. 

1755  James  Anderson  führt  die  Trockenlegung  nasser  Acker-  und  Wiesengru 
stücke  in  großem  Maßstabe  in  ähnlicher  Weise  durch,  wie  dies  het 
von  Columella  (s.  d.)  i.  J.  60  n.  Chr.  beschrieben  worden  ist,  indem 
imterirdische  Abzugskanäle  anlegt.    Drainröhren  kennt  er  noch  nicht. 

—  Johann  Christian  Btrnhardt   beschreibt   die  fabrikmäßige   Gewinnung 
Vitriolöls  (Schwefelsäure)  aus  Eisenvitriol.   Er  stellt  zuerst  die  was^erl 
Schwefelsäure  dar,   die  er  „Sal  volatile  olei  vitrioli"  nennt  und  von 

—     198     — 


1756 

wässerigen  Vitriols&nre  unterscheidet,  welche  schon  über  dem  (xeMerpunkt 
des  Wassers  fest  wird. 

Joseph  BiMli  nntersncht  die  Kanstizitftt  der  Alkalien  nnd  erkl&rt  zuerst 
richtig  den  Unterschied  zwischen  milden  und  Atzenden  Alkalien  und  ihre 
Umwandlung  ineinander. 

Joeeph  BiMli  beweist  die  Verschiedenheit  der  Magnesia,  welche  er  durch 
Präzipitation  aus  Bittersalz  darstellt,  von  der  Ealkerde.  Als  unter- 
scheidende Merkmale  betrachtet  er  die  verschiedene  Löslichkeit  der  schwefel- 
sauren Salze  sowie  des  gebrannten  Kalks  und  der  gebrannten  Magnesia  im 
Wasser.  Die  Verschiedenheit  an  sich  war  bereits  1724  von  Friedrich  Hoff- 
mann  behauptet  worden. 

BMVMIa  gibt  zuerst  an,  daß  Kupfemiederschl&ge  die  Flamme  des  darüber 
abbrennenden  Weingeistes  grün  färben. 

Der  Buchhändler  und  Buchdrucker  Johann  Gottlob  Immanuel  Bftllkopff  in 
Leipzig  erfindet  den  Musiknotendruck  mit  beweglichen  und  zerlegbaren 
Typen,  welcher  sich  von  dem  bisherigen  Verfahren  (s.  1476  H.,  1498  P. 
und  1525  H.),  das  gleichfalls  als  „beweglich''  („Garatteri  mobili")  be- 
zeichnet wurde,  dadurch  unterscheidet,  daß  alle  einzelnen  Teile  der  Note 
(z.  B.  an  einer  Achtelnote  der  Kopf,  die  Cauda  und  das  Fähnchen)  für  sich 
getrennt  gesetzt  werden. 

Der  Schweizer  Mich^ly  4u  Orilt  der  lange  Jahre  auf  der  Feste  Aarburg  als 
Staatsgefangener  interniert  ist,  ist  der  erste,  der  ein  Landschaftspanorama 
(Cresamtansicht  der  Alpen)  nach  geometrischen  Kegeln  richtig  darstellt. 
Jean  Andr6  Ostac  beobachtet  zuerst,  daß,  um  Eis  zu  schmelzen,  es  nicht 
ausreichend  ist,  dasselbe  bis  auf  seine  Schmelztemperatur  zu  erwärmen, 
sondern  daß  noch  eine  gewisse  Quantität  Wärme  hinzugefügt  werden  muß, 
um  die  Arbeit,  welche  die  Überführung  in  den  zweiten  Aggregatzustand 
bedingt,  zu  leisten.  Clausius  hat  vorgeschlagen,  die  hierzu  verbrauchte 
Wärme  als  Schmelzungswärme  zu  bezeichnen. 

Leonhard  Eulsr  gelingt  es,  die  Clairault'schen  partiellen  Differentialgleichungen 
auf  einfachere  WeLse  abzuleiten  und  in  diejenigeForm  zu  bringen,  in  der  sie 
heute  noch  zur  Beantwortung  der  wissenschaftlichen  Grleichgewichtsfragen 
flüssiger  Körper  angewendet  werden. 

Leonhard  Eulsr  gibt  in  seiner  Schrift  „Institutiones  calcuU  differentialiB'' 
die  nach  ihm  benannten  Zahlen  (Euler'sche  Zahlen,  SekantenkoefEizienten) 
an,  gewisse  Zahlen,  die  ak  Koeffizienten  auftreten,  wenn  man  sec  x  in 
eine  Potenzreihe  von  x  entwickelt.  Die  sechs  ersten  sind:  1,  5,  61,  1385, 
50521,  270715. 

Immanuel  Kant  in  Königsberg  entwickelt  in  seiner  „Allgemeinen  Natur- 
geschichte und  Theorie  des  Himmels"  eine  neue  Anschauung  von  der  Ent- 
stehung des  Sonnensystems,  wobei  er  die  mechanische  Theorie  mit  der 
teleologischen  zu  vereinigen  sucht.  (Vgl.  1750  W.  und  1796  L.) 
Während  Galilei  (s.  1610  G.)  die  Ansicht  ausgesprochen  hatte,  daß  die  Milch- 
straße eine  Anhäufung  unzähliger,  nahe  aneinander  befindhcher  Sternchen 
sei,  spricht  Nicolas  Louis  tfs  Lacallls  bei  Gelegenheit  der  Durchmusterung 
der  Nebel  des  Südfirmaments  den  Gedanken  aus,  daß  dieselbe  teils  aus 
kleinen  Sternen,  teils  aus  unauflösbaren  Nebeln  bestehe,  auf  denen  sich  die 
Sterne  projizieren,  ein  G^anke,  der  durch  die  neuesten  Forschungen,  be- 
sonders die  von  Kapteyn  Bestätigung  findet. 

Der  schweizer  Physiker  Martin  von  Planta  erfindet  die  Glasscheiben-Elek- 
trisiermaschine, elf  Jahre  vor  Jesse  Ramsden,  dem  mit  Unrecht  diese  Er- 
findung zugeschrieben  wird. 

Perdval  Pott  führt  zuerst  eine  Exstirpation  beider  Ovarien  wegen  irreponib- 
1er  doppelseitiger  Ovarialhernie  aus. 

—     199     — 


1765 

1755  Johann  Gottfried  Zinn  macht  Untersuohnngen  über  das  Gefäßsystem  im 
Auge  und  über  den  Glaskörper  und  bestätigt  Demours'  Befund.  (S.  1741 D.) 
Er  beschreibt  zuerst  das  vom  Bande  der  Retina  zum  Rande  der  linsen- 
kapsel  gehende,  nach  ihm  „Zonula  Zinnii"  benannte  Aufhängeband  dec 
Linse,  über  das  später  Döllinger,  M.  F.  Weber  (1827)  und  Eugen 
Schneider  (1827)  Untersuchungen  machen. 

1756  Marco  Antonio  CaldanI  beobachtet  33  Jahr  vor  Galvani  das  Zucken  der 
FroBchschenkel  in  der  Nähe  der  Elektrisiermaschine,  ohne  die  Wichtigkeit 
dieser  Beobachtung  zu  ahnen. 

—  Nicolas  Detmarest  untersucht  die  Verhältnisse  der  Vulkane  der  Auvergne, 
bekämpft  die  Meinung  Guettards  (s.  1751  G.),  wonach  der  säulenförmige 
Basalt  neptunischen  Ursprungs  sei,  und  erkennt  zuerst  mit  Bestimmtheit  die 
vulkanische  Natur  des  Basalts,  wie  des  Porphyrs  und  Granits. 

—  Leonhard  Eulor  vervollkommnet  die  Theorie  der  Windräder  (s.  1738 
B.)  imd  entwickelt  namentlich  auf  analytischem  Wege  den  Ausdruck 
für  die  vom  Winde  auf  eine  doppelt  gekrümmte  Fläche  übertragene 
mechanische  Arbeit,  wobei  er  zeigt,  wieviel  vorteilhafter  eine  solche  Fläche 
ist,  als  eine  Ebene.  Zu  ähnlichen  Resultaten  war  Maclaurin  1752  anf 
geometrischem  Wege  gelangt.  Die  Theorie  wird  später  von  Coriolis  (1829) 
und  von  Weisbach  (1836)  noch  vervollkommnet. 

^  Während  bisher  die  Umwandlung  des  Bleiweißes,  die  hauptsächlich  nach 
dem  holländischen  oder  deutschen  Verfahren  erfolgte,  in  großen  Töpfen 
vorgenommen  wurde,  schlägt  Michael  von  Herbert  in  Elagenfurt  dafür  zu- 
erst begehbare  Kammern  vor.  Der  unter  Anwendung  solcher  Kämmen 
vor  sich  gehende  Prozeß  heißt  von  da  ab  die  „Klagenfurter  Methode". 

—  HohlMd  aus  Hennemdorf  konstruiert  die  erste  Häckselschneidemaschine. 

—  Immanuel  Kant  stellt  in  seiner  „Theorie  der  Winde"  das  Drehungsgesetz  des 
Windes  auf,  das  später  von  Dove  (s.  1836  D.)  weiter  entwickelt  wird. 

—  Johann  Gottlieb  Uidenfroit  wiederholt  das  von  Boerhaave  angegebene 
Experiment  des  sphäroidalen  Zustands  der  Flüssigkeitstropfen,  der  nach 
ihm  Leidenfrost 'sches  Phänomen  genannt  wird.  (Vgl.  1732  B.) 

—  Thomas  Maeaulay  führt  die  erste  künstliche  Frühgeburt  mit  glückHchem 
Erfolge  aus. 

—  Pieter  van  Mustcheiibroek  macht  bemerkenswerte  Arbeiten  über  die  Festig- 
keit der  Baimiaterialien. 

—  Nachdem  seit  Hippokrates  (s.  400  v.  C^r.)  die  Kenntnisse  der  Skrofulöse 
wenig  Fortschritte  gemacht  hatte,  obschon  Ärzte,  wie  Güllen,  Wise- 
mann  u.  a.  sich  damit  befaßt  hatten,  erläßt  die  Pariser  Akademie  fOr  Ghlmifli 
ein  Preisausschreiben,  das  Studien  von  Faure,  Borden,  Majault  u.  a.  her- 
vorruft. Aber  auch  sie  tragen  ebensowenig  wie  die  infolge  eines  zweiten 
Preisausschreibens  der  Acad^mie  de  m^decine  i.  J.  1786  gemachten  Arbeiten 
von  Hufeland,  Weber  u.  a.  zur  Klärung  der  Frage  bei. 

-^  Philipp  PMff  in  Berlin  veröffentlicht  ein  epochemachendes  Werk  über  die 
Zähne  und  deren  Elrankheiten.  Er  kennt  drei  Füllimgsmaterialien,  Blei, 
Gold  und  Stanniol,  von  denen  das  Gold  das  beste,  seiner  Kostspieligkdt 
wegen  aber  nur  wenig  zu  brauchen  sei.  Er  spricht  auch  von  künstlichen 
Zähnen  aus  Kupfer,  auf  die  er  ein  zartes  Email  aufträgt,  und  von  Gips- 
modellen nach  Wachsabdrücken  des  Kiefers.    (Vgl.  auch  400  v.  Chr.) 

—  Der  Pariser  Apotheker  Quinquet  verwendet  zuerst  den  gläsernen  Lampen- 
zylinder, dessen  Idee  schon  zwei  Jahrhimderte  vorher  von  Leonardo  da 
Vinci  ausgesprochen  wurde. 

—  Der  Londoner  Architekt  Ravehead  bringt  bei  dem  Krankenhaus  für  alte 
Seeleute  zu  Stonehouse  bei  Plymouth  zuerst  das  Pavillonsystem  zur 
Durchführung.     (S.  a.  1714  L.) 

—     200     — 


1767 

Benjamin  RoMns  macht  in  La  F^re  den  Versuch,  eiförmig  gestaltete  Gra- 
naten an  Stelle  der  Eundkugeln  ans  glatten  Geschützen  zu  verfeuern.  Der 
Versuch  mißlingt  aus  dem  gleichen  Grunde,  wie  bei  Clamer.  (S.  1627  C.) 
Doch  gelangt  das  eiförmige  Greschoß  später  bei  dem  Langblei  des  Dreyse- 
sehen  Zündnadelgewehrs  (s.  1836  D.)  zu  praktischer  Bedeutung. 
Nach  einer  Aufzeichnung  des  preußischen  Majors  von  Scheele  a.  d.  J.  1756 
hat  der  Begimentsfeldscher  Schmucktrt  von  der  Garde  ein  Pulver  erfunden, 
,,davon  man  ohne  Brot  und  ander  Essen  14  Tage  leben  kann".  Der  vom 
König  Friedrich  II.  angeordnete  Versuch,  wobei  man  das  Pulver  in  Wasser 
einige  Minuten  aufkochen  ließ,  hatte  ein  günstiges  Ergebnis.  Die  An- 
regung zur  Herstellung  seines  „Pulvers  wider  den  Hunger' '  scheint 
Schmuckert  aus  Frankreich  erhalten  zu  haben.  Man  wird  dieses  Fabrikat 
als  Vorläufer  der  Erbswurst  (s.  a.  1867  G.)  und  ähnlicher  Konserven  an- 
zusehen haben. 

John  Smaaton  macht  die  Beobachtung,  daß  der  aus  tonhaltigen  Kalksteinen 
gebrannte  Kalk  die  Eigenschaft  besitzt,  unter  Wasser  zu  erhärten,  und 
benutzt  einen  solchen  Kalk  mit  Zuschlag  von  Sand  und  Eisenschlacken 
als  Mörtel  beim  Bau  des  Eddystone-Leuchtturms.  (S.  1757  S.) 
Michel  AAuison  konstatiert,  daß  Schwalben  und  andere  Zugvögel  im 
Oktober  an  der  Westküste  des  tropischen  Afrika  eintreffen,  aber  nicht  da- 
selbst brüten. 

Michel  Adanson  berücksichtigt  bei  der  Beschreibung  der  am  Senegal  ge- 
fundenen Conchylien  zum  ersten  Male  nicht  bloß  die  Schalen,  sondern  auch 
das  Tier.  Er  teilt  die  Conchylien  in  Schnecken  und  Muscheln,  in  welcher 
Einteilung  ihm  1767  Geofbroy  und  1774  Otto  Friedrich  Müller  folgen. 
Joseph  Black  lehrt  die  von  Helmont  zuerst  charakterisierte  Kohlensäure, 
die  er  als  fixe  Luft  bezeichnet,  näher  kennen  und  hebt  deren  saure, 
Alkalien  neutralisierende  Eigenschaft  hervor.  Er  beobachtet  auch  zuerst 
die  Ausscheidimg  von  Kohlensäure  bei  der  Atmung. 

Friedrich  August  CaiHieinar  stellt  das  doppeltkohlensaure  KaU  dar,  dessen 
Natur  durch  G.  F.  Bouelle,  Cavendish  und  Bergman  aufgeklärt  wird. 
Charles  (pavandlsh  konstruiert  das  erste  Maximimithermometer,  sowie  das 
erste  Minimumthermometer. 

Nachdem  durch  Ohester  More  Hall(s.  1729  H.)  die  Möglichkeit  der  Herstellung 
einer  achromatischen  Linse  gegeben  war,  beschäftigt  sich  John  DolkNid  mit 
der  Herstellung  von  Objektivgiäsem,  die  er  aus  bikonvexen  Crownglas- 
und  konkaven  Flintglaslinsen  in  vorzüglicher  Qualität  herstellt  imd  durch 
die  er  seinen  dioptnschen  Femrohren  eine  große  Überlegenheit  über  die 
bisherigen  Instrumente  gibt. 

John  Fatfearflll  empfiehlt  Kino  als  „Novum  gummi  rubrum  adstringens 
gambiense"  zur  Aufnahme  in  den  Arzneischatz. 

Albrecht  von  Hallar  beschäftigt  sich  eingehend  mit  der  Emährungsfrage 
und  sucht  die  Mengen  der  Einnahmen  und  Ausgaben  des  Körpers  zu  er- 
mitteln. Er  spricht  klar  aus,  daß  durch  die  Arbeitstätigkeit  Stoffe  des 
Körpers  aufgezehrt  werden,  welche  durch  Nahnmg  wieder  ersetzt  werden 
müssen. 

Albrecht  von  Hallor  macht  Beobachtimgen  über  die  Entwicklung  des 
Keims  im  bebrüteten  Ei  und  über  das  Knochenwachstum.  Er  vertieft 
die  Anschauungen  von  Glisson  (s.  1672)  und  Comelio  (s.  1680)  in  bezug 
auf  die  Kontraktionsfähigkeit  der  Muskeln  imd  Gewebe  und  zeigt,  daß 
die  Lebensleistung  eines  jeden  Organs  ihren  Sitz  in  dem  Organ  selbst  hat, 
und  daß  die  Kräfte,  welche  die  charakteristische  Tätigkeit  eines  Organs 
bedingen,  in  diesem  selbst  gegeben  sind.    Er  trägt  durch  diese  seine  Irri- 

—     201     — 


1767 

tabilitätslehre  dazu  bei,  daß  die  Lehre  von  der  Lebenskraft  allmählich  a 
Boden  verliert.    (Vgl.  auch  1780  B.) 

1757  Peter  HoglMm  macht  in  Beiner  Abhandlung  „Von  der  Verwahrung  de 
Getreides  und  der  Grew&ohse  vor  Frost  durch  Rauch"  den  Vorschlag,  6e 
treidefelder  u.  dgl.  vor  den  Übeln  Folgen  der  Nachtfröste  durch  Raaoh 
ereeugimg  zu  schützen,  wie  dies  in  alten  Zeiten  vielfach  geübt  wurde 
(S.  1580.) 

—  John  Simaioii  erbaut  in  den  Jahren  1757 — 1759  einen  steinerfien  Leuchttnn 
auf  den  Eddystone  Rocks,  etwa  14  englische  Meilen  südlich  von  Plymoutli 
Der  Bau,  unter  großen  Schwierigkeiten  ausgeführt,  darf  als  eines  de 
kühnsten  Werke  der  Wasserbaukunst  gelten.  Von  der  Brandung  mit  de 
Zeit  unterspült,  ist  der  Turm  später  abgebrochen  und  1878 — 82  dnnl 
einen  51  m  hohen  Neubau  ersetzt  worden.    (Vgl.  a.  1756  S.) 

^  Alexander  WIImhi  erfindet  die  araeometrischen  Glasperlen,  kleine  hohl 
Glaskugeln  von  ungleichem  Gewicht,  nimieriert  nach  den  Abstufungen  de 
Dichte  der  Flüssigkeiten,  in  welchen  sie  einen  ihrem  Gewicht  gleiche 
Gewichtsverlust  erleiden.  Wirft  man  eine  Anzahl  solcher  Kugeln  in  di 
zu  untersuchende  Flüssigkeit,  so  sinken  sie  teils  zu  Boden,  teils  stei^ 
sie  empor,  teils  erhalten  sie  sich  schwebend  in  der  Flüssigkeit.  Die  letzten 
geben  die  gesuchte  Dichte  an. 
1758—71  James  Mndlsy  baut  auf  Kosten  des  Herzogs  von  Bridgewater  da 
61  km  langen  Bridgewater- Kanal,  der  die  Steinkohlengruben  de«  Herzof 
mit  Manchester  und  Liverpool  verbindet  und  daduvch  besonders  bemerkea 
wert  ist,  daß  er  vermöge  eines  183  m  langen  und  12  m  hohen  AqufidaU 
über  den  schiffbaren  Irwell  und  den  Mersey  führt. 

1758  Der  englische  Militärarzt  BrackMIy  macht  die  ersten  Versuche  einer  B( 
handlung  der  Kranken  in  behelfsweise  hergestellten  Hütten  leichttttc 
Bauart.  Er  konstruiert  zu  diesem  Zwecke  auf  einer  Art  von  Piahlrost  i 
Holzbau  ausgeführte  kleine  Feldlazarette  (für  2i— 30  Kranke),  welche  si 
Unterstützimg  der  Luftzirkulation  mit  öffnimgen  im  Dach  versehen  sini 
Er  ist  damit  der  erste,  der  die  Dezentralisation  bei  den  Kraakenhsoi 
anlagen  anbahnt.     (Vgl.  indes  auch  1714  L.) 

—  John  ChamplOR  in  England  ermöglicht  die  Verarbeitung  der  Zinkblende  ti 
Zink,  indem  er  die  Röstung  derselben  einführt,  bei  welcher  der  Schwdii 
ausgetrieben  und  das  Zink  oxydiert  wird. 

—  Nachdem  E.  Bartholinus  (s.  d.  1670),  sowie  der  schwedische  Bergrat  Andrei 
von  Swab  (1738)  gelegentlich  das  Lötrohr  bei  mineralogisohea  Unta 
suchungen  angewendet  hatten,  begründet  Axel  Fredrik  CroiisMt  in  Stod 
holm  die  planmäßige  Anwendung  des  Lötrohrs  in  der  Mineralanalyae.  1 
gibt  eine  Klassifikation  der  Mineralien,  in  welcher  er  dem  Sand  käi 
besondere  Klasse  zuerkennt,  da  derselbe  ein  Gemisch  kleiner  Steine  sei 

—  Jean  Dsscsmet  entdeckt  die  hintere  Basalmembran  der  Hornhaut,  die  nas 
ihm  „Membrana  Descemetii*'  genannt  wird.  Auf  die  Priorität  diol 
Entdeckimg  machte  auch  Pierre  Demours,  indes  mit  weniger  Recht,  il 
Spruch. 

—  Henri  Louis  Duhamel  4u  Moneoau  begründet  mit  seiner  „Physique  d'arbm 
die  wissenschaftliche  Epoche  des  Forstwesens. 

—  Henri  Louis  Duhamel  4u  Monceau  macht  die  ersten  Versuche,  Pflanien  i 
destilliertem  Wasser  zu  kultivieren,  dem  er  die  Nährstoffe  in  passendi 
Form  und  abgewogener  Menge  zusetzt.  Es  gelingt  ihm,  wie  später  Th^od« 
de  Saussure  (1804),  Humphry  Davy  (1804),  Juüus  Sachs  (18Ö9)  und  Knl 
(1861)  auf  diese  Weise  Pflanzen  in  vollkommen  normaler  Ausbildung  ni 
mit  reifem,  fortpflanzungsfähigem  Samen  zu  gewinnen. 

—     202     — 


175» 

Lieonhard  Eultr  veröffentlicht  den  nach  ihm  benannten  Satz:  In  jedem  von 
Ebenen  begrenzten,  einfach  zusammenhängenden  Körper  („Euler'schem 
Polyeder'')  ist  die  Anzahl  der  Ecken,  vermehrt  nm  die  der  M&chen,  gleich 
der  nm  2  vermehrten  Anzahl  der  Kanten.  Indes  haben  DeBoartes  nnd 
vermutlich  anch  Archimedes  diesen  Satz  schon  gekannt,  da  der  letztere 
sonst  schwerlich  die  Stempolyeder  vollständig  hätte  angeben  können. 
Der  Engländer  Evwttt  baut  die  erste  durch  Wasserkraft  betriebene  Tuch- 
schermaschine,  deren  Scheren  den  Handscheren  nachgeahmt  sind. 
Benjamin  FrankHn  studiert  in  eingehender  Weise  und  auf  streng  -wissen- 
schaftlicher Grundlage  den  durch  den  Schornstein  hervorgerufenen  Luftzug 
und  empfiehlt  die  Schornsteine  zur  natürlichen  Lüftung  und  Kühlung  der 
Wohnungen.  Eine  Erweiterung  seiner  Untersuchungen  findet  sich  in  seiner 
L  J.  1785  erscheinenden  Schrift  „Beobachtungen  über  die  Ursachen  und  die 
Abhilfe  von  rauchenden  Kaminen". 

Der  Wiener  Arzt  Anthony  dt  Haan  verwendet  das  Thermometer  in  größerem 
Maßstab  in  der  Medizin  und  benutzt  dasselbe  namentlich  zur  Messung  der 
Fiebertemperatur. 

Karl  von  Linn4  führt  die  schärfere  Bestimmung  der  Arten  und  ihre  binäre 
Benennung  für  alle  ihm  bekannten  Tiere  durch.  (10.  Auflage  seines  „Sy- 
stema  naturae".) 

Andreas  Sigismund  Margfraff  weist  nach,  daß  die  Farbe  des  Lasursteins 
(Lapis  lazuli)  nicht  von  einem  Gehalt  an  Kupfer  herrühre,  daß  das  färbende 
Prinzip  vielmehr  Eisen  sei.  Klaproth  findet  1796  als  seine  Bestandteile 
Kiee^erde,  kohlensauren  Kalk,  Alaunerde,  schwefelsauren  Kalk,  Eisenoxyd 
und  Wasser. 

Jedediah  Stmtl  baut  den  Handkulierstuhl  von  Lee  (s.  1589)  zur  Erzeugung 
von  durchbrochenen  Wirkwaren  (Derby -rib  machine)  um. 
Andreas  von  8«ab  macht  bei  Gelegenheit  der  Untersuchung  eines  Zeoliths 
zuerst   auf  das  Gelatinieren   der  Kieselsäure  (Kieselgallerte)    aufmerksam, 
über  das  Bergman  1777  genaue  Angaben  macht. 

Franz  Ulrich  Theodor  Aopfcius  eliminiert  aus  der  Elektrizitätslehre  die 
Cartesianischen  Vorstellungen  von  Ausflüssen  und  führt  in  dieselbe  die 
Newton'sche  Anschauungsweise  der  Kraftäußerung,  die  „Actio  in  distans*'  ein. 
Giovanni  Anlnlno  teilt  zuerst  in  seiner  Abhandlung  über  die  Gebirge  von 
Padua,  Vicenza  und  Verona  die  Berge  nach  ihren  Lagerungsverhältnissen 
nnd  nach  ihrer  Entstehung  in  primitive  (ohne  Versteinerungen),  sekundäre 
und  tertiäre  (mit  Überresten  von  Pflanzen  und  Tieren)  und  in  vulkani- 
sche ein. 

Nachdem  bereits  1736  zu  Irkutsk  in  Sibirien  bei  strenger  Kälte  ein  Ge- 
frieren des  Quecksilbers  im  Thermometer  beobachtet  worden  war,  gelingt 
es  zuerst  Josias  Adam  Bninu  in  Petersburg,  das  Quecksilber  durch  eine 
künstliche  Kältemischung  (Schnee  und  verdünnte  Salpetersäure)  zimi  Ge- 
frieren zu  bringen. 

Johann  Heinrich  Lmbort  gibt  in  seiner  Schrift  „Die  freie  Perspektive"  die 
Grundlehren  der  Zentral-  und  Parallelprojektion. 

L.  L.  F.  do  Lavricuait  entdeckt  den  Essigäther  bei  Destillation  starker 
Essigsäure  mit  Weingeist,  wobei  vermutlich  eine  Mineralsäure  zugegen  war. 
Andreas  Sigismund  MarfcraT  bestätigt,  daß  die  Magnesia  eine  besondere 
Erde  ist  (vgl.  auch  1755  B.)  und  erkennt  deren  Vorkommen  in  verschie- 
denen Mineralien,  wie  im  Serpentin,  Speckstein,  Amianth  und  Talk.  Das 
Vorkommen  der  phosphorsauren  Magnesia  in  den  Knochen  stellen  1803 
Fourcroy  und  Vauquelin  fest. 
Jos^  Celestino  Mullt  wendet   zuerst  die  Angosturarinde   als  Heilmittel  an. 

—     203     — 


1769 

Nach  Deutschland  gelangt  sie  erst  1788  durch  die  englischen  Ärzte  Ewer 
und  Williams,  die  sie  von  Trinidad  mitgebracht  hatten. 

1759  William  PortMlIeltf  gründet  auf  den  Scheiner'schen  Versuch  (s.  1615  S.)  ein 
Optometer,  d.  i.  ein  Instrument,  welches  durch  Bestimmung  des  Fem- 
punktes des  Auges  den  Befraktionszustand  und  durch  gleichzeitige  Be- 
stimmung seines  Nahepunktes  die  Akkommodationsbreite  festzustellen 
gestattet. 

—  John  Roblion  ist  der  erste,  der  die  Anwendung  der  Dampfkraft  für  Straßen - 
wagen,  und  zwar  seinem  Freunde  James  Watt  vorschlägt. 

—  Fran9oi8  Sauvafes  dt  la  Crolx  bringt  den  Ausdruck  „Typhus"  für  eine  be- 
stimmte Gruppe  von  Affektionen,  und  zwar  einerseits  den  nervösen,  gastri- 
schen und  Abdominaltyphus,  andererseits  den  Flecktyphus  zur  allgemeinen 
Anwendung  in  der  Pathologie,  doch  werden  Abdominal-  und  Flecktyphus  erst 
1810  durch  Hildenbrand  und  namentlich  1836  durch  Gerhard  und  Pennook 
genauer  unterschieden  und  gegeneinander  abgegrenzt. 

—  Johann  Heinrich   von  SchOle  in  Augsburg  scheint  zuerst  die  gestochenen 

Kupferplatten  zimi  Drucken  in  der  Eattundruckerei  verwandt  zu  haben. 

—  John  SniMton  findet  in  seinen  Untersuchungen  über  die  Friktion  beim  Ein- 
griff von  Bad-  und  Getriebezähnen  als  beste  Gestalt  der  Zähne  für  die 
Kammräder  die  zykloidische,  für  die  Stirnräder  die  epizykloidische. 

—  Robert  Symmor  begründet  die  dualistische  Theorie  der  Elektrizität,  in 
welcher  die  auch  heute  noch  vielfach  benutzte  Hilfsvorstellung  von  den 
zwei  elektrischen  Fluiden  zum  Ausdruck  gebracht  ist. 

—  Josiah  WMlgwoiHl  gelingt  es,  unter  Vervollkommnung  der  Astburyschen  Ent- 
deckung (s.  1720  A.)  aus  weißem  Tone  von  Devonshire  und  gemahlenem 
Feuerstein  milchweißes  Steinzeug  imd  Geschirr  herzustellen,  das  er  mit  einer 
glänzenden  Glasur  versieht  und  unter  dem  Namen  „Queen -Ware"  in  den 
Handel  bringt. 

—  Josiah  WMlgwoiHl  erhält  durch  Brennen  einer  mit  verschiedenen  Metalloxy- 
den  gemischten  Tonmasse  Nachahmungen  von  farbigen  Steinen  (namentiich 
Achat)  und  erfindet  die  sog.  Jaspistöpferei,  wdche  auf  der  Herstellung  einer 
besonders  zarten  imd  schönen  weißen  Masse  beruht,  die  sich  durch  Zusatz 
von  Metalloxyden  in  der  ganzen  Substanz  färben  läßt.  Durch  Anbringung 
von  Beliefs  in  weißer  Masse  auf  gefärbter  Unterlage  stellt  er  die  nach 
ihm  benannte  „Wedgwood-Ware**  her. 

—  Johann  Heinrich  Zlector  bestimmt  die  Spannkraft  des  Wasserdampfe,  indem 
er  Dampf  in  einem  abgeschlossenen  Baum  erzeugt  und  feststellt,  welcher 
Druck  bei  einer  bestimmten  Temperatur  entsteht.  Von  gleichem  Prinzip 
gehen  Watt  (s.  1764  W.),  B6tancourt  (s.  1792  B.)  und  G.  Schmidt  bei  ihren 
Bestimmungen  aus. 

1760  Bobert  Bakewoll  bewirkt  durch  sein  Züchtungsverfahren  die  Verbesserung 
des  Leicesterschafes  und  des  „Longhom^-Bindes  in  so  vollendeter  Weise, 
daß  er   eine  ausgezeichnete  Grundlage  zu  allen  weitem  Fortschritten  legt. 

—  Johann  Gottlob  Immanuel  BreHkofif  in  Leipzig  unterzieht  die  Formen  der 
Fraktur-  oder  sog.  „deutschen"  Druckschrift  (vgl.  Iö22  Dürer),  welche  im 
17.  JäJirhundert  alle  Schönheit  verloren  hatte,  einer  durchgreifenden  Ver- 
besserung. Durch  seine  Bestrebungen,  die  im  Anfang  des  19.  Jahrhunderts 
durch  die  Schriftschneider  Gebrüder  Walbaum  fortgesetzt  werden,  hat  der 
Frakturdruck  seine  heutige  Form  erhalten. 

—  Pieter  Camper  weist  zuerst  nach,  daß  die  Linse  des  Auges,  wie  Leeuwen- 
hoek  vermutet  hatte,  aus  Fasern  besteht. 

^  Pieter  Camper  stellt  den  Gesichtswinkel  als  Bassenmerkmal  auf  und  macht 
die  ersten  Versuche  der  Messung  von  Schädeln,  über  welche  er  in  seiner 
Schrift  „Über  die  Verschiedenheit  der  Gesichtszüge  des  Menschen*'  berichtet 

—     204     — 


1760 

1760  Domenico  Ootufno  entdeckt  beim  Kochen  des  Haxns  von  WaaserBüchtigen 
nnd  Diabetikern  eine  gerinnbare  Substanz,  die  sich  aJs  Eiweiß  erweist. 
Er  entdeckt  den  „Aquaeductus  Cottunnii"  im  Felsenteil  des  Schläfen- 
beins und  liefert  zuerst  den  sicheren  Nachweis,  daß  das  Labyrinth  Flüssig- 
keit enthält,  während  bis  dahin  die  aristotelische  Ansicht  galt,  daß  das- 
selbe Luft  enthalte. 

—  OMtaftf  führt  eine  Losung  von  basisch  essigsaurem  Blei  als  äußerlich  zu  be- 
nutzendes Mittel   in  den  Arzneischatz  ein.    (Goulard'sches  Wasser.) 

—  Wer  der  erste  Erfinder  der  Kunsthefe  ist,  läßt  sich  nicht  mit  Sicherheit 
feststellen.  Die  ersten  Nachrichten  darüber  gibt  Ferdinand  Juttl  in  seinen 
„ökonomischen  Schriften  über  die  wichtigsten  Gegenstände  der  Stadt-  und 
Landwirtschaft'*. 

—  Robert  Kay,  Sohn  von  John  Kay,  ermöglicht  durch  die  Doppel-  oder 
Wechsellade  im  Webstuhl  das  Einschießen  verschiedenfarbiger  Fäden. 

—  Knoop  in  Holland  behandelt  in  seinem  „Hortulanus  mathematicus"  die 
Obetzncht  und  gibt  eine  ausführliche  Beschreibung  der  europäischen 
Obstsorten. 

—  Der  Mathematiker  Joseph  Louis  Lagrange  in  Turin  gibt  ein  Verfahren  zur  Lösung 
der  Aufgaben  der  Variationsrechnung  an,  das  im  wesentlichen  noch  heute 
benutzt  wird.  Eine  weitere  Förderung  hat  die  Variationsrechnung  ge- 
funden durch  Jacobi,  Weierstraß,  Schwarz  und  A.  Mayer. 

—  Johann  Heinrich  Lamktrt  zeigt,  daß  die  durch  einen  Körper  hindurch- 
gehende Lichtmenge  in  geometrischer  Beihe  abnimmt,  wenn  die  Dicke 
des  Körpers  in  arithmetischer  Reihe  wächst.  Dieses  nach  Lambert  be- 
nannte Gresetz  wird  1828  von  J.  F.  W.  Herschel  und  1863  von  Beer  (s.  d.) 
bestätigt.     (S.  a.  1857  B.) 

—  Johann  Heinrich  Lamfetrt  erfindet  gleichzeitig  mit  Pierre  Bougner  das  Photo - 
meter  (Schattenphotometer)  und  begründet  die  Lehre  von  der  Messung 
des  Lichts  (Photometrie). 

—  Martin  Frobenius  LfltomOitor  gebraucht  zuerst  die  Bezeichnung  „Infusions- 
tiere", die  später  in  Infusorien  abgekürzt  wird. 

—  Anne  Charles  Lorry  macht  die  ersten  Untersuchungen  über  das  Atmungs- 
zentrum.   (S.  a.  1812  L.) 

—  Johann  Tobias  Maytr  der  Ältere  gibt  seine  auf  die  Theorie  der  Mond- 
bewegung (s.  1753  E.)  gegründeten  Mondtafeln  heraus,  aus  welchen  man 
den  Ort  des  Mondes  am  Himmel  für  jede  gegebene  Zeit  ohne  Schwierig- 
keit herleiten  kann.  Diese  Mondtafeln  ermöglichen  erst  die  Ausführung 
der  von  Vespucci  vorgeschlagenen  Längenbestimmimg  nach  Monddistanzen. 
(Vgl.  1499  V.  und  1766  W.) 

^  John  MIcMI  stellt  eine  Hypothese  über  die  Fortpflanzung  der  unterirdischen 
Bewegungen  auf,  wobei  er  annimmt,  daß  die  Ursache  dieser  Bewegungen 
in  den  im  Erdinnem  erzeugten  Dämpfen  zu  suchen  ist.  Er  hat  eine  rich- 
tige Vorstellung  von  dem  Wesen  der  geologischen  Schichtung  und  weiß, 
daß  die  Schichten  in  der  Niederung  meist  wagerecht,  im  Gebirge  dagegen 
vielfach  gebogen  und  gebrochen  sind. 

^  Johann  Joosten  MimehenbriMk  erwähnt  zuerst  den  Farbenkreisel,  der  auf 
ähnlichem  Prinzip  wie  die  stereoskopischen  Scheiben  (s.  1832  P.)  beruht. 

—  Der  französische  Chirurg  Hugues  Ravaton  benutzt  zuerst  einen  an  vier 
Ringen  aufgehängten  Stiefel  aus  Blech  zur  „schwebenden*'  Lagerung  ge- 
brochener Beine,  eine  Erfindung,  die  gewöhnlich  S auter  zugeschrieben  wird. 

»  John  Smeaton  erfindet  das  Zylindergebläse  und  führt  zuerst  ein  solches  mit 
vier  gußeisernen  Zyündem  für  den  Hochofen  des  schottischen  Eisenwerkes 
Carron  aus. 

—  Lazzaro  Spallamanl   macht   Forschungen   über   die   Infusionstierchen,    den 

—     205     — 


1760 

KreiBlauf  des  Blutes  und   die  Zeugungalehre  und  fuhrt  üusbesondere  den 
Nachweis,  daß  die  Befruchtung  durch  die  Samenkörper  stattfindet. 

1760  Anton  von  Sttrk  wendet  zuerst  den  Schierling,  den  man  bis  dahin  dnroh- 
gehends  als  Gift  betrachtet  hatte,  in  der  Medizin  und  zwar  innerlich  gegen 
Rhachitis,  Beinfraß  und  gegen  Kachexie  an. 

—  Clifton  Wlntringham,  Arzt  in  London,  führt  die  von  Borelli  begründete 
Jatromathematik  in  bahnbrechender  Weise  weiter. 

1761  Jean  Astnie  bearbeitet  die  Hautkrankheiten  und  sucht  schon  fast  ganz  im 
modernen  Sinne  den  anatomischen  Sitz  der  einzelnen  Hautaffektionen  fest- 
zustellen. Er  unterscheidet  Epidermis,  Schleimmembran,  Cutis,  Schweiß- 
drüsen, Talgdrüsen,  Haarbälge  und  Nervenpapillen. 

—  Joseph  Leopold  AuMibrugfir  begründet  in  seinem  Buche  „Inventum  novum 
ex  percussione  thoracis  humani  ut  signo  abstruses  intemi  pectoris  mor- 
bos  detegendi"  in  wissenschaftlicher  Weise  die  Perkussion  des  Thorax,  die 
er  systematisch  zur  Diagnose  der  Krankheiten  der  Brusthöhle  benutzt 
(S.  a.  1685  L.) 

*-  Johann  Ullrich  Bildner  liefert  den  Nachweis,  daß  sehr  viele  Gliederverlet- 
zungen, die  nach  den  bis  dahin  geltenden  Grundsätzen  dem  Amputations- 
messer  verfallen  waren,  zur  Heilung  zu  bringen  sind  und  wird  damit  der 
Vorl&ufer  der  konservativen  Chirurgie. 

—  Der  Wagner  Blrnir  in  München  konstruiert  die  erste  Schubfeuerleiter,  bei 
der  zwei  gleich  breite  und  gleich  lange  Leitern  aufeinander  liegen  und  durch 
eiserne  Hülsen  verbunden  sind.  Die  Verlängerung  geschieht  durch  Aus- 
ziehen der  obem  Leiter  und  Befestigung  derselben  in  ihrer  Lage  durch 
eine  einfache  Hakenkonstruktion. 

—  Henri  Louis  Duhamtl  4u  Moneoau  erwähnt  zuerst,  daß  im  Norden  Frank- 
reichs und  in  England  Ölkuchen  (besonders  Raps-,  Lein-,  Hanf-  und  Rizi- 
nuskuchen als  Düngemittel  Verwendung  finden;  doch  wird  diese  Art  der 
Düngung  erst  um  1660  allgemeiner. 

—  Die  MsHwlM  Admlrallttt  beginnt  mit  der  Kupferbeplattung  der  Schiffe  zum 
Schutz  gegen  Bohrmuscheln. 

—  Der  französische  Orientalist  Joseph  dt  QuIfMl  weist  in  seiner  „Histoiie 
g^nörale  des  Mogols"  auf  die  Möglichkeit  hin,  daß  vielleicht  schon  im 
5.  Jahrhundert  n.  Chr.  von  China  aus  über  Kamtschatka  und  die  Aleuten  Ver- 
bindimgen  mit  Amerika  stattgefunden  haben  können.  Er  sucht  zu  be- 
weisen, daß  die  Chinesen  Amerika  unter  dem  Namen  „Fusang"  gekannt 
hätten.  Nach  neueren  Forschungen  ist  indes  Fusang  identisch  mit 
Sachalin. 

—  GottUeb  Kttlrtutsr  macht  die  ersten  Untersuchungen  über  die  Bastard- 
befruchtung und  über  die  Bestäubungseinrichtungen  der  Pflanzen. 

—  Der  auch  sonst  um  die  Schiffshygiene  verdiente  Dr.  James  Und  befürwortet 
dringend  die  Wasserdestillation  an  Bord  der  Schiffe  (s.  a.  1717  G.)  und 
gibt  die  erste  Idee  zur  Vereinigung  des  Kochapparates  mit  dem  Destfl]»- 
tionsapparat;  er  stellt  zuerst  die  Behauptung  auf,  daß  kein  Zusatz  von 
Salzen  nötig  sei,  um  destilliertes  Seewasser  trinkbar  zu  machen. 

—  Andreas  Sigismund  Margfraf  fördert  durch  seine  „Chymischen  Schriften"  die 
analytische  Chemie  in  allen  ihren  Zweigen. 

—  Nevü  MatkelyiM  beobachtet  zuerst  beim  Venusdurchgang  am  6.  Juni  die  Er- 
scheinimg einer  dunklen  brücken  artigen  Verbindung  zwischen  Venus-  und 
Sonnen  wand  an  der  Stelle,  wo  die  innere  Berührung  stattfindet,  den  sog* 
„Schwarzen  Tropfen". 

—  Giambattista  Morgagni  stellt  die  pathologische  Anatomie  des  Ohres  auf 
eine  feste  wissenschaftliche  Grundlage.  Er  beschreibt  das  Antrum  mastoi- 
deum,  den  Inhalt  der  Paukenhöhle  der  Neugeborenen  und  die  Bedeutung 

—     206     — 


1768 

der  Tuben  und  verbreitet  sich  über  die  Beaehungen  der  Mittelohreiteningen 
und  GrehimabszeBse  und  über  den  Wert  der  Knoohenleitung. 
GiambatÜBta  Morgugnl  handelt  in  seinem  Buche  ,,De  sedibus  et  oauaifi  mor- 
borum  per  anatomen  indagatis"  in  epochemachender  WeiBe  von  den  Frauen- 
krankheiten und  gibt  Mittel  zu  deren  Bekämpfung  an. 
Giambattista  Moi|agiil  beschreibt  das  nach  ihm  benannte  Tasohenband  im 
Kehlkopf,  erw&hnt  dessen  Appendix,  die  Drüsen  im  Ventrikel  und  präpariert 
den  später  nach  Wrisberg  benannten  keilförmigen  Knorpel.  Er  untersucht 
als  erster  den  Kehlkopf  pathologisch- anatomisch. 

Carsten  NMahr  bereist  im  Auftrage  der  dänischen  Regierung  Arabien,  Per- 
sien, Palästina  und  Kleinasien  und  wird  durch  seine  Schilderungen  und 
Karten,  die  Fülle  von  Beobachtungen  und  die  Aufnahmen  von  Denk- 
mälem  der  Bahnbrecher  für  das  tiefere  Eindringen  in  die  Kunde  des  Orients. 
Johann  Gottskalk  WaHtrfM  stützt  in  seiner  Schrift  „Agriculturae  funda- 
menta  chemica*'  die  Grundsätze  des  Ackerbaus  auf  die  Vergleichung  der 
Bestandteile  der  Pflanzen  mit  den  Bestandteilen  des  Bodens. 
Charles  BOBMt  untersucht  in  seinen  „Considörations  sur  les  corps  orgams^" 
die  Zeugungstheorien  uskd  nimmt  eine  Präformation  der  Keime  an,  welche 
namentlich  auch  durch  Albrecht  von  Haller  und  Spallanzani  vertreten  wird. 
Auf  Anregung  des  französischen  Tierarztes  Claude  Bourgtlat  wird  zu  Lyon 
die  erste  europäische  TierarzneiBchule  gegründet.  Bourgelat  schreibt  über 
die  Proportionen  des  Pferdekörpers  imd  erfindet  das  Hippometer  zur  Be- 
stimmung derselben. 

James  Braitoy  gibt  einen  mustergültigen  Stemkatalog  mit  3222  Stern- 
örtem  heraus. 

John  OHitoB  gelingt  der  Nachweis,  daß  das  Wasser  durch  einen  äußeren 
Druck  eine  Verminderung  des  Volums  erfährt,  daß  es  also  kompressibel 
ist.  (S.  a.  1661  A.)  Im  gleichen  Jahre  verbessert  er  das  Beibzeug  der 
Elektrisiermaschine,  indem  er  das  dazu  dienende  geölte  Seidenzeug  mit 
einer  Mischung  von  Zinnamalgam  und  Kreide  bestreicht  und  so  die  Wir- 
kung erheblich  erhöht.  Dies  Amalgam  wird  1788  von  Eaenmayer  in 
Wien  noch  verbessert  und  nach  ihm  benannt. 

Fmdl  in  Northwich  macht  die  erste  Resektion  des  Kniegelenks,  die  dann 
von  Park  (1781),  Moreau  (1792)  und  namentlich  von  William FergusBon(  1850) 
wesenthohe  Verbesserungen  erfährt. 

Der  Geolog  G.  Christian  FQchMl  stellt  eine  scharf  ausgeprägte  Ter- 
minologie der  Greologie  auf  imd  definiert  zuerst  die  Begriffe  „Schicht", 
„Lager"  und  „Formation".  Sein  HinweiB,  daß  jede  Schicht  (sowie  Forma- 
tion) zugleich  eine  bestimmte  Periode  in  der  Entwicklimg  der  Erde  be- 
zeichne, ist  in  der  Folge  grundlegend  geworden. 

Charles  U  Roy  widerlegt  die  durch  das  ganze  Mittelalter  verbreitete  Lehre, 
daß  der  Tau  von  oben  herabkomme  und  deutet  den  später  bestätigten 
Gredanken  an,  daß  bei  der  Kälte  der  Nacht  die  Luft  den  bei  Tage  ver- 
schluckten Wasserdampf  nicht  bei  sich  zu  behalten  vermöge. 
EUsabet  Christina  von  Unn^  berichtet  an  die  schwedische  Akademie  der 
Wissenschaften  über  die  von  ihr  gemachte  Entdeckung  des  Leuchtens  der 
Blüte  der  Kapuzinerkresse,  das  sie  zuerst  im  väterlichen  Garten  in  Upsala 
beobachtet  hat. 

Marcus  Antonius  Ptoncb  stellt  die  erste,  der  heutigen  sehr  ähnliche  Theorie 
der  ätiologischen  Bedeutung  der  Mikroorganismen  für  die  Entstehung  der 
Infektionskrankheiten  auf  und  erklärt  die  Fäulnis  durch  die  Entwicklung 
und  Vermehrung  der  Keime  „wurmartiger"  Wesen. 

Anton  von  Stfrk  wendet  den  Eisenhut  (Aconitum)  zuerst  medizinisch  gegen 
Wechselfieber,  Geschwülste  iind  gegen  rheumatische  Zustände  an.   Er  führt 

—     207     — 


1762 

das   von   den  Alten  bereits  angewendete  Bilsenkraut  wieder  ein,   wie 
auch  zuerst  den  Stechapfeleztrakt  und  im  Jahre  1763  auch  das  Ck>lohici] 
autumnale  medizinisch  anwendet. 

1762  Johann  Karl  Wllcke  spricht  das  Prinzip  des  Elektrophors  aus,  dessen  Wir 
samkeit  auf  der  Inüuenz  (vgl.  1753  C.)  beruht. 

1763  Der  vom  Gouverneur  von  Sibirien,  Tschitscherin,  auf  eine  Entdeeknni 
fahrt  nach  Norden  ausgesandte  Sergeant  Anirtjfw  erreicht  die  südwestlic 
Fortsetzung  des  jetzt  als  Wrangeil -Land  bezeichneten,  aus  zahlreich 
kleineren  und  größeren  Inseln  bestehenden  Landkomplexes. 

—  Joseph  Black  bestimmt  zuerst  die  spezifische  W&rme  einer  Anzahl  t< 
Körpern  nach  der  Mischungsmethode.  Ausgedehnte  Versuche  nach  diee 
Methode  machen  auch  Wilcke  (1764)  und  Crawford  (1778). 

—  Joseph  Black  bestimmt  zuerst  die  Verdampfungsw&rme  (latente  W&rme) 
roher  Weise,  indem  er  ein  kleines  eisemes  Gef&ß  mit  Wasser  auf  einen  mö 
liehst  gleichm&ßig  brennenden  Ofen  stellt  und   die  Zeit  beobachtet, 
welcher  das  Wasser  auf  100^  steigt,  und  die,  in  der  es  verdampft. 

1763—67  Nachdem  Pardies  (s.  1673  P.),  Newton  (1687),  Jean  Bemoulli  (1742)  ui 
Leonhard  Euler  (1747)  die  Probleme  des  Schiffswiderstandes  zu  lösen  vc 
sucht  hatten,  ohne  jedoch  befriedigende  Resultate  zu  erzielen,  macht  Jet 
Charles  Bortfa  ausgedehnte  Experimente  mit  Schi£FsmodeQen,  Prismen  ui 
Zylindern,  die  den  Weg  zur  Aufstellung  einer  Widerstandsformel  z^ 
sollen,  jedoch  ebensowenig  als  die  Nachprüfung  dieser  Versuche  dun 
Th^venard,  Bezout,  Condorcet  und  Bossut  (1775 — 76)  zum  Ziel  führen. 

1763  Richard  Lovell  Eigcworth,  Mitglied  des  englischen  Parlaments,  lAßt  ein« 
optischen  Telegraphen  zwischen  London  und  Newmarket  zu  seinem  Priva 
gebrauche  herstellen,  soweit  bekannt  die  erste  neuzeitliche  Anwendung  d 
optischen  Telegraphie.     (Vgl.  400  Vegetius  und  1793  Chappe.) 

—  Albrecht  von  Haller  spricht  in  seinen  „Elementa  physiologiae"  die  Üb« 
Zeugung  aus,  daß  man  aus  den  anatomischen  Veränderungen,  die  man  i 
den  Leichen  Tobsüchtiger  und  Blödsinniger  finde,  manchen  nütxlicb< 
Schluß  auf  die  Fimktionen  der  verschiedenen  Himteile  ziehen  könne. 

—  Nachdem  die  Zichorie  schon  längere  Zeit  hinduroh  am  Harze  als  Kaffe 
Surrogat  verwendet  worden  war,  lenkt  der  Major  von  Hiiiit  die  Aoftneri 
samkeit  weiterer  Kreise  auf  dieses  Präparat.  Seitdem  bürgert  sich  d 
geröstete  Zichorie  als  Zusatz  zum  Kaffee  und  als  Ersatz  desselben  imnu 
mehr,  zunächst  in  Norddeutschland,  ein. 

—  Hulot  konstruiert  einen  Schraubstock,  der  sich  um  eine  horizontale  Adu 
drehen  und  sich  außerdem  in  der  Vertikalebene  neigen  läßt,  wodurch  da 
eingespannten  Arbeitsstück  die  verschiedenste  Lage  gegeben  werden  kau] 

—  Johann  Heinrich  Lamkort  gibt  eine  Theorie  des  Sprachrohrs  und  8ch]i| 
vor,  das  konische  Sprachrohr  durch  ein  anderes  zu  ersetzen,  das  aus  ein« 
EUipsoid  und  einem  Paraboloid  zusammengesetzt  ist. 

—  Giambattista  Morgagni  behandelt  zuerst  in  umfassender  Weise  die  pata 
logische  Anatomie  der  Geisteskrankheiten  und  teilt  sowohl  Kranke^ 
geschichten  als  auch  Leichenbefimde  mit.  I 

—  Der  Kaufmann  Johann  Jacob  Ott  in  Zürich  macht  die  ersten  konseque 
Messungen   der  Bodentemperatur  in  verschiedenen  Tiefen.    (S.    1616 

—  Der  Schichtmeister  Johann  J.  Polsunow  zu  Bamaul  in  Sibirien  erbaut 
Dampf  G^bläsemaschine  zur  Winderzeugung  bei  metallurgischen  Operation 

—  Johann  Gottskalk  Wallorlus  gibt  eine  umfassende  Kritik  der  Kennzeic 
der  Mineralien,  die  dem  mineralogischen  Studium  eine  neue  Richtung  j 
und  die  systematische  Einteilung  der  Mineralien  erieichtert. 

—  John  Wilson  aus  Ainsworth  verbessert  die  BaumwoUsamtfabrikation,  in<] 
er  das  die  Samtstoffe  charakterisierende  Haar  aus  einem  Polschusse  bil| 

—     208     — 


1706 

Um  das  Haar  abzugleichen,  bearbeitet  er  zuerst  den  Stoff  aus  freier 
Hand  mit  dem  Rasiermesser,  führt  aber  dann  das  Absengen,  erst  mit 
der  Weingeistflamme,  dann  mit  glühendem  Eisen  ein.  In  neuerer  Zeit  wird 
statt  dessen  das  Abscheren  auf  der  Schermaschine  angewendet. 
Lfouis  Claude  CaM  dt  CUmlcoart  entdeckt  die  rauchende  arsenikaUsche 
Flüssigkeit,  flüssiger  Pyrophor  genannt,  von  der  Bunsen  bei  seiner  Arbeit 
über  das  Kakodyl  ausgeht. 

Domenico  Ootufno  beschreibt  zuerst  die  Neuralgie  der  Hüftnerven,  Ischias, 
die  nach  ihm  „Malum  Cotunnii"  genannt  wird. 

Während  man  in  der  Buchdruckerei  den  „Kegel''  (d.  i.  die  St&rke  des 
Typenkörpers  in  der  Sichtung  der  Höhe  des  Buchstabenbildes)  bis  dahin 
in  willkürlichen  Abstufungen  wählte,  stellt  zuerst  der  französische  Schrift- 
gießer Foarnltr  !•  Jeuno  bestimmte  Regeln  auf  und  gibt  in  seiner  Schrift 
„Manuel  typographique"  eine  nach  sog.  typographischen  Punkten  ge- 
staltete Einteilung  der  Typen.     (Vgl.  1879  B.) 

Die  Brüder  Grivinhant  in  Braunschweig  erfinden  das  Braunschweiger  Grün 
(basisches  Kupfercarbonat). 

Erik  Laxmann  in  St.  Petersburg  benutzt  zuerst  in  rationeller  Weise  das 
Glaubersalz  als  Flußmittel  bei  der  Glasbereitung.  Durch  Baader  (1803), 
Scholz  und  Kim  (1839)  wird  die  Verwendung  des  Glaubersalzes  weiter 
gefördert,  doch  erst  durch  Pelouze's  Bemühungen,  der  das  Glaubersalz 
völlig  eisenfrei  herstellt,  wird  dessen  Verwendung  auch  für  weißes  Glas 
ermöglicht. 

Antoine  Louis  empfiehlt  bei  Blutungen  nach  Amputationen  statt  der 
Toumiquets  die  Digitalkompression. 

David  MaebrMs  erkennt  die  bei  der  Gärung  auftretende  Gasart  als  Kohlen- 
säure. Die  Quantität  der  entstehenden  Kohlensäure  wird  zuerst  1766  von 
Cavendish  bestimmt. 

Andreas  Sigismund  Marfcrtf  führt  den  exakten  Beweis  für  die  viel  be- 
strittene Präexistenz  des  Alkalis  in  der  Pflanze,  der  1774  durch  Wiegleb 
noch  vervollkommnet  wird.  Urban  Hiäme  hatte  diese  Präexistenz  schon 
1707  behauptet,  während  Helmont,  Boyle,  Lemery  und  Stahl  sie  ge- 
leugnet hatten. 

James  Watt  macht  Versuche  über  die  Abhängigkeit  der  Spannkraft  des 
Wasserdampfs  von  der  Temperatur  und  über  den  Dampfverbrauch  der 
Newcomen'schen  Maschine. 

Im  Gregensatz  zu  der  1604  erschienenen  Karte  Tirols  von  Warmund  Ygl 
und  den  Kartenbildem  der  Alpen  von  Matthias  Seutter  gibt  Peter  Anlch 
in  seinem  „Atlas  Tirolensis"  die  Berge  und  Gletscher  in  richtiger  Weise 
und  in  naturtreuer  Darstelliing  wieder. 

Der  englische  Techniker  Grafar  erfindet  die  Kettenspulmaschine. 
Lieonhard  Eultr,  der  1736  eine  Theorie  der  Präzession  gegeben  hatte,  gibt 
in  seinem  Werke  „Theoria  motus  corporum  soüdorum  seu  rigidorum"  eine 
grundlegende  Theorie  der  Hauptachsen  der  Drehimg  im  allgemeinen,  sowie 
die  Darstellung  der  Bewegungen  um  beliebige  Achsen  in  spezielleren  Fallen. 
Er  entwickelt  daselbst  zuerst  den  Begrifi  des  Trägheitsmoments  und  gibt 
ihm  auch  den  Namen.    („Momentum  inertiae.") 

Feiice  Fontana  publiziert  eine  wertvolle  Arbeit  über  das  Vipemgift  und 
beobachtet  die  nach  ihm  benannte  Bänderung  an  den  Nervenstämmen. 
Albrecht  von  Haitor  lehrt  auf  experimentellem  Wege  die  große  Schädlichkeit 
faulender  Substanzen  kennen  und  führt  die  seit  dem  Altertum  bekannten 
xmd  von  Hippokrates,  Celsus  imd  Boerhaave  beschriebenen  „Fibrae  pesti- 
ferae"  (Septichaemie)  auf  Fäulmsstoffe  der  Luft  zurück. 
Francis  Home  beschreibt  —  unter  dem  von  Patrik  Blair  1713  geschaffenen 
Darmstaedter.  14 

—     209     — 


1765 

Namen  Croup  —  die  Diphtherie  als  eine  Krankheit  entzündlicher  Art  un^ 
weist  auch  wie  Villa  Real  (s.  1611  V.)  auf  die  charakteristiBohe  Membrai^ 
bildung  hin.  So  vorzüglich  die  Abhandlung  ist,  so  trägt  sie  doch  » 
Verwechslungen  zwischen  Croup  und  Diphtherie  bei,  die  erst  durch  Brd 
tonneau*s  Eingreifen  (s.  1818  B.)  beseitigt  werden. 

1765  La  Salle  erfindet  das  Papier,  auf  welches  man  die  Muster  für  Weberei  on^ 
Stickerei  zeichnet  (Patronenpapier)  und  bemüht  sich,  den  Zugstubl  füi 
größere  Dessins,  namentlich  auch  für  Möbelstoffe,  zu  verbessern. 

—  Otto  von  MandilMUiSMi  entwickelt  in  seinem  „Hausvater*'  die  Theorie 
des  Pfluges. 

—  Jakob  Christian  SchifiMr,  evangelischer  Prediger  in  Regensburg,  erfind« 
das  Holzstoffpapier,  das  er  aus  feinen,  mit  Wasser  zu  Brei  verriebene! 
Sägespänen  herstellt.  Seine  Erfindung  verfällt  der  Vergessenheit.  Docl 
ist  seine  Priorität  gegenüber  Keller  (s.  1843  E.)  unbestritten,  wie  dies  durd 
seine  Schrift  „Sämtliche  Papierversuche,  sechs  Bände,  nebst  81  Musten^ 
Regensburg  1765'*  klar  .bewiesen  wird.  Schaff  er  hat  auch  zuerst  ein  un 
verbrennliches  Asbestpapier  hergestellt,  und  die  Verwendung  des  Papied 
zu  Kleider-  und  Wäschestoffen  empfohlen. 

—  Lazzaro  8|MülMizaiil  erfindet  im  Laufe  seiner  Untersuchungen  über  die  voil 
John  Tuberville  Needham  (1745)  behauptete  Generatio  spontanea  (Ur 
Zeugung)  die  Methode,  zersetzungsfähige  Flüssigkeiten  dadurch  vor  de) 
Zersetzung  zu  schützen,  daß  er  sie  kocht  imd  nur  erhitzter  Luft  den  Zn 
tritt  gestattet. 

—  James  Watt  trennt  bei  der  Dampfmaschine  den  Kondensator  mit  der  Luft 
pumpe  vom  Zylinder,  befreit  dadurch  den  Zylinder  von  der  schädlich» 
Abkühlung  durch  das  Einspritzwasser  und  gibt  dem  Zylinder  einen  schüt 
zenden  ManteL 

1766  Der  schwedische  Chemiker  Torbem  Bwfiiuui  setzt  die  Experimente  von 
Canton  und  Aepinus  über  Pyroelektrizität  fort  und  erkennt  das  Umspringeo 
der  Pole  beim  Abkühlen  des  Turmalins. 

1766—69  Louis  Antoine  dt  Bougalnvllle  macht  die  erste  von  Franzosen  ausge^ 
führte  Weltumsegelung,  entdeckt  die  Korallenriffe  an  der  Ostküste  Austrai 
Hens  und  die  Louisiaden  und  findet  einige  der  Salomoninseln  wieder  auf 

1766  Henry  Cavtnillsh  entdeckt,  daß  das  Wasserstoffgas  eine  eigentümliche  Luft 
art  ist,  welche  entsteht,  wenn  man  Eisen,  Zinn  oder  Zink  in  verdünnte! 
Schwefelsäure  oder  Salzsäure  auflöst.  (S.  a.  1783  L.)  Er  unteiBucht  di^ 
Kohlensäure  noch  eingehender  als  es  Black  (s.  1757  B.)  getan  hatte  un^ 
konstatiert  namentlich  auch,  daß  sich  bei  der  Weingärung  Kohlensäur^ 
entwickelt,  und  daß  dieses  Gas  identisch  mit  dem  aus  Marmor  und  Sali^ 
säure  erhaltenen  ist.     (Vgl.  a.  1764  M.) 

—  Henry  Cavtndlsh  macht  eingehende  Untersuchungen  über  die  spezifischeq 
Gewichte  der  bekannten  Gasarten,  wie  der  Kohlensäure  und  des  Wasser^ 
Stoffs.  In  umfangreichem  Maße  werden  solche  Bestimmungen  1787  voü 
Kirwan  unternommen.     (S.  a.  1669  M.) 

—  Johann  Gottlieb  Qahn  entdeckt,  daß  die  Knochen  größtenteils  aus  phoe^ 
phorsaurem  Kalk  bestehen.  Diese  Entdeckimg  erst  ermöglicht  die  Dar^ 
stellimg  des  Phosphors  in  größerem  Maßstabe. 

—  Johann  Heinrich  Lambert  wird  durch  seine  (erst  i.  J.  1786  veröff^itlichie^ 
„Theorie  der  Parallellinien*'  ein  Vorläufer  der  nichteuküdischen  Geometrie. 
(S.  1826  L.)  Er  führt  die  hyperbolischen  Funktionen  ein  und  beweist  die 
Irrationalität  der  Zahl  .t. 

—  Am6d6e  Lullln  beschreibt  in  seiner  „Dissertatio  physica  de  electricitate** 
den  nach  ihm  benannten  Versuch  der  Durchbohrung  eines  Kartenblattea 
durch  den  Entladungsschlag  einer  Franklin*schen  Tafel,  wobei  der  Funke 

—     210     — 


1767 

von  der  Spitze,  die  mit  der  positiv  elektrisohen  Belegung  verbunden  ist, 
über  die  Fläche  der  Karte  fortgeht  und  dieselbe  in  der  Nähe  der  nega- 
tiven Spitze  durohbohrt. 

1766  Peter  Simon  Pallas  bahnt  zuerst  eine  mehr  naturgemäße  Einteilung  der 
Linn^'schen  Tierklasse  Vermes  an,  indem  er  die  Nacktschnecken  und 
Sepien  mit  den  Schaltieren,  die  Ringelwürmer  mit  Gordius  und  den  £in- 
geweidewürmem  zusammenstellt  und  eine  eigene  Hauptabteilung  „Centro- 
nias"  für  die  strahlig  gebauten  Tiere,  wie  Seeigel,  Seesteme  imd  Aktinien 
aufstellt.  Es  ist  dies  die  erste  Andeutung  der  später  von  Cuvier,  Leuckart 
n.  a.  aufgestellten  Hauptkreise  unter  den  wirbellosen  Tieren. 

1766 — 86  Ludwig  PfyflMr  verfertigt  die  erste  auf  geometrischen  Grund- 
sätzen beruhende,  in  Wachs  ausgeführte  Reliefkarte,  und  zwar  der  Zentral- 
Schweiz.     (Vgl.  auch  1510  Dox.) 

1766  John  Purnell  nimmt  das  erste  Patent  auf  Herstellung  von  Draht  durch 
Walzen.  Ungefähr  gleichzeitig  wird  die  Walzendrahtzieherei  von  Fleur, 
Direktor  der  Münze  in  Besan9on,  in  Frankreich  eingeführt. 

—  Der  österreichische  Stallmeister  und  Tierarzt  J.  von  Sind  gibt  in  seinem 
Werke  „Der  im  Felde  und  auf  der  Reise  geschwind  heilende  Pferdearzt'' 
viele  zweckmäßige,  wenn  auch  —  der  Zeitrichtung  entsprechend  —  noch 
sehr  umständliche  Rezepte  und  ist  als  Autorität  in  bezug  auf  den  Hufbe- 
schlag zu  bezeichnen. 

—  Der  Wittenberger  Professor  Johann  Daniel  Titliit  weist  darauf  hin,  daß 
der  Abstand  der  Planeten  von  der  Sonne  annähernd  durch  die  Formel 
4-f-  3  •  2n  ausgedrückt  wird,  wobei  der  Wert  von  n  für  Merkur  =  0,  für 
Venus  =  Va»  ^^  die  Erde  =  1,  für  Mars  =  2  und  so  weiter  für  jeden  ent- 
fernteren Planeten  das  Doppelte  des  vorhergehenden  beträgt.  Die  Reihe 
läßt  erkennen,  daß  für  n==4  ein  Planet  (der  Ort  der  tatsächlich  später 
entdeckten  Planetoiden)  fehlt.  Auch  hat  sich  die  Formel  bei  der  Auf- 
findung des  Uranus,  dagegen  nicht  mehr  bei  dem  Neptun  bewährt.  Die 
Titius'sche  Regel,  erst  durch  Bode  1772  allgen^ein  bekannt  geworden,  heißt 
daher  auch  Titius-Bode'sche  Reihe. 

1766 — 68  Samuel  Wallis  führt  auf  seiner  in  Gemeinschaft  mit  Philipp  Carlaivt 
unternommenen  Weltumsegelung  die  erste  Längenbestimmung  nach  Mond- 
abständen aus,  die  schon  1499  von  Vespucci  (s.  d.)  vorgeschlagen  worden 
war,  aber  erst  praktisch  ausgeführt  werden  konnte,  nachdem  die  Mond- 
taieln  von  J.  T.  Mayer  (s.  1760  M.)  erschienen  waren.  Im  Verfolg  dieser 
Reise  wird  die  Pitcaim-Insel  entdeckt,  die  Carteret-Straße  durchfahren 
und  die  Lage  der  Salomons-  und  der  Gesellschaftsinseln  festgestellt. 

1767  John  B«rktnlNNit  führt  die  Musierung  der  Spielkarten  auf  der  Rückseite 
ein;  bis  dahin  war  dieselbe  stets  weiß  geblieben. 

—  Henry  Cavtnilish  entdeckt  die  LosHchkeit  des  kohlensauren  Kalks  in  kohlen- 
säurehaltigem Wasser. 

—  Joseph  Louis  Lagrang«  wendet  die  Kettenbrüche  auf  die  Lösung  unbestimmter 
Gleichungen  xmd  auf  die  näherungsweise  Berechnimg  der  Wurzelwerte 
höherer  algebraischer  Gleichungen  an. 

—  Timothy  Lana  bildet  die  Leidener  Flasche  zu  der  nach  ihm  benannten 
Maßflasche  aus,  indem  er  beide  Belegungen  mit  Funkenkugeln  verbindet, 
die  in  einen  beliebig  bestimmten  Abstand  gebracht  werden  können.  Sobald 
die  Maßflasche  mit  einer  bestimmten  Elektrizitätsmenge  geladen  ist,  findet 
Selbstentladung  statt,  so  daß  man  durch  die  Zahl  dieser  Selbstentladungen 
ein  Maß  der  entwickelten  Elektrizitätsmenge  gewinnt. 

—  RayMMs,  Mitbesitzer  der  Coalbrookdale-Eisenwerke,  baut  die  erste  eiserne 
Spurbahn.      Die    gußeisernen   Schienen,    1,5   m    lang,     11  cm   breit  und 

14* 

—     211     — 


1767 

beiderseits    in    LJ-Form    aufgekrempt,    werden    auf    hölzernen    Längs- 
schwellen verlegt.    (Vgl.  1776  C.) 

1767  James  Watt  konstruiert  die  doppeltwirkende  Dampfmaschine,  indem  er 
beide  Kolbenhübe  als  Arbeitshübe  benutzt  und  erreicht  dadurch,  wenigstens 
bei  geringen  Umdrehzahlen,  eine  größere  Gleichförmigkeit  des  Ganges  der 
Maschine  als  bisher. 

1768  William  Alexander  untersucht  die  Wirkimg  der  verschiedenen  antiseptischen 
Mittel,  wie  Chinarinde,  Salpeter,  Sublimat,  Ealomel,  Campher,  Ealkwasser 
auf  Infusorien  und  erwähnt,  daß  es  außer  diesen  Stoffen  noch  viele  gibt, 
womit  man  diese  Tierchen  töten  könne.  Er  geht  jedoch  nicht  dazu  über, 
seine  Untersuchimgen  in  der  Praxis  der  Wundbehandlung  zu  verwerten. 

—  Antoine  Bauini  konstruiert  ein  Skalenaraeometer,  welches  späterhin  in 
der  chemischen  Technik  so  große  Verwendung  findet,  daß  die  Bezeich- 
nung der  Eonzentration  der  Flüssigkeiten  nach  Baum6graden  eine  ganz 
allgemeine  wird. 

—  Der  italienische  Physiker  Giacomo  Battista  Beecarla  weist  bei  Gelegenheit 
einer  in  Piemont  ausgeführten  Gradmessung  den  Einfluß  der  Alpen  auf 
die  Pendelabweichungen  nach. 

1768 — 73  Der  Schotte  James  Bruce  unternimmt  die  erste  wissenschaftliche  Afrika- 
reise, hält  sich  drei  Jahre  in  Abessinien  auf  und  entdeckt  1770  den  Ur- 
sprung des  blauen  Nils  aus  dem  Tanasee  wieder,  nachdem  bereits  Ptole- 
maeus  den  Ursprung  des  Blauen  und  Weißen  Nils  angegeben  hatte,  diese 
Eimde  jedoch  in  Vergessenheit  geraten  war.  (Vgl.  seine  Schrift  „Travels 
to  discover  the  Sources  of  the  Nile".) 

1768  Nachdem  schon  Marggraf  1750  ein  Leuchten  des  mit  brennbaren  Sub- 
stanzen kalzinierten  Gipses  hatte  wahrnehmen  wollen,  bereitet  John 
Canton  durch  Glühen  von  Austemschalen  mit  Schwefel  den  nach  ihm  be- 
nannten Canton'schen  Phosphor  (Schwefeicaicium). 

—  Michel  Ferdinand  Duo  de  Chaulnei  wendet  zuerst  das  Mikroskop  zur  Be- 
stimmung von  Brechimgsindices  an. 

1768 — 71    James  Oeok  umfährt  auf  seiner  ersten  Reise  Neuseeland,  entdeckt  die 

Cookstraße    und    die   Ostküste  Australiens    und  findet  die  Torresstrafie 

wieder  auf.    Außerdem  schafft  er  Elarheit  über  die  Inselwelt  der  Südsee. 

Unter    anderem    entdeckt    er    die   Botanybai,   die  er  nach   der  reichen 

.  botanischen  Ausbeute  seiner  Begleiter  Banks  und  Solander  benennt. 

1768  Leonhard  Euler  führt  in  die  Undulationstheorie  die  Periodizität  der  Schwin- 
gungen ein  (Begriff  der  Wellenlänge). 

—  Johann  Heinrich  Haeen  findet,  daß  Natron  weniger  Affinität  zu  Säuren 
hat,  als  das  Alkali  der  Pottasche,  imd  zeigt,  daß  bei  der  Zersetzung  von 
Glaubersalzlösung  mit  Pottasche  zuerst  schwefelsaures  Eali  und  dann  Soda 
auskrystallisiert.  Die  Methode,  die  für  die  Sodadarstellung  bestimmt 
war,  ergab  indes  dafür  keinen  praktischen  Nutzen. 

—    Der  englische  Weber   James   Hargreavei   erfindet  die  Mule- Jenny -Spinn- 
maschine. 

—  IKrlssant  und  Maequer  teilen  der  Pariser  Akademie  der  Wissenschaften  mit,  da0 
es  ihnen  gelungen  sei,  den  Eautschuk  in  DippelÖl,  Terpentinöl  und  reinem 
Äther  aufzulösen.  Sie  machen  den  Vorschlag,  denselben  zur  Herstellung 
medizinischer  Sonden  und  kleiner  Bohren,  wie  solche  in  Laboratorien  ge- 
braucht werden,  zu  verwenden,  welche  Idee  von  Grossart  in  die  Praxi» 
übersetzt  wird. 

1768 — 73  Peter  Simon  Pallas  erkennt  während  seiner  auf  Befehl  der  Kaiserin 
Eatharina  gemachten  wissenschaftlichen  Heise  durch  Sibirien  die  allge- 
meine Übereinstimmung  der  Tier-  und  Pflanzenwelt  des  nördlichen  und 
gemäßigten  Asiens  bis  zum  Baikalsee  mit  der  europäischen  und  ist  damit 

—     212     — 


1769 

der  Begründer  des  Begriffs  eines  paläarktischen  Reiches  für  Tier- 
und  Pflanzengeographie»  wenn  er  auch  diesen  Ausdruck  noch  nicht 
gebraucht. 

768  Peter  Simon  Pallas  konstatiert  während  seiner  Reise  (s.  vorstehend)  die 
auffallende  Häufigkeit  der  Überreste  vom  Mammut,  Rhinozeros  und  Bison 
in  der  sibirischen  Ebene,  wobei  er  u.  a.  eine  noch  mit  Haut  und  Haaren 
erhaltene,  am  Wilniflusse  gefundene  Rhinozerosleiohe  beschreibt.  Pallas 
bezeichnet  den  Granit  als  den  Kern  aller  Hauptgebirge. 

—  Powsn  in  Coventry  faßt  zuerst  den  Gedanken,  Leder  seiner  Dicke  nach 
derart  zu  spalten,  daß  die  Narbenseite  von  der  Fleischseite  getrennt  wird 
und  zwei  Blätter  entstehen,  deren  jedes  für  sich  zu  geeigneten  Zwecken 
verwendet  wird 

—  Jean  Ren^  Slfaylt  macht  zuerst  den  Vorschlag,  bei  Beckenenge  die  Sym- 
physeotomie  vorzunehmen  und  führt  1777  die  erste  derartige  Operation 
an  einer  Kreißenden  mit  relativ  günstigem  Erfolge  aus. 

—  Johann  Daniel  TItliit  empfiehlt  zur  Bepflanzung  der  Dünen  das  Sandrohr 
(Arundo  arenaria),  und  äußert  hinsichtlich  des  Dünenbaus  in  einer  durch 
die  naturforschende  Cresellschaft  in  Danzig  veranlaßten  Preisschrift  eine 
Reihe  von  Gedanken,  die  später  von  Björn  (s.  1796B.)  weiter  ausgebaut  und 
nutzbar  gemacht  werden. 

—  Johann  Gottskalk  Waitorlut  beschreibt  verschiedene  für  die  Mineralchemie 
wichtige  Tatsachen:  Destillation  des  Quecksilbers  aus  dem  Zinnober, 
Knoblauchgeruch  der  Arsenverbindimgen  beim  Erhitzen  auf  Kohle,  Blau- 
färbung des  Boraxglases  durch  Kobalt. 

—  Charles  White  erkennt  den  großen  therapeutischen  Wert  der  Gelenkresektion 
und  gibt  bestimmte  Regeln  für  deren  Ausführung.  Er  schreibt  eine  wert- 
volle Arbeit  über  die  Luxation  des  Schultergelenks  und  macht  am  14.  April 
die  erste  Resektion  des  Schultergelenks. 

—  Johann  Karl  Wllcke  gibt  die  erste  Isoklinenkarte  der  ganzen  Erde  heraus. 
(VgL  1701  W.) 

—  Kaspar  Friedrich  Wolff  zeigt  in  seiner  grundlegenden  Untersuchung  über 
die  Bildung  des  Darmkanals  des  Hühnchens,  die  in  der  Schrift  „Über 
die  Bildung  des  Darmkanals  der  Tiere*'  niedergelegt  ist,  daß  der  Darm- 
kanal im  Ei  anfänglich  als  ein  blattförmiges  Gebilde  (Keimblatt)  angelegt 
ist,  daß  dieses  sich  darauf  zu  einer  Halbrinne  einkrümmt  und  endlich 
zu  einem  Rohr  umgestaltet  wird.  Er  vermutet,  daß  in  ähnlicher  Weise 
die  übrigen  Organsysteme  entstehen. 

—  Kaspar  Friedrich  WoW  tritt  dem  Dogma  der  Evolutionstheorie  (s.  1669  S. 
und  1762  B.)  entgegen  und  stellt  den  Grundsatz  auf,  daß,  was  man  nicht 
mit  seinen  Sinnen  wahrnehmen  könne,  auch  nicht  im  Keim  präformiert 
vorhanden  sei.  Er  wird  hierdurch  der  Begründer  der  Lehre  von  der 
Epigenesis. 

769  Richard  Arkwrlfht  baut  in  Nottingham  die  erste  praktische,  mit  Wasser- 
kraft betriebene  Spinnmaschine  (Waterspinnmaschine). 

—  Nachdem  schon  1690  Elie  Richard  einen  Straßenwagen  gebaut  hatte,  der 
von  einer  hinten  sitzenden  Person  vermittels  eines  Zahnradgetriebes  mit 
den  Füßen  in  Bewegung  gesetzt  wurde,  baut  der  französische  Offizier 
Joseph  Ciignot  einen  dreirädrigen  Dampfwagen,  bei  dem  er  die  Richard'sche 
Übertragung  durch  Zahnräder  und  den  Vierwegehahn  (1720)  verwendet, 
und  der  zum  Transport  von  Kanonen  benutzt  wird. 

—  John  ElUs  gibt  in  einem  Briefe  an  Linn6  die  erste  Nachricht  über  eine 
fleischfressende  (insektenfressende)  Pflanze,  die  Dionaea  (Venusfliegenfalle), 
die  in  ihren  bei  Berührungen  lebhaft  zusammenklappenden,   gewimperten 

—     213     — 


1769 

und  borstigen  Blättern  Insekten  fängt  und  aussaugt.    Ein  ähnliches   Ver- 
halten beobachtet  1782  Roth  an  der  Drosera.    (S.  a.  1875  D.) 

1769  Hobert  Frost  und  HoliiMS  geUngt  es,  auf  einem  abgeänderten  Handkulier- 
stuhl  eine  Art  Tüll  mit  sechseckigen  Maschen  zu  erzeugen,  der  sich  unter 
dem  Namen  „Point  net"  gut  einführt  und  vielfach  zum  Aufsticken  von 
Blumen  verwendet  wird. 

—  Jean  Baptiste  LoprinM  erfindet  die  Aquatinta-Technik,  eine  Abart  des 
Kupferstichs,  bei  der,  wie  bei  der  Schabekunst,  die  Grundlage  Schatten 
ist,  aus  dem  das  Licht  mittels  Ätzen  herausgearbeitet  wird. 

—  David  Mackrhle  führt  die  Schnellgerberei  mittels  Lohbrühe  ein  und  benutzt 
zuerst  verdünnte  SchwefeLsäure  zum  Schwellen  der  Häute. 

—  Als  erstes  Beispiel  der  Anwendung  der  Luftheizimg  in  der  neueren  Zeit 
gilt  die  Einrichtung  der  Heizung  im  Arbeitszimmer  Friedrichs  des  Großen 
im  Neuen  Palais  zu  Potsdam,  ausgeführt  durch  den  Schloßbaumeister 
Mangar.  Die  Heizkammer  befand  sich  im  Keller;  die  auf  50®  erwärmte 
Luft  stieg  von  selbst  in  Heizkanälen  in  die  oberen  Räume. 

—  Der  Pfarrer  Maywr  zu  KupferzeU  macht  nachdrücklich  auf  die  den  Kömem 
bereits  bekannte  Wirkung  des  Gipses  als  Düngungsmaterial  aufmerksam, 
die  dann  B.  Franklin  seinen  Landsleuten  praktisch  vor  Augen  führt. 

—  PlayMr  erhält  am  24.  Mai  ein  Patent,  feineres  Formeisen  durch  Walzen 
herzustellen,  und  am  17.  Dezember  ein  weiteres  Patent,  um  die  Stücke 
spitz  zulaufend  zu  machen  imd  um  Schaufeln  zu  walzen. 

—  Der  Chemiker  Karl  Wilhelm  Scheele  erhält  durch  Zerlegung  von  weinstein- 
saurem Kalk  mit  Schwefelsäure  die  Weinsteinsäure,  die  jedoch  erst  1770 
von  Betzius  krystallinisch  erhalten  wird.  Er  zeigt  hierdurch  und  durch 
seine  ferneren  Arbeiten,  daß  man  die  Pflanzenbestandteile  systematisch  in 
Form  chemischer  Individuen  darstellen  könne  und  wird  so  der  Begründer 
der  modernen  Pflanzenchemie. 

—  Jacques  de  Vaucttison  verbessert  die  Maschinen  zum  Moirieren  (Wäfisem) 
der  Stoffe.  Das  Moirieren  war  zu  Beginn  des  18.  Jahrhunderts  in  Eng- 
land aufgekommen  xmd  in  der  Weise  ausgeübt  worden,  daß  der  gummierte 
Stoff  zwischen  heißen  Walzen  so  gepreßt  wurde,  daß  ein  wellenartiges 
Muster  entstand. 

—  James  Watt  erhält  ein  Patent  auf  ein  Verfahren,  den  Dampf  verbrauch 
bei  Feuermaschinen  zu  vermindern  imd  baut  eine  dementsprechende 
Maschine. 

—  James  Watt  spricht  zuerst  von  den  Vorteilen,  die  mit  der  Expansion  des 
Dampfes  verbimden  sind.  Er  benutzt  die  Expansion  (1776)  bei  einer 
Versuchsmaschine  in  Soho. 

—  Samuel  Wlie  nimmt  ein  englisches  Patent  auf  den  ersten  mechanischen 
Kulierstuhl,  welcher  der  Ausgangspunkt  einer  Reihe  von  Erfindungen  anf 
dem  Gebiete  des  mechanischen  Wirkstuhlbaus  wird.     (S.  a.  1589  Lee.) 

1770  Charles  imd  Bobert  Colllng  setzen  die  Tätigkeit  Bakewells  (s.  1760  B.)  anf 
dem  Gebiete  der  Viehzucht  weiter  fort  und  veredeln  das  einheimische, 
englische  Kind  derart,  daß  es  als  „improved  Shorthom"  zur  Vollblutrasse 
wird  und  als  solche  einzig  dasteht. 

—  Der  französische  Astronom  Joseph  Jerome  Delalande  bestimmt  die  Sonnen- 
parallaxe zu  8,6--8,6  Sekunden  und  findet,  daß  die  Kraft,  mit  welcher 
ein  Körper  in  der  Nähe  der  Sonnenoberfläche  angezogen  wird,  29  mal  die 
auf  der  Oberfläche  der  Erde  wirksame  Anziehungskraft    übertrifft. 

—  Dumoutfer  erfindet  ein  pneumatisches  Feuerzeug,  das  aus  einem  an  einem 
Ende  verschlossenen  Hohlzylinder  besteht,  in  dem  sich  ein  luftdicht  schließen- 
der Kolben  durch  einen  Stab  niederstoßen  läßt.  Geschieht  dies  sehr 
schnell,  so  wird  durch  die  bei  der  Kompression  erzeugte  Wärme  ein  am 

—     214     — 


1770 

Kolben  befestigtes  Stück  Feuerschwamm  entzündet.  Dies  pneumatische 
Feuerzeug  wird  von  MoUet  (s.  1803  M.)  in  verbesserter  Form  als  Tachy- 
pyiion  vorgeführt.  Das  pneumatische  Feuerzeug  wird  von  Portugiesen 
naeh  Hinterindien  gebracht,  wo  es  sich  bis  auf  den  heutigen  Tag  in  G-e- 
brauch  erhalten  hat. 

Der  Abb6  Charles  Michel  d»  PEpit  erzielt  mit  Hilfe  einer  methodisch  ent- 
'wickelten  Greb&rdensprache  und  des  Fingeralphabets  große  Erfolge  im 
Unterricht  der  Taubstummen. 

Pascal  Joseph  Ftrro  verordnet  zuerst  kalte  Bäder  bei  Fieber. 
Der  Mediziner  Htwioii  entdeckt  die  weißen  Blutkörperchen  (Leukocyten) 
und  liefert  wichtige  Beobachtungen  zur  Lehre  von  der  Gerinnung  des  Blutes. 
Antoine  Laurent  ünroMar  kommt  bei  Untersuchung  der  vermeintlichen 
Umwandlung  von  Wasser  in  Erde»  wie  dies  noch  van  Helmont  und  Boyle 
angenommen  hatten,  zu  dem  Ergebnis,  daß  das  Gewicht  des  verschlosse- 
nen Glasgefäßes  nebst  dem  lange  im  Kochen  erhaltenen  Wasser  unver- 
ändert geblieben  war,  daß  aber  die  entstandene  Erde  ebensoviel  wog,  als 
das  Grefäß  an  Gewicht  abgenommen  hatte,  und  zieht  den  Schluß,  daß  die 
Erde  aus  dem  Glase  und  nicht  aus  dem  Wasser  stamme.  Dies  führt  ihn 
zur  Aufstellung  des  Satzes,  daß  bei  chemischen  Vorgängen  nichts  neu 
entsteht  und  nichts  vergeht,  sondern  daß  die  Summe  der  in  den  Prozeß 
antretenden  Materien  eine  konstante  Größe  ist.  (Gesetz  der  Erhaltung 
des  Stoffes.) 

Der  amerikanische  Arzt  Macari  entdeckt  die  anthelmintische  Wirkung  der 
Rinde  des  Wurmrindenbaums  und  teilt  dieselbe  dem  surinam'schen  Arzte 
van  Struijrvesant  mit,  durch  den  die  Rinde  nach  Europa  gelangt. 
Johann  Tobias  Maytr  der  Jüngere  erkennt  klar  die  Mängel  des  Spiegel- 
sextanten, namentlich  die  geringe  Helligkeit  der  Bilder,  die  Beschränkimg 
in  der  Größe  der  zu  messenden  Winkel  und  die  Unmöglichkeit,  den  Ein- 
fluß der  Exzentrizität  der  Alhidade  auf  die  Winkelmessimg  zu  beseitigen, 
und  gelangt  dadurch  zur  Erfindung  des  Spiegelkreises,  der  von  Borda 
noch  verbessert  und  1833  von  Steinheil  in  einen  mit  großen  Vorzügen 
ausgestatteten  Prismenkreis  umgewandelt  wird. 

Der  französische  Ingenieur  Jean  Rodolphe  PimniMl  entwickelt  eine  epoche- 
machende Tätigkeit  im  Bau  von  steinernen  Brücken.  Als  sein  Meister- 
werk gilt  die  Seinebrücke  von  Neuilly,  die  fünf  Öffnungen  mit  je  39  m 
Spannweite  hat. 

Joseph  Prfwttoy  empfiehlt  zuerst  den  Kautschuk,  um  Bleistiftstriche  aus- 
zuwischen. In  Frankreich  werden  schon  im  Jahre  177ö  in  den  Papier- 
handlungen kleine  Kautschukwürfel  unter  dem  Namen  „Peaux  de  n^es" 
verkauft. 

Der  erste  bewegliche  Herd,  der  Lang-Stoß-Herd,  findet  im  8MialMlMii  Btrf- 
bM  zum  Verwaschen  der  Erzschlamme  Anwendung. 

Nachdem  Schwankhardt  schon  1670  die  ätzenden  Eigenschaften  des  aus 
Flußspat  mit  Schwefelsäure  entstehenden  Gases  zum  Ätzen  des  Glases 
benutzt  hatte,  untersucht  Karl  Wilhelm  MiMlt  eingehend  die  dabei  ent- 
stehende Flußsäure,  die  er  indes  erst  1781  in  reinem  Zustande  erhält. 
Johann  Andreas  Stelii  verbessert  die  Hammermechanik  des  Pianofortes 
(8. 171  IC.)  in  der  Weiae,  daß  er  den  Hammer  mittels  eines  Stieles  auf  dem 
hinteren  Teil  der  Taste  selbst  befestigt,  so  daß  beim  Niederdrücken  der 
Taste  ein  am  hinteren  Ende  des  Hammerstieles  angebrachter  Schnabel 
gegen  den  sogenannten  Auslöser  stößt  und  dadurch  den  Hammer  in  die 
Höhe  schnellt. 

Max  Mli  begründet  die  Lehre  von  der  biliösen  Pneumonie  und  übt  in 
großem  Umfang  die  Perkussion.     (S.  1761  A.) 

—     215     — 


1770 

1770  Charles  Taylar  und  Thomas  Wilkar  nehmen  ein  Patent  anf  ^ne  Waken 
druckmaschine  für  die  Eattiindmckerei,  das  indes  keine  praktisch^ 
Folge  hat. 

—  Simon  Andr^  Tlltot  lehrt  zuerst,  daß  bei  der  Epilepsie  der  Erampfanfd 
nur  eine  Teilerscheinung  einer  meist  unheilbaren,  langwierigen  Krankheii 
ist,  welche,  wie  die  Beobachtung  lehrt,  auch  anders  geartete,  insbesondere 
geistige  Störungen  mit  sich  bringt. 

—  James  Watt  fuhrt  die  Pferdestarke  PS  =  75  Meterkilogramm  als  Maß  fü] 
die  Einheit  der  Arbeitskraft  ein. 

—  Arthur  Young  begründet  die  wissenschaftliche  Richtung  in  der  Landwirt 
Schaft  imd  macht  dieselbe  auch  bei  den  höheren  Bevölkerungsschichtei 
populär. 

1771  Richard  Arkwrifht  erfindet  die  Walzen- Krempelmaschine,  bei  welcher  dei 
Hauptteil  ein  Walzenapparat  ist,  dessen  Bestimmung  es  ist,  die  Baumwoll 
bänder  in  ihrem  Laufe  zur  Spule  und  zur  Spindel  zu  strecken. 

—  Joseph  Ashton  erhält  ein  Patent  für  die  Herstellung  gegossener  eiseniel 
Nägel,  deren  Fabrikation  um  1785  in  England  in  großem  Maßstabe  b« 
trieben  wird, 

—  Torbem  Bergman  gebraucht  Glaskolben  für  verknistemde  Substanzen; 
Er  gibt  die  wichtigen  Reaktionen  in  der  Boraxperle  an  und  kennt  da« 
Ausfällen  von  Kupfer  aus  dem  Schmelzfluß  durch  einen  Eisendraht.  Ej 
beschreibt  femer  die  Reaktion  von  Eisensalzen  mit  gelbem  BluÜaugeDl 
salz  (phlogistiertem  Laugensalz). 

—  Andreas  BAhm  schlägt  als  Längenmaßeinheit  den  Fallraum  eines  Körpei^ 
in  der  ersten  Sekunde  vor. 

—  Der  französische  Ingenieur  Du  Carla  bildet  die  von  Cruquius  (s.  1728  C.| 
zuerst  verwirklichte  Darstellung  des  Bodenrelie£9  durch  Niveaulinien  weit«! 
aus  und  zeichnet  die  erste  Isohypsenkarte  (einer  imaginären  Insel),  di| 
1777  publiziert  wird. 

—  Der  praktische  Arzt  Hieronymus  David  Qaub  in  Leiden  empfiehlt  Radü 
Calumbae  bei  Verdauungsstörungen  u.  dgl. 

—  Samuel  Haarne  erforscht  den  Kupferminenfluß  in  Nordamerika  und  folg: 
seinem  Lauf,  bis  er  ihn  in  der  Feme  in  ein  geschlossenes  Eismeer  (dei 
Coronation-Golf)  münden  sieht. 

—  John  Huntar  stellt  als  unumgängliche  Bedingung  zur  erfolgreichen  Füllung 
imd  Erhaltung  der  Zähne  zum  erstenmal  die  gänzliche  Entfernung  de| 
Pulpa- Restes  fest.  Er  versucht  mit  Erfolg  das  Regulieren  schiefstehendej 
Zähne  und  ist  auch  wissenschaftlich  in  der  Zahnheilkunde  hervorrageD<{ 
tätig. 

—  Johann  Philipp  KlrnNrgtr  erfindet  die  nach  ihm  benannte  ungleichschwej 
bende  Temperatur  der  chromatischen  Tonleiter,  die  es  ermöglicht,  eis^ 
vollkommene  Reinheit  der  Tonintervalle  zu  erzielen. 

—  Johann  Heinrich  Lambert  weist  zuerst  auf  den  großen  Nutzen  korrespon 
dierender  meteorologischer  Beobachtungen  hin. 

—  Charles  Massier  entdeckt  einen  Nebel  im  nördlichen  Jagdhund,  der  je 
doch  erst  durch  Ro8se*s  Teleskop  als  Spiralnebel  erkannt  wird,  das  den 
selben  als  eine  leuchtende  Spirale,  oder  als  ein  schneckenartig  gewundeoe« 
Tau  zeigt,  dessen  Windungen  uneben  erscheinen  und  sowohl  im  Zentrum 
als  ausw&rts  in  dichte,  kömige,  kugelrunde  Knoten  auslaufen.  Er  ver- 
öffentlicht einen  Katalog  der  Nebelflecke  imd  Sternhaufen  mit  103  Ob 
jekten,  von  denen  er  61  selbst  entdeckt  hat. 

—  Joseph  Priestley  und  Karl  Wilhelm  Sctieele  entdecken  gleichzeitig,  atM^i 
unabhängig  voneinander  den  Sauerstoff,  der  entere  durch  Erhitzen  vod 
Salpeter  in  einem  Flintenlauf,  der  letztere  aus  kohlensaurem  QueckBilbfr^ 

—     216     — 


1772 

oxyd.  Die  nähere  EenntniB  des  Gases  erlangen  aber  beide  Forscher 
erst  1774,  als  sie  es  aus  rotem  Quecksilberoxyd  in  ganz  reinem  Zustande 
dargesteUt  haben. 

1771  Joseph   Pritittoy  entdeckt,   daß   die  fixe  Luft,   welche  sich  beim  Atmen  ,# 
bildet  und  die  atmosphärische  Luft  zur  Unterhaltung  des  Lebensprozesses 
untauglich  macht,  durch  die  Pflanzen  in  solche  verwandelt  wird,  welche 
wieder  zum  Atmen  tauglich  ist.     Die  eingehende  Deutung  des  Vorgangs 
gibt  erst  Ingenhouss.     (S.  1779  I.) 

—  Louis  VHft  vermindert  die  durch  die  bisherige  empirische  Behandlimg  der 
Tierkrankheiten  ins  Ungemessene  gehende  Anzahl  der  Arzneimittel, 
empfiehlt  die  Anwendung  von  einfachen  Stoffen  imd  wird  dadurch  der 
Begründer  der  wissenschaftlichen  tierärzthchen  Arzneimittellehre.  (S.  seine 
Schrift  „M^decine  v^terinaire". 

—  Christian  Ehrenfried  Wtigil  erfindet  den  später  fälschlich  nach  Liebig  be- 
nannten, zur  Destillation  viel  benutzten  Kühler,  den  er  erst  aus  Blech, 
1773  aber  bereits  aus  Glas  herstellt. 

—  Peter  Woulte  stellt  Pikrinsäure  aus  Indigo  her  imd  bewirkt  damit  die  erste 
DarsteUimg  eines  künstlichen  Farbstoffs.  Welter  erhält  die  Pikrinsäure 
1799  aus  Seide  mit  Salpetersäure  und  bemerkt,  daß  das  Kalisalz  in 
der  Hitze  verpufft.  Den  Namen  „Pikrinsäure'*  gibt  dem  Produkte 
Dumas  1836. 

1772  AMtoH—  und  Sltwart  in  Northumberland  bauen  eine  Preschmaschine  mit 
einer  größeren  und  mehreren  kleineren  gerippten  Trommeln,  zwischen  denen 
die  Kömer  ausgerieben  werden. 

—  Nachdem  P.  Leroy  in  Paris  für  das  Chronometer  (s.  1736  H.)  eine  bessere 
Kompensation  eingeführt  hatte,  die  dasselbe  unabhängiger  von  der  Tempe- 
ratur machte,  geUngt  es  ArnoM  und  K«Mlal«  Chronometer  herzustellen, 
welche  die  Länge  auf  0,2®  genau  angeben. 

—  Johann  DscfcmaaB  in  Göttingen  begründet  die  Technologie  als  Wissen- 
schaft und  gibt  derselben  ihren  Namen. 

—  Charles  BoiSHt  fördert  durch  seine  Untersuchungen  und  durch  sein  Buch 
„Trait^  elementaire  d'hydrodynamique'*  die  Hydrodynamik. 

1772 — 1775  James  Cook  umfährt  auf  seiner  zweiten  Reise  auf  der  „Resolution*' 
den  ganzen  Erdball  zwischen  66®  und  60®  südlicher  Breite,  überschreitet 
dreimal  den  Polarkreis  und  dringt  unter  106®  64'  westlicher  Länge  bis 
71®  10'  nach  Süden  vor.  Er  findet  überall,  abgesehen  von  kleineren 
Inseln,  wie  den  von  ihm  entdeckten  Cookinseln,  freien  Ozean  und  zerstört 
die  Vorstellung  von  dem  großen  Südland  (vgl.  1772  K.)  gänzlich.  Seine 
Begleiter  sind  Johann  Reinhold  Forster  und  dessen  Sohn  Georg,  in  deren 
Rdsebeschreibimg  Australien  zuerst  als  fünfter  Kontinent  auftritt,  dessen 
große  Ähnlichkeit  mit  den  Umrissen  von  Südamerika  und  Afrika  Johann 
Reinhold  Forster  speziell  hervorhebt. 

1772—76  James  CMk,  Johann  Reinhold  Forstor  und  Georg  Forstor  sammeln  zuerst 
planmäßig  Geräte,  Waffen,  Kleidungsstücke  usw.  fremder  Völker,  legen 
dadurch  deren  Eigentümlichkeiten  fest  imd  begründen  so  die  beschrei- 
bende Ethnographie. 

1772  Der  Botaniker  Gortf  entdeckt  die  Zirkulation,  d.  i.  die  kontinuierliche  Be- 
wegung der  von  Purkinje  1840  Protoplasma  genannten  zähflüssigen  Sub- 
stanz in  der  Zelle  der  Chara.  (S.  a.  1846  M.)  Seine  Beobachtimgen  werden 
von  Meyen  1827  an  Valhsneria  und  von  R.  Brown  an  Tradescantia  ergänzt. 

—  Jean  Andr6  Doluc  scheint  die  Anomalie  in  der  Ausdehnung  des  Wassers 
(d.  h.  die  größte  Dichte  nicht  unmittelbar  am  Ge&ierpimkt,  sondern  bei 
4^  Wärme)  zuerst  erkannt  zu  haben. 

—  Jean  Andr6  Doluc  betont  die  Notwendigkeit,  in  der  barometrischen  Höhen- 

—     217     — 


1772 

messungsformel  (s.  1686  H.)  der  Temperatarvereohiedenheit  innerhalb  dei 
die  beiden  Stationen  trennenden  Luftsäule  gerecht  zu  werden.  Er  machl 
eingehende  Versuche  über  die  Abhängigkeit  des  Siedepunktes  vom  Luft 
druck  und  legt  dadurch  den  Keim  zur  thermometrisohen  HöhenmesBun^ 
1772  Leonhard  Eutor  sucht  für  die  Folge  der  artikulierten  Töne,  weiche  ei] 
Echo  wiedergibt,  ein  Gesetz  auszumitteln,  in  dem  er  die  Schwingungei 
einer  in  eine  Rohre  von  beliebiger  Grestalt  eingeschlossenen  Luftsäule 
mathematlBch  untersucht. 

—  Reinhold  Förster  macht  die  ersten  ernstlichen  Versuche,  die  Tiefen  det 
Ozeans  zu  messen,  wenn  auch  mit  unzulänglichen  Mitteln;  ebensowenig 
Erfolg  wie  er  hat  das  Jahr  darauf  Kapitän  C.  J.  Phipps  in  der  Näh< 
von  Spitzbergen. 

—  Benjamin  Franklin  lehrt  durch  Thermometerbeobachtungen  die  Ufer  dei 
Gol&troms  bestimmen  imd  veröffentlicht  1785  die  erste  genauere  Kart^ 
desselben.    (S.  1519.) 

—  Der  Schriftgießer  Wilhelm  Haas  in  Basel  konstruiert  eine  fast  ausschließlich 
aus  Eisen  bestehende  Buchdruckpresse,  die  einem  Prägewerk  nachgebildet 
ist,  und  bei  der  sich  der  den  Druck  vermittelnde  Bengel  oberhalb  de« 
gußeisernen  Preßgestells  befindet. 

—  William  HabMidtn  gibt  zuerst  ein  genaueres  Erankheitsbild  der  1768  von 
Rougnon  beobachteten  Brustbräune  (Angina  pectoris). 

—  Ives  Joseph  dt  Kerfueton-Tremaric  entdeckt  im  südlichen  Indischen  Oxeao 
die  später  nach  ihm  benannte  Kerguelen-Insel  und  erklärt,  das  große  8üd^ 
land  gefunden  zu  haben,  das  er  „La  France  Australe^'  nennt.  (Vgl^ 
1772  C.) 

—  Der  französische  Tierarzt  Philippe  Etienne  Lafossai  Sohn  von  £.  G.  LafoaM 
(s.  1749L.),  zeichnet  sich  durch  sein  Wirken  auf  dem  Gebiete  der  Pferde^ 
heilkunde  aus  und  gibt  in  seinem  „Cours  d'Hippiatrique"  eine  vortreftlioh« 
Beschreibung  der  Krankheiten  des  Pferdes.  Er  erörtert  u.  a.  die  Durchs 
schneidung  der  Fascien  und  die  Behandlung  der  Homwarzen  der  Pferde. 

—  Johann  Heinrich  Lambert  stellt  in  seinen  „Beyträgen  zum  G^rauch  det 
Mathematik  und  deren  Anwendung''  die  ersten  allgemeinen  Untere 
suchungen  über  Eartenprojektionen  an  und  stellt  gewisse  Normen  anfj 
denen  die  Abbildungen  entsprechen  müssen,  wie  insbesondere  bezü|^ch  de^ 
Winkelsumme  oder  Konformität  und  der  Flächensumme  oder  Äquivalenz. 

—  Antoine  Laurent  LawoMar  weist  nach,  daß  bei  der  Verkalkung  von  Metallex^ 
ebenso,  wie  bei  der  Verbrennung  von  Phosphor  und  Schwefel,  eine  G^ 
Wichtszunahme  stattfindet,  die  von  der  Absorption  einer  großen  Men^rq 
Luft  herrührt,  und  daß  bei  der  Reduktion  von  Metallkalken  sich  andrer- 
seits Luft  in  großer  Menge  entwickelt. 

—  John  Laet  ermöglicht  den  ununterbrochenen  Betrieb  der  Kratzmaschine 
(s.  1741  P.),  indem  er  das  endlose  Speisetuch  zur  Zuführung  der  Baum- 
wolle hinzufügt.  Der  mechanisch  bewegte  Kamm  zum  Abnehmen  der 
Baumwolle  nebst  Trichter  wird  von  Arkwright  angegeben. 

—  Der  Schotte  Andrew  Malkia  in  Tyrringham  versieht  die  ganze  Flügelfläche 
der  Windräder  mit  rektangulären,  jalousieartigen  Klappen,  die  durch 
den  Wind  geöffnet  und  durch  Federkraft  geschlossen  werden.  Cubitt  ver- 
bessert diese  Anordnung  noch,  indem  er  die  Federn  durch  Zahnstange 
und  Getriebe  ersetzt. 

—  Joseph  Priaitifly  stellt  das  Stickoxyd  durch  Erhitzen  von  Kupfer  mit  Sal  j 
petersäure  her  und  schlägt  es  unter  dem  Namen  „Salpetergas'*  zur  Eudio- 
metrie  vor.  Seine  Zusammensetzung  wird  jedoch  erst  ans  Cavendnh's 
Entdeckung  der  Elementarkonstitution  der  Salpetersäure  (s.  1784C.)  erkannt. 

—  J.  B.  L.  Ronit  dt  ritit  beschäftigt  sich   mit  dem  KrystallisationsvoigaDg. 

—     218     — 


1773 

Er  erkennt  das  Vorkommen  pseudomorpher  Krystalle,  die  sich  über  andern 
gebildet  imd  deren  Form  angenommen  haben.  Er  macht  Veisuche  über 
das  KrTstailwasser  der  Salze. 
1772.  Valentin  Roae  der  Ältere  erfindet  die  nach  ihm  „Bose's  Metall'*  genannte 
leichtflüssige,  bei  93,75^  C  schmelzende,  aus  2  Teilen  Wismut,  1  Teil  Blei, 
1  Teil  Zinn  bestehende  Metalllegierung. 

—  Daniel  Rnttisrfort  entdeckt  den  Stickstoff. 

—  John  Simaton  bestimmt  zuerst  die  Verdampfungskraft  der  Steinkohle  und 
findet,  daß  1  kg  Kohle  7,88  kg  Wasser  von  100 <>  C  verdampft. 

—  James  Watt  erfindet  den  Indikator,  einen  selbsttätigen  Registrierapparat 
zur  Darstellung  der  vom  Wasserdampf  bei  Dampfmaschinen  geleisteten 
Arbeit.  Es  ist  dies  die  erste  verbürgte  Anwendung  des  Registrierapparats 
in  der  Mechanik.    (S.  a.  1805  E.) 

—  Johann  Karl  Wikk«  bestimmt  zuerst  die  Schmelzwärme  des  Wassers,  in- 
dem er  Wasser  und  Schnee  miteinander  mischt,  und  kommt  zu  dem 
Resultat,  daß,  um  1  kg  Schnee  in^Wasser  von  0^  zu  verwandeln,  72  Wärme- 
einheiten nötig  sind.  Lavoisier  und  Laplace  finden  nach  der  gleichen 
Methode  die  Zahl  von  75  Einheiten.    (Vgl.  a.  1755  D.) 

—  Thomas  Wood  bringt  an  der  Watermaschine  Arkwright*s  (s.  1769  A.)  eine 
Tretvorriohtung  an,  um  den  Faden  längs  der  Spule  auf  und  nieder  zu 
fähren,  wodurch  das  bisher  nötige  Stillstehenlassen  der  Maschine  während 
des  Weiterhängens  vermieden  wird.  Andere  um  die  gleiche  Zeit  gemachte 
Verbesserungen  betreffen  die  bessere  Lagerung  der  Spindeln,  um  dem 
Schleudern  derselben  vorzubeugen  und  die  Abnutzung  zu  vermindern, 
spätere  Verbesserungen  den  Ersatz  der  die  Spindeln  treibenden  endlosen 
Schnüre  durch  Friktionsscheiben.  (S.  1846  D.) 

1773  Peter  Christian  AMMgaanl  zeichnet  sich  durch  sein  Wirken  in  der  Veterinär- 
kunde aus  und  begründet  die  später  zur  großen  Blüte  heranwachsende 
Königliche  Veterinär-  und  landwirtschaftliche  Hochschule  zu  Kopenhagen. 
Seine  Hauptverdienste  liegen  auf  dem  Gebiete  der  Tierpathologie. 

—  Charles  Augustin  Coulomb  entwickelt  seine  lange  Zeit  maßgebend  gebliebene 
Theorie  der  Brückengewölbe,  sowie  seine  Theorie  des  Erddrucks  auf  Stütz- 
mauern. 

1773 — 79  Abraham  Darby  III,  ein  Enkel  von  Abraham  Darby  (s.  1713D.),  erbaut 
als  erste  eiseme  Brücke  der  Welt  die  jetzt  noch  vorhandene  Straßen- 
brücke über  den  Sevem  bei  Coalbrookdale  (Gußeisen). 

1773  Johann  Ignaz  von  FelMgor  gibt  mit  seiner  Schrift  „Anleitung,  jede  Art  von 
Witterung  genau  zu  beobachten  und  in  Karten  zu  verzeichnen"  die  An- 
regung zur  Herstellung  synoptischer  Karten,  die  heutzutage  die  Grundlage 
der  Wettervorhersage  sind. 

—  John  Fothorflll  beschreibt  sehr  genau  die  nach  ihm  benannte  Form  der 
Neuralgie  des  Trigeminus,  von  der  zuerst  Nicolas  Andr6  in  Versailles  1756 
unter  der  Bezeichnimg  „Tic  douloureux"  gesprochen  hatte. 

—  John  Huntor  veröffentlicht  Untersuchungen  über  das  elektrische  Organ 
der  Zitterfische. 

•*  Joseph  Louis  Lasnuifo  schafft  den  mathematischen  Begriff  der  Invariante. 
(Über  den  weiteren  Ausbau  dieses  Gebiets  s.  1845  C.) 

—  Nachdem  schon  1694  und  1695  auf  Veranlassung  des  Großherzogs  Cos- 
mus  III.  von  Toskana  Averani  und  Targioni  konstatiert  hatten,  daß  der 
Diamant  im  Fokus  eines  starken  Brennglases  völlig  verschwinde  imd  d*Arcet 
1766,  Macquer  und  Houelle  1771  ähnliche  Experimente  unternommen 
hatten,  stellt  Antoine  Laurent  Lavoltior  im  Verein  mit  Macquer,  Cadet, 
Brisson  und  Baum^  fest,  daß  der  Diamant  zu  seiner  Verbrennimg  des 
Zutritts  von  Luft  bedarf,   daß  er  wirklich  verbrennt  und  sich  nicht  etwa 

—     219     — 


1778 

verflüchtigt,  und  daß  bei  der  Verbrennung  ebenso,  ^ie  bei  der  Verbrennui^ 
der  Holzkohle,  fixe  Luft  (EohleuBäure)  entsteht. 

1773  James  Bennett  Monboddo  macht  zuerst  auf  die  Verwandtschaft  im  B^ 
des  Menschen  und  des  Orang-Utangs  aufmerksam. 

—  Der  Engländer  Nooth  erfindet  die  Taftflügel  am  Reibzeug  der  Elektriaiej 
maschine,  nachdem  Beccaria  auf  das  Zurückströmen  der  Elektrizität  t<^ 
der  Scheibe  nach  dem  Isolator  hingewiesen  hatte. 

—  Fr.  P.  Savary  untersucht  das  Sauerkleesalz,  das  seit  lange  bekannt  (s.  1674  S^ 
jedoch  meist  mit  Weinstein  verwechselt  worden  war,  und  erhält  drn^ 
dessen  Destillation  eine  saure  Flüssigkeit,  mittels  deren  er  das  neutrai 
Oxalsäure  Kali  darstellt.  Die  Säure  in  reinem  Zustand  stellt  erst  Sehe« 
dar.    (S.  1776  S.) 

—  Fr.  P.  Savary  erhält  zuerst  Oxaläther  bei  Destillation  der  aus  Sauerkleesa 
durch  Destillation  erhaltenen  sauren  Flüssigkeit  mit  Weingeist.  Aus  r&m 
Oxalsäure  und  Weingeist  stellt  den  Oxaläther  zuerst  1776  Bergman  her] 

—  Johann  Grottlieb  Wolftaln,  ein  Hauptförderer  der  wissenschaftlichen  Tid 
heilkunde  in  Deutschland,  bekämpft  den  Mißbrauch  des  Aderlasses  od 
fördert  die  Tierheilkimde  durch  Begründung  eines  Instituts  zur  Ausbildmi 
von  Militärtierärzten  imd  MilitärhufBchmieden.  Er  behandelt  das  Vd 
halten  der  Eriegspferde  in  Winterquartieren,  die  Pferdeseuchen,  KranJ 
heiten  der  Füllen,  Leisten-  und  Nabelbrüche  u.  a. 

1774  Karl  Samuel  Andsrtdi  imtersucht  die  Himnerven,  den  Halsteil  des  Nennl 
sympathicus,  die  Herznerven  und  entdeckt  den  Nervus  glossopharyngeu 

—  Der  Chemiker  Pierre  Bayan  in  Paris  zeigt,  daß  Quecksilberoxyd  nur  dunj 
Temperaturerhöhimg,  ohne  Zusatz  von  phlogistonhaltigen  Substanzcl 
reduziert  werden  kann,  und  unterstützt  dadurch  Lavoisier  in  seinem  Kampj 
gegen  die  Phlogistonl^eorie. 

—  Torbem  Bergman  zeigt  in  seiner  Abhandlung  „De  acido  aereo*',  daß  Ble 
weiß  nur  kohlensaures  Blei  (Calx  plumbi  aerata)  sei. 

—  Louis  Cottt  gibt  sein  Werk  „Trait^  de  m^t^rologie*'  heraus,  das  für  al 
Gebiete  der  Meteorologie  reichliches  Beobachtungsmaterial  liefert. 

—  Der  Naturforscher  Eugen  Johann  Christoph  Etptr  deutet  in  seiner  Sehn 
,, Nachricht  von  den  neu  entdeckten  Zooüthen"  die  in  der  Gailenreuthi 
Höhle  gefundenen  fossilen  Tierknochen  richtig  und  begründet,  damit  d 
in  geologischer,  zoologischer  und  anthropologischer  Beziehung  wichtig 
wissenschaftliche  Höhlenkunde,  wenn  auch  zunächst  nur  in  elementare] 
Sinne. 

—  FeUce  Fontana  bestimmt  gemäß  Priestley's  Vorschlag  (s.  1772  P.)  mitt« 
des  Salpetergases  (Stickoxyd)  die  Menge  des  Sauerstoff gases  in  der  Atnx 
Sphäre  und  bedient  sich  dazu  des  von  Haies  (s.  1748  H.)  angegebenen  E\ 
diometers. 

—  Benjamin  Franklin  stellt  Versuche  zur  Beruhigung  der  Meereswellen  dun 
Ol  an  imd  legt  die  gemachten  Erfahrungen  in  einer  besonderen  Schii 
(„Of  the  stilling  of  waves  by  the  means  of  oil")  nieder.   (Vgl.  78  Pliniuj 

—  Jean  Etienne  Quettard  führt  die  „Degradation"  der  Berge  und  die  Modi 
lienmg  der  gesamten  Erdoberfläche  auf  Abspülung  imd  Erosion  du» 
Hegen,  Flüsse  und  den  Ozean  zurück. 

—  Der  englische  Chemiker  James  Hunttr  führt  Knochenschrot  als  Düng 
mittel  ein. 

—  Der  englische  Anatom  William  Hunttr,  Erfinder  des  Hunter'schen  \> 
bands,  veröffentlicht  sein  epochemachendes  Werk  über  die  Anatomie  ^ 
schwangeren  Uterus. 

—  Johann  Heinrich  Jung-Stiiiing,  zuerst  Kohlenbrenner  und  Schneider»  spät 
Lehrer  und  Arzt  in  Elberfeld,  zeichnet  sich  durch  Staroperationen  auB. 

—     220     — 


1774 

Martin  Heinrioh  Klaprotti  erfindet  ein  Verfahren,  aus  bedrucktem  Papier 
die  Druckerfarbe  völlig  herauszuwaschen  und  daraus  neues  Papier  herzu- 
stellen, und  läßt  dieses  Verfahren  bei  dem  Papiermüller  Schmidt  in 
Kleinen-Lengden  ausarbeiten. 

tft  La  FoWt  verbessert  die  Schwefelsäurefabrikation,  indem  er  während  der 
Verbrennung  des  Schwefels  durch  den  beigemischten  Salpeter  gleichzeitig 
auch  Wasserdampf  in  die  Bleikammem  einströmen  läßt. 
Joseph  Louis  Lagnuig«  veröffentlicht  als  Ergebnis  seiner  Untersuchungen 
auf  dem  Grebiete  der  Zahlentheorie  die  Fundamentalsätze  der  quadra- 
tischen Formen. 

Pierre  Simon  dt  Laplace  vertieft  die  Newton'sche  Theorie  von  Ebbe  und 
Flut  dadurch,  daß  er  nicht  allein  die  Niveaufläche  des  Meeres  ins  Auge 
faßt,  sondern  die  von  Euler  und  Lagrange  aufgestellten  hydrodynamischen 
Grundgleichungen  auf  die  Vorausbestimmung  der  Oszillationen  des  Meeres 
anwendet.  Er  weist  nach,  daß  die  Erdrotation  als  ein  wesentlicher  Faktor 
der  Grezeiten  anzusehen  ist. 

Antoine  Laurent  Lavolslar  stellt  durch  die  Wage  fest,  daß  die  Gewichts- 
zunahme bei  der  Verkalkung  der  Metalle  (s.  1772  L.)  dem  Grewicht  der  ab- 
sorbierten Luft  genau  gleich  ist.  Er  äußert  sich  bei  Gelegenheit  der  Ver- 
öffentlichung dieser  Arbeit  zuerst  bestimmter  über  die  Zusammensetzung 
der  Luft  aus  zwei  verschiedenen  Gasen. 

Antoine  Laurent  LavoMar  behandelt    in  seinen  „Opuscules  physiques  et 
chymiques"  die  Eaustizität  der  Alkalien  und  entwickelt  darin  vollständig 
die  Ansichten,  die  Black  bereits  früher  (s.  1755  B.)  geäußert  hatte. 
Greorges  Louis  Litagt  versucht  die  von  einer  Reibungselektrisiermaschine 
gelieferte  Elektrizität  zum  Zeichengeben  zu  verwenden,  scheitert  aber  an 
der  Unmöglichkeit  einer  bei  jedem  Wetter  genügenden  Isolierung. 
Nevil  MMkelyiM  und  Charles  Hutton  bestimmen  durch  ihre  am  Berge  She- 
hallien  in  Schottland  angestellten  Messungen  der  Ablenkung  des  Bleilotes 
die  mitüere  Dichte  der  Erde  auf  4,929,  einen  Wert,  der  durch  spätere  Mes- 
sungen (s.  1887  W.  und  1896  K.)  wesentlich  korrigiert  wird. 
Scipione  PtaMII  empfiehlt  die  Wiederaufnahme  der  im  Altertum  üblichen 
Leichenverbrennung. 

Der  Wiener  Arzt  Posch  gibt  eine  als  Fußbett  bezeichnete  Aufhängevorrich- 
tung zur  Behandlung  des  Beinbruchs  an.     (S.  a.  1760  R.) 
Joseph  Prittüey  wendet  zuerst  Quecksilber  zum  Absperren  von  Gasen  an 
und  erfindet  die  pneumatische  Wanne. 

Joseph  Pritittoy  stellt  Ammoniakgas  durch  Erhitzen  von  Salmiak  mit  Ätz- 
kalk  und  Auffang^i  der  entweichenden  Luftart  über  Quecksilber  dar. 
Karl  Wilhelm  Sdissli  entdeckt  bei  der  Digestion  von  Braunstein  mit 
Salzsäure  das  Chlor,  das  von  Helmont  und  Glauber  als  Exhalation  aus 
Königswasser  beobachtet,  aber  nicht  als  eigentümlicher  Körper  erkannt 
worden  war.  Im  gleichen  Jahre  stellt  er  aus  einem  barythaltigen  Braun- 
stein die  Baryterde  rein  dar,  die  Jahn  dann  als  Basis  des  Schwerspats  er- 
kennt. Bei  Gelegenheit  dieser  Untersuchungen  bringt  er  genügende  Be- 
weise für  den  Gehalt  des  Braunsteins  an  einem  eigentümlichen  Metall  dar, 
dessen  Reindarstellung  ihm  aber  nicht  gelingt.  Er  macht  wieder  auf  die 
von  Jacob  Waitz  1705  zuerst  beobachtete  Farbenänderung  der  Lösung 
der  Schmelze  von  Braunstein  und  Salpeter  aufmerksam  und  nennt  das 
Sehmelzprodukt  mineralisches  Chamäleon. 

Der  Landwirt  Johann  Christian  Schubart  von  KIstMd  führt  den  Kleebau  in 
die  mitteleuropäische  Landwirtschaft  ein.     Er  schafft  Brache  und  Weide- 
gang ab  und  führt  Kunstfutterbau  und  Stallfütterung  ein. 
J.  C.  Ph.  TniMno  ds  Montlgny  verfertigt  ein  aus  einer  HohUinse  bestehen- 

—     221     — 


1774 

des  Brennglas,  welches  er  anfangs  mit  Weingeist,  sp&ter  aber  mit  Terp^ 
tinöl  anfüllt  imd  bei  welchem  der  durch  die  bedeutende  Dicke  der  mi 
siven  Glaslinsen  verursachte  Strahlenverlust  vermieden  werden  sollte.  I 
damit  von  Lavoisier,  Macquer  u.  a.  im  Jardin  de  l'Infante  in  Paris  nnt 
nommenen  Versuche  ergeben  sehr  gute  Resultate. 

1774  Anne  Robert  Jacques  Turgot,  Finanzminister  Ludwigs  XVI.,  erfindet  < 
Turgotine,  das  Vorbild  der  späteren  Postkutsche. 

1775  Richard  Arkwrifht  konstruiert  zum  Vorspinnen  die  Kannenmasohine  (I 
temenband),  die  jedoch  wie  alle  nach  ihr  erfundenen  Vorspinnznaschin 
durch  den  Flyer  (s.  1821  C.)  verdr&ngt  wird. 

—  Bancroft  bringt  zuerst  die  „Quercitronrinde"  genannte  Rinde  von  Quere 
ünctoria  nach  England,  die  bis  zur  Entdeckung  der  Anilinfarben  eine  se 
große  Bedeutung  zum  Gelbfärben  von  Wolle  und  Baumwolle  und  su 
Grundieren  von  Stoffen,  die  man  später  braun  oder  grün  färben  od 
bedrucken  will,  erlangt.  Der  in  unreiner  Form  daraus  hergestellte  Farb6t< 
kommt  auch  unter  dem  Namen  „Flavin*'  in  den  Handel. 

—  Jean  Louis  BandtlocqiM  macht  sich  um  die  Lehre  vom  Becken  und  in 
besondere  um  dessen  Messung  sehr  verdient,  lehrt  die  Unt^vtutzung  d 
Dammes  zur  Vermeidung  von  Dammrissen  und  stellt  Indikationen  für  d 
Entfernung  der  Placenta  auf. 

—  Torbem  Bergman  erkennt  den  Einfluß  der  Wärme  auf  die  chemische  Ve 
wandtschaft  und  stellt  Affinitätstab^en  auf,  die  allgemein  als  die  rid 
tigsten  und  vollständigsten  anerkannt  werden.  Er  fuhrt  den  Begriff  d 
doppelten  Wahlverwandtschaft  ein,  deren  Wirkungen  zuerst  Glauber  ( 
1654  G.)  richtig  aufgefaßt  hatte. 

—  Nachdem  N.  Lemery  schon  auf  die  Verschiedenheit  der  kalt  und  heiß  b 
reiteten  Losung  von  Quecksilber  in  Salpetersäure  aufmerksam  gemael 
hatte,  zeigt  Torbem  Bergman,  daß  in  der  kalten  Auflösung  Quecksilb^ 
oxydulsalz,  in  der  heißen  Quecksilberoxydsalz  vorhanden  ist. 

—  Johann  Friedrich  BlumMtach  fügt  in  seiner  Dissertation  „De  generis  hurnu 
varietate  nativa"  zu  den  vier  Rassen  Linn^  (s.  1735  L.),  die  er,  wenn  au« 
zum  Teil  unter  anderer  Bezeichnung  als  Eaukasier,  Mongolen,  Äthiopi«^ 
Amerikaner  anerkennt,  für  die  durch  Cooks  Entdeckungen  erschloseei 
Inselwelt  des  fünften  Erdteils  noch  eine  fünfte  Rasse,  die  malaüsohe  hinit 
Er  fördert  durch  seine  mit  Sömmering  herausgegebenen  „CoUectioniB  cA 
niorum  diversarum  gentium  decades'"  die  Kraniologie. 

—  Burrowt  konstruiert  die  erste  bekannte  Spiegelschleifmaschine,  mit  der  < 
eine  Vorrichtung  zum  Polieren  verbindet.  Welche  Arbeitserspamis  ^ 
selbe  bewirkt,  geht  daraus  hervor,  daß  man  vor  ihrer  Erfindung  zum  Rad 
und  Klarschleifen  von  2  qm  Ebenfläche  41  Stunden,  nachher  10  Stund« 
zum  Polieren  vorher  72  Stunden,  nachher  nur  noch  12  Stunden  Zeit  braucbt« 

—  Fredrik  äff  Chapman  in  Stockholm  gibt  eine  vollständige  Theorie  des  SchiH 
baus  sowie  Regeln  für  die  Ermittelung  des  Schwerpunkts  der  Schiffe,  II 
deren  Ausmessung  und  Belastung. 

—  ConradI  entdeckt  in  der  Galle  das  Cholesterin,  das  von  Chevreul  1824  n 
charakterisiert  und  beschrieben  wird. 

—  CriM  in  Edmonton  gelingt  es,  den  Handkulierstuhl  so  zu  verändern,  dl 
er  auf  demselben  Ketten tüU  (Warp  laces)  erzeugen  kann,  der  dauerhafter  i 
als  die  von  Strutt  (s.  17ö8  S.)  und  Frost  (s.  1769  F.)  hergestellten  Gewel 
Der  Kettenstuhl  wird  auch  zur  Erzeugung  von  Modewaren  apüert 
1791  von  William  Dawson  noch  verbessert. 

—  Der  Weber  Samuel  Crompton  in  England  konstruiert  durch  Verbindung 
Streck  Vorrichtung  Arkwrights  und  des  Spindelwagens  von  Hargreavc« 
Mule-Spinnmaschine. 

—     222     — 


'A 


1775 

i775  WOHam  Cmlksliank,  Anatom  in  Edinburgh  gibt  eine  Anatomie  der  Lymph- 
gefäße heraus.  Er  teilt  infolge  der  Cotugni'sohen  Entdeckung  (s.  1760  C.) 
die  Fälle  von  Wassersucht  ein  in  solche  mit  und  solche  ohne  Eiweiß  im  Urin. 
»  Pierre  Joseph  DMault  fördert  die  von  Lieutaud  (s.  1742  L.)  begründete  chirur- 
gische Anatomie.  Er  schränkt  die  Amputation  und  Trepanation  auf  das 
Äußerste  ein  und  bringt  die  seit  Par6  in  Vergessenheit  geratene  Unter- 
bindung der  Arterien,  insbesondere  auch  bei  Aneurysmen  wieder  zu  Ehren. 
Er  bringt  zur  Eröffnung  der  Luftwege  die  Laryngotomie  in  Vorschlag,  die 
bei  Entfernung  von  Fremdkörpern  vielfach  an  die  Stelle  der  Tracheotomie  tritt. 

—  Matthew  Dobton  und  Pool  stellen  in  ihren  „Medizinischen  Untersuchungen'' 
fest,  daß  der  Harn  aller  Diabetiker  süßen  Geschmack  zeige  und  bei  vor- 
sichtigem Eindampfen  stets  eine  weiße  Masse,  die  süß  schmecke  wie 
Zucker,  zurücklasse.  Sie  folgern  aus  dem  süßen  Geschmack  des  Blutserums 
der  Diabetiker,  daß  der  Zucker  nicht  erst  in  der  Niere  entstehe,  sondern 
schon  im  Blut  angehäuft  sei.    (S.  a.  1670  W.) 

—  Feüce  Fontana  verwendet  zum  Füllen  feinerer  Libellen  Äther  oder  Naphtha 
und  macht  die  Röhre  vor  dem  Verschließen  durch  Erwärmen  luftleer. 
(S.  1661  T.) 

—  Der  Maschinendirektor  Frlodrldi  zu  Clausthal  legt  eiserne  Schienen  von  der 
Grube  Dorothee  bis  zum  Pochwerk  und  baut  den  dazu  nötigen  Hunt 
(vierrädrigen  Förderwagen)  mit  Spurkranzrädem,  welche  Wagenkonstruk- 
tion  später  von  Stephenson  (s.  1825  S.)  übernommen  wird. 

—  Nachdem  Karl  Wilhelm  Scheele  (s.  1774  S.)  nachgewiesen  hatte,  daß  in  dem 
Braunstein  ein  eigentümliches  Metall  enthalten  sei,  gelingt  es  Johann  Gott- 
lieb Qabn,  dieses  Metall  —  das  Mangan  —  in  reguHmschem  Zustand  zu 
erhalten. 

—  Der  sächsische  Bergmeister  Gottlieb  QUsor  veröffentlicht  eine  geologische 
Karte,  auf  welcher  die  Verbreitung  der  verschiedenen  Hauptgesteine  (Granit, 
Sandstein,  Kalkstein)  durch  Farben  veranschaulicht  wird. 

—  Louis  Bemard  Quyton  do  Morvoau  wendet  zuerst,  um  den  Leichengeruch 
aus  der  Kirche  St.  MMarde  zu  Dijon  zu  entfernen,  eine  Chlorräucherung 
(Fumigatio  Chlori)  aus  feuchtem  Kochsalz  imd  Schwefelsäure  an. 

—  Antoine  Laurent  Lavoltier,  der  von  Priestley  mit  dem  Sauerstoff  gas  be- 
kannt gemacht  ist,  zeigt,  daß  der  Sauerstoff  zur  Verkalkung  unerläßlich 
und  eine  notwendige  Bedingung  des  Verbrennungsprozesses  ist. 

—  Antoine  Laurent  Lavoltlor  macht  eingehende  Untersuchungen  über  die  Natur 
der  Kohlensäure.  Er  beschreibt,  wie  Quecksilberoxyd  für  sich  erhitzt  Sauer- 
stoffgas, mit  Kohle  erhitzt  hingegen  Kohlensäuregas  entwickelt  imd  schließt 
aus  diesem  Versuch,  daß  das  kohlensaure  Gas  das  Besultat  der  Verbindung 
von  Kohle  mit  dem  zum  Atmen  tauglichen  Teil  der  Atmosphäre  sei.  1780 
bestimmt  er  dann  in  annähernd  richtiger  Weise  die  quantitative  Zusammen- 
setzung der  Kohlensäure, 

—  Franz  Anton  Mosmor  findet,  daß  sein  bloßer  auf  die  Kranken  gerichteter 
WiUe  (die  heutige  Suggestion)  sich  heilkräftig  erweist.  Er  führt  zweifellos 
die  ersten  Hypnosen  herbei. 

«-  Peter  Simon  Pallas  liefert  die  erste  umfassende  naturgeschichtliche  Ab- 
handlung über  die  mongolische  Kasse  und  offenbart  sich  damit  als  einer 
der  ersten  sachkundigen  Bearbeiter  der  wissenschaftlichen  Ethnogra- 
phie.   (Vgl.  auch  1772  C.) 

—  Die  Paritir  Akadomlo  faßt  den  Beschluß,  in  Zukunft  alle  Vorschläge  eines 
Perpetuum  mobile  abzuweisen. 

—  Joseph  Prioitloy  entdeckt  das  Knallgas.  Das  Knallgasgebläse  soll,  wie 
Lavoisier  angibt,  zuerst  vom  Präsidenten  de  Saron  angewendet  worden  sein. 

—     223     — 


1775 

1775  Joseph  PriMtIty  entdeckt  das  Salzsäuregas,  die  gasförmige  schweflige  S4iiri 
und  das  Flnorkieselgas,  aus  welchem  er  mit  Wasser  die  EieselflaorwaMer 
stoffsäure  erhält. 

—  Jesse  Ramsden  yervoUkommnet  die  von  Hooke  (s.  1674  H.)  erfundene  Kiei« 
teUmaschine  so,  daß  mit  derselben  ein  Kreis  yon  Sekunde  su  Sekundq 
also  der  ganze  Umfang  in  1296000  Teile  geteilt  werden  kann.  Ind<H 
war  die  Herstellung  der  bei  der  Bewegung  zusammengreifenden  Teile  tui 
schwierig,  daß  oftmals  die  Grenauigkeit  der  Maschine  danmter  litt. 

—  Jesse  Ramsden  verwendet  einen  wurmartigen  Fräser  zur  Herstellung  de^ 
Wurmrades  seiner  Kreisteilmaschine. 

—  Karl  Wilhelm  Sdiwli  erhält,  indem  er  Kochsalzlösung  langsam  durch  Bled 
glätte  filtrieren  läßt,  Ätznatron,  das  an  der  Luft  zu  Soda  wird.  Kirwai 
gibt  1782  an,  daß  in  London  Soda  nach  dieser  Methode  fabriziert  werd« 
Eine  andere  Methode  der  Sodadarstellung  wird  1784  von  Johann  Karj 
Friedrich  Meyer  in  Stettin  angegeben.  Er  schlägt  vor»  Kochsalzld6un| 
direkt  durch  Pottasche  zu  zersetzen,  wo  beim  Abdampfen  zuerst  Chlor 
kalium  und  dann  Soda  anschieße.  Mit  dem  Bekanntwerden  der  Leblanc* 
sehen  Methode  (s.  1791  L.)  werden  diese  Verfahren  wertlos. 

—  Karl  Wilhelm  SchMlt  erhält,  indem  er  in  ein  Gemenge  von  weißem  Arsenik 
und  Wasser  Chlor  einleitet,  sowie  durch  Behandlung  von  weißem  Arseoil^ 
mit  Königswasser  die  Arseniksäure  in  reinem  Zustande  und  beBchreib^ 
deren  Salze,  sowie  ihr  Verhalten  zu  anderen  Substanzen. 

—  Karl  Wilhelm  ScIiMlf  entdeckt  bei  Einwirkung  von  Zink  auf  ArsenikBäur« 
den  Arsenwasserstoff. 

—  Alexander  Tllloch  und  der  Buchdrucker  Andreas  Foulif  in  Glasgow  macheti 
Versuche  zur  Herstellung  von  Stereotypdruckplatten«  und  gelangen,  ohn< 
von  Ged's  Erfindung  (s.  1729  G.)  Kenntnis  zu  haben,  zu  einem  ähnlichen 
Verfahren. 

—  Trivlthlek  der  Ältere  ersetzt  den  bis  dahin  flachen  Deckel  des  Dampfkees«!« 
der  atmosphärischen  Maschine  durch  eine  kugelförmige  Haube,  die  defl 
Dampfraum  vergrößert  und  auch  eine  Druoksteigerung  in  der  Maschin^ 
zuläßt. 

—  Michele  Troja  macht  seine  berühmt  gewordenen  Versuche,  die  dartua,  da£ 
bei  ausgewachsenen  Tieren  nach  Zerstörung  des  Knochenmarkes  eine  Nekroa^ 
des  Knochens  und  rings  um  dieselbe  unter  dem  Periost  eine  Neubildmu^ 
von  jungen  Knochen  stattfindet.    (S.  auch  1741  D.) 

1775—81  Felix  Vlcq  d'Azyr  macht  im  Süden  von  Frankreich  eingehende  Unt^r^ 
suchungen  über  die  Kinderzucht  und  gibt  Schutzmittel  gegen  die  An^ 
steckung  und  Vorschriften  für  die  Desinfektion  der  Ställe  und  für  die  Un^ 
schädlichmachung  der  Häute  der  gefallenen  Tiere,  wodurch  er  sich  groB^ 
Verdienste  um  die  Bekämpfung  der  Viehseuchen  erwirbt. 

1775  Alessandro  Volta  konstruiert  nach  dem  von  Wilcke  (s.  1762  W.)  angegeb«;i 
nen  Prinzip  das  Elektrophor,  welches  dazu  dient,  während  längerer  2>ä^ 
wiederholt  kleine  Mengen  Elektrizität  zu  liefern,  und  aus  einem  Harzkuch^d 
besteht,  atif  den  eine  mit  einer  isolierenden  Handhabe  versehene  Metall J 
Scheibe  paßt.  Der  Harzkuchen  wird  durch  Peitschen  mit  einem  Puch«^ 
schwänz  elektrisch  gemacht  und  gibt  durch  Influenz  seine  Elektrizität  a^ 
den  Deckel  ab,  von  dem  die  positive  Elektrizität  entnommen  werden  kannJ 
nachdem  man  ihn  vor  dem  Abheben  mit  der  Erde  in  Verbindung  geeeti^ 
und  so  die  negative  Elektrizität  abgeleitet  hat. 

—  Abraham  Gottlob  Wemtr  begründet  die  empirische  Methode  der  iMfineral^ 
beschreibung  und  klassifiziert  die  Mineralien  namentlich  nach  äußeren 
Kennzeichen. 

—  John  Wllklnson  wendet  zuerst  das  Zylindergebläse  mit  Dampfbetrieb  ac. 

—     224     — 


1776 

1776    Torbem  BarciMUi  entdeckt  die  Liohtempflndlichkeit  der  Ozala&are. 
^      DerAmerikanerD.BashMll  konstruiert  ein  Unterseeboot  (s.a.  1622 D.)  nnd 

erfindet  die  ersten  Offensirtorpedos,  die  er  gegen  das  englische  Liniensohifi 

,,£agle",  jedoch  ohne  wesentlichen  Erfolg  verwendet. 
1776 — 79   James   Cook   entdeckt   auf  seiner   dritten  Reise  die  Sandwich-Inseln 

wieder   (vgl.    1527  S.)»    erforscht   die   Nordwestküste  Amerikas  uod  das 

Beringsmeer  und   gelangt  durch  die  Beringstraße   bis   zum  Eiskap.    Auf 

der  Rückkehr  wird  er  in  Hawaii  ermordet. 
1776    William  Crulkthank  beobachtet  am   Menschen,  daß  durchschnittene  Nerven 

wieder  zusammenwachsen.    Dies  wird  von  Fontana  und  Michaelis  auch  an 

Tieren  bestätigt. 

—  Benj  amin  CmT  verbessert  die  Reynolds'sche  Schienenkonstruktion  (s.  1 7  67  R.  )> 
bei  welcher  die  Wagen  leicht  entgleisten,  indem  er  den  gußeisernen  Schienen 
den  Querschnitt  des  einfachen  Winkeleisens,  mit  senkrecht  stehender 
äußerer  Flansche,  gibt. 

—  DadialMHi«  Apotheker  in  St.  Germain,  l&ßt  künstliche  Zähne  aus  Porzellan 
in  der  Porzellanmanufaktur  von  G-uerhardt  und  Dihl  in  Paris  herstellen. 
(S.  a.  1756  P.) 

—  Der  englische  Ingenieur  Hatton  erfindet  die  Holzhobelmaschine. 

—  H.  F.  HMBr  entdeckt  die  Borsäure  in  den  Lagunen  von  Toskana,  aus  denen 
sie  seit  1818  fabrikmäßig  gewonnen  wird. 

—  Jonathan  HornMowtr  führt  die  erste,  sehr  kleine  zweizylindrische  Zweifach- 
Expansions-Dampfmaschine  aus,  auf  die  er  1781  ein  Patent  erhält.  1790 
baut  er  eine  größere  Zweifach-Expansionsmaschine  für  die  Wasserhaltung 
einer  Grube  in  ComwaUis. 

—  Antoine  Laurent  Lavoisisr  zersetzt  die  Salpetersäure  in  Sauerstoff  und 
Stiokoxyd,  erkennt  jedoch  nicht  die  Zusammensetzung  des  letzteren;  doch 
folgert  er  aus  seinen  Versuchen,  daß  die  roten  Dämpfe  der  Untersalpeter- 
säure eine  in  der  Mitte  zwischen  Stickoxyd  und  Salpetersäure  stehende 
Verbindung  seien.     (S.  a.  1786  L.) 

—  Antoine  Laurent  Lavolstor  arbeitet  über  die  Phosphoreszenz  der  Mineralien, 
über  die  späterhin  Macquer  (1777)  und  Wedgwood  (1792)  Untersuchungen 
anstellen. 

—  LipIlMir  d'AplIgny  beschreibt  in  seinem  Werke  „L'art  de  la  teinture  des  fils 
et  Stoffes  de  coton*'  zum  ersten  Male  die  Türkischrotfärberei  (Rouge  des 
Indes),  die  znerst  in  Indien  aufgekommen  ist  und  von  da  ihren  Weg 
durch  Asien  und  alle  Länder  der  Levante  nach  Westen  genommen  hat. 

—  Der  französische  Marschall  Marc  Ren6  von  Moiitalfliiibtrt  betont  die  Not- 
wendigkeit eines  überlegenen  Geschützfeuers  der  Festungen,  entwickelt  dazu 
anfangs  das  tenailUerte,  später  das  polygonale  Trac^,  fordert  zahlreiche 
Kasematten  sowie  die  Anlage  einer  einfachen  oder  doppelten  Kette  deta- 
schierter  Forts  um  die  Kemumwallung. 

—  Der  Ziegelbrenner  Johann  Georg  Mfliltr  überreicht  dem  Königlichen  Ober- 
baudepartement  in  Berlin  den  Entwurf  eines  Ziegelbrennofens,  der  aus 
6  Einzelöfen  besteht,  die  der  Reihe  nach  derart  angeheizt  werden  sollen, 
daß  die  abziehenden  Gase  zum  Vorwärmen  der  noch  nicht  angeheizten 
Abteile  dienen.  In  diesem  Vorschlage  ist  der  Grundgedanke  der  späteren 
kontinuierlichen  Ziegelöfen  (s.  1839  A.  und  1857  H.)  enthalten. 

—  Joseph  Priattity  entdeckt  das  Stickstoffoxydul  (Lachgas)  bei  Einwirkung 
von  Eisen  auf  salpetrige  Säure. 

—  Alexis  Marie  ds  Rochen  erfindet  das  nach  ihm  benannte  doppelbrechende 
Prisma,  das  eine  Anwendung  der  Doppelbrechung  des  Lichts  in  einach- 
sigen Krystallen  darstellt  und  als  Mikrometer  imd  Distanzmesser  verwendet 
werden  kann. 

Darmstaedter.  15 

—     225     — 


1776 

1776  Karl  Wilhelm  SdiMto  erh&lt  bei  Einwirkung  von  Salpetersäure  auf  ZnckI 
eine  eigentümliche  S&ure,  die  er  1784  als  identisch  mit  der  von  Savai 
(s.  1773  S.)  aus  Sauerkleesalz  erhaltenen  Säure  erkennt  und  Zuckersäoj 
nennt,  welcher  Name  später  durch  Oxalsäure  ersetzt  wird.  Im  gleich« 
Jahre  entdeckt  er  in  den  Harnsteinen  die  zuerst  Blasensteinsäore,  daii 
Harnsäure  genannte  Säure  und  veröffentlicht  seine  Untersuchungen  übi 
den  schon  lange  bekannten  Schwefelwasserstoff,  dessen  Bereitung  &i 
Schwefeleisen  mit  Säuren  er  lehrt. 

—  Alessandro  Volta  untersucht  das  Sumpfgas,  entdeckt  dessen  Entzündlicl 
keit  und  findet,  daß  es  bei  der  Verbrennung  Kohlensäure  liefert. 

—  Thomas  Wood  konstruiert  eine  imter  den  Namen  „Billy'*  bekannte  Spini 
maschine,  die  sich  von  Hargreaves'  Jenny  (s.  1768  H.)  dadurch  unterscheid^ 
daß  ihre  Spindeln  auf  einem  aus-  und  einfahrenden  Wagen  stehen,  d 
Presse  aber  an  ihrem  Platz  bleibt,  während  es  bei  der  Jenny  umgekehrt  vi 

1777  Johann  Anrldson  (Afzelius)  stellt  zuerst  Ameisenäther  in  unreinem  ZuBtan^ 
her;  rein  erhält  ihn  1782  W.  H.  S.  Bucholz,  indem  er  ihn  aus  dem  Deetüli 
von  konzentrierter  Ameisensäure   mit  Weingeist  durch  Wasser  abscheide 

—  In  der  Abhandlung  „De  Terra  Gemmarum'*  gibt  Torbem  BorgmM  4 
Härte  (ermittelt  durch  Ritzen  der  Mineralien  mit  Stücken  von  bekanntj 
Härte)  und  das  spezifische  Gewicht  der  Mineralidn  als  beachtungswerl 
Kennzeichen  an. 

—  Nachdem  Haas  in  Basel  i.  J.  1770  die  ersten  Versuche  zur  Herstello^ 
von  Landkarten  auf  typographischem  Wege  gemacht  hatte,  bringt  Johu 
Gottlob  Immanuel  BroltkO|rf  in  Leipzig  dieses  Verfahren  zu  weiterer  pral 
tischer  Brauchbarkeit.    (Vgl.  1840  R.) 

—  George  Louis  Leclerc  do  Buffon  stellt  das  mathematische  Nadelproblem  aii 
Hierzu  wird  eine  Tafel  mit  gleichweit  voneinander  entfernten  Panül^ 
linien  bedeckt  und  eine  Nadel  von  bestimmter  Länge  darauf  geworfe^ 
Mit  Hilfe  der  Wahrscheinlichkeitsrechnimg  ist  nun  zu  ermitteln,  wie  <^ 
die  Nadel  die  Parallelen  schneidet  imd  wie  oft  sie  dazwischen  zu  üeg^ 
kommt.  Durch  das  Nadelproblem  läßt  sich  ein  Annäherungswert  von 
empirisch  finden. 

—  Tiberius  Cavallo  macht  das  von  John  Canton  angegebene  Elektroskop  eq 
zu  einem  wirklichen  Elektrometer,  indem  er  die  pendelnden  Kügeloben  | 
ein  Glasgefäß  einschließt  und  sie  so  gegen  Luftzug  und  andere  zufällig 
Störungen  schützt. 

—  William  Gulloii  gibt  zuerst  die  richtige  Erklärung  für  die  Erscheinung,  di 
das  Quecksilber  im  Thermometer  infolge  des  Wärmeverbrauchs  bei  d 
Verdunstung  sinkt,  wenn  die  Kugel  befeuchtet  wird.     (S.  1826  A.) 

—  Ckirdoii  bereist  das  südafrikanische  Dreieck  und  entdeckt  den  Orangefluß^ 

—  Der  englische  Chemiker  Bryan  HIfglns  erfindet  die  chemische  HarmoDik 
Indem  er  in  ein  an  beiden  Enden  offenes  Glasrohr  von  unten  eii 
Flamme  einführt,  gibt  die  Röhre,  wenn  die  Flamme  entsprechend  weit  eii 
geschoben  ist  und  eine  passende  Größe  hat,  einen  kräftigen  Ton.  den 
Höhe  gleich  ist  dem  Grundton,  den  die  Röhre  als  offene  Pfeife  gibt. 

—  John  Howard  erreicht  teils  durch  persönliche  Bemühungen,  teils  dar« 
seine  Schriften,  deren  erste  „State  of  the  prisons  in  England  and  Wale^ 
namentlich   großes  Aufsehen  macht,  die  sanitäre  Reform  der  Gefängni* 

—  Johann  Heinrich  Lambort  dehnt  sein  für  das  Licht  gefundenes  Geseta  i 
1760  L.)  auch  auf  die  Wärmestrahlen  aus,  für  die  es  1837  von  Melloni  ö 
dem  Therm omultiplikator  bestätigt  wird. 

—  Antoine  Laurent  Lavoiiior  zeigt,  daß  der  Sauerstoff  der  einzige  BesUoi 
teil  der  Atmosphäre  ist,  der  das  Atmen  unterhält  und  daß  er  sich  hifrb 
in    Kohlensäure   umwandelt,    daß  somit  der  Atmungsprozeß  der  Verbrd 

—     226     — 


1777 

nimg  organischer  Substanzen  analog  ist,  und  folglich  auch  als  Wärmeqnelle 
angesehen  werden  kann.    (S.  a.  1669  M.) 

Antoine  Laurent  iMMIm  macht  zuerst  eine  strenge  Unterscheidung  der 
organischen  Körper  von  den  anorganischen,  und  zeigt,  daß  bei  vollstän- 
diger Verbrennung  organischer  Körper,  wie  Alkohol,  öl.  Wachs  usw.  sich 
nur  Kohlensäure  und  Wasser  bilden,  daß  diese  Körper  somit  nur  aus 
Kohlenstoff,  Wasserstoff  und  Sauerstoff  bestehen  können.  Er  legt  den 
Grund  zur  quantitativen  Analyse  organischer  Körper  und  benutzt  schon 
für  schwer  verbrennliche  Substanzen  statt  freien  Sauerstoffs  Stoffe,  wie 
Quecksüberozyd  und  Mennige,  welche  in  der  Hitze  ihren  Sauerstoff  abgeben. 
Antoine  Laurent  LavoMar  entdeckt  durch  exakte  Versuche,  daß  die  Schwefel- 
säure sich  von  der  schwefligen  Säure  nur  durch  einen  größeren  Grehalt  an 
Sauerstoff  unterscheidet  imd  gibt  eine  Erklärung  über  die  Umwandlung, 
die  der  Eisenkies  an  der  Luft  erleidet. 

Nachdem  Marggraf  (s.  1743  M.)  zuerst  die  Eigenschaften  der  Phosphorsäure 
angegeben  hatte,  stellt  Antoine  Laurent  LavoMtr  bemerkenswerte  Unter- 
suchungen über  die  Phosphorsäure  an,  indem  er  dieselbe  als  aus  Phosphor 
und  Sauerstoff  bestehend  betrachtet.  Er  lehrt  die  Herstellung  der  Phosphor- 
säure durch  Behandlung  von  Phosphor  mit  Salpetersäure,  die  auch  Scheele 
in '^seiner  „Chemischen  Abhandlung  von  der  Luft  und  dem  Feuer"  erwähnt. 
(S.  1777  S.)  Die  Pyrophosphorsäure  unterscheidet  zuerst  Clark.  (S.  1828  C.) 
Der  Physiker  Georg  Christian  LIchttnbarf  entdeckt  die  auf  elektrischen 
Isolatoren  (Harzkuchen)  entstehenden  elektrischen  Staubfiguren  (Lichten- 
berg'sche  Figuren),  die  zur  Untersuchung  der  elektrischen  Natur  pulver- 
förmiger  Körper  führen. 

Nachdem  bis  dahin  die  formale  und  systematisierende  Richtung  in  der 
Dermopathologie  obgewaltet  hatte,  die  auch  noch  J.  J.  von  Plenck  in 
seiner  1776  erschienenen  „Dootrina  de  morbis  cutaneis'*  vertrat,  gibt 
Anne  Charles  Lorry  das  erste,  echt  moderne  Lehrbuch  der  Dermatologie 
heraus,  in  welchem  er  die  Haut  nicht  bloß  als  Decke  betrachtet,  sondern 
in  der  von  Astruc  (s.  1761 A.)  inaugurierten  Richtung  sie  als  ein  physiolo- 
gisches Werkzeug,  ein  Organ  des  Körpers  ansieht,  das  die  innigsten  Be- 
ziehungen zum  Darmtraktus  und  zum  Nervensystem  hat. 
Simon  Peter  Pallas  gibt  die  erste  eingehende  geognostische  Beschreibung 
des  Baus  der  Gebirge,  sowie  Andeutungen  über  deren  Entstehung  und 
Altersbestimmung.    (S.  1760  M.) 

Joseph  Prtofitoy  zeigt,  daß  sich  die  roten  Dämpfe,  die  sich  bei  Vermischung 
von  Stickoxyd  mit  Luft  bilden,  wie  eine  Säure  verhalten,  und  nennt  die- 
selben „Nitrens  acid  air". 

Jesse  Ramtdtii  verbessert  den  Sextanten  (s.  1701 N.),  indem  er  nicht  bloß 
der  Bewegung  der  Alhildade  und  des  drehbaren  Spiegels  einen  gleichmäßigen 
und  sichern  Gang  verleiht,  sondern  den  Limbus  und  Nonius  mit  seiner 
Kreisteilmaschine  (s.  1775  R.)  viel  feiner  und  genauer  teilt,  als  es  früher 
der  Fall  war. 

August  Gottlob  Richter,  der  sich  auch  in  der  Augenheilkunde  auszeichnet 
(s.  a.  1804  R.),  bearbeitet  in  hervorragender  Weise  das  Gebiet  der  Schuß- 
wunden, gibt  eine  gediegene  Darstellung  der  Lehre  von  den  Unterleibs - 
brüchen,  und  vervollkommnet  die  Herniotomie  ganz  wesentlich. 
Karl  Wilhelm  ScIiMle  macht  umfangreiche  Untersuchungen  über  strahlende 
Wärme. 

Karl  Wilhelm  SdiMto  lehrt  gleichzeitig  mit  Lavoisier  (s.  1777  L.)  die  Dar- 
stellung der  Phosphorsäure  aus  Phosphor  imd  Salpetersäure  und  gründet 
auf  Gahns  Entdeckung  (s.  1766  G.)  ein  neues  Verfahren  der  Phosphordar- 
stellung,  indem  er  weißgebrannte  Knochen  durch  Digerieren  mit  verdünnter 

15* 

—     227     — 


1777 

Salpetersäure  löst,  durch  Schwefelsäure  den  Kalk  entfernt,  die  Flüsaigkd 
zur  Sirupsdicke  verdunstet,  mit  Kohlenstaub  mischt  und  in  irdene 
Destillationsgefäßen  glüht.  Das  Verfahren  wird  1780  durch  Nicolas  un 
Pelletier  und  1797  durch  Fouroroy  und  Vauquelin  noch  verbessert. 

1777  Karl  Wilhelm  SdMtlt  benutzt  mit  Chlorsilber  überzogenes  Papier,  um  dj 
chemische  Wirkung  des  Sonnenspektrums  zu  prüfen,  und  findet,  daß  dj 
violette  Licht  am  stärksten  darauf  einwirkt. 

—  Karl  Wilhelm  SdMtlt  und  Feiice  FMltma  entdecken  gleichzeitig  die  Absorptio 
der  Gase  durch  starre  Körper,  insbesondere  durch  frisch  geglühte  un 
unter  Quecksilber  erkaltete  Holzkohle. 

—  Der  Greneralstabsarzt  Johann  Christian  Anton  TTitif  in  Berlin  läßt  elastisch 
Bougies  imd  Katheter  aus  Draht  mit  Kautschuk  überzogen  herstelle 
(Theden'sche  Katheter).  Der  Groldschmied  Bemard  in  Paris  nimmt  178 
zu  diesem  Zweck  Kamelhaargeflecht,  das  er  mit  Kautschuk  überzieht 
Die  Anregung  hierzu  ging  von  Maoquer  aus.   (Vgl.  1768  H.) 

—  Carl  Friedrich  Wtnitl  erklärt  die  Fortdauer  der  Neutralität  bei  wechsd 
seitiger  Zersetzung  neutraler  Salze  damit,  daß  die  verschiedenen  Menge 
der  verschiedenen  Basen,  welche  ein  und  dasselbe  Grewicht  irgend  ein« 
Säure  neutralisieren,  auch  von  jeder  anderen  Säure  ein  und  dasselbe  6^ 
wicht  zur  Neutralisation  bedürfen.  Er  beobachtet,  daß  die  (reschwindii 
keit,  mit  der  ein  und  dieselbe  Menge  Metall  von  einer  Säure  gelöst  wird 
von  deren  Menge  und  Konzentration  abhängt  und  zieht  hieraus  den  Schlaf 
daß  die  Stärke  der  chemischen  Wirkung  von  der  Konzentration  und  Meng 
des  wirkenden  Stoffs  abhängt. 

—  Eberhard  August  Wilhelm  von  ZlmmtniNUiii  entwirft  die  erste  Erdkarte  fü 
die  Verbreitung  der  Säugetiere  und  gibt  das  erste  zoogeographische  Lehi 
buch  heraus.  Er  schließt  auf  Grund  seiner  Untersuchungen  über  di 
geographische  Verbreitung  der  Tiere  auf  vormalige  Änderungen  der  Vei 
teilung  von  Land  imd  Meer. 

1778  Benjamin  MI  zeichnet  sich  durch  die  Behandlung  der  Geschwülste  uni 
insbesondere  deren  Ezstirpation  aus.  Er  macht  die  Brustparaoentese  bei  Eni 
pyem,  Brustwassersucht  und  bei  der  Wassersucht  des  Herzbeutels  zu  ein« 
Spezialität  und  übt  die  Drainagebehandlung  der  Wunden,  bei  der  er  sich  zu 
Ableitung  des  Eiters  silberner  oder  bleierner  Röhrchen  bedient,  die  übrigen 
auch  schon  von  Brunns  von  Longoburgo  1252,  Guy  de  Chauliac  1363  an 
von  Par6  1550,  von  letzterem  unter  dem  Namen  „Tentes  cannul6es*'  b< 
nutzt  worden  waren. 

—  Georges  Louis  Leclerc  dt  Buffon  erklärt  im  Anschluß  anMahudel  (s.  1734  M. 
die  Blitz-  oder  Donnersteine  für  die  ältesten  Kunstprodukte  des  Urmenschei 

—  Charles  Augustin  CoukNiib  erfindet  den  Taucherschacht,  der  die  Tauchei 
glocke  vielfach  in  den  Hintergrund  drängt. 

—  Barth^lemy  Faujas  dt  Saint- Fond  liefert  in  seiner  Schrift  „Recherches  sd 
les  volcans  ^teints  du  Vivarais  et  du  Velay'*  entscheidende  Beweise  fü 
den  vulkanischen  Ursprung  des  Basalts.     (S.  1751  G.  und  1756  D.) 

—  Der  Engländer  Qrttn  erfindet  die  „Tachymetrie"  genannte  Methode  d« 
Distanzmessung  und  konstruiert  dazu  das  Tachymeter,  einen  Theodoli) 
der  außer  zum  Messen  von  Horizontal-  und  Vertikalwinkeln  auch  zm 
Messen  von  Entfernungen  (vermittels  einer  Distanzlatte)  bestimmt  'vsi 
Die  Methode  wird  insbesondere  von  Porro  (s.  1847  P.)  und  Kaltbrunn« 
(1882)  weiter  ausgebildet,  in  neuester  Zeit  aber  durch  die  Photogrammetii 
(s.  d.)  in  den  Hintergrund  gedrängt. 

1778 — 89  Der  Schweizer  Johann  Ullrich  Qrubtnniann  erreicht  beim  Bau  de 
hölzernen  Straßenbrücke  über  die  Limmat  bei  Wettingen  die  größte  buist 
im  Holzbau  ausgeführte  Spannweite  von  118,90  Metern. 

—     228     — 


1778 

Der  ehemalige  kurheesische  RoSarzt  Johann  Adam  KtnUiif  organisiert  in 
Hannoyer  ein  vorbildlich  gewordenes  tierärztliches  Unterrichtswesen  und 
ist  auf  verschiedenen  Gebieten  der  Tierheilkunde  von  bahnbrechender 
Bedeutung. 

Der  Chef  des  preußischen  Mineurkorps  Heinrich  von  dir  Lahr  erfindet  ein 
Verteidigungsminensystem  für  den  Festungsbau,  welches  für  alle  späteren 
Festungsminenanlagen  vorbildlich  wird. 

Antoine  Laurent  LavoMtr  erkennt,  wie  das  Jahr  zuvor  in  der  Schwefel- 
säure,  so  auch  in  den  wichtigsten  anderen  Säuren  (Phosphorsäure,  schwef- 
lige Säure  usw.)  den  Sauerstoff  als  Bestandteil  und  erklärt  den  Sauerstoff 
für  das  säurebüdende  Prinzip. 

Georg  Christian  UcMsabtTf  führt  für  die  beiden  Elektrizitäten  (s.  1730  D.)  die 
Namen  positive  und  negative  Elektrizität  ein  und  bezeichnet  dieselben 
mit  den  Zeichen  -|-  und  — . 

Der  Benediktiner  Pater  MalhtTfet  macht  den  ersten  industriellen  Versuch 
zur  Herstellung  von  künstlicher  Soda.  Er  geht  vom  Glaubersalz  aus,  das 
er  mit  metallischem  Eisen  und  Holzkohle  glüht  und  nach  dem  Erkalten 
durch  Auslaugen  auf  Soda  verarbeitet.  Im  wesentlichen  hiermit  überein- 
stimmend ist  das  1781  von  Bryan  Higgins  in  England  patentierte  Ver- 
fahren, wonach  Glaubersalz  mit  Kohle  geschmolzen  und  dann  Blei  oder 
Eisen  zugesetzt  wird.     (S.  a.  1775  S.) 

Während  die  Doppelsteme  bis  dahin  nur  als  optisch  einander  nahestehend 
angesehen  wurden,  weist  der  Astronom  Christian  Maytr  in  Mannheim  zu- 
erst auf  die  Wahrscheinlichkeit  einer  physischen  Zusammengehörigkeit 
der^Einzdsteme  hin.  Eine  genauere  Untersuchung  dieser  Frage  wird  von 
Hersohel  (s.  1781  H.)  angestellt. 

Nachdem  zuerst  Appius  Claudius  (312  v.  Chr.)  und  später  die  Päpste 
Bonifacius  VIII.  (1300),  Martin  V.  (1417)  und  Sixtus  V.  (Iö8ö)  die  Urbar- 
machung der  Pontinischen  Sümpfe  ins  Auge  gefaßt  hatten,  führt  der  Papst 
PI»  VI.  seit  dem  Jahre  1778  die  Trockenlegung  derselben  durch.  Zur  Be- 
seitigung der  Mängel,  die  sich  hinsichtlich  der  Entwässerung  mit  der  Zeit 
herausstellten,  hat  neuerdings  (1887)  v.  Donat  ein  Projekt  aufgestellt. 
PtaMT  und  TrommMtorff  stellen  zuerst  die  Übereinstimmimg  der  blauen  Farbe 
im  Waid  mit  dem  Indigo  fest  und  bemerken  an  der  Farbe  aus  dem  Waid 
auch  die  Sublimierbarkeit,  die  bald  darauf  für  den  Indigo  0*Brien  in  seiner 
Schrift  „On  calico  printing"  erwähnt. 

Joseph  Pritttlsy  untersucht  zuerst  die  Absorption  der  G-ase  durch  Flüssig- 
keiten und  weist  nach,  daß  unter  gewöhnlichem  Barometerdruck  ein  ge- 
gebenes Volum  Wasser  ein  gleiches  Volum  Kohlensäure  absorbiert. 
Benjamin  Thompson  Graf  von  Rumtart  läßt  zur  Widerlegung  der  zu  seiner 
Zeit  herrschenden  Ansicht,  daß  sich  Wärme  nur  bei  Luftzutritt  zu  ent- 
wickeln vermöge,  ein  Metallstück  (Kanonenrohr)  bei  völligem  Luftabschlüsse 
unter  Wasser  bohren  und  beobachtet  die  damals  überraschende  Erschei- 
nung, daß  das  bei  der  Bohrarbeit  den  Metallkörper  umgebende  Wasser 
bis  zum  Sieden  erhitzt  wird.  Er  gelangt  dadurch  zu  der  Erkenntnis,  daß 
alle  Wärmeerscheinungen  in  Wirklichkeit  Bewegungserscheinungen  sind. 
Karl  Wilhelm  SdiMlt  lehrt  arseniksaures  Kupfer  durch  Fällen  einer  Kupfer- 
vitriollösung mit  einer  Lösimg  von  weißem  Arsenik  in  Pottasche  herstellen 
(Scheele'sches  oder  schwedisches  Grün). 

John  SüMtloii  wendet  bei  der  Brücke  von  Hexham  in  Northumberland  zum 
ersten  Male  die  Gründung  der  Pfeüer  mit  Luftdruck  (Luftdruckgründung 
oder  pneumatische  Gründimg)  an. 

Samuel  Thomas  von  85miiMrlnf  fördert  die  Anatomie  des  Zentralnerven- 
systems imd  der  Sinne. 

—     229     — 


1778 

1778  James  Watt  führt  für  ein  Londoner  Wasserwerk  eine  ExpansionsmaBchin«! 
mit  '/,  Füllmig  aus. 

1779  Leonhard  Enitr  stellt  die  Gresetze  der  Fortpflanzung  transversaler  Welleii 
in  gespannten  dünnen  Schnüren  oder  Saiten  auf,  wonach  die  Fortpflanzungs 
geschwindigkeit  der  Bewegung  der  Quadratwurzel  aus  dem  spannenden 
Gewichte  direkt,  derjenigen  aus  dem  Querschnitt  der  Saite  und  ihrem 
spezifischen  Gewicht  umgekehrt  proportional  ist. 

—  Friedrich  Wilhelm  HMTMhel  beginnt  die  planmäßige  Erforschung  der  Nebelfleck« 

—  Carl  Friedrich  Hlndenburg  in  Leipzig  zeigt,  wie  Kombinationen  und  Varia 
tionen  an  sich  nach  sicheren  einfachen,  rein  kombinatorischen  Gresetzen  ii 
Klassen  und  Ordnungen  vollständig  aufgestellt  werden  und  lehrt  di< 
Kombinationen  imd  Variationen  zu  bestimmten  Summen  aussondern  un^ 
aufzählen.  Er  wird  damit  der  Schöpfer  der  kombinatorischen  Analyst 
und  der  einflußreichste  Vertreter  der  sog.  kombinatorischen  Schule.  T>oci 
wird  dieser  Schule  der  ihr  früher  beigemessene  Wert  in  der  Gegenwarj 
nicht  mehr  zuerkannt. 

—  Jan  IngMihouis  entdeckt  die  Kohlenstoffassimilation  und  Atmung  dei 
Pflanzen  und  weist  nach,  daß  die  grünen  Blätter  und  Schößlinge  inj 
Sonnenschein  und  hellen  Tageslicht  Kohlensäure  aufnehmen  und  Sauerstof] 
abgeben,  während  sie  bei  Nacht  Kohlensäure  abgeben  und  Sauerstoff  auf 
nehmen.     (S.  1771  P.) 

—  James  Keir  zu  Westbromwich  beobachtet  zuerst,  daß  Messing  bei  einen 
hohen  Zinkgehalt  sich  im  Glühen  strecken  läßt.  Er  und  nicht  Munt£ 
der  dieselbe  Beobachtung  1832  wieder  macht,  ist  als  Erfinder  des  seh  mieden 
baren  Messings  anzusehen. 

—  Joseph  Louis  di  Lacranc«  verallgemeinert  die  Euler'sche  Verzemingsfonnd 
(s.  1753  E.)  und  studiert  auch  bereits  die  Abbildung  des  Umdrehungs 
ellipsoides. 

—  Otto  Friedrich  Mflllar  bedient  sich  zuerst  des  mit  Gewichten  beschwertei 
Schleppnetzes,  um  die  Tierarten  des  Meeresgrundes  ans  Licht  zu  ziehei^ 
doch  beschränkt  er  seine  Versuche  nur  auf  mäßige  Tiefen  an  der  Küste. 

—  Ruiz  entdeckt  die  Krameria  triandra,  deren  Wurzel  unter  dem  Name^ 
Ratanhia  in  Huanako  längst  als  zahnkonservierendes  Mittel  im  GebraucI 
war  und  empfiehlt  dieselbe  als  Adstringens. 

—  Karl  Wilhelm  SchMit  erkennt  zuerst,  daß  der  Graphit  mineralische  Kohle  istj 

—  John  Smeaton  führt  die  direkte  und  kontinuierliche  Luftzuführung  für  dii 
Taucherglocke  mit  der  Luftpumpe  aus.  Eine  aus  Gußeisen  hergeeteJltl 
Glocke  mit  Luftzufühiung,  unter  der  zwei  Mann  Platz  haben,  wird  zuersj 
beim  Bau  des  Hafens  in  Ramsgate  benutzt. 

—  Zailinger  znm  Thurn  beleuchtet  das  Wesen  der  Wildbäohe,  gibt  die  Regel] 
für  eine  rationelle  Wildbachverbauung  und  eine  Erklärung  für  die  Entl 
stehung  der  Erdpyramiden  durch  erosive  Aktion  des  Wassers  auf  Schutl 
oder  Lehmanhäufungen,  welcher  Erklärung  sich  Lyell  anschließt.  (Vg^ 
auch  1897  K.) 

1780  Torbem  Bercman  gibt  die  erste  vollständige  Anleitimg  zur  Prüfung  voi 
Mineralien,  insbesondere  von  Erzen.  Er  schließt  unlösliche  Mineralien  zun 
Zweck  der  Analyse  durch  Schmelzen  mit  Alkali  auf  und  führt  in  die  aoa 
lytische  Chemie  das  Verfahren  ein,  einen  Mischungsteil  nicht  isoliert,  sonden 
in  einer  genau  bekannten  konstanten  Verbindung  zu  bestimmen. 

—  Torbem  Bersman  beschäftigt  sich  eingehend  mit  Untersuchungen  über  d« 
metallische  Wismut  und  dessen  Verbindungen,  von  denen  er  eine  grofl< 
Anzahl  darsteUt.     (S.  a.  1546,  1663.  1672,  1681,  1739.) 

—  Torbem  Berfman  benutzt  die  löslichen  Barytsalze  als  Reagens  auf  SchweH 


—     230     — 


1780 

verbessert  das  von  R^aumnr  vorgeschlagene  künstliche  Brut- 
verfahren  (s.  1760  B.)>  indem  er  die  Warmwasserheizung  des  Brutapparats 
einführt. 

Jean  Charles  BoNa  spricht  die  Meinung  aus,  daß  die  Kenntnis  der  Tat- 
sachen, durch  welche  die  Wetterveränderung  bewirkt  wird,  gestatten  werde, 
diese  Änderungen  vorherzusagen. 

Der  Mediziner  John  Brown  in  Edinburg  entwickelt  in  seiner  Schrift  „£le- 
menta  medicinae'*  die  Grundsätze  eines  neuen  Systems  (Brownianismus), 
nach  dem  sich  die  belebten  Organismen  von  den  leblosen  Substanzen  allein 
durch  die  Eigenschaft  der  Irritabilität  (Reizbarkeit,  vgl.  auch  1672  G.) 
unterscheiden.  Browns  Lehre  hat  sich  in  der  Folge  zwar  als  einseitig  und 
vielfach  irrig  erwiesen,  aber  doch  ein  klareres  Erkennen  des  tierischen  und 
pflanzlichen  Lebens  angebahnt.. 

CariBffMt,  Gehilfe  des  Mineralogen  Rom^  de  Tlsle,  erfindet  das  Anlege- 
goniometer, eine  einfache  Art  von  Winkelmesser,  bestehend  aus  einem 
Transporteur  mit  einem  im  Mittelpunkte  angebrachten  radial  drehbaren 
Lineale.  Das  Anlegegoniometer  findet  namentlich  in  der  Erystallographie 
zur  Winkelmessung  der  Erystallkanten  Anwendung. 
€arc0l  konstruiert  die  Carcel-Ührlampe,  bei  welcher  neben  der  Anwendung 
eines  zur  stetigen  Eolbenverschiebung  dienenden  Triebfederwerks  die  Ein- 
richtung getroffen  ist,  daß  ein  Überfließen  und  Zurückkehren  des  über- 
flüssigen Öls  in  den  Lampenfuß  stattfindet.  Eine  unvollkommenere  Pump- 
lampe soll  1765  von  Grosse  in  Meißen  konstruiert  worden  sein. 
Jacques  Alexandre  C^ar  Chartat  nimmt  Schattenrisse  in  der  Camera  auf 
Chlorsilber  auf. 

Andrea  GomparttU  macht  vergleichende  und  anatomische  Beobachtungen 
über  das  Gehörorgan  und  entdeckt  das  Ganglion  nervi  vagi  im  Foramen 
lacerum  sowie  den  Ramus  auricularis  nervi  vagi,  dessen  beide  Äste  er  angibt. 
Hapel  de  la  Ohanayt  legt  die  erste  Speichelfistel  an  einem  Pferde  an  und 
macht  eingehende  Untersuchungen  über  den  so  erhaltenen  Speichel. 
Oliv^er  EvaM  in  Amerika  erfindet  den  Elevator. 

Feiice  Fonüuia  entdeckt  das  Wassergas  (Hydrocarbongas),  indem  er  Wasser- 
dampf auf  glühende  Kohle  einwirken  läßt. 

Benjamin  FrankHii  gibt  ein  Brillenglas  an,  das  aus  zwei  in  einer  wagerechten 
Seheidelinie  zusammenstoßenden  Hälften  derart  zusammengesetzt  ist,  daß 
die  obere  Hälfte  des  Glases  zum  Sehen  in  die  Feme,  die  untere  zum  Sehen 
in  die  Nähe,  namentlich  zum  Lesen,  benutzt  wird.  Hieraus  haben  sich 
die  heutigen  Augengläser  mit  Doppelfokus  entwickelt. 
FOntoiiberfir  in  Basel  erfindet  das  elektrische  Feuerzeug,  bei  welchem  aus 
Zink  und  verdünnter  Schwefelsäure  Wasserstoffgas  entwickelt  wird,  das 
in  dem  Augenblicke,  wo  es  beim  öffnen  eines  Hahns  entweicht,  durch  den 
elektrischen  Funken  eines  Elektrophors  entzündet  wird.  Die  entstandene 
Flamme  überträgt  sich  auf  den  Docht  einer  Kerze. 

Johann  G^ttlieb  Qahn  weist  zuerst  die  Phosphorsäure  im  Mineralreich, 
und  zwar  an  Bleioxyd  gebunden  nach;  1788  finden  sie  Klaproth  und 
Proust  auch  an  Kalk  gebunden. 

Lnigi  QalvaBi  entdeckt  die  Berührungselektrizität  (1796  von  Volta  „Gal- 
vanismus"  genannt),  indem  er  zufällig  beobachtet,  daß  ein  frisch  prä- 
parierter FroBchschenkel  in  starke  Zuckimgen  gerät,  wenn  man  einen 
Muskel  und  einen  entblößten  Nerv  mit  zwei  verschiedenen  Metallen  be- 
rührt, die  ein  leitender  Bogen  verbindet.  Galvani  erklärt  in  einer  1791 
erscheinenden  Mitteilung  diese  Erscheinimg  irrtümlich  aus  der  tierischen 
Elektrizität.  (S.  a.  1756  C.) 
Nachdem  schon  Avicenna  (1020)   und  der  deutsche  Arzt  Stockmann  auf 

—     231     — 


1780 

die  gefährlichen  Wirkungen  der  Bleiverbindungen  hingewiesen  hatten,  b^ 
schreibt  Louis  Bemard  Quyton  ds  MorvMUi  eingehend  die  Giftigkeit  d^ 
Bleiweißes,  welche  Warnung  jedoch  unbeachtet  bleibt,  bis  Tanquerd  de 
Planches  1830  au&  neue  eindringlich  darauf  hinweist  und  gesetzliche  Reg« 
lung  der  Herstellung  von  Bleifarben  verlangt,  die  1849  zuerst  in  Franl; 
reich  erfolgt. 
1780  HamMln  und  David  Avery  errichten  bei  Nore  an  der  Mündung  der  Them« 
eine  schwimmende  Leuchte.  (Leuchtschiff,  Feuerschiff.)  Anderen  Nach 
richten  zufolge  sollen  die  ersten  Feuerschiffe  schon  1.  J.  1732  in  Englanj 
in  Grebrauch  gekommen  sein. 

—  Hanrison  in  Birmingham  fabriziert  die  ersten,  noch  sehr  mangelhaften  Stahl 
federn,  die  von  1803  ab  von  Wise  in  London  zuerst  zu  5  Shillings  das  Stück  ii 
den  Handel  gebracht  werden,  deren  Preis  jedoch  bald  auf  6  Pence  da 
Stück  reduziert  wird.  Die  neuerdings  öfters  auftretende  Behauptung,  daj 
Alois  Senefelder  der  Erfinder  der  Stahlfedern  sei,  ist  somit  irrig.  Die  vcj 
Harrison  von  Johann  Janssen  in  Aachen  (1748)  und  Johann  Heinric] 
Bürger  in  Königsberg  (s.  1808  B.)  gemachten  Versuche  ergaben  ebensowenig 
wie  die  Versuche  des  16.  Jahrhunderts  (s.  1579)  praktische  Resultate. 

—  Nachdem  der  Kurfürst  Karl  Theodor  von  der  Pfalz  der  seit  1783  in  Maoni 
heim  bestehenden  Akademie  der  Wissenschaften  eine  meteorologische  Klasdi 
zugefügt  und  dieselbe  mit  geeigneten  Instrumenten  ausgestattet  hatt^ 
errichtet  der  Hofkaplan  Johann  Jacob  Htminar  mit  Hilfe  dieser  Instrumenta 
ein  Beobachtungsnetz  von  39  Stationen,  die  von  Bologna  bis  Grönlandj 
vom  Ural  bis  nach  Nordamerika  reichen.    (S.  1771  L.) 

—  John  HuntMT  fördert  die  wissenschaftliche  Chirurgie  nach  jeder  Richtan| 
hin  und  übt  zu  dem  Behufe  in  ausgedehnter  Weise  die  Vivisektion  on^ 
das  Tierezperiment.  Er  schreibt  den  Entzündungsvorgängen  einen  reorgani 
sierenden  Einfluß  zu,  beschreibt  zuerst  die  Phlebitis  (Venenentzündung! 
und  macht  ausgedehnte  Untersuchungen  über  die  Muskelschicht  der  Iru^ 

—  John  Landen  zeigt  durch  die  nach  ihm  benannten  Substitutionen,  daß  eiii 
EUipsenbogen  durch  einen  andern  Ellipsenbogen  imd  einen  Kreisbogen] 
sowie  ein  Hyperbelbogen  durch  zwei  Ellipsenbogen  dargestellt  werden 
kann.  Mit  der  Zurückführung  der  Lemniskate  (der  Cassini'schen  Kurve! 
auf  die  Ellipse  und  Hyperbel  hatte  sich  vorher  1718—1750  bereits  Graj 
Fagnano  beschäftigt. 

—  Nachdem  die  Definition  des  Begriffes  „Salz",  die  Tachenius  (s.  1666  T.! 
gegeben  hatte,  völlig  in  Vergessenheit  geraten  und  die  Bedeutung  dies«! 
Wortes  von  den  verschiedenen  Chemikern,  wie  Lemery,  Stahl,  Boerhaave^ 
Kirwan  u.  a.  in  willkürlicher  Weise  aufgefaßt  worden  war,  trennt  Antoin^ 
Laurent  Lavoislar  durch  seine  Entdeckungen  über  die  Natur  der  Säurei^ 
(s.  1777L,  und  1778L.)  diese  als  eine  eigentümliche  Klasse  von  Verbindungei^ 
scharf  von  den  Salzen  ab  und  gibt  zu  einer  gesonderten  Betrachtung  derS&urenJ 
Alkalien  und  Salze  Veranlassung,  die  sich  jedoch  nur  langsam  Bahn  bricht. 

—  A.  L.  Lavoisler  und  P.  S.  d«  Laplact  stellen  die  ersten  genaueren  Versuche! 
über  die  Ausdehnung  fester  Körper  an  und  schließen  aus  diesen  Versuchen, 
daß  ein  Körper,  wenn  er  vom  Nullpunkt  bis  zum  Siedepunkt  des  Wassert 
erhitzt  und  nachher  wieder  bis  zum  Nullpunkt  abgekühlt  wird,  genau 
seine  frühere  Länge  wieder  annimmt,  und  daß  zwischen  Nullpunkt  und 
Siedepunkt  die  Ausdehnung  des  Körpers  der  am  Quecksilberthermometer 
gemessenen  Temperatur  proportional  ist. 

—  A.  L.  Lavolsier  und  P.  S.  ds  Laplact  bestimmen  die  spezifische  Wärme  einer 
größeren  Anzahl  von  Körpern  nach  der  zuerst  von  Black  angegebenen 
Methode  des  EiBschmeizens  und  konstruieren  dafür  einen  eigenen  Apparat 
das  Eiskalorimeter. 

—     232     — 


1780 

1780  A.  L.  Unrobtar  und  P.  S.  d«  Laphwt  leiten  alB  Besultat  ihrer  gememsamen 
Studien  über  speziÜBche,  latente  und  Verbrennungswärme  den  Satz  ab: 
,»Die  bei  einer  Verbindung  oder  Zustands&nderung  frei  gewordene  WSxme 
wird  bei  der  Zerlegung  oder  Büokkehr  in  den  ursprünglichen  Zustand 
wieder  verbraucht  und  umgekehrt/' 

—  Antoine  Laurent  Lavoliiar  macht  den  ersten  Versuch,  zu  beweisen,  daß  die 
Summen  der  dem  tierischen  Organismus  in  der  Nahrung  zugeführten,  und 
der  vom  Organismus  produzierten  Energiemengen  einander  genau  äqui- 
valent sind.  Ähnliche  Versuche  werden  1824  von  Despretz  und  1841  von 
Dulong  unternommen. 

»  A.  L.  LavoMar  imd  P.  S.  i%  Laplact  finden  bei  Gelegenheit  ihrer  Versuche, 
die  Gewitterelektrizit&t  zu  erklären,  die  Elektrizitätserregung  durch  Ver- 
dampfung. Es  ergibt  sich,  daß  bei  der  Verdampfung  von  Wasser  in 
Metallgefäßen  der  Dampf  positiv,  das  Gefäß  negativ  elektrisch  wird.  Daß 
auch  die  Reibung  hierbei  eine  Rolle  spielt,  wird  1843  von  Faraday  nach- 
gewiesen.    (S.  a.  1840  A.) 

—  Der  französische  Techniker  LtvrIer-IMItle  stellt  Papier  aus  Pflanzen  und 
Rinden  her. 

—  Während  man  sich  bei  der  Darstellung  des  Geländes  auf  Karten  und  Plänen 
bis  in  das  18.  Jahrhundert  darauf  beschränkte,  die  Berge  und  Gebirgs- 
züge ohne  Rücksicht  auf  ihre  wirkHohe  Gestüt  durch  gleichförmig  an- 
einander gereihte,  schräg  beleuchtete  Pyramidensignaturen  („  Heuhaufen - 
Signaturen*')  zu  sMzzieren,  versucht  zuerst  der  preußische  Ingenieur- Kapitän 
NHIIItr  eine  der  Wirklichkeit  näher  kommende  G^ländedaistellung,  indem 
er  die  Bergabhänge  ihrer  Neigung  nach  in  9  Klassen  (sanft,  flach,  prall, 
steil  usw.)  einteilt,  und  jede  Neigung  durch  eine  besondere  Art  von  „Schwimg- 
strichen*'  kenntlich  macht. 

—  Jos^  Celestino  Mirtis  in  Bogota  macht  nachdrücklich  auf  die  Kultur  des 
Chinarindenbaumes  aufmerksam. 

—  Während  das  von  Charles  Taylor  und  Thomas  Walker  (s.  1770  T.)  auf  eine 
Walzendruckmaschine  genommene  Patent  Erfolge  nicht  gezeitigt  hatte,  ge- 
lingt es  Christian  Philipp  Oktrkampff  in  Jouy  bei  Versailles,  den  Walzen- 
druck in  die  Praxis  der  Kattunfabrikation  einzuführen. 

—  Der  französische  Mechaniker  Rtlgnlar  stellt  zuerst  handgedrehte  Seile  aus 
Eisendraht  her  und  verwendet  sie  namentlich  für  Blitzableiter.  Wenige 
Jahre  darauf  werden  dieselben  vom  Berghauptmann  von  Reden  zu  Zwecken 
der  Grubenförderung  in  den  Harzer  Bergwerken  eingeführt. 

—  Sven  Rlmnann  stellt  zuerst  das  nach  ihm  benannte  Rinmann'sche  Kobalt- 
grün her,  indem  er  kohlensaures  Kobaltoxydulhydrat  mit  Zinkweiß  ver- 
mischt, trocknet  und  anhaltend  glüht. 

—  Der  italienische  Anatom  Antonio  8car|W  macht  sich  durch  seine  Arbeiten 
über  Augenkrankheiten  und  über  die  Brüche  (1809)  einen  unvergänglichen 
Namen.  Insbesondere  macht  er  die  Discission  und  die  Abreißung  der  Iris 
an  ihrer  Randinsertion  (Iridodialyse). 

—  Karl  Wilhelm  SdiMlt  stellt  zuerst  schwefelsaures  Manganoxydul  her. 

<»  Karl  Wilhelm  SdiMle  entdeckt  in  der  sauer  gewordenen  Milch  eine  besondere 
Säure,  die  er  als  Milchsäure  bezeichnet.  Bei  der  Einwirkung  von  Salpeter 
auf  Milchzucker  erhält  er  neben  Oxalsäure  ein  weißes,  schwer  lösliches 
Pulver,  daß  er  als  eigentümliche  Säure  erkennt  und  dem  Fourcroy  den 
Namen  Schleimsäure  gibt. 

—  K.  W.  SdiMlt  imd  F.  A.  C.  Gran  beobachten  gleichzeitig,  daß,  wenn  meh- 
rere Salze  zugleich  in  Wasser  gelöst  sind,  bei  verschiedenen  Temperaturen 
verschiedene  Produkte  herauskrystalUsieren. 

—     233     — 


1780 

1780  Graf  Charles  von   Stanhopt    stellt  das  Prinzip   vom   Rüokschlag   bei   Ge{ 
wittern  auf. 

—  Jean  Baptiste  Thltaut  d«  Chanvalot  stellt  fest,  daß  die  regelmäßigen  Baro 
meterschwankungen  (s.  1666  B.)  in  keinem  Zusammenhang  mit  der  Witte 
rung  stehen. 

—  Der  Italiener  Vtri  erfindet  eine  Vorrichtung,  durch  ein  Seil  ohne  £nd< 
Wasser  in  großen  Mengen  auf  beträchtliche  Höhen  zu  heben  (Vera's  Funi 
kularmaschine).    (S.  a.  1597.) 

—  James  W«tt  erfindet  die  Schreibkopiermaschine  und  die  Eopiertinte. 

—  Der  Schwede  Wlndholm  erfindet  das  nach  ihm  benannte  schwedisohe  Wind 
holmgebläse,  einen  hölzernen  Blasebalg  mit  beweglichem  Unterkasten  und 
festem  Oberkasten. 

—  Heinrich  August  Wrlsfctrg  studiert  die  Anatomie  des  Peritonaeums,  da 
Netzes  und  der  männlichen  Geschlechtsorgane. 

1781  Feliz  di   Azara  erforscht  in   siebenjähriger  Reise   die  Pampas   von   Sud 
amerika  vom  atlantischen  Gestade  bis  zu  den  Anden. 

—  Henry  Cavtndish  zeigt,  daß  bei  der  Vereinigung  von  Wasserstoff  und  Sauer 
Stoff  ausschließlich  Wasser  entsteht  und  liefert  so  den  Beweis  für  die  Zu 
sammensetzung  des  Wassers.  Gleichzeitig  mit  Cavendish  gelangt  auci 
James  Wttt  zur  Erkenntnis  der  richtigen  Konstitution  des  Wassers. 

—  L.  F.  F.  von  Groll  teilt  in  den  „Neuesten  Entdeckungen  in  der  Chemie* 
mit,  daß  die  Stärke,  welche  bis  dahin  nur  aus  Weizen  gewonnen  wurd« 
auch  aus  knolligen  Wurzeln  (d.  i.  Kartoffeln)  bereitet  werden  kann. 

—  Nicolas  Deytux  weist  zuerst  das  Vorkommen  des  Schwefels  in  Pflanzen  nach 

—  Graf  Archibald  Dundonald  erhält  am  30.  April  ein  Patent  auf  einen  ge 
schloBsenen  Verkokungsofen  mit  gleichzeitiger  Gewinnung  der  Neben 
Produkte.  In  dem  Patent  werden  neben  Cinders  (Koks)  als  zu  gewinnend^ 
Produkte  aufgeführt:  Teer,  Pech,  ätherische  Ole  (essenüal  oils),  flüchtige! 
Alkali,  mineralische  Säuren  imd  Salze.  Praktische  Verwendung  findet 
die  Ofen  aber  nur,  um  neben  dem  Schmelzkoks  den  Teer  zu  gewinneoi 
Bemerkenswert  ist,  daß  sowohl  Lord  Dundonald  als  auch  seine  Arbeit«] 
das  sich  entwickelnde  Gas  gelegentlich  auffangen,  um  es  zu  Beleuchtungsj 
zwecken  zu  benutzen. 

—  Nachdem  Swabs  Vorschlag,  Messing  durch  Zusammenschmelzen  vo^ 
Kupfer  und  Zink  herzustellen,  fast  vergessen  worden  war,  nimmt  Jaoo^ 
Emonon  denselben  wieder  auf  und  stellt  zuerst  im  großen  Messing  nac| 
dieser  Methode  her;  doch  hält  man  auch  dann  noch  das  nach  nraltej 
Methode  durch  Schmelzen  von  Kupfer  mit  Galmei  und  Kohle  erhalten^ 
Messing  lange  Zeit  für  vorzüglicher. 

—  Feiice  Fontana  erkennt  den  Zellkern  als  gesonderten  Inhaltsbestandteil  dd 
Zellen. 

—  Ben6  Just  Hauy  und  Torbem  Berfman  erkennen  gleichzeitig  die  Konstant 
der  Spaltimgsgestalt  des  Kalkspats  und  ermitteln  deren  Zusammenhani 
mit  den  äußern  Formen. 

—  Friedrich  Wilhelm  Hertchtl  entdeckt  am  13.  März  einen  neuen  Planeten] 
den  Uranus.  Das  Jahr  darauf  veröffentlicht  er  seinen  ersten  Doppelstem 
katalog  und  nimmt  eine  wahre  Eigenbewegung  der  Sonne  mitsamt  ihreol 
ganzen  Systeme  nach  der  Bichtimg  des  Sternbildes  des  Herkules  und  dei 
Leyer  an.  Noch  im  Jahre  1781  gibt  Delambre  die  ersten  Tafeln  de^ 
Uranus  heraus. 

—  Nachdem  K.  W.  Scheele  1778  in  der  von  ihm  entdeckten  Molybdänsäuri 
ein  eigentümliches  Metall  erkannt  hatte,  gelingt  es  Peter  Jakob  HJflp 
dieses  —  das  Molybdän  —  zu  isolieren. 

—     234     — 


178g 

W.  HmiHmt  konstruiert  eine  Differentialschraubenwinde,  der  dasselbe  Kon- 
stroktionsprinzip,  wie  beim  Weston'schen  Differentialflaschenzuge  (s.  1861 W.) 
zugrunde  liegt.  Auch  Prony  wendet  dieses  Prinzip  für  eine  Mikrometer- 
schraube  an. 

Antoine  Laurent  Lavoliier  sucht  zuerst  die  beim  Verbrennungsprozeß  ent- 
wickelte Wärme  zu  messen,  indem  er  bestimmte  Quantitäten  der  ver- 
schiedenen  Körper  in  dem  Eiskalorimeter  verbrennt  und  die  Menge  des 
geschmolzenen  Eises  beobachtet.  Ähnliche  Versuche  werden  von  Crawlord 
(1788),  Rumford  (1813)  und  Dalton  (1818)  mit  Hilfe  des  Wasserkalori- 
meters unternommen. 

Antoine  Laurent  Lavoisler  macht  kalorimetrische  Messungen  der  Wärme - 
Produktion  des  Tieres.  1849  werden  solche  Messungen  von  Scharling 
auf  den  Menschen  ausgedehnt,  wobei  derselbe  findet,  daß  der  menschliche 
Körper  in  24  Stunden  etwa  2400000  Kalorien  zu  erzeugen  yermag. 
Philipp  Friedrich  Theodor  Meckel  gibt  in  seiner  Schrift  „De  labyrinthis 
auris  contentis'*  wertvolle  Aufschlüsse  über  das  Gehörorgan  nnd  erkennt 
die  „Zonae  sonorae*',  die  Valsalva  für  Nerven  gehalten  hatte,  als  Periost 
der  Bogengänge.  Er  stellt  hervorragende  anatomische  Präparate  her,  zu 
deren  Füllung  er  Quecksilber  benutzt. 

IMvIllt  macht  in  den  „Philosophical  transactions"  eine  Verbesserung  der 
von  W.  Hunter  (s.  1781  H.)  erfundenen  Differentialschraubenwinde  (Doppel- 
schJhaube)  bekannt.  Diese  Winde  wird  für  besondere  Fälle  zum  Heben 
und  Senken  von  Lasten  benutzt,  doch  ist  ihr  Wirkungsgrad  wegen  des 
bedeutenden  Reibimgswiderstands  ein  geringer. 

Peter  Simon  Pallas  weist  nach,  daß  die  Eier  der  Eingeweidewürmer  von 
außen  in  den  Körper  ihrer  Wirte  gelangen. 

Henry  Park  macht  die  erste  Kesektion  des  Ellenbogengelenks  an 
einer  Leiche. 

Raavet  in  Chesterfield  stellt  zuerst  aus  Eisen  gegossene  Messer,  Gabeln 
und  Scheren  her,  die  nach  dem  Guß  noch  einer  Adoucierung  unterworfen 
werden.  Sein  Unternehmen  hatte  wenig  Erfolg  und  es  blieb  der  neuesten 
Zeit  vorbehalten,  diese  Idee,  jedoch  nur  für  billige  Artikel  und  auf  Kosten 
der  Qualität  (u.  a.  auch  für  Rasiermesser),  durchzuführen. 
John  Smeaton  konstruiert  eine  Mehlbeutelmaschine  (Dressing  machine). 
James  Watt  führt  in  die  Dampfmaschine  die  Kurbel  und  das  Schwungrad 
zur  Umsetzung  der  auf  und  ab  gehenden  Bewegung  in  drehende  Bewegung 
ein  und  erfindet  das  Planetenrädergetriebe. 

James  Watt  gibt  seinen  Dampfkesseln  eine  rechteckige  Gestalt.  Nach  ihrer 
einem  Koffer  oder  Lastwagen  ähnlichen  Form  werden  sie  als  Koffer-  oder 
Wagenkessel  bezeichnet. 

Nachdem  schon  seit  dem  12.  Jahrhundert  Versuche  zur  Schiffspanzerung 
gemacht  worden  waren  (s.  1354  Peter  von  Aragonien),  und  auch  Karl  V. 
1535  eine  mit  Blei  gepanzerte  Fregatte,  die  „Santa  Anna*',  mit  Erfolg 
gegen  Timis  verwendet  hatte,  baut  bei  der  Belagerung  von  Gibraltar  der 
französische  Ingenieuroberst  Jean  Claude  Eleonore  d' Argon  zehn  schwim- 
mende, mit  Eisenplatten  gepanzerte  Batterien,  die  aber  schließlich  der 
Wirkung  der  glühenden  Kugeln  erliegen. 

Torbem  Berfman  sucht  an  der  Hand  seiner  zahlreichen  Mineralanalysen 
in  seiner  „Sciagraphia  regni  mineralis*'  eine  Klassifikation  der  Mineralien 
nach  rein  chemischen  Prinzipien  durchzuführen. 

Jean  Pierre  David  weist  zuerst  mit  Nachdruck  darauf  hin,  daß  die  von 
alters  her  unter  verschiedenen  Namen,  wie  Spina  ventosa,  Paedarthrocace 
bekannte  Nekrosis  der  Knochen  (Knochenbrand)  durch  konservative  Maß- 

—     235     — 


1782 

nahmen,   wie  Eröffnung  der  Totenladen  nnd  Entfernung  der   Sequester 
zu  heilen  ist. 
1782    Der  Apotheker  J.  H.  Flllgitr  in  Cassel   erfindet   das  Casseler  Grelb  (Blei- 
oxychlorid). 

—  Nachdem  bereits  Montanari  (1667)  einen  periodischen  Lichtwechsel  beim 
Algol  {ß  im  Stembilde  des  Perseus)  wahrgenommen  hatte,  stellt  John 
Qoodrlke  fest,  daß  der  Fixstern  jedesmal  5972  Stunden  hinduTch  seine 
größte  Helligkeit  (2.  Grröße)  behält,  dann  in  ^^j^  Stunden  zur  4.  Größe 
herabsinkt  und  ebenso  rasch  zur  2.  Größe  wieder  aufsteigt,  eine  Erschei- 
nung, die  das  Vorhandensein  eines  den  Algol  umkreisenden  dunklen 
Begleiters  wahrscheinlich  macht. 

—  Louis  Bemard  Quyton  d«  Morvwu  entdeckt  das  Zinkweiß  (Zinkoxyd),  das 
schon  1786  von  Courtois  im  großen  fabriziert  wird. 

—  A.  HacMnann  in  Bremen  erhält  zuerst  bei  Einwirkung  von  Chlor  auf 
Schwefel  ein  Gemisch  von  Schwefelchlorür  und  Schwefelchlorid,  welch 
beide  Körper  1816  gleichzeitig  von  Humphry  Davy  und  von  Christian 
Friedrich  Bucholz  isoliert  werden. 

—  A.  HagMiianii  in  Bremen  findet  die  Lichtempfindlichkeit  des  Guajakharzes. 

—  Een6  Just  Hauy  entdeckt  das  Vermögen  einiger  Mineralien,  durch  Diruck 
elektrisch  zu  werden  (Piezoelektrizität)  und  benutzt  diese  Eigenschaft  des 
Doppelspates  zur  Konstruktion  eines  sehr  einfachen  und  doch  empfind- 
lichen Elektroskopes. 

—  Georges  Louis  LMagt  spricht  aus,  daß  die  kosmische  Schwere  auf  den  Stofi 
von  Ätheratomen  zurückzuführen  sei.  Seine  Gravitationstheorie  wird 
1872  von  W.  Thomson  wieder  aufgenommen  und  weitergeführt. 

—  Joseph  Etienne  HWontgoHier  in  Annonay  stellt  mit  seinem  Bruder  Joseph 
Michel  Montfolflar  einen  Luftballon  —  Montgolfi^re  —  her,  der  seine  Steig- 
kraft durch  warme  Luft  (Entzündung  eines  Strohfeuers  an  der  unteren 
offenen  Basis  des  Ballons)  erhält.    (Vgl.  auch  1709  G.) 

—  J.  H.  Mfliler  erfindet  eine  Eechenmaschine,  die  für  Addition,  Subtraktion 
und  Multiplikation  geeignet  ist.  Die  Maschine  ist  im  Museum  von  Daim- 
stadt  aufbewahrt. 

—  Der  Chemiker  Franz  Joseph  MQIIer  von  Relchanstilii  in  Wien  entdeckt 
das  Tellur. 

—  Karl  Wilhelm  SchMle  zeigt,  daß  sich  das  färbende  Prinzip  des  Blutlaugffli- 
salzes  isolieren  läßt,  wenn  man  das  Salz  mit  Schwefelsäure  destilliert.  Er 
nennt  die  übergehende  Luftart  Berlinerblau- Säure  oder  abgekürzt  Blau- 
säure und  stellt  die  Verbindung  dieser  Säure  mit  Kalium,  das  Cyan- 
kalium  her. 

—  Karl  Wilhelm  SdiMle  stellt  durch  Destillation  von  Benzoesäure  mit  Wein- 
geist und  Salzsäure  den  Benzoeäther  her. 

—  Der  Physiker  Jean  Sanebtor  findet  bei  seinen  Untersuchungen  über  den  Ein- 
fluß des  Lichtes  auf  die  Pflanzen,  daß  das  Chlorophyll  schon  nach  wenigen 
Minuten  durch  das  Licht  gebleicht  wird.  Er  bestätigt  im  wesentlichen  die 
von  Ingenhouss  gefundenen  Tatsachen  (vgl.  17791.)  und  verwertet  seine 
Befunde  über  den  Einfluß  des  Lichtes  auf  die  Vegetation  in  seiner  Emäh- 
rungstheorie,  die  er  in  seiner  „Physiologie  v^getale"  veröffentlicht. 

—  Jean  8«n«bler  wird  durch  Hagemanns  Arbeit  (s.  1782  H.)  angeregt,  die 
Veränderungen  der  Harze  im  Lichte  zu  untersuchen.  Einige  Harze,  wie 
Mastix,  Sandarak  usw.  bleichen  aus,  andere,  wie  Gummigutt,  Ammo- 
niakharz, Guajakharz  werden  dunkler.  Er  findet  femer,  daß  verschiedene 
Harze  durch  Belichtung  ihre  Löslichkeit  in  Terpentin  und  flüchtigen  ölen 
verlieren,  welche  Tatsache  später  in  den  Beproduktions verfahren  der  Au- 
totypie und  des  Asphaltzinkprozesses  Verwendung  findet. 

—     236     — 


1788 

1782  Jamee  8lx  konstixdert  den  Thermometrograph  (Registrierthermometer),  ein 
Instrument  zur  selbsttätigen  Aufzeichnung  der  höchsten  und  tiefsten 
Temperatur  für  einen  beliebigen  Zeitraum.  (S.  a.  1757  C.)  Das  Registrier- 
thermometer wird  1794  von  Daniel  Rutherford  in  eine  bequemere  und  hand- 
Uohere  Form  gebracht,  in  welcher  es  aus  einem  Quecksilberthermometer 
(Maximum thermometer)  und  einem  Weingeistthermometer  (Minimum- 
thermometer)  besteht  und  ist  in  dieser  Form  heute  noch  gebräuchlich. 

—  James  Watt  projektiert  die  erste  rotierende  Dampfmaschine,  die  später 
von  Murdoch  (1799),  Rider  (1821)  u.  a.  verbessert  wird,  aber  an  dem 
Fehler  leidet,  daß  die  Gleitflächen  nicht  dauernd  dicht  halten.  (Vgl.  auch 
1899  H.) 

—  Josiah  Wtdgwootf  erfindet  ein  speziell  für  die  Steingutfabrikation  geeig- 
netes Pyrometer  y  welches  auf  der  Eigenschaft  mancher  Tonarten,  beim 
Erhitzen  zu  schwinden,  beruht.  Das  Pyrometer  besteht  aus  einer  Anzahl 
kleiner  Tonzylinder  und  einer  Vorrichtung,  deren  Dicke  zu  messen. 

—  William  Wttti  in  Bristol  erfindet  die  Herstellung  des  Patentschrots.  In- 
dem das  geschmolzene  Blei  von  der  Höhe  eines  Schrotturms  30  —  40  Meter 
tief  in  ein  untenstehendes  Wassergefäß  fällt,  wird  erreicht,  daß  die  Tropfen 
sich  in  der  Luft  runden  und  abkühlen. 

1783  Der  Schweizer  Aim6  ArfaiMl  erfindet  den  nach  ihm  benannten  Rundbrenner 
für  Leuchtflammen  mit  röhrenförmigem  Docht  und  innerer  Luftzuführung, 
der  eine  vorher  ungekannte  Stetigkeit  des  Lichtes  und  volle  Unabhängig- 
keit desselben  von  der  Luftbewegung  bewirkt. 

—  Pieter  Gampir  veranlaßt,  nachdem  die  erste,  >777  von  Sigault  (s.  1768  S.) 
an  Madame  Somhot  ausgeführte  Operation  zwar  mit  der  Erhaltung  des 
Kindes,  aber  mit  dem  Tode  der  Mutter  geendet  hatte,  auf  Grrund  von  Tier- 
versuchen, den  Greburtshelfer  Damen  im  Haag,  in  einem  Falle  von  engem 
Becken  die  Symphyseotomie  zu  machen,  was  auch  voUen  Erfolg  hat. 

'—  Henry  CavMidIth  bestimmt  die  quantitative  Zusammensetzung  der  Luft 
und  stellt  deren  (behalt  an  Sauerstoff  auf  20,85®/o  fest. 

—  Jacques  Alexandre  C6sar  Oharlet  ersetzt  die  erwärmte  Luft  der  Montgolfi^re 
(s.  1782  M.)  durch  Wasserstoffgas  und  läßt  am  27.  August  die  erste  Char- 
H^re  in  die  Lüfte  steigen.  Er  ist  der  erste,  der  meteorologische  Beobach- 
tungen mittels  des  Luftballons  ausführt,  indem  er  am  1.  Dezember  am 
Barometer  den  Wert  von  -000,8  mm,  am  Thermometer  — 8,8®  abliest  imd 
daraus  die  vom  Ballon  erreichte  Höhe  auf  3467  m  berechnet. 

—  Nachdem  infolge  der  Powers'schen  Entdeckung  (s.  1768  P.)  Oowley  eine 
Lederspaltmaschine,  die  sich  jedoch  nicht  bewährte,  angegeben  hatte, 
konstruiert  ChminMrt  in  London  eine  solche  Maschine,  die  von  Parr  und 
Bevington  (1806),  Newberry  (1808),  Dyer  (1811)  und  vielen  späteren  ver- 
bessert wird. 

—  James  Cooke  erfindet  die  mit  Löffeln  (Bechern)  versehene  Säemaschine 
(Loffelsystem). 

—  Henry  Gort  in  Lancaster  erfindet  das  unter  dem  Namen  „Puddeln**  be- 
kannte Verfahren  der  Verarbeitung  von  Roheisen  zu  Schmied eeisen  und 
Stahl,  das  an  die  Stelle  des  Herdfrischens  tritt.  Durch  die  Verwendung 
von  Steinkohle  wird  nicht  nur  die  teurere  Holzkohle,  sondern  auch  ein 
Teil  der  Menschenarbeit  entbehrlich. 

—  Henry  Gort  schafft  Einrichtungen,  durch  welche  es  ihm  zuerst  gelingt, 
Luppeneisen  unter  gefurchten  Walzen  zu  verarbeiten  und  trägt  dadurch 
zur  Entwicklung  der  Formwalzerei  bei.  Seine  Einrichtungen  geben  Ver- 
anlassung, auch  den  Draht  in  Walzwerken  herzustellen. 

—  Nachdem   Scheele    1781    in   der   von  ihm   entdeckten   Wolframsäure   ein 

—     237     — 


1788 

eigentümliches  Metall  konstatiert   hatte,  isolieren  die  Brüder  Fausto  nnj 
Juan  Jos6  d'Elhuyar  daraus  das  Wolfram. 
1783    Philippe  OMipiiibre  entdeckt  das  selbstentzündliche  Phosphorwafiserstoffga 
beim  Erhitzen  von  Phosphor  mit  Kalilauge. 

—  Jean  Paul  i%  Giia  i%  Mähret  beweist  den  schon  1727  von  F.  C.  Maien  au^ 
gestellten  Satz,  daß  man  die  ganze  Trigonometrie  aus  dem  Koeinussat 
herleiten  könne,  ein  Beweis,  den  Lagrange  (1799)  und  Gauß  (1810)  Tel 
einfachen. 

—  Nachdem  die  1774/76  von  Jacques  Constantin  Parier  und  dem  Gräfe 
Aiudron  auf  der  Seine  in  Betrieb  gesetzten  Dampfboote  ihrer  Langsan] 
keit  wegen  verworfen  worden  waren,  unternimmt  der  Marquis  Claude  i 
Joiiffroy  einen  neuen  Versuch  auf  der  Saöne  bei  Lyon,  wobei  es  ihm  gi 
gelingt,  mit  seinem  Dampfboot  eine  volle  Stunde  stromaufwärts  zu  fahrei] 
Trotzdem  wird  die  Erfindung,  deren  hoher  praktischer  Wert  unverstandel 
blieb,  vergessen. 

—  Antoine  Laurent  Lavdiiar  unternimmt  es,  an  der  Hand  seiner  Erfahrungei 
über  die  Verbrennimg  die  Phlogistonlehre  zu  stürzen,  und  errreioht,  dd 
um  1785  seine  antiphlogistische  Lehre  allgemein  anerkannt  wird. 

—  Antoine  Laurent  Lavoliiar  betrachtet  diejenigen  Körper  als  einfache,  dj< 
wie  Lichtstoff,  Wärmestoff,  Sauerstoff,  Wasserstoff,  Stickstoff,  nicht  weit^ 
zerlegt  werden  können,  und  diejenigen  als  zerlegbare,  deren  Zerlegui^ 
wahrscheinlich  ist,  wie  die  Alkalien,  die  Erden  und  die  Metalle. 

—  Antoine  Laurent  Lavolsler  zerlegt  das  Wasser,  indem  er  Wasserdampf  übe 
glühendes  Eisen  strejbhen  läßt,  mit  dem  sich  der  Sauerstoff  des  Wasse^ 
verbindet,  während  Wasserstoff  frei  wird. 

—  Legtr  in  Paris  schlägt  an  Stelle  des '  bis  dahin  angewandten  massivei 
Dochtes  den  bandförmigen  Flachdocht  für  die  Brennlampe  vor.  (Vgl.  1783 A< 

—  Sebastian  Ltnormantf  verwirklicht  den  Gedanken  Leonardo's  (s.  1480),  indeii 
er  den  Versuch  macht,  sich  mit  einem  aufgespannten  und  gegen  Umkippe! 
gesicherten  Regenschirm  von  seiner  Wohnung  auf  die  Straße  herabzulasseij 
Infolge  dieses  Experimentes  konstruiert  er  einen  kegelförmigen  Fallschinii 
niit  dem  sich  am  22.  Oktober  1797  Jacques  Gamerin  aus  einer  Höhe  to{ 

*  1000  m  herunterläßt. 

—  Marschall  in  Straßburg  exstirpiert  zum  ersten  Male  einen  carcinomatöeej 
prolabierten  Uterus  mit  Erfolg. 

—  Jan  Pieter  Mlnck«laMrs  stellt  aus  Steinkohle  erzeugtes  künstliches  Gas  ij 
Beleuchtimgsz wecken  imd  technischen  Zwecken  her  und  begründet  dami 
die  Industrie  des  Leuchtgases.  Er  berichtet  darüber  in  einer  1784  ersohi^ 
nenen  Denkschrift,  in  der  er  auch  die  Keinigung  des  Gases  durch  Kalk  H 
schreibt.     1785  erleuchtet  er  damit  seinen  Hörsaal  in  Louvain. 

—  Jan  Pieter  Mlnck«laMrs  füllt  den  ersten  Luftballon  mit  Leuchtgas  und  läfl 
denselben  am  21.  November  im  Park  des  Herzogs  von  Arenberg  r 
Heverlö  bei  Louvain  aufsteigen.     (Vgl.  1783  C.) 

—  J.  E.  und  J.  M.  Montfolflor  lassen  am  5.  Juni  den  ersten  größeren  Luft 
ballon  in  Aunonay  aufsteigen,  der  mit  erwärmter  Luft  gefüllt  iM 
(S.  a.  1782  M.) 

—  Jesse  Ramtden  verbessert  das  Femrohrokular  und  benutzt  für  dasselb 
zwei  plankonvexe  Crownglaslinsen,  die  mit  ihren  konvexen  Flächen  ein 
ander  zugewandt  sind. 

—  Sven  RInmann  in  Esküstuna  versucht  zuerst  das  Emaillieren  gußeiseinf 
Gefäße,  ohne  jedoch  eine  hinreichende  Haltbarkeit  zu  erzielen.  Die  Hef 
Stellung  haltbarer  emaillierter  Geschirre  gelingt  erst  Adolph  Pleisohl 
(S.  1836  P.) 

—  J.  B.  L.  Romi  de  l'lslt  spricht  das  Prinzip  aus,  daß  jedem  festen  Körper  voi 

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1784 

bestimmter  chemisolier  Znsammensetzmig  eine  eigene  Krystallgestalt  zu- 
komme und  erkennt  das  bereits  (s.  1669  S.)  von  Stenonis  ausgesprochene 
Grundgesetz  der  Krystallographie,  das  G-esetz  von  der  Konstanz  der  Kanten - 
'Winkel,  in  seiner  allgemeinen  Gültigkeit. 

Der  französische  Naturforscher  Pil&tre  de  Rozitr  und  der  Marquis  d'ArtaBdM 
wagen  es,  am  19.  Oktober  von  den  GSxten  von  La  Muette  aus  in  einer 
Montgolfi^re  selbst  in  die  Lüfte  zu  steigen.  Bis  dahin  hatte  man  nur 
versuchsweiBe  Tiere  in  Käfigen  mit  in  die  Lüfte  genommen. 
Horace  Benedict  de  Sausiura  erfindet  ein  Haarhygrometer,  welches  dem 
1774  von  Deluc  konstruierten  Hygrometer,  zu  dem  letzterer  erst  Elfenbein, 
dann  Fischbein  verwandte,  wesentlich  überlegen  ist  und  später  von  Koppe 
und  namentlich  von  Klinkerfues  verbessert  wird. 

Karl  Wilhelm  ScIiMie  entdeckt,  daß  bei  Einwirkung  von  Bleiozyd  auf 
Brennöl  eine  eigentümliche  süße  Substanz  ausgeschieden  wird,  und  zeigt 
1784,  daß  diese  Substanz,  das  Olsüß  oder,  wie  Chevreul  es  später  nennt, 
das  Glycerin  auch  in  andern  Fetten  imd  ölen  enthalten  ist. 
Lazzaro  Spallanianl  stellt  die  eiweißlösende  Wirkimg  des  Magensaftes  fest 
und  weist  nach,  daß  der  Magensaft  unter  geeigneten  Bedingungen  auch 
außerhalb  des  Körpers  dieselben  Umwandlungen  wie  im  Körper  bewerk- 
stelligt. Er  erkennt  auch  die  saure  Reaktion  des  Magensaftes. 
Alessandro  Volta  gelangt  vom  Elektrophor  (s.  1762  V.)  durch  Verringerung  der 
Dicke  der  Isolierschicht  zum  sog.  Kondensator,  der  aus  zwei  Metall- 
platten mit  schwacher  Isolierschicht,  am  besten  Firnis,  besteht  und  zum 
Nachweis  geringer  Elektrizitätsmengen  dient.  Das  Instrument  wird  1847 
von  Kohlrausch  wesentlich  verbessert. 

Die  im  Jahre  1543  entdeckten  und  im  Jahre  1710  von  dem  Spanier  Padilla 
wieder  aufgefundenen,  jetzt  deutschen  Palauinseln  werden  in  Europa  erst 
bekannt  im  Jahre  1783  durch  A.  Wilson,  der  dort  Schiffbruch  erleidet  und 
längere  Zeit  verweilt. 

William    WHhirinf    entdeckt    den    aus    kohlensaurem   Baryt  bestehenden 
Witherit  (dem  Werner  den  Namen  gibt)  bei  Leadhills  in  Schottlands. 
E.  A.  W.  ZimmerBiaiiii  schätzt  auf  Grrund  der  Cook'schen  Entdeckungsfahrten 
das  Verhältnis  von  Wasser  zu  Land  auf  der  Erde  wie  2,7 : 1.    (S.  a.  1681  M.) 
Nachdem  Graf  Karl   von  Sickingen  1772   die  Schweißbarkeit   des  Platins 
erkannt  hatte,   stellt  Franz  Karl  Acharil  zuerst  Platintiegel  her,   indem  er 
durch  Zusammenschmelzen  mit  Arsen  schmiedbares  Platin  erzeugt. 
George  Atwood  beschreibt  in  seiner  Schrift  „On  the  rectÜLnear  motion  and 
rotation  of  bodies'*  die  nach  ihm  benannte  Fallmaschine,  die  im  Prinzip 
schon  1746  von  C.  G.  Schober  in  Wieliczka  angegeben  worden  war. 
Joseph  Bnmali  erfindet  ein  Kombinationsschloß  mit  Schlüssel,  das  schnell 
eine  große  Verbreitimg  erlangt  und  nach  seinem  Erfinder  „Bramah-Schloß" 
genannt  wird.    Zur  Bearbeitung  der  Teile   dieses  Schlosses   verwendet  er 
Fräsen. 

Nachdem  der  französische  Seeoffizier  De  Genne  (1678)  einen  mechanischen 
Webstuhl  entworfen  hatte,  der  ebenso  wie  die  von  Jacques  de  Vaucanson 
(1745)  erfundene  Webemaschine  sich  nicht  als  gebrauchsfähig  erwies,  baut 
Edmond  Cartwrlght  den  ersten  brauchbaren  mechanischen  Webstuhl. 
Jean  Dominique  Gattlnl  d«  Thury  zeigt,  daß  im  Keiler  der  Pariser  Stern- 
warte im  Verlaufe  eines  Jahrhunderts  die  Veränderungen  des  Thermometer- 
standes sich  auf  wenig  über  0,02^  beliefen;  der  stabile  Stand  war  11,82^. 
Henry  GsvenAsh  beobachtet,  daß  auf  reine  dephlogistierte  Luft  (Sauerstoff) 
und  auf  reine  phlogistierte  Luft  (Stickstoff)  der  elektrische  Funken  nicht 
wirkt,  daß  dagegen  in  einem  Gemisch  von  beiden  eine  chemische  Verbindung 
entsteht,  die  er  als  identisch  mit  Salpetersäure  erkennt. 

—     239     — 


1784 

1784  Charles  Auguatiii  Qoulomb  untenucht  die  Gesetze  der  Torsionselastuit&t  an 
feinen  Fäden  und  Drähten  und  wendet  zu  seinen  Versuchen  die  Methode 
der  sogenannten  Oszillationen  an.  £r  findet,  daß  die  Torsionskraft  dem 
Torsionswinkel  proportional  ist,  was  mit  gewissen  Einschränkungen  (fiu 
einige  Metalle)  von  Warburg  1880  bestätigt  wird. 

—  OUver  Evant  baut  ein  vielfach  in  Anwendung  gebrachtes  Getreidereimgungs- 
Siebwerk  (KoUing  Screen  and  Fan). 

—  Johann  Peter  Franz  Xaver  Fauktn  macht  Reformvorschläge  für  die  Hospi- 
täler und  verlangt  namentlich  £vakuation  und  Lüftung  der  längere  Zeit 
mit  Kranken  belegt  gewesenen  Räume. 

^  Johann  Wolfgang  von  Qoeth«  entdeckt  gleichzeitig  mit  Felix  Vlcq  d'Aiyr  den 
Zwischenkiefer  am  Schädel  des  Menschen.  Durch  diese  Entdeckung  wird 
Goethes  Überzeugung  von  der  Kontinuität  des  osteologischen  Typus  durch 
alle  Gestalten  hindurch  bestätigt,  eine  Idee,  auf  der  die  vergleichende 
Anatomie  beruht.  (Goethe:  Osteologie.)  Diese  Entdeckung  soll  übrigens 
1626  schon  von  dem  Holländer  S.  van  den  Spickel  gemacht  worden,  aber 
unbeachtet  geblieben  sein. 

—  Christian  Friedrich  Samuel  HahnMiann  stellt  den  Grundsatz  auf,  dafi  bd 
chemischen  Prozessen  die  verschiedene  Löslichkeit  die  wechselseitige  Zer- 
setzung bedinge,  indem  stets  die  für  die  statthabende  Temperatur  Bohwer- 
löslichsten  Salze  herauskrystalHsieren.  (S.  a.  1780  S.)  In  Berthollet's  Af- 
finitätslehre wird  dieser  Satz  sehr  erweitert. 

—  Ren6  Just  Hauy  stellt  das  Gesetz  der  S3rmmetrie  (nach  dem  die  Verände- 
rung einer  Krystallform  durch  Kombination  mit  andern  Formen  sich  stets 
auf  alle  gleichartigen  Teile  erstreckt)  und  das  Gesetz  der  Achsenverände- 
rung durch  rationale  Ableitungskoeffizienten  auf. 

—  Friedrich  Wilhelm  Henchsl  stellt  in  seinem  Buche  „On  the  construction  of 
heavens*'  die  Theorie  auf,  daß  die  sichtbaren  Sterne  samt  der  Milchstraße 
einen  linsenförmigen  Haufen  bilden  und  die  Sonne  sich  etwas  außerhalb 
der  Mitte  desselben  befindet. 

—  John  Mfrltt  aus  Boston  und  Nicolas  Fran^ois  Blandiaril  unternehmen  in 
London  die  erste,  ausschließlich  wissenschaftlichen  Zwecken  dienende 
Luftschiffahrt  und  erreichen  eine  Höhe  von  2740  m.  Sie  konstatieren  da- 
selbst eine